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Full text of "Die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs"

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herausgegeben 



von der 



Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften. 



Band XXV. 



Die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs. 



Die Pilgerfahrt 
träumenden Mönchs« 



Aus der Berleburger Handschrift 



herausgegeben 



von 



Aloys Bömer. 



Mit drei Tafeln in Lichtdruck. 



BERLIN 

Weidmannsche Buchhandlung 

1915. 



BERLIN 

Weidmannsche Buchhandlung 
1915. 










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Einleitung. 



«^ 2>ie 'in Ärer vorliegenden Gestalt meines Wissens noch, völlig unbekannte 
Pilgerfahrt des träumenden Mönchs ist eine Übersetzung des in den Jahren 1330 
bis 1332 dem Bosenroman nachgebildeten französischen Traumgedichts Le Pelerinage 
de Vie humaine des Zisterziensers Guillaume de Degwilemlle aus dem Kloster 
Chaalis im Departement Oise (vgl. über ihn Tlultnian, Guillaume de Dcguilcirille. 
IJiss. Upsala 1902). Wie glücklich der Dichter mit der Fülle moralisch zu- 
geschnittener Allegorien dem eigenartigen Geschmack seiner Zeit Bechnung getragen 
hat, beweisen außergewöhnlich zahlreiche Abschriften und seihst noch Drucke 
seines Werkes, mehrfache Bearbeitungen und wiederholte Übertragungen in fremde 
Sprachen. Deguileville selbst sali sich nach 25 Jahren zu einer neuen, jedoch 
keineswegs vorteilhafter geratenen Bedaktion veranlaßt und baute überdies die 
Dichtung .durch zwei Fortsetzungen, Le Pelerinage de l'Ame und Le Pelerinage de 
Jesuserist, zu einer großen Trilogie von mehr als 3G 000 Versen aus (Neuausgabe 
der 3 Teile von J. J. Stürzinger für den Boxburghe Club. London 1893 — 97. 
Abdruck des 1. Teils in der urspr. Gestalt; Verz. der LIss. beider Fassungen 
S. IX ff. Dazu zu vergl. Hultman a. a. 0. S. 2 f. u. Early English Text Society. 
Extra- Sei: 92 [1904] S. LXIII* ff, woselbst auch eine ergänzungsbedürftige 
Bibliographie der Drucke, des Originals und der verschiedenen Bearbeitungen und 
Übersetzungen gegeben wird). Ein Kleriker von Angers, Jean Gcdlopes, löste 
auf Geheiß seiner Herrin, der 1455 dem König Bene von Neapel vermählten 
Komtesse Johanna von Laval, den ersten Teil in französische Prosa auf (ge- 
druckt Lyon 1485, 1499 und 1504). unter den Übersetzungen stehen der Zahl 
nach die englischen an erster Stelle. Nachdem sich, bereits Ghaucer die eingelegten 
Manenlieder (A B C) zu eigen gemacht hatte, wurde Deguilevilles erste liedaktion 
wiederholt in englische Prosa, die zweite 1426 von John Lyägate in englische Verse 
gekleidet (letzter Abdruck: Early Engl. Text Soc. Extra- Ser. 77. 83. 92. 1899—1904). 
Audi die Niederlande begnügten sich nicht mit einer tlbertragung. Einer Prosa- 
übersetzung eines unbekannten Geistlichen aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts 
(vgl. Tijdschrift voor nederlandsche taal- en letterkunde. 23 [1904], 1 ff.) ließ ein 
rer eine erheblich kürzende Bearbeitung folgen (gedruckt Saarlem 1486 und 



VT 



Einleitimg. 



1498, Delft 1498 und 1508). Selbst eine Übertragung ins Spanische erlebte das 
Werk (gedruckt Tolosa 1480). Von einer lateinischen Fassung, auf to eiche im 
Prolog der ersten niederländischen Bearbeitung (Cod. ms. germ. fol. 624 der Kgl. 
Bibl. zu Berlin, Bl.V) als Vorlage hingewiesen wird, habe ich keine sonstigen 
Spuren aufzufinden vermocht. 

Von deutschen Übersetzungen war bislang nichts bekannt, und doch sind 
bei der Inventarisierungsarbeit der Deutschen Kommission nicht weniger als 
drei entdeckt oder wenigstens als Übertragungen oon Deguilevilles Dichtung er- 
'kannt worden: zwei poetische und eine prosaische, alle drei auf die ■ursprüngliche 
Fassung des Originals zurückgehend. Unsere verifizierte Umdichtung ist die älteste. 
Die Hemdschrift, auf die ich in der Fürstlich Sayn-Wittgensteinschen. Schloßbibliothek 
zu Berleburg gestoßen bin — ich nenne sie [l>\ — dürfte den ersten Jahren 
des 15. Jahrhunderts angehören, Auf dem unteren Bande des ersten vorliegenden 
Blattes ist in neuerer Zeit mit Bleistift die Signatm' Litt: A N ro 1292 eingetragen, 
auf dem Bande rechts der fürstliche Stempel auf gedrückt. Über die Herkunft 
des leider gerade am Anfang und Ende defekten Papierkodex findet sich keinerlei 
Vermerk, Fr hat aus 35, anfangs meist oben in der linken Ecke, später zuweilen 
auch, mehr nach der Mitte hin, von 28 an in der rechten Ecke des 1. Blattes vom 
Schreiber selbst mit römischen Zahlen numerierten Lagen zu 12 Bll. (in deren 
14. zwischen Bl, 4 und 5 zum Nachholen einer vergessenen Partie ein Blatt ein- 
gelegt ist), einer (36.) Lage zu 2 und einer (37.) zu 6 Bll, im ganzen also aus 
429 Blättern bestanden. Die Folge der Lagen ist durch Kustoden auf der letzten 
Seite, rechts unten, gesichert, Von den 429 Blättern sind verloren gegangen 
1) die 2 ersten und 4 mittleren Bll, der 1. Lage, 2) das 2. Bl. der 2. Lage (das 
1. gleichfalls ausgelöst gewesene Bl, mit Papierstreifen an Pergament-Falz geklebt), 
3) das 3. und 4. Bl, der 5. Lage, 4) das 1. Bl. der 36. zweiblättrigen Lage 
(Defekt durch, ein Kreuz links oben in der Ecke des 2. Bl, gekennzeichnet), 
5) die Bll, 3 — 5 der letzten sechsblättrigen Lage, von denen jedoch wahrscheinlich 
das 4. und 5., sicher das 5., ebenso wie das noch vorhandene 6. Bl, (nur auf der 
Rückseite Schreibübung vnd der) leer gewesen sind. Auch mancherlei sonstige 
Beschädigungen, Bisse in den Blättern (häufig mit Papier überklebt), Lädierungen 
der Bänder (besonders in der 1. Lage; äußere Längsseite 'des letzten Blattes mit 
schmalem Papierstreifen überzogen) , Flecken u. dgl. zeugen von dem fleißigen Ge- 
brauche des Bandes. Besonders stark ist der Einband mitgenommen. Das un- 
gepreßte weiße Leder, mit dem die Holzdeckel überzogen sind, ist abgescheuert 
und arg beschmutzt; je 5 Metallbuckel vorn und hinten, welche das Buch beim 
Aufliegen geschützt haben, fehlen sämtlich; von 2 Leder schließen ist nur noch der 
Metallbeschlag der oberen auf dem Hinterdeckel vorhanden; beim Entfernen des 
Beschlags der unteren wurde noch dazu ein Stück Leder mit abgerissen. Gegen 
Vorder- und Hinterdeckel, sind 'Teile einer zweispaltigen Folio -Pergamenthand- 
schrift des 10. Jahrhunderts geklebt mit Text der Expositio evangelii seeundum 
Lucam des hl, Ambrosius (Beginn des Fragments auf dem, Vorderdeckel: In 



Einleüwiuj. 



VII 



illo tempore Exurgens maria afoiit in montana = Migne, Patr. lat. XV, 
col. 1559). 

Das Papier enthält folgende Wasserzeichen: 1) Ochsenhopf mit Stange 
und Stern, Briquet, Les filigranes (1907) Nr. 15 089 am nächsten stehend; durch- 
gängig in Lage 1 und 20 bis Schluß, vereinzelt in Lage 8. 10. 12. 14, in der 
Ausführung geringfügig wechselnd; — 2) ein Briquet Nr. 16 041 nahekommendes 
Zeichen, aber einer der 4 Bogen mit Kerbe; Lage 2—13, in 8. 10. 12 dazwischen 
vereinzelt Ochsenkopf (s. oben); — 3) Wage, Die beiden Wagschalen an Größe 
und Abstand Briquet Nr. 2429 am ähnlichsten, aber der Aufhänger aus 4 Linien 
zusammengesetzt und der Bing ohne Stern; Lage 14 — 16, in 14 dazwischen 
vereinzelt Ochsenkopf (s. oben); — 4) Krone mit Stange und 3 in Kreuz form 
stehenden Blättern, deren oberstes einer Lanzenspitze gleicht, Briquet Nr. 4639 
und 4640 am nächsten stehend; Lage 17 — 19. 

Die Höhe des Bandes beträgt 22, die Breite 14 J /, S cm; die Größe des 
Schriftfeldes wechselt in der Höhe zwischen 15 und 17, in der Breite zwischen 9 
und, 11 cm. Die Zahl der Zeilen schwankt zwischen- 15 una ',20, doch herrscht 



der 1. Hälfte. 17, in 



der 



e 18 und 19 nor. Die einzelnen Verse sind 



abgesetzt, indessen wurden hei der Korrektur mehrere einzufügende Zeilen neben - 
anstatt zwischengeschrieben. Der Apparat unter unserem Texte gibt darüber im 
einzelnen Auskunft, Im Texte selbst werden die vorliegenden Verse (ebenso wie die 
Blätter) ohne Bücksicht auf die Lücken fortlaufend gezählt, weil die Anzahl der 
fehlenden Versseilen ja nie mit absoluter Sicherheit hätte bestimmt, werden können. 

Der ganze Band ist von einer Hand in ziemlich regelmäßiger, nur in 
der Größe hier und da etwas wechselnder Kursive von rundlichem Duktus auf- 
gezeichnet. Im einzelnen charakterisiert sich die Schrift durch Willkürlichkeiten 
verschiedenster Art, Die Anfangsbuchstaben der Verse sind, von den meist in 
Majuskeln geschriebenen Satzanfängen abgesehen, ohne ersichtliches Prinzip bald 
groß, bedd klein geschrieben, doch, wiegen die Minuskeln, vielfach mit Schnörkeln 
geziert oder auch durch Größe etwas ausgezeichnet und bei gewissen Lettern dann 
kaum von den Majuskeln zu unterscheiden, bei weitem vor. Bis auf ganz ver- 
einzelte Ausnahmen sind diese Anfangsbuchstaben rot gestrichelt bzw. mit einem 
dicken roten Punkt versehen, der zuweilen vor- statt eingesetzt ist. Das w hat 
meistens in jeder seiner beiden Rundungen einen Punkt erhalten, wogegen bei 
den langgezogenen Buchstaben die, Bötelung manchmal auf rotes Nachziehen fast 
des ganzen Körpers hinausgelaufen ist. 

Bezüglich der Initialen bei Sinnesabschnitten herrscht bis gegen Bl. 50 
hin bunte Mannigfaltigkeit, indem die drei ersten ganz in Rot ausgeführt (Bl.T. 
2 r . 4'), stvei spätere schwarz vorgeschrieben und rot nachgezogen (30". 42 v ), 
andere durch dicke schwarze Schäfte (27". 36". 38 r . 48"), wieder andere und zwar 
die Mehrzahl durch größere Ausführung; teilweise auch Verschnörkelung hervor- 
gehoben sind (8'\ 22 r . 23>\ 28 r . 28". 29". 32". 34'\ 35". 37". 38". 40 r . 42>: 43'\ 
47''. 48'), während manche endlich völlig der Auszeichnung entbehren, selbst da, 



vm 



Einleitung. 



wo eingefügte Bilder einen Abschnitt anzeigen (8 ,: . 12". 13". 15''. 26"). Von 
Bi. 48 v an bildet Verdickung der Schäfte die nur selten durchbrochene Hegel 
(neben Vers 1737. 1757. 1983. 8361 zwei horizontale Strichelchen , neben 1715. 
6000. 13180 Baragraphenzeichcn) , jedoch sind einige Male die Schaftumrisse rot 
anstatt schwarz ausgefüllt. In unserm Text werden Initialen der letzten Art 
ebenso wie die ganz rot ausgeführten in Fettdruck 'wiedergegeben, jedoch mit 
einem, Vermerk im Apparate, -im übrigen aber die Anfänge der Abschnitte ohne 
besondere Notiz über das Verhalten der Hs. einheitlich durch Einrücken der Zeile 
kenntlich gemacht. 

Während die Eigennamen nur selten groß geschrieben sind, -weisen häufig 
andere Wörter, Substantive, Adjektive, Verben, ja zweimal sogar die Konjunktion 
so (V. 6706. 7778) große Anfangsbuchstaben auf. Besonders oft erscheint ein 
(übrigens von B nicht zu unterscheidendes) Majuskel-Tl, bei Kompositis sogar 
mehrmals im Wortinnem , z. B. wiederBeden 4655 , widerRede 12 455 — Kede 
und Eeden in ihren verschiedenen Formen herrschen auch sonst vor — , underRock 
9865, HiulenEat 12178. An der letzten Stelle sind freilich, ebenso 'wie bei gi'u"^ 
Glae ,9505, die beiden Teile des IVortes in der Ils. nicht aneinandergeschrieben, ivic^ 
sie überhaupt, besonders bei den Korrekturen, in dieser Beziehung wenig konsequent 
ist, indem sie 'willkürlich trennt und verbindet. Wo ihre Schreibweise direkt sinn- 
störend von der gebräuchlichen abiveicht, wird sie im Texte insofern gebessert 
oder 'wenigstens gekennzeichnet, cds zwischen den fälschlich getrennten Silben ein 
kleineres Spaiium gelassen wird, als sonst zwischen zwei Worten üblich. Wenn 
jedoch soivohl Trennung cds auch Verbindung im Gebrauch sind, wird die Ils. 
kopiert, auch -wenn sie bei dem betreffenden Ausdruck an verschiedenen Stellen 
ungleichmäßig verfährt. Sämtliche Versanfänge und Eigennamen, auch die Namen 
der personifizierten Tugenden, Laster usw., sowie das Substantiv Got (für den 
Christengott) sollen in der uns geläufigen Weise mit großen Anfangsbuchstaben, 
alle übrigen Worte klein gedruckt werden. 

Nach modernen Grundsätzen wird auch der schwankende Gebrauch von i 
und ], u und v einheitlich geregelt. In der ffs. begegnet auch für i im Anlaut 
oft, am regelmäßigsten bei in und seinen Zusammensetzungen, ein j, meistens 
hoch über der Linie angesetzt und häufig geradezu cds großes J erscheinend. 
Gewisse Wörter freilich sind, wenigstens im Innern der Verse, fast ausnahmslos 
mit i geschrieben, z. B. ich, is, ist. i tritt in der Begel auch in der Verbindung 
ie auf, z. B. ieder, iedernian u. a. Bas i hat bald einen Punkt, bcdd keinen, 
seltener, 'wenigstens bei der ersten Niederschrift, einen Strich, der aber bei den 
Korrekturen, -wenn überhaupt ein Zeichen gesetzt ist, die Begel und an manchen 
Stellen auch der ersten Schrift zugefügt ist. Für langes i ist meistens ij ge- 
schrieben, hier mit zwei Punkten, dort ohne Punkte, in der Korrektur auch'mit 
zwei Strichen. Bas an zweiter Stelle stehende j ist häufig wenig oder gar nicht 
unter die Linie heruntergezogen und von dem ersten i nicht unterschieden. Diese 
verschiedenen Schreibarten tuerden im Text nicht kenntlich gemacht, sondern ein 



Einleitung. 



IX 



für allemal i und ij gedruckt. Dagegen wird natürlich das häufig für i ein- 
tretende y beibehalten und selbst die 'wenigen Fälle, -wo dasselbe mit einem Punkt 
cds j erscheint, entsprechend wiedergegeben, Ein krasses Beispiel von der In- 
konsequenz der Ils. in der Wiedergabe des i-Lauts bietet der gleichlautende 
Anfang der Verse 4135J6, geschrieben Bij yn und By in. — Sowohl u wie V 
sind im Anlaut gewöhnlich, aber nicht ausnahmslos, durch v, im In- und Aus- 
laut durch u wiedergegeben. Über dem u erscheint häufig, manchmal allerdings 
erst bei der Korrektur angebracht, ein e, meist in sehr reduzierter Form, zu- 
weilen nur in Gestcdt von zwei schräg üb er einander gestellten Häkchen oder Punkten, 
nicht nur für langes u, sondern auch für die Umlaute ü und iu, für üe und uo 
und schließlich auch für einfaches u, das seinerseits auch wieder, unter Verzicht 
auf Bezeichnung der Länge, des Umlauts usw., sehr oft für edle die genannten 
Laute verwendet wird. Daneben kommen vor: ü, tie, üe und endlich (für uo, 
aber auch für u) fi, wobei jedoch das kleine o nicht selten undeutlich geraten und 
von dem e kaum zu unterscheiden ist, so daß die Entscheidung für den Drucktext, 
der diese beiden übergeschriebenen Zeichen möglichst genau wiedergeben soll, an 
manchen Stellen nicht mit absoluter Sicherheit getroffen werden kann. — a, i 
und o erscheinen gleichfalls mit übergesetztem e, daneben aber auch 'wieder ae, 
ie und oe. 

Für den s-Laut verwendet die Hs. langes I im An- und Inlaut, kleines 
s im Auslaut; der Druck gibt auch das erstere durch s wieder; ß behält er in 
dieser Form bei. Da am Schluß der Wörter das, was, alles usw. neben s auch 
das ältere z vorkommt, durften die dem Schreiber ganz geläufigen Abkürzungen 
dz und wz in daz -und waz aufgelöst werden. — I sieht oft dem f zum Ver- 
wechseln ähnlich, ■ — t ist in den Verbindungen st und tz meistens wie c ge- 
schrieben; hier setzt der Druck regelmäßig t, während sonstige orthographischen 
Eigentümlichkeiten der Hs., z. B. Wechsel von c und k, f und v, ss und ß, 
tz und z, einfachem und doppeltem Vokal oder Konsonanten unverändert aus 
der Vorlage übernommen werden. 

An Abkürzungen, die im Text bis auf eine einzige, unten noch näher zu 
bezeichnende, durchgängig aufgelöst werden, erscheinen in der Ils.: Zur Bezeichnung 
von n und m ein meist nach oben etwas durchgebogener Strich, der sich zuweilen 
auch über die Nachbarbuchstaben ausdehnt und bei kleinen Worten cds großer 
Bogen über der ganzen Buchstabenfolge schivebt. Bei a, i und u ivird er oft 
gleich vom Ende des Vokals an hochgezogen, bei e als Bogen an den Kopf an- 
gesetzt; einmal ist er mit einem Schnörkel verziert ffro'men 11 678). Als Sigle 
und zivar in der Korrektur ist die Abbreviatur vn = und zu verzeichnen (804. 
12302). — Ein Haken für er, seltener für r und re, auch wieder je nach der 
Form der Buchstaben oben am Kopf aufgesetzt oder unten vom Ende hochgezogen 
oder frei über ihnen schivebend, geivöhnlich nach links, einige Male aber auch 
nach rechts umgebogen; ein übergesetztes Häkchen, einem großen Komma ähnlich, 
für ri; eine kurze geschlängelte Linie (-A zuweilen mit einem Schnörkel für ra, 



Einleitung. 



sowie über ■geschriebenes o für ro; geschtveift durchstrichenes I für ser, besonders oft 
bei unser ttwd seinen Kasus. — In lateinischen Lehnwörtern die dort üblichen 
Kürzungen p = pre (am häufigsten bei predigen und Ableitungen), p = per ('per- 
sonell 3445, pergament 13004, permente 13163. 13173), p = pro (propheten 9117, 
proveaneen 9532); Vereinselt plement = parlement 700. — 9 = us (paulus 4019, 
benedictns 4256, longinus 8318, venus 10 683). — bndictus 4187. — An Einzel- 
heiten endlich noch das bekannte geschr mit Schleife am r = geschriben 12375. 
13368, vorgnt mit Schlangenlinie über dem n und Schleife am t = vorgenanten 
390: die Eigennamen Jlnim mit großer Verschlingung über dem 1 = Jherusalem 
12849; Jim 1062, Jhüs 3283, Jim 3926, Jims, 8424. 9971, JM 11203, Jhs 11296, 
Jhü 12845, ihm xpni Parenthese nach 3274, für die betreffenden Formen von 
Jhesns Christus, die jedoch auch ausgeschrieben vorkommen. Die Abbreviatur 
Xpc = Cristns 11319 muß als einzige beibehalten werden, da sie im 21. der 
eingelegten Marienlieder, welche der Reihe nach mit den Buchstaben des Alphabets 
beginnen, das X.-Lied eröffnet. 

Offenbare Fehler der Hs. werden verbessert und (mit entsprechendem 
Vermerk im Apparat) durch Kursivdruck kenntlich gemacht, die fehlende Inter- 
punktion, zu der sich nur gelegentlich einmal in einem Schrägstrich ein Ansatz 
findet, nach den bekannten Lachmannschen Prinzipien hinzugefügt. 

Durch den ganzen Band hin zieht sich, an der ursprünglichen Fassung 
des Textes ändernd, eine zweite Schrift, die man auf den ersten Blick wegen 
■ihrer Flüchtigkeit einer anderen Hand zuschreiben möchte, bei näherer Prüfung 
aber doch als dem ersten Schreiber angehörig erkennt, in dem wir wiederum keinen 
andern als den Übersetzer selbst zu erblicken haben werden. Ist es an sich schon 
wahrscheinlicher, daß der Urheber selbst nachträglich noch einmal die Feile an sein 
Werk gelegt hat, als daß ein anderer sich dazu veranlaßt gesehen habe, so läßt 
doch auch ein bestimmter Umstand auf das erster e schließen. Der bei dem Maße 
von Gebundenheit, das er sich seiner Vorlage gegenüber auferlegte, sicher nicht 
leichten Aufgabe für annähernd 14 000 Verse die notwendigen Reime zu finden, 
■war der Übersetzer durchaus nicht gewachsen. Trotz mannigfacher Veränderungen 
an Vokalen und Konsonanten, sowie Ab- und Zutaten im In- und Auslaut der 
Wörter (Apothesis, Epenthesis und Fpitliesis), die er sich in seiner Reimnot erlaubte, 
trotz größerer und kleinerer Zusätze zur Vorlage -(ganze Verse eingefügt: 77. 81. 
85. 89. 107. 113. 135. 177/8 usw.) auf der einen und seltenerer Abstriche auf der 
andern Seite, wollte ihm ein formell auch nur einigermaßen befriedigendes Werk 
nicht gelangen. Nicht genug damit, daß er sich die Freiheiten der älteren Dichtung, 
bei gleichen Vokalen verschiedene (jedoch nicht ungleichartige) Konsonanten, bei 
gleichen Konsonanten verschiedene Vokcde im Reime zu vertvenden und andere 
mehr in ■weitgehendstem Maße zu eigen machte, daß er außergewöhnlich zahlreiche 
reimlose Zeilen duldete und noch weniger vor rührenden Reimen unzulässiger Art 
zurückschreckte: viel schwerer belasteten ihn die vielen Fälle, in denen er eine Bindung 
zweier Verse durch den Reim, wie es scheinen muß, nicht einmal versucht hatte. 



Minleitimg. 



XI 



Mögen ihm solche Flüchtigkeiten nach Vollendung seiner Arbeit selbst zum Bewußt- 
sein gekommen bzw. von anderer Seite gebracht sein, oder mögen nötig erscheinende 
Änderungen anderer Art den ersten Anlaß gegeben haben, jedenfalls entschloß er 
sich, das Werk noch einmal durchzugehen, nicht streng systematisch ausbessernd, 
sondern hier mehr, dort weniger sorgfältig eingreifend. Als besonders ver- 
besserungsbedürftig erwiesen sich die Seiten 53" — 61". Viele der Korrekturen 
erstrecken sich auf die Berichtigung von Schreibfehlern (die gleich/wohl nicht 
sämtlich ausgemerzt sind) oder eine Veränderung des Ausdrucks, wobei das 
Original teilweise genauer befolgt, teilweise aber auch verlassen wurde; ein ganz 
beträchtlicher Teil der Änderungen jedoch hat den fehlenden Reimen gegolten. 
Ihre Gewinnung war oft mit kleinen Mitteln ohne anderweitigen Nachteil möglich, 
aber ebenso oft hat unter der reimtechnischen Besserung der Text in erheblicher 
Weise gelitten, indem noch mehr Flickwörter hervorgesucht und, namentlich wenn 
ganze Verse hinzukamen, durch Umschreibung oder direkte Wiederholung des 
bereits Gesagten die an sich schon oft genug lästig fallende Breite der Dar- 
stellung zur Unerträglichheit gesteigert wurde, von grammatischen Unebenheiten 
und Störungen des Sinnes ganz zu, schweigen. Daß aber die Beschaffenheit der 
neuen Reime sich von der der alten in nichts unterscheidet, macht die Identität 
von Übersetzer und Sehr eiber -Korrektor mehr als wahrscheinlich. An formeller 
Vernachlässigung sucht auch das korrigierte Werk noch, seinesgleichen, 

Die Tilgung des alten Textes geschah bei ganz kleinen Änderungen wohl 
durch Radierung, sonst meist durch Streichung, seltener durch Unterpunktierung, 
hier und da auch in Verbindung der beiden letztgenannten Verfahren. Bei der 
Rubrizierung des Buches wurden die weitaus meisten der zu entfernenden Worte und 
Wortteile noch dazu rot durchstrichen. Die Ersatzteile sind entweder vor oder hinter 
dem Verse am Rande des Blatts zugeschrieben oder zwischen den Zeilen über (nur 
1023 ausnahmsweise unter) dem gestrichenen Passus eingefügt; wo nichts zu tilgen 
■war, weist meist ein A- Zeichen dem Zusatz seinen Platz an. Textliche Ver- 
änderungen jeglicher Art werden im Apparat genau verzeichnet; wo Korrekturen 
ohne Bemerkung angeführt stehen, handelt es sich um Verbesserungen bei der 
nachträglichen Durchsicht des Werkes, während die wenigen Änderungen bei der 
ersten Niederschrift durch ein zugefügtes gleich hervorgehoben werden. Bemerkens- 
wert unter den letzteren ist eine Tilgung durch schwarze Einrahmung (387). 

Außer der erwähnten Tätigkeit des Tilgens, der Anbringung von roten 
Initialen bei einem Teil der Sinnesabschnitte und der Strichelung der Versanfänge 
hat der Rubrikator die Aufgabe gehabt, die zahlreichen Illustrationen der Hs. 
mit einem erklärenden Text zu versehen, dessen Wortlaut ivir bei einigen der 
Bilder (72. 78. 79. 80. 82. 95) zunächst in der flüchtigen Schrift der Korrektur 
und offenbar gleichzeitig mit ihr schwarz vorgeschrieben finden, Daß demnach 
die Korrektur der Rubrizierung vorausgegangen ist, findet ivie in den erwähnten 
Tilgungen durch roten Strich, auch in dem Umstände eine Bestätigung, daß 
die bei der Korrektur zivischengeschriebenen ganzen Verse gleichfalls die rote 



XII 



'Einleitung. 



Strichelung ihres Anfangsbuchstaben aufweisen: wir müßten sonst schon an- 
nehmen, daß die wenigen nachgetragenen Zeilen nachher besonders für sich 
rubriziert worden wären. Da aber die rote Reinschrift der Bilderläuterungen 
ohne allen Zweifel wieder von der Hand des Schreibers der Hs. herrührt, werden 
wir auch die gesamte Bnbrikation als seine Arbeit anzusehen haben. 

Es fragt sich endlich noch, ob auch der Illustrator mit Übersetzer, 
Schreiber, Korrektor und Rubrikaior identisch ist. Die vollständige Hs. hat 
110 fertige Bilder gezählt, von denen jedoch mit den ausgerissenen. Blättern im 
1. Teile der Dichtung 6 verloren gegangen sind. Die Zahl ergibt sich aus der 
Numerierung mehrerer Figuren inmitten des Bandes von Seiten des Schreibers 
(45. 58 — 65. 67 — 70). Es sind 3 1 \s — 5 cm hohe und 6 — 9 cm breite kolorierte 
Federzeichnungen, bis auf die erste vorliegende in bunte Bahnen eingefaßt 
und durchgehends mit farbigem Hintergrund versehen. Weder Zeichnung noch 
Kolorierung verraten besondere Kunstfertigkeit. Sind schon die plumpen, ge- 
drungenen Figuren der Personen, des Pilgers selbst (der ähnlich wie der Ackers- 
mann von Böhmen als Hauptperson auf den Bildern immer 'wiederkehrt) und 
all der allegorischen Frauen und Männer, welche ihm auf seiner abenteuerlichen 
Wallfahrt durchs Leben von der Geburt bis zum Tode entgegentreten, primitiv 
■und roh gezeichnet, bei reichlicherer Ausrüstung unter Verzicht- auf einen Teil 
der im Text beschriebenen Attribute, so versagt die Kunst des Malers noch 
mehr, -wenn es Flächen, beispielsweise einen Scheideweg (55 u. a.) oder ein Meer 
(85 u. a., vgl. das Faksim.) darzustellen gilt. Unter diesen Umständen erscheint 
es keineswegs ausgeschlossen, daß der Übersetzer nach seinen bescheidenen Kräften 
auch für die Illustrierung des Werkes selbst gesorgt hat. Von den noch vor- 
handenen 104 Bildern sind 17 aufgeklebt (31—34. 38—41. 45. 46. 49. 50. 52—56), 
deren Ausführung idso bequemer, ohne Furcht durch Verunglücken einer Nummer 
die beschriebenen Blätter zu verderben, vorgenommen werden konnte. Bei sämtlichen 
Bildern scheinen Einfassung und Umrisse zuerst flüchtig mit der Feder skizziert zu 
sein, denn es sind nicht nur unter mehreren der aufgeklebten Stücke an den Bändern 
Teile einer älteren Vorzeichnung sichtbar, sondern eins der Bilder (Bl. 154 r ) ist 
überhaupt nicht über die Umrißfixierung hinausgekommen, weshalb es bei der 
alten Numerierung auch nicht mitgezählt wurde. Zu Anfang des 4. Buches der 
Dichtung (Bl. 351") ist ein Bild nur mit Bleistift skizziert. Seine Ausführung 
mag deshalb unterblieben sein, weil dieselbe Situation auf der Bückseite des 
folgenden Blattes zur Darstellung gebracht worden ist. Bei der Beschreibung 
der Bilder unter dem Text zähle ich dieses ebensowenig mit ivie ein anderes, das 
überhaupt noch nicht angefangen, aber bereits mit roter Beischrift (hoffart) ver- 
sehen ist (Bl. 248 v ). 

Ihrem Dialekt nach gehört die Hs. Mitteldeutschland, speziell ("wie 
namentlich der Stand der Lautverschiebung betveist) dem rheinfränkischen Gebiete, 
an, so daß sie also an ihrem Aufbewahrungsorte Berleburg, ncdie der hessischen 
Grenze, oder wenigstens in der dortigen Gegend von einem den Grafen von 



Einleitung. 



XIII 



Wittgenstein irgendwie nahestehenden, vermutlich geistlichen Manne geschrieben 
sein könnte. Doch ist das natürlich nicht mehr als eine Möglichkeit. 



Von der zweiten poetischen Übertragung ins Deutsche kennen wir 
sowohl Entstellungsort tvie Entstehungszeit, und dazu auch noch den Vornamen und 
den Stand des Übersetzers. Ein einfacher Priester namens Petrus, der mit seinem 
vollen Namen nicht hat bekannt sein wollen, hat in der heiligen Stadt Göln im 
Jahre 1444 das Werk geschaffen. Das alles verrät eine noch im 15. Jahrhundert 
niedergeschriebene versifizierte Notiz auf der Bückseite eines vorgehefteten Pergament- 
Mattes in der Handschrift, die uns im Historischen Archiv der Stadt Göln erhalten 
ist. Sie lautet: 

Dyt boieh liait in der hilger stat 

Zo Coelne uys welsche in duytsch gesät 

Eyn sympel priester, Petras genant, 

— Niet vorder en wilt he sijn bekant — 

Die dat volbraicht hait in dem jaire 

Doe man tzalte ind sclireiff! vur wäre 

Nae Christus geburde vierzienhondert 

Ind vier ind vierzich ungesondert, 

Biddende die id hoeren off: lesen, 

Dat sy eme daneber willen wesen 

Ind sprechen doch myt ynnicheit 

Vur synen lone der arbeit 

Eyn pater noster ind ave inarie, 

Up dat yn Got van sunden vrye 

Ind synre mysdait gar verzije. 

Auch über die Zeit der Niederschrift der Handschrift — wir nennen sie/ C. — 
und über den Namen ihres Schreibers sind wir unterrichtet. Noch in demselben 
Jahre 1444, in dem die Übersetzung vollendet wurde, ist der Band von einem 
Johannes Dursten geschrieben, laut der Schlußschrift: ' Actus et completus Anno 
M° cccc xliiij in profesto decollationis Johannis baptiste per manus Johannis 
dursten.' Bei dem Namen Johannes Dursten an den bekannten, 1481 verstorbenen 
Augustinermönch Johannes von Dorsten zu denken, der seit 1465 Professor an 
der Universität Erfurt und vordem Mitglied des Osnabrücker Konvents war, sind 
wir in Ermangelung irgend eines Anhaltspunktes nicht berechtigt. 

Die Handschrift ist eine Papierhandschrift, aus 19 Lagen von je 12 Blättern 
bestehend, bei deren letzter jedoch die zweite leere Hälfte ausgeschnitten ist, so 
daß also jetzt nur noch 22.2 Blätter vorliegen. Das Papier weist fünf verschiedene 
Wasserzeichen auf: 1) eine ziveizackige Krone mit Stange und dreiblätteriger 
Spitze; Lage 1 und 6; — 2) eine Traube; Lage 2 — 5, 7 — 10, 12, 13, sowie 15 und 16 
mit Nr. 4 untermischt; — 3) einen Ochsenliopf mit Stange und Stern; Lage 11; — 



XIV 



Einleitung. 



4) einen ganzen Ochsen: Lage 14 und 17, dazu 15 und 16 mit Nr. 2 untermischt; — 

5) einen Anker; Lage 18 und 19. Die Höhe des Bandes beträgt 21, die Breite 
14 cm; die Größe des Schriftfeldes wechselt in der Höhe zwischen M 1 )* und 15 1 \s, 
in der Breite zwischen 8 und 9 cm. 

Die steile Bücherschrift neigt mit dem Fortschreiten des Werkes immer 
mehr zur Kursive. Die Ridwizierung beschränkt sich auf Strichelungen des An- 
fangsbuchstabens jeder Zeile, rote Initialen zu Beginn größerer Sinnesabschnitte 
und rote Paragraphenzeichen vor kleineren Abschnitten oder auch — jedoch nicht 
regelmäßig — da, wo eine Person zu reden beginnt. An Stellen letzterer Art 
sind dazu auch die Namen der Sprechenden am Band herausgehoben und rot 
unterstrichen, ein Verfahren, das wir einige Male auch zur Kennzeichnung des 
Inhalts durch kurze Stichworte angewendet finden. Die oben mitgeteilte Schluß- 
schrift, der noch ein dreimaliges 'Amen' vorausgeht, ist durch Unterstreichung und 
Strichelung in Silber ausgezeichnet. 

Eine wohl dem Anfang des 16. Jahrhunderts angehörende Hand nahm 
hin und wieder Korrekturen am Text vor, während eine noch spätere, vermutlich 
aus dem 17. Jahrhundert, sich auf den ersten Blättern des Bandes dadurch be- 
merkbar gemacht hat, daß sie bis Blatt 16 lateinische Stichivorte an den Band 
schrieb und bei Blatt 2" — 5" überdies noch auf dem unteren Bande den Inhalt 
kurz lateinisch skizzierte. 

Der braune Lederüberzug der Holzdeckel ist vom und hinten durch die 
gleichen Pressungen verziert, denen wir jedoch eine besondere Sorgfalt nicht nach- 
zurühmen vermögen. In der Mitte ist da in fünf Beihen untereinander je drei- 
mal ein Stempel Marias mit dem Kinde eingedrückt, ringsherum in den vier 
Ecken und auch an den Seitenrändern eine kleine Anbetung der heiligen Drei- 
könige, die darauf hindeutet, daß auch der Einband in Cöln angefertigt worden 
ist, ivo ja jene Könige seit der Überführung ihrer Gebeine im Jahre 1164 eine 
ganz besondere Verehrung genossen. Je zwei Dreikönigsstempel werden verbunden 
durch die eingepreßten Worte 'hilf maria.' 

In das Cölner Historische Archiv ist der Kodex, um seine Geschichte 
rückwärts zu verfolgen, mit den übrigen Handschriften der sogenannten Gymnasial- 
biblioihek, d. h. der auch unter dem Namen Jesuitenbibliothek bekannten öffent- 
lichen Bibliothek der katholischen Gymnasien Cölns, im Jahre 1885 überführt 
worden. An den Besitz der Gymnasialbibliothek erinnert der sowohl auf der 
Vorderseite des vorn eingehefteten Pergamentschutzblattes, 'wie auf dem ersten Blatt 
der eigentlichen Handschrift aufgedrückte Stempel 'Gymnasial -Bibliothek zuKoeln.' 
Auf dem unteren Bande des erstgenannten Blattes ist dazu mit Bleistift die 
Nummer 223 eingetragen. Die Signatur -^ ist außerdem auch noch auf einem 
Etikettchen im zweiten Feld des Bandrückens zu lesen. Der Gymnasialbibliothek 
ist die Handschrift nach der Säkularisation zu Anfang des Jahrhunderts mit 
dem übrigen Bücherbesitz der Klöster und Stifter der Stadt einverleibt, und 



Einleitung. 



XV 



zwar wurde sie vom Kreuzherrnkloster beigesteuert. Dort könnte sie überhaupt 
entstanden sein, spätestens aber ist sie. wie ich annehmen zu dürfen glaube, gleich 
nach, dem Binden dorthin gelangt. Auf dem die Innenseite des Hinterdeckels 
bekleidenden Pergamentblatt, ganz oben links, da wo der Band dieses Blattes 
unter der letzten Lage her greift, — an einer Stelle also, die nach dem Binden 
nur noch durch weites Zurückhiegen des Deckels sichtbar wird und jedenfalls 
alsdann nicht mehr beschrieben werden konnte — lesen wir nämlich in senkrechter 
Richtung von unten nach oben die Notiz: 'Detur domino Conrardo de grunen- 
berch liberario in Conventu cruciferorum in colonia.' 

Für wen aber mag diese Notiz bestimmt gewesen sein? Am nächsten 
liegt doch, meine ich, die Vermutung, daß es eine Bemerkung für den Buchbinder 
war, der das gebundene Manuskript eben an den Bibliothekar des Kreuzherrn- 
klosters abliefern sollte. In der Folge ist der Band dann noch wiederholt als 
Besitz dieses Klosters gekennzeichnet 'worden. Eine alte Kursivhand hat oben 
auf der Vorderseite des vom eingehefteten Pergamentblattes vermerkt: 'über frat- 
ruin sancte Crucis In colonia.' Darunter steht in großer sorgfältiger Bücher- 
schrift: 'Liber thentonicalis fratrum sancte Crucis in Colonia agrippina', wohl 
von derselben Hand geschrieben, die etwas tiefer die Signatur: cxxsg Q [Basur]', 
sowie den Titel 'liber de peregrino' eingetragen und die außerdem auch noch 
auf dem gegen den Vorderdeckel geklebten Pergamentblatt den Vermerk: 'Pertinet 
fratribus sancte Crucis in Colonia agrippina' gemacht hat. Die jüngste Besitz- 
notiz der Kreuzherren stellt ein Etikettchen unten auf dem Bücken des Bandes 
mit dem Aufdruck: 'BIB. des Croisiers' dar, der ivohl an die französische Herr- 
schaft nach 1797 erinnert. 

Was nun das Werk seihst angeht, so ist diese zweite poetische, deutsche 
Übersetzung von der unserigen vollkommen unabhängig; vielleicht hat ihr Urheber 
die ältere Übertragung nicht einmal gekannt. In einer 50 Verse umfassenden 
Einleitung verbreitet er sich des Näheren über Ziveck und Art seiner Arbeit. 
Während unser Autor sich eng an den Wortlaut der Vorlage hält und dadurch 
stark gebunden mit Vers und Beim nur zu oft seine liebe Not hat, legte sich der 
neue Übersetzer einen solchen Zwang nicht im geringsten auf. Ihm war der 
Sinn des Originals die Hauptsache, und so konnte ihm denn unschwer ein for- 
mell um vieles höher stehendes Werk gelingen. Von einer Illustrierung des Textes 
hat er gänzlich abgesehen. 

Als Probe gebe ich im Anhang die ersten 264 Verse der Übersetzung 
'wieder, d. h. die Einleitung und den ersten Abschnitt des eigentlichen Werkes, 
also gerade diejenige Partie, die in unserer Handschrift und, wie wir gleich sehen 
■werden, auch in der Prosaübersetzung bedauerliche Lücken aufweist. 



Diese Prosaübersetzung ist im Gegensatz zur eben charakterisierten mit 
unserer Übertragung aufs engste, y er ivanät. Sie ist überliefert in Cod. germ. 18 
der Hamburger Stadtbibliothek (ll) aus der Mitte oder der 2. Hälfte des 15. Jahr- 



XVI 



Emteitünq. 



hunderts. Ihr Dialekt weist gleichfalls nach Hheinfranken. Aus dem Nachlaß 
von Zacharias Konrad von Uffenbach in Frankfurt a. M. (Exlibris auf der Innen- 
seite des YorderdecJcels in der Mitte) ist der Kodex 1749 an Johann Christian 
Wolf in Hamburg gekommen (Papier streifen mit Aufdruck ex Bibliotlieca Haai- 
burgenfi Wolfiana gleichfalls im Vorderdeckel, oben) und von diesem 1767 der 
Hamburger Stadtbibliothek zum Geschenk gemacht worden, wo seine Bedeutung 
erst kürzlich von Dr. Fritz Burg bei der Inventarisierung für die Deutsche 
Kommission erkannt worden ist. Uffenbach hat den von ihm mit Nr. 182 si- 
gnierten Band unter seinem Exlibris folgendermaßen charakterisiert: Volumen 
sec. XIV [!] yel initio XV scriptum contiuens Par abolas Tlieologlco-morales cum 
figuris quam plurimis ingeniosis ac affabre satis pictis. Vitae scilicet liumanae 
miseriae in Peregrinatoris persona adumbrantur. Unde etiam Menschlich Beede- 
fart inscribitur liber ut es versiculo in fine voluminis adparet. 

Die Es. hat aus 11 Lagen (1 — 5. 7. 9 — 13) von 12 und 3 Lagen (6. 8. 14) 
von 14 Blättern bestanden, von denen jedoch leider auch die 2_ erstem, und das lüL_ 
der 1. Lage, sowie das 1. 3. 4. und 11. der 14. Lage verloren gegangen sind. Die 
einzelnen Lagen sind vom Schreiber auf dem unteren Bande ihres 1. Blatts mit 
römischen Zahlen numeriert, doch ist die Nummer der 2. Lage wieder ausradiert. 
Die noch vorhandenen 167 Blätter, deren erstes in der Mitte des oberen Bandes 
als einsiges mit III foliiert ist, wurden im 18. Jahrhundert in der äußeren Ecke 
oben mit arabischen Zahlen paginiert (8. 1 — 334). Wasserzeichen: ca. 7 cm 
lange Traube cm einem einmal geringelten Stiele. Höhe des Blattes 28 3 ji, Breite 
20 cm ; Höhe des abgegrenzten Schriftfeldes 21 , Breite 12 cm. 31 — 35 Zeilen auf 
der Seite. 

Der ganze Band ist von einer Hand in steiler kräftiger Kursive von 
mäßiger Höhe geschrieben. Sinnesabschnitte sind durch neue Zeile und rote meist 
über 2 Reihen hinwegreichende Initialen, von denen eine (S. 106) schwarz nach- 
gezogen wurde, gekennzeichnet. Von roter Strichelimg ist in ausgiebigster Weise 
Gebrauch gemacht, nicht nur für ganze Sätze, sondern auch für einzelne Satzteile. 
Über- und Unterschriften der 4 Bücher des Werkes, sowie die Schlußschrift des 
Bandes und die Überschriften der eingefügten Bilder wurden in zarten Linien 
rot eingefaßt, während das Schlußwort amen und einzelne kleine Korrekturen 
ganz in Bot geschrieben sind. 

Nach der starken Beschmutzung sämtlicher Seiten und den zahlreichen, 
später überklebten Bissen in den Bändern der Blätter (bei deren größtem, tief in 
den Text hineingegangenen die verklebten Worte neugeschrieben sind, S. 263/4) 
zu schließen, ist diese Prosaübersetzung noch eifriger gelesen worden als 'unsere 
poetische. Der gleichfalls zeitgenössische Einband, Holzdeckel mit Überzug von 
ursprünglich hell-, jetzt braunrotem, durch eingepreßte Linien- und Kreisornamente 
geziertem Leder, hat dieselben Schädigungen erlitten %vie der von b: das Leder 
ist stark mitgenommen, je 5 Metallbuckel auf Vorder- und Hinterdeckel und 
2 Schließen abgerissen. Ein ehemals weißes, jetzt stark beschmutztes Papier- 



Einleitung. 



XVII 



schildchen im zweiten der 5 Felder des Bückens trägt die Aufschrift: Menlchlich [ 
Biedefahrt. | MS. ant. | 

Weitgehende Übereinstimmungen in der Fassung des Textes und der Wahl 
der Bilder lassen auf eine nahe Verivandtschafi 'der '.von b und Ji repräsentierten 
und mit diesen Ghiffem fortan kurz bezeichneten Übersetzungen schließen. Stehen 
zunächst beide der Metzer Hs. (M) des französischen Originals dadurch auffallend 
nahe, daß in ihnen auf der einen Seite auch die zahlreichen Beimpaare fehlen, 
um die M allein ärmer ist als sämtliche anderen von Stürzinger verglichenen 
42 Hss. (nach b zitiert zwischen V. 364 j 5. 669 / 70. 3332 1 3. 3434/5. 7514/5. 
7522/3. 8196/7. 8480/1. 9124/5. 9779/80. 10306/7 je 1, zwischen, 7568/9 und 
7602/3 je 2, zwischen 7138/9: 5, zwischen 7546/7 sogar 6 Paare; dazu 
1 einzelner Vers zwischen 4733/4), und auf der andern Seite beide mehrere ganze 
Verse (10207/10. [im Original nur 2 Verse: 10 082 ab] und 13392/3) und eine 
Anzahl einzelner Ausdrücke haben, die allein in M überliefert sind (z. B. 5316 
[hart]. 5360 [follenkommen]. 5767 [bij dich kommen]. 7838 [honde] u. a), so 
gehen sie dagegen auch wieder vereint mit den übrigen Hss. gegen M, indem sie 
z.B. die in M fehlenden- Einzelverse 4554. 8922 und 12427 auftveisen. 

Noch deutlicher spricht sich das Verwandtschaftsverhältnis in der Formu- 
lierung der ..deutschen. Übersetzung aus. Innerhalb der ersten 500 Zeilen von b 
(von denen jedoch in h 1 — 58 fehlen, so daß also nur 442 zu zählen sind) stimmen 
die beiden Texte, von geringfügigen orthographischen und dialektischen Differenzen 
abgesehen, in nicht weniger als 55 völlig überein (62/4. 79. 126. 136. 140. 143. 
152. 159. 180. 191. 202. 206. 210. 222. 226. 228. 231/2. 243. 251. 263/4. 267. 
295. 299/300. 305. 307. 312. 327. 330. 332. 335. 339. 346/7. 353. 356. 363. 367. 
392. 403. 424. 427/8. 430. 436. 442. 444/5. 486/8). Besonders bemerkenswert 
sind darunter die über mehrere Zeilen hintereinander sich erstreckenden Überein- 
stimmungen; kleinere, keinen ganzen Vers ausmachende wären dazu noch in reicher 
Fülle anzuführen. Ergeben diese Tatsachen, denen noch das Vorhandensein gemein- 
samer Fehler im Verständnisse des Originals (Näheres im Apparat) angereiht 
werden könnte, daß eine__der^ Übertragungen die andere direkt oder indirekt als 
Vorlage benutzt hat (ein Zurückgehen beider auf eine ältere deutsche Quelle darf 
nach den folgenden Darlegungen eds ausgeschlossen betrachtet werden), so erhebt 
sich weiter die Frage, welcher von ihnen die Priorität zuzusprechen ist. Sie 
dürfte schon nach dem Gesagten zugunsten der auch in der älteren Aufzeichnung 
vorliegenden poetischen Fassung zu beantworten sein, denn es ist wohl denkbar, 
daß der Prosaübersetzer sich nicht gescheut hat, gelegentlich Verse seiner Vorlage, 
deren gebundene Form im Zusammenhange kaum auffallen mochte, herüber- 
zunehmen, nicht aber, daß er ohne Grund zahlreiche Stellen seines Werkes mit 
Heimen ausgestattet haben sollte. Dazu kommt etwas anderes. Von den bei b 
im Interesse des Heimes eingefügten Flickversen erscheinen manche auch in h, 
"z. B. 285. 1531. *1752. *1825. *1836. 1847. *1959. *1977. 2802. 2924. 2983. 2999. 
3078. *3204. *3208. 3339. 3470 u. a. Was für ein Grund sollte für h vorgelegen 

Deutsche Teste des Mittelalters. XXV. |j 



XVIII 



Einleitung. 



haben, diese nichtssagenden Sätze zu erfinden? Die mit Sternchen bezeichneten 
Verse sind in b erst bei der Korrektur zugeschrieben, ein Beweis dafür, daß h 
die Überarbeitung von b benutzt hat, was auch in einzelnen Ausdrücken seine 
Bestätigung findet. V. 1692 des Originals 

Et (si) me semble grant laidure 

ist z. B. in b (1817) zunächst übersetzt: 

Und duncket mich auck gar hesselich. 

Da jedoch ein Beim auf gronmien verlangt wurde, erfolgte die Änderung von 
gar hesselich in nyergent vorkommen, und diese vom Original abweichende Lesart 
erscheint auch in h. 

Gleichwohl ist h nicht ausschließlich ■ von b_ abhängig , denn wie b Verse 
des Originals hat, die in h fehlen (z. B. b 103. 170/1. 196. 525. 83617. 862 u.a.), 
so iveist auch h Stellen auf, die in b übergangen sind. Es fehlen z. B. in b 
nach V. 854: 1, nach 13 609: 2, nach 8046. 8634. 9811 und 9895 sogar je 4 Verse 
der französischen Vorlage, welche in h ihre Übersetzung gefunden haben. Auch 
Einzelheiten in Wort und Wendung beweisen, daß h neben b noch einen andern, 
wahrscheinlich doch wohl einen Originaltext benutzt hat: b 221 (en tel ordure 
Orig., in solichem unflate h, in der geschieht [: nit] b), 260 (s. Apparat), 743 
(s.App), 1488 (h nennt mit Orig. den Fürsten Archetrycline [Archedeclin] , b 
nicht), 1906 (s. App.) u. a. m. Den größten umfang nehmen die Übereinstimmungen 
und Äbiveichungen der beiden Übersetzungen bei den in h gleichfalls versifizierten 
Marienliedern (b 11 056 ff.) an. Wiederholt geht übrigens h auch, ebenso unab- 
hängig vom Original wie von b, ganz eigene Wege. 

Die Verwandtschaft der Illustrationen von b und h beivährt sich, wie 
schon angedeutet, in der Wahl der Themata, nicht etwa in der Darstellung 
selbst, die vielmehr bei dem jüngeren Manuskripte deutlich die großen Fortschritte 
erkennen läßt, ivelche die Buchmalerei gerade in den 50 Jahren, um die b und h 
zeitlich auseinander liegen, gemacht hat. Die großen, ohne Einzwängung in einen 
Bahnten meist die ganze Breite des Schriftfeldes einnehmenden, gelegentlich sogar 
noch darüber hinausragenden Bilder von h, welche den gegen die Mitte des 
15. Jahrhunderts wahrscheinlich unter Einivirkung der Holzschneidekunst sich 
vollziehenden Übergang von den weich geschwungenen, gerundeten Linien der 
Zeichnung, wie sie b noch aufweist, zum geradlinigen eckig gebrochenen Stil 
schon durchgemacht haben, verraten ohne Ausnahme eine gewisse Sorgfalt und 
ein technisches Geschick, das auch der Perspektive '■ — im Gegensatze zu b ■ — ■ fast 
immer Herr wird. Durch den ihm zur Verfügung stehenden größeren Baum 
wesentlich unterstützt hat ihr Maler selbst bei den kompliziertesten allegorischen 
Gestalten alle Einzelheiten der Beschreibung zur Darstellung zu bringen gewußt. 
Es gehört zu den Ausnahmen, wenn b einmal in der Befolgung des Textes den 
Vorzug verdient ivie bei Figur 9 (Der heilige dauff), wo h einen am Taufbecken 
stehenden Priester und Diener malt, ivährend b der Beschreibung gemäß darstellt, 



Einleitung. 



XIX 



wie der Pilger im Wasser kniet und der Offizial ihm das Haupt salbt. Soiveit 
angesichts der beiderseitigen Defekte eine Kontrolle möglich ist, decken sich die 
Stellen der Bilder, mit den ivenigen sehr erklärlichen Ausnahmen, daß die zivei 
in b nicht vollendeten Nummern auf Bl. 154 r (nur Umrisse) und 248 v (nur Bei- 
schrift) — natürlich auch das oben envähnte Bleistiftbild Bl. 351" — in h fehlen, 
ivährend hier auf Nr. 20 (Das heilige Sacramente) als gut entbehrliches Plus 
noch einmal eine ganz ähnliche Situation folgt (Überschrift S. 34 unten: Hie 
deylet er myt den andern daz sacrament, Bild S. 35 oben) : ivieder der Bischof 
am Altar und hinter ihm ein paar Gläubige, nur das erste Mal der Geistliche 
mit erhobenen Händen vor dem Kelche stehend, das ziveite Mal die Hostie in 
den Händen haltend. Zu Anfang von Buch 3 ist in h (S. 222) ohne besondere 
Beziehung zum Text der Pilger mit gen Himmel gewandtem Haupt dargestellt. 
Ob in b, wo nach der Überschrift des Buches ausnahmsweise die untere Hälfte 
der Seite (279 r ) leer gelassen ist, auch ein Bild geplant ivar, läßt sich natürlich 
nicht mit Sicherheit entscheiden, doch spricht die Wahrscheinlichkeit dafür. Zivei 
Bilder, für welche der Schreiber von h Baum zu lassen vergessen hatte, scheinen 
auf Meinen eingehefteten Blättchen, die zwar später ivieder ausgeschnitten, jedoch 
an schmalen übrig gebliebenen Streifen von ca. 15 cm Höhe noch erkennbar sind, 
Platz gefunden zu haben. Die beide Male unten auf einer Seite stehenden ver- 
waisten Überschriften (S. 35: Vemunfft ist sere erfert, eine in b fehlende Partie, 
und S. 168 = b Nr. 59) zeigen an, daß die Bilder gleich oben an den Kopf der 
folgenden Seite gehört hätten, womit der Unterlassungsfehler des Schreibers seine 
Erklärung findet. Ein einziges Bild von h (S. 63 = b Nr. 26) ist aufgeklebt, iveil dort 
irrtümlich zunächst noch einmal die vorhergehende Illustration skizziert ivorden ivar. 

Soweit die in b verloren gegangenen Teile des Werkes in h erhalten sind, 
lasse ich deren Text im Apparat als Ersatz eintreten; wo auch h _versagt, d.h. in 
der Einleitung (= Orig. 1 — 34), von der in b nur die beiden Schlußverse vor- 
liegen (bl\2), und im ersten. Teile der fehlenden Partie ztvischen b 58 und 59 
(■= Orig. 87 — 196), bringe ich das französische Orignal nach Stürzingers Ausgabe 
zum Abdruck, wozu dann noch die im Anhang abgedruckte Textprobe von c ver- 
glichen werden kann. Wenn unser Übersetzer den jetzt vermißten Eingang seiner 
Dichtung in ebenso viele Verse gekleidet hätte wie die Vorlage, würden die 32 Zeilen 
das ziveite der beiden zu Anfang ausgerissenen Blätter so gefüllt haben, daß für 
ein einleitendes Bild kein Platz mehr gewesen iväre und dieses also auf dem 
1. Blatte, am ivahrscheinlichsten wohl auf dessen Bückseite, hätte angebracht sein 
müssen. Eher möchte ich jedoch annehmen, daß der Übersetzer die Worte des 
französischen Dichters für seine Zwecke zugeschnitten und die Möglichkeit gehabt 
hat, das Bild an den Kopf des 2. Blattes zu setzen, in ähnlicher Weise, tvie wir 
es auf dem betreffenden Faksimile bei Stürzinger sehen. Das erste der beiden 
fehlenden Blätter ivürde in diesem Falle als Schutzblatt leergelassen sein. 

Mit dem Gefühle der Dankesschuld schließe ich diese Arbeit ab. Zunächst 
gegenüber Seiner Durchlaucht dem Fürsten zu Sayn-Wittgenstein, auf dessen 

b* 



XX 



Einleitung- 



Schloß im reisenden Berleburg ich vor Jahren wochenlang der Inventarisierungs- 
arbeit für die Deutsche Kommission obliegen durfte, und der dann unsere Hand- 
schrift, die ich damals auffand, zuerst der münsterischen, dann fast zwei Jahre 
lang der Breslauer Universitätsbibliothek zu meiner Benutzung anzuvertrauen die 
Güte gehabt hat. Durch eine gleiche Langmut in der Herleihung ihrer Hand- 
schriften haben mich die Hamburger Stadtbibliothek und das Historische Archiv 
der Stadt Cöln verpflichtet. — • Ganz besonderen Dank aber drängt es mich Herrn 
Professor Boethe zum Ausdruck zu bringen. Seitdem er mich im Jahre 1904 
mit der Inventarisierung der westfälischen Handschriften betraute, hat er meine 
Arbeit stets mit wärmstem, ivohltuenden Interesse begleitet. Und wie bei allen 
kleineren dabei abfallenden Früchten, die ich ihm für seine Zeitschrift liefern 
konnte, so hat er auch jetzt bei dieser großen Veröffentlichung vom Anfang bis 
zum Ende mit seinem scharfblickenden Auge über dem Werke geivacht. Die in 
den 'Deutschen Texten' ivohlbekannte Chiffre (B) kennzeichnet nur einen ganz 
kleinen Teil von dem, was unser vielfach so arg verwahrloster Text ihm zu ver- 
danken hat. Dasselbe gilt von der Chiffre (H) des Herrn Privatdozenten 
Dr. Hübner in Berlin, der die Korrekturbogen freundlichst mit durchgesehen hat, 
und dem dabei auch an zahlreichen Stellen aus Verlegenheiten, die der Text be- 
reitete, eine glückliche Bettung zu finden gelungen ist. 



Breslau. 



Aloys 'Homer. 



Die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs. 



[i r ] Zu Chalis" inn der eptien, 

Da ich uff myme bette was ligen. 
Mich duchte, als ich slieff in 
swere, 
Das ich ein weller und erwecket 
were 
5 Zu gan gheen Jherusalem in die 

stat. 
In eyme spiegel mich geducht 

hait: 
Der waz groß, da bij hatte ich 
gelegen 



Und die stat von ferreni gesehen. 
Von wydem begriffe sij mich 
duchte, 
10 Innen und ussen kostlich und fol 

gnochte. 
Alle wege und genge waren rieh 
Von finem golde gepafriget glich, 
P"] Hohe was das fondement gesatzt 
Gar schone uff eynem platze, 
15 Und die husongen waren dar zu 
Von lebendigen steynen gemacht 

nii: 
Eine hohe mure das alumb be- 
sloß. 



vor 1. Der (auch in h) fehlende Eingang der Dichtung mit voranstehendem Bild (1) 
lautet im französischen Original: 



A eeuz de ceste region 
Qui point n'i out de mansion, 
Ains y sont toua com dit Saint Pol, 
Eiche, povre, sage et fol, 
5 Soient roys, soient roynes, 
Pelerina et pelerines, 
Une vision veul nuncier 
Qui en dormant m'avint 1'autrier. 
En veillant avoie leu, 

10 Considere et bien veu 

Le Mau ronmans de la Eose. 
Bien croi que ee fu la chose 
Qui plus m'esniut a ce songier 
Que ci apres vous vueil nuncier. 

iö Or (i) viengnent pres et se arroutent 
Toute gent et bien escoutent, 



Qui arriere point recule ; 

Avant se doivent touz bouter, 
20 Touz asseoir et escouter. 

Grans et petis la vision 

Touche sans point de exeepeion. 

En franeois toute mise Tai 

_ A ce que l'entendent li lai. 

25 La pourra ehaseun aprendre 

La quel voie on doit prendre, 

La quel guerpir et delessier. 

C'est ebose qui a bien niestier 

A ceuz qui pelerinage 
30 Eont en oest monde sauvage. 

Or entendez la vision 

Qui m'avint en religion 

A l'abbaie de Chaalit, . . . 



Ne soit nul et ne soit nule 
vor 3 Bild (2) mit Überschrift links oben: Jhrlm. links im Bett liegend der Pilger, 
rechts in achteckigem roten, mit S blauen Edelsteinen besetzten Bahnen ein Spiegel, darin die 
Stadt Jerusalem. 



Deutsche Texte des Mittelalter. XXV. 



Beschreibung des himmlischen Jerusalems, das der Dichter im Traum gesehen. 



Da inne waren wonungen viel 
und groß, 
Und da was alle frolicheit 
20 Und alle freude aen trurikeit. 
Dar durch, sere knrtzlich zu gan, 
Mochte yeclicher aen hinderstan: 
Es was dar inne me gudes dan 

man hieß 
Noch gedencken mochte odir wyst. 
25 Aber das krenckete mich vaste 
Das nit yeclicher dar in torste 
Nach synem willen gan: 
Das det mich erschrocken stan. 
Der ingang was gut, 
D 3 ''] Er was aber gar wol behut. 
31 Cherubin, der ein portener was 

der stat, 
Ein schon swert in siner hant er 

hat, 
Licht leuffig, auch schone es ge- 
feget waz 
Und zu beyden sijtten schärft: ge- 
sliffen, nu merckent daz: 
35 Er konde sich wol behelffen mit, 
Es ist keinre der mit dem bocke- 

ler nit 
So viele können mochte, 
Der da durch zu gan dochte, 
Er muste sin dot odir wont. 



40 Da was nit wider zu der selben 

stont 
Der furste geborn von der selben 
stat: 
[-2"] Umb das er mentscheit an yme 

hatte, 
An dem passe leit er den dot vil 

hart, 
Und in sine sijtte die glave ge- 
drongen wart. 
45 Zu betzalonge ließ er blut nas, 
• Wie wol er den zolle nit schuldig 

was. 
Also dadent auch sine rytter, 
Sine kempen und sine soldener: 
Sij alle uß syme kelche drunckent 
und gingent 
50 Und da hin zu gan den dot ent- 

phiengent. 
An den zynnen über der porten, 
Da niemans schonet der portener 
zu allen orten, 
Sag ich hencken die fenychin 
Von blude rot geferbet fin 
55 Und dar zu auch geferbet vielfar. 
Da ich des alles hatte genommen 
war, 
■ Da sag ich und wart nit bedrogen 
Das dar inn wart geflogen 



28. erschocken. 



vor 31 Bild (3) mit Unterschrift: Cherubin 
dem Schwerte in der Hand steht als Wächter vor der 
Nach 58 sind 4 Blätter ausgerissen. Der er 
Er lautet im Original: 

Qu'entrer a force y convenoit, 
S'autre passaige n'y avoit; 
Tontevois par celle voie 
90 Nul mais passer ne veoie; 
Chascun estoit tont recreu, 
Quant Cherubin avoit veu. 
Bien puet son glaive flamboiant 
Metre en sauf des ore en avant. 



der Jherusalem bildet. Ein Cherubim mit 

Stadt Jerusalem. 

ste Teil dieser Bartie fehlt auch noch in h. 

95 Mais tout ainsi comme levai 
Mes iex en baut et regardai, 
Une mont grant merveille vi 
Dont grandement fu esbaM. 
Saint Augustin vi qui estoit 

ioo Haut aus carniaus et [se] seoit, 
Et bien sembloit estre oiseleur 
Ou d'oiseles apasteleur. 



Beschreibung des lümmlischen Jerusalems, das der Dichter im Traum gesehen. 



3 



[3>-] Er machet sich wol richtums ane. 

60 Es mag keiner so rieh gesin noch 

haben so viel, 



Er ist wol arme so es were sin 

wille, 
Und mag yn sicherlich wol dun 
In ein solich suberlich wesen zu 
gan: 



Et en haut puis (droit) s'en voloient. 
Mont vy certes de Jaoobins, 
De Chanonnes et d'Augustins, 

115 De gent de tout. maniere, 
De gent laie ou seculiere, 
De clers et de religieus 
Et de mendiens (et) souffraiteux 
Qui ainsi plumes queilloient 

120 Et grans elles se faisoient; . . . 



Aveques li avoit plusieurs 
Autres grans mestres et docteurs 
ioo Qui aidoient a amorser 
Les oysaus et apasteler, 
Quar pour (les) pasteaus qu'il tenoient 
Et (la) semenoe qu'espandoient, 
Pour leurs enmieles morsiaus 
no Et leurs diz doucereux et Maus 
Maint(es) gens oysiaus devenoient 
Hier setzt h ein: r - 

[S. 1] machten in groß flugel fhynne uf jnne die stat zu fliegen : sye styegent über 
cherubin vnd achten uf jnne gar wenig iC\ 

Hie brediget santg benedictg. [Bild 4.] 
Alß balde ich rayn äugen vnd myn gesiecht uf die ander sit keret, da verwondert mich 
5 noch me von eyner sachen die ich sache : uf der muren von der stat sach ich ander mechtige 
lude die do jren heymlichen mit gezug Gar suptyleclich in hülfen. Zu erste sach ich 
sant benedictg der eyn groß lang leiter hatte an die nrnre gestalt von zwölf staffeln der 
demutikeit: dar uf stiegen sie snellecliohen in die stat die von syneu luden warn und ym 
zu gehorten, Monieh gra, wiß vnd swartz sunder von yemantz verwiße zu haben :c. 

10 Hie brediget santg franeißkus. [S. 2] [Bild 5.] 

Dar nach sach ich santü franeißcum der sich wol bewyset alß eyn frunt den die da 
wat von synem orden, vnd alß mich beducht, so hatte er eyn wol geflochten seyle an die 
muren gehangen. Daz selbe waz an manichen enden geknupt, do mit iglicher uf steyg der 
von siner heymlicheit waz. Ez waz keyner da, ab ym syne hende gesnyret were, Er mocht 

15 balde uf stygen wan er die knoden hart begreife. Ich sach auch vil ander lude uf der 
mure, der name ich uch nit eygentlich erzelen kan vnd wie sie ir heymlich an allen enden 
daten uf stygen, Dan aleyn waz myn gesiecht geyn dem ende daz geyn myr stunt. Dar 
über konde jeh nyt gesehen, Daz mich gar sere verdroiße, Dan ich wil kurtzlichen da von en 
wenyg sagen 2C. 

20 Hy brediget santg petrg. [S. 3] [Bild 6.] 

An der müren dye geyn mir stunt da sach ich eyn cleyne dorre, die waz enge, dye 
der konig von der stat det huden und hatte den slußel sant peter gegeben, dem getruwet er 
wol. Er mocht sich wol uf in verlaßen, dan er ließ da durch nyemant in gan dan bloßlich 
alleyn die arme, wan der nit luget der da hat gesprochen daz der rieh nit mag dar in 

25 kome alß wenig eyn kemeldiere moeht gan durch eyner nalden äuge. Der jngangk waz 
gar oleyn vnd suptile, dar von niust sich eyn iglicher uß dun. Da fant mä alter cleyder 
genug vnd vil: dar durch mocht keyn gekleiter gan Er bette dan dez konigez kleyder an, 
vnd die gingeret al hyn in alß dick sie wolden. Der jngang gefll mir gar wol vnib dez 
gemeyne vortelß willen daz al lude hatten die sich geware arm wolten machen. Die hatten 

go keynen wiederstant, wä sie sich dan nit uß dun wolten vnd die alten cleyder hie uß laße 
vnd nuwe cleyder da in holen. Dieß sach sal eyme iglichen wol gefallen, dan diß ist gut 
zu dun: [4] wie rieh eyner ist, so macht er sich wol arm . . . 



2$. g-iug'et. 



29. vrtelü. 



1* 



Seine Rüstung mir Wallfahrt in die himmlische Stadt 



Und were gut einwenig Tasten, 
65 Wann einer zu abent sadt solte 

rasten. 
Nu han ich uch genug kurtz ge- 
sagt 
Von der gar suberlichen stat, 
Als ich das in dem hübschen Spie- 
gel han befonden, 
Dar umb ich mich han underwon- 
den 
70 Da yon ein weller zu sin. 

Mochte ich bis an das ende myn 
Anderswo gesehen, als mir dreu- 
niete zu der zijt, 
Da sach ich keine gude rüge nit, 
Und mich duchte ich hette große 
rüge 
75 Würde ich mit guder fuge 
[3"] Recht dar in beslossen, 
Des were ich uiwerdrossen : 
Dar uß zu kommen ich nummer 

gedechte 
Obe ich dar in kommen mochte. 
80 Als ich das hatte in myme synne 
Und das hatte gedacht da inne, 
Bälde dar nach ich wider dachte 

fast 
Das ein sacke und wallestap mir 

gebrast 
Und das ich der nit entperen 
konde, 
85 Ich gedachte wo ich die fonde: 
Es ist eine sache wol beqweme- 

lich 
Eyme ieclichen weller irrelich. 



Da gienge ich uß myme huse 
Und uß der selben kluse . ; . 
90 Da inne ich nun manet was - 
Aen dar uß zu kommen, merckent 

das. 
Ich begonde zu suchen einen 
wallestab 
Und auch ein wallesacken, 
W] Die mir notdürftig waren dar zu, 
95 Zu dem das ich zu schaffen hatte 

do. 

Als ich also suchende gieng 
Und schriende mich umbfieng 
Wo ich mochte finden eine kre- 

mere 
Der mir dar zu zu helffen gut 
were, 
100 Eine frauwe ich in myme wege 

sach, 
Die Ton irer hubscheit mir freu- 

den jach: 
Sij geleich wol sin ein dochter 

eins keisers, 
Des konniges odir eins andern 

großen herren genoß. 
Eynen kyddel mit golde beslan sij 
anhatte 
105 Und gegürtet mit eime grünen 

syden weppe, 
[4"] Umb und umb besetzet mit kar- 

f onckel : 
Er kickte Torware durch alle 
dunckel. 
An der brüste ein gülden sloß, 



85. die gleich übergeschr. 

.97. Orig.: Et (en) plourant me derrientoie. 



107. luchter. 



vor 96 Bild (7) mit Nebenschrift rechts: Gods gnade die wiset den pilgerin vä den 
Hechte weg. Eine Frau mit Königs -Krone und Mantel, das Haupt von Sternen umgeben 
(Gottes Gnade), spricht su dem Pilger, der hier noch im Mönchsgeivand erscheint. 



Gottes Gnade ivcist den Pilger auf den rechten Weg. 



Mitten da inne ein gülden spange 
groß, 

110 Da inne im mittel ein sterne was, 
Der gab ußermaßen schonen glast. 
Das mich sicher wonderte sere 
Und dar zu auch der mere 
Das ir heubt was mit golde ge- 
kronet wol 

115 Und was auch umb und umb toI 
Mit lichten sternen glantz: 
Das nam mich wonder gantz. 
Sicher er wol mechtig was 
Der ir hatte gegeben das 

120 Und sij also getzieret. 

Sij was zuchtig geformieret, 
Als mich duchte in myme rat, 
Dann sij mich zu erste gegrußet 
hait 

[5 r ] Und mich sußeclich fragede so 

125 Was ich also gienge suchende do. 
Da wart ich zu male gar erfert, 
Umb das ich nit hatte gelernet 
Das frauwe so gar kostlich 
Zu mir neygete sich. 

130 Aber balde genug ich mich be- 
dacht 
Und in mir selber das acht, 
Als ich das lernte und weiß es 
wol: 

- Wer allemieyst gudes ist toI, 
So viel me demut ist in yme. 

135 Grlicher wijse ist der synne: 

So der appelbaum me eppel dreit, 
So er sich gheen dem mentschen 

me neiget. 
Demütikeit ist das zeichen 
Der guden . hertzen und der 
weichen : 

140 Wer dis banner nit endreit, 
Der enhait in yme nit gantze 
gutheit. 

[5»] Von stunt ich ir geantwert han, 



Als mir das in mynen synne kam, 
Das ich zu gan uff gewecket was 
145 Gheen Jherusalem in die stat, 
Aber ich was zornich dar umb 
Und kommert mich in mynem 
synne ■ ■ 
Das ich keynen sacke 
Odir auch wallestab enhatte: 
150 Und das gienge ich suchen also 
Und her und dar fragen dar na. 
Sii antwerte mjT und sprach: 

'lieber frunt, 
Wiltu hören gude mere zu dieser 

.stunt 
Das du suchest, nu komme mit 
mir : 
155 So groß gut kam nie zu dir 
Als das du mich haist fonden 
Hie zu dieser stonden 
Und das du mir hie begegenet 
bist. 
[ß''l Alles das dir nu gebrist 
160 Und wes du bedarfft, mereke mich, 
Des wil ich dir helffen zu stunt 

sicherlich.' 
Da mochte ich nit langer gebei- 

den mir, 
Was mir da Ton gescheen were, 
Ich wolde alles wissen: yren name, 
165 Wer sij were und wannen sij 

qweme. 
'Frauwe, uwern nanien sänt 
Mir und uwer rieh und laut, 
Und wer ir sient Torwär, 
Wolde ich gerne wissen zwar: 
170 Ich bijden uch, sagent mir das, 
So bin ich frolich desta baß.' 
Da antwerte sij mir: 
'Ich wil is sagen dir, 
Verstaut und mereke mich! 
175 Ich wil nit foi'tsamme sin gheen 

dich 



6 



Gottes Gnade iceist den Pilger auf den rechten Weg. 



[6''] Odir mich verfielen vor dir 
— Ich sage dir wäre, gleube 

mir-! — 
Und dich auch nit smehende sin: 
Ich bin des keysers dochter ein, 
180 Der über alle ander herren ein 

herre ist. 
Er hait mich gesant in diese ge- 
wist 
Yme frunde zu gewynnen nu, 
Nit dar umb das er ir bedarff 
ergent zu, 
Anders dan das er ir begert 
185 Und yme were lieb und wert 
Von allen luden yre heymelicheit 
Umb yren nutz und selikeit. 
Sihestu wie ich getzieret bin 
Und gefüglich bereidt fln 
190 Von spangen und von steinen? 
Du haist nye hubscher gesehen: 
Es ist zu erfuchten allen den 
['''] Die mit der nacht wollen gen, 
Is ist umb daz mich ieclicher fin- 
den mag 
195 Mit der nacht als mit dem dag 
Und auch in dem dage als mit 

der nacht, 
Uff das sij machen keinen bracht. 
Ich bin die du anruffen salt 

sicherlich 
So du gehest in fremden landen, 
nü mercke mich: 



200 Als lange du mych in geselle- 
schafft haist, 
Keinen bessern frunt du haben 

magst. 
G-est du aen mich in diesem lande, 
Mag nit sin, du wirst gehasset 
mit schande 
Und auch von myme vader, dem 
konige groß, 
205 Und von allen die da sint din 

genoß. 
Aen mich mag niemans wol getun, 
Allen luden bin ich notdorftig zu 

irem dun: 
Vor langen zijden were verlorn 

die weit 
Hette ich sij nit gehut in myme 
getzelt. 
[7°] Der mich bij yme hait, dem 

bristet nicht; 
211 Der mich nit hait, dem bristet 

alle geschieht: 
Ich bin von allem meisterynne 
Und von allen bösen artzetynne. 
Ich erluchten die nit gesehenden 
215 Und geben stereke den spehenden; 
Ich heben uff die gefallen sint, 
Und wijsen die verirret sint. 
Fliehen wil ich nyemant 
Dan die da dotlich gesundet hant, 
220 Aber nach den luden achte ich nit 
Als lange sij sint in der geschieht. 



[192.] Kustode unten auf El. 6», an zwei 
Seiten rot eingefaßt: die mit der nacht. 

195. mit über gestrichenem vff. dem 
aus den. 

198. salt siche'lich üb. gestr. must u. zu- 
erst als Korrektur hintergeschriebenem magst. 

199- gehest übergeschr. nü üb. gestr. gast, 
mercke mich sugeschr. 



200. mych aus myne. in geselleschafft 
üb. gestr. fruntschafft. 

203. wirst gehasset mit üb. gestr. must 
haben. 

204. auch üb. gestr. haß. 

205. Vor genoß ist brüder und gestr. 
207. notdorftig üb. gestr. not. 

213. artzetynne üb. gestr. spiegelerynne. 

214. nit üb. gestr. vn. 



Gottes Gnade führt den Pilger in ihr Haus. 



Gottes Gnade bin ich genant 
Und nit anders werden ich ge- 

mant: 
Also du mich auch nennen macht, 
225 Wan so du myn bedarfft. 



[S r ] Nu macht du wol wissen aen zwi- 

velonge 
Obe gut sij bij mir die wonunge: 
Gefeilet sij dir wol, so sage is 

balde 
Und din sagen nit me verhalde!' 
230 Da aufwerte von stunt balde 

ich: 
'Frauwe-, durch Got begnaden 

mich, 
Wollent mich uch bekentlich 

machen 
Und auch in keinen sachen 
Mich nummer gelassen, 
235 Dan mir in keiner massen 

Nutschit so notdurfftig gesin en- 

kan 
Zu dem das ich dan zu schaffen 

han, 



234. Mich aus von uch leorr. 



Und dancken uch sere gutlich 
Des das ir bij mich 

240 Zum ersten sint kommen 

Gar umb mynen großen frommen: 

[S°] Mir was nutschit anders not. 
Nu furent mich war ir wollent, 
Des bijden ich uch: ir nit beiden 
sollent.' 

245 Da nam sij mich zu den selben 

zijden 
Und fürte mich aen beiden 
Gheen eime huse daz sij hatte, 
Das ir was, als sij da sagete, 
Und sprach, ich funde da allez 
das 

250 Das mir dan zu haben not was. 
Das huß hatte sij gefondieret. 
Als sij sagette, und auch gemuret 
Dritzehenhondert und drißig jar, 

[9'~] Als ir das wol gedachte zwar. 

255 Das huß ich gar gerne gesag, 
Und da ichs sag. ich sere er-. 

schrack, 
Dan is gar hohe in der lufft 

Meng 
Thuschen hyemel und erden ring 



254. Orig.: Si comme bien Ten souvenoit. 



Nach 225 fehlt 1 Blatt. Bie Partie lautet in h: 

[S.7] ... wan 'du myn bedarf est. Daz wirt sicher gar dick geschehen E du komst iu 
die stat die du gesehen hast, vmb daz du noch gar vil wieder falle, hinderunge, anfechtunge 
und wiederwertikeit finden wirst, die du nit vergan inagest an mich, du noch ander, daz 
gleyhe vor war: vnd du mochtest an mich gan und intrjnne, daz doch eyn sach ist die nit 
5 sin en mag, daz sage ich dir wol, so machstu doch an mych geyn jherusalem nit in kome 
Noch din fuß dar in gesetzen: wie wol daz du hast gesehen Etwa vil lüde dar in kome 
vnd daz etlich nacket dar in gente vnd etlich fliegent dar über in, Etlich ander koment dar 
in mit gezuge vnd etlich durch [8] Cherubin, so saltu doch wißen daz keyner dar in komet 
an mich, dan die eyne mußet sich dar vor uß dun sich dar in baß wieder zu becleyden, die 
10 andern dun ich sich fiedern mit mynen dogende, daz sie desto baz dar in gefliegen mogent. 
Dan fliegent sie alß ich wil, daz hastu wol gesehen: die andern setzen ich in sunderlich 
stede nach mym wiln. Alß dun ich sie al in gan. IS'u mastu wol wißen . . . 

vor 245 Bild (8) mit Nebenschrift rechts: Godes gnade füret den pilgerin Jn yre huß; 
der Pilger jetzt im Pilgergeioand. 



Das Haus von Gottes Gnade (die Kirche). 



Als obe is von liymel dar were 

kommen. 
260 Kloglmser und hübsche thorne, 
Gar hübsch was sin begriff vorne: 
Aber mich erferte sere das 
Daz ein groß wasser da vor was, 
Dar durch ich auch muste gan 
265 Solde ich in daz huß kommen aen 

wan. 
Es hatte kein bredt, brücke noch 

schyff, 
Und was das ende doch gar dieff, 
t 9 "] Als ich des dar nach wart gewar, 
Da ich waz dar in gestossen gar. 
270 Da hübe ich an zu fragen 
Wie ich dar ufi mochte entken 
Und war umb solich pas da were 
Und obe eynich ander weg da 

umb were, 
Und das sij mir ordeclich sagen 

wolde 
275 Was gudes das wasser mir dun 

solde. 
Da antwerte sij mir: 'was sages- 

tu? 
Bistu umb so wenig erschrocken 

J1U 

Und wilt gheen Jherusalem fere 
Und must auch über das große 

mere? . 
280 Das große mere ist diese werlt 

hie 
Und ist vol großen sufftzen ye 

und ye, 
Gewiders und lidens, 



260. zu ergänzen: waren da. Bas Orig. 
hat Clochiers i ot et belies tours; h liest Es 
hatte kl. etc. 

261 eingesetzt als Ersatz für 2 getilgte 
Verse, zu deren erstem 260 das Objekt enthalten 
hatte: 



Lunten und stridens 
[!0 r ] Und auch viel windes, 
285 Das du noch wol befindes: 
Wie saltu dar über kommen, 
Sijt daz du von deinem so großen 
schrecken hast genommen? 
Du salt nit föchte han: 
Als ich dir dan wil san, 
290 Hie gent durch nie kleiner kirnt 
Dan grosser lüde, die veraldet 

sint. 
Dis ist die erste durchfart 
Von dinre guden wallefart, 
Durch ander ende mag kein weg 
sin 
295 Dan alleine durch Cherubim 
Dar durch etliche gangen hant 
Die sich in irem blude geweschen 

hant. 
Doch nit dar umb, wiltu den weg 

dyn 
Ordenieren zu gan durch Cherubin, 
[-*o»] So ist dieser nit wieder dich, 
301 Sonder er ist dir gar beqweme- 

lich, 
Dan so du gedenckest wannen du 
kommen bist, 
Und an das huß vol mists 
Da inne du IX manet gewest bist, 
305 Das dir dan wol not ist 

Dich zu weschen in dieser frist. 
Dar umb raden ich dir hie durch 

zu gan, 
Dan keinen sichern weg macht du 
nit han. 



hatte is zu machen genomen 

vnd das was gar kostlich zusamen körnen. 

263. Daz vor ein sugeschr. ■ 

267. ende übergeschr. 

290. knt. 

298. dyn n. gestr. fin. 

308. weg gleich übergeschr. 



Gottes Gnade holt einen Offmal herbei, der den Pilger tauft. 



9 



Zu zijden ein konig hie durch 
gangen ist, 
310 Der diesen gang wol hait gefrist: 
Das was der den gang gemacht 

hette, 

Der nit unreyne waz und auch 

nie myssedet. 

Wiltu da durch gan, daz sage dar, 

So dun ich von stunt kommen her 

315 Eynen der myn sunderlich diener 



Er salbet dich als einen kempen 
zwar, 
330 Das du nit als umb ein har 

Darst föchten dine viende sicher- 
lich. 
pi»]Nu sage balde, was beduncket 

dich?' 

Da sprach ich: 'ich des begere 

Das ir yn dunt balde kommen 
here.' 



ist 
[IV] Und auch Gottes officiale da bij 335 Da qwam zu mir durch ir ge- 



bot 
Der official, als da vor stat. 
Der nani mich da mit einre handt, 
In das wasser stieß er mich zu 

hant, 
Da badet und wusch er mich 
340 Und dry male dar under donckete 

mich. 
Gnade sagete mir an keinen 

enden unwaer: 
Er crutzete und salbete mich 

zwaer. 
Dar nach sij mich in das huß ge- 
fürt hait, 

325 Umb nvynner zu f orten die viende [A3'1 Da sij gar ein edel und hübsche 

diu, herberge hait. 

: Das crutze macht er uff die 345 Da det mir Gnade gar gutte 

brüste din, glichniß an, 

Uff din heubt und an dinem Viel besser dan sij vor hatte ge- 

rucke J taen, 

Desta mynner zu f orten alle un- Und sprach, sij wolte mich gerne 

gelucke. Viel sacken wijsen und lernen, 



ist. 
Er ist auch myner wonungen 

huder 
Und dis ganges ein diener. 
Der hilffet dir da durch zu gan, 
320 Dich zu baden und zu weschen 

lan. 
Der selbe dich auch crutzen 

wirdet, 
Umb das er zu stunt gesehen 

wirdet 
Das du wilt über mere 
Jherusalem zu gewynnen, die stat 

her. 



331. Darst nachträgt, vor föchten geschr. 344. vnd hübsche übergeschr. 

336. das zweite i in official nachträgt, ein- 345. sij vor mir gestr., dafür gnade über- 
gefügt, geschr. glichniß an eingesetzt hint. ein getilgtes, 

342. salbete üb. gestr., nicht mehr lesbarem nicht mehr lesbares Wort (w . . .) , iveswegen 

Worte. glitten in gutte geändert. 



vor 335 Bild (9) mit Nebenschrift rechts: der heilige dauff. Der Pilger kniet mit 
gefalteten Händen im Wasser; ein Offizial salbt sein Haupt mit .großer .Salbenbüchse. 



10 



Ein Bischof firmt den Pilger. 



Und daz einen guden synne ich 
neme vor mich, 
350 Obe dar zu verstaen wolde ich. 
Da sij also zu mir rette in dem 

ziele, 
Sach ich schiere wonders viel, 
Des ich nit zu male geswigen wil: 
Ich werden davon sagen ettwas 
viel. 
355 Dar nach wan ich ein wol ge- 
fallen habe, 
Wil ich uch sagen von mime 

wallestabe 
\ Und von dem sacke des ich be- 

gern, 
Dan ich der zijt genug darzuhan 
und nit mag entpern. 
I 13 "] Zum ersten an dem ende sag 

ich, 
360 In dem mittel duchte mich, 
Das zeichen thau, daz waz nit 
von blude 
Des wissen lemmelins gude. 
Es ist das zeichen da mit ge- 

tzeichent sint 
Mitten an den stirnen die Gottes 
kint. 
365 Und nahe bij mir sag ich einen 

meister fin, 
Der schein wol ein vikarie sin 



Von Aaron und von Moysen: 

Inn siner handt sag ich yn 

wysen 

Eine rüde, was an eime ende 

kromp, 

370 Und sin heubt gecronet mit 

horner stomp, 
[i3 r ] G-ecleidet mit lynen cleider. 
Ich geleube das is were der 
Von dem da rette Ezechiel 
In syme nünden cappittel, 
375 Das er den luden an ire stirnen 

macht 
Das zeichen thau, da mit er sij 
getzeichent hait. 
Er sagete das is das zeichen were 
Dar durch Got yn milde worden 

were: 

Dan durch zeichen wilt er das sij 

sient 

380 Sine lüde alle die da mit an der 

stirn getzeichent sint. 

Mit dem zeichen det mich Gnade 

Gott 
An die stirne zeichen und sere 

dancken aen spot: 
Da von ich vor wäre gar froe 

was, 
Dan is mir sere beqwemelich was, 
385 Nit von notdurfftikeit, 



357. sacke üb. gestr., nicht mehr sicher les- 
barem Worte, vielleicht banden; infolge dieser 
Änderung: dem aus den, des aus der. 

358. Dan aus Dar, dahinter zu gestr. Nach 
ich ist mich getilgt, darzuhan vnd übergeschr. 
entpern kint. gestr., nicht mehr lesbarem Wort. 

361. vor Das gestr. von thau. thau n. 
zeichen übergeschr. 



362. lemelins üb. gestr. scheffelins. 

368. handt aus hant. wysen hint. gestr. 
halden. 

370. in gecronet der 3. — 5. Buchstabe aus 
andern Lettern hergestellt. 

372. der vor were gestr. u. dahinter zugeschr. 

373. Ezechiel 9, 2 — 4. hint. Ezechiel ein 
1 üb. d. Z. 



vor 359 Bild (10) mit Nebenschrift rechts: Pyrrnonge. Ein Bischof mit dem Bischofs- 
hut auf dem Haupt, in der Linken den Bischofstab haltend, zwei Einger der Beeilten zum Segnen 
erhoben, sieht dem Pilger entgegen, der mit 4 Gefährten .zum Empfange der Firmung naht, 
oben neben dem Bilde gestr. Z, Ansatz zu Vers 359. 



Der Bischof überreicht dem Offizial dreierlei Salben. 



11 



Sonder von zukommender follen- 

kommenheit. 
[13 »] Dar nach sach ich den meister 

machen 
Eine gude salbe dem officiale zu 

Sachen, 
Die er gab und befale 
390 Dem vorgenanten officiale. 

Mit solichen Worten er zu yme 

sprach : 
'Sichstu die drie wirdige salben 
Die ich dir geben und den luden 

allen? 
Alle die die da pilgeryn 
395 Und auch die kempen wollent sin, 
Mit den zweien ersten du salben 

salt 
Und nit anders da mit machen 

salt. 
[u<-] Die dritte ist vor die gewondeten, 
Vor die geslagen und die ge- 

qwetscheten, 
400 Vor die da in dem dotbette 

lygent 
Und keins trostes sich nie ver- 

sehent : 
Mit dieser salbe saltu die be- 
strichen sin 
Und yn ein getruwer artzet sin, 
In allenthalben sij salben mit 

gantzem flijß 



405 Da er dan der salben bedurffende 

ist. 
Des bedorffent sicherlichen wol 
Yeclicher der da wallen sal, 
Alle pilgerin und die geirret sint 
In diesem lande und in der 

werlde blint: 
410 Dan sij sint alle dage in dem 

criege 
Wie einer den andern bedriege, 
Also das is nit gesin mag, 
Sij mußen geletzetwerden allen 
dag, 
p4»] Übel entfangen sin odir wont. 
415 Das ist yn gar ungesunt, 
Und dar umb uff das leste 
Ist yn die salbe das beste. 
Dar umb bestrich sij aen feie, 
Wan ich dir die salbe dar umb 
befeie ! 
420 Ettliche zu salben vor mich 
Den nuwen konnig behalden ich 
Und die vikarien Moyses, 
Die ertzete, als du einer bis: 
Und die dische da wir uff essen, 
425 Und thau an die stirne gemessen, 
Davon halden ich die ußrichtonge, 
Die gewonheit und verdienonge. 
Nu luge daz du nit missegriffest 
Wieder mich und auch nit under- 
stest!' 



387. ich li, fehlt der Hs. officia vor 
meister gleich durch schwarze Einrahmung 
getilgt. 

388. de. 

394. vor vor Alle gestr. 
400. dem dot üb. gestr. das. vor lygent 
gestr. sich, lygent aus legent. 
403. Vnd üb. gestr. So magstu. 



404. allent aus allen. halben sij üb. 
gestr. Sachen. salben aus besalben. 

405. Da er vor dan übergeschr. dan aus 
den. der n. dan gestr. 

408. Vor Alle ist vnd gestr. 

409. n. lande mit j zu jn angesetzt. 
413. geletzetw'de üb. gestr. yeclichen. 
420. n. salben langer senkrechter Strich. 
426. halden üb. gestr. han. 



vor 392 Bild (11) mit Nebenschrift rechts: bestrichen des heilige oleys. Der Bischof 
überreicht dem Offiziale dreierlei Salben. 



12 



Hechtes Verständnis unterweist über guten Gebrauch der Salben. 



[I5 r ] Als sij zwene also under ein 

rettent 
431 Und ire salben ordeniertent,' 
Zu stunt ist zu yn kommen 
Ein jungfrauwe von eime thorn 
geklommen : 
Eecht Verstenteniße sij sich hait 
genant, 
435 Als Gottes Gnade mir vor hat be- 

kant. 
Sij hub an zu yn zu reden 
Und yn zu sagen aen meren: 
'Ir herren, die also redent 
Und uwer salben also ußrichtent, 
440 Da mit ändern luden zu salben, 
Und hait hie uwer rede allent- 
halben, 
[15»] Nu versteent zweie deine wort, 
Die ich uch balde hanjiffenbart: 
Salbe ist ein süßes ding 
445 Zu wonden die zu odir uffen sint. 
Auch sal sueßelich mit umbgangen 

sin 
Und auch süße Instrumente da bij 

sin. 
Süße sal der sin der das heldet, 
Dan grobkeit sich dar zu nit 
stellet. 
450 Is ist nit not daz der verwonte 

man 
Herteclich werde gegriffen an, 
Doch ettwan schadt dem gewonten 
grobkeit mere 



Dan yn salben sere. 
Grob sint die da böse sint, 
455 Die frechen als des lewen kint, 
Die inn allen Sachen sich nit 

wollen sparn, 
Nutschit verdragen oder unge- 

rochen laßen farn. 
[26''] Die sint n ^ gut artzet zu wonden 
Noch gude artzet zu dem libe 
besonder, 
460 Dan sij den verwondeten ire 

salben 
Zu viel hertlich anstrichen wollen. 
Dar umb bin ich abe geclommen, 
Uch zu underrichten her zu uch 

kommen, 
Das inn uch sij keine grobkeit, 
465 Keine frecheit odir boßheit. • 

Den verwondeten sollet ir gnedig 

sin, 
Barmhertzig und yn geben süßen 

schin : 
Ir sollent sij handeln sußeclich, 
Dan ist uwer salbe gut sicherlich. 
470 Dicke sollent ir uch lassen ge- 

dencken 
Das ir gesalbet sint aen wencken, 
Und das ir milde, süße und guttig 
Sollent sin und nit übermütig: 
[16»] Nit ußruffig umb uwer boßheit 
475 Sollent ir sin zu keiner zijt, 
Und das ir alles böse vergebent 
Und nach Gotte strebent; 



434. Eecht vor d. Z. zugefügt. 
443. balde aus balden. 
449. sich wohl einzufügen; Orig.: i mesa- 
vient, h: ist dar zu nit gut. 



452. schadt üb. gestr. ist. grobkeit mere 
üb. gestr. bessere. . 

453. Vor Dan ist hartekeit gestr. sere 
gestr. m. dann wieder zugeschr. 



vor 430 Bild {12) mit Überschrift: verstenteniße pdiget. Eine Frau (Bechtes Ver- 
ständnis) ist eben aus einem Turme gekommen, dessen Türe noch offen steht. Sie trägt eine 
Krone auf dem Haupte. Mit erhobener Beeilten predigt sie dem Bischof und Offizial, die hinter- 
einander stehen und die linke Hand erhoben haben. ' 



Bechtes Verständnis mahnt zu Müde und BarmherzigJcett. 



13 



Dan, wo nit luget der prophete, 
Alle räche er yme behalden hait, 
480 Dar umb wer die yme nemen 

wolte, 
Das er dez zu eime bösen ende 
kommen solte!' 
Da Eecht Verstentenisse also 

hatte geredt, 
Der vicarie, der vor ist genennet, 
Hait ir geantwert und sprach: 
'sagent mir, 
485 Ich bijden uch, wissent ir 

War umb ich die hörne uff dem 
heubt habe 
Und auch die spitze an myme 

stabe ? 
Ist is nit umb straffonge 
[2? r ]Der boesen und sij zu straffen 

dun? 
490 Ich meynen, ich solle die boesen 

bossen 
Und sij mit den hörnen stoßen 
Und auch mit. der spitze stechen 
Ee ich die salbe werde brechen.' 
'Lieber frunt', sprach Verstente- 
nisse, 
495 'Nu höre mich einwenig me! 
Ich kennen dich wol was du ge- 
saget haist, 
Aber du noch nit zu male ge- 
lernet haist 
Die wijse, als du wissen salt 
Zu stechen und zu stoßen balt. 
500 Zum ersten saltu betrachten mil- 

declich 



Die die du siest gaen irreclich: 
Sistu dann das sij versteinet sint 
Und gestereket in dem irren äste, 
[17»] So hastu macht sij zu stechen 

vaste. 
505 Is höret wol dime ampte zu 

Von den bösen recht gerichte dun, 
Aber du salt vor milde sin 
Dan stechende odir scharff zu sin. 
Noch sagen ich dir vort einen 
punet : 
510 Hastu yemans zu keinre stunt 
Mit hertikeit gestossen odir ge- 
stochen 
Odir dich an yemans gerochen, 
Das du das nit habest getaen 
Aen die milde salbonge vor zu 
haen 
515 Des bedurens und mitlidens! 
Dan wie gehornet du bist zu 

richten, 
So saltu doch mitliden in dem 

hertzen han 
Mit dem den du richten salt 
Und gedencken auch balt 
520 Das du gesalbet wurde 
' [is>-] Ee die hörn er dir dan wurden 
Und die spitze oder des Stabes 

zeichen: 
Das sal dich gar sere weichen. 
Wau du yemans straffen wilt, 
525 So saltu dar inne vor wesen milt 
Und auch nit vergessen des in 

der frist 
Von des wegen du vicarie bist. 



478. Deuteronom. 32, 35. 

481. dez übergeschr. 

482. Eecht übergeschr. 
484. ir übergeschr. 

488. Js ist Hs.; Ist is mit h nach dem 
Original. 

501. das c in irreclich zugeschr. 



514. vor zu haen zugeschr. 

[520.] Kustode unten auf El. 17»: Ee die 
homer. 

522. Vnd vor die zugeschr. oder üb. 
gestr. vnd. 

' 524. Nach du ist auch gestr. 



14 Warum der Bischof Hörner auf dem Haupt und einen Stab mit Spitze trägt. 



AAA 



Das waz der der gekörnet sclieyne 
Und hatte doch der horner keine: 
530 Das was Moyses, der das folck 

von Israhel 
Fürte durch das mere, 
Der mit der rüden die er drüg, 
Yn hatte gemacht glitten weges 

genug. 
Nu verstaut wol diese letze hert, 
535 Sij ist dir einer guden predigen 

wert : 
Schinest du ussen gehornet sin, 
So sal din hertze zumale aen 

horner sin. 
[is«] Wie du doch ussen geschaffen 

siest, 
So gedencke dastu baraihertzig 

best, 
-. I^Wann innen saltu barmhertzig sin, 
Wie du doch ussen nit habest den 

schin ! 
Den bedrog magstu wol dun 
Und doch nit da inide übel staen: 
Din hertze sij senffte und gutlig 
545 Und eime guden exempel gelich! 
Hastu eine rüde spitz an eime 

ende, 
So gedencke daz sij an dem an- 
dern behende 
Kromp und gebogen ist 
Und gheen dem spitzen ende ge- 
neiget feist. 

531. Vor mere ist grosse gestr. 

533. gemacht iibergesclir. 

539 nachträgt neben 538 rechts a. Ii. zu- 
gefügt. 

540. Vor innen ist in gestr., n. innen: saltu 
übergeschr. sin hint. gestr. bist. 

541 zioischengeschr. 

543. staen hint. gestr. dun. 

547. behende hint. gestr. ende 

549. spitzen üb. gestr. and'n. feist hint. 
gestr. ist. 



550 Das bedudet, und nit erschlug 

dich, 

Das du salt sin demütig, 

Und in dir sal sin demütikeit 

Wanne du straffest durch gerech- 
tikeit. 

Nu wisse war umb dir ist ge- 
geben 
555 Die rüde und dir ist übergeben : 

Das ist umb das du din folcke 
[19 r ] In dieser werlt regieren solt 

Und das dun durch das wasser 
gan 

Und ir keinen verderben lan. 
560 Du salt auch versuchen mit dime 

stabe 

Obe das wasser dieff gront habe 

Und obe man bedurfte bret odir 
brücke, 

Daß sie nit lyden ungelucke, 

Dan wo brücke odir bret da ge- 
bresten, 
565 Die bistu schuldig zu machen zu 

dem besten. 

Dar umb bistu bruckenmacher ge- 
nant: 

Is ist dine letze, das verstant! 

Nu wil ich dir sagen vorbaß 

War umb, wiltu verstaen daß, 
570 Das du die hübsche rüde solt dran 

Und war umb din heubt gehornet 
ist gethan. 

555. ist vor dir gestr. u. dahinter übergeschr. 
Bas vor geben gestrichene vber ist wieder ein- 
zusetzen. 

563 zivischengeschr. 

567. Vor Is ist Dis verstant gestr. n. das 
zugeschr. verstant. 

569. Vor verstaen ist mich gestr. daß 
hint. gestr. baß. 

571. ist gethan hint. gestr. ist. 



Von den Hörnern und dem Stab des Bischofs. 



15 



Zu zijden hie in dieser stat 

Der gehornete uß der hellen ge- 

wonet hait 
Und durch besesse lange zijt 
[19 v ] Sine wonunge da hatte gedieht: 
576 Aber umb das is verdroß 
Gottes Gnade, die große, 
Die das huß vor hatte gemacht 
Da inne zu wanen mit yrer 
macht, 
580 Mit den hörnern ich dich ge- 

wapent habe 
Und dir auch geben den stabe, 
Das er durch dich ußgedrieben 

würde, 
Der ungetruwe mit siner bürde, 
Der da inne herre sin wolde, 
585 Und du yn mit den hörnen stoßen 

solde. 
Den hastu mit den hörnen ge- 

bossen 
Und auch mit dem stabe gestossen 
Und yn gedrieben von der stat 
Da er lange in gewonet hat. 
590 Die zwene henckel sin 

Die hangent an den hörnen din, 
[20 r ] Hastu zu der zijt erworben 
Do der dufel ist verdorben, 
Das du yn von der stat haist ge- 
taen 
595 Und die stat van unreynikeit aen 
Gemachet haist und gereyniget. 
Das was da du sij haist gewijhet, 
Geheiliget und gebenediget. 



Und umb das du ein gut kempper 

wert 
600 In der wijhonge du dich nit er- 

ferest, 
So wilt Gnade Gottes das du dich 
Mit den wappen dicke cleides 

glich, 
Da mit du uberwonden haist und 
inne leides die stat 
Da inne er dicke gewest hait, 
605 Zu zeichen und bedutonge 
Das du nit kommest in ver- 

gessonge : 
Und auch umb daz er in keinre 

frist 
Nit komme wo du dan bist, 
Der ungetruwe, den du uberwon- 
den haist, 
[30"] Gebosset, gestossen und niderge- 

slagen haist: 

611 Und auch uff das du siest gestalt 

Allezijt frisch zu striden mit ge- 

walt, 
Zu aller stont und zu allen ge- 

tzijden, 
Wieder die da wollen strijden 
615 Wider Gottes Gnade und ir huß 

stören, 
Yr gut nemen und verdören 
Mit manicher hande under- 

nemonge, 
Mit gewalt und uberschetzonge. 
Aber da von, daz man vor wäre 

weiß, 



580. ich übergeschr. B. schlägt vor: M. d. 
h. si dich gew. hat (: stap); Orig.: De ces 
cornes te fist armer, et la verge baillier te fist. 

583. Vor mit ist waner gestr. 

593 nachträgt hint. 593 geschr., durch 
senlcrechten Strich getrennt. 

595. van übergeschr. 

599. wert aus were. 



600. du dich üb. gestr. vnd ; tilge du ? 
Nach erieret ist we' gestr. erferet in erferest 
zu ändern [trotz Beimf] vergessen. 

603. die stat hier zugeschr. u. zu Anf. von 
604 gestr. 

610. Gebosset aus gebesse't. 

615. Wider vor d. Z. zugefügt. 






16 



Von den Hörnern und dem Stab des Bischofs. 



620 Dustu nit das du bist geheiß 
Noch daz du schuldig bist zu don, 
Dan du erloubest is yn schon 
Und wijsest sij den weg dar zu 
Das Gnade Gottes nit zu dancke 

nymmet 
625 Und ir auch zu freude noch gute 

nit kommet. 
Dar umb sage ich dir aen smei- 

chelerie : 
[3i'-\js ist nit anders dan spotterie 
Von dinen hörnen und dime 

stabe. 
Dine hörn sint als die snecken 

habe, 
630 Die sich umb einen halm in zie- 

hent: 
So er sij ruret, sij dar umb flye- 

hent. 
Soliche horner hatte nit sant 

Thommas, 
Der dem konnige den ingang und 

pas 
Von syme huse hart geweret hait, 
635 Umb das er aen sache und zu un- 
recht 
Und mit gewalt das understanden 

hait 
Das huß dinstber zu machen 
Mit viel unrechten Sachen, 
Das alletzijt Mjhe solde sin. 
640 Lieber ivere der biderman fin 



Gestorben ee er daz ließe dinst- 
ber sin. 
Von sant Ambrosio ich dir sage:; 
Wie er sin huß erweret habe " - 
[21 "] Wieder konnige und keisere, i,MM: ^ 
645 Das er des huses alleine here '' ,1 ; 

were. / 

Er sprach: "ir haut uwer palaste, 
Uwer stede, thorne und sloße 

veste 
Und die gulten von dem keiser- 

tum, 
Da mit sollet ir uch wol genügen 

lan. 
650 Myns huses krüdent uch nit, 

Lassent mir das, ir hant da inne 

keyn stette, 
Is wii't nit dinstber bij myme 

leben, 
Ich wolde lieber myn leben 

geben." 
Die lüde drugent nit horner umb 
/ süße 
655 Und hatten sij nit aen große un- 

müße. 
Werest du also wol mit hörnen 

gekleit 
Zu behuden die fryhe gewonheit 
Dins huses das du besessen haist, 
So hastu das vingerlin in diner 

handt, 
660 Obe du dinen stab recht bruchest 



632. Vgl. Thomae vita prima auctore Ed- 
warde Grim (Migne, Patr. lat. GXC, col. 16). 
634. hart übergesclir. 
638. vnrechten übergesclir. 

640. hette Hs., n. d. Korrektur im folgenden 
Vers irrtüml. stehen geblieben. 

641. Gestorben aus zu sterben leorr. 

642. Ambrosius Epist. Gl. I, Ep. 30, 19 
(Migne, Patr. lat. XVI, col. 999). 



645. huses übergesclir. 

649. lan hint. gestr. dun. 

651. key stette n. gestr. nit. 

653. myn leben geben leorr. aus verlieren 
das leben. 

655. An d. ersten Buchstaben von hatten 
ist radiert. 

659. handt aus hant. 



Der Offizial spendet das Sakrament der Ehe, der Bischof das der Priesterweihe. 17 



[55»'] Und Pharaon recht und wol 

straffest 
Und yme sagest das er Gotte 

dienen laeße 
Dine lüde und sij nit mache yme 

dinstbere, 
Sij nit drenge noch beswere: 
665 So weres du ein guder Moyses 
Und mochtes auch gemessen des 
Und dienetest Gods Gnade da mit, 
Und das gefiele ir auch wol 
So dicke sij dich wappen sol.' 
670 Da Verstentenisse also rette 
Zu Moysem und predigette, 
Der officiale sich umb gewant hait 
Und auch die salben mit yme 

bracht 
Und die gar wol in gehalt getan. 
[32 v] Und dar nach, als ich mich han 

duncken lan 
676 Wie eine frauwe von der sonnen 

nidergang 
Und ein man von der selben 

sonnen uffgang 
Zu yme qwamen, zu stunt sach 

ich sie 
Yeclichs eine hant reichen dar bij, 
680 Die hende lachte er zu sammen 

bijeinander 
Und, als mich duchte, sprach er 

zu yn: 
'Ir zweie sollent nit dan eins sin 



Und truwe under ein tragende fin 
Und in allem uwerme leben nit 
anderes sagen 
685 Daß dem anderen mißhage, 

Noch tuschen uch sin kein abe- 
scheiden, 
Is sij dan geware sache die daz 

solle bereiden, 
Und das durch den der da ist, 
Moysent. 
Un behaldetf wol das sacrament 
690 Und habent uch einander lieb ge- 

truwelich ! ' 
Das hant sij beide gelobet gelich. 
Der officiale ist umbe gekert 
[•33»'] Und ist gangen zu Moyse wert, 
Der noch an sinre predigen was, 
695 Da frauwe Eecht Verstenteniß bij 

saß. 
Aber als sij bij ein waren 
Und wolden ire Sachen uffenbaren, 
Da quam ein hauff lüde zu stunt, 
Die zu der selben stunt 
700 Daden uffhoren und swigen das 

parlement. 
Da sij vor Moysen kommen sint 
Und ire begeronge yme verkündet 

hant 
Das er yn ettliche dinste gönnen 

solte 
Und yn die inn sime huse ver- 
üben wolte, 



662. er üb. gestr. du. laeße üb. gestr. laßest. 

663. yme übergesclir. 
674. in fehlt. 

683. tragende fin aus tragen. 

685 neben 684 a. B. zugefügt. 



686. kein übergesclir. 

687. bereiden n. gestr. scheiden. 
689. behalde. 

695. recht übergesclir. 

702. verkündet hant aus gekündet sint. 



vor 670 Bild (13) mit Nebenschrift rechts: Die heilige Ee. Der Offisial führt einen 
Mann und eine Frau zusammen. Die Frau hat Gestalt und Kleidung, auch die Krone von 
Mechtem Verständnis (s. voriges Bild!). 



Deutsche Texte des Mittelalters. XXV. 



18 



Der BiscJwf schert den neuen Offizialen die Kopfplatte. 



705 Da nain er eine schere 

Und det bij sich kommen here 
[23»] Ettliche, die er balde hait ge- 

schorn flu, 
Und sprach Got solde sin 
Yre erbe und ire teyl, 
710 Das were ir grosses heyl, 
Da mide yn wol genügen solte, 
Obe sij wijse wesen wolten. 
Da Moyses daz hatte vollenbracht, 
Verstentenisse da bij sij trait, 
715 Zu yn zu reden Mb sij an: 
'Horent, ir herren, ich sal uch 

san: 
Dis ist grosser synne, was iec- 

licher wil sagen, 
Sich ettwan mit dorheit verdra- 

gen. 
Sint ir geschoren mit der schere 
720 Uff dem heubt hin und here 
Als dore her und dare, 
Die dorheit ist grosser synne 

zware : 
Dar umb so erbieden ich mich 
[•34'-] Das ich zu ewigen dagen uwer 

frunt wil sin sicherlich, 
725 Wem joch das leit mag gesin. 
Diese liebe sollet ir nit uß slande 

sin, 
Dan ir sollent sij vor allen an- 
dern han, 



Wo is nit belibet in uwer dorheit 

stan. 
Und wollent ir myn nit, so sij 

uch geseit: 
730 Die dage die ir gelebent, is wirt 

uch leit, 
So gude frundynne hantir inn 

keiner zijt, 
Des sollent ir inne werden zu 

rechter zijt. 
Ich bin die durch die ir sint 
Von andern dieren gescheiden, die 

sint blint. 
735 Als lange ir mich bij uch haut, 
Sint ir sonder lüde genant, 
Und wan ir aen mich wollent gän, 
So mogent ir uch wol rumen aen 

waen 
Das ir nit sint anders danne 

stomme diere, 
740 Die sich selber wollen zieren. 
[&£"] Aen mich hant ir keine ere nit, 
Wie wol das ir große herren sijt: 
Wo ir große gedichte dun wollent, 
Zwifaltige rede odir argument, 
745 Aen mich hant ir kein besloß, 
Is komme dan zu irrongen groß. 
Nu wil ich uch sagen, obe ir nit 

wissent, 
Wie ir myne liebe behalden 

müssent : 



717. wil übergesehr. 

718. mit üb. gestr. von. 

720. vor hin gestr. sr. 

721. dare aus dore. 
724. sicherlich zugeschr. 

726. vß slande sin aus vß slan. 



728. stan zugeschr. 

730. is übergesehr. leit n. gestr. nit. 

731. hantir übergesehr. 

732. ir übergesehr. zu recht' zijt hint. 
gestr. ir. 

743. jugemens Orig., gericht h. 



vor 705 Bild (14) mit Nebenschrift rechts: wie der bischoä die platte sehyrt vnd 
v'stenteniß die prediget jn dem als er wyhet. Hin Mönch wird grade geschoren, zwei andere 
stehen bei Seite. 



Hechtes Verständnis gibt dazu Erklärungen und Ermahnungen. 



19 



Essen und drincken nüchterlich 
750 Ir sollent vor andern züchtenclich, 
Dan drunckenheit und leckerigen 
Dunt uch balde von dannen flie- 
gen. 
Zorn der über maße ist, 
Und boßheit die dont ußerwege zu 

aller frist, 
755 Die wanonge mich rumen dunt 
Da sij dan ir wesen hant. 
Lipliche liebe mich verdribet des 
[35 >■] Und dut mich zu male rumen das 

pletz : 
Das werdent ir sehen aen besloß 
760 In dem buche von der rose. 

Nu bijden ich uch das ir uch vor 

den wegen 
Hüdent alletzijt und pletzen, 
Obe ir mich lieb hant, 
Und vor allem bösen abelant; 
765 Dan ich die nit zu frunde han 
Die sich in laster ergeben lan 
Und sich von dem guden usserent. 
Noch sage ich uch kurtze wort: 
Beslossen in dem geschorn ende 

dort 
770 Mit eyme zierckel umb ront, 
Das ist ein dörlich bont, 
Als obe is were ein bürg odir 

thorn 
Odir ein gertelin besloßen mit 

murn. 



Die Stadt ist bynnen bloß, 
775 Betzeichent eine gude groß, 
[35 v ] Das uwer hertze gegen Gotte 
Sal uffen sin aen spotte, 
Aen all mittel hinderonge. 
Der cierckel ist die besließonge, 
780 Das ir na dieser werlt nit sollen 

gedencken, 
Dan da von ir mussent wencken 
Und scheiden, wollent ir mit Got 

deil han: 
So mogent ir sij nit beide bestan. 
Da mit ir wol wissen moget 
785 Das ir auch selber hant gefoget: 
Ir habent Got ußerwelt 
Und vor uwer erbe teyle getzelt. 
Durch die wort versteen ich nit 
Das ir mit der werlt sollent dei- 
len icht; 
790 Dan wan einer deilen wilt, 

Das er is zu male haben solde, 

versten ich nit: 
Er muß eins nemen, das ander lan. 
Nu nement das ir erwelet hant, 
[26'-] Besser deile ir nit haut: 
795 Gnuge uch und gedenckent nit 

anders dan, 
Dan das deil ist eins gantzen 

Stuckes wert. 
Der besloß sal uch auch sin wert 
Der uch vermüret und beslüsset 
hert 



752. uch] l. mich ? H. (Orig.: me fönt tourner). 

754. dont übergesehr.; I. dot? oder zu 
donen ? (so H.). zu alle' frist hint. gestr. ist. 
h liest m. d. ursprüngl. Fassimg, die dem Original 
folgte: . . . boßheit die ußer wege ist. 

760. vgl. Le Boman de la Böse p. p. Michel 
S. 98—100. 143—44. 

762. pletzen üb. gestr. allewegen. 

764. abelant hint gestr. zu haut. 

766. lan n. gestr. han; doch ist 1 undeutl. 

774. ist streichen ?; Dye stat da bynne ist 



bloß vnd bezeichet h; le lieu dedens tont des- 
couvert monstre Orig. 

781. da übergesehr., ir n. mussent gestr. 

783. bestan n. gestr. han. 

789. mit üb. gestr. In. 

794. mugent vor u. haben n. ir gestr., da- 
für hant n. nit zugefügt. 

795. Vor nit ist anders gestr. u. dahinter 
ande's dan zugeschr. 

796. stuckes übergesehr. 
798. hert zugeschr. 

2* 



20 



Der Bischof seiet auch Gehilfen für sich und die Offisialen ein. 



Und uch von der werlt ussert 
800 Und das uwer gütlich zu deilen 

lert. 
Von dem geschoru ende uch also 

sin sal: 
Dar an kennet man wol 
Das ir gude scheffelin sint 
Und sin ußerwelt ldnt, 
805 Und is auch recht das von sinem 

vielielm 
Neme der rechte scheffer die 

schäre sin. 
Ettwan mag uwer scheffer uch 
Vor sine arbeit scheren rüch 
Zu sinre notdurfft, und uch zu 
schinden 
810 Hait ir nit macht, als ichs finden, 
Umb das kein messer yme ge- 
geben ist, 
Dan alleine die schere yme be- 
folgen ist 
Uch zymmelich zu scheren da mit.' 
[^6"] Da Verstentenisse also hatte 

geredt 
815 Zu den geschornen und yn ge- 
prediget 
Und den andern die da waren 
Und auch dinste fordern waren, 
Den Moyses willenclich geben hait 
Und einßdeils portener hait ge- 
macht 



820 An syme huse und eindeil hat ge- 

acht 
Kamerer, die ander knechte zu 

sin, 
Zu dienen und uß zu drijben 
Die fiende die da sint in der 

menschen lijben. 
Den andern bot er große ere, 
825 Und yn allen gap er Urlaub here 
[sv] In dem heiligen palas leser zu sin 
Und Gottes, gesetze zu verkünden 

da in. 
Ettliche ander det er kertzen hal- 

den 
Und sij auch dienen balde 
830 Vor dem großen dische der da was 
G-edecket, da uff man as 
Und auch me essen solde. 
Den andern einen kop von golde, 
Da mit man den disch zieren 
wolde, 
835 G-ap er, der was lere, 

Das der disch da mit geeret were 
Und yme auch dienette nrjt. 
Ettliche ander det er zu der frist 
Dragen das joch Jhesu Crist 
840 Uff einre achssel, dar er is lachte, 
Als er das vor auch gedachte: 
Das mochte die lincke achssel sin, 
Die zu dragen die starckeste sal 
sin. 



800. lert eugeschr. 

804 neben 803 a. B. eugeschr. 

809. schinden hier a. Ende zugefügt u. 810 
a. Anf. gestr. 

810. als ichs finden eugeschr. 
812. die übergeschr. 

816. Nach dem Orig. müßte hier der Nach- 
satz beginnen: Und str.? 



823. da sint übergeschr. u. dafür sint a- 
Schi, des Verses gestr. meschen üb. d. Z. 
eugeschr. u. der aus den korr. 

825. Vor gap ist vrlaub gestr. u. nach er 
ist vrlaub here zugefügt. 

827. gesetze üb. gestr. lop. 

834 nachträgl. zwischengeschr. wolde n. 
gestr. solde. 



vor 814 Bild (15) mit Überschrift: Accolite episteler vnd ewangilier. Zwei Mönche 
am Altar. Rechts davon zwei Kersenträger. 



Er überreicht unter Beistand von Gottes Gnade den Offisialen ein Schwert. 



21 



[■27 "] Das wolde er sunderlich 
845 Das sij yme und dem official 

gelich 
Dieneten und weren ir diener 
Zu dem dische und mithelffer. 
Da das alles geordent was, 
Als ich da las, 
850 Als vor stet, und was bestalt 

genug, 
Yeclicher da anehub 
Nach gebüre zu dienen 
Und sin ampt zu verdienen: 
Den dische sij da bereitten, 
855 Und ettliche die ducher dar uff 

spreitten, 
Die ander brachten das brot fin, 
Die ander langeten auch den win 
Und scheuchten den in den kop 
Und da mit, als mich auch be- 
docht, 
860 Eiu wenig wassers dar bij getaen 
[5S'-]Vort und in dem koppe gelan: 
Das geschag ee sich vermesse 
Moyses das er zu morgen esse. 
Ettliche beiten die da waren 
865 Und noch nit zu male ußgeracht 

waren, 
Die wolte er zu officialen machen 
Sins huses in sunderlichen sachen 
Zu helffen dem andern official, 
Dan er sin wol bedorffte zu male, 
870 Wan er solich huß alleyne 

Nit gehanthaben konde noch ge- 
meyne. 



Nu wil ich uch sagen wie er 
hat getan: 
Zum ersten hait er geruffen an 
Gottes Gnade, mit luder stymmen 
das, 
875 Wie wol sij nit ferre dannen was, 
Und sij auch in yrem throne saß 
Und nam alles dez war das da 
was, 
[28»] Und ich saß zu iren fußen, 
Des ich sere frohe was, mit 
grueßen. 
880 Da sij sich horte ruffen an, 
Aen hindern sij uffstan began 
Und ging zu Moysen dar 
Und fürte mich mit ir dar. 
Da Moyses sij bij yme sach, 
885 Wart er gehertzet, und snelleclich 
Vollenbrachte er, als ich kurtzlich 
Uch her nach sagen, endelich. 
Zum ersten salbette er yn die 
hende, 
Da lachte er sij zu samen be- 
hende. 
890 Da nam er ein swert wol snidende, 

Schon gefoget und luchtende, 
[29 r ] Mit zweien snyden gefueclich, 
Biegende und beweglich: 
Is duchte mich wol das sin 
895 Das ich sach halden Cherubin, 
Es was dasselbe sicherlich, 
Wol gestalt und eygentlich. 
Das gab er, da ich bij was, 
Den luden und bot yn das 



846. dienerer. 896. in sicherlich n. dem ersten i ein e 

876. throne aus thorne (so noch li). getilgt. 

877. dez übergeschr. 898. vor da übergeschr. yn, nachher wieder 
886. als ich unglücklich in übergeschr. auch getilgt. 

verändert; als ich wieder einzusetzen. 

vor 888 Bild (16) mit Nebenschrift rechts: priest'schafft. Der Bischof überreicht den 
neuen Offiziakn ein großes Schwert. 



22 



Der Bischof überreicht auch Schlüssel und verleiht zuletzt Gottes Gnade selbst. 



900 Da mit einen slussel, den er hatte, 
Den Gottes Gnade yme befolhen 

hatte. 
Gots Gnade selbs, die da was 
Und yme halff vollenbrengen das, 
Die gab er yn und sprach da: 
905 'Hie ist Gottes Gnade, nement sij 

da! 
1 Ich geben sij uch zu geselleschafft, 
Das ir mit ir machent frunt- 
schafft.' 
P 9 °]Da ich die rede also han gehöret, 
Zornig wart ich und faste erferet. 
910 Ich sprach: 'ach, was sal ich dun 
Odir auch was han ich getaen, 
Das ich Gnade Gots verlorn han? 
Er hait sij den gehorneten ge- 
geben 
Und den nuwen officialen eben: 
915 Ich wolde viel lieber dot sin 

Dann mir solich unrecht sohle ge- 
schien.' 
Do Gottes Gnade mich also 

trurig sach, 
Sij lachete mich an und dar nach 
zu mir sprach: 
'Dore, wes gest du also ver- 

dencken dich? 
920 Wenest du alleyne haben mich? 
Du salt wissen zu dieser frist: 
Das gemeyne gut das beste ist 
Und der nutze viel nierer gekorne 
Ist von eyme gemeynen borne, 
[30'-] Da ieclicher und iecliche mag 
926 Nach syme willen scheffen nacht 

und dag, 



Den zu haben hait is sinen 
willen, 
Baß dan über der besloßen 
quellen, 
Dar zu nit dan eynre kommen tar. 
930 Aber ich sagen dir vor war 
Das so nutzelich 
Odir auch so lustlich 
Das wasser nit ist alleyne 
Als das da dan holet die gemeyne. 
935 Alles gudes ich ein borne bin, 
Nummer mag ich beslossen sin: 
Allen luden bin ich nutzelich 
Und wil yeclichem wesen lieplich. 
Dar an ich nutschit verlieren mag, 
940 Dan alles gut da von wahssen 

mag, 
Wann alle die ich lieb han, 
[30 f] Wil ich dir auch zu f runde lan: 
So gewynnestu viel guder frunde 
Und ist dir baß, als mich be- 
duncket. 
945 Nu las dir nit leit sin 

Obe ich der ander frunt bin!' 
Da ich also getrost wart 
Von Gottes Gnade, die mich auch 
hatte underracht, 
Zu stont sach ich gen 
950 Verstentenisse uff einen stul zu 

predigen. 
'Ir herren', sprach sij, 'horent 
mich! 
Uwer nutze liget dar an, gleuben 

ich. 
Sehent an das gut und große wol 
dat 



[924.] Kustoäe imten auf El. 59«: da 
ieclicher. 

926. vor dag gestr. g. 



927. Orig.: et avoir en son aisement. 

928. qualleii. 



vor 951 Bild (17)- mit Nebenschrift rechts: Verstentenyße prediget. 



Hechtes Verständnis gibt Erklärungen zu den Gaben. 



23 



Und den nutz den da hait 
[3i r ] Gottes Gnade uch allen getaen 
956 Und uch geben aen argen wan: 
Sij ist hude her kommen 
Umb uwern willen und her abe 

geklommen. 
Gedenckent was gäbe durch sie 
960 Moyses uch geben hat und ge- 

deilet hie: 
Er hait uch geben das swert 
Das Got vor sich hatte gesmiedt, 
Zu huden das kein sundere 
Qweme in das laut do er herre 
were. 
965 Nu verstent was swerts das ist, 
Das den doren sorglich ist, 
Wie wol das der der is brachen 

sal, 

Daz fochten und sich dez erferen 

muß aen zal. 

Das swert zu drien Sachen dienet: 

970 Dan wann einre straffen verdienet, 

[3i v ] So slet man yn mit der spitzen 

odir snyden 
Und sin zu schonen mit der 

flachen sijtten. 
Die spitze betzeichen sal 
Das kein gerichte nit geseheen 
sal, 
975 Is sij dan große luteronge odir 

bescheidenheit 
Und auch dun da von underscheit 
Von der Sachen die ist unwissent- 
lich, 



Verborgen und .unbekentlich. 
Er ist gar von dorheiter frechi- 
keit 
980 Und über wenig in gedenckenheit 
Der durch zorn sich wilt rechen 
Odir durch vorsmahonge urteil 
sprechen. 
Das swert gar übel versorget ist 
An dem manne der schele odir 
blint ist, 
985 Der von stunt da mit wilt slan 
Und das gud vor dem bösen nit 
erkiesen kan. 
[3S'-] Das swert sal dragen kein man 
Der nit wol underscheiden kan 
Thuschen siechtagen und gesont- 
heit, 
990 Tuschen der grossen ußsetzikeit, 
Der mittein und der deinen, 
Wie er die deillen solle den ge- 
meynen. 
Gar wit sal der richter verstau 
Die Sachen des der übel hat getan, 
995 Und die umb hangenden stucke 

der übel dait, 
Das kein gerichte da werde follen- 

bracht. 
Daz swert, als ich finden in der 

schlifft, 
Ist der deilende mont, als man 
dan gicht 
Von dem der ein recht deiler ist, 
1000 Als mann daz auch hat gefrist: 
Er mag wol den mont betrachten 



968. dez übergeschr. 

970. Da aus Da, iva aus von. 

976. von übergeschr. 

979 f. Orig. : Mont est eil de fol hardement, 
D'onltreeuidie apenaement. 

986. das er vor kiesen übergeschr. 

992. deille vor solle übergeschr. u. dahinter 
deilen gestr. 



997 f. vgl. Isidorus Hisp., Etymol. XVIII, 
6. 1 (Ißgne, Patr. lat. LXXXII, col. 644). 

997. Dz swert üb. gestr. gemacht. ich 
üb. gestr. mä. 

998 zwischengeschr, 
1000 zwischengeschr. 



24 



Bechtes Verständnis erklärt Bedeutung und Gebrauch des Schwertes. 



Und die rede undersclieidelick 
achten. 
Yeclicher richter, der da wil rich- 
ten, 
Der sal sin urteil suchten 
[32"] Als der wilt litigieren dun, 
1006 Und sal auch dem nii anders dun. 
Nu sage ich uch von den zweien 
snyden 
Da mit das swert dan muß sniden, 
Warum!) eine snyde nit gnüglich 
ist 
1010 Und das mee lere da bij ist. 
Ist uwer swert spitz, 
So sal is sin mit rechten under- 

scheiden spitz: 
Es ist gut und recht daz ir haut 

gerichte 
In uwerm lande über alle böse 
geschichte, 
1015 Das ir alle boßheit und übel dait 
In uwerme lande zu straffen 

habent macht 
Aen die sachen die ußgenommen 

und behalten hat 
Der große der die horner hait. 
Umb das nu uwer lantdeyl 
1020 Gedeilet ist in zweie deil, 



Dar umb muß daz swert zwo sny- 
den han glich, 
Daz yeclichem deile eyne antwerte 

glich. 
Das eine deil dez mentschen lip 

ist 
[33'-] Und der usserlich mentsche ge- 
nant ist; 
1025 Das ander deil, der geist, da inne 

liget 
Und doch nit alletzijt swiget 
Und der innerlich mentsche ist 

genant. 
Also ist in zweie gedeilet uwer 

lant 
Und doch mischt tuschen yn be- 

kant. 
1030 Die zweye als ein hohe richter 
Mogent ir, wan es zijt ist, 

richten : 
Dem libe geben mit fuge 
Umb sine sunde lidens und pyn 

genüge, 
Yme büße setzen und yn beladen 
1035 Und da mit die sunden ußjagen. 
Dem geiste umb manicher hande 

Sachen 
Sal man auch sine büße machen: 



1001. vor suchten gestr. sli. 
1009. eine aus ein. snyde üb. gestr. nicht 
mehr lesbarem Wort. 

1011. spitz n. gestr. stechende. 

1013. Es ist vor gut a. B. zugefügt. dz 
ir haut üb. gestr. sal sin das geschr. 

1014. alle übergeschr. 

1017. die nach Sachen sowie vnd übergeschr. 
1019. lant übergeschr. 
1021/22 zwischengeschr. 

1022. in antwerte an dem T'Jcorr. 

1023. deil dez unter d. Z. zugefügt u. vor 
lip gestr. der. 

1025. deil der geist üb. gestr. die sele die. 



1029 — 31 {jetzt dem Original entsprechend) 
zwischen gestr. Verse geschr. Zwischen 1029 u. 
1030 (Kreuzchen hint. 1029 u. vor 1030) hat 
gestanden vnd hait das swert zwoe snyden. 
Versehentlich sind hier nur die zwei ersten Worte 
divrchstr. Zwischen 1030 u. 1031 ist eine Zeile, 
n. 1031 zwei Zeilen gestr. Jene scheint gelautet 
zu haben Das sal sin scharff zu beiden sijtten. 
Von den beiden andern hat die erste begonnen 
Als hohe richter, die zweite Als zijt ist. 

1032. gebeut. 

1034. beladen hint. gestr. dryben. 

1035. vßjagen aus vßdriben korr. 



Bechtes Verständnis erklärt Bedeutung und Gebrauch des Schivertes. 



25 



Also wann er hart versteinet ist 
In sunden und sich nit wil 
bessern, 
1040 Umb daz man yn warnete gern, 
[33"] Mogent ir die ander snyde dar 

keren 
Und sin zu male nit schonen. 
Ir moget yn mit dotlichen wonden 

Ionen, 
Mit dem streiche des bannes: 
1045 Es ist keine wonde so grüselich, 
Dann aen büße ist sij dötlich. 
Dar umb er sich gar sere mag 

forten wol 
Der da weiß daz also ein streich 
uff yn fallen sol. 
Er sal sich auch bedencken wol 
1050 Der mit der sniden slahen sol: 
Es sieht keinre da mit billich 

zwor, 
Er enhabe dan zymlich vor 
Mit der flachen sijten geslagen 
Und sich vor bedacht wol 
1055 Nach dem dem der streich werden 

sol. 
Durch daz flache des swertes ver- 
steen ich 
[34'-] G-ut und getruwe vor versynnen 

sich, 
G-ewerliche warnunge 
Und lebende predionge, 
1060 Die sieht die bösen und schonet ir 

doch 



Und sparet sij mit sere slahen 

noch: 
Das ist das wort Jhesu Crist, 
Da das ziel des dodes ligende ist. 
Des flachen sollet ir brücken mere 
1065 Wann ir uwer undertane sehent 

irren sere. 
Gottes wort dun und dicke pre- 
digen 
Dut dicke desta mynner sunde 
gescheen : 
Mogent ir sij also behalden und 

bewarn, 
So ist is besser dann mit der 

snyden slan. 
1070 Nu haut ir wie ir mogent 
Umb manicher hande Sache und 

auch sollent 
Brüchen das flache und auch die 

snyden 
Odir mit der spitzen wol richten: 
[34»] Dan ein male sollent ir richten, 
1075 Das ander male straffen, daz 

dritte mit predigen suchten. 
Dar umb ist gesprochen aen feie: 
Is sal sin biegende und helle, 
Das swert das uch gegeben ist, 
Das ir is habent zu aller frist 
1080 Bereit zu keren und zu wenden, 
Zu verwandeln und zu wegen in 
den henden 
Nach uwerm willen und die sache 
daz auch bedarff, 



1039. In sunden a. B. zugefügt u. n. sich 
gestr. in keine frist. 

1040 zwischengeschr. 

1042. zu schonen Hs. 

1043. Ir moget .yn übergeschr. u. yme vor 
Ionen gestr. 

1046. vor ist gestr. so. 
1049. sal üb. gestr. mag. 



1053. sijten üb. gestr. swerte, dem in der 
zu ändern vergessen. 

1056. daz übergeschr. u. streich n. flache 
gestr. 

1057. vor übergeschr. 
1060. slhet. 

1081. ver in verwandeln u. zu vor wegen 
übergeschr. 

1082. auch übergeschr. 



26 



Rechtes Verständnis erklärt auch Bedeutung und Gebrauch der Schlüssel. 



Und auch nach geliche und rechte 
schärft 

Dar umb ist is recht daz ir ha- 
bent den namen, 
10S5 Von der dait als von dem nanime, 

Cherubin, vol der kunstlicheit 

Und auch der gütlichen wijßheit; 

Dan werent ir nit Cherubin, 

Die boßheit mochte uch zu nahe 
sin, 
\ß5 r ] Und wann ir soldent slahen mit 

dem flachen, 
1091 So mochte is sich aen liegen wol 

machen 

Das ir uwer swert wurdent umb 
wenden 

Und slahen mit den snyden enden; 

Odir wann ir soldent richten, 
1095 So woldent ir vor straffen lichte 

Und das alles dun uff den wieder- 
synne : 

Dar an were nit gut gewynne. 

Dar umb in des unkundigen haut 

Ist das swert nit zu male wol be- 
want, 
1100 Und auch in des hant der 

zornisch ist, 

Das swert gar sorglich zu befeien 
ist, 

Dann is wart lutter schinende ge- 
geben 

Durch Gnade Gots und uch über- 
geben. 

Wollent ir wissen die Sache war 
umb? 
1105 Das ist, als ir daz kerent umb 

und umb, 



[35"] Is sij mit predigen odir zu rich- 
ten, 
Zu straffen odir zu suchten, 
Sollent ir is bewisen gar bespreit 
Mit gewarer liebe und gerechti- 
keit; 
1110 Dan liebe das burnende fuer ist 
Das an dem swerte schinet zu 
aller frist. 
Nu sage ich uch, obe ir nit 

hant gewist, 
War umb uch daz swert befolhen 

ist: 
Ir sint portener, also duncket 
mich, 
1115 An des paradises konnigrich. 
Die slußel hant ir aen liegen 
Die düre uff und zu zu dun aen 

driegen : 
Aen uch mag niemans da vor gan, 
Ir hudent den weg dar in zu gan, 
1120 Uch gehöret zu zu besehen waz 
ieclicher drage da, 
Ee er kome bij die porte nahe. 
Allerhande getruesse, 
[36'-] Groß und deine bürden und ge- 

muesse 
Vor uch muß man nider legen, 
1125 Uff dun und uß den felden legen: 
Is ist nit daz so wol beslossen sie, 
Is muß uffgetaen werden da bij 
Durch geware ußsprechonge 
Mit innenclicher bichtonge. 
1130 Nu lugent das ir wol genommen 

habt 
Das swert und die slußel wol be- 
dacht ! 



1084 ff. Orig.: Et pour ce'est droiz qu'aiez 
a non, Taut par effet que par renon, Cherubin. 

1084. is ubergeschr. 

1085. vor Von gestr. Als. näme. 
1089. sin hint. gestr. ligen. 



1102. Dann. 

1108. is eingefügt mit h. 
1111. an dem swerte schinet korr. aus 
wiederschin gibt. 

1123. an dem zweiten e in gemuesse leorr. 



Der Bischof überreicht auch dem Pilger Schwert und Schlüssel. 



27 



Ir sollent keinen durch lassen gan 
Der sin fardel nit recht wil sehen 

lan, 
Die sunder sollet ir wol durch er- 
suchen 
1135 Und sij ir fardel vort nit lan 

brächen : 
Ir sollent is alles wigen wiseclich 
Und urtelen underscheideclich 
Und wol hüden uwers nammen 
Verstentenisse alsammen, 
[36»] Das man uch möge Cherubin 
1141 Sprechen zu rechte und nennen 

fin. 
Und wann ir das alles gedan 

hant, 
Eecht besehen und wol erkant 
Und von dem üb ein geurteilet 
1145 Und die büßen und pyne gedeilet 
Und yn zymmelich büßen gegeben 
Und ir die ruwen gesehent eben, 
Dan mogent ir die dure uff dun 
Und die ruwigen dar inne dun 
gan. 
1150 Das ist die bedutonge 

Des swerts und auch bewisonge 
Der slußel und underichtonge, 
Die lere und gedechtenisse : 
Das ist des ir uch gebruchen 
sollent 
1155 Mit underscheidener verstentenisse, 

als ir sollent' 
Da Eecht Verstentenisse also 

• hatte geredt 
[37'-] Und ich das alles gesehen und 

gehört hette, 



Gelangette mich mit grosser begir 
Das das glissende swert wurde 
mir 
1160 Mit den slußeln, das ich were 
An dem ende ein portenere. 
Aber zu welichem ende ich kom- 
men mochte, 
Hatte ich noch nit bedachte. 
Diese sache gar dicke geschiet, 
1165 Dan was der wille haben wilt, 
Bedencket man nit alletzijt das 
ende sin, 
Umb das blint ist Cherubin. 
Als ich das hatte gedacht, 
Zu Moysem bin ich gangen dracht 
1170 Und han yn sere gebeden das er 

mir 
Das hübsche swert wolte geben 
Und mir auch da mit erleuben 
Daz ich die slußel mochte dragen 
Und die hüde des passes mochte 
haben. 
[37o] D a Moyses mich also hatte ge- 
hört, 
1176 Da hait er zu stunt aen viel 

worte 
Das hübsche swert gescheidet 
Und die slussel gecleidet 
Und hait sij hart gebonden 
1180 Und auch wol bewonden 
Und alles besiegelt wißeclich 
Und hait mir ein und ander geben 

uffeclich, 
Mildeclich und mir erleubet, 
Und sprach daz ich wol huden 
wolde 



1132. lassen üb. gestr. dun. 

1134. das er in ersuchen gleich ubergeschr. 

1137. vrtelen aus Titeln. 

1139. rechte vor verstentenisse gestr. 



1147. ruwen üb. gestr. ruwige. 
1156. recht ubergeschr. 
1163. bedachte aus bedochte, 
Beim ergab. 



das einen 



vor 1175 Bild {18) mit Überschrift: ewangilier. Der Bischof (Moses) überreicht dem 
Pilger Schwert imä Schlüssel. 



28 



Aber das Schwert steckt in der Scheide, die Schlüssel sind versiegelt. 



1185 Und die slussel nit entbinden 

solde 
Und daz swert auch nit bewege te 
[38>-J Bis das ich des Urlaub hette. 
Da er mir also gesaget das. 
Ich gar sere erschrocken was, 
1190 Umb das ich keynen da gesehen 

hatte 
Dem er solichs me gedan hette 
Mit den worten odir wercken. 
Sere ich gedachte und begonde 
mercken 
Was ich dede odir dun mochte 
1195 Mit dem swerte, das is dochte, 
Umb das is' also gescheidet was, 
Besiegelt und auch bewonden was, 
Und mit den slusseln, die er auch 
besiegelt hatte, 
Wol gebonden und mir die geben 
hatte. 
1200 Ich wände er hette mich betrogen 

gare, 
Bis das ich wart geware 
Gottes Gnade, die mich fürte 
Zu Verstenteniße, die zu mir rette: 
[38»] 'Lieber frunt', sprach Recht 

Verstenteniße, die wijse, 
1205 'Was gedenckestu in dinre wijse, 
Wo hastu zu schule gelert? 
Din gedencken ist zu male versert 
Und ist mit dorheit überlast. 
Ich sehen wol daz du nit gelernt 
hast 
1210 Zu ettlichen Sachen das predica- 

ment. 
Das predicament ist also gestalt 



1200. betrogen hier übergeschr. u. zu Änf. 
des folgenden Verses bedrogen gestr. 

1203. verltenteniße. 

1204. recht übergeschr. 



Das is mit sinen Worten uff ander 

sach tzalt, 
Hait gebuwet sine, wort 
Und gestalt uff einen scharffen 

ort. 
1215 Sinen buwe setzet is sere wißlich 

Uff andern gront lichteclich: 
[39'-] "Was is hait, das hait is von 

andern 
Und dut doch kein unrecht dem 

andern. 
Weren anders nit, so were es 

nicht : 
1220 Von yme selbs mochte is wesen 

nit. 
Exemple wil ich dir geben, 
Das du magst gantz und eben 
Mit den äugen lutter sehen und 

verstan, 
Wol lernen und auch behalden. 
1225 Da Got die weit hatte geschaffen, 
Ee er des mentschen bilde wolde 

machen, 
Do waz er alleyne Got genant, 
Ist is anders war daz das buch 

der geschopde hait bekant. 
Aber da der mentsche gebildet 

wart, 
1230 Zu stunt dar nach Got herre ge- 
nant wart 
Zu zeichen: da er knechte gewann, 
Was er herre zu heischen dann. 
[39»] Da er diener hatte, da was er 

herre 
Und was doch nit großer noch 

mere 



Hechtes Verständnis gibt auch dafür die Erklärung. 



29 



1209. hast vor gelernt gestr. u. dahinter 
zugeschr. 

1212. tzalt aus getzalt. 

1219. I. Were? so h; Orig. estoit. 



vor 1204 Bild (19) mit Überschrift: Eeehte verstenteniße pcliget, 



1235 Dan ee. Aber die hern von diesen 

landen 
Sint nit also mit yren banden 
Und sint auch nit also getan; 
Dan so sij me diener han, 
So sij merer hern wollen sin. 
1240 Das mag doch aen ubermut nit 

gesin, 
Dan ire gesinde und knechtschafft 
Die machent yn die herschafft: 
Dan herschafft wart ge&orn 
Den undertan und gekorn, 
1245 Und werent nit die undertan, 

Die herschafften lausten undergan, 
Eine mit der ander, uff ertliche 

sache, 
Die gesaget ist, wie sichs doch 
mache ; 
[40»-] Dann ye eins hait sine geburte 
1250 Von dem anderen und sin an- 
hangen : 
Wann eins ist, so ist daz ander 

aen verlangen, 
Und wenn eins nit enist, so mag 
daz ander nit sin, 
Und wann eins feiet, so hat daz 
ander keynen syn. 
Nu verstant wol diese letze, 
1255 Du undertaen, und auch setze 
In dich das du undertan sin must 
Eym andern und du keinen under- 
tan haist! 
Über dich hait recht, 
Macht und heiiicheit 
1260 Din oberste»- in syme kleit, 
Er sij wie er wolle, vor sich: 



Aber eine sache bedruget dich, 

Das du keinn undertan hast als er, 

Wann dar an hast du gefeiet sere 
1265 An dem schonen swerte zu ent- 
bloßen, 
[40 k] Zu entdecken und uß der scheiden 

zu dun, 

Und auch die slussel entsiegelt 
han, 

Die auch zu entwinden 

Und zu male uff zu bynden. 
1270 Mit dem swerte scküfes du nit 

Noch mit den slusseln, hettestu sij 
icht 

Entblößet, nutschit, als ich gesien, 

Dann dorheit und ungewien. 

Obe ich ein messer aen scheide 
1275 Druge und das entblößet heide 

Und hette nutschit zu hauwen da 
myde, 

So solden meynen die lüde 

Ich were dorichte 

Odir ich wolde yeman ichte 
1280 Da mit wonden odir dot slan. 

Und obe ich slussel wolde bloß 
dran 

Und ginge durch die gassen 

rechte, 

[41 <•] Da ich wieder dure odir sloß 

hette, 

Mochte yemans gedencken lichtec- 
lich 
12S5 Is weren falsche slußel die da 

druge ich; 

Odir das ich gienge stelen 

Und das wolde verhelen, 



1243. geborn mit h nach d. Orig., gekorn Hs. 

1247. entliehe hier fälschlich Hs. v. 1210 
richtig ettliche als Übers, des aristotelischen 
ad aliquid. 

1249. eins aus eine, sine üb. yre. 



1250. dem aus der. ire in sin zu andern 
vergessen. 

1252. vor ander gestr. d. 
1255. vndetaen. 
1260. obersten. 



30 



Hechtes Verständnis über Schwert und Schlüssel. 



Das Altarsah'ament : Der Bischof venoandelt Brot und Wein in Fleisch und Blut. 31 



Mochte yeman dencken, wan er 

sehe die slußel nryn 
Eines andern slußel gelich sin, 
1290 Da mit sij yre duren entsließent. 
Sicher die slußel soliche hude haut 
So sij die fremden hant. 
Dar umb so sage ich dir das: 
Umb das du mit nit zu sliessen 

has 
1295 Noch zu entsließen odir zu 

hauwen, 
Zu snyden odir zu blauwen, 
So ist is besser in der scheiden 
Dan daz du is her uß duhes leiden, 
Und ist besser, sij sin gedecket, 
[41 v] Di e s i USS el die du haist, dan ent- 

plecket: 
1301 Is mag noch in zijt wol kommen 

dir 
Eins und ander zu entbloßen 

schier. 
Also hait Moyses sij dir eben 
Zymmelich gedan und gegeben, 
1305 Uff das, wan din oberste wilt 
Und rechte zijt ist getzilt, 
Die slussel du moges entpinden 
Und daz swert uß der scheiden 

finden: 
Das ist wann er dir geben wilt 
1310 Von sinen undertanen yme zu 

helffen milt, 
Und wann er dir getzug geben 

wil 
Und libern da mit zu arbeiden an 

ein ziel. 
Anders kanst du nit gedun, 
Du wolles dan gheen yme misse- 
dun. 



1303. n. hait gestr. sij. 
[1316.] Kustode unten auf Bl. 41": dan 
raast du vß. 



1315 Dodes not dut alleine dich 
Dar uß kommen sicherlich, 
[^''JDann mast du uß der scheiden 
Das swert dun und die slussel 

finden 
Und sij auch wol entbinden: 
1320 Notdurfft dir uiiob gibet 

Und daz zu üben dir zu male er- 

leubet, 
Doch also das kein ander da sij 
Dem die datt zu gehörig sij. 
Der dem die sache zu gehöret, 
1325 Das ist der der sin swert bloß 

foret, 
Es ist auch der der entsiegelt hait 
Die slussel und entblößet hait: 
Es ist der der da richtlich recht 
Hait über yn und da mit herschet 
1330 Und ist da vortme Sachen meldig, 
Umb das er yme ist undertenig. 
Hettes du auch also undertane, 
So mochtes du dem auch also han 
getane, 
[48 °] So were dine macht über ettwas; 
1335 Aber du haist keine und duncket 

mich das. 
Dar umb sal dich nit wondern 
Noch erschrecken odir zornig sin 
Obe dir das swert gegeben ist 
In der scheiden und dar in ge- 
stoßen ist 
1340 Und die slußel besiegelt und ge- 
bunden 
Haist odir das die sint hart be- 
wonden.' 
Da Eecht Verstenteniße mir also 
gepredigt hait 
Und das hie vor also ußgeracht, 



1320. vrlob üb. gestr. daz. 
1325. bloß übergeschr. 
1342. recht übergeschr. 



Da wolte Moyses gan zu morgen 
essen 
1345 Und bereiden laßen sin essen 

Gelich anders dan is gestalt was, 
Dan nicht anders da was 
Dan brot und wyne alleine: 
Waz nit bereidt nach syme fuge, 
1350 Dan er wolde fleisch han genüge 
[43'-] Zu syme essen und auch blut, 
Da mit zu underdun das aide ge- 

setze, 
Daz da hatte gesagt zu letze 
Das niemans kein blut essen solde. 
1355 Yme zu helffen rieff er Gots 

Gnade an, 
Die selbe auch gar balde zu yme 
qwam. 
Da sach ich zu male ein wonder 
groß, 
Das an keyme hait sinen genoß: 
Das brot er in lebende fleisch hait 
gekert, 
1360 Als Gots Gnade yn das hatte 

gelert; 
Den wine er wandelte in rosevar 

blut: 
Is schein wol sin von dem lemme- 
lin gut. 



Da wolte er als dugentlichen 
[43^] Die officiale mit yme alle glichen, 
1365 Mit yme zu morgen dun essen 
Und auch da bij nit vergessen 
Sij zu lernen waz er gekonnet 

hat, 
Und yn auch geben sine macht 
Zu dun soliche verwandelonge, 
1370 Das doch kommet zu grosser won- 

deronge. 
Dar nach gab er yn allen zessen 
Von sinre nuwen spise aen ver- 

driessen, 
Und er as auch mit yn 
Und dranck das blut, sag ich mit 
den äugen myn. 
1375 Is wart nye me so kein essen, 
Das ich habe hören sagen aen 
vergessen, 
Noch keyne soliche verwandelonge, 
Davon man so groß wonder möge 
gesagt han. 
Und da ich das essen also gesehen 
han, 
1380 Han ich mich zu Eecht Verstente- 

niß gewant 



1380. recht übergeschi 



vor 1357 Bild (30) mit Nebenschrift rechts: Das heilige Saeramete. Am Altar stehend 
hält der Bischof mit der LinTcen den Kelch, mit der Beeilten die Hostie. 6 Mönche schauen 
anbetend zum Altare. 

Nach 1380 fehlen 3 Blätter. Die Partie lautet in h: 

[S. 35] ... da waiit ich mich zu vernunfft vnd bäte sie flißeclich daz sie mir wolde 
bredygen von dem eßen vnd mich daz leren. 

Vernunfft ist sere erfert. [Bild 31, auf eingeklebtem Blättchen, verloren gegangen.] 

[36] Aber alß ich mich vrab want, da sach ich sie gar sere erferte. 'Frauwe', sprach 
5 ich, 'waz brist uch? Jr duncket mich gar sere erferten sin, wollent mich vnderwisen myt 
dießen eßen vnd enwenig dar von bredigen!' 'Siecher', sprach sie, 'neyn, dez dun ich nit, 
dan ich weiß hie von nicht: hie feiet mir myn verstenlicheit vd my synne. Jch bin Mint 
vnd sehen nicht, al myne gesiecht han ich zu mal verlorn. Jeh wart in al rayme leben noch 
nye so sere erferte: Obe der gehornet moysez vß eyme ey eyne hübsche fogel ader eyne 



32 



Das Tcann Hec/ites Verständnis nicht erklären. Natur gegen Gottes Gnade. 



[4£r] Das deile das ir hant und uch 

werden sal 
Und uch des mynen nit under- 

nemen 
Odir auch der meisterschafft an- 

nenien. 
Des Memels hant ir die herschafft 
1385 Aen daz yemans deil dar an hait: 
Die sterne dunt ir umbgen 
Und die planeten sich verwan- 

delen, 
Die zierckel, wann ir wollent, 
Bälde odir gemache ir sij umb- 

wolbent. 
1390 Ungerne ir das liedent 

Und auch des nit enwoldent 

Das ich mich des icht underwonde. 

Dann wurde ich zu der selben 

stonde 
G-ar muede obe ir uch myns deiles 
1395 Undertziehet und uch gedeiles 
Dar an zu haben vermessen 

woldet: 



[w] Viel lieber ich sterben wolte 
Wann ich daz von uch lijden 

solte. 
Thuschen uch und mir waz ein 
guder satz, 
1400 Der uns wol underscheiden was, 
Das wir nit missegriffen 
Odir auch wieder striffen 
Eine wieder die ander: daz was 

das radt 
Da inne der maen zu zijden sinen 
lauf hait. 
1405 Das radt uns gescheidet 

Und iecliches uff eine sijtte deilet: 
Ussen dran ist uwer deile, 
Da ist die herschafft uwer deile, 
Da mogent ir, obe ir is wollent 
dun, 
1410 Uwern willen gar genug dun. 
Obe ir von Venus ein gehornet 

diere 
Odir von Mercurius eine kromme 
slange schiere 



1400. vnderscheide aus vnderscheit. 



1412. merciüg. 



10 halm von eym gersten körn gemachte liette, daz hette ich gar cleyn geacht vnd were dez 
wol zu frieden verlieben, dan er hat mich mit (ließen sachen gar sere erfert gemacht daz er 
vo brode hat gemacht lebendig fleiß vnd uß wyn blnt zu eyne drang: Daz ist wieder 
gewanheit vnd nature; werlich, ich sal iß nature sagen, so balde ich sie gesehen. Jch wil 
sie schiecken mit gotez gnaden zu reden, dan daz ist allez durch sie geschehen vnd gal- 
lo dick wieder sie: sie muß dar durch Verliesen ir gewonheit vnd waz sie geübt hat.' Daz sie 
mir daz gesaget hat, Gar balde sie mich ließ vnd zog sich zu yrn torn : trurigke sie mich uf 
dem platz ließ, Auch trurig sie in irn torn ging. Alß ich nu also alleyn waz vnd gedacht 
nach den sagen, Eyn alt wip sach jch geyn dem torn komen. Da sie nahe quam, da beducht 
mich daz ir gestalt nit frolich waz, dan sie waz gar zornich. Vnder yrn arme hatte sie ir 
20 hende, jr äugen luchten alß die funckein. Jch gedacht wol, iß were nature, Alß mir ver- 
nüfft gesaget hatte, vnd iß waz sie auch siecherlych, [37] Alß ich daz am lesten erfure. 
Sye waz zu kriegen bereit vil me baß dan zu bredigen: sie ging zu gottez gnaden vnd 
fyngke jrre reden gar groplichen an :c. 

Nature argewieret wieder gottez gnaden [Bild 22.] 
'IPrauwe', sprach sie, 'zu vch byn ich komen zu striden vnd daz myn zu behalde; 
wo kompt uch her myn ordenüge zu verandern? vch sol wol gnngen daz deil daz 
ir hant . . . 



25 



26. Txdenus'e Es. 



Natur redet gegen Gottes Gnade. 



33 



Machtent, dar zu wolde ich wol 
swigen 
[tör] xjnd keine rede dar zu lijhen: 
1415 An dem ende ich nutschit clagen 

bin, 
Dann innentzu ist is alles myn. 
Ich bin der elemente meysterynne, 
Der influsse und der wynde, 
Zu machen Veränderungen 
1420 Und manicher leye wandelongen. 
In füre, rafft, erden und wassern 
Ich keins in syme stade beliben 

lassen: 
Alles dun ich umbgan und treffen 
zu eime ende. 
Ich dun nuwe sachen kommen be- 
hende 
1425 Und die alden dannen scheiden. 
Die erde in mynen cleidern ist 
Und in der nuwen zijt von mir 

gecleidet ist, 
Den bäumen gebe ich kleidonge 
Gheen dem sommer und grimonge, 
05»] Dar nach dun ich sij nacket uß, 
1431 Und daz alles nit umb suß, 
Yn ander cleit und rocke zu 

snyden. 
Desglichen ist kein bäum, is sij 
prymme odir wyden 
Noch ander bäume, daz sij nit 

kleider von mir gewynnen. 
1435 Salmon gedrug nye solich kleit 
Als eine kleine hecke deit. 
Das ich machen, daz dun ich mit 

müssen, 
Dan ich nit ylen zu unmussen 
Und hassen alle anderongen 

sicherlich 



1440 Die da gescheent ylentlich: 

Des gibt myn werck viel de besser 

spise, 
Des gesteet mir Eecht Verstente- 
niße die wijse. 
Ich slaffen nit und gan auch nit 

müssig, 
Ich bin auch, was mir geburt zu 
dun, nit verdrussig, 
1445 Alletzijt zu dun das ich dun sal, 
Nach myme synne und mynre 

möge wol. 
Manne und frauwen ich dun reden, 
[46>-] Fogel fliehen, die diere treden, 

Fische swymmen, Griechen slangen, 
1450 Und dun auch wahssen nach ver- 
langen 
Das körn und den weisse fln. 
Frauwe bin ich von dem allen und 
meisterynn. 
Aber mich duncket daz ir mich 

vor eine dinstmagt 
Halden wollet, so ir hant gemacht 
1455 Blut uß mynem wyne, 

Das das ein nuwer drang solle sin: 
Des ich gar nahe uß mynen syn- 

nen bin. 
Von dem brode hau ich so grossen 

zorn nit, 
Dan ich krüste odir broßem ye nit 
1460 Zu machen mich nie underwonden 

han 
Noch auch arbeit dar an gelacht 

han. 
Is ist wol war das ich den getzug 
dar zu geben 
Und die materie dar zu liebern 
eben 



1431 zivischengeschr. 

1433. pryme üb. gestr. wijden und wyden 
liint. gestr. prymen. 

1442. recht übergeschr. 

Deutnohe Texte des Mittelalters. XXV. 



1450 swischengesclir. 

1451. Vor vnd ist wahssen gestr. 

1463. liebem aus geliebere. 



34 



Natur redet gegen Gottes Gnade. 



Davon man das brot gemachet 
hait, 
1465 Das wissent wol ir! 
[46"] Dar uinb ist in dem hertzen der 

zorn mir 
Wann ir is in lebende fleisch ver- 

wandelent 
Und mich myns rechten beraubent. 
Wo kommet uch her das ir dimt 
also '? 
1470 Is gef eilet mir nit wol, daz sage 

ich uch do. 
Ich han uch verdragen zu viel 
Und von uch gelieden in mynre 

gegene ziel: 
Andermale haut ir verändert, 
Durch was macht ich nit weiß, 
und verhandelt 
1475 Myne gewonheit und myn orde- 

nongen, 
Myne wercke und erschynongen. 
Mir gedenckt von dem füre das ir 
zu einer zijt hant 
In mynen grünen boesch gelacht, 
der doch nit brant, 
Und dadent daz auch burnen nit: 
1480 Solichs ist aen mynen willen und 
wollen geschiet. 
Mir gedencket auch wol schon 
[47'-] Yon den rüden Moyses und Äaron: 
Die eine dadent ir zu einer 

slangen werden, 

Die ander grünen uff der erden, 

1485 Laub dragen, frücht und blüme, 

Die dürre was und hatte keine 

füchtonge. 

Uß wasser machtent ir wyn 

-! Zu den bruden des fursten fin 



Und viel me ordenongen sere, 
1490 Das davon zu sagen zu lange were. 
Der magt ich nit willen han 
Zu vergessen die ir dadent ent- 

phaen 
Aen man und sij magt daz kint 
dun geberen, 
Da mit ir mit grosser swere 
1495 Gheen mich missegriffen hant 
Und mir auch dar zu nit gerufen 
hant. 
Solich Sachen han ich lange ge- 
lieden, 
[47 v ] Das hait mich sere geruwet sieder: 

Noch nie han ich das geandet 
1500 Odir davon geredt, das mich nu 

andet. 
Zu viel mag man sich ettwan 

lijden, 
Zu viel slaffen und swigen: 
Umb das ich vor geswiegen han, 
So sint ir wieder kommen dran 
1505 Und wollent nuwerongen machen; 
Dar- umb ir mich dunt wachen 
Und ytze mit uch striden 
Durch mynen grossen zorn und 

lijden, 
Und sagen uch wol: werent ir nit 
1510 Als hohe frauwe als ir sijt, 

Bälde müstent ir den krieg han, 
Und ich griffe uch selbs au 
Und uch dan also leren 
[48>-] D as i r m i r m yu gewonheit nit 

soldent verkeren, 
1515 Und mich dar umb nit zu fordern 

odir zu fragen.' 
Da G-ots Gnade Nature hatte 
also hören sagen 



1472. an dem letzten Buchstaben in gegene 1480. I wißen ? so h; Orig.: oultre mon 

]corr. §' re et mon vouloir. 

1478. der üb. gestr. dz. 



Gottes. Gnade widerlegt Natur. 



35 



Und sij gehört hatte also clagen, 
Antwerte sij ir mit solicher fuge: 
'Nature, ir sint zu scharff und zu 
ruwe, 
1520 Das ir also zu mir scherffeclich 
Redent und hofferteclich. 
Ich meyne wol das ir gedrencket 

sient 
Mit uwern guden wynen und 

droncken sient; 
Und usser synne schinent ir 
1525 Von dem zorne den ir wisent mir. 
Ich weiß nit obe ir sijt verdöret 
Nuwelingen odir verfochtet. 
Is ist nit lang daz ir hant gesagt 

mere 
Das uch nit ylende were, 
1530 Aber ich sehen an uch den wieder- 

synne, 
[48"] Als mich duncket in myme synne: 
Ir redent zu mir unverdacht, 
Ylende und dorlichen bracht 
Und gnug unversehenlich. 
1535 Ich sagen uch wol, ich rette zu 

uch 
Hesselich und machte uch 
Fluchtig, liesse ich das nit 
Umb myner eren willen hie, 
Umb den zorn den ich an uch 
siehe: 
1540 Dan zornigen luden mann ver- 
dragen sal, 
Umb das sij nit können erkennen 

wol 
Was sij dun odir lassen ritterlich, 
Dann sij dan sint unverstentlich. 
Nu sagent mir, frauwe Nature, 
1545 Die umb große missedait düre 
Mich begriffent und scheldent 
[49 r] u nc i von guttem alter meldent 
Und sprechent daz ich vergriffen 
habe 



Da ich inn uwern garten gangen 
habe, 
1550 So uch Got hüde, von wem hant ir 
Odir wannen kommet uch daz da 

hant ir? 
Ir glichent dem wilden swine, 
Das da isset inn den weiden flne 
Die eichelen und hait keinen ge- 
danck 
1555 Wannen daz kommet odir von 

welchem geschrancke. 
Heubt und äugen hait es zu der 

erden 
Und sieht nit übersieh zu dem 

hymel werde, 

Da daz her kommet: allein an die 

eichel heldet es sich. 

Ich geleube das ir nit kennent 

mich 

1560 Und wollent mich auch nit kennen 

sin 
Umb das ich gutdedig bin 
Und kein schelderße nit enbin. 
[49^] Dunt uff ein wenig zuchteclich 
Uwer äugen wol verstentlich ! 
1565 Dan dunt ir wol uff die brauwen, 
Uch kammermagt und mich 
frauwen 
Findent ir uff entlich: 
So werdent ir reden suesseclich 
Zu mir und dunt mir manneschafft 
1570 Von dem daz ir von mir hant be- 

hafft. 
Zu getzijden von myner grossen 

mildikeit 
Der werlde ein groß deil gemeit 
Ich uch gab, uch zu bekommern 

da mit 
Und getruwelich zu arbeiden da 
mit, 
1575 Uff das ir nit mixssig werent 

Und das ir mir auch wiedergebent 

3* 



36 



Gottes Gnade widerlegt Natur. 



Getruwe rechenunge, als diene- 

rynne 
Alletzijt dun sal gheen irer 

meisterynne. 
Dar unib, werent ir wol wijse, 
[SO''] go rettent ir nit also inn der 

wijse 
1581 Von der alden satzongen 

Die tuschen uch und mir ist her- 
kommen: 
Is ist uch hesser dann mir, 
Is beslußet uch da vor und durch 
zu gan, 
1585 Umb daz ich is also zu stellen im 

synne hau. 
Nit meynent daz ich is dar umb 
also stellen wolle 
Das ich dar inn nit gan ensolde! 
Ich mag dar inn gan wann ich 

wil, 
Und wil davon mit uch nit reden 
viel. 
1590 Und noch me, obe is mir gefüglich 

were, 
Soldet ir uch des nit kruden mere; 
Dann ich is alles dede allein wol, 
Wann ich wolde, waz man dun sol. 
Aber ich wil is nit dun, 
1595 Dann is ist recht das meisterynne 
Keine zijt solle sin aen eyne 

dienerynne. 
[50^] Dar umb soldet ir wol hau ge- 
dacht • 
Das ir aen mich nit hant eyniche 

macht, 
Das ich wol zu erwisen hau 
1600 Mit dem das ich uch vor han 

hören san. 
Ir erkennent wol das verwandeln 



Ich die sterne dühe und ver- 
andern: 
Des hymels lauf gemeyne 
Höret mir zu alleine. 
1605 Nu sagent, so uch behude Got, 
Obe ich mechte ein nuwe spiel 

aen spot 
Und dede die sonne von hymel 

abe 
Und verberge sij als wol dan abe 
Das man sij in hondert jaren nit 
gesehen 
1610 Odir finden konde odir auch ge- 

spehen 
War sij kommen odir worden 

were, waz hubscher Sachen 

Woldent ir dan machen, wie wol- 

dent ir den hecken 

Dann alle jare ire kleider dar 

strecken 

[5i'-]Und wie ir auch eben woldent dun 

geberen 
1615 Und das behalden uffrichteclich 

aen erferen 
Und auch aen verleyden? 
Aristotyles, der da was ein beiden, 
Der warheit durch argumente 
Gar wol hait erkennet: 
1620 Den ich mynen vorsprechen 

machen 
Wieder uch in diesen sachen. 
Der sprichet und bewijset 
Durch gut verstenteniße, als man 

liset, 
Das geburt is gemachet 
1625 Durch myne sonne, davon ich han 

geredt: 
Und dar umb, hette ich sij abege- 
tan, 



1596. eyne übergeschr. 
1604. mir üb. gestr. nit. 



1617. Aristoteles', De gener atione etcorr.3,10. 
1625. vor sonne gestr. d. 



Gottes Gnade widerlegt Natur. 



37 



Uwer macht müstent ir verlorn 

han 
Und kundent nutschit follen- 
brengen. 
Also ist is auch mit dem firma- 
mente 
1630 Und mit den pianetten an dem 

ende: 
[öl"] Dann wolde ich is alles dun stille 

sten 
Odir das ich is alles dede abegen, 
So mochtent ir wol slaeffen gen 
Und mit guder müssen rügen: 
1635 Uwer macht die were verlorn, 
Ußgangen und zumale verkorn. 
Dannoch mochte is nit gesin, 
Die herschafft muste dannoch myn 

sin 
Das alles zuverandern odir also 
zu hanthaben 
1640 Wie mir das dann zu willen 

qwera: 
Dar umb soldent ir nit grommen 
wieder mich 
Noch strijden gheenwerteclich ; 
Dann als Ysayas sprichet, 
Is ist groß hoffart und nydt 
1645 Wann die axs sich uffrichtet 

Gheen yrem meister zymmerman 
[52'-] Und wann so der haffen 
Den haffener straffen wil 
Und yme leit kosen wil 
1650 Und heißet yme sine gestalt 



Odir sich beclaget von der gestalt. 
Dar umb mochtent ir wol wissen, 
Were inn uch eynig wissen, 
Das ir mir groß wiederdrieß ge- 
tan hant 
1655 Da ir mich also gescholden hant 
Das ir mich umb myn werck 
straffent 
Und aen mich keine macht enhant. 
Ir sint nit me dann alleine ;/ 
Myn geschirre und instrument ge- 
meine, 
1660 Das ich vor zijden gemachet han 
Mich da myde zu behelffen, so ich 

kan, 
Wie wol ich des nit bedorffte, 
Das ich mich nit alletzijt da mit 
zu behelffen döchte 
Und mich auch nit alltzijt da mit 
behelffen solde, 
[52^] Dan alleyne nit me wann ich 

wolde. 
1666 Und alletzijt wann mir eben ist, 
Machen ich viel sachen inn der 

frist 
Dar zu uch zu ruffen nummer not 

gedüt: 
Ich verandern den win inn blut 
1670 Und inn lebendige fleische das 

wißbrot 
Und auch das braue, obe is mich 
duchte gut: 
Anders were ich nit meysterynne 



1637 f. Orig.: Pour ce ne seroit il mie 
Qu'a moy ne fust (la) seigneurie. 

1643. Isaias 10, lb u. 29, 16. 

[1646.] Kustode unten auf El. öl": vnd 
wann so der haffen. 

1650. sinen. Orig.: Et sa facon li de- 
mandant. heißet = heifchet. 

1659. gemeine zugeschr. 

1660. gemachet han üb. gestr. han gemacht. 

1661. so ich kan zugeschr. 



1663. nit, zu u. dochte übergeschr., letzteres 
üb. gestr. solde. 
1664 zugeschr. 

1665. Dan alleyne übergeschr. und dann 
nach me gestr. 

1666. Vnd üb. gestr. dann. 

1667. Machen üb. gestr. dun. 

1668. in Eiiffen nachträgt, r üb. nicht gestr. 
E it. Meines o üb. das u geschr. 



38 



Natur vertritt nochmals ihren Standpunkt. 



Solde ich is nit machen nach 

inyme synne. 
Dar umb solde is uch nit übel ge- 
fallen, 
1675 Wann ir nit dunt das ir sollent 

dun, 
Obe ich nch das zu helfe dun, 
Als von dem boesche der da 

braute, 
Den ich hütte das er nit ver- 

brante, 
Wie wol das die flamme da was. 
1680 Nu soldent ir mir dancken das 
Ee dann striden und dar umb 
schrien. 
[53'-] Von den rüdden desglichen ich 
auch nit swigen, 
Von der maget und mutter auch 
Und vom wasser das ich inu win 
auch 
1685 Verändert, und was ich an uch 

getan hau, 
Duncket mich daz ir des soldent 

freude hau 
Mee dann dar umb trurig sin. 
Das duckte mich uch baß geraden 

sin; 
Dann von dem hübschen werck 
daz die meisterynue 
1690 Macht, sal sich frauwen die diene- 
rynne, 
Besonder wann is ir keinen 

schaden düt 



Und davon gebessert ist daz ge- 
meine gut. 
Nu machent dar uß was uch zu 

willen ist, 
Dann mir nutschit odir wenig dar 
umb ist. 
1695 Erfrauwent uch odir zurnent, 

Wie ir wollent, odir sere strident, 
Dann umb uwern willen ich nut- 
schit laßen wolde 
Des das ich gerne dun wolde!' 
[53"] Da Gnade also hatte geredt, 
1700 Gedisputieret unde gestraffet, 
Nature hait ir geautwert: 
'Frauwe, ich hau wol verstanden 

uwer wort 
Und sehen wol das ich mit uch 
nit gearguiereu kan. 
Is ist besser das ich uch wese 
undertan 
1705 Und das ich nit wieder uch rede, 
Und doch, gedorste ich is dun, ich 

dede, 
So müste ich uch noch einwenig 

straffen.' 
'Frischlich', sprach Gods Gnade 
aen ruffen, 
'Sagents alles, dann ich haldens 
vor schympe, 
1710 Alles das ir hude sagen wollent 

mit glympe, 
Und alles das ir gearguiereu 
mogent, 



1675. dunt aas dun, darnach mogent gesir. 
dun zugeschr. 

1676. Obe üb. gesir. vnd. nit n. das 
irrtüml. übergeschr. 

1684. han hier n. auch u. 1685 n. uch gestr. 
u. n. getan zugeschr. 

1686. uch vor des gestr. u. freude han üb. 
gestr. freuwen geschr. 



1692. ist vor gebessert gestr. u. dahinter 
übergeschr. 

1703. kan üb. gestr. mochte. 

1706. ich dede unglücM. des Heimes wegen 
mgeschr. Oder ist 1707 So muste ich zu 
streichen vergessen? (3.) 

1708. aen rüfien zugeschr. 

1710. mit glympe zugeschr. 



Natur vertritt nochmals ihren Standpunkt. 



39 



Gedencken und gesagen mogent, 
Und laßeut nuscht da hinden: 
Ir sollent uwer hertze wol ent- 
binden!' 
1715 Nature sprach: 'Dwijle ich Ur- 
laub han, 
So wil ich me reden und san 
Und wil uch uwer reden straffen ■ 
Und auch dar umb nit zu lüde 
klaffen, 
[54 r ] Umb das mir gröblich leit ist 
1720 Das ir mich mynre worte ge- 
straffet hant 
Und mich versmehet und ge- 
sprochen hant 
Das eine meisterynue 
Solle nit sin aen dienerynne, 
Und hant mich vor eine diene- 
rynne gehalden. 
1725 Dar umb so wil ich arguieren 

balde: 
Sijt ir nu meysterynne sint ge- 
nant, 
So sal alletzijt ein dienerynne bij 
uch sin zehant, 
Und ir sollent keine geborne 
sache nit 
Verändern noch anders machen 
nit 



1730 Und sollent daz auch bestedigen 

von der axs, 
Da ir haut gesaget daz die axs 
Sich nit uffrichten noch wieder den 
zymmerman 
Nit stellen solle, eben als obe ir 
sagen woldent daran 
Odir aen sagen meyntent 
1735 Das ich wieder uch als wieder 

eine zymmerfrauwe 
[54"] Nit also scharff solde sin, so ge- 

nawe. 
Durch die bestedionge duncket 
mich 
Und ist myne meynonge glich: 
Als der zymmerman nit gearbeideu 
kan 
1740 Odir kein gut huß gemachen kan 
Aen sine axs, also sollent ir auch 

keine 
Sache aen mich machen alleyue, 
Ir wollent dann unrecht dun. Zu 
allen zijden 
Sollent ir mich mit uch füren und 
nit myden 
1745 Und dar zu ruffen, und ist mir 

wol zu synne 
Is were besser daz ich alletzijt bij 
uch inne 



1712 zwischengeschr. 
1718 zugeschr. 

1720. vmb vor Das gestr. 

1721. hant vor gesprochen gestr. u. dahinter 
zugefügt. 

1725. balde zugeschr. 

1726. genant zugeschr. 

1727. Nach sal ist ich gestr., dabei roter 
Fleck entstanden. zehant aus genant. 

1729. nit zugeschr. 

1733. woldent daran zugeschr. u. zu Anf. 
von 1734 woldent gestr. 

1736. Vor solde ist sin gestr. u. dahinter 
sin so genawe zugeschr. 



1738. glich hint. gestr. dan. 
1740. aen n. kan gestr. u. zu Anf. des fol- 
genden Verses zugefügt. 

1742. alleyne üb. gestr. ir wollent, das vor 
1743 a. B. zugeschr. ist, ebenso wie sollent a. 
Schi, von 1743 gestr. u. an den Anf. von 1744 
versetzt ist. 

1743. vor zu dicker roter Strich. 

1744. nit myden üb. bzw. hint. gestr. Wort. 

1745. Vnd nachträgt, vorgeschr. synne 
hier zugeschr. u. am Anf. von 1746 gestr. 

1746. Inne zugeschr. 



40 



Gottes Gnade überwindet Natur völlig. 



Were dann diese nuwe offlcialen, 
Die mit uch hant allen yren 

willen zemale. 
Uwer macht gebeut ir yn, 
1750 Und yn zu geben nement ir mir 

daz myn: 
Soliche macht konde mir von uch 
nie werden 
Oder mir von uch nye erleubet 

werden 
Das ich uß brode fleische machen 
möchte 
[55<-] Und win inn blut verwandeln 

möchte, 
1755 Und han doch alletzijt gedan was 

ich solde, 
Nach mynre vermöge balde.' 
'Zwar', sprach G-ots Gnade, 'ich 
beclagen mich nit 
Inn keinen weg von uwern dinste 

icht: 
Ich weiß das ir wol genug hant 
getaen. 
1760 Aber wollent ir nit ander Sachen 

san, 
So wil ich uch balde antwerten 
Und keinen andern beradt dar uff 
halten.' 



'Nein ich', sprach sij. 'So ant- 
werten ich', 
Sprach Gots Gnade, 'das daz uch 
versmehet glich, 
1765 Das ist daz ir myne reden nit 

recht verstent 
Und auch nit dar umb nach ge- 

denckent. 
Dann wann ich sprechen daz die 
meisterynne 
Zu aller tzijt solle haben diene- 

rynne, 
Is was wol gesagt, des bekennen 
ich. 
1770 Aber dar an gewynnent ir nuscht 

zu glich: 
[55 <•] Dann war umb ich han nit ge- 
sprochen "an allen enden", 
Aber "zu aller zijt", daz ist gut 
dütsch an den enden: 
Dann solte sij an allen enden 

dienerynne han, 
Das qweme ir zu uneren und 

grosser dinstberkeit 
1775 Me dan zu frijheit odir zu ir 

wirdickeit. 
Aber sij sal sij zu allen zijden 
han, 



1748. willen irrtüml. (nur schwarz) gestr. 
vor zugeschr. zemale. 

1749. zu geben n. yn gestr. 

1750. Vnd yn zu gebe zugeschr. dz myn 
liint. gestr. vnd soliohe. 

1751. hier Soliche zugeschr. 
1752 zwischengesehr. 

1753. konde vor machen gestr. u. dafür 
möchte dahinter zugeschr. 

1756. balde zugeschr. 

1757. nit hier zugeschr. u. zu Anf. von 1758 
gestr. 

1758. icht zugeschr. 

1759. vor genug gestr. 1. 



1761. vnd hier am Schi, gestr. u. an den 
Anf. von 1762 versetzt. 

1762. halten hint. gestr. suchen. 

1764. das v' in v'smehet zugeschr., ebenso 
glich. 

1765. ist dz übergeschr. 

1769. des üb. gestr. ich u. ich üb. gestr. des. 

1770. zu glich zugeschr. 

1771. alle" enden hier zugeschr. u. zu Anf. 
von 1772 gestr. 

1772. gut aus nit. an de enden zugeschr. 

1775. wirdickeit üb. gestr. eren. 

1776. han vor zu gestr. u. an den Schi, des 
Verses gesetzt. 



Gottes Gnade überwindet Natur völlig. 



41 



Das ist ir ere, wer daz recht wilt 

verstau, 
Uff das sij die möge bescheiden 
Was sij die wilt heissen und yr 
gebieden. 
1780 Das hattent ir nit verstanden 

recht 
Als ir soldent, und verstundent 

auch nit siecht 
Von der axs die gelegenheit. 
Dan da ich rette von der axs 
Wesenheit, 
Das was nit dar uff geredt das ich 
1785 Mich mit uch behelffen solde zu 

aller zijt, 
Als der zymmerman sich mit siner 

axs 
Behilffet da mit zu häuwen 
Und da mit auch zu büwen: 
[56'-] Aber ich rette is siecher dar umb 

zehant 
1790 Das ich also - scharffikeit inn uch 

fant. 
Da nam ich daz gelichniß vor die 

handt 
Uch zu underwijsen uwern groben 

synne. 
Dann sal sich die axs nit uff- 
richten wieder yn, 



Den zymmerman, so sollent ir uch 
noch 
1795 Mynner stellen wieder mich. 

werent ir doch 
Nit von bösem gemechte; dann 

ich uch han 
Gemachet, gesamet und entwerffen 

lau 
Mich zu eren und mir zu dienen 
Wann is mir fuget und mir ist zu 
fugen: 
1800 Und dis kann der zymmerman nit 

gesagen 
Zu sinre axs, dann ein ander 

meister 
Hait sij gemacht, und er nit dan 
den gebruche da von hait, 
Und der me bedarff umb daz er 
brodes bresten hat. 
Aber uwer bedarff ich zu male 
nit: 
[56"] Dar umb sij uch uwer hertze so 

scharff nit; 
1806 Dann ich mag woler aen axs ar- 

beyden, 
Sniden, binden und zymmern 
Aen geschirre odir instrument, 
Mit allen Sachen mag ich dun waz 
ich wil behendt. 



1777. v'stan n. gestr. bedencken. 

1778. n. bescheiden gestr. des. 

1779 eingesetzt statt des ursprüngl. Verses 
Das sij ir gebieden vnd heißen wilt. Das sij 
ist irrtüml. nicht gestr. 

1780. Das aus Dis. recht vor verstanden 
gestr. u. dahinter zugeschr. 

1781. nit siecht hier zugeschr. u. zu Anf. 
des folgenden Verses nit recht gestr. 

1783. Wesenheit zugeschr. 

1784. was üb. gestr. das. 

1787. haüwen hint. gestr. buwen. 

1788 zugeschr. 

1789. zehant zugeschr. 



' 1792. Uch a. B. zugeschr. 
1793. yn wahrscheinl. zugeschr. 
1795. doch zugeschr. 

1799. mix ist zu fügen leorr. aus zu 
willen ist. 

1802. und er etc. üb. gestr. dan der synne 
ir viel. dan noch wieder aus dem Jcorr. 

1803. Vnd der übergeschr. me] l. iie?, 
h hat ir. Vor bresten ist nit gestr. hat 
hier zugeschr. u. zu Anf. von 1804 habe gesti: 

1804. bedarff aus bedorffe. 

1805. so scharff nit üb. 2 gestr. Worten 
(nit sw . . . ?). 

1809. behendt zugeschr. 



42 



Gottes Gnade überwindet Natur völlig. 



1810 Man sal mich nit glichen keinen 

zymmerman 

Noch keinen werckman, dan ich 

sunderliche han 

Macht alle ding zu machen nach 

myme willen. 

Dar umb sagen ich uch: swigent 

stille 
Und dunt daz kurtzelick, 
1815 Dan irwer arguieren hülfet wenig 

sicherlich ! 
Is gilt auch wenig uwer grommen 
Und duncket mich auch nyergent 
vorkommen 
Das ir von »mynen gaben also 

gent treden 
Zu murmeln und davon zu reden; 
1820 Dan ich were zu male verbunt- 

lich, 
Solde ich von dem daz myn ist, 
eyme andern nit geben ich 
[57 ''•] Als wol als uch: is ist nit 
Sache die zornis bedörffe icht, 
Is sal uch zu male nit müwen 



1825 Und soldent uch wol lassen ge- 

nuwen; 
Dan daz gut ist nit gut daz alle- 

tzijte 
Zemale get uff eyne sijte: 
Das wissent ir nu wol. 
Dar umb solde auch genügen wol 
1830 Die macht die ir von mir haut: 
Konig gewann so hübsche gäbe 

nye 
Noch kein here nye gewan umb 

gäbe hye 
Noch umb richtome. 
Obe ich nu umb mynen fromme 
1835 Sunderlich gaben mynen officialen 

geben, 
Das komet uch nit uneben; 
So sehen ich nit das ir dar umb 
icht verlierent: 
Is ist dorheit daz ir dar umb 
zörnent.' 
[57 v ] Da Gots Gnade hatte geredt die 

wort 
1840 Und Nature das hatte gehört, 



1811. han vor sunde'liche gestr. u. dahinter 
eingesetzt. 

1813. swiget stille n. gestr. kurtzlich. 

1814 zwischengeschr. 

1815. Dan üb. gestr. das. Vor wenig ist 
hilffet eingefügt (üb. gestr. sere), dahinter helffet 
gestr. u. sicherlich sugeschr. 

1817. nyerget vorköme üb. bzw. hint. gestr. 
gar hesselich. 

1818. treden hint. gestr. Wort (grommen ?). 
1821. nit gebe ich hier zugeschr. u. zu 

Anf. von 1822 nit geben gestr. 

1823. bedörffe aus bedarff. icht sugeschr. 

1825 zwischengeschr. 

1826. das erste dz üb. gestr. das. 



1827 f. zwischengeschr. statt des gestr. Verses: 
Vff eine srjtte get das wissent. 

1829. Dar vmb a. B. für gestr. vch. 

1831. Vor Konig ist Dann kein gestr. ge- 
wän übergeschr. 

1832. Noch a. B. sugeschr. here nye üb. 
gestr. könig. hye zugeschr. 

1833. n. richtome 3 Worte gestr. (obe ich . . . 
vgl. 1834). 

1834 zioischengeschr. 

1835. Sunderlich a. B. sugeschr. 

1836 zwischengeschr. 

1837. ich üb. gestr. uch. 

1838. zörnet aus zorn hant. 

1839. die wort sugeschr., nachdem also vor 
hatte gesti: 



nach 1838 Bild (23) mit Nebenschrift rechts: Nature ist uberwvnden von gots gnade. 
Eine Frau mit umhülltem Haupte (Natw) fleht kniend su Gottes Gnade um Vergebung. 



Natur erbittet und erhält von Gottes Gnade Vergebung. 



43 



Sij viel ir zu fuße snelleclich 
Und neigette sich demütenclich. 
'Frauwe', sprach sij, 'ich wil uch 
biedend sin 
Das ir mir gnedig wollet sin: 
1845 Arguierent nit me wieder mich! 
Dan mynen gebrechen sehen ich 
follentlich, 
Das ich gehen uch gefeiet han 
Und mich dörlich beweget han 
Wieder uch also scherfflich zu 
reden. 
1850 Ir sint myn meisterynne, daz 

sehen ich aen widereden: 
über alle sal ich uch undertenig 

sin, 
Und sal mir mischt übel gefallen 

sin 
Von Sachen die ir dann dun 
wollen! 
Ich gedencken nummerme davon 
zu reden, 
1855 Das ir mir nit dan dis male 

wollent vergeben 
[58 r ] Gutteclich und keinen bösen 

willen beheben.' 



'Sicher', sprach -Gots Gnade, 'das 

wil ich auch halden; 

Aber hüdent uch wol bij uwerme 

augenbilde 
Das ir numme redent oder 

drauwent 
1860 Wieder myne schone wercke noch 

myden 
Myne dait, dann ich des numme 
von uch liden 
Und möchte des auch nit me ge- 
liden.' 
Da diese rede ein ende hatte 
Und Moyses zu morgen gessen 
hatte, 
1865 Daz yme über beleip, daz wolte 

er deilen 
Und almuse geben und daz 

spreiden 
Den armen pilgerynen die geirret 

waren 
Und der viel da inne waren. 
[öS"] Und ee er icht mochte enweg 

geben, 
1870 Zwo hübsche frauwen sag ich, die 

eben 



1843. 
den uch. 

1845. 

1846 

1847. 
Buchstabe 
üb. gestr. 

1848 

1850. 

1856. 

1857. 



wil uch biedend sin horr. aus bie- 

Arguierent üb. gestr. flndent. 
zwischengeschr. 

Das aus Dan. in gehen der erste 
durch KorreJctur hergestellt. uch 
dz ich. 

eingesetzt statt Ich han dörlich. 

aen widereden üb. gestr. wol. 
beheben hint. gestr. behalden. 
halden zugeschr. 



1858. uwerme aus uwern. bilde sugeschr. 

1859. nüme aus nümer. me wieder vor 
Bedent gestr., dahinter oder drauwent sugeschr. 

1860. myden hint. gestr. wieder. 

1861. vor des gestr. lide. von uch liden 
zugeschr. 

1862. Vor Vnd ist so viel gestr. auch u. 
me übergeschr. 

1868. Vnd übergeschr. inne waren üb. 3 
gestr. Worten (was . . .). 

1869. Vnd ee er a. B. zugeschr. 



vor 1863 Bild (24) mit Nebenschrift rechts: Busse, Euwe, bichte, genug dun vnd liebe. 
2 Frauen, die eine mit einem Pergamentblatt, die andere mit einem Schlägel in der Hand und 
einem Besen zwischen den Zähnen (Wahre Liebe und Buße) vor dem Bischof. Hinter ihnen 
eine weibliche Gestalt als Vertreterin der Gemeinde. 



44 



Wahre Liebe und Buße kommen herbei. 



Hübsch waren von allem wandel, 
"Wol getzieret aen bösen begriff, 
Die da uß einre kammer giengent 
Und sieb gar zuchteclich umb- 
fingent 
1875 Und stalten sich tuschen Moysen 

und die lüde. 
Die eine hielt ein testamente von 

eyre hüde, 
Eine große karte und eine schrillt, 
Da inne stunt gar viel schrifft: 
Die hatte sij gar uff getaen zu 
lesen, 
1880 Also ir her nach werdent hören 

und sehen. 
Aber vor wil ich uch von der 

andern sagen, 
Von der ich mich sere verwondert 

han. 
Inn einer handt hatte sij einen 
slegel güde 
Und inn der ander eine snryncke- 
lichte rüde: 
1885 Sij was smale, grüne und biegende. 
[59 r] Tuschen iren zenden in dem 

munde hatte sij ligende 
Einen besem, das mich aller 

meiste berüret; 
Sij hielt yn gar zuchteclich und 

schein 
Doch desta mynre nit wijse sin: 
1890 Hette ein ander den also gehalden, 



Man hette sij vor usser synnes 

gehalden. 
Die rette zum ersten zu den luden 
Gar wißlich, mischt hinderte sij 

der besem 
Zu reden odir zu predigen. 
1895 'Ir herren', sprach sij, 'ich weiß 

wol das 
Das ir sere besehent myne (/estalt 

bas; 
Aber ich meynen wol daz ir nit 

wissent 
Was da myne gestalt bedudet. 
So kommet her bij, ich wils uch 

sagen an 
1900 Und wil auch nit liegen dar an. 
Ich bin die hübsche die wenig ist 

liep gehabt, 
Die gütliche die sere geforten 

wart, 
[59 v] Die wenig geerete und die sere 

werde, 
Die milde und wenig wol gefellig 

uff der erde. 
1905 Busse bin ich genant, 

Hüderynne der lilien verborgen 

bekant. 
Alle unreynikeit dun ich abe legen 
Ee das yemands dar inn kommen 

möge, 
Und dar umb dragen ich mit mir 
1910 Den Siegel, rüde und besem. 



1874. vmbfingent üb. gestr. staltent. 

1875. Vnd stalte sich a. B. zugeschr. 

1876. von eyre hüde zugeschr. 

1879. gar übergesehr. 

1880. vnd sehen zugeschr. 
1883. güde zugeschr. 
1886. ligende zugeschr. 

1893. der besem hier zugeschr. u. 1894 hint. 
Keden gestr. 

1896. bestalt. bas zugeschr. 



1897. meynen üb. gestr. sagen uch. 

1898. bedudet n. da gestr. u. a. Schi, zu- 
geschr. 

1899. an zugeschr. 

1902. die u. wart zugeschr. 

1903. vnd übergesehr. 

1904. vnd u. vff der erde zugeschr. 

, 1906. der lilien Mißverständnis von (de) 
Tille, h richtig der verhelten ynseln. bekant 
zugeschr. 



Buße erklärt ihre Ausstattung mit Schlägel, Buten und Besen. 



45 



h- 



■ Mit dem slegel ich brechen und 

qwetschen 
Mit ruwe und angest des 

mentschen 
Hertze, so das gefullet ist mit 

alden 
Sunden und unreynikeit: ich 
1915 Weichens und duns biegen sich, 
Ciagen, schrien und sufftzen, 
Als die kint durch die streiche 

dunt, 
Dann daz liden yn duncket sin 

unkünt. 
Ich dün ußgan das saff und dün 
ußspringen 
[60<-] Und erweichen das durch slagen, 
1921 Also dün ich durch myn slagen 
Die treuen ußgan und schrien uß- 

jagen: 
"Ach, amich, waz han ich misse- 

daen! 
Is ruwet mich: mochte ich lich- 
tonge han!" 
1925 Mit dem slegel han ich zu zijden 

G-eqwetschet Petern und ge- 
sfs , "" weichet, 



1915. duns aus dun. sich vor biegen 
gestr. u. dahinter zugeschr. 

1918. yn statt gestr. hart eingesetzt u. vn- 
künt a. Schi, zugeschr. Diese des Beimes wegen 
vorgenommenen Änderungen bedingten auch 
eine Korrektur des zu Anfang des Verses stehen- 
den Die {etwa in Dann), die aber in der Hs. 
unterblieben ist. 

1919. Ich dün a. B. zugeschr. 

1921. dün ich n. Also übergesehr. u. a. Schi, 
des Verses gestr. 

1922. vßgan aus vßgen. vßjagen zugeschr. 
1924. han hier zugeschr. u. a. Anf. von 1925 

gestr. 

1926. Petern üb. gestr. steine. 



Der so hart was gewest das er 

sins meister 

Geleukent hatte vor dem her. 

Ich han yn so dicke und sere ge- 

slagen daz er milde 

1930 Und weiche wart, daz sal ich dir 

sagen: 
Ich det also viele mit myme slagen 
Das ich yme det ußgan daz 

wasser uß den hertzen 
Und schreye durch bitterkeit und 

smertzen. 
Der Magdalenen det ich auch also: 
1935 Wie wol daz sij gar verhärtet 

was do, 
[60»] Lange zijt in sunden verhärtet 

was, 
So det ich doch das 
Und mit siegen also viel das naß 
Trehen und wassers uß ir üiessen 
1940 Und det so viel und dicke von ir 

gießen 
Das sij bynnen zu male geweschen 

wart 
Und ich sij zu male reine ge- 
macht. 



1927. Der aus Die, was aus sint, er aus 
ir. sins übergesehr. 

1928. vor Geleukent gestr. Die(?) vor 
dem her hint. gestr. die han ich. 

1929. Ich han yn a. B. zugeschr. er üb. 
gestr. sij. 

1930. wart dz üb. gestr. worden wz. 
1932. yme übergesehr. Nach vßgan ist 

vß den äugen (so Orig) gestr., dafür a. Ende 
vß den hertzen zugeschr. dz übergesehr. 

1934. auch übergesehr. wye nach also 
gestr. u. vor 1935 wie zugeschr. 

1935. sij u. do zugeschr. 

1936. Jn aus Jr. sunden üb. gestr. hertze. 

1937. Am Anfang ist Jnn sunden gestr. 

1938. das naß zugeschr. 



46 



Buße erklärt ihre Ausstattimg mit Schlägel, Buten und Besen. 



Und wann so die trehen sint her 
uß kommen 
Und von ruwigem hertzen uff- 
geclommen, 
1945 So samen ich sij aen beiden 
Und dun sij zu hauff leiden 
Und machen dan dar uß einen 

buche, 
Alle unreynikeit da mit zu buchen 
und zu weschen 
Und die sunde da mit zu ver- 
loschen. 
1950 Die lauwe ist auch so starck: 
Is ist keine sunde die da sij so 

arg, 

So snode, so alt noch so vergessen, 

Sij wirt da durch alle geweschen. 

[wiUmb daz ich wol buchen, swingen 

und weschen kan, 

1955 So hat mich Got gemacht die 

kammermagt fyn 
Und zu einer sundern wesche- 
rynnen. 
Nu versteent aber yr mit 
synnen 
War umb ich den slegel dragen 

mit mir: 
Daz wordent yr nu hören von mir. 
i960 Des sunders hertze ist glich also 

hole 
Als ein groß duppen das ist erden 

vol 
Und einre fuchtikeit unreyne, ein 
übel smackende faß, 
Das man nit kan geleren umb das 



Das man is nit kan umb ge- 

wenden baß 
1965 Odir nach sinem willen bewegen, 
Das es umb sine hartikeit 
Und umb sine große versteynikeit 
Sich nit bessern wilt 
Noch keinen ruwen an sich zilt. 
1970 Das vas slahen ich gar harteklich 
[61"] Mit myme Siegel und scherfflich, 
Stucke ich dar uß machen und 

weschen die 
Und machen sij gar Ideine da bie, 
Uff das da ußgeschudt werde 
1975 Die große unreynikeit und die 

erde 
Die da inne ist gewesen, 
Und muß is also underlesen; 
Dan wo ich sij nit also zurbreche 
Und sij nit also kleine mechte, 
1980 So mochte viel unreynikeit 

Da inne beliben aen underscheit. 
Nu versteent diese letze nuwe 
Ir die da gewerlichen ruwe 
Wollent umb uwer sunde han! 
1985 Ir sollent nit wenen odir uch be- 

duncken lan 

Das ir da mit genug habent getan 

Die sunden in groß und miteyn- 

ander zu bedencken, 

[65"] Dann die sunde also mit ein in 

gros zu gedencken 

Ist nit anders dann daz duppen 

gantz zu laßen 

1990 Und viel unreynikeit da inne zu 

lassen. 



1948. vnd zu weschen gugeschr. 
1949 f. gugeschr. u. dazwischen gestr. : Vnd 
da mit zu weschen die lauwe ist so starg. 

1952. vergessen aus verloschen. 

1953. alle übergeschr. 

1955 verbessert aus So wil mich got zu 
eine' kamer magt han. 



1957. mit synnen gugeschr. 
1959 gwischengeschr. 
1962. ein üb. gestr. die. 
1964. is über yn, das su streichen vergessen, 
auch vmh übergeschr. 
1977 gwischengeschr. 
1989. zu übergeschr. 



Buße erklärt ihre Ausstattimg mit Schlägel, Buten und Besen. 



47 



Und obe is wol wurde einwenig 

geqwetscket, 
So were is doch da mit nit genug 

geletzet : 
Yeclich stucke beliebe zu groß; 
Wann is nit wurde gar bloß, 
1995 So beliebe dar inne unreynikeit 

viel. 
Zu kleinen stucken und inn kleine 

deil 
Ir den haffen brechen sollet und 

qwetschen 
Mit dieffen gedencken und grossen 

sufftzen 
Und gedencken: "da hastu also 

getaen 
2000 Uff den dag und des nit gelaen, 
Du haist auch uff den dag getan 

das, 
Das eine groß, das ander merer 

was; 
Also dicke hastu das getaen 
Und inn solicher massen misse- 

daen: 
[62»} Du wurde wenig besucht odir ge- 

drongen, 
2006 Du haist selbs dar nach ge- 

rongen." 
Das ist der synne zu brechen 
Das unrein duppen und davon 

stucke zu machen, 
Den zerryssen und yme da mit 
ruwen zu machen 
2010 Durch soliche betrachtonge. 
Wisse das ich yme also dun 
Mit dem slegel den ich in myner 

handt han! 



Ich brechen is alles und nuscht 

lan, 
Ich qwetschens alles und sparren 
nicht. 
2015 Noch ich uch ein klein wort 

sagen sal 
Von dem wüsten duppen unreyni- 
keit vol, 
Das da bynnen umb sine grosse 
unreynikeit 
Eyme grossen worme sine spise 

dreit, 
'Da inne erhaben und geborn, 
2020 Gespiset und erqwicket worden. 

Der wurme recht bekenteniße ist, 
[63>-] Dem gelichet wol zu aller frist 
Als yme schinent die zende von 

isen sin, 
Dann er muß frech und stechende 
sin, 
2025 So wiederbissende und druckende; 
Dann were nit einre der yn döte, 
Sere sluege und yn ermordete, 
Faste nagens er nit uffhorete 
Bis das er sinen meister gedodete. 
2030 Dar umb ich den slegel drage 
Uff daz ich yme nit verdrage 
Und daz ich yn slage und kloppe 
Und yn döde und zemale ver- 
stoppe. 
Das ist wann daz duppen wol 

. zurslagen ist 
2035 Und zurqwetschet, als vor gesagt 

ist: 
Dann were es vor zurslagen nit, 
So mochte myn slegel dar uff 

kloppen nit 



2009. Den meint den Sünder. 

2015. das 1 in klein nachträgt, eingefügt. 

2021. Orig.: C'est de conscience le ver. 

2022. Dem aus Der. 



2023. Als a. B. gugeschr. 

2026. döte aus dot slage. 

2027 gwischengeschr. 

2036. er. 



48 



Buße erklärt Uwe Ausstattung mit Schlägel, Buten und Besen. 



Noch auch dar an hafften nit, 
[63«] Yn dot slagen odir dun sterben. 
2040 Dar umb lident daz uwer dnppen 

eben, 
Die wüste und vol unreynikeit 

sint, 
Wol zurslagen und geqwetschet sin 
Und das duppen altzumale zur- 

brochen: 
So moget ir uch an dem wurme 
rechen 
2045 Und yn vor uch slagen dot. 
Das ist die geware ußrichtonge 
Und die rechte bedutonge 
Von myme Siegel, den ir sehent 
Und recht bekenteniße nennent. 
2050 Nu wil ich uch aber von dem 

besem sagen 
Den ich tuschen mynen zenden in 
myme munde dragen. 
Ich han uch vor gesagt und sagen 
uch aber da bije 
Wie das ich kammermagt sie 
Gottes des vatters almechtigen. 
[&£<•] Dar umb sollent ir alle parthien 
2056 Und moget wol wissen behende 
Das ein besem wol stet in der 

megde hende; 
Doch ist nit me dar an 
Dann uch mag beweget han 
2060 Den besem also zu halden: 

Dar umb . sollet ir wissen balde, 
Dann da man unreynikeit uß 

werfen sal, 
Das man da hien keren und den 
besem wenden sal, 



Da wurde anders groß bedencken 
na 
2065 Das man in ettlichem winckel 

Hesse da 
Verborgen unreynikeit 
Gehuffelt und verdecket. 
In der schlifft han ich gelesen 
An viel enden und auch gesehen 
2070 Von viel stucken manicheiieye 

namen: 
Ein deil von den fischen kamen, 
[6i "] Eins von hymel, das ander von 

der hellen her, 
Eins von isen, das ander von 

kupper 
Und viel ander der ich nu ge- 
swigen 
2075 Und sij uff dis male lassen ligen 
Umb das die rede davon wurde zu 

lanck. 
Aber under yn allen ist eine ane 

wang, 
Davon ist gesprochen in dem 

buche Neemia 
Das is sij eine porte der unreyni- 
keit da, 
2080 Umb daz man da durch feget alle 

unreynikeit 
Und stoßet sij da uß, und ist 

besser die sij unreyne 
Dann die ander alle gemeyne. 
Nu sollet ir alle wol verstendig 

sin: 
In dem huse da ich eine magt bin 
2085 Und Gnade Gots da ist meiste- 

rynne, 



2050. aber übergeschr. 

2054. n. almechtigen ein mit s beginnendes 
Wort gestr. Kustode unten auf Bl. G3 V : dar 
vmb sollet ir. 



2058 ff. heißen im Orig.: Mais taut (y) a 
que la maniere Du tenir vous puet esmouvoir. 

2078. Nehemias 3,13 u. 12,31. 

2085. gots in schwarzer Einfassung über- 
geschr. 



Buße erklärt ihre Ausstattung mit Schlägel, Buten und Besen. 



49 



Sint sehs porten, der da funffe 

sint 
Dar durch die unreynikeit inn 

gande sint: 
[65'-] Die eine ist die porte des gerochs, 
Die ander des horens und 

horichens, 
2090 Die ander dez smackens und dez 

tastens, 
Die ander des gesehens vaste. 
Durch die funff porten get dicke 

inne 
Viel unreynikeit in des mentschen 

synne, 
Aber da durch kan sij nit wieder 

us kommen, 
2095 Die unreynikeit, in keinen 

frommen: 
Dar umb verlure ich myn arbeit 
Wo ich mynen besem da hien 

hette gekert. 
Die ander porte die die sehste 

ist, 
Die zu heyle notdurfftig ist, 
2100 Das ist die porte der unreynikeit, 
Da durch sich iclichs ernert und 

reyniget 
Und da durch man ußstoßet zu 

allen zijden, 
Wut er nit unreyne beliben. 
[65"] Dasselbe des sunders mont ist, 
2105 Die under den porten die beste ist; 
Dann er leget uß die missedait, 
Wie sij dann sint vollenbraicht, 
Und saget sinem bichter die 



Mit clagen und schrien hie. 
2110 Zu der porten han ich gekert 
Und gewant dar gegen wert 
Mynen besem das alles zu keren, 
Uß zu driben, zu reynigen und zu 

erneren: 
Dann so lange ich bin dienerynne 
2115 Gnade Gots, myner meisterynne, 
Yr huß wil ich rein halden 
Und kein unreynikeit da inn be- 

halden. 
Myn besem ist myne zonge, 
Myne geischel und myn reynionge, 
[66 r ] Da mit ich alle unreynikeit keren 

uß, 
2121 Stoßen und reynigen das huß. 
Nuschit ich da inne lassen oben 

odir nyden 
In winckel noch inn loche ligen 
Ich wolle is dann alles erwegen, 
2125 Uffladen, ußstossen und abelegen 
Durch gantze bichte aen liegen, 
Aen bedrug und aen bedriegen. 
Ich stossen is alles durch die un- 
reine porte uß, 
Ich lassen nicht da inne, ich 

werffens allez uß 
2130 Mit mynre zonge und myme 

besem, 
Umb das ich weiß eben 
Das is myner meisterynne, 
Gnade Gots, also ist zu synne, 
Die an keime ende wilt beliben 
han 
2135 Is sij dann vor gekeret schon 



2087. gade sint aus gat verbessert. 

2088. porte des gerochs aus den geroch 
hait. 

2089. des horens aus das hören, horichen. 

2090. dez smackens vnd dez tastens aus 
smacken vnd tasten. 



2091. des gesehens aus von gesehen. 
2094. vs vor körnen gleich üb. d. Z. zu- 
gefügt, dahinter vß gestr. 

2097. gekert trotz des Beimes aus geleit. 
2135. das letzte e in gekeret übergeschr. 



Deutsche Texte des Mittelalters. XXV. 



50 



Buße erklärt ihre Ausstattung mit Schlägel, Ruten und Besen. 



Sie ist gekommen als Kanderin und Pförtnerin des AltarsaJcraments. 



51 



[66 "1 Und wol gestrichen und ge- 

reyniget; 
Das ist so viel das sij nit achtet 
Uff bekenteniße da inne benachtet 
Unreynikeit; wan recht bekente- 
niße ist daz huß, 
2140 Die kämm er und wonunge 

Da inne sij hait ire wonunge und 

gewist 
Wann sij wol gekeret und ge- 
feget ist. 
Nu haut ir alle do 
War umb ich den besem also 
2145 In myme monde hau 
Gehabt und "auch gedran, 
Wie ich davon dun bichtonge 
Durch eigentliche underscheidonge. 
Nu wil ich uch aber sagen 
kurtzlich 
2150 Von mynen rüden underscheident- 

lich, 
War umb ich sij halden und waz 
ich da mit dun, 
[67<-] So werdent ir is nit vor schimp 

hau: 
Der hohen schulen bin ich meiste- 

rynne 
Und der kinde straff erynne ; 
2155 Die bösen ich straffen zware, 
Sij sien von -xs- odir .0- jaren: 
Dan übel dunde kint sint sij ge- 
nant 
Von der schrifft, die yn verfluchet 

zu haut. 
Wan nu yemans übel hait gedan, 



2160 Gerne ich mich dar bij machen 

kan 
Zu wissen obe er sij durchgangen 
Durch mynen slegel, davon ich 

han gesagt lange, 
Und obe er under mynen besem 
Sich habe gelacht zu reynigen. 
2165 Und wann ich yn sehen also be- 

ruwet 
Und wol gebichtet, als vor ist 

geredt, 
Als dann yn recht zu straeffen 
Ich yn mit mynen rüden slagen 
lassen; 
[67°] Arbeit ich yme geben und 

straffonge 
2170 Umb sinen nütze und besseronge. 
Eine stunde ich yn bedencken 

dun aen spot 
Sine lebende sunden und sprechen: 

"ach Got, 
War umb han ich verhenget das, 
War umb bin dar inn gefallen, 
2175 Daz ich ytze dar umb muß 

straffen dölen?" 
Ein ander male ich yn sagen dun: 
"Lieber herre Got und milder 

herre myn, 
Ich verspreche uch inn besseronge 

zu sin, 
Daz ich so viel frechikeit nit 
haben solle 
2180 Das ich uch ertzurnen wolle 

Odir das ich vor uch durfte sun- 
den." 



2148. vnderseheidonge hint. gestr. lutterunge. 

2162. lange vor han gestr. u. n. gesagt 
eugeschr. 

2163. vor vnder gestr. sich. 

2164. zu reynigen n. sich gestr. u. a. d. 
Schi, des Verses gesetzt. 



2174. War vor vmb a. B. 
vmb ein Meines Wort gestr. 
2175 ewischengeschr. 
2179. nit übergeschr. 



sugeschr. 



Eine stonde ich yn beden dün, 
Die ander sufftzen, die ander 

schrien dar tzu: 
Zum andern male dun ich yn 
geben 
2185 Den armen luden und den bede- 
lern 
[68>-] Des das er hait yn zu deilen und 

almuse geben. 
Zum andern male dun ich yn 

biedefarte gan 
Odir einen ferren weg understan: 
Dan dün ich yn arbeiden und 
wandeln. 
2190 Das ander male ich yn fasten dün 
Odir ettliche ander abebrechonge 

dün 
Und sich von sunden ziehen dun. 
Also ich yn under der rüden hal- 
den, 
Yn kestigen und auch slahen 
balde, 
2195 Also das er nit gedencke wieder 
Zu wende und zu den sunden 

kommen wider 
Da er sich ußgeworffen hait und 
gereyniget, 
Und auch das da werde gestraffet 
Die aide sunde, die er getan hett; 
2200 Wan is ensal keine ubertredonge 
Nit beliben aen rechte straffonge. 
[68 »] Er sal mit den rüden werden ge- 

slagen 
Der sich zu sunden hait getragen: 
Dar umb halden ich sij, das wis- 
sent 
2205 Und vor missedun uch hüdent! 



Wollent ir der rüden namen wis- 
sen, 

Genug dün sollent ir sij heißen, 

Dann genug dün ist also viel 

Odir dün genüg odir als viel 
2210 Als inn den sunden gebrechens ist 

gewest. 
Nu han ich uch gesagt und 

predige getan 

Von mynen wereken und von 

myme name; 

Aber war umb ich bin kommen 
her 

Tuschen Moyses dusch und uch 
alher, 
2215 Den ir hie beident umb daz yme 

über belibet, 

Und von dem uffhabe heischent, 

Das han ich uch noch nit ge- 
saget. 

Nu horent, so wil ichs uch sagen: 
[69'-] Vor wäre sage ich uch das ich 

cancelerynne 
2220 Sins uffhabes bin und portene- 

rynne. 

Aen mich ir nit genehen sollet, 

Wo ir anders nit übel dun wollet. 

Es ist nit uffhab den knaben zu 
geben 

Noch doren odir fulen luden eben, 
2225 Es ist nit uffhab vor frauwen 

swanger, 

Is sij mit Gots gnade nit be- 
fangen : 

Es ist ein uffhab vor die siechen 

Und vor die krancken, notdurff- 
tigen. 



2189. Dan a. B. sugeschr. 

2190. diin hint. male gestr. u. a. ä. Schi, 
des Verses gesetzt. 

2196. Zu üb. gestr. vnd. vnd übergeschr. 

2197. ußgeworffen aus uffgeworffen. 



2209. Odir] l. Als ? Orig.: Quar satisfaction 
vaut tant Com faire assez. 

2215. Den üb. gestr. vnd. vmb übergeschr. 

2226. nit vor mit gestr. u. hint. gnade 
übergeschr. 



52 



Wahre Liehe erklärt, wer sie ist und wozu sie dient. 



Wer des nützet zymlich odir 
Tbillicli, 
2230 Mag nit sin, er wirt gelicht. 
Es ist der uffhab der da über 

blieben waz 
An dem nachtmale da Got selbs 

aß, 
Der das brach nnd gedeilet hait 
Sinen frunden uff den grünen 
donrstag, 
[69°] Davon alle die weit ist gespiset, 
2236 Uffgehalden und beweget. 

Den uffhab wil ich hüden nauwe- 

lich 
Und yn bewaren getruwelich: 
Ich wil nit daz keinre dar gee, 
2240 Er sij dan mit mynen rüden ge- 

slagen ee, 
Is sij dann durch mynen slegel 

recht 
Und habe sich mit mynem besem 
gereyniget. 
Nu hude sich ieclicher vor sich, 
Dann genug getaen hau ich 
2245 Dem und der Sache dar umb ich 

bin 
Und inn solicher maße herkommen 
bin.' 
Da diese frauwe hatte also ge- 
redt 
Und ir wesen hatte ußgeleget, 
Die ander frauwe die da was 
2250 Und die schlifft in irer handt hat, 

Die wolde sagen ir wesen 
[70'-] Und vor yn allen die schritt 

lesen. 
'Ir herren', sprach sij, 'is ist 
wol wäre 



Aen liegen und aen unware 
2255 Das Buße uch hait gesaget 
Sin ampt und auch ußgelacht; 
Dar umb wil ich uch sagen sin 
War zu ich dienen odir wer ich 

bin. 
Ich bin die die hait versmahet 
keine 
2260 Noch nye, weder groß noch kleyne, 
Und die die alle lüde lieb hait 
Die eins guden hertzen sint und 

keinen bösen willen hant, 
Und die die keyne räche suchet, 
Nit slet, stosset odir fluchet, 
2265 Und die die daz urteil hat geben 
Von sinen fremden zu lijden eben. 
Ich bin mutter der dugende, 
[70-] Die da kleidet die nackete lüde, 
Die saut Mertin sich det entclei- 
den, 
2270 Den armen da mit zu wiederclei- 

den; 
Ich bin der weisen spiserynne 
Und wirtynn der pilgerynn. 
Des andern ubels machen ich 

myn, 
Und allen muß myn gut gemeyne 
sin. 
2275 Minen name ob ir den wissen 

wollet, 
Geware Liebe ir mich nennen 

sollet! 
Dann liebe heldet die in lieplicheit 
Die die ander halden in snodikeit. 
Ich spisen die verlängerten 
2280 Und gesehen die versiecheten ; 
Ich bin die die umb eins andern 
gut 



2240. myne aus mynne (?). 
2242. mit üb. gestr. durch. 
2246. n. maße gestr. ich. 



2260. weder gleich aus wieder. 
2266. frenden 3s., fynden h. 
2273. vhels üb. gestr. hose. 



Liebe verliest Jesu Testament des Friedens, das sie in der Hand trägt. 



53 



Als frolich ist als umb myn eigen 

gut; 
Die die alle dinck gütteclich 
[W] Alles Met und ist da bij 

friedelich, 
2285 Die die zu keinen stunden 
Mag hören abebrechen oder 

murmelongen, 
Die die nie hait missesprochen 
Eyme andern noch auch misse- 

dan: 
Und doch han ich getaen 
2290 Ettliche dun übel düu aen misse- 

dait. 
Obe ir davon ich gehöret hait, 
Von dem konnige Jhesu, der wolte 
mentsche werden 
Und umb sine lüde gedödet wer- 
den, 
Ir sollet wissen das ich die bin 
2295 Die yn det soliche arbeit lyden : 
Dann ich det yn vom hymmel 

abe klymmen 
Und mentschlich nature au sich 

nemen ; 
An die sule det ich yn binden 
Und yn auch mit dornen krönen 
[w »] Und sine armen an dem crutze 

honen, 
2301 Die dar ane dun strecken, 

Nacket ußdun und in sine sijtte 

stechen, 
Die fuße und hende hefften an 
Mit großen nageln, löcher dar 

durch gan; 



2305 Das blut uß sime zarten libe gan 
Det ich und yn sinen geist dun 

uff geben. 
Aber das we, wissent recht, 
Wart er wandeln in groß gut 

siecht : 
Dann umb das we det ich yn 

niderstigen 
2310 Inn die helle uch dar uß zu 

wigen, 
Uch zu werften uß dem borne 

dieff 
Und uch zu füren in das paradiß, 
Uch zu geben und uch zu laßen 
Eine gäbe, die er usser massen 
2315 Hatte zumale gar lieb : 
[7-3'-] Das was friede, dar uß der himel 

scheyn her 
Und da sich das paradiß erfrau- 

wet her. 
Wanne nu die forme als er die 

gäbe hat 
Gegeben und die gäbe verluwen 

hait, 
2320 Ist geschrieben inn diesem testa- 

mente, 
Das ich gheenwertig han in 

nryner hendte, 
Testamente des frieden ist es ge- 
nant. 
Nu horent, ich lesen is zu haut: 
"Ich Jhesus Crist, son Marien, 
2325 Weg, warheit und das leben, 
Gegen myme dode, dem ich nahe 

bin 



2282. myn üb. gestr. ir. 
2284. alles a. B. eugeschr. 
2290. das erste dün übergeschr. 
2295. lyden hint. gestr. han. 
2301. ane üb. gestr. Jnn. 
2307. we üb. gestr. böse. 
2309. we wieder üb. böse. 



2310. I. vrigen? (B.); Orig.: reembre. 
2316. was friede üb. gestr. lant. vor der 
gestr. git. scheyn her hint. gestr. das licht. 
2318. die gäbe hat zugesehr. u. die zu Be- 
des folgenden Verses gestr. 
2321. hendte aus hende. 



54 



Vom Kleinod des Friedens, das Jesus im Testament hinterlassen. 



Und des ich auch zu male sicher 

hin, 
Machen ich myn leste testamente, 
Da inne ich laßen uf ein ende 
2330 Den die da sint in dem dale des 

eilendes 
Und uff der erden der arbeit, 
[75»] Die gäbe dez frieden, das ist das 
kleinot myne, 
Das lieplichste und das fyne 
Das da ist in hiemel odir uff 
erden 
2335 Odir das man suchen mach noch 

fanden werden. 
Es ist das kleynot da mit ich vor 

zijden 
Mich ergetzet hau in dem para- 

dise 
Und das auch myn getzel was 
Da ich in myme lande was: 
2340 Aber ich hau da mit nit gespielet 
Sijt das ich bin kommen in diese 

weit; 
Dann da ich zu eime kinde wart 
Und von hiemel waz kommen her 

abe 
In diese weit und is zijt was das 
ich spielen solde, 
2345 Und ich myn cleynot haben wolde, 
Uß dem paradise myne diener 
Brachten daz in dis lant her 
Und budent is den zu schanck 
[73 r] Durch die ich solde haben liden 

lang. 
2350 Mit dem kleynot sij gespielet hant 
Sijt der zijt das ich geborn wart, 
Nit dar umb das is were ir 



Odir auch das is ir solde sin; 
Dann sij mochtens nit gegeben, 
2355 Myne knechte, die is huttent eben, 
Sij waren auch des zu entphaen 
nit wirdig 
Odir das zu haben nit richtig. 
Es ist yn geluwen alleyn, 
Das ichs nach myme willen 
2360 Wieder heischen mochte, 

Gegeben und auch nit geben solte, 
Dan aen mich is m'emawt mochte. 
Doch die grosse meisterynne 
Liebe, die da ist myn fuererynne, 
[73"] Die mich umb leidet als ein kint 
2366 Und mit mir iren willen vollen- 

bringet, 
Durch ir recht sij mich zu hat 

gefurt 
Das ich das hübsche kleinot hau 

gegeben 
Und yn das noch geben. 
2370 Hubschers ich noch nye gegab, 
Da ich mich selbs nit engab: 
Es ist ein kleynot, daz wart ge- 

stalt, 
Gesmiedt, gemacht und getzym- 
mert halt 
Von myme fader aen streiche dar 
zu dün 
2375 Und aen bracht noch sich zu 

hören dün; 
Dann bracht odir streiche machent 

daz nit, 
Sonder sij zubrechent und rissent 

is mit. 
Were yemands der sine gestalt 
Wolde wissen, dem wolte ich balt 



2327. auch, gleich aus mich (?). 
2330. eilendes hint. gestr. seit . . 
2332. dz übergeschr. 
2335. mach übergeschr. 



. . {?). 



2362. meniat. 

2367. dar vor zu gestr. 

2375. sich u. dün zugeschr. 



Vom Kleinod des Friedens, das Jesus im Testament hinterlassen. 



55 



2380 Sinen geschuff und patron geben, 
[74'-] Den die da hant ein verstendig 

leben : 
Der eins zymmermans winckel 

maße 
Zum ersten uffrichtet den einen 

ort 
Und das ander unden uff den 

mittelort 
2385 Gelich lynien recht niderleget 
Und an den ort der die zwo 

lynien riiret, 
Machet ein a und das dar uff 

setzet, 
Und an die zweye ende p und x 

setzet, 
Also daz oben das x und unden 

were das p, 
2390 Als diese figure dan bezeichent ee, 
Lichtlich mochte er sinen namen 

wissen 
Und sine gestalt da mit finden: 
Er hette sinen namen balde ge- 
schrieben 
[7i»]Mit den drien bustaben hie vor 

gedrieben. 
2395 Die drij bustaben daz zu wissen 

dunt 
Das in drien Sachen sal er alle- 
samt 
Frieden hau dem das gelassen ist. 
Das ist zu erste an dem obersten 

ende, 



Da daz -x- steht und wendet: 
2400 Dar durch kurtzlich 

Ich verstanden und betzeichent 

bin, 
Das da sal geware gantz friede 

sin 
In solicher maße das alle dait 
Die man umb mynen willen getan 
hait, 
2405 Geenget und gebessert sint. 

Dar nach an dem orte wol ge- 
satzt 
Da an gestrichen und ist gesatzt 
Das a, da durch verstanden ist 
Das die sele, die in des mentschen 
libe ist, 
W5 r ] Sal auch guden frieden haben 
2411 Durch Störunge der missedait. 
Die sollen sin nydergelait 
Durch busse und abe gedaen; 
Dann der mag nit friedelich sin 
2415 Wen da kriegent die sunden sin, 
Und alle friede were yme nit 

wert 
Wurde der krieg nit gewert 
Tuschen yme und sime bekente- 

niße 
Durch die geschirre der bussen. 
2420 Dar nach aber zu dem nehsten, 
Da das p stet, das ist an dem 

ende zu leste, 
Ist verstanden das yederman frie- 
den sal haben, 



2391. vor Lichtlich gestr. S. 

2397. In der Hs., die dem da gelassen, ist 
liest, fehlt das SubjeM des Relativsatzes {etwa 
kleinot) infolge versehentlichen Übergehens von 
v. 2534 des Originals (. . . a qui est laissie 



[2534] Ce biau jouel et ottroie). h hat den 
gangen Relativsatz fortgelassen. 

2414. nit übergeschr. 

2418. sime übergeschr. 

2421. an dem üb. gestr. das. zu übergeschr. 

242ä. yederman eingesetzt nach h. 



vor 2391 Bild (25) mit Nebenschrift rechts: Das zeichen des friedens, daz cleynodt. 
In blauem, rot eingefaßtem rechteckigen Felde ein Zimmermanns-Winhelmaß mit eingeschriebenen 
Buchstaben P — A — X. 



56 



Liebe ist die Almosnerin und Austeüerin des Sakraments. 



Und dar zu sal is sere bewegen 
Die selbe Staffel da is uff ist, 
2425 Dann is nit nider odir hoher ist: 
[75"] Ich hau sij bede inn ein höhe ge- 

satzt, 
Da ich die schlifft stalte und han 

gemacht. 
Sy sint alle dötlich, daz eine und 

daz ander: 
"Worin ist eins, also ist auch daz 
ander. 
2430 Is hilffet nit böse hertze odir 

scharff 
Noch hoffart odir daz sich gut 

duncken darff, 
Sij niüßent alle gan durch ein 

loch, 
Grosse und Meyne alle noch. 
Nu duhent alle als viel 
2435 Das sij an keynem ziel 
Verlieren nit niyn kleynot 
Durch yren grossen hoffart! 
Wann ieclich mit sime nesten 

frieden hait, 
So wirt die gestalt und patron 
gemacht, 
2440 Das winckelmaße, da von ich han 

geredt 
Und da durch frieden han be- 
dudet. 
|~7S>'] Die figure und der patron 
Ist ein zeichen des tabellion, 
Mit dem sollent sin 
2445 Alle gude testamente getzeichent 

fin, 
Und mit den zeichen uffentlich 
Han ich getzeichent myn testa- 
mente sicherlich: 



Allen luden han ich frieden 
geben, 
Erleubet und bestediget eben. 
2450 Nu hude den yeclicher vor sich 
So liep als er wil haben mich; 
Dan als liep als man mich hait, 
Also auch yeclicher den behudt 
hait!"' 
Da Liebe ußgelesen hatte 
2455 Das testamente und daz verkündet 

hatte, 
Da vieng sij yre reden wieder an 
Und soliche worte da sagen be- 

gan: 
'Ir herren, nu hant ir gehört wie 
[76"] Durch die schlifft ich han gelesen 

hie 
2460 Das Jhesus uch hait lieb gehabt 
Und uch sin kleynot geben hait, 
Und wie er is uch hait geben 
Durch myne bede und übergeben. 
Nu wil ich uch aber kurtz sagen 
2465 War umb ich mich mit dem testa- 

ment habe 
Gestalt tuschen Moyses tabel und 

uch. 
Dar umb dun ich zu wissen uch 
Das ich almuserynne bin 
Des uffhabes und ußgeberynne; 
2470 Und also als uch hait gesagt 
Busse und auch geprediget 
Das ir aen sij nit dar sollent gan, 
Wo ir nit wollent missedan, 
Auch sage ich uch, das ir nit 
missedun, 
2475 Aen mich dar nit sollent gan: 
[77'-] Dar sollent ir uch nit keren aen 

mich, 



2428. alle aus als. 

[2441.] Eustode unten auf Bl. 75": Dz 
zeichen vnd der patron, Bl. 76r aber abweichend: 



Die figure und der patron . . . Die neue Lage 
zeigt blassere Tinte, scheint also nicht gleich- 
seitig geschrieben zu sein. 



Viele Pilger begehren das Sakrament. 



57 



Wollent ir anders nit ertzornen 

mich. 
Das testamente der gäbe des frie- 
den 
Und das kleynot da mit syeder 
2480 Der milde Jhesus hait gemacht 

sinen strick 
Und hait das getaen vor syme 

dode, 
Dar umb drage ich yn mit mir 
ingenode, 
Uff das ich uch mane und under- 

wijse 
Das ir inn keyne wijse 
2485 Uch des uffhabes nit genahent 

noch dar bij nit sollent kommen 
Wo ir das kleynot des frieden nit 
habent zu uch genommen: 
Dann in des kleynots ecken, 
Umb das is ist heymelich und 

hübsch gedecket, 
Dar in wolte der heilige uffhab 
gelacht sin, 
2490 Dar inne entfangen und gesammet 

fin; 
Und dar umb, wo ir des nit 

hettent, 
Ir wol dar umb gestraffet werden 
mochtent. 
[77 v ] Dar umb in guden truwen uch 

raden ich 
Das ir frieden dragent und durch 
mich 
2495 Geent: ich bin eine deylerynne 
Des uffhabes und eine geberynne; 



Dann wo ir durch mich nit kont- 
inent 
Und anderswo her durch giengent, 
Vor diepstal das geachtet würde, 
2500 Und viel böses davon kommen 

wurde. 
Nu hudent uch und zürnent nit, 
Dan das ich dem das ich dun sal, 

dun genug, 
Das ist die sache dar umb ich 

hude begert 
Uß mynre kammern zu kommen 

her!' 
[78>-] Da Liebe das alles hatte ge- 

sproch 
2506 Und geprediget aen wiedersproch, 
Da sag ich viel pilgeryn, 
Die geneiget waren underdenig zu 

sin. 
Durch Liebe sij da siecht giengent 
2510 Und das kleynot des frieden dru- 

gent, 
Dar nach giengen sij durch Busse 
Und hattent ir da keine föchte 

oder unmusse: 
Under iren Siegel sij sich lachten 
Und mit dem besem sij sich reyne 

machten. 
2515 Ich sag daz sij mit den rüden 

wurden geslagen 
Und das yn des uffhabs dar wart 

gedragen, 
Und Moyses gab yn 
Als das durch Liebe geordent 

was. 



2512. od' vnmüsse zugeschr. 

2514. Keyne machten aus Keyneten. 



2516. das r in dar zugeschr. 

2517. Nach yn ist das gestr. 



vor 2505 Bild (26) mit Unterschrift: Viel pilgerin wollent das Cleynodt des frieden han. 
Liebe und Buße am Altar; hinter ihnen 3 Pilger. 



58 



Würdige und auch Unwürdige empfangen das Sakrament. 



Dar nach sag ich ettliche un- 
gluckigen, 
2520 Die heynüich anderswo her qua- 
nien sich rucken 
Und sich vor Liebe verburgent 
[78»] Und von der Bussen Mgent: 
Ane schäme sij giengent 
Zu dem uffhab und den ent- 
flengent. 
2525 Moyses keynen ußnam 

Und det auch keinen hinderstan: 
Den uffhab er yn geben hait 
Und yn züchteclich gedeilet hait. 
Aber ich wil uch sagen wie is da 
ergieng 
2530 Und wie is mit yn missegieng: 
Als sij den uffhab hatten genom- 
men 
Und dar nach her uß waren kom- 



men, 



Als von einem swartzen sacke 

mit kolen 
Odir von einre unreynen mists 

dolen 
2535 Wurden sij swartz und gemaset, 
Unreyne smackende, veraset und 

veraldet. 
Mee hungeriger kamen sij wieder 

balde 



[79>q Und auch me durstiger; 

Sij waren da von nit me gesediget 
2540 Dan obe sij vor da von geflögen 

werent 
Odir vor eins obletters düre uff 

gangen, 
Und hattent zessen nicht mit ver- 
langen. 
Mit den andern was is nit also; 
Dan da sij alle den uffhab hatten 
entphangen do, 
2545 Die waren nit bit hunger be- 
fangen, 
Sondern sij waren alle so sadt 
Das sij ander Sachen nit behaget 

hait, 
Und in der weiit nit anders 

achten 
Und niergent anders an gedachten 
2550 (Dan an sich alleyne 

Und die ander lüde gemeyne,) 
Sij wurden so hübsch und zierlich 
Daz alle andern düchten mich 

geen yn sin hesselich, 
Beide paffen und leyen gelich. 
2555 Nu wil ich uch doch sagen aen 

liegen 
\79 »] Das mich sere wonder nam aen 

driegen 



2B20. heyrnlich übergeschr. rucken üb. 
gestr. blicken. 

2521. sich n. Vnd zugeschr. u. n. liebe gestr. 

2522. der vor bfissen übergeschr. 
2526. hinder- üb. gestr. abe-. 
2529. er vor gieng übergeschr. 

2536. vnd v'aldet zugeschr., nachdem vnd 
vor veraset gestr. 

2539 zwischengeschr. 

2540. da von üb. gestr. waren; dafür werent 
nach geflogen zugeschr. 

2541. gangen üb. gestr. Wort (g . . . gen). 

2542. mit v'langen zugeschr. 

2543. also vor nit gestr. u. dahinter geschr. 



2548. in der weilt eng aneinander geschr. 
üb. gestr. aucb. 

2552 zwischengeschr. Infolgedessen muß 
v. 2551, der bei der ursprüngl. Fassung der 
Stelle (vgl. Note zu v. 2553) das Subjekt zu 
düchten (2553) gebildet hatte, noch zu dem vor- 
hergehenden Satz gezogen werden, ohne einen 
glatten Sinn zu ergeben. Da das Orig. 2549 
bis 2551 überhaupt nicht hat, ist das störende 
Yerspaar (2550 — 51) oben in Klammern gesetzt. 
Der Übersetzer von h hat von unseren 3 Versen 
auch nur den ersten (2549) übernommen. 

2553. Dz alle and'n a. M. zugefügt, geen 
yn übergeschr. 

2555. docb übergeschr. 



Unser Pilger fragt Gottes Gnade, wie das Meine Salcrament für so viele genügen könne. 59 



Das eine kleyne sache 
Ein groß ding erfüllen mag: 
Aber is ist noch ein merer wonder 
2560 Das viel grosser sachen und iec- 

liche besonder 
Von eyme kleynen mögen gelich 
Erfüllet werden genuglich. 
Alle der uffhab den ich sach da 

geben, 
Der was so kleine, duckte mich 
eben, 
2565 Hette ich zehen male so viel ge- 
habt 
Zu eyme essen, so enwere ich nit 

gesadt 
Und hette nit genug gehabt, 
Und wurden sij doch alle sadt 
Und davon gesediget und erfüllet: 
2570 Ir ieclichem mit einwenig gnüget, 
Und yeclicher mit wenig gnüg het. 
[80>-] Das det mich gar größlich ge- 

dencken 
Und auch myn verstentenisse 
krencken, 



Aber ich wiste nit zu wem reden, 
2575 Wo ich zu G-ots Gnade nit möchte 

reden : 
Doch gedörste ich nit nach bij sij 

gan, 
Dann ich. sag sij stan 
Zu ende des disches der da was 

bereidt, 
Da sag sij geben den uffhab den 
man deilt. 
2580 Doch gehertzette ich 

Und nahe bij sij machte ich mich. 
Da sij mich sag, balde sij sich 
umbgekert hait 
Zu mir und süsseclich mir hait 

gesagt: 
'Was suchest du hie? nu sehen 
ich wol 
[so«] Das dir aber icht bresten sah' 
2586 'Sicher', sprach ich, 'das ist war, 
Mir bristet genüg aen faer, 
Aber ich verstau nit 
Wie so viel luden gnügende ist 
2590 Der uffhab, der so gar deine ist, 



2557. a. R. als Merkwort wonder u. davor 
noch der Best eines abgeschnittenen Buchstabens 
bzw. Wortes. 

2564. Vor ducbte ist dz gestr. 

2565. ich n. Hette übergeschr. u. n. gehabt 
gestr. 

2566. nit gesadt hint. gestr. docb zugeschr. 

2567 lautete ursprüngl. Nit gesediget wor- 
den vnd bette noch; dann Noch vor Nit über- 
geschr. u. n. bette gestr. Der erste Teil Noch 
nit gesediget worden ist n. der Korrektur im 
vorigen Verse zu streichen vergessen. Der 2. Teil 
vnd hette bildet m. den Worten nit genug 
gehabt, die früher a. Anf. der folgenden Zeile 
standen, einen Vers, ioas durch ein Zeichen vor 
vnd u. nach gehabt markiert ist. 

2568. alle vor doch gestr. u. dahinter alle 
sadt zugeschr. 



2569. Vnd vor dauon a. B. zugeschr. 

2571 ist ein wegen annähernder Wieder- 
holung von 2570 an sich nicht glücklicher, aber 
dem Original 2703/4 (Un peil a cbascun soufisoit 
Et piain du peu cbascun estoit) näher stehen- 
der u. auch von h übernommener Ersatz für 
den gestr. Vers: Wie wonderlicb sich das ge- 
fugette. 

2572. größlich üb. gestr. sere. 

2575. Wo ich üb. gestr. dann. nit möchte 
über aber zu ir. 

2576. Doch a. B. zugeschr. nit noch Hs., 
noch nit h; Orig. 2710: N'osoie pas ne pres 
aler. 

3582. balde sij üb. d. Z. zugefügt, jedoch 

verwischt u. mehr rechts noch einmal übergeschr. 

2589. gnügende ist hint. gestr. genuglich ist. 



vor 2582 Bild (27) mit Überschrift rechts oben: Gods gnade Kedt zu dem pilgerin. 



60 



Gottes Gnade erMärt das wunderbare Wesen des Sakraments. 



Dann ich da mit alleine nit kette 

genug' 
Were sin zelienmale so viel mit 

gefüg; 
Und bij den ucli das ir mich dez 

underwijsen 
Und mir da von einwenig pre- 
digen.' 
2595 'G-ude frnnt', sprach sij, 'nu salt 

du verstan 
Und auch kein lang verdriessen 

han, 
Obe ich dich halden dich zu 

underwijsen ; 
Dan is dunckt mich dir noit syn 
Und sehen wol das is dir not ist: 
2600 Der uffkab der da gegeben ist, 
Eine stunt ist er fleisch und blut, 
Die ander zijt win und brot gut. 
[81'-] Das ist pilgeryn spise, 

Der sij nyessent in der wyse. 
2605 Fleisch und blut ist is in warheit 

balde, 
Aber als brot und win ist sine 

gestalde : 
Es ist war das is vor was 
Brot und win, aber du gesehe das 
Is inn fleische wart gewandert 
2610 Und auch inn blut verändert 
Durch Moysen, dem ich halff da, 
Dar umb Nature mit mir kriegte 

da 
Und sich zurnette gar heiße. 
Und obe ich is nu win und brot 

heisse, 
2615 So underwijse ich dich da bij 



Das fleisch und blut da bij ver- 
standen sij 

Von dir, und das gentzlich ge- 
leuben. 

Und dis sal dich auch nit be- 
wegen 

Das mit dem tasten bdir gesien 
[Si»]Odir mit riechen odir dem ge- 

smacke sien 
2621 Dich duncket brode und wine ge- 
liehen ; 

Dann die viere synne sint da 
gliche 

Gantz bedrogen und werdent auch 
da 

Vor dorheit gehalden, dan sij da- 
von nit wissent 
2625 Und geblendet sint und nit 

sehent : 

Sij geen slaffen, sij sint vefdoret. 

Aber der synne der da höret, 
alleyne 

Underwijset das verstenteniße ge- 
meyne, 

Der hait begriffe an dem ende. 
2630 Eiechonge, gesmack und ge- 
sehende, 

Die erkennent viel subtileclich 

Und vernement da inne lutterlich. 

Es ist lang daz das betzeichent 
wart 

An Esau und Jacob: 
2635 Dann Ysaack wenen wolte 
[S5']Von Jacobe, der yn spisen solte, 

Das es sin son Esau were. 

Dar an die vier synne sere 



2591 stellt zwischen 2589 u. 2590, doch ist 
durch Zeichen a. B. die richtige Ordnung an- 
gezeigt (a + neben 2589, b + neben 2590). 

2592. Vor Were ist vnd gest>: 

2597. Obe «. dich zugesclir. u. dafür dich 
umb n. halden gestr. 



2598 zwischengeschr. 

2599. Vnd vor gestr. ich. 

2601. stuat üb. gestr. zijt. 

2604 neben 2603 geschr. 

2606. sine über die. gestalde aus gestalt. 

2622. gliche zugesehr. 



Gottes Gnade erMärt das immderbare Wesen des Sakraments. 



61 



Yn bedrügent sicherlich, 
2640 Als du wirst gesehen follenclich 
So du das buch Genesis gelesen 

haist ; 
Aber an dem hören wart er nit 

bedrogen fast, 
Dan dar durch er erkante 
Das is Jacob sin son was, er da 
befant. 
2645 Also sage ich dir: wo du dich 

fldest 
Uff die viere synne und dich dar 

uff sturest, 
Gentzlich du bedrogen wirdest; 
Dann du dorlich dich verwenest 
Das das fleische sij wijßbrot 
2650 Odir das daz blut sie wyn. 

Die warheit davon kanstu nit er- 
finden 
[83"] Noch durch die synne nit ge- 
wissen : 
An das hören must du dich hal- 
den, 
Gentzlich gleuben und dich ver- 
lassen, 
2655 Durch yn wirstu die warheit 

wissen 
Und dich durch yn underwijsen. 
Er lernet dich aen spot 
Das is nit me ist win odir brot; 
Dann is ist das fleisch daz ge- 
strecket wart 
2660 Durch dich an daz crutze und ge- 
. hangen wart, 
Und ist das blut da mit bespreet 
Wart das crutze und gesweißiget. 
Und wiltu daz ye brot nennen, 
Wol wirdielich saltu is kennen, 



2665 So sprich, is sij das brot des 

lebens, 
Davon alle weit hait das leben. 
Also han ich myne gewonheit 
Das zu nennen inn der sprech- 
licheit : 
[83<-] Brot ichs nennen, brot ichs 

heissen, 
2670 Das von hymel qwam zu spisen 

die mentschen. 
Es ist das brot davon gespiset 

sint 
Alle engel die inn dem hymel 

sint; 
Es ist das brot das alle pilgerin 

eben 
Inn yren behalt sack sollen legen 
eben. 
2675 Hastu is in kleinre grosse ge- 
sehen, 
So han ich dich doch underwiesen 
Das du dich an din gesehen odir 

gesiebte 
Salt verlassen nichte. 
Das hören lernet das alleyne 
2680 Und bringet die underwisonge ge- 

meyne, 
Und dar umb mastu lernen dar an 
Von dem das du mich hast hören 
san. 
Liebe, die du haist hören reden, 
Hait nit viel geredt odir predigen: 
[S3v] Von dem brode die sache gewest 

ist, 
2686 Die durch sij erdacht ist. 

Sij das körn dar zu braicht hait 
Vom hymmel und uff die erde daz 
gesait. 



2641. Genesis 87, 1—89. 
2650. dz üb. d. Z. 
2670. die übergeschr. 



2673. das fehlt. 

2674. sack übergeschr. 



62 



Liebe hat das Brot zubereitet, unterstützt von Weisheit. 



Die erde, dar inn is wart gesait, 
2690 Wart nie gearen odir gearbeit: 
Durch hitze der sonnen wus is 

viel 
Und durch den dauwe, der dar uff 

fiel. 
Liebe det is yn die schüre fegen 
Und das inn eine fremde schüre 
legen. 
2695 Viel drescher das da fondent, 

Die das drieschen und wannetent. 
So viel das gedroschen und ge- 
wannet wart 
Das is von der spriehe gescheiden 

wart : 
Sin kleit wart ynie genommen, . 
2700 Also das is bloß und nacket wart 

vernommen. 
Dar nach wart is zu der mulen 
getragen 
[S4»']XJnd viel anders dan gewonlich 

waz genialen; 
Dann an den flugein der mulen 

was, 
Da ane kein lynen duche was, 
2705 Da wart genialen und gebrosemet, 
Geqwetschet, betrübet und ge- 

pyniget. 
Die mule waz zu dem wynde ge- 
macht 
Und mit dem winde des nydes und 
hasses genialen hait: 
Und wie wol die mule hatte steine, 
2710 Die nit weiche waren odir kleine, 



Steyne von hartem liden 
Und steine des lebens abesnyden, 
Mit den is vor wart zurbrochen 
Ee is inn die bynde wurde be- 

rochen. 
2715 Da is also genialen wart, 
Liebe da her vor tradt 
Und wolte da syn obenerynne 
Das brot zu machen, und becker- 

ynne. 
[84*] ir offen was lange gelich warm 

gewest, 
2720 Da inne sij das dan zu backen 

wyste ; 
Doch was so viel daz sij das nit 

gewenden 
Konde odir zu brode breiigen 
Und gesteilen. Das was ir gar 

leit, 
Aber sij erferte sich des zu male 

nit; 
2725 Dan ich wil dir sagen waz da ge- 

schach : 
An eine ander meisterynne sij ge- 
dacht, 
Die waz die aller subtileste, 
Si was auch die beste ■ 
Die in stadt odir in lande was. 
2730 Wijßheit sij genant was 

Über alle da sij erkantf was: 
Was nutsch das mentsch hette in 

gedancke, 
Sij konde is balde gemachen aen 

wencke ; 



2690. gearen aus gearet. 

2691. wtis üb. gestr. wz 
zu gestr. 

2693. is fehlt, eingefügt aus h. 
2697. n. das gestr. wart. 
2708. nydes vnd übergeschr. 
2715. vor wart gestr. g\ 
2720. zu übergeschr. 



2725. dir üb. gestr. uch. 
Vor viel ist 2728. n. auch gestr. Wort (g he). 

2729. was üb. gestr. mochte sin. 

2730. was zugeschr., nachdem mochte vor 
sij u. sin n. genant gestr. 

2731. Vor sij ist man gestr. erkante. was 
zugeschr. 

2733. aen wencke hint. gestr. wol. 



Weisheit hat das Brot scheinbar Idein gemacht und doch für alle ausreichend. 



63 



Lange hatte sij den synn gelernet 
wol 
2735 Inn den schulen inn irem lande 

wol. 
[SS'-] Sij konde is wol mit monde und 

hande 
Bas dan keyne in allem lande: 
Sij dede alle die weit, wann sij 

wolde, 
Inn eine buhsse, war sij solde, 
2740 Odir dede aen zaele 

Einen gantzen ohssen in eyn 

eigerschale. 
Und umb die subtilikeit 
Gedachte Liebe an sij also gemeit; 
Dann das brot daz sij machen 
wolte 
2745 Von dem genialen körn und be- 

reiden solte, 
Wolde sij das is also wiseclich 
Geroedet würde und so subtilec- 

lich 
Das is scheine kleine sin 
Und doch yeclichem genuglich 

möchte sin, 
2750 Das von einwenig mochte werden 

gespiset 
Yeclicher und wol da von ge- 
sediget. 
Da Liebe das hatte gedaicht, 
Balde, daz yr wille wurde follen- 
bracht, 
[S5"] Ist sij zu Wijßheit gegangen 



2755 Und hait so viel getan daz sij sie 

hait fonden: 
Sij hatte sich uff iren stule ge- 

satzt 
Und alle sache sie besehen hatte. 
Mit ir zu gan sie sij gebeden hait 
Das deig zu machen. 

2760 Wijßheit das brot hait 

Genialen, gekneden und gemacht: 
Inn maße Liebe das bescheiden 

hait, 
Also hait sij is zemale gemacht 
Und noch me subtilenclicher 

2765 Sij das machte und wisseclicher; 
Dann sij machte is über maße 

groß, 
Yeclichem zu geben stucke gros, 
Daz si davon wurden gespiset 
Und auch davon wol gesediget. 

2770 Wie wol das is groß scheyne, 

[S6»-]So machte sij is doch kleine, 
Und inn einen ldeynen besloß 
Det sij is haben sine maße. 
Und noch me subtileclich 

2775 Machte sij eine ander sache glich: 
Das von dem brode gebrochen 

wirt zu deyle, 
Und yeclich stucke und deyle, 
Sij sien kleyne odir groß, 
Das machte sij glich also groß 

2780 Als das brot zu male was. 
Nit wol gefiele ir das, 
Der die mit mir kriegende was; 



2735. wol zugeschr. 
2737 zwischengeschr. 

2738. n. wolde erst zugefügtes, dann aber 
wieder getilgtes aen zale. 

2739 — 4L diese 3 Verse durch Korrektur 
aus folgenden 2 Versen: 

Inn eine trahsse odir jnn eine eigerschale 
Dede' sij einen gantzen ohssen balde 



2747. Geroedet Jcorr. aus geknedet; heißt 
das 'gebräunt' oder ist in gerondet zu ändern? 

2753. von daz an übergeschr. üb. gestr. hait 
sij sich vffgemacht. 

2754. Ist sij Jcorr. aus vnd ist. 

2755. hait fehlt. 

2777. vor Vnd gestr. Is w.. 



64 



Natur ruß ihren Schüler Aristoteles herbei zum Einspruch gegen Weisheit. 



Dan sij nit weiß odir kan dan 

scheiden mere, 
Und is verdroß sij sere, 
2785 Und alder der krencket sij sere. 
Die dock qwam nit dare, 
Umb das sij myn hatte genommen 
wäre, 
[S6"]Dann sij föchte sich daz sij ge- 

scholden 
Und verstoßen wurde unvergolden. 
2790 Aber ich wil dir sagen was sij 

det: 
Eynen irer schnler sij suchen det 
Und schickete den zu ir zu reden, 
Sij zu scheiden und zu straffen 
mit reden. 
Da Aristotules kommen was, 
2795 Vor yr sagete er sinen grüß, 
Dar nach sprach er in solicher 

maße: 
'Frauwe Wijßheit, zu uch hait 

Nature 
Mich gesant zu reden und uch zu 

sturen 
Und uch der übergriffe zu under- 
wijsen. 
2800 Ir ist gar leit das ir also laßent 

risen 
[S7'-]Und brechent yre ordenungen 
Und machent da mit anderongen, 
Und auch gefellet es mir nit wol, 
Wie wol ich uwer frunt sin sal 
2805 Und ir auch sint myne frundynne. 
Doch dar umb wil ich is nit laßen 

sin, 
Ich sagen das ich davon weiß: 



Ir wissent wol das is nit billich ist 
Das das vaß odir das huß deiner 
ist 
2810 Dann das das da inne sal sin. 
Das ander obe ich durch argu- 

mente 
Die lüde wolde dun verstau und 

wenen 
Das ein palast odir eyn münstere 
Eyn kleyn notstalle were, 
2815 Wenig sohlen sij myn rede 
Vor war achten und versteen, 
Die wijsen, und spottent dar zu 
myn 
[sr»]Und hieldent mich ein drieger sin. 
Diese Sachen hant ir hie getaen 
2820 Mit dem brode das ir verstalt 

han; 
Dann die spisen die da inne sint, 
Davon alle lüde gespiset sint, 
Die in der werlt nit sin enmochte 
Und der hymmel nit follenbringen 
mochte, 
2825 Hant ir nu getaen und beslossen 
Mit eynre verkerten massen 
In also kleynen besluß 
Und in ein cleynes huß, 
Und weren ir xiiij in myner 
handt, 
2830 Ich behielde die wol zu hant. 
Das mag ich nit wol gelyden, 
Noch Verstenteniße mag daz nit 
vermyden, 
Und ist auch nit groß wonder 
Obe Nature sich des auch ver- 
wonder : 



2793. Tu Hs., Sie h. 



[2834.] Kustode unten auf Bl. 87 1 »: Aber 
hettent ir also. 



vor 2794 Bild (58) mit Überschrift: Aristotules redt mit wißheit. Aristoteles in 
blauem Gewände, mit braunem Barett, hat beide Bände zu seinem Vortrage erhoben. 



Aristoteles und Weisheit disputieren über das wunderbare Brot. 



65 



[S8>-] Aber hettent ir also viel getan 
2836 Und ir is hettent mögen dun 
Das die wonunge were so groß 
Als die spise da inne ist groß, 
Odir das die spise were als kleine 
2840 Als das huß ist in gemeyne, 
So wolde ich is wol lijden, 
So wolte is Nature auch ver- 
myden. 
Uff die ander sijtte were es uwer 

ere 
Das man aen bedrug wüste mere 
2845 Wie groß das die spise were, 
Das man nit dar an dorffte ent- 

raden mere. 
Noch mich daz auch sere mühet, 
Und Nature des auch nit geswiget, 
Sijt das ir an dem aller meysten 
2850 Daz beweret ist und erwysen, 
Feie hant und den verwiß 
■ Und daz hant wyderwyset. 
[sä»] So han ich auch nit gewist 

Noch nit anders me hören sagen 
2855 Und auch nit han gesehen bij 

mynen tagen 
Dann das eine gantze sache, 

welicherleye die were, 
Te grosser were dan sinre deile 

eins were. 
Aber ir hant die deyle nu ge- 
macht 
Das sij als groß sint als daz gantz 
zu male waß: 



2860 Das ist nu ein grosser übergriff 
Wieder Nature und auch wieder 

mich. 
Das ist dar umb ich bin kommen 

her 
Und dar umb ich bin geschicket 

• her. 
Nu lugent was antwert gebeut ir 
der 
2865 Die mich hait gesant her!' 

Da Aristotules also geredt hatte, 
Wijßheit yn angelachet hait: 
'Frunt', sprach sij, 'du mich 
nennest 
Frundynne umb daz du mich er- 
kennest, 
[89 r] — Tj ar an i ias t u k e i n verlust ge- 
nommen, 
2871 Dan dar durch ist dir din guts 

bekommen — 
Du soldes. dich wol besynnen, 
Obe du woldes, und auch ge- 

dencken bynnen 
Das ich ettwan zwo schulen ge- 
halden han, 
2875 Da inne ich dich und Nature ge- 
lernet han; 
Dan Gnade Gots wolde is also han 

gehabt, 
Und sij mir das auch geordenieret 

hat. 
Inn der eynen lernte ich machen 
Und arbeiden manicherleye Sachen 



2846. man übergeschr. dorffte entraden 
mere üb. gestr. me were. 

2847. dz übergeschr. 

2848. Vnd üb. gestr. das. auch übergeschr. 

2849. an übergeschr. dem aus den. Orig.: 
ma maxime appronvee. 

2850 zwischengeschr. 
2852 zwischengeschr. 
2854. and's übergeschr. 

Doutselie Texte des Mittelalters. XXV. 



2856. Dan a. B. zugeschr. leye n. Ver- 
änderung von weliche in weliohe' übergeschr. 

2857. das erste we' übergeschr. 

2866. hatte vor geredt gestr. u. dahinter 
zugeschr. 

2867. hait n. yn gestr. u. a. d. Schi, gesetzt. 
2869. erkenest üb. gestr. lieb best. 

2871 von dar an übergeschr. üb. gestr. du 
bist mir willekämen. 

2873. bynnen zugeschr. 

5 



66 



Aristoteles und Weisheit disputieren über das wunderbare Brot. 



2880 Und auch fronide saclien üben, 
Die auch subtile und hubschlich 

prüben. 
Und da was die erste inne 
Nature, myne schulerymie. 
Da wijsette und lerte ich sij viele 
2885 Edel hantwerck und auch subtile, 

Als da zu machen floretten, 
[89"] Hübsch gesmeltze, rosen und 

violetten 
Und ander züchtliche künste, 
Davon ytze zu sagen nit not ist. 
2890 In der ander schule lernette ich 
Verstentenisse und underwijsette 

sij 
Arguieren und disputieren, 
Urteln und underscheiden schiere 
Das gude von dem bösen 
2895 Und die rechte und gesetze zu 

kosen; 
Dann dar zu was geschetzet 
Die schule und gesetzet. 
Da was myne wijse dochter 
Kunst, die ist also subtile 
2900 Das sij da das gespreche behende 

Melde 
Und schickete da die argumente. 
Umb der selben liebe willen du 

da were behende 
Inn der schulen und auch dar 

qweme sere; 
[90 >•] D a machte du viell uff und nieder 

mere, 



2905 Das sij dir zu eygen wart sieder: 
Dar nach qweme du dicke wyder. 
Inn der schule ich dich geleret 

habe, 
Und da were du myn lereknabe, 
Und da worde dir geöffent mit 
küntlicheit 
2910 Der nature alle heymelicheit; 
Dann was ich Nature 1er ete, 
Zu stunt dar na ich dir daz uffen- 

berte, 
Nit das du da mit icht dun 
möchtes 
Dan das du das wol zu urtelen 
wüstes. 
2915 Soliche ere und auch die frunt- 

schafft 
Bewijsetten wol das ich dine frun- 
dynne was. 
Und die wijle du nu und Nature 
Sint gewest under myner hüde 

sture 
Und gelernet hant in mynen 
schulen 
2920 Und auch da inne wol fulen 
Hübsch wercke und schone wort, 
Sehent ir mich irren nu vort, 
[öo»]So soldent ir das von mir ver- 
tragen 
Und uch bedencken zu allen dagen 
2925 Und auch da bij gedencken sin 
An einen kempen der die kunst 
sin 



2887. Vor rosen ist von gestr. 

2894. zu Anf. wieder gestr. von dem 
üb. gestr. vnd dz. bösen aus böse. 

2895. die üb. gestr. zu inachen. rechte 
aus recht. vor gesetze gestr. s. zu kosen 
a. ScM. zugeschr. 

2896. ge in geschetzet übergeschr. 

2897. gesetzet üb. gestr. geordent. 

2901. schickete üb. gestr. fugette. 

2902. behende zugeschr. 



2904. mere zugeschr. 

2905. Eygen üb. gestr. Wort (d ). 

2906 zivischengeschr. 

2909. worde aus wart. geöffent mit 

übergeschr. 

2914. zu übergeschr. 

2916. dz hiwt. das schwarz gestr. 

2918. stüre zugeschr. 

2920 zwischengeschr. 

2923. das üb. gestr. uch (?). 



Aristoteles und Weisheit disputieren über das wimderbare Brot. 



67 



Einen armen gelernet hatte 
Und des sinen dar umb nit ge- 
nommen hatte. 
Dan da sij inn ein feit waren 
kommen 
2930 Von anbrengen zweier hertzogen 

frommen, 
Di da yn verbieden woldent 
Das ire, dar umb sij crieg haben 

soldent, 
Der meister, der da was 
Me wiser dan der lereknabe was, 
2935 Den lereknaben sprach er an, 
Zu yme zu reden fieng er an: 
"Waz ist daz", sprach er, 

"komment uwer zwene gemeyne 
Wieder mich und bin ich alleine? 
[M'']Das geschag nie von grosser 

konheit 
2940 Noch von frommer manheit." 
Da der nu hindersich gesach 
Wer der andere were, 
Da gap der meister yme solichen 

slag 
Das er uff der erden vor yme dot 

lag, 
2945 Und sprach: "ich noch nit gelert 

habe 

Alle myne synne myne lere- 
knaben : 

Es ist dir hude nit wol bekommen 

Das du bist her wieder mich 
kommen." 

Also sage ich uch, so uch behude 
Got: 
2950 Wenent ir dann aen spot 

Das ir mir alle myne kunst abe 



Und ich uch alle myne synn ge- 
lernt habe, 
Und das ich das myne alles enweg 
habe geben 
Und ich nuscht behalden habe 
eben? 
2955 So dedent ir mich übel zu 

kommen, 
[9iv~\ Als ich sieben, hette ich nyt et- 
licher massen 
Behalden da mit ich zu guder 

masse 
Mich gheen uch mochte beschuden. 
Dan zu dem ir mir böses dunt, 
2960 Straffent ir mich mit böser kunst, 
Mit bedruge und bedrugnisse 
Durch gebresten des verstente- 
nisse. 
Nu sage mir, were ich eine 

kremerynne 
Und wijsette dich einen hübschen 
seckel fin, 
2965 Den ich dir wolde geben, 

Und spreche dar nach zu dir 

eben: 
"Dis ist das ich dir gegeben hau, 
Drag yn enweg, du dust mir liebe 

' dar an!", 

Were es also daz du yn enweg 
druges 
2970 Und das is sich dar nach fuget 
Das du da inne fundest schiere 
Sehs gülden, funffe oder viere, 
[92>-] "Worte dar umb beduncken dich, 

Obe des geswiege ich, 
2975 Daz ich dar umb eine driegerynne 

were?' 



2942. Wer aus were. 

2964. dich übergeschr. 

2968. einweg Hs., wohl aus einwenig: 



aus n Tiorr. u. dann Basur; i in ein zu streichen 
vergessen. 



68 



Aristoteles und Weisheit disputieren über das wunderbare Brot. 



'Nein sicher', sprach Aristotules 

here, 
'Aber mich duckte bas 
Das eine frijhe gäbe were das 
Von liebe und von grosser ere.' 
2980 'Sicher', sprach sij, 'das ist 

auch also 
Mit dem brode, das ich also 
Subtile han dun machen 
Und so hübsch dun backen: 
Dann ussen han ich nit schynende 
lau 
2985 Den grossen schätz den ich da 

inne verborgen han. 
Ich han jnne viel behelteniß 
geben, 
Das die armen desta richer leben; 
Dan were daz ussen bewijset, 
Niemans sich da mit spiset. 
[92 »] Liebe hait das also geordenieret, 
2991 Die der armen lüde gar sere be- 

duret. 
Da inne ist kein bedrügnisse, 
Sonder ist gemacht von erberm- 

nisse. 
Aber hette ich yme ussen geben 
2995 Grossen schyn und da bynnen nit 

viel guts eben 
Were gewest, das man achten wil, 
So mochtes du mich straffen viel 
Und umb bedrügnisse scheiden 

sere, 
Das were mir eine kleyne mere. 
3000 Noch wil ich anders antwerten 



Das is nit ist bedrogenclich getan 
Obe der schyn vor den äugen 
klein ist 
Und is doch bynnen groß ist; 
Und ich wil das daz gantz glaubt 
sij 
3005 Und das auch davon kein ander 

gedang sij. 
[93>-] Wolde ich aber des nit 

Und das ich daz anders machte 

icht, 
So mochtest du viellychte 
Mich straffen umb ungeschichte. 
3010 Nu sage mir mee, des bijden 

ich dich, 
Der du hie umb myn werck 

straffes mich 
Und sprichest das is nit billich sij 
Das daz huß odir das vaß kleiner 

sij 
Dann das das da inne ist, 
3015 Hastu nie gesehen zu keiner frist 
Von des mentschen hertzen die 

grossen 
Ussen odir innen entbloeßen?' 
'Ja', sprach er, 'werlich, 
Ich han is wol gesehen sicher- 
lich.' — 
3020 'Nu sage mir uff die truwe din: 

Wie groß duchte dich is sin?' 
[93"] 'Sicherlich', sprach er, 'nit gerne 
Ein klein fogel, der einwenig 

hoingerich were, 
Mochte sich davon gesedigen sere; 



2978. vor eine gesir. is. 

2984. hau ich übergeschr. lau hint. gesir. 
ist u. erst eugeschr-, dann wieder getilgtem dün. 

2985. Den aus Der, grossen aus grosse, 
den ich üb. der u. v'borgen han hint gestr. ist. 

2989. Nach sich ist g'ne gestr. 
3000. ich n. wil übergesclir. u. a. Schi des 
Verses gestr. 



3005. and' gedang üb. gestr. ahegang. 

3007. ich dz üb. d. Z. zugeschr. 

3024 Tcorr. aus: mochte danon gesedigen 
sich; vor gesedigen in der neuen Fassung irr- 
tüml. ein n. dem vorangegangenen nit gerne 
(v. 3022) su streichendes nit eingefügt. 



Aristoteles und Weisheit disputieren über das wunderbare Brot. 



69 



3025 Dann is ist kleyne und nit groß.' 
Sij sprach: 'ich frage dich aber 

baß: 
Weistu icht sine begriffelicheit, 
Wo myde is mochte vernüget sin 
und gemeyt 
Werden odir das is erfüllen 

möchte?' " 
3030 'Sicher', sprach er, 'is nit dockte 
Das zu erfüllen oder zu sedigen, 
Zu spisen und auch zu vernugen: 
Die gantze werlet daz nit gedun 

möchte, 
Obe is das wol nach sinem willen 
hette.' 
3035 'Nu muß doch', sprach Wißheit, 
'Erfüllen haben genüglicheit, 
Das findestu, odir aber is muste 
falsch sin 
[94>-] Als du haist gesprochen die rede 

din, 
Da du spreche das bewert sij 
3040 Das in der werlde nuscht leres sij, 
Dann is von ettlichen Sachen er- 
füllet muß sin, 
Odir aber is muste lere sin.' 
'Dar zu', sprach er, 'sagen ich 

myn wort 
Das ich gewenet han und meynen 
vort 
3045 Das ein gut daz das oberste ist, 
Das wol machen sal das is gelich 
fol ist.' 



'Sicher', sprach sij, 'du haist recht 
gesait 

Und da mit nit missegriffen 
gehait, 

Dann is muß sin daz is grosser 

sij, 
3050 Wie wol das die weit nit gros sij, 
Und ist also in der werlt be- 
sessen, 
Mag nit sin is sij auch ront ge- 
goßen.' — 
'Zware dar wieder siecherlich 
Zu male nit kan gereden ich.' 
[94V] frj n (i wye', sprach sij, 'wurde die 
weit dar in gelaicht, 
3056 Inn ein hertze das so kleynen be- 
griff hait? 
Da muß von rechte billich sin 
Das das huß mynner muß sin 
Dann das gut das dar inn ist ge- 
lacht, 
3060 Und also ist falsch daz du haist 

gesagt. 
Noch wil ich dis inn andern weg 
UfEentlich bewijsen siecht: 
Orecken und Athenis han ich ge- 

sien 
Und dicke da inne gelegen in 
myme synn. 
3065 Nu sage mir wäre, obe du is 

wissen macht, 
Wie wijt das ieclichs begriffen 
hait, 



3028. vnd übergeschr. 

3033. nit vor gedun übergeschr. u. dahinter 
gestr. 

3040. nuscht vor leres übergeschr. u. dahinter 
nit gestr. 

3041. is übergeschr. erfüllet muß sin üb. 
gestr. is w . . . . 

3042. su Anf. erfüllet gesir. muste lere 
sin üb. gestr. geleret wirt. 

3043. sprach er übergeschr. 



3044. meynen üb. gestr. wene. 

3046. wol übergeschr. 

3053. Zware üb. gestr. Sicher. Nach wieder 
ist ich gestr. 

3055. wye üb. gestr. w..e. 

3063. Grecken] Siürzinger liest mit 2 Hss. 
Eomme , die meisten haben das wegen v. 3068 
u. 3082 (stede!) und überhaupt in dem 2m- 
sammenhange anstößige Grece. h auch: Greeken. 



70 



Aristoteles und Weisheit disputieren über das wunderbare Brot. 



Obe da viel Studenten sien 
Und wie groß dye stede sien!' 
'Sicher', sprach er, 'is gedencket 
mir wol 
3070 Das sij groß sint und genug 

kommen dar 
Studenten und ander schuler 
[95 >•] Und lüde von allen kantwercken 

sere.' 
'Nu sage mir', sprach sij, 'wo 

hastu hin gelacht 
Alle die grosse die du mir haist 
gesagt?' — 
3075 'In myn gedechtenisse han ich sij 

gelacht.' • — 
'Sicher, is hait mir wol gedacht: 
Wiltu dar umh uff mich sliessen, 
Das solde mich verdriessen, 
Ist gedechtenisse in dem heubt din 
3080 Beslossen inn eyine ende kleinre 
dann da ist daz heubt din, 
Da inne du beslossen haist 
Zwo grosse stede mit der 

Studenten last. 
In dem appel des äugen myn 
Ich dich des auch wil lassen sien: 
3085 Sich dar wie kleine der sterne ist, 
Da inne doch din angesichte zu 

male schinende ist, 
Din angesicht zu male gentzlich, 
Als du das magst sehen uffentlich. 



[95»] Gesieck auch inn einen Spiegel, 
3090 Da sistu din antlitz aen driegen, 
Und was auch dar umb ist, 
Das sichstu auch zu der selben 

frist ; 
Und wiltu yme noch anders dun 
Und din argumente auch bas be- 
scheiden dun, 
3095 Das du sprichest daz ich dir ge- 

felschet habe 
Und auch widerwijset habe 
Da von das yeclich stucke daz da 

riset 
Von dem brode, als groß sich er- 

wyset 
Als das gantze brot zu male, 
3100 So brich du den Spiegel in viel 

stucke über al 
Und sich dar nach in ieclich 
stucke : 
So sistu din antlitz alzu male 
Als wol als in dem gantzen 

Spiegel über alle, 
Da doch auch nit me dan ein 

angesicht waz!' 
3105 'Nu', sprach er, 'frauwe, sagent 

mir: 
[96 r ] "Was subtilen synnes hant ir? 
Versteent ir das weselich 
Odir anders dan dugentrich, 
Die Sachen die ir hie gesagt hant 



3068. dye üb. gestr. bede. 
3070 Jcorr. aus Das sij groß vnd genug 
dar körnen sint. 

3083. appel üb. gestr. sterne. 
3085. sterne übergeschr. 
3088. vffentlieh liint. gestr. eigenclich. 
3094. bas gleich übergeschr. 

3096. habe zugeschr. 

3097. ich hint. das n. d. Korrelctur im fol- 
genden Vers zu streichen vergessen. 



3098. sich erwyset üb. gestr. machen vber 
alle. 

3100. vber al sugeschr. 

3107. n. das in der Ss. ein zweites das, 
icelches bu sireichen ist, falls nicht wie im Orig. 
ein Verbuni zu das . . . die Sachen eingesetzt 
wird. (Orig. 3223 : Soient mises.) h: versteent 
ir daz, daz al die Sachen localiter, weselich . . . 
an die ende getan vnd besloßen synt. 

3109. hant vor gesagt gestr. u. dahinter 
sugeschr. 



Aristoteles imd Weisheit disputieren über das wunderbare Brot. 



71 



3110 Und mit worten besloßen hant? 
Dar nach wolde ich uch ant- 
werten 
Odir auch dar nach swigen.' 
'Sicher', sprach sij, 'wesenlich 
versten ichs nit, 
Dan anders: mit wesen der dugent 
verste ich die eine 
3115 Und gedencklich die ander 

meynen, 
Und eindeil bewijsentlich 
Versteen ich, ettliche flißeclich; 
Und das yetzont also gare 
Ist nit not zu wissen zware, 
3120 Dan alleine di bij zeichen 

Ich dir geben han zu underwijsen 
Und dich das balde dun verstan 
[■96»] Und dich balde wijsen und ge- 
lernet han 
Wie under einre kleinen figure ist 
3125 Grosse spise in der selben gewist. 
Gelich als in manicherhande wijse 

sint 
Diese Sachen und in kleinen enden 
behalden sint, 
Also ist auch in dem brode gut 
Siecherlich beslossen daz oberste 
gut, 
3130 Nit alleine nach geechtlicheit, 
Noch auch nit nach betzeichlicheit 



Und auch nit alleyn nach wesen 
dügenclich, 
Sonder is ist da inne liplich 
Und auch da bij redelich, 
3135 Gheenwertig und gewerlich, 
Aen alle ander glichenisse 
Und aen bedrugnisse. 

Die sache war umb daz also ist 
Begriffen, einßdeils nu vorerzallet 
ist. 
W >•] Dann umb das daz hertze also 

dein was, 
3141 Han ich das brot auch also dein 

gelas, 
Und umb sine grosse begrifflicheit 
Das oberste gut da inne begriffen 

steit ; 
Das große zu gros, das dein zu 
dein 
3145 Han ich recht gemacht, eins dem 
andern glich zu sin: 
Dann dar nach als das hertze ist, 
Also yme sine spise auch bestalt 

ist: 
Ist das dein, so hait is dein brot; 
Wut is genug han, es is da inne 
findet 
3150 Das es gesedigen mag, 
Erfüllen und gespisen mag. 
Und da inne ist kein übergriff 



3114. v'ste ich die aus v'sten ich dz. 

3115. die üb. gestr. ich das. dz hint. ander 
übergeschr., aber besser wieder zu streichen. 

3117. ettliche übergeschr. 

3118. also übergeschr. 

3123. gelernet han üb. gestr. leren. 

3126. sint zugeschr. 

3127. vnd übergeschr. in kleinen das 1 
übergeschr. 

3129. lieh in Siecherlich übergeschr. be- 
slossen üb. gestr. behalden. 



3130. Orig.: imaginaument ; h: achtunge. 

3131. Noch auch a. S. zugeschr. 

3132. Vnd auch a. B. zugeschr. alleyn 
übergeschr. 

3140. dz vor hertze übergeschr. u. dahinter 
das gestr. 

3147. auch übergeschr. 

3149. is vor es schwarz gestr. u. dahinter 
übergeschr. 



Aristoteles erlcennt, daß sein Einspruch vergeblich, und erstattet Natur Bericht. 



Obe ixmh die Sache daz huß 

mynner und kleiner ist 
Dan das gut das dar inn begriffen 
ist. 
3155 Und obe ich, als du meynest, 
Hette eyniche ubelstende sachen 
getan, 
i 9 ?"] Dar an du nit wöldest eyn gnügen 

han, 
Mit den reden die du mich haist 
hören san, 
So sagen ich dir daz ich nit sal, 
3160 Ich enwolle dann, dir dar umb • 
antwerten zumale; 
Dann konde ich nit gemachen wol 
Odir das ich ettwan schöner sache 

mechte 
Dann andern die da weren 

hoffelich 
Odir auch die weren wunderlich, 
3165 So were ich nit meisterynne 
Der andern und lererynne: 
Also das du hörest myn antwert 

hie! 
Und wiltu, so verkünde die 
Naturen, der kamerynnen 
3170 Gots Gnaden, mynre schülerynnen! 
Dan umb iren willen wolde ich 
nit laßen 
Was ich dun wolde zu guder 
massen. 
Umb liebe willen wil ich alletzijt 
dun 



[98>-] "\Yas ir lieb ist das ich kan 

gedun: 
3175 Dar an ist mir nutscht zu viel, 
Ich dun is aen vertziehen viel.' 

Da Aristotules das hatte gehört, 
Gelich dötlich antwerte er mit 

worte : 
'Werlich, ich entfinden wol 
3180 Das ich an uch nutsch gewynnen 

sol. 
Is ist besser das ich enweg ghee 
Dan daz ich tuschen uch arguiere 

me. 
Ich gan enweg; was ir wollent, 
daz dünt! 
Ir des guden Urlaub hant.' 
3185 Also gienge er enweg 

Zu Nature und saget ir siecht 
Den synne den er in yr fonden 

hatte, 
Und wie er sich von dannen ge- 

scheiden hatte. 
Nature sich da sere leyt, 
3190 Sij mochte nit baß, daz was ir 

leit. 
[9S"] Da Gnade mir hatte also ertzelt 
Tre schone reden von irer gutheit, 
Grossen willen und begirde gewan 

ich 
Des brodes zu haben und zuessen, 
duchte mich. 
. 3195 'Frauwe', sprach ich, 'ich bijden 
uch von hertzen sere 



3153. Obe vmb die sache üb. gestr. wann 
vinb solichs. 

3154. begriffen üb. gestr. gelaicht. 

3157 üb. gestr. Das ich nit solde genug 
bewijset han. 

3160. dar vmb übergesehr. 

3164. die übergesehr. 

3165. So üb. gestr. vmb ... nit übergesehr. 

3166. Der aus vnder. 



3168. die üb. gestr. sie. 
3170. vor mynre gestr. vnd. 

3172. Was üb. gestr. das das. guder 
übergesehr. 

3173. wille übergesehr. 

3174. eu Anf. vnd gestr. 

3187. in yr fonden üb. gestr. da gehört. 

3188. wie üb. gestr. war vmb. 
3192. Yre üb. gestr. Die. 



Der Pilger begehrt das Brot. Gnade rüstet ihn mit Saclc und Stab. 



Das ir von dem uffhabe Moyses 

ere 
Mir wollent dün geben 
Myn leres hertze zu erfüllen eben. 
Es ist lange zijt lere gewest 
3200 Und noch nie erfüllet gewest, 
Dann es noch nie wissen wolde . 
Wo mit man is erfüllen solde.' 
'Sicher', sprach sij, 'dine 

begeronge 
Und auch dyne heysschonge 
3205 Halden ich nit vor unredelich: 
Das brot ist dir sere bedürffelich 
Zu dem wege den du haist zu 

dun, 
Umb daz du den mögest follen- 

brengen und gedün. 
Und ee du magst kommen an die 

stadt 
[99 <■] Da din wille hien begeret hait, 
3211 Durch viel bösen landes du gan 

wirst 
Und manichen bösen wirt finden 

wirdest, 
Also das du dicke viel arbeit 

gewynnes 
Wo du des brodes nit bij dich 

nymmes : 
3215 Und dar umb mynen Urlaub haist 

du 
Das zu nemen wann so du wilt, 

nü. 
Aber doch so ist es recht, 



Als ich das finde im gesetze recht, 
Das du vor habest alles das 
3220 Das du da vor geheischen has. 
Das ist din hornfessel sack und 
der stabe 
Davon ich dir vor gesagt habe 
Das ich dir daz in myme huse 
In zijt bestellen wolde, hettestu 
süß 
3225 Das ander in myme huse gesehen, 
Die hübsche sachen die ich nit 

alle lassen sehen 
[99"] Alle lüde und spehen. 

Nu han ich die Sachen gewijset 
Einßdeils und geuffenbaret: 
3230 Ich bin bereit aen helen 
Dir zu halden aen feien 
Die glubde die ich dir vor han 

getan. 
Wallesacke und stab solt du han 
Wanne das du wilt: 
3235 So magstu dar inn dun, obe du 

wilt, 
Das brot din 

Und dar nach als gut pilgerin 
Dich machen uff dinen weg ferre.' 
'Frauwe', sprach ich, 'ich dancken 
uch sere! 
3240 Das ist alles myn begir. 

SchafEent das solichs balde werde 

mir, 
Dann ich ylen sere zu gan! 
Is ist mir vaste spade nü zu gan 



3196. ere hint. schwarz gestr. mir. 
3201. es üb. gestr. ich. 
3204. 3208 zioischengeschr. 
3209. Vnd üb. gestr. Dan. 
3214. bij dich üb. gestr. mit dir. 
3216. du aus do. nfi aus du. 
3221. sack übergesehr. der aus den. 
stabe aus stab. 



3222. han vor gesagt gestr. u. dahinter 
habe zugeschr. 

3226. alle übergesehr. 

3229. vnd zu Anf. gestr. u. n. Einßdeils 
übergesehr. 

3232. vor übergesehr. 

3243. ist üb. gestr. wirt. vaste übergesehr. 

[3243.] Kustode imten auf Bl.99«: Ee dz 
ich mich vff de weg. 



74 



An dem Sack (Glaube) hängen zwölf Schellen. 



S' 



/ 

■■'-ff 



[iOO'-]Ee das ich mich uff den weg ge- 
lacht han; 
3245 Dan die hübsche stat ist gar 

ferre 
Da hin ich bin uffgewecket zu 
gene.' 
Zu stunt an ein ende das sij 
hatte, ' 
Da sij viele hübscher kleynot 

hatte, 
Aen hindern sij mich fürte 
3250 Und uß einre leisten, die ir uff 
zu dun geburte, 
Hait sij getan den sack und den 

stab. 
Noch nye man noch frauwe hait 
So Weiderichen sacke gesehen ge- 

dragen 
Noch sich an solichen stab ge- 

stüren noch gehalden, 
3255 Dar uff is sich dorste fyden 

balde. 
[100"] Die schöne und gute von yn ych 
Besag gar eygenclich, 
Des ich uch auch nu nit ge- 
swigen, 
Das ich davon nit sagende sie. 
3260 Der sack von grüner syden was 
Und an ein grün weppe ge- 
hangen waz 
Und was behangen mildeclich 
Mit zwolff schellen silber glich. 



Der sij smiedete, 



ein gut meister 
was, 



3265 Und yecliche ußgekornet was, 

Und uff yeclicher ußkornunge p'- ; 
Was sundeiiiche schribonge, r 

Die ich uch nu sagen wil 
Als ich die mit mynen äugen sag 
uff daz ziel. 
3270 An der ersten geschrieben was: 
Got der vatter (als mich duchte 

das) 
Den hiemel und die erde er ge- 
schuff 
[10P] Uß nichte, dar nach er den 

mentschen beschuff. 
[loh gleuben inn Got vatter, al- 
mechtigen schepper des Meineis und 
der erden,] 
An der zweitten: Got der son, 
[Und in Jhesum Cristurn, sinen eyni- 
gen son, unsern kern,] 

3275 An der dritten: Got heiliger 

geist. 
Aber die drij wonderliche Sachen 
Dadent mich gar sere erschreck- 
lich machen, 
Dann sij sich so gar nahe zu 

sammen slossen 
Das sij schienent eins sin in einer 
massen, 
3280 Dan allein an den drien sag ich 
Einen mantel, der dienete den 

dreyen glich. 
[Der entphangen ist von dem hei- 
ligen geiste,] 
An der vierten schellen ge- 
schrieben ist: 



[3273 b.c.] des u. der übergeschr. 

3281. mantel] Der Übersetzer hat das Orig. 
(un martel) nicht verstanden; h richtig: eynen 
klnpeL ,. ■ , 



3256. ych ans ich(?). 

[3273 /f.] Die einseinen, im Text durch 
Klammern und kleinere Schrift gekennzeichneten 
Glaubenssätze (welche das Orig. überhaupt nicht, 
h_in ]MeimscJm:..jrcissunfj^ hat) sind in der Hs. 

rot eingefaßt. 

vor 3247 Bild (29) mit Nebenschrift rechts: gots gnade gibt dem weller den brotsaek: 
durch den brotsack ist verstände der heilige glaube. Gottes Gnade überreicht dem Pilger 
den wunderbaren Stab und Sack. 



Von den Schellen am Sack (zwölf Glaubensartikel) und vom Stab (Hoffnung). 



75 



Gottes son, Jhesus Crist, 
[lop] Von hiemel uff die erde kommen 

ist 
3285 Und auch entphangen von dem 

heiligen geist, 
Mentsche worden und von der 

magt geborn ist. 
[Geborn uß Marien der jungfranwen, 
gelieden under Poncio Pilato,] . 
An der funfften: er gemartert 

wart 
Vor die sunder und an das crutze 

gelaicht, 
Gewondet, gestorben und 

begraben. 
[Gecrutziget , gestorhen und begra- 
ben,] 
3290 An der sehsten: nider gestiegen 

ist 
Abe in der hellen list 
Da uß zu nemen sine f runde 
Und die inn daz paradis zu 
fürende. 
[Abesteig zu der hellen,] 
An der siebenden: uff erstunt. 
[An dem dritten dage ufferstunt,] 
3295 An der achten: uffsteig in den 

hiemel, 
Zu der rechten handt des vatters 
gesessen 
[102 •■] Zu richten die doden und die 

lebendigen. 
[Uffsteig zu den hymeln, sitzet zu 
der rechten haut Godes, des almech- 
tigen vaders, dannen zu kfmfftig ist 
zu orteiln die lebendigen und doden.] 
An der nunden was geschrieben: 
Die heilige cristen kirche eben 
3300 Mit den heiligen sacramenten, 
Die da inne sint geseneten. 

[Ich gleuben in den heiligen geist, 
in die heilige kristliche kirche,] 



An der zehenden: die vereyni- 

schafft 
Der heiligen und die gemeyn- 

schafft 
Und der sunden ablaß 
3305 Durch den dauff und buhße. 

[Gemeynschafft der heiligen, ablaß 
der sunden,] 

An der eylfften: ufferstenteniße 
[102<>] Au er doden, die zu gerichte 
Mit libe und seien komment 
gliche 
Und da ir urteil horent suchte. 
[Ufferstenteniße des fleisches] 

3310 An der zwolfften: der Ion 

Der woldaet und auch straffonge 

don 
Die das übel hant getaen 
Und keinen ruwen dar umb ge- 
habt hant. 
Das ist von den schellen die ge- 
schrifft, 
3315 Die da an hait yren begrifft: 
Da an yre schone hubscheit 
Sehent, die dar an ist geleit! 
[Und das ewige leben. Amen.] 
Nu wil ich uch aber sagen von 
dem stabe, 
Wye der eine ander gestalt habe. 
3320 Er was licht, starck und siecht, 
Von eyme holtze gemacht recht 
[103 >•] Das zu keinre zijt nit fulen mag 
Noch von füre nit vergan mag. 
An dem ende oben hait er einen 
knopp schon 
3325 Von eyme ronden Spiegel 

luchtende schon, 
Da inne man lutterlich gesag 
Ein landt, wie ferre das lag: 
Es was kein so verre landt, 



3288. Vor üb. gestr. vm. an üb. vor. 



3325. vor luchtende gestr. h . 



76 



Vom Stab und noch mehr vom Sack. 



Man mochte is wol da inne sehen 
zu liant; 
3S30 Und da gesag ich die Stadt 
Da ich hin zu gan erwecket 

wart, 
Als ich die ander male nie hatte 

gesehen. 
Desta lieber hatte ich den stab 

an zu sehen, 
Und desta me lobette ich sine 
gestalt. 
3335 Einwenig under dem knoppe er 

hatte balt 
Einen andern, was kleinre dan 

der erste was, 
Der gar hübsche mit einander 

was 
Von luchtendem karfunckel, 
[103"] Der da lutter was und nit 

dunckel. 
3340 Der yn dar an machte, waz nit 
ufi diesem lande, 
Man muste yn suchen in anderm 

lande. 
Is stunt gar wole an dem stabe 

und beqwemlich, 
Nuscht mir dar an was misse- 

fellich 
Dann das er unbeslagen was; 
3345 Zu stunt sij mich underwisette 

bas, 
Die die mir den stab also geben 
hait. 
Da sij die kleynot hatte uß- 
getan, 
Gnade Gots mir da sagen began: 
'Dis is der sack und der stab 



3350 Die ich dir gegeben hab: 

Du wirst der wol bedurften uf£ 

dynen wegen. 
Hüde sij wol, das kommet dir 

eben! 
Der sacke ist gelaube genant, 
Dan aen den dustu zumal nuscht 
3355 Noch keynen dag schaffest uscht 
[lOd>-] Das gut odir icht wert sij. 

Din brot und lebetzücht sal da 

inne sin 
Alletzijt. obe du dis wilt wissen, 
So wil ich dich des wijsen 
3360 Durch eine ander rede dan die 

myne bewijsen. 
Sant Paulus sal dich des wol 

underwisen, 
Der spricht das da geschrieben 

ist: 
Wer von dem sacke recht lebende 

ist 
(Das ist gesprochen: der is recht 
verstait), 
3365 Der des gelebet das er da inne 

hait. 
Der sacke ist von grüner farwe: 
Dan gelicn als die grüne farwe 
Stercket die äugen an dem ge- 

sichte, 
Also dut starcker glaube lichte, 
3370 Machet dem verstentenisse ge- 
siebte. 
Die sele enkan zu male nichte 
Nummer gesehen eygenclich 
[104"] Die grüne gebe ir dann follenc- 

lich 
Gentzlich macht und krafft. 



3335. balt zugeschr. 

3346. also gleich tibergeschr. 

3347. kleynot wieder üb, gestr. kleynot 
geschr. 



3348. n. gots gestr. sij. 
3361. Born. 1, 17. 



da übergeschr 



Am Saelc hängen auch drei Meine Schellen (Dreifaltigkeit). 



11 



3375 Dar umb so ist dir nothafft 

Dich inn dinen wegen zu wijsen, 
Und das du desta ferrer moges 

gesien 
In das lant da du woldes sin.' 
'Frauwe', sprach ich, 'durch 
Got, nu sagent mir 
3380 Von den kleynen schellen die yr 
Also kleyn haut angehangen 
An den sacke aen verlangen, 
Und von den dryen über den ist 
,.■.,-:(■■■ Ein mantel, der ir gemeyn ist!' 
11 3385 'Sicher', sprach sij, 'is was eine 

zijt gelegen also 
Das ich den sack det machen also, 
Da gnug waz daz man gelich ein- 

falteclich 
Glaubte inn Got gentzelich; 
Da was aen klöcken und aen 
schellen 
3390 Dieser sacke und auch aen hellen. 
[lOör] ^er ich sagen dir das sijt viel 

irrongen 
Und viel böses ist worden fonden: 
Teclicher an Got geleuben wölte 
Als yme das dann eben fügen 
wölte. 
3395 Einre glaubte an yn inn eine 

wijse, 
Der ander glaubte in eine ander 

wijse, 
Als du das wol wissen möchtes 
Wann du die irrongen gesehen 

hettes. 
Und also was verlegen 
3400 Dieser sacke und veraldet eben. 



Aber umb sine schone zu wieder- 
machen 
Und alle irrongen zu verfachen, 
Und umb das ein glaube wurde 

gantz 
An allen enden aen irrongen 

glantz, 
3405 Die zwolff apposteln die schellen, 

yren ring, 
Hant dar an gehangen, die da 

ane sint, 
Und an yecliche yre eygen 

schrifft, 
[105"] Die eygenclich saget und spricht 

In welicher masse und wie 
3410 Das man an Got sal gleuben hie. 
Die zwolff schellen sint die 
Zwolff stucke des heiligen 

glauben hie, 
Die du salt geleuben gentzlich 
Und sij behalden in dime synne 
gedechteclich. 
3415 Du salt dich dicke erwachen dün 
Und sij an dime küssen luden 

dün: 
Nit umb suß in klocken wijse 
Odir auch die schellen lijse 
Sint dar an gebangen worden; 
3420 Dan obe du zu müde weres 

worden 
Die schrifft zu sehen, 
Zum mynnesten wan du die 

schellen wirdes hören 
Also nahe bij dinen oren, 
So möchtes du gedencken an ein 

deyl. 



3375. vor so schivarz gestr. ist. 
3378. Li a. B. zugeschr. 
3387. Da gnug wz übergeschr. daz 
aus da. 

3389. vor aen gestr. er. aen übergeschr. 
3405. die schellen üb. schivart gestr. in. 



3406. vor dar gestr. sij. 

3407. yre übergeschr. hint. gestr. syne, das 
üb. gestr. ire geschrieben war. 

3416. sij übergeschr. 

3418. Das undeutliche Odir auch fehlt in h; 
auch im Orig. scheint ein Fehler zu stecken. 



78 



Der Pilger bemerkt Blutstropfen am Saclc. 



3425 Saut Paulus gesprochen hait vom 

andern deyle, 
[106>-] Als er das den Eommern dann 

geschrieben hait; 
Dan von solichem dicke zu hören 
Gewynnet man den gantzen 

glauben hören, 
Also das solich schellen lüden 
3430 An dem sacke nit mag schaden 

düden, 
Sonder is erwecket gedechtenisse 

wol 
In welicher masse und wie man 
an G-ot gleuben sol; 
Nit das is« da mit sij genüglich 
Das alleyn zu geleuben gentzlich 
3435 Als von dem wissen brode und 

wyn 
Die in fleisch und blut verwandelt 

sin: 
Von Grotte auch dye dryvaltikeit, 
Dry personen in eynikeit, 
Da von du das zeichen haist ge- 
sehen 
3440 An den drien schellen, da du 

mich wolde fregen. 
Gelich als den dryen schellen wol 
Ein kluppel vor alle dienen mag 
und sol, 
[106"] Also ist auch die dryvaltikeit 
Nit dan.ein Got in gantzer war- 
heit. 
3445 Got alleyne inn den drien per- 
sonen ist, 



Und yecliche der drier Got ist: 
Das saltu gleuben sicherlich und 

gentzlich 
Und viel ander gedone folleclich, 
Der ich zu dieser zijt wil ge- 
swigen 
3450 Und umb verdriesse willen lassen 

ligen ; 
Dann is alles an den zwölfen 
hencket, 
Wer is alles recht verstet und 
bedencket.' 
Als Gottes Gnade da hatte ge- 
redt 
Von yren schellen und daz uß 
geleget, 
3455 Ich der den sack angesach 
Und myn äuge zu male dar an 

lach, 
Da sach ich bluds troppen ge- 

spreit 
Dar uff, die hart waren an ge- 

leyt: 
Die selbe sache mich sere ver- 
droß 
3460 Und braicht mir in dem müde 

kommer groß, 
[107'-] Umb das ich daz ander male nit 

hatte gesehen 

Und des auch nit war genommen 

hatte mit sehen. 

'Frauwe', sprach ich, 'nu bin ich 

nüwelich 
Gar sere erschrocken siecherlich: 



3425. Bom. 10, li. 
3427. von übergeschr. 
dem (?). 

3432. vnd wie üb. gestr. dz. 

3437. dye aus drye. 

3438. parsonen. 



3440. Vor An hat die Ms. ein zu streichen- 
vor dicke gestr. des vnd. 

3442. mag vnd übergesclvr. 

3443. ist ans enist. 
3458. wäre übergeschr. geleyt Mnt. gestr. 

gelaicht. 

3462. mit sehen eugeschr. 



Die Blutstropfen, erlüärt Gottes Gnade, rühren von den Märtyrern her. 



79 



3465 Ich sehen blut uff dem sacke 

gespreidt, 
Das mir gar sere hait geleidet, 
Ich hau des me gesehen nicht. 
Nu wollent mich uß dem blude 

richten 
Odir gebeut mir eynen andern 

sack, 
3470 Das kan ich küm erbeiden nacht 

noch dag!' 
'O', sprach sij, 'erschrecken 
Saltu nit, sonder dich stercken; 
Dan wan du weist die sache war 

umb, 
So hastu den sack desta lieber 

dar umb. 
3475 Zu zijden was ein pilgeryn, 
Der auch wolde wandeln in der 

jugent sin; . 
Wie wole das er den sacke mit 

drug, 
[107«\ An allen enden hatte er arbeit 

genug: 
Wo er hien gieng, wart er ver- 

spiget 
3480 Von schechern und andern die yn 

nit 
Lieb hattent inn keinen zijden, 
Umb sinen sack, der schone was. 
Und yme zu nemen und zu weren 

das, 
Arbeitten sij sich sere 
3485 Und dadent yn selbs desta viel 

arbeit mere. 
Aber er beschütte sich so wol 
Das er umb keyne sache lyden 

wolde 



Das mau yme sinen sack neme: 
Yme was lieber daz man yme sin 
leben neme. 
3490 Doch so dottent sij yn, 

Versteynten und mortent yn, 
Und von syme blude also wart 

genetzet 
Der sack und bespreet. 
Aber er was zu der zijt hubscher 
viel 
3495 Umb das das blut waz frischer 

und roder viel; 
[108>-] D an die farwe die brun rot ist, 
Uff eyme grünen felde gar hübsch 

ist; 
Da mit ist wol wisselichen schin 
Das der sack waz hübsch und fin. 
3500 Dar nach ist er worden getragen 

me 
Dan er vor was getragen ee, 
Und viel me begert und zerrissen. 
Ettliche lüde mit grossen drücke 

qwament 
Und dadent als viel das sij yn 
nament ; 
3505 Dar nach den zu beschirmen und 

zu beilüden 
Liessen sij sich zerryssen und 

entlieden ; - 
Sij dadent sich lyden not 
Und pynigen bis inn den dot. 
Der marteler wölde erzelen 
3510 Die sich umb yn hant laßen doden 

und quelen, 
Keine zonge könde das ertzelen 
Noch hertze gedencken odir 

handt geschriben 



3475. Das Orig. nennt den Hamen (Este- 
venin), der in h auch fehlt. 

3482. sinen aus sin. sack der üb. gestr. 
wesen das. a. B. ein Kreuz neben dem Vers. 



3491. V'steynten üb. gestr. mortent u. 
mortent üb. gestr. versteynten. 

3509. I. Der die m. ?; Orig. : Qui les martirs 
vourroit nombrer. 

3512. handt aus hant. 



80 



Gottes Gnade hängt dem Pilger den SacJe an den Hals. 



[108"] Noch nyemands zu eyme ende 

gedriben. 
Also das der sacke wart be- 
dreuffet 
3515 Und mit dem binde besprewet, 
Das ist nit eyne sache sich zu 

verwondern, 
Dann is ist eine sache sere zu 

loben besonder; 
Und ist kein troppe so kleyne 
Er sij besser dan alle edel ge- 
steine 
3520 Und dar zu auch viel köstlicher 
Und auch zu male viel dügent- 

richer. 
Und sagen dir wol: weren sij 

frisch 
Die troppen, so Meldst du sij viel 

wirdisch; 
Aber is ist gar lange zijt 
3525 Das keinre hait geseget sins 

bludes nit. 
Die zeichen sint vergangen 
G-antz und gar zu male aen ver- 
langen, 
Dar umb sint desta snöder nit 
[109'-] Die troppen umb daz sij veraldet 

sint. 
3530 Umb die Schönheit sij dir nit, 
"Wann du haist die sache di is 
alles git, 
Also das den sack der also ist 
bedr offen 
Und mit dem blude also be- 
sproffen, 



Ich geben zu eyme zeichen dir, 
3535 Obe yn yemands den wolde 

nemen dir 
Und dir den wolde abe drauwen, 
Das du dich ee ließest doden und 

verhauwen, 
Und das du ee lyddes den dot 
Ee du dir yn ließest nemen aen 
not. 
3540 Nu nym yn gar eben und balde 

zu haut, 
Wann er dir wol kommet zu 
handt!' 
'Frauwe', sprach ich, 'mir wol 
genüget 
Von dem blude daz ir mir hant 

bedüdet, 
Aber is duncket mich gar swere 
[i09»]Das ir mit nnderscheit sere 
3546 Mir gebent den sack; dan ich 

enweiß nit 
Wie ich den dar nach sal 

brachen zu yeder zijt. 
Doch gefeilet er mir wol 
Und mir dar an nit myssefallen 
sal 
3550 Und wil yn nemen aen langern 

vertzog, 
Sijt das ich von uch han den 
follentzog.' 
Da aen beiden nam sij den 
sack 
Und mir den an zu hencken ich 

sij badt, 
Und Gots Gnade halff mir da 



3518. Vnd üb. gestr. dann is. 3530. Ist wonder Unter dir einzufügen 

3523. hieldst aus hielt. du üb. gestr. ich. mit h ? 

3528. zu Anf. aber getilgt. 3535. Das überflüssige den fehlt in h, ließe 

sich aber aus Lesarten des Orig. stützen. 



vor 3552 Bild (30) mit Nebenschrift rechts: Gods gnade hencket dem weller den sack 
an den hals. 



Die Spitze des Stabes zieren zwei Knöpfe (zu oberst Jesus, darunter Maria). 



81 



3555 Und Meng mir den an nach 

yrem rechten da. 

Ich was gar frolich da ich yn 

sach 

Und ich yn fülete, das er also 

umb mich lag; 
[HO'-] D an j s was | an g ^ az ^ ^ 

hatte gegert, 
Und umb das ich des was so wol 
gewert. 
3560 Nu wil ich uch aber sagen von 

dem stabe 
Als Gots Gnade mir vor hatte 

geprediget dan abe. 
'Dar nach', sprach sij, 'als ich 

dir hau gesaget 
Von dem sacke, der dir gar wol 

anstat, 
Von dem stabe ich dir auch sage, 
3565 So ich dann aller kurtzeste mag. 
Der stab hoffenunge genant ist, 
Der auch zu jeder zijt gut ist; 
Dan er mag nit gefallen hin 
Der sich umb siecherheit stüret 
an yn. 
3570 Der stab von solichem holtze ge- 
macht ist 
Das er wol bewijset wie er ist. 
Uff yn du dich wol fyden magst 
In allen boesen wegen, wo du 
gast : 
DUO»] in "boesen wegen halde yn gar 

uffricht 
3575 Und an den knoppen sij din 

gesiebt, 
Dan die knoppe haldent dich 
Und lassent nit fallen dich. 



Der oberste knop ist Jhesus 
Crist, 
Der da ein gewarer Spiegel ist, 
3580 Aen flecken und aen alle mase 

ist, 
Als die schlifft uns das saget 

und bedütet, 
Da inne alle und yecliche lüde 
Mogent schauwen ire angesichte. 
Und auch da bij villichte 
3585 Alle weit sich da inne spiegeln 

mag, 
Wol erkennen und betrachten 

mag, 
Und wann alle weit da inne ge- 
spiegelt ist, 
Ist sij nit so gros als daz es an 
dem wurffei ist. 
In dem knoppe salt du dich 
spiegeln 
3590 Und dich da inne dicke besiehen 
[lll r ] JJnö. dich dar an wol halden hart 
Und dar an sturen zu aller fart; 
Dan wan du dar in gesihst wol, 
Zu male nit dich missetrosten 
sol, 
3595 Und so lange du dich dar an 

heldest, 
In keynem bösen wege du nit 

feilest. 
Nu gedencke dar an, bistu wijse, 
So magstu desta baß gan in pil- 
gerins wijse. 
Der ander knop das ist der 
3600 Davon das da qwam er, 

Dannen er was und wart geborn 
her : 



3563. sacke üb. gestr. stabe. 

3564. vor sage gestr. wil. sage aus sagen. 
3568. n. nit gestr. zu male. 

3575. das n in den auf Basur. 



3577. vor nit gestr. zu male. 

3580. zu Anf.vn& gestr. 

3581. Sap. 7, 36. 
3588. dz übergeschr. 



DeutBotie Texte den Mittelalters. XXV. 



82 



Noch von den beiden. wunderbaren Knöpfen des Stabes. 



Das was die niagt Maria niutter, 
Die entphieng und drug yren 

vatter. 
Das ist der karfunckel füncke- 
lende, 
3605 Die vinsterniße der werlde er- 

luchtende, 
Dar durch wieder zu wege ge- 
leert sint 
Alle die von wege gekert und 

verirret sint; 
[Hl"] Durch die auch erluchtet sint 
Alle die die in vinsterniße ge- 
wesen sint; 
3610 Durch die wieder uffgehaben sint 
Alle die gestürtzet odir auch ge- 
fallen sint. 
Und dar unib ist er angelaicht 
An diesen hübschen stab und be- 

hafft, 
Das sij des auch ein knoppe sij; 
3615 Dan vor nit dan ein knoppe da 

was, 
Da mit is nit zuniale genug was, 
Umb das nit yederman dar bij 

kommen mochte 
Und yn auch nit alle wol be- 
griffen mochten. 
Aber durch den knoppe kommet 
dar an ein yecliche 
3620 Der sich an den knopp stur et 

redelich, 
Also das des notdürftig ist 
Ein yeclicher der ein pügerin ist. 
Dar umb rade ich daz du dich 

daran stürest 



[112'-] Und dich alletzijt dar an wol 

haldest ; 
3625 Dan durch yn wirstu alletzijt 

uffgehalden 
In allen boesen wegen und uff- 

. recht behalden, 
Und dar durch du wol kommen 

magst 
Zu dem knoppe den du dan obe 
der hant haist. 
Also wann du dich heldest 
3630 An die zwene knoppe, du nit 

feilest, 
Sagen ich dir, daz du wol 

siecherlich 
Und wol magst gan tröstlich. 
Dar umb magstu dich wol 
sturen 
An den stab und dich dar uff 
fyden, 
3635 Dan die knoppe die dar an sint, 
Dich in allen boesen wegen uff- 

haldende sint. 
Es ist ein gut stab, hude yn 

wol! 
Ich han dir yn geben, daz er din 
sin sol.' 
[US"] Da gab sij mir den in die 

handt: 
3640 Grosse freude ich da an myme 

hertzen befant, 
Dan ich gesach wol daz ich zu 

male bereidt was 
Zu gan den weg dar umb ich da 

was. 
Doch gefiele mir nit wol das 



[3623.] Kustoäe unten auf El. 111": vnd 
dich alletzijt. 

3626. be in behalden üb. gestr. ge. 

3631. dz du übergeschr. 



3632. Vnd üb. gestr. das du. 

3642. da aus dar. 

3643. in der Es. AMatz. 



■3639 aufgelebtes Bild (31) mit Überschrift: Gods gnade gibt dem pilgerin den stab. 



Warum der Stab unten nicht beschlagen ist. 



Von dem stabe daz er nit be- 

slagen was. 
3645 'Frauwe', sprach ich zu G-ots 

G-nade, 'so mir Got, 
Ich mag nit verhalden aen spot 
Das ich uch nit sage waz myns 

gedenckens ist 
Von dem stabe, daz er unbe- 

slagen ist: 
Is gefeilet mir nit wol, daz 
wissent, 
3650 Umb andern die alle beslagen 

sint. 
Obe ir nu wollent, so sagent mir 
[113 r] yf ar um |) [lag ü_, j R hajjt a i so 

geben mir!' 
'0', sprach sij, 'wie bistu so 
döricht ! 
Du darfft keiner schellen an dem 
halse nicht. 
3655 Han ich dir nit yetzünt gesaget, 
Hette is dir einwenig gedacht, 
Das du dich oben an daz ende 
salt fijden 
Und an die knoppe dich salt 
sturen ? 
Dan die knoppe dich nit lassen 
3660 Fallen, sonder haldent dich in 

rechter massen. 
Daz underste ende hilfft dich nit, 
Und auch weistu wol da mit 
Das beslagen stab wiget mee 
Dan der nit beslagen ist ee. 
3665 Unbeslagen ich dir den geben 

han, 
Das du yn desta lichtlicher 

moges gedran; 



Und auch vort ein beslagen stab 
[113"] Sich heldet nie inn eime loche 

hart 
Odir in eime stareken ertlich 
3670 Dieffer sich stecket gelich 
Dan der unbeslagen ist: 
Und so er dieffer ist gestecket, 
So viel nie ist er beflecket 
Und gehindert der yn dreit, 
3675 Me dan der den unbeslagen dreit. 
Dar umb han ich dir yn also 

gegeben, 
Das du ungehindert siest eben 
Inn löchern odir in puelen 
Und das du keine hinderonge 

moges fülen.' 
3680 'IIa frauwe', sprach ich, 'noch 

ein wort! 
Mich düncket nit das ich sij 

verdort: 
Nit da von das ir hant gesaget, 
Dan dar umb des ir nit hant 

gedacht. 
Obe hunde mich ankominent odir 

mordere 
[IM'-] Und myn stab unbeslagen were, 
3686 Vfenent ir das sij yn föchtent 

also sere 
Als obe er vor beslagen were? 
Umb die sache rede ich alleine 
Und nit umb anders keyne.' 
3690 'Dar zu', sprach sij zu mir, 
'Wil ich zu stunt aufwerten dir: 
Du eilhast nit den stab 
Dan dar umb ich dir den gab: 
Du salt nit da mit slagen noch 

striden, 



3644. über dem a in beslagen Tintenfleck. 

3646. verhalden üb. gestr. geswigen. 

3653. döricht aws.dorecht. 

3660. rechter übergeschr. 



3668. heldet übergeschr. 
3673. er übergeschr. das bef in beflecket 
üb. gestr. ge. 

3675. den üb. gestr. yn. 

6* 



84 



Gottes Gnade führt den Pilger in ihre Waffenkammer. 



3695 Dan du dich dar an sturen salt 

zu zijden. 

Und obe du dich wilt beschüden 
und nit nie 

Und auch nit wilt zurstoren oder 



Da sint helme und pantzer viel, 
Krege und beinharnesch an ein 

ziel, 
Schilde und des du bederffen 

magst 



ertzurnen ee, 3715 Odir ejner der sich wilt weren 
Die waffen da mit du dich be- fast. 

schuden magst [U5 r ] Nu nyni da das du wilt han, 



Und dine vigende da mit über- 
winden magst, 
3700 Bälde genüg wil ich dir sij 

geben, 
Dan ich wol weiß wo ich sij 

finden eben.' 
[im»] 'Ha frauwe', sprach ich, 'der 

stab 
Gefeilet mir mit solichem under- 

hab 
Das ir mir wollet suchen 
3705 Die wappen und mir die ge- 

rüchen ! ' 
Da gieng Gods Gnade in iren 
umbhang 
Und rieff mir dar gar balde zu 

handt : 
'Nu gesiech', sprach sij, 'über 

dich 
An die stauge und luge ob ich 
3710 Wappen zu suchen ferre solle 

gan: 
Ich sehen ir genüg dich zu 

wappen an. 



Und wappen dich wol, du haist 
Urlaub dran ! ' 
Da ich die hübsche wappen 

also gesach, 
Von irer Schönheit freude mir 
geschach. 
3720 Doch künde ich nit wissen wol 
Mit welichem ich myn bestes 

schaffen sol; 
Dan ich der wapen nie me ge- 

brüchet hatte 
Und mich auch nit me gewappent 

hatte. 
'Frauwe', sprach ich, 'nu wisent 
mich, 
3725 Obe ir wollent, welich wappen 

sal ich 
Nemen und wie sal ich mich 
wappen ? 
Dan helffent ir mich nit wappen 

an, 
So hettent ir zu male nüscht ge- 
taen.' 
[115»] Da nam sij ein wammesch alt, 



3698. waffen aus wappen. du übergeschr. sein bederffen (v. 3714) darüber aus dem Sinn 
3715. eyme Hs. Der Übers, hat sich in verloren, h ist Htm gefolgt. 

diesem Vers eng an das Orig. (et quanque faillir 3721. myn bestes schaffen üb. gestr. mich 

puet A eil qui deffendre se veut) gehalten u. aller best behelffen. 

3722. wapen übergeschr. 



vor 3706 aufgeklebtes Bild (32) mit Nebenschrift rechts: Godes gnade wilt den pilgerin 
wappen. Gottes Gnade zeigt auf Harnisch und Beinschienen, die an einer Stange hängen. 

unter 3728 aufgeklebtes Bild (33) mit Unterschrift: Gods gnade gibt dz wamesch dem 
pilgerin: dar durch ist verstanden gedolt. 



Zuerst reicht sie ihm ein Wams von besonderer Art (Geduld). 



85 



3730 Das hatte eine verkerte gestalt: 
Ich solichs nie keins me gesehen 

hau 
Noch auch davon nie gehört san; 
Dan gelich hinden an dem rucke 
was gemacht 
Und was auch hart dar an ge- 
lacht 
3735 Als ein anebuß was das getaen, 
Dar uff man hammer streiche 

solde entphaen. 
Das bodt sij mir zu dem ersten. 
'Hie ist', sprach sij, 'das aller 

beste 
Wamesch das ie kein man ge- 
sach : 
3740 Und enhette einre nit füß noch 

handt 
Und were an einen pale gewant 
Und enhette nit me dan daz 

wammesch an. 
So würde er doch nit uber- 

wonden Ton yeman, 
Dan er wurde mit grossen eren 
3745 Sine vigende überwinden werden. 
[U6<-] UM auch sagen ich dir noch me, 
Und das sal dich nit wondern ee: 
Der dis kleit ane hait, 
Sinen nütz er wol da mit zu 

schaffen hait, 
3750 So andern da mit yren schaden 

dunt. 
Missewahs yme sin körn wahssen 

dunt 
Und ungewijder dut füllen sinen 
spicher 



Und böse wingart weder sinen 

keller ; 
Von grossen nesseln hat er ein 
weich bette 
3755 Und von liden er viel wollust 

hette ; 
Sine gaben machte er von armfit 
- Und wiederwertikeit yme freude 
dut. 
Fasten dut yn feiste werden 
Und siechtagen dunt yn starck 
werden. 
3760 Stiche in anfechtongen 

Gebeut yme undeiioschungeu. 
[116»] So man is me stiebet, so is 

harter ist; 
Dan gelich als is gemacht ist 
Von stieben, das wammesch ge- 
want, 
3765 (Dar umb ist is auch durch 

stochen genant,) 
Glich also das ist gesteppet 
Mit stieben und hart gekloppet, 
So saltu is desta lieber han 
Und daz auch an.dyme lybe 
dran. 
3770 Umb der stiche willen is sere 

gut ist, 
Und aen stiche is nütscht wert 

ist. 
Wiltu wissen wie is ist genant: 
Gedolt ist sine name alle zu 

hant, 
Die ist gemacht umb zu lijden 
3775 Und da bij stiche han zu zijden, 
Zu sin hart als ein anebüß, 



3757. vor wiederwertikeit übergeschriebenes, 
durch Korrektur am Anfang (f...on) jedoch 
unleserlich gewordenes Wörtchen (ursprünglich 
von?), das su tilgen sein wird, da die mit 



dem von beabsichtigte Änderimg der Stelle (viel- 
leicht nach dem Orig.: et son soulas d'adversite) 
nicht durchgeführt ist. 
3769 zwischengeschr. 



86 



Der Pilger beklagt sich, daß das Wams ihm su eng ist. 



Der sich nit weget umb einer 

federn stoß, 
Zu liden aen murmelen, 
Alles mit gudem willen zu lijden. 
[in >•] Di s -wamniescli det Jhesus an 
3781 Da er vor dich an daz crutze 

wart geslan. 
Uff yn wart gestochen und ge- 

slagen, 
Das er alles leit und hait ver- 

dragen: 
Keine worte er nit sagete noch 

ludte. 
S7S5 Ein anebuß er was heimlich und 

überlüde 
Zu allen siegen, als er wart ge- 

slagen : 
Und dar umb wart uff yme ge- 

slagen 
Dine schetzonge und müntzen. 
Die böse smiede des smyedetent 
3790 Uff syme rucke und daz da 

müntzetent, 
Also das du wol gedencken 

magst : 
Wan sich der konnig wilt 

wappen fast 
Mit den wappen, die do gut sint 
Und die nit uß zu slahen sint. 
3795 Also nym sie und duhe dich an, 
So bistu viel ee bereidt dar an 
[117"] Die ander wappen auch an zu 

dun, 
Die da uff lygen sollen; 
Dan das wamsch sal unden sin, 
3800 Der anders recht wilt gewappent 

sin.' 



Da nam ich das kleit hie 
Und det is an; ich weiß nit wie: 
Swere is mich duchte und enge, 
Und daz zu dragen machte mir 
gros gedrenge. 
3805 ' Frauwe ', sprach ich, ' uwer 

harnesch mir nit ist 
Eecht gesnyeden worden in 

keiner frist; 
Also mochte ich is nit gedragen 
Aen mich zu male sere da mit 

zu überladen.' 
'Sicher', sprach sij, 'daz wam- 
mesch hart 
3810 Dir gar gerecht gesnieden wart, 
[US'-] Wer est du recht besnyeden; 
Dan der gebreste an dir ist be- 
lieben 
Und bist nit recht nach dem 

wammsch geriegen; 
Dan du bist zu groß und zu 

feisset viel 
3815 Und haist smaltz under den 

flugel zu viel, 
Zu viel sagende und zu förtig. 
Soliche Sachen machent dich so 

unlidig 
Und so groß das du daz wam- 

mesch fast 
Aen swerde uff dem rucke nit 

getragen magst; 
3820 Dan du must dich schicken nach 

yme 
Und es sich nit na dime synne, 
Abe zu dun des zu viel an dir 

ist, 
Und das du nu viel kleiner siest, 



3777. nit übergesdlir. 
3793. den üb. gestr. diesen. 



3794. Vnd üb. gestr. das. 
3805. mir übergeschr. 



vor 3S05 aufgeklebtes Bild (34) mit Nebenschrift rechts: Der pilgerin der "beelaget sich 
Ton dem wamesch das es yme zu enge ist. 



Gottes Gnade belehrt ihn aber eines Besseren. 



87 



Wiltu da mit wol angetan sin.' 
3825 'Frauwe', sprach ich, 'nu wysent 
mich den synn 
Wie das ir dis versteent: 
Obe man solle behauwen mich 
[iis>>] Odir wie ich solle lyden mich, 
Und wie ich nach syme gefuge 
mich fügen 
3830 Solle odir mich dun besnyden'. 
'Sicher', sprach sij, 'du bist zu 

zijden 
Zu male sere kyfelecht 
Und auch da mit nydig recht. 
Du salt wissen daz das wam- 

mesch gelich 
3835 Dich machen wirt, obe du wilt 

hören mich, 
Und dich wirt recht schicken: 
Nu drage is aen ußricken, 
So darfft du keins andern zym- 

mermans. 
Is sal dich recht nach yme 
stellen 
3840 Und nach yme die knüchel abe 

feilen. 
Duncket is dich wol zum ersten 

swere sin, 
Das ist umb das du nit gewane 

bist sin; 
Aber wan du des gewanest, 
[ü9'-]So is nit me böse noch swere 

ist. 
3845 Ist yemans der dir übel sprichet 
Odir durch boßheit sich an dir 

richet, 
Kere yme den rucken und nit 

sprich ein wort, 
Dan der hunde bellen dort 
Saltu zu male achten nit! 



3850 Kere yme den anebuß und rede 

nit 
Und laß yn na sinem willen dar 
uff slahen: 
Dar durch wirt daz wamesch 

dich recht dun dragen 
Und wirt dir recht an stau. 
Und sagen dir daz du also 

lichteclich 
3855 Wirdest gecronet sicherlich; 
Dan durch soliche siege und 

smyedonge 
Und durch soliche hameronge 
Gesmiedet wirdt die crone 
Die kein mentsche konde machen 
so schone. 
3860 Das ist die da mit gecronet 

sint 
[119 "]Die marteler, die mit dem wam- 
niescli gecleidet sint, 
Die uff dem anebuß gehemert 

wurden 
Gar sere und yn große siege 
wurden, 
Also dag yn gesmiedet wart 
3865 Die kröne bereit und geben 

wart. 
Dar umb in guden truwen rade 

ich dir 
Das du daz wamesch dragst, 

folge mir; 
Dan du sin wol bedürften wir des 
Zu einer zijt die kommen wirt: 
3870 Das ist wann Anefechtonge 
Im felde, im wege, in husonge 
Dir zu kommet und dich flehtet 

an, 
Und sine diener dir schicket vor 
an, 



3829. vor nach ein zu tilgendes mich. 
3834. vor salt gestr. s. 



3873. vor an hint. gestr. son (?). 



Gottes Gnade gibt dem Pilger einen Panzer (StärJce). 



Die so grosse streiche uff dich 
slahent 
3875 Und so viel uff dir gehemmerent, 
Also hettes du des wanmiesch 

nicht, 
So qwemestu iu dodes plicht. 
[ISO'-] ]S[ U ttUüe c -[ a m it allen dinen 

willen, 
Dan ich han dir gesagt rnynen 

willen ! ' 
3880 'Frauwe', sprach ich, 'is gefeilt 

mir wol 
Was ir gesaget haut, ich is nit 

versprechen sal 
Anders dan myn krafft nit ist 

so gros, 
Als ich meynen, das ich so bios 
Möge das bein harnesch gelyden 
3885 Odir das gedragen zu keinen 

zijden. 
Doch so wil ich mich stercken 
So faste ich mag, an mynen 

wercken. 
Brengent sij und besehent wes 

ich bedarff: 
Das brengent mir miteinander 

scharff ! 
3890 Ich wil genüglich gewappent sin, 
Und solde ich dar umb zer- 

spalden sin.' 
[ISO"] Da hait sij her vor getaen 

Ein pantzer, das waz wol getaen, 
Von einre gar lieplichen- gestalt; 
3895 Mich duchte nit daz is were alt. 
Sij sprach: 'nu nym daz kleyt 
Das zu zijden wart bereidt 
Zu striden wieder den Dot 



Und wieder alle sine gebot 
3900 (Das ist: wieder arbeit und lijden 
Und alle yre erschrecken zu 
zijden). 
Dan der Dot ist so ein wildes 

dier : 
Der is sieht, der erschlichet 

schier 
Und wirt als uß sinen synnen; 
3905 Er verluset nssen und innen 

Alle sine gedencke und geb erden 
Und wenet er solle verlorn 

werden. 
Es ist yme hart und übel dran 
[131 '■] Hait er diese wappen nit an; 
3910 Aber der dis pantzer hait an, 
Der fochtet sin nit umb ein 

knoppel dar an. 
Er get siecher inn allen kriegen 
Ere und pris da mit zerkriegen: 
Umb dodes not wolde er nit 
3915 Sich wenden odir abestelen icht. 
Das wappen smyedete zu zijden 
Der smiedt der von oberlant 

qwam rijden, 
Der da smiedete sonne und 
wasser 
Aen zange und auch aen 

hammer. 
3920 In der zijt was nit geschetzet 
Kein ander wappen noch be- 

weret, 
Und noch ist er nit gewappent 

wol 
Der des nit hait und haben sol. 
Dis pantzer ist stereke genant, 
[isi"] Das die kempen an getaen haut 



3923. vnd üb. gestr. odir. 



unter 3891 Bild (35) mit Unterschrift: Hie git sij yme das pantzer: das ist ge- 
heißen stereke. 



Weiter Kragen, Helm, Schild, zwei Handschuhe und ein Schwert. 



89 



3926 Die Jhesum Crist zu haut gehört 
Und vor zijden in kriegen nit 

haut gefort 
Den dot und den geachtet nit; 
Das ist alles dar umb geschiet 
3930 Das sij so stede waren und auch 

so starg 
Von des pantzers wegen, das da 

waz so hart 
Und auch so wol gemachet was 
Das kein gesliefEen waffen das 
Noch nie gebrechen noch ver- 
snyden mochte, 
3935 Das doch nit zu verswigen 

döchte ; 
Dan die nagel da is mit genegelt 

was, 
Der droit des smiedes wol ge- 
bortet was: 
Da mit waren die ringe alle ge- 
negelt 
Und auch gar wol gebortet. 
3940 Das isen auch geliertet was 

In dem blude daz uß des smieds 

wonden waz 
[2.ä2>']Ußgefloßen, davon is viel desta 

harter was, 
Das pantzer, und viel desta 

sicherer bas, 
Umb das alle die die is hattent 

an 
3945 Und das uff die zijt wolden 

dran, 
Das sij alle waren so starg 
Das nit was kein krieg so arg 
Noch keine pyne so freyJMich 
Das sij die fochtent eyme halme 

glich. 



3950 Dar umb salt du is ane han 
Über daz wamesch und daz nit 

lan, 
Wiltu mir anders geleuben: 
So gesistu obe du yme siest 
eben.' 
[ISS"] Da nam ich daz pantzer bij 

mich, 
3955 Und dar nach balde sprach ich: 
'Frauwe, ich bijden uch gütlich, 
Ehe ich daz pantzer an duhe 

glich, 
Das ir mich wollet lassen sehen 
Alle die wappen die ir mir 

wollent geben, 
3960 Da mit ir mich wappen wollent; 
Dan dar nach daz ich gesehe 

eben, 
Wolde ich mich auch stellen zu 

leben 
Und die wappen an zu dun.' 
Einen krag sij dar brachte, 
3965 Einen helme und targe sij dar 

achte, 
Zwene hentschoue und ein swert; 
Nit langer sij da beyte vort, 
Balde sij zu mir sprach: 
'Mit den wappen die ich da sach 
alle, 
3970 Salt du dich zu mynnesten 

wappen balde; 
[133 ••] Dann is ist mit den wol genug, 
Kanstu dich mide erweren . 

genüg, 
Wie wol ich dir auch ander 

wolde geben, 
Wiste ich große krafft in dir zu 
heben; 



3950. han hint. gestr. dun. 



3969. Vor die ist alle gestr. 



unter 3953 Bild (36) mit Nebenschrift rechts: Hie gibt sij yme die ander wappen. 
Sie überreicht Kragen, Helm und Armschienen. 



90 



Von dem Helm (Mäßigkeit). 



3975 Aber icli wil sij andern sparen, 
Die ich nie starcker dan dich er- 

farren. 
Von dem helnie und dem krage, 
Din heubt zu male zu bewarn, 

ich dir sage: 
Zum ersten salt du daz pantzer 
an dun, 
3980 Und wann du daz haist wol an 

getaen, 
Dar nach saltu die hentschue 

nemen an 
Und dine hende dar in fugen 

eben; 
Dann wo "du die dar inn nit ver- 
bergest, 
Mt wol du gewappent werest. 
3985 Den helme, als du daz wissen 

salt, 
Messykeit du yn nennen salt 
[133"] Zu gesehen, zu hören und zu 

riechen 
Sachen die dir sint schedelichen. 
Dan gelich als der helme be- 
decket und beslußet 
3990 Die synne und einen da inne 

verdrüß et, 
Also dienet auch messykeit 
Zu huden daz äuge daz zu wit 
uffen steit, 
Und das zu viel ergeben ist 
Zu üppikeit und zu böser list; 
3995 Dann were daz harnesch nit 

enge beslossen, 
Is wurde dar inn geschoßen 
Ein pile, der zum hertzen treffe 
Und aen artzedie den dot 

brechte. 



Mürmelonge auch zu hören, 
4000 Hinderklaffen und reden von den 

dören 
Der helme stoppet den ingang, 
Also daz zu dem hertzen nit get 
der gedang. 
Kein solich pyle mag da nit 
schaden, 
p^r] "Wie wol man sere da mit über- 
laden 
4005 Und viel hart da mit schiessen 

mag. 
Böse nachberynne ir geschutze 

nacht und dag 
Und dar zu ire stiche, die böse 

fliegen, 
Mogent dich binden wol be- 
triegen 
Und mögen sij vor die hinder- 

dure werffen, 
4010 Aber in die stirne sij die nit 

legen dorffen. 
Von dem smacken ich dir auch 

sage 
Das der helme hie bedecket 

habe; 
Dan unordeclichen gesmag 
Dut dir kein gut nacht noch 
dag: 
4015 Dar irrnb so ist der heim also 

gut, 
Der dich dar vor wappen dut;- 
Dan is. ist der uff ein deyles 
Zu zijden waz genant der heim 
des heiles, 
Davon sant Paulus spricht das 
4020 Daz man den uff daz heubt 

setze de bas. 



3975. sij übergeschr. 
3996. geschoßen aus gegoßen. 
4002. nit fehlt, ist aber durch das Orig. 
geboten. 



[4003.] Kustode unten auf El. 133": wie 
wol man sere da mit. 
4019. Ephes. 6, 17. 



Von dem Kragen (Nüchternheit). 



91 



[IM«] Nu wil ich dir sagen von dem 

kragen 
War umb du yn salt nu tragen: 
Er beheldet dir dinen hals gantz. 
Nuchterkeit er sich nennet gantz 
4025 In diesem lande und auch über 

mer, 
Das ist von messykeit ein stucke 

her; 
Und wart auch dar umb gemacht 
Fresserie da mit zu straffen dag 

und nacht, 
Umb das sij die lüde griffet 
4030 Mit dem halse und harte bisset. 
Aber du solt wissen daz dis 

Wappens list 
Mit zweyfeldigen ringen gemacht 

ist; 
Dan er were nit starg genug 
Were er nit von zweyfaldigen 

ringen gut. 
4035 Und die sache ist umb leckerie, 
Die da hait zweyfaldige scie: 
Daz ist die eine von versuchen 
[i33r]Unä. die ander von uberigem 

bösen fluchen. 
Von versuchen die snyde sich er- 
hebet, 
4040 Davon er sich selber dodet: 
Durch die rede macht er den 

getzug 
Da mit sij dot slug iren nachbur 

gnug, 
Also du das wol wissen wirst 
Her nach, so du das sehen wirst, 



4045 Also das wieder soliche driege- 

rynne 
Gut zu haben ist des krages 

synne. 
Es ist eine sache die gar siecher 

ist, 
Wie wol das is ein dein wappen 

ist; 
Dar umb rade ich dir flysseclich 
4050 Daz du dich da mit wappes 

wiseclich. 
Mit dem essen und drincken din 
Saltu nit faste krudelich sin: 
Das dir wirt, daz habe zu 

dancke, 
[135"] Und von wenig saltu sere 

dancken ! 
4055 Von der rede sage ich dir auch 

also viel: 
Hude dinen mont und nit sprich 

übel 
Von yemans; zu yederman rede 
Alletzijt mit guder rede! 
Mit dem krage gewappent was 
4060 Zu zijden der ein apt zu Chaalis 

was, 
Sant Wilhelm, din guder mag: 
Wan so er nit dan wasser und 

brot hatte, 
Das hatte er zu so großem 

dancke 
Also hette er alle ander sachen 
genug gehabt; 
4065 Dan du wol an syme leben 

finden mast 



4033. er vor were übergeschr. it. dahinter 4042. n. iren versehentlich noch ein zweites 

schwarz gestr. ire. 

4036. Dem unklaren scie entspricht im Orig. 4055. sage gleich übergeschr. 

forsenerie, in h bedrog. 4060 ff. vgl. Vita 8. Guliehni episc. Bituri- 

4038. vor bösen dicker vertikaler Strich. censis 9 (Analecta Bollandiana 3 [1884], 383). 



92 



Von den Handschuhen (Gute Gebärde). 



Das er wol mochte fasten 

Bij große gnügde und wol lyden 

durst. 
Du magst auch wol finden sust 
Daz er zu allen luden zu reden 
{126'-] jSfit alleine bereit was und zu 

beden, 
4071 Sonder er was auch gemeyt 

Zu straffen die ubelredenden rrnib 

leit. 
Wann er sij horte, so sprach er: 
'Eedent zu dem der daz 7calde 

hait, daz er 
4075 Nit zieder dwijle er das hait, 
So sehent» ir obe er daz lait! — 
Davon ir redent, horte er gerne 

uff, 
Sere gerne, obe er is geduu 
mochte.' 
Also wappette sich der man 
4080 Mit dem krage und bereitte sich 

dan: 
Also salt du auch gerne wappen 
Dineu hals da mit und stoppen. 
Von den hentschuen ich dir 
auch sage 
Das is gut ist das du sij träges, 
4085 Das du da mit siest bewart; 

Dan wurdest du geslagen hart 
[126"] Uff die hende, daz were dir nit 

gut 
Und brechte dir an andern glid- 
dern keinen mut, 
Und dedes da mit nit viel. 
4090 Die hende die da sollent ge- 

wappent sin 
Mit den hentschuwen an getan 
und behudt fin, 



Sint rüren und begriffonge, 
Tasten und fuelonge. 
Wie wol man an dem libe fyndt 
4095 Me glidder die auch fuelende 

sint, 
Doch wirdet durch die hende bas 

bekant 
Was man an rüret, zu haut; 
Und umb daz der lüde daz mere- 

teil 
Glaubt daz kein ander tasten sij 

so geile, 
4100 Dar umb sage ich daz genieyn- 

lich 
Daz durch hende tasten sij ge- 

wisselich. 
Die hentschue du salt angriffen 
Und die an dine hende striffen 
[3.27 '•] Und dich da mit wappen, 
4105 Die die ich dich hau sehen lassen 
Und die da sint genant 
Das dritte deile der messikeit 

bekant 
Und heissent gude geberde, 
Die man wol an ejmikeit 
4110 Sal glichen manichfaldikeit; 
Dan mit wercken und willen 
Sal man sinen namen stillen; 
Dan mit den wercken were nit 

gnug 
Wo der wille nit dar zu hait 

gefug. 
4115 Niemans mit eime hentschue 

hette genug 
Noch were da mit gewappent 

gnug; 
Dann is aen verbot zweye gelden 

muß, 



4068 ff. vgl. Acta SS. Bollernd. Jan. 1637. 
4074. aide Hs., fievre Orig., danach richtig 
daz kalt h. 



4099. das (auch in h) fehlende Verbum 
Glaubt eingesetzt nach dem Orig. (croit). 
4117. Dann. 



Von dem Schiuert (Gericht). 



93 



Dann man werck und willen 

haben muß. 
Sij sint bede gut bij eynander 
4120 Und auch beqwemlich bede mit- 

eynander. 
[127"] Soliche geberde, die getzweif ei- 
diget ist, 
Von ettlichen wynnebrot genant 

ist; 
Dan dar durch gewonnen ist das 

brot 
Da mit des mentschen hertze er- 
füllet ist aen not. 
4125 Das vor langer zijt betzeichent 

wart 
An dem brode daz David ge- 
heischen hait, 
Das Abymelech yme nie 
Geben wolte noch erleuben nye 
Ee er wiste das er an getan 
were 
4130 Mit dem wynnebrot und ge- 
wappent were. 
Und wiltu das studieren und 

lesen, 
In dem buche der konnige fin- 

destu daz wesen. 
Das wynnebrot zu einer zijt 

hatte 
Sant Bernhart, da sich hatte 
4135 Bij yn gelaicht ein wyp, 
By in nacket in sin bette: 
So balde er sij gerurt hette 
[X3S>-]Und er yr wart gewar, 

Zu yr kerte er sich nye dar 
4140 Noch mit syme begriffe nie 

rurte; 
Sine hende also gewapent fürte 



Das sij waende er were ein isern 

man: 
Dar umb schiet sij aen schände 
von dann, 
Und aen schaden gieng sij druß. 
4145 Das dadent die wynnebrot in 

dem hufi 
Da mit er sine hende gewappent 

hatte. 
Dar umb rade ich dir gutlich 
Das du dich da mit wappes 
glich; 
Dar umb hau ich dir sij her 
bracht, 
4150 Dich die gewijset und dir vor 

gelacht. 
Von dem swerte saltu ein 

wissen han: 
Kein besser wappen du nit magst 

han; 
Dan kondest du dich da mit be- 
liehen wol 
Und heftest kein ander wappen 
zu male, 
4155 So weres du geforten mee 
[:2,9s "] Dan weres du mit den andern 

gewappent ee 
Und hettes des swertes nit 
Odir das du dich da mit be- 

helffen kondes nit. 
Das swerte gerichte genant ist 
4160 Und vor der andern me ußerwelt 

ist 
Und das beste das ye gefülete 
Konnig odir graffe noch gehielte. 
Noch nye was Ogirs swert 
Noch Eolans noch Oliviers so 
wert, 



4132. I. Beg. 21, 4—6. 

4133 ff. vgl. S. Bemardi Vita et res gestae, 
lib. I auciore Guülelmo 3, 7 (Migne, Patr. 
lat. OLXXXV, col. 230). 



4139. nyedar. 
4153. bebeffen. 



94 



Von dem Schwert (Gericht). 



4165 So gut noch, so meclitigy 
Noch von gute so krefftig. 
Das ist dis: wan is zijt ist, 
So gibt is yederman das sin ist. 
Is ist ein swert des keysers, 
4170 Eins regierers odir eins richters, 
Durch den alle die geregieret 

sint 
Die von syme huse und unstreff- 

lich sint; 
Dann zu allen zijden drauwet es 
[139 r] D as fceinre übel dune, er ge- 

dencke an es. 
4175 Es verhüdet den lyp vor wieder- 

springen 
Und wilt G-ot liep zu haben das 
hertze dringen : 
Den gedancke dut es bekeren 
Und schalckeit und bedrog uß 

eren. 
Den willen, die begirde, 
4180 Daz verstenteniße und die ge- 

hügde, 
Die sele mit allem yrme gesynde 
Sij richtet und straffet, 
Daz ir keins yme übel dar dun, 
UfE sine äugen uß zu stoßen dun; 
4185 Dan aen beiden und balde 
Wurde er gestrafEet von dem 

swerte balde. 
Das bij zeichen hastu an sant 

Benedictus, 
Der mit dem swerte gegurtet 

waz alsus; 
Da mit yn zu zijden gegürtet 
hait 
4190 Der konnig, da er yn meister 

gemacht hait 



[X29»] Der gesetze; und da er quam als 

ein keiser, 

Als ein regierer und ein richter, 

Dem sin lip, der versuchet was, 

Nit wolde underdennig sin, umb 

das 

4195 Er yn mit dem swerte geslagen 

hait 
Und yn so harteclich gestrafEet 

hait 
Also das er yn gar nahe gedodet 

hatte. 
Dar nach er yme nie enwart 
Ungehorsam; er were yme zu 
aller fart 
4200 Undertenig aen wiederstant: 

Der wart alletzijt gewar zu hant. 

Dis swert du dragen salt 
Und dich da mit beschüden salt 
Von dew allen ich dir vor han 
gesagt, 
4205 Die dir sint heimlich odir wieder- 
sagt; 
Dan du keinen bosern vigent nit 

magst han 
Dan die dir heimlich sint ge- 
taen 
[130'-] Und die mit dir behafft sint: 
Die selben dir aller sorglichste 
sint. 
4210 Also wann du fülest iemans 

wieder dich streben 
Und wieder din heile leben, 
So slage yn also hart 
Das er nit me wieder dich sij so 

hart ; 
Und wan du ettliche sijhest 
4215 Irren und des gewar wirst, 



4182. Sij irrtümlich stau Es. (Migne, Patr. lat. LXVI, col. 133). 

4187 ff. vgl. Vita S. Benedicti (Ex libro II 4204. dem. 

Dialogorum S. Gregorii Magni excerpta) Gap. 3 



Der Pilger wünscht zu dem Schwert eine Scheide und einen Gürtel. 



95 



Wann du syhest din hertze 
wencken 

Odir böse gedencke dencken, 

So du sijhest den gedanck uß- 
gan 

Von guden wegen odir unredelich 
gan, 
4220 Wan du den synne geneiget 

sijhest 

UfE wercke das unredelich ist, 

Dan sal din swert geschudet sin 

Und balde her vor getzogen sin: 
[130"] Dar durch sal ieclicher sin ge- 
richtet 
4225 Und wieder an sine ende ge- 

slichtet. 

Nu duhe is alse wisseclich, 

Dan ich gan dar durch kurtz- 
lich.' 
'Frauwe', sprach ich, 'is 

stunde wol 

Und gefiele mir auch in myme 
synne wol 
4230 Das mir ein fuder von uch 

werden mochte, 

Das swert dar inn zu dun wan 
is dochte; 

Dan is also alletzijt zu dragen 

Konde ich nit wol gedun aen 
schaden. 

Es ist auch me, sant Benedictus 
4235 Drug daz swert auch nit alsus; 

Dan er daz umb sich gegurtet 
hatte 

Als der konnig yn da mit ge- 
gürtet hatte: 



Und das hant ir mich gelernet; 
Dar umb duchte mich ebent 
[^'■IDas das swert uff die zijt einen 

gurtel hette 
4241 Und ein fuder, dar in er is ge- 
stoßen hette. 
Das wolde ich auch gerne also 

han, 
Mochte is mit uwerm willen sin 

getan.' 
'Sicher', sprach sij, 'du redes 

recht, 
4245 Und gefeilet mir wol daz du alse 

siecht 
Myne worte verstanden haist; 
Dar umb ich dir dinen willen 

fast 
Erfüllen wil und dich da mit 

gurten, 
Das man dich dan auch müße 

furchten.' 
4250 Da sach ich sij gan 
Zu der stangen da an 
Die ander wappen waren und 

Mengen 
Und die Stange umbfiengen. 
[131"] Yon dannen sij das fuder abe- 

bandt 
4255 Und brachte das und sprach zu 

hant: 
'Hie ist das fuder dar in sant 

Benedictus 
Das swert det und drug in und 

uß: 
Is hait einen guden gurtel wol 

zu gürten 



oben auf Bl. 131" Bild (37). 
131? unten: 

131" oben: 



verifizierter Text dazu (schwäre mit roter Umrandung): 

Gots gnade gibt dem pilgerin 

Das fuder von dem swerte sin, 

Das ist genant demutikeit, 

Der gurtel ubonge in stedikeit 

Und die tartsolie vorsichtikeit. 



96 



Von der Scheide des Schwerts (Demut). 



Und eine gude rincke hart zu 
steicken. 
4260 Nu nym is und hude das wol, 
Dan man is umb nicht verlieren 

sol! 
Das fuder mit syme rechten 

namen genant 
Ist und den demüdigen wol be- 

kant, 
Da inne du diu swert herbergen 
[l33>-]Sslt und diu gerichte verbergen; 
4266 Und erkennest du in dir gudes 

icht 
Und daz du habest getan dis 

odir daz villicht 
Verbergen salt du is under das 

fuder, 
Das ist gemacht von eime dot- 
lichen lüder, 
4270 Mit gedencken und ertzellen 

Zu aller zijt und her vor stellen 
Das du dotlich bist und durch 

dich 
Daz nit haist getaen, dan durch 

mich. 
Gedencke an den uffenen sunder 
4275 Und an den andern glissener, 
Die underscheideclich hattent 
Yre swerte und die also drugent! 
Dan der das swerte in dem fuder 

hatte 
Und das er ein sunder were, be- 
kant hatte, 
4280 Wart gelediget und erhöhet 
[132"] Und der ander genydert und ver- 

smahet, 



Umb das er daz swert hie uß 

hatte 
Und daz in 'dem fuder nit en- 

hatte. 
Is ist besser sich entschuldigen 
4285 In syme beslosse und verduldigen 
Und sin fuder innen zu besehen 
Dan sin gerichte uffeclick lassen 

sehen 
Odir sprechen: "sehent, das ist 

myn swert, 
Das ich hau uß der scheiden 

wert!" 

4290 Also dunt die hochfertigen, 

Folie windes und die uber- 

müdigen, 
Die nit süchent dan üppige ere 
Und das von yn alletzijt sij 

nuwe mere. 
Also salt du nit dun: 
4295 Du salt diu swert in diu fuder 

dun, 
Das verbergen und dich nydern 
Aen bedrug und dich demütigen; 
[133 <•] Dan die sache wirstu wol be- 
finden 
Wann du dich besiest vorn und 

binden. 
4300 Wann du is also in gestossen 

haist 
Und is in das fuder also getaen 

.haist, 
Mit dem gurtel salt du dich 

gürten 
Und dine wappen hart bij dich 

gürtten, 



4259. h: strieoken, Orig.: estraindre. 

4262. Orig.: Ce fouirel si est apele rai- 
son droit non Humilite; li: Daz fuder ist mit 
syme rechte name demudikeit genant. 



4269. Orig.: d'tme morte pel, 
liehen linden. 

4274 ff. vgl Luc. 18,10—14. 



h: von dot' 



Vom Gürtel des Schioerts (Beständigkeit) und der Schnalle (Härte). 



97 



Uff das du me sicherlich 
4305 Dine wappen dragest und stiff- 

lich; 
Dan is ist keinre der so wol ge- 

wappent sij 
Wo er unden nit wol beslossen 

sij, 
Gegürtet odir suß versorget hart, 
Das er möge sprechen sich wol 
gewappent sin; 
4310 Also das der swert gurtel dir 

muß sin 
Eins andern stareken gurteis 

wert, 
Wan so er umb dich gegurtet 
Und in sine rincke beslossen 

wirdt. 
Der gurtel heisset stedikeit 
[133"] Und die rincke hartikeit, 
4316 Die sich alletzijt bij ein ander 

halden 
Sollent und aen scheiden bij ein 

behalden; 
Dann in stürmen und in noeden 
Mag eins aen daz ander wenig 
nutze sin. 
4320 Der swert gurtel umb sine lenge 
Behelt die wappen bij ein in ge- 

drenge. 
Er heldet sij bij ein stedeclich, 
Wie wol er das swert auch 

heldet gelich; 
Er heldet sij das sij alletzijt an 
getaen 
4325 Sint und nit uß getaen 
Werdent umb keine sache 
In keinen zijden, wie sich das 

mache. 
Die rincke heldet und hüdet 

wol 
Den riemen, der alletzijt sal 
4330 Hart beslossen sin und halden 

Deutsche Texte dea Mittelalters. XXV. 



[134<-] Di e an fl er stucke, daz sij nit 

balde 
Uffgent, und heldet sij stedeclich, 
Das sij bij ein belibent sicher- 
lich. 
Sij ist das rechte sloß 
4335 Der wappen und ir besloß; 
Dan als du gefraget haist 
Diese Sachen, das gefeilet mir 

aller bast; 
Dann da ist nit is sij dir nutze- 

lich 
Und dar zu auch faste beqweme- 
lich. 
4340 Nu brache das als du salt, 
Dan du dyne große ere da mit 

schaffen salt!' 

Da ich die worte also gehorte, 

Faste gedenckig und erschrocken 

ich wart; 
Dan von der luteronge 
4345 Was wenig myne meynonge; 
Dan ich wände daz mir lichtec- 
lich 
[134"] D as fuder we rden solte und nit 

so swerlich; 
Doch hette ich gewollet wol 
Das das wammesch swere wol 
4350 Das ich an hatte, were uß ge- 

west; 
Doch leit ich mich 
Uff die zijt und antwerte da nit 
ich. 
Da sij mir von dem fuder also 
hatte gesaget, 
Balde sij einer ander rede ge- 
dacht : 
4355 'Nu wil ich dir aber sagen bas 
Von der tarschen die da was. 
Aen tarsche ist keinre gewappent 

wol 
Noch bewart odir beilüdet wol; 
7 



98 



Von dem Schild (Vorstellt). 



Dan die tarsche vor argeronge 
4360 Die ander wappen beiludet vor 

sekommge : 
Durch sij sint die ander wappen 

behiidt, 
Das sij nit gebrochen werden, sij 
das dut; 
p3o>'] Dan so ferre sij dar vor ist, 

Die ander bewart sint mit guder 
list. 
4365 Die tartsche heißet vorsichtikeit, 
Die konnig Salnion drug in ge- 

wonheit 
. Zu dun recht und gerichte, 
Und das ließ er durch nichte. 
Die tarsche was yme besser 
4370 Dan zweye hondert cronen mer 
Und dru hondert tarschen von 

golde 
Die er machte und in sin nuwe 

huß hencken wolde; 
Dan durch die tarsche wart er 

geeret 
Bij siner zijt und sin lop ge- 
nieret, 
4375 Und da er die dar nach verloß, 
Da was er von sinen eren bloß. 
Alle die tarschen von golde 
Und alle die cronen die er haben 

wolde, 
Warent yme nit eins herings 
wert 
[I35v] Und gülden yme auch nie so 

viel; 
4381 Dan sij alle verlorn wurden 
Und doch von der tarschen be- 

hudt wurden 
So lange als er die bij yme drug. 



Aber balde dar nach wart er 
verlorn 
4385 Als er die tarsche hatte verlorn, 
Also das du dar durch magst ge- 
sehen, 
Obe du wilt, und auch verneinen 
Yon dieser tarschen den wert: 
Die ist besser dan fünfü hondert 
gülden wert. 
4390 Dar unib rade ich dir daz du sij 

träges 
Und dich und dine wappen da 

mit bewares, 
Da mit zu schirmen und zu 
spielen 
Wan du dine fiende syst zu dir 

ylen. 
Kanstu nit spielen mit dem bou- 
celere 
4395 Odir dich da mit behelffen sere, 
[l36r] Sij sal dich da mit wol leren 

spielen: 
Du darfft ander meister nit 

fiele. 
Nu nym sij wan du gewappent 

bist 
Mit den andern wappen in der 
frist! 
4400 Is were wol zijt, obe du woldes, 
Sij zu nemen, obe du sij haben 

woldes, 
Und dar umb hau ich sij dir ge- 
geben 
Mit uffgetanen henden eben. 
Nym si balde, du sij an und 

wappe dich wol, 
4405 Dan dir anders nit so gut sin 

soll' 



[4395.] Kustode unten auf El. 135»: Sij 
sal dich da mit. 



4404. du sij an übergesclir. 



Der Pilger lüagt, daß die Rüstung ihm zu schtver sei. 



99 



Da ich die reden also ver- 
standen hatte 
Und mir myn hertze gar sere 

erferet hatte, 
Dan ich nit hatte gewonet das 
Das ich also harte gewappent 
was, 
4410 Und an dem andern ich mich 

sere leit 
Vom wammesch, das ich drug 

daz harte kleit. 
[136"] Doch umb yren willen 

Zu dun und den zu erfüllen, 
Versuchte ich zu dun die wappen 
an, 
4415 Und also hub ich an dem pantzer 

an 
Und det is über das wammesch 

an: 
Obe is gut were, darre ich nit 

gesan. 
Da ich is also hatte an getaen. 
Den zweyfeltigen krag ich da 
nain 
4420 Und lachte den umb mynen hals, 
Und dar nach stieß ich myn 

heubt als 
In den heim und verbarg das; 
Da nam ich die wynnebrot bas 
Und daz swert, daz ich da umb 
mich gurte bas. 
4425 Da ich also gewappent gieng, 



Die tarsche ich an myne sijtte 

Meng; 
Ich det alles als sij mir gesaget 

hatte, 
Wie wol ich kein wol gefallen 

dar an hatte. 
[137 >•} D a i^ -mich also gewappent 

sach 
4430 Und ich die wappen fülete nach 
Uff mir so krudelich und swere 
Und sij mich drucketen sere, 
Da antwerte ich Gnaden Gots: 
'Frauwe', sprach ich, 'ich bij den 

uch gnade 
4435 Das uch mischt übel gefallen 

wolle 
Das ich uch myn ungemach 

clagen solle. 
Diese wappen ligent mir so 

harte an 
Das ich von stat nit kan gegan: 
Ich muß alhie zu male beliben 
4440 Odir die wappen ußdun und sij 

laßen lygen. 
[137"] Der helme zu aller erste 
Dut mir groß uberleste, 
Das ich glich bin verdurmelt, 
Geblendet und gedeubet. 
4445 Daz mir gef eilet, sehen ich nit; 
Was ich gerne wolde, hören ich 

nit; 
Durch den geroch ich nit fuelen: 



4406. die reden u. hatte zugeschr., nachdem 
hatte n. also u. das n. verstanden gestr. waren. 

4407. Vnd mir u. erferet hatte zugeschr., 
nachdem ersehrocken was hinter sere getilgt ivar. 
Der ursprünglich im Anschluß an das Original 
mit 4407 anhebende Nachsäte muß nunmehr, 
loenn Icein Analcoluth angenommen oder in 



v. 4407 eine Änderung (etwa Ich oder Sij statt 
Vnd) angebracht werden soll, v. 4410 beginnen; 
su dem Und vgl. das Wortverzeichnis, h (4407) : 
da wart mir myn hertz gar sere erferte. 

4409. harte über gestr. sere. 

4427. hatte n. mir gestr. u. a. d. Schi, gesetzt. 



nach 4432 aufgeklebtes Bild (38) mit Nebenschrift rechts: Hie ist der weller gewappent 
vnd claget das die wappe zu swere sin. 



100 



Er tvill die Büstung niederlegen und beruft sich dabei auf David. 



Daz duncket mich ein groß 
quelen. 
Dar nach der böse krag 
4450 (Das yme werde ein großer 

slag!) 
An dem halse meistert mich, 
Das mich duncket er wolle er- 
würgen mich; 
Er drucket mich daz ich nit kan 

reden 
Als ich wil, noch vort getreden 
4455 Odir daz mich lüstet, gesunden 
Daz mir zum lybe möge nütz 
bringen. 
Dar nach von dem wynnebrot 
weis ich wol 
[138'-] Das ich myn brot da mit nit ge- 

wynnen sal: 
Soliche hentschue nit gut sint 
4460 Den den die hende weich sint. 
Die hende sint mir weich, daz 

ist mir leit, 
Und sij sint hart und breit; 
Ich mag sij also nit lange ge- 

lyden 
Aen mir we zu dun da myde. 
4465 Also sage ich auch von dem 

uberigen, 
Mich kurtz da von zu ledigen: 
Is krudet mich alles so gar sere 
Das mit kurtzen Worten nit mere 
Ich es ertzelen nit en kann, 
4470 Ich hette dan me synne dan ich 

noch hau. 
Ich bin undergangen als David 
geschach, 



Der auch mit syme grossen Un- 
gemach 
G-ewappent wart, aber ylentlich 
Det er sij us und snelleclich; 
[138"] Dar umb wil ich dun als er, 
4476 Dan sin byzeichen wol gef eilet 

mir. 
Alle myne wappen wil ich nider- 

werffen 
Und mich mit myme stabe be- 
heizen : 
Es ist besser snelleclich gan 
4480 Dan also belyben hie zu stan. 
Vorbaß gan konde ich nit 
Wo ich die wappen lechte nider 

nit, 
Und also wurde ich bedrogen 
In die hübsche stat zu gen, 
4485 Und bijden uch daz is uch ver- 

driesse nit 
Und auch das is uch versmahe 
nit.' 
'Sicher', hait sij geantwert 
mir, 
'Nu sehen ich wol daz du von 

mir 
Nit behalten haist daz ich dir 
han gesagt, 
4490 Und haist sere wenig dar an ge- 

daicht. 
Odir du gedenckest vil lichte 
[139'-] Das ich sij so gar lichte 
Das myne reden meren sien 
Odir das sij sient vol driegerien? 
4495 Wenest du is? so dich Got be- 
ilüde, 



4450. yme üb. gestr. ir. 

4452. duncket aus dimckt. 

4455. Odir aus die. 

4462 aus Vnd sij so hart sint vnd so "breit. 



4468. Vor mit ist ick schwäre gestr. 

4469. es übergeschr. 

4495. so üb. gestr. dz. beilüde sugeschr. 
hint. gestr. Gr . . . 



Unwillig hält ihm Gottes Gnade vor, daß er kein Hers habe. 



101 



Sage mir is, so ee, so besser, 

überlüde!' 
'Frauwe', sprach ich, 'durch G-ot 
gnadent mir, 
Also sollent nit gedencken ir! 
Ich weiß wol das ir sagent nicht 
4500 Is sij dan alles zu güde gericht; 
Aber myne crafft reichet nit so . 

ferre 
Das die wappen swere 
Von mir lange gedragen werden 

mögen, 
Und ich auch nit in keynen 
zögen 
4505 Also das ich vergessen habe 
Uwer wort, sonder ich wol ge- 
dacht habe, 
Als ir zum ersten hant gesaget, 
Das mich die wappen am ersten 

krüden 
Und sere bekommern wurden, 
[139"] Das sij die lange nit endeten, 
4511 Wann so ich der gewönet hette. 
Aber ich sagen uch das ichs nit 
gelernen kan, 
Umb das ich an mir fonden han 
So gar grosse kranckheit 
4515 Und an yn so grosse hartikeit: 
Und das sint Sachen die ungelich 

sint 
Und größlich wieder ein ander 
sint.' 
'War umb', sprach sij, 'hastu 
mir angetan 



Arbeit und mich ersucht dar an 
4520 Die wappen zu han wan du sij 
nit gelijden magst 
Odir auch nit getragen wilt den 

last?' 
'Frauwe', sprach ich, 'ich ge- 
dacht nit dran, 
Da ir mich da bij dadent gan: 
Ich uch nit me geheischen habe 
4525 Dann einen beslagenen stabe; 
Aber da ir von den wappen mit 
mir retent 
[UO'-] Und mich die dar nach wisetent, 
Da forderte ich sij, dan ich 
waente 
Das myne stercke die dragen 
mochte, 
4530 Das nü zumale anders ist, 

Wan an mir keyne stercke ist. 
Das sehen ich wol, dan ich un- 

krefftig bin 
Wo ich nit balde entwappent 
bin.' 
Dar uff sprach sij: 'du haist 
nit 
4535 In dir zu male kein hertze nit. 
Es ist nit daran daz du nit ge- 
schuldert oder gebeynet sijst 
genug : 
Du werest groß und starg genüg 
Were es das eynig gut hertze 
hettestu ; 
Dan vom hertzen kommet stercke 
des mannes nu 



4496. überlüde zugeschr. 

4499. Ickw&. gestr. Ick, andemliorrigiertwar. 

4503. üb. dem e in lange ein n, wohl An- 
satz su nit. mögen zugeschr. 

4504 zwischengesclir. u. unglücklicher FlicJc- 
vers, dem im Orig. u. in h nichts entspricht. 
ick] l. ist ? (IT.) nit üb. d. Z. sugeschr. u. zu 
Anf. des folgenden Verses gestr. 

4520. sij u. gelijden übergeschr. 



4521 Jcorr. aus Sij gelyden odir getragen 
raagt. 

4530. Das aus dann, dahinter is schwarz 
gestr. 

4536 zwischengeschr. 

4537. Du werest z. Anf. a. B. sugeschr. u. 
a. Schi, weres du gestr. 

4539. nu sugeschr. 



102 



Er werde der Rüstung noch sehr bedürfen. 



4540 Als der appel vom stamme des 

appelbaumes. 
Was mag ein dein man sagen 

des, 
Der sich eyme kempen glich wil 

sagen? 
Fortestu dich wappen zu dragen 
[Ho»] Und unib krangheit entschuldi- 
gest dich? 
4545 Mochtes du auch nit vor dich 
Als vor einen andern die wappen 

lyden ? 
So du sij dreist dich zu beilüden, 
Nit magst du sij gedran, als du 

sagest ! 
Nu bijden ich dich aber, was du 
dun magst 
4550 So du ungewappent den weg hyn 

gast 
Und dich dine figende ankomment 
Und dich dot zu slahen from- 

ment, 
So wirstu sicher sprechen: 

" ouwe, 
War umb hastu dich entwappent 
ee? 
4555 War umb han ich nit glaubt 

G-ots Gnaden? 
Dann bist du alle zu male be- 

drogen, 
Dan weistu wol waz ungefelle 

. ist, 
Und das is nit so gar swere ist 



Die wappen zu dragen 
4560 Als solich wee zu lyden und zu 

verdragen ! 
[ui'-] Nu wereut sij mir eine große 

freude, 
Die wappen, obe ich sij hette; 
ach leyder 
Mag ich nummer widerkommen 

odir ich solle 
Zu Gots Gnade, daz sij mich 

wappen wolle!" 
4565 Wan du also haist geschrijen 
Und uff den dot bist wont ge- 

slagen, 
Wenes du dan, daz dich Got 

hude, • 
Das ich gerne da hin gan solte 

myde, 
Wann du mir vor nit glaubt 
haist 
4570 Umb din bestes und diner eren 

last? 
Und me, obe ich wol dar gienge, 
Was ich dann da begienge? 
Yetzont saltu viel starcker sin 
Dan du dan mochtes ummer sin; 
4575 Dan wirstu gekrencket vast 
Von den wunden die du dan 

haist, 
Dwijle du nit ytze gedragen 
Die wappen magst odir gelyden; 
[141»] Als dann umb nust dar gienge 

ich 



4541. des zugeschr. 

4542. vor sagen Basw. 

4543. J?ortestu dich a. B. zugeschr. u. a. 
Schi, fochtest du dich gestr. 

4544. vmb üb. gestr. von. 

4545. nit vor üb. gestr. als ich. Hinter 
dich ist bydden gestr. - 

4546. Als a. B. zugeschr. 

4547. dreist üb. gestr. vor. 



4548. das t in Kit üb. Basur. du sij nit 
übergeschr., hier das nit jedoch zu streichen. 

4550. den weg hyn übergeschr. 

4556. Dan "bist du aus Nu bin ich. 

4560. lyde vnd zu übergeschr. 

4567. hude aus behude. 

4579. I. mit h umb sust wie 4580? Orig. 
beidemal pour nient. 



An David solle er sich in anderer Beziehung ein Beispiel nehmen. 



10c 



4580 Und umb sust bekommerte mich. 
Es ist ytze zijt an zu kleyden 
Die wappen und nit langer zu 

beyden. 
Wiltu mir gleuben, du beheldest 

sij 
Umb dich und bewarest sij, 
4585 Uff das du dich da mit behelffest 
Wann is dir not düt und zijt ist. 
Sint sij swere, so ganck gemache, 
Dan gemechelich sere ferre man 

gan mach. 
Es geschiet dicke das daz aide 

wip viel ee, 
4590 Wann sij yren weg siechte ghee, 
Ist zu sant Jacob odir sant Joste 
Dan der der sin phert faste 
Sticht und slet arglich 
Und ridet sere schariflich; 
4595 Dan er fyndet balder hindernisse 

me 
[U2'-] Dan das aide wip duhe ee, 
Die siecht yren weg geet. 
Von dem als ir redent von 

Davidt, 
Der sine wappen niderlachte zu 

einer zijt, 
4600 So sage ich dir, wiltu an yme 

nemen 
By zeichen, so wil ich dich nit 

straffen, 
Also das du nit dan versteest 

wie 
Du dinen gront salt machen hie: 
Zum ersten saltu gedencken an 



4605 Sine kintheit, dan er waz klein 

man, 
Als die hystoria das besaget. 
Auch waren die wappen yme nit 

begadet, 
Sonder sij waren vor SauZ, Gis 

son, 
Der der groste was in dem lande 

schon. 
4610 So saltu gedencken das sij waren 

gros, 
Von viel getzuges und yme zu 

swere und zu gros. 
[143«] Also wann du die zwo sacken 

haist geacht 
Flyßlich und wol bedaicht, 
So lachte sij David nieder 
4615 Mit gudem rechte und det sij uß 

wieder : 
Vor Saul waren sij gar gut, 
Aber vor David waren sij zemale 

nit gut. 
Dan was niemans gut ist, 
Dasselbe auch mir nit gut ist: 
4620 Das ist das als Aristotules spricht 
In syme buche das Etike genant 

ist. 
Aber were David gewest als du 

bist, 
So groß als er sijther wart, 
Und hette dann die wappen nider 

gelaicht, 
4625 So mochtes du wol an yn han 

gedaicht, 
An yme exempel zu nemen 



4595. das r in balder übergeschr. 

4603. vor Du fälscht, ein zweites wie. 

4606. X Beg. 9, 1—2. 17, 38—40. 

4608. Sauls son irrtüml. Ms., von h über- 
nommen; v. 4616 richtig Saul. Die eingesetzte 
Lesart folgt dem Orig. (pour le fll Cis, Saul). 

4611. zu vor swe' übergeschr. 



4620. Aristoteles, De moribus 10, 5. 
Original hält sich enger an Aristoteles: 
Quar ce qui est bon a mulon, 
Si n'est pas bon a estalon. 
h folgt unserer Übersetzung. 
4622. gewest übergeschr. 



Das 



104 



Trotz aller Warnungen legt der Pilger die Rüstung wirklich nieder. 



Und auch zu dun als er eben. 
Aber er hait nit also getaen 
[143'-] Noch flieh a i so zu c | lln g e i erne t 

han; 
4630 Dan da er zu manne wart, 
Zu allen kriegen er wol ge- 

wappent wart: 
Is was keinre der gedencken 

dorste 
Das er ungewappent in kriege 

kommen dorste; 
Dann were er also dar in 

kommen, 
4635 Er were nit lebende wieder beim 

kommen. 
Die gewappent er alletzijt lieb 

hatte, 
Und von der zijt das er sich 

entwapent hatte 
Von den Wappen Saul, ander 

wappen er drug, 
Da mit er G-olyam dot sing: 
4640 Die waren yme gefuglich 

Und auch dar na faste beqweme- 

lich. 
Weres du als er was, ein kint, 
So mochtes du dun als er det, 

sint: 
So liede ich wol daz du in diner 
jungheit ' 
4645 Nit hettes also grosse arbeit; 
[1A3 V ] Aber du bist gros genug zu 

dragen 
Die wappen, woldes du nit ver- 
tzagen 



Und woldes dich wol bewijsen; 

So dorffestu nit schäme lyden 
4650 Obe du ußslugest die wappen zu 

dragen : 

Das mochte dich nit ruwen in 

keinen dagen.' 

'Frauwe', sprach ich, 'ich ge- 
sehen wol 

Das ich an uch nit viel ge- 

wynnen sal 

Uch zu wieder sin und zu reden 
4655 Odir uwer Sachen zu wieder- 
reden ; 

Aber ich sage uch das ich muß 
niderlegen 

Das alles und kan des nit langer 
geplegen. 

Is ist nit ich dun is alles abe; 

Dan da ist nutscht davon ich 

freude habe: 
4660 Sij haut mich alle sere gemüdi- 

G-edrucket und gelediget.' 
Da sloß ich die rincke uff, 
[1M>-] D a m it giengen auch die wappen 

Uff; 
Dar nach lachte ich nyder gurtel 
und swert 
4665 Und die tarsche, die was mir nit 

gar wert. 
Da sij mich gesach dun also, 
Bälde sij mich straffette und 

sprach do: 
'Die wijle du dich entwappen 
wilt 



4631. wol übergeschr. 
4633. kome übergeschr. 
4649 ;f. Orig.: et honte avoir devroies Se 
porter les (tu) refusoies; h: so soltestu dich 



schämen die wapen versagen zu dragen: yß 
mooht dich yenier me ruwe. 
4658. ich. 



vor 4666 aufgeklebtes Bild (39) mit Nebenschrift rechts: Hie leget der weller die 
wappe nieder vnd claget das er sij nit gedrage mag. Unter den niedergelegten Waffen ist 
hier auch ein Schild mit iveißem Kreuz. 



Als er ihrer aber ledig ist, befällt ihn Angst. 



105 



Und die wappen alle niderlegen 
wilt, 
4670 Zum nrynnesten du mich bijden 

soldes 
Das ich dir suchen wolde 
Einen der so starg mochte sin 
Der mochte gedragen die wappen 

diu ; 
Der sij uff sine achssel lüde 
4675 Und dir die nach trüge, 
[IM"] Uff das du sij mochtes bij dich 

nemen 
Wan sij dir eben qwemen.' 
'Frauwe', sprach ich, 'ich hatte 
uch so sere 
Ertzurnet das ich uch nit mere 
4680 Solichs an gesuchen. aber yetzont 
Bijden ich uch flehelich zu stont.' 
'Nu beide mir', sprach sij, 'ein- 
wenig ! 
Ich bringen dir eynen, obe ich 

mag, 
Der dir die wappen wol getragen 
mag, 
4685 Dir nach alletzijt nacht und dag.' 
Da gieng Gots Gnade von mir 
hien, 
Ich weiß nit wol wo sij gieng 

hien; 
Und ich beleih da alleyne 
Bis das ich mich gantz ent- 

wappent gemeine. 
4690 Den krag det ich abe, daz 

pantzer uß, 
Den helme abe, daz beingewant 
auch uß, 



Und behielt nit mee dan den sack 
Und auch mynen pilgerin stab. 
[145 >•] Da ich mich also entwappent 

sach, 
4695 Da was gar groß myn ungemach. 
'Guder milder Got', sprach ich, 

'was sal ich dun, 
Das ich so viel arbeit han dun 

dun 
Gods Gnade, myne meisterynne, 
Mynre guden schaff enerynne ? 
4700 Nun hatte sij mich reyneclich 
Bereidt und wol adelich: 
Als einen graffen sij mich ge- 
wappent hatte 
Odir einen hertzogen, dar an nit 
viel gebrost hette. 
Aber wieder ire underwisougen 
4705 Und ire milde underrichtongen 
[145»] Han ich alles nidergelacht und 

ußgetaen 
Und der zu male nicht behalden 

han. 
Lieber Got, war umb ich verlorn 

ban 
Myne crafft, war han ich sij 
getaen ? 
4710 War umb bin ich nit me 

krefftiger, 
Me starcker, me harter und me 

hafftiger, 
Das ich mochte gehalden 
Die wapen und sij behalden? 
Sicher ich were viel desta besser 
4715 Und hette mich Gods Gnade de- 
lieber : 



4671. dir üb. gestr. dich, vor wolde schioare 
gestr. lassen. 



4713. behalden üb. gestr. gelyden. 



vor 4694 aufgeklebtes Bild (40) mit NebenscJirift rechts: Hie ist der weller gar er- 
schrocken. Er steht traurig da, die Linke am Auge, mit der Hechten auf den Stab gestützt. 



106 



Da schafft Gottes Gnade wieder Kufe. 



Alle andern ertent mich de nie 
Und föclitent mich und liettent 

mich desta lieber me. 
Aber is dauget nit, dan ich 

möchte icht 
Die gelyden hin keinen weg nit. 
4720 Ich wil mich Gots Gnaden be- 

felhen 
Und alle zumale an sij laßen; 
Ich meyne sij solle mir helffen 

und mich nit lassen: 
[146 >•] Sij hait ytze der gelich getaen, 
Dar umb ich der mer hoffen zu 
ir hau; 
4725 Und mich» zu machen wegefertig 
Ist sij balde enweg gangen gelich 
Yemans zu suchen und zu be- 

gaden 
Der mir die wappen helffe 
dragen.' 
Als ich in dem wesen also was 
4730 Und ich alleyne gedachte das. 
Da sag ich Gots Gnade, die 
braichte 
Eine dierne die nit hatte 
Kein äuge, als mich beduchte 

das. 
Aber da sij so nahe bij mich 

waz kommen 
[U6'>] Und ich sij wol hatte gesehen, 
4736 Binden uff yrem nacke 

Sij ir gesichte zu male da hatte; 



Ir äugen sij gedecket hatte 
Und sag vor sich zu male nit. 
4740 Das was gar eine leyde geschieht, 
Als mich duchte, und gar wider- 
machte, 
Und das wonderte mich 
Gruwelich, und ich wart sere ge- 
denckich. 
Als ich das also gedachte 
4745 Und mich zu grossem wonder 

brachte, 
Gots Gnade rette zu mir und 

sprach : 
'Nu gesehen ich wol, nu gesehen 

ich, ach, 
Das du bist ein frommer rittere: 
Da du salt stryden mere, 
4750 Da hastu die wappen nider- 

gelaicht 
Und bist uberwonden aen slag. 
[W]Du must ein badt han dich zu 

baden 
Und ein weich bette dich dar uff 

zu laden, 
Einen artzet dich wieder zu 
heylen 
4755 Dine ädern und dir die recht zu 

deilen.' 
'Frauwe', sprach ich, 'des 

sollent ir sin 
Eine artzerynne und eine 

sterekerynne; 



4716. erteilt üb. gestr. hettent. 

4718. dauget üb. gestr. ist. icht aus nit. 

4724. B. schlägt de statt der vor. 

4726. vor sij angefangener Buchstabe (b ?). 

4729. dem aus der. wesen üb. gestr. 
massen. 

4730. ich übergeschr. 



4734. wz übergeschr. Nach komeii ist 
was schwarz gestr. 

4735. sij übergeschr. gesehen aus be- 
sehen, dahinter das schwäre gestr. 

4736. Vor Hinden ist sij gestr. 

4737. Sij a. B. zugeschr. 
4743. sere übergeschr. 



vor 4734 aufgeklebtes Bild (41) mit Nebenschrift rechts: Godes gnade briget dem 
welle' gedechteniß die wappe zu dragen. Eine Frau im blauen Kleide (Gedächtnis) wird von 
Gottes Gnade am Arme zu dem Pilger geführt. 



Sie bringt eine Frau herbei, die dem Pilger die Büstung nachtragen soll. 



107 



Dan ich bin so milde werlich 
Das ich die wappen sicherlich 
4760 Zu male nit gedragen möchte 
Wo ich nit me stereke haben 

möchte. 
Das ir nit übel betzalt werdent, 
bij den ich uch, 
Und das ir nit zurnent uch; 
Dan ich noch groß hoffen zu uch 
han 
4765 Und zu uch einen gantzen ge- 

truwen han.' 
'Nu', sprach sij, 'ich han dir 

fonden 
Diese dierne und her gewonnen 
Uß einre gegen die ist ferre, 
[147"] Dir zu helffen in dieser noit; 
4770 Dan ich sehen wol, hulffe dut dir 

not, 
Das du qwemest balde zu böser 

geschiet. 
Diese dierne du mit dir füren 

salt 
Und dine wappen ir befelhen 

salt; 
So sal sie die mit dir dragen 
4775 Uff das, wann is not wirt be- 

gaden, 
Als ich dir sagette, das du sij 

lindes bereidt 
Und sij an duhest vor ander 
cleit ; 



Dan hettestu sij nit alletzijt bij 

dir 
Und sie nit andedes zu noden 
dir, 
4780 So weres du balde dot und er- 

slagen 
Und braicht zu viel bösen dagen.' 
'Frauwe', sprach ich, 'von dem 
gesien 
Das ir mich hant laßen gesien, 
Wolde ich gerne wissen den 
namen, 
4785 War umb daz is also ist getaen. 
[M8'-] Es ist eine verstalte sache 
Gheen mir und ungewonliche, 
Und ich meynte sicherliche, 
Als ich das hatte von uch ver- 
standen, 
4790 Das ir mir brengen sohlet von 

andern landen 
Einen knecht starck und lichte, 
Der mir viel lichte 
Sollte sere helffen dragen; 
Dan der dierne helffe nit kan 
bejagen 
4795 Me dann ein büttgin helffen 

dragen : 
Die dierne mochte nummer mee 
Keine wappen gedragen noch ge- 
liden ee.' 
'Da von', sprach sij, 'wil ich 
dir sagen 



4759. sicherlich hint. gestr. guteclich. 

nach 4764 der zweitfolgende Vers schon be- 
gonnen: Nu sprach sij; dann dieseWorie durch- 
strichen u. die zweite Hälfte der Zeile mit einem 
Striche ausgefüllt, neben der Zeile Unlcs a. B. v.ti 

4769. noit hint. gestr. sere. 

4770. dut üb. gestr. ich. not aus niet. 

4771. Statt Das liest h Oder. halde hint. 
du gestr. und vor zu übergeschr. 

4772. mit dir übergeschr. 



4773. hefelhen üb. gestr. geben. 

4774. dir üb. gestr. ir. 

4775. is und wirt übergeschr., letzteres üb. 
gestr. is. begaden aus begadet. 

[4785.] Kustode unten auf El. 147»: Es ist 
eine v'stalte. 

4793. vor sere gestr. helffen. 

4795. die ersten Buchstaben von buttgin 
auf Basur. 



108 



Von der herbeigeholten Frau (Gedächtnis). 



Und auch kürtz gnüg antwerten 

dar an: 
4800 Diese dierne ist bekant 

Und mit yrein rechten nanien 

genant 
Gedecktenisse, die nutschit ver- 

nymniet 
[148«] Von zu körnender zijt und nit 

gesicht ; 
Aber von der alden zijt kan sij 

wol 
4805 Und vergangen Sachen gereden 

wol. 
Na der vergangen zijt und da 

binden 
Mag man ir äugen und gesichte 

finden. 
Es ist nit eine verwonderte 

sache, 
Als du wenest, odir verstalte 

sache, 
4810 Sonder ist eine sache die not- 
dürftig ist 
Allen den die da haut den list, 
Die sich wollent zu vorsichtikeit 

machen 
In guder konst und guden sacken. 
Sy weren lange sere verarmet, 
4815 Die schuler, betten sij die schüler 

nit bewarnet 
Und hatte sij yn nit ir anheben, 
Das sij wissent und gelernet 

haben ; 
Dan die gekaufte sache ist 

wenig wert 



Wo man sij na dem kaufe nit 

heldet wert. 
4820 Also das sij die äugen da binden 

hait, 
[149 '■] Dar umb sij hait der huderynne 

stat 
Und ist eine schatzhelderynne 

der künste 
Und der wißheit große günste. 
Und dar nach saltu wissen 
4825 Das alle synne und wyssen 
Hüdet sij und dreyt die mit ir 
Und hait die an allen enden bij 

ir; 
Und dustu sij huden und dragen 
Und die wappen also mit dir 
dragen, 
4830 So wirt sij is dun 

Und dar inn keinen wiederstant 

dun. 
Sij ist also starg die zu dragen 
Als sij mechtig ist die zu huden 
zu ewigen dagen. 
Und nit versmahe das, 
4835 Als du vor haist gesaget bas 
Und sij hast gehalden vor eine 
dierne an 
Die nit dan ein buttgin solde 
dran ; 
[149«] Ee saltu dich selbs versmahen, 
Wann du na dir selbs woldes 
fragen; 
4840 Dan das du nit magst gedragen, 
Das dreit sij wol und ist nit 
überladen 



4799. gnüg übergeschr. 

4803. zijt vnd üb. gestr. sache. 

4808. nit übergeschr. 

4812. sich üb. gestr. da. zu übergeschr. 

4815. Die sclmler üb. gestr. die schuler. 



I. mit h hette? auch das zweite die schüler 
übergeschr., dabei schuler etwas verwischt. 

4822. schätz üb. gestr. stat. 

4823. der üb. gestr. Ton. 

4837. üb. dem h in büttgin Tintenfleck, 
deshalb noch einmal ein b übergeschr. 



Nachdem ihr die Rüstung aufgeladen, geht der Pilger Moses um sein Brot an. 109 



Und dut ir auch nit we. 

Es were irrongen und schänden 

viel me 
Und wurde din auch viel ge- 
spottet me 
4845 Dan das ein knecht sij gedragen 

hette 
Der starg und kreftig gewest 

hette ; 
Und also vordechteclich 
Sij herbraicht han ich 
Uff das, wann sij die wappen 
hait 
4850 Geladen und gedragen hait, 

Das du dich auch zu dragen ver- 
suchest 
Odir aber davon große schände 
lydest.' 
'Frauwe', sprach ich, 'dwijle 
is also ist, 
[ISO*-] Sage ich zu uch nit und wider- 
sprechen icht 
4855 Konde ich nit wol: 

Nu sient alle ufgehaben wol 
Die wappen und uff sij geladen 

zu mal; 
So han ich gedacht vor zu gan, 
So wirt sij mir nachgan.' 
4860 Da hüben ich und sij die uff 
Und luden sij G-edechteniße uff, 
Und die nam sij gewilliclich, 
Als das auch was not gelich. 
Da sij waren also uff geladen, 
4865 Gots Gnade von yren gnaden 



Eette zu mir gar, sußeclich 
[150 v] Mit den Worten und sprach mil- 

declicb : 
'Nun', sprach sij, 'bistu bereydt 
Zu gan in die hübsche stat breit. 
4870 Du hast Gedechteniß, dine drege- 

rynne, 
Die dir nachgan sal von hynnen; 
Die sal dragen die wappen din 
Dich zu wappen wan is zijt sal 

sin. 
Du haist den sack und den stab, 
4875 Hubscher dan yeman hait ge- 
habt; 
Von allen stucken weres du wol 

ußgeracht, 
Hettestu Moyses brot bij dir ge- 
habt. 
Gang und nym des, du hast sin 

laubes, 
Wie wol du des nit verdienet 
habes, 
48S0 Und hüde dich wol das du des 
Das du dun salt, nit ubertredes, 
Als du haist gesehen daz man 
dun sal, 
[15P-] Und das auch da bij erkant wol!' 

Alda gieng ich zu Moysen 
4885 Und hiesch yme sins brodes mir 

geben. 
Das was des uffhabes den er gab 
Den pilgerin und erleubet hait: 
Er gab mir is, und ich nam das 
Und lachte in mynen sack das. 



4843. Es were üb. gestr. So wirt. 
schände übergeschr. 



vnd 4844. wurde übergeschr. 

gestr. u. a. d. Schi, gesetzt. 



me nach viel 



vor 4860 Bild (43) mit Nebenschrift rechts: gotts gnade vnd der pilgerin ladent 
gedechtenisse [verschrieben: gededechtenisse] die wappe uff. 

nach 4889 Bild (43) mit Nebenschrift rechts: Hie fordert der pilgerin des uffhabes an 
Moysen. Moses erscheint hier nicht mit dem Bischofshut, sondern gehörnt. Mit der Beeiden 
bietet er dem Pilger das Brot dar, in der Linken halt er ein BrotJcörbchen. 



110 



Gottes Gnade will von nun an unsichtbar um den Pilger sein. 



4890 Dar nach ich mich zu G-ots 

Gnade wante 
Und yr yres gudes sere danckete 
Und bat sij das sij mich nit 

laßen wolde 
Odir auch von mir nit scheiden 

wolte 
Und das sij in mynen noeden mir 
4895 Nit wolde ferre sin von mir; 
[151"] Dann, als sij sagete, wiste ich 

wol 
Das ich aen sij nit gedim odir 

schaffen sol. 
'Sicher', sprach sij, 'gewerlich, 
Aen mich schaffest du nit sicher- 
lich 
4900 Und weres gar balde uberwonden, 
Hettest du nit hude an mir fon- 

den; 
Und dust wißlich das du forderst 
Solichs das dir dann not ist. 
Und umb das die begeronge din 
4905 Mich nit düncket unredelich sin, 
Dar umb bin ich in willen zu 

gan mit dir 
Uff dis male und nit scheiden 
von dir, 
Ich werde dan ertzornet von dir.' 
[iäS'-j'Frauwe', sprach ich, 'grossen 

danck ! 
4910 Nu hau ich genug aen wanck.' 

'Nu verstaut', sprach sij, 'wie 
Ich willen hau mit dir zu gan 

hie: 
Is sint ettliche die haut getruwen 
In ire fruude und auch dar zu 
hoffen 
4915 Also groß daz sij des genug ent- 

geldent; 



Dan sij gedenckent daz sij sij 

behalden wollent 
Und überhaben werdent durch 

sij zu stuut 
Obe sij eynich übel gedaen haut 

odir dunt: 
Also das du dich dar uff nit 
fydest 
4920 Zu male an mich odir dar an 

sturest, 
Uff das du nit übel duhest 
In fidonge daz du von mir nit 

überhaben siest, 
Von dyme gesiebte odir den 

äugen din 
Wil ich nit angesehen sin. 
4925 Ich han einen stein, der ist dar 

zu geachtet 
Das er die lüde, wan ich wil, 

unsichtlich machet. 
Durch den verdrucken ich mich 
Vor dineu äugen und verbergen 

mieb, 
Also daz du wenest ich sij bij 
dir, 
4930 So bin ich anderswo ferre von 

dir 
[152«] Uff eime andern wege von dir 

gekert; 
Und das ist wann so du dich 
verkert 
Haist und anders dust dan du 

billich salt; 
Wann du nit fragest balt 
4935 Den weg da du hin gaen salt, 
Und wann du den guden weg 

lessest 
Und den bösen weg ußgest, 
Also das du wol wyseclich 



nach 4898 Bild (M) mit Nebenschrift rechts: der pilgeryn daneket gnaden gotts. 



Der Pilger beschließt den 1. Teil seiner Traumerzählung. 



111 



Dich versynnest an zu gan itze 4960 
gelich ; 
4940 Dan ich ytze mit dem steine 

arbeiden wil 
Und mich des gheen dir ge- 
brachen wil, 
Und itze an scheiden ich mich 
Von dinen äugen und dyme ge- 
siebte.' 4965 
Also balde sij das hatte gesagt, 
4945 Sag ich sij nit me, da waz mir 
lachen versagt; 
Myn hertze des sere trurig was, 
Es künde aber dar zu gedun nit 
baß. 
[153 <•] Doch mynen weg zu gan, 

Als ich den angeslagen han, 4970 

4950 Wil ich nit underwegen lassen; 
Dan ich wil mich yetz dar an 

laßen. 
Zu Gedechtenisse sprach ich daz 

sij qweme 
Und myne wappen mit ir neme 
Und die brechte mit ir 4975 

4955 Und der keins vergesse mir. 

Siecher sij det yme also, l mr l 

Sij bracht sij alle und ließ keins 

do, 
Und des was große not viel; 
[153*] Dann dar nach fant ich hinde- 

ronge so viel: 

Hie hait das erste buch. ein ende Un 

am ende. 



Were ich nit mit wappen bewart 

gewest, 
So were ich dicke dot gewest; 
Nit das ich sij alle male an 

dede 
Zu mynen noeden odir daz ich 

sij neme; 
Dann dicke durch myne trakeit 
Leyde ich manichen schoß und 

leit 
Die ich nit gelieden bette 
Der mich wol gewappent bette. 
Nun han ich gesaget aen bin- 

derwan 
Ein deile des draumes den ich 

getreumet han; 
Das uberige wil ich uch ertzelen 

lan 
Her nach so ich die müße han, 
Und ir werdent daz lieber hören 
Wann ir einwenig gerüwet 

weren. 
Aen underlaß alles verdrüßet, 
Schon weder und auch so is 

gusset. 
Ein ander male komment her 

wieder, 
Wollent ir is vort boren sieder; 
Da tuschen bedencken ich mich 
Eecht zu sagen waz gedreumette 

ich. 

d hebet sich das zweite an 



Oben auf El. 153 r , üb. dem Bilde, sind die 
beiden ersten Verse von Bl. 152, tuelches zum 
Nachholen eines vergessenen Passus eingelegt 
wurde, gestrichen: 



Frauwe sprach ich grossen danck 
Nu han ich genug ane wanck. 

4949. vor han gestr. gehabt. 

4959. so übergeschr. 



vor 4948 aufgeläebtes Bild (45) mit Nebenschrift rechts: Hie geet der pilgery hynweg 
vnd gedechtenisse die yme syne wappen dreit. rechts oben über dem Bilde xlv. Gedächtnis 
hält den voranschreitenden Pilger mit einer an das rechte Bein gebundenen Leine. 

unter der Unterschrift des I.Buches angefangenes Bild, nur Federumrisse: Der Pilger 
steht mit erhobenen Händen vor Gottes Gnade. 



112 Neue Erlebnisse des Fügers: Ein Bauer (Grobes Verständnis) tritt ihm entgegen. 



4980 Nach dem das ich uch vor ge- 
saget han 
Von dem das ich sag und ge- 

dreumet han, 
Ander wonder, die ich sijther 

sach, 
Als ich daz zum ersten Ter jach, 
Uch wil ich verkünden und er- 
tzelen, 
[154^] Dan is were nit billich zuver- 

helen. 
4986 Als ich allerdinge gestalt was 
Mynen weg zu gan und bereit 

was, 
Ich fieng 'an sere zu gedencken 
War umb is were das ich aen 
wencken 
4990 Die wappen nit gedragen mochte 
Und das ich so große krafrt nit 
han mochte 
Als dann die dierne hatte 
Die sij mir nach gedragen hatte. 
'Nu bin ich', sprach ich, 'ein 
man 
4995 Der da ist eyme kemppen glich 

getaen, 
Und weiß mich nit bresthafft sin, 
Sonder an allen mynen gliedern 
gesont sin, 
Und bin gestalt zu dragen nu 
Die dirne und ire bürden dar zu. 
5000 Wo kommet daz her das ich so 

fellig bin 



Und von krafft so unmechtig bin 
[155'-] Das ich das daz ich sij han ge- 

sien dragen, 
Eine stonde nit mag gedragen? 
Das ist eine große schände mir 
5005 Das sij me stercke hait dan ich 

an mir.' 
Also als ich gedachte das 
Und in gedencken gienge vorbaß, 
Eiw großer gebure ungestalt, 
G-edreet und wiederstalt, 
5010 Der einen hagedornen stab 
Drug (als ein böse knab 
Schein er sin und ein böse pilge- 
rin), 
Der begegent mir in dem wege 

myn. 
'Was ist dis', sprach er, 'war sal 
ich gan, 
[155"] Dieser pilgerin war wilt er gan? 
5016 Er ist nu wol bereidt, 

Als yn duncket, und gestalt, 
Aber er muß mir is lassen balt 
Und myner fragen antwerten.' 
5020 Da ich yn also gehorte reden, 
Gröblich wart ich mich erferen; 
Dan ich wände das er mich an- 

lauffen solde 
Und des auch nit langer beiden 

wolde. 
Doch gar zuchtenclich 
5025 Eette ich zu yme und demutenc- 

lich: 



5008. Einen großen Hs. (auch h). Unser 
Übersetzer hat v. 5013 zuerst loahrscheinlich 
Begegenete ich oder ähril. schreiben wollen im 
Anschluß an das Orig. (Un grant villain . . . 
Ai encontre). 



5010. hagedornen üb. gestr. wackolder. 

5014. ich versehentlich für er; Orig.: 
ira ce pelerin, Diex, ou ira? 

5015. wilt gleich üb. gestr. sal geschr. 



vor 5006 auf geliebtes Bild (46) mit Nebenschrift rechts: groh v'stentenisse hindert 
vnd heldet den pilgeryn vff. Ein Bauer (Grobes Verständnis) mit einer gelben Kapuze um den 
Kopf und einem Knittel in der Hand. 



Indes kommt Rechtes Verständnis dem Pilger gu Hilfe. 



113 



'Herre', sprach ich, 'ich bijden 

uch 
Das ir mir nit schaden und mich 
hindernt noch 
An mynem wege und gange; 
Dan ich myne biedefarte ferre 
gange, 
5030 Und einwenig hinderongen 
Moch mir großen unstaden 

brengen.' . 
[156 >■] 'Sicher', sprach er, 'die irronge 
Kommet von dinre uberwenonge. 
Wo kommet is dir her, das dich 
G-ot hütte, 
5035 Und war umb bistu von über- 
laute 
Das du tarst ubertreden die ge- 

setze 
Die der konnig nu hait wollen 

setzen ? 
Es ist lang das der konnig ver- 

bodt 
Das keinre sacke dragen solt 
5040 Und dar zu auch keinen stab; 
Und du wieder sin ordenonge 
Durch dine dorhette uberwenonge 
Eins und auch das ander 
Zu dragen haist understanden. 
5045 Wo kommet is dir odir wie ge- 

darstu her 
Kommen, wie bistu so kune? 
Übel queme du her, übel kom- 

mestu von hynnen, 
Und ist böse daz du sij haist 
herbraicht mit dinen synnen. 
[156"] Besser were du hettes dich vor 

bedaicht : 



5050 Noch nye in allen dinen dagen 
Hast du nye großer dorheit be- 
jagen.' 
Da ich die worte also verstunt, 
Me dann vor ich erschrocken 

stünt ; 
Dan ich wiste ein antwert nit 
5055 Und konde yme auch geant- 

werten nit. 
Ich hette einen vorsprechen ge- 
wonnen 
Hette ich einen finden können; 
Dan ich sin wol hette bedorfft: 
Ich hette yn gesucht wo ich 

hette gemocht. 
5060 Doch da ich also gedachte 

Wie ich dannen kommen mochte, 
Hub ich die äugen uff und sach 

kommen 
Das das ich lange gern hette 

vernommen : 
Das was frauwe Hecht Verstente- 
niße, die wijse, 
5065 Die man wol kennet an yrer 

wijse; 
[i57>-] Dann sij nit saget is sij dan ge- 

ordeniret, 
Wol gestalt und gepürrieret. 
Andermale hatte ich sij gesehen 

me, 
Dar umb erkante ich sij desta ee. 
5070 Ich was gar frohe da ich sij 

sach; 
Dann ich sach das durch sij 

groß ungemach 
Dem gebure geschee und wurde' 
von ir begrienen 



5034. is u. her übergeschr.; n. hütte ist 
her gestr. 

5035. von vbernmte üb. gestr. der vnd; da- 
hinter der zu streichen vergessen. Die ursprimg- 

Deutsclie Texte des Mittelalters. XXY. 



liehe Fassung folgte dem Orig.: Et pour quoi 
es et tex et quiex. 

5042. vor Durch gestr. durch. 

5048. mit dine syniie zugeschr. 

5051. Hast üb. gestr. mochtes. 



114 Hechtes Verst. tritt Grobem Verst. entgegen und weist einen Brief von Gnade vor. 

[15S>-] 



Der mich, so hart hatte an- 

gegrienen, 
Als er auch zum lesteu wart, 
5075 Und bij den uch das ir versteent 
wie daz geschach! 
Recht Verstenteniße gieng 

strag bij yu 
Und sprach: 'gebüre, wie ist dyn 

synn, 
So dich Got hüde, war zu dienest 
du 
[157*] Und schynest so wunderlich sin 

du? 
5080 Bistu kremer odir falckener 
Odir der die hie hyn geent, ein 

spyer ? 
Wie heißest du und wo hastu 
gehauwen 
Dinen stab, da mit du haist ge- 

drauwen, 
Odir wo hastu yn genommen sijt? 
5085 Dann is ist keyn gut stab nit, 
Der da sie bequemelich 
Eynie biedermanne odir erlich.' 

Alda hait der gebure 
Genommen uff syme stabe eine 
sture 
5090 Und sprach: 'sint ir meygerynne 
Odir eine nuwe ersücherynne ? 
Laßent sehen uwer befelhonge! 
So erfaren ich zum mynnesten 

uwer name 
Und obe ir habent so große 
macht 
5095 Als ir mir daz haut vorgelacht; 
' Dan were ich des nit sicher, 
So gebe ich uch keine antwert 
sicher.' 



Da stieß Eecht Verstentenisse 
yre haut 
Durch ein loch inn yren busem 
zu haut 
5100 Und hait dar uß eine buliße 

braichte, 
Dar uß sij einen brieff laichte; 
Und da hait sij zu yme also ge- 
sagt : 
'Sicher ich sal dich myne macht 
Gar balde laßen sehen und hören. 
5105 Lese da, so magstu mynen namen 

hören 
Und myne macht, wer ich bin, 
War umb ich her kommen bin!' 
'Sicher', sprach er, 'ich bin kein 
schuler nit, 
Ich kann in uwern biedern 
nicht: 
[158"] Also ir wollent, also lesent, 
5111 Dann ich achten sij wenig, das 

wissent ! ' 
'Lieber herre', sprach sij, 'iß ist 
nit yederman 
Der uwern synne wolle hau; 
Sij sint von viel luden gut ge- 
achtet, 
5115 Lieb gehabt und wol bedrachtet; 
Nit de mynre müssent ir sij 
hören, 
Myn schuler wollen mich dan 

alle nit erhören. 
Uß argenwaen wil ich uch 

brengen 
Und was macht ich han, uch 

vorbringen. 
5120 Komme her, schuler', sprach sij 

zu mir, 



vor 5076 Bild (47) mit Nebenschrift rechts; Rechte v'stentenisse Redet mit grobe 

v'stentenisse. . 

vor 5098 Bild (48) mit Nebenschrift rechts: Rechte v'stentenisse gibt brieffe grobe 

v'stentenisse. 



Gnade läßt Grobes Verst. eur Niederlcgung seines Stabes auffordern. 



115 



'Und duhe den brieff uß den fel- 

den mir 
Und lese vor diesem knaben, 
Der wenet daz er macht solle 

haben ! 
So er die hie höret lesen, 
5125 Wil Got, er sal mir antwert 

geben.' 
[159'-] Da nam ich die und sij da laß, 
Da von dem gebüre nit wol was 
Genughaff t, dan er alles grom- 

mete 
Und auch das kynne wegette; 
5130 Zu ieclichen wort das ich laß, 
Er sine zende beiß zu sammen 

baß. 
Von dem brieffe wollent ir hören, 
So mogent ir den inhalt also 

hören : 
'Gots Gnade, durch die sich 

regieren 
5135 Sollen alle konnige und guber- 

nyeren, 
An Eecht Verstenteniße, die uns 

lieb ist 
Und in allen guden Sachen be- 
wert ist, 
Unsern grüß und daz wir uch 

entbieden 
[159 "] Begern eine gantze ußrichtonge! 
5140 Wir han verstanden nuwelich, 
Das uns nit gut duncket odir 

hofelich, 
Das ein übel smackender gebüre, 
Kramp, unbeqweme und süre, 
Der sich dut erkennen 



5145 Und mit syme namen Grob Ver- 
stenteniße nennen, 

Hait sich gemacht ein spier der 
straßen 

Und störer der pilgerin in alle 
maßen, 

Und wilt yn ir stebe nemen 

Und ire secke abenemen, 
5150 Sij zu erf eren mit drauwe worten 

Und mit erdachtenen worten; 

Und umb daz er desta me ge- 
forten sij, 

So hait er entlehent da bij 

Umb hoffart einen bösen wunder- 
lichen stab, 
5155 Der " versteynonge " den namen 

hab: 
p60'-]Der selbe uns in unserme müt 

Ubeler gefellet dan der gebüre 
düt: 

Umb weliche sache wir dir ent- 
bieden 

Und dir auch da mit gebieden 
5160 Das du geest in die art 

Und warnest den selben coquart 

Das er den stab nider wolle 
legen 

Und das uberige laßen under- 
wegen. 

Und obe er sich icht dar wieder 
stellen wolte 
5165 Und dir nit gehorsam sin wolte, 

So saltu yme eyn gefueglich ziel 
setzen 

Und yme dann einen gelegen dag 
setzen 



5127. dem aus der. 
5166 zwischengeschr . 



5167. su Anf. So saltu gestr. 
übergeschr. 



Vnd u. dan 



vor 5126 aufgeklebtes Bild (49) mit Nebensclirift rechts: grobe v'stentenisse* boret die 
brieffe die Rechte v'stentenisse bracht bait. Der Pilger liest Grobem Verständnis den Brief 
vor, Hechtes Verständnis steht hinter ihm. 



116 



Disputation zwischen Rechtem und Grobem Verständnis. 



Zu den dedingen des gericktes, 
Und salt yme dez vergessen 
nychts. 
5170 Des geben wir dir gantze macht 
Und hefelhonge in unser acht. 
Geben in unserm jare, das ieder- 

nian 
Dusent drijhondert und xxxj 

nennen kan.' 
Da das alles gelesen was, 
[160"] So horent wie Eecht Verstente- 

niße das 
5176 Yren brieff wieder gehalten det 
Und dar nach zu dem gebure 

gesprochen hette 
Und sagette yme diese wort: 
'Nu hant ir, lieber herre, gehört 
5180 Myne macht und war umb ich 

bin kommen her. 
Wollent ir nu mir antwerten mer 
Von dem daz ich uch gefraget 

han?' 
Da sprach der gebure: 'wer sint 
ir dann ? ' — 
'Wer ich sij? so mir sant Ger- 
man, 
5185 Han ich uch nit gehören lan 
Das man ytze hie gelesen hait? 
Gedacht ir icht an uwer liebe 
Odir daz uch bürg odir thorn zu 
machen geliebe?' — 
[16P-] 'ich üan ^0^ S o mir sant Symon, 

gebort 



5190 Das ir sint Eecht Verstentenisse 

genant wort; 
Aber umb das is ist ein ver- 

mereter name, 
Dar umb ich auch gefraget han 
Wer ir syent, und daz mit gudem 

recht.' 
'Vermeret name, so mir sant 

Kupprecht ', 
5195 Sprach Eecht Verstenteniß, 'wo 
hant ir daz fonden?' — 
'In der mulen da ich mich han 

fonden. 
Da irrent ir felscheclich 
Und stelent den luden ir körn 
boßlich.' 
'Lieber herre', sprach sij, 'nu 
horent baß 
5200 Zweie deine wort und verstent 

das! 
[161"] Ubelsprechen ist nit kunheit: 
Ir redent nit als der wijse deit. 
In solicher mülen hant ir vil- 
lichte das 
Mas gesehen das also geuant was 
5205 Eechtikeit, das auch dar umb ge- 

scheen was 
Sin ungerechtikeit da mit zu ver- 
bergen ; 
Dar umb was is nit Eecht Ver- 

stenteniße genant, 

Sonder is ist zu bedrog und drü- 

gerie gewant; 



5169 ewischengeschr. 

5187. Die Hs. hat unser; aber Orig. (vos) 
und h (uwer) erweisen den Fehler. 

[5188.] Kustode unten auf Bl. 160": Ich 
hau wol so mir sant. 



5194. sant Ruppreckt statt Saint Benoit des 
Orig. (in h der Zwischenruf ganz fehlend). 

5195. verstenteniß verbessert aus versten- 
steteniß. 



vor 5189 aufgeklebtes Bild (50) mit Nebenschrift rechts: grobe v'stentenisse Redet 
wider Rechte v'stentenisse. 



Disputation zwischen Eechtem und Grobem Verständnis. 



117 



Dan tuschen dem namen und 

dem rechten wesen 

5210 Mag wol groß underscheit wesen. 

Es ist ein ding Gelich Verstente- 

niße han 
Und daz ander nit dan den 

namen han. 
Mit myme namen sich decken 
Mag einre und sinen unrait da 
mit decken. 
5215 Diese Sache ist gescheen zu 

massen 
Dicke und viel in manichen 
gassen : 
Das, der nit hübsch ist, sich 

zieret 
Und der böse ist, sich einfeldich 
formieret. 
[162 '■] Alle schänden dunt gerne das 
5220 Und deckent sich dicke da mit 

debas, 
Mit eyme namen der wieder die 
dugent ist, 
Umb das sij den luden debas ge- 
fallen ist; 
Und ist doch dar umb die dogent 
nit desta böser 
Noch- umb eynen halme desta 
snöder, 
5225 Sonder es ist ein zeichen daz sij 

gut ist, 
Wann die undugent da mit ge- 

cleidet und getzieret ist, 
Also das du mit mynen namen 



Daz mas gut machen woldes und 

geliehen; 
Dar umb bin ich nit vermeret, 
5230 Aber ich sal des me geeret 
Und auch gewirdiget sin 
Von den die von gudem ver- 
stenteniß e sin.' 
'Was ist dis', sprach er, 'daz 
Got walt! 
Hant ir den spiele stab unibe- 
gewant, 
5235 Das ir dez wollent gelobet sin 
[163"] Des ein ander gescholden müste 

sin? 
Kente ich nit fliegen in der 
milch, 
So were myn rede nach uwerme 
sagen unbillich. 
Ir dorffent nit wenen, 
5240 Wann ich boren honde odir 

katzen nennen, 
Das das kuwe odir ochssen sin, 
Sonder is muß eine katze odir 
hont sin. 
An yrem namen kennen ich sij 

wol, 
Dan yre namen und sij eins sin 
sol; 
5245 Und obe ir Gelich Verstenteniße 

sint genant, 
So sage ich das ir also sint be- 

kant; 
Und wo gelich daz meß stylet 
das körn, 



5214. Vnrait üb. schwarz gestr. Vnflat. 
5223. nit gleich übergeschr. 

5225. ein aus eine. 

5226. gecleidet aus gecladet. vnd ge- 
tzieret übergeschr. 

■ 5230. vor me schivarz gestr. sin. 



5233. Initiale schwarz mit roter Füllung. 
got aus golt. 

5235. dez übergeschr. 

5241. vor kuwe schwarz gestr. eine. 

5244. yre aus yre. 

5247. dz meß übergeschr.; vgl. 5203 /f.; 
Orig.: Raison, h: gerechtikeit. 



118 



Disputation zwischen Rechtem und Grobem Verständnis. 



So sage ich daz is von nch ist 
verstolen. 
Und das konde uch das wasser 
nit 
5250 Das die mule unibedrybet, abe 

geweschen nit. 
Durch uwer inanigfeldige ver- 
stalte worte, 
Die ir so wol hant gerinnet 
dorte, 
[163 r] Und dar unib ziunale nit wenent 
Das ir mich daz anders verstan 
dun konnent!' 
5255 Da zu male mit underlachen 
Glich Verstenteniße mit schympe 

verfachen 
Sprach: 'nu gesehen ich wol 
Das ir sint von kirnst gelert wol 
Und das ir mit uwerme geferte, 
5260 Daz ir vornement hohe und 

herte, 
Konnent wol hübsche exempel 
brengen 
Subtileclich und die nit ver- 
lengen. 
Wer uch die pantze ettwas 
großer, 
So schment ir viele desta besser.' 
5265 '0', sprach er, 'spottent ir myn?' 
'Daz dun ich', sprach Verstente- 
niße, 'und laßen daz sin 
Uud wil uwer spotten noch mee, 



Bis das mir wol entstee 
Uwer name als uch ist der 

myne ; 
5270 Und wissent das ir nit hant 
[163"] Keine ere da mit den zu nennen 

mir; 
Ich weis nit waz ir habent den 

zu verswigen geen mir.' 
'Ere', sprach er, 'was sagent ir? 
Die unere die hant ir. 
5275 Mynen namen ir in uwern bie- 
dern hant, 
Und nu erste dar nach gefraget 

hant? . 
Ir glichent dem der uff sime esel 

ridet 
Und yn auch suchen rydet. 
Ich weiß nit was das betudet, 
5280 Nit dan einen spot is bedudet.' 
'Ha', sprach sij, 'sint ir der 
Der in myne brieffe gestalt ist 

her? 
Den namen wiste ich da inne 

wol, 
Aber ich kante uch nit wol. 
5285 Ich hatte eine meynonge von 

myme name, 
Die ist nit als myn gedenckonge 

qwame; - 
Dann mit myme namen mag sich 

verfielen 
Ein diep der da geet stelen; 



5248. ich vor is u. v'lorn vnd vor ver- 
stolen gestr. 

5249, uch übergeschr. 
5251. v'stalte übergeschr. 

5253. Zu dem für uns pleonastischen und 
vgl. d. Wortverz. 

5256. verfachen = verfangen ? 

5258. sint üb. gestr. hant. 

5260 sioischengeschr. 

5263. die aus der. pantze üb. gestr. buch. 



5271 aus Keine ere mit ir zu h . . . den 
hant. Ist nit vor zu zu ergänzen? Orig.: con- 
celer, h: uerhelen. 

5272 zwischengeschr. was statt weis 
(weiß 70 Hs. 

5275. vor bled'n gestr. bed'n mit über- 
geschr. 1 nach dem h. 

5276. nu üb. gestr. ir. 
5278. auch üb. gestr. alzu. 



Disputation zwischen Rechtem und Grobem Verständnis. 



119 



Und dar umb meynte ich auch 

also von uch, 
[164>-] Umb das ich noch nit gelernet 

hatte genuch 
5291 Das ir und Grob Verstentenisse 
Eins sint mit eyme glichenisse. 
Aber ich sehen nu und bin ge- 

meit 
Das ir zweye eins sint aen un- 
derscheit : 
5295 Uwer exemple mich des under- 

wijset hant 
Und uwer rede, die ir so subtile 
geredt hant; 
Durch uwer rede eygentlich 
Sint ir Grob Verstenteniße, daz 

weiß ich. 
Dar wieder mogent ir numme 

gereden nit 
5300 Das ir nu also genant sijt; 

Dann ir sint is durch erfindonge 
Und aen alle underscheidonge. 
Dar umb vertzijhe ich uch die 
grobekeit 
Die ir mir haut getaen durch 

uwer bitterkeit; 
5305 Dan ir wantent, das sehen ich 

wol, 
Das is were mit mir als is mit 
uch sin sol. 
[164"] Grobekeit hait is uch gelernet; 
Dann ir sint grob, als das er- 
kennent 
Yederman, und unverstentlich 
eben : 
5310 Dar umb ist uch der name also 

gegeben.' 
Mit den Worten was der gebüre 
Troffen inn syn hertze süre. 



Er sagte nuscht, dann er nit 

konde, 
Dann die zende zerbeis er in 

dem monde. 
5315 Aber Glich Verstentenisse ließ 

nit abe, 
Sonder sij sang ein hart liet dem 

knaben. 
'Nu', sprach sij, 'die wijle ich 

weiß 
Dinen namen, so ist mir nit heiß 
Nach dem üb erigen zu fragen 

Hier; 
5320 Dann is ist in mynen brieffen 

dar 
Das du ein spier bist der wege 
Und storer der pilgerin alle 

wege : 
Du wilt yn yre stebe nemen 
Und yn ire secke auch dar zu 

nemen. 
[I6ör] ^" ar um ]j clustu das uff dine. 

sele 
5326 Wieder alle myner frauwen 

willen?' 
'Umb', sprach er, 'daz sij daz 

ewangilie, 
Das ich hören in unserme dorff 

zelen, 
Ubergeent und das nit haldent 
5330 Und sij des boßlich waldent. 
Da ist iederman verboden, 
Als mir daz wol ist verkündet 

worden, 
Das ussen sins huses nieman sal 

dragen 
Odir gan mit sacke odir mit Stä- 
ben; 
5335 Also wan ich sij die zu dagen 



5300. nu (statt nun = newan, Orig.: seu- 
lement) üb. gestr. nit. 



5327. vgl. Luc. 9, 3. 



120 



Disputation zwischen Bechtem und Grobem Verständnis. 



Wieder des konniges verbot 

seilen dragen, 
Und unib die gesetze zu halden, 
Wolde ich gerne mit arbeit dar 
zu walden 
Das ich sij die dede abelegen.' 
5340 '0', sprach Gelich Verstente- 
niße, 'es ist anders gewegen; 
Das verbodt geschach, daz ist 
lange zijt, 
[165"] Aber is ist sere geändert sijt 
Und uff den wiedersynne gestalt. 
Es ist wol wäre das is verboden 
was, 
5345 Aber is wart wider geboden und 

geändert das, 
Und dar nach is auch wieder er- 
leubet was. 
Und was beqwenieliche sache da 

bij, 
Dar unib auch verander onge 

qwam dar by. 

Es ist dem konnige kyne unere 

nit 

5350 Obe in sinen gesetzen umb sache 

anderonge geschiet. 

Die sache dar umb das verändert 

wart, 
Wiltu sij wissen, sij wirt dir 

kürtz gesaget: 
Wer am ende sins weges ist, 
Dem ist nit not daz er pilgerin 
ist, 
5355 Und wann einre nit pilgerin 

were, 



Sacks und stabs yme nit fast not 

were. 
Jhesus, der konnig, ist das ende 
Da alle gude pilgerin sollen 
wenden; 
[166r] Das ist das ende von dem gudem 

wege 
5360 Und von der follenkommen biede- 

farte. 
An die stat und an das ende uff 

der ferte 
Waren kommen die pilgerin 

durch sin senden 
Und auch durch sinen rüff be- 
hende, 
Da er yn verbodt daz sij nit 
driigent 
5365 Stab odir sack und leckten sij 

nyder. 
Er were rieh und mechtig genüg 
Yn zu geben yren gefüg 
Alles des das sij bedörfftent 
Und des keinen bresten hettent. 
5370 Zum andern male wolde er, 
Da er sij schickete predigen 

her, 
Das yre zughorer fundent yn 
Yre lebetzucht und die gebeut 

yn; 

Dann ein yeclich arbeider begert 
5375 Sins lones und ist dez wol 

wert; 
[166»] Und ieclichem er so viel det, 

Wann er wiederwante, daz er yn 
nit clagen det. 



B345 aus Aber is ist sere geändert sijt. 

5346. auch. u. erleubet übergeschr., letzteres 
üb. gestr. gelobt. 

5349 aus Es ist des koniges vnere nit. 
I. keyne? 

5354. nit übergeschr. 



5361. vffi der ferte zugeschr. 
5363. behende zugeschr. 
5370 ff. vgl. Luc. 10,7. 
5374. üb. dem ersten Teil von yeclich 
Flecken. 



Disputation zwischen Bechtem und Grobem Verständnis. 



121 



Er sprach: "Hait uch gebrasten 
icht, 

Als ich uch haw her geschicket 
5380 Aen sacke hie zu predigen 

Und das Godes wort zu verkun- 
digen?" 

Und da antwerte sij yme: 

"Sicherlich, herre, neyn is, 

Genug hau wir gehabt 
5385 Und uns nutscht gebrosten hait!" 
Dis ist die sache war umb da 
was 

Den heiligen apposteln verboden 
das 

Das sij keinen sacke drügent 

Und sich des Stabes auch nit 
krüdent. 
5390 Aber dar nach da er einwenig 

solde gen 

Und durch die föchte des dodes 
gen, 
[167>-] Da er sach das er von yn schiet 

Der irs weges ein ende geriet, 

Da wolde er yn das gesetze 
andern, 
5395 Als ein milder süßer konnig ver- 
andern, 

Und saget yn daz sij wieder- 
nement 

Yre secke und anhiengent. 



"Der nit ein klein seckel hait", 
Sprach er, "der neme sinen rech- 
ten sack." 
5400 Als er daz lutterlich 

Gesaget hait uffenberlich : 
"Das ist dar umb daz ir sint 
Uwer weges zu ende kommen 

sint, 
Ich hatte uch verboden daz ir 
nit hettent 
5405 Keinen sack und auch nit drü- 
gent; 
Yetzont, die wile ich mich von 

uch 
Muß scheiden und muß laßen uch, 
So wil ich das ir wieder nement 
[167"] Als ir das vor gehabt hant; 
5410 Dan ich weiß wol, wann ir hant 
Von mir das gesehen verlorn, 
Das ir des sackes bedurffent wol 
Und dez Stabes, das ir uch dar 
an stürent; 
Dann ir pilgerin syn mussent 
5415 Und uch wieder uff mynen weg 
legen mussent: 
Mir anders nach gefolgen 
Enkondent ir nit odir zu mir 
kommen. 
Auch so findent ir nieman, 
Wan ich von uch kommen dann, 



5378. icht aus nit. 

5378 f. vgl. Luc. 22, 35 ff. — Durch Über- 
gehen zweier Verse des Orig. hat Übers, die 
Stelle in Unordnung gebracht. Orig. (5457 /f.):' 
Dont lu as qu'il leur demanda 
Une fois, quant bon lui sembla: 
"Vous a il, dist il, rien iailli, 
Quant envoies vous ai ainsie ..." 
In unserer Ms. fehlen v. 5378 die oben nach h 
eingesetzten Worte Er sprach, u. 5379 liest sie 
er . . . hait statt ich . . . han. Das er v. 5379 
zwänge uns, 5378—81 als eine Frage des Dichters 
an die Apostel aufzufassen, auf die er diese 
aber Christo (5382: yme) antworten ließe! 



5387. das aus was. 

5390. einwenig verschrieben für enweg? 

5398. Orig.: Qui a point de Sachet; unser 
Übersetzer hat das point mißverstanden und h 
ist ihm gefolgt. 

5409. hant vor gehabt zu tilgen vergessen 
u. a. Schi, zugeschr. 

5411. hant nach verlorn gestr. 

5412. wol zugeschr. 

5413. dez übergeschr. 

5414 aus Pilgerin mussent ir syn. 

5415 aus Vnd uch wiederlegen vfi den 
weg myn. 

5416. gefolgen aus zu folgen. ■ 



122 



Disputation zwischen 'Rechtem und Grobem Verständnis. 



5420 Der uch so gerne gudes dühe 
Odir uch von hertzen wisen dühe. 
Zu uwerme sacke haldent uch, 
Bis das ich wiederkomme zu uch! 
Nu nements alles, ich erleubens 
uch 
5425 Umb die notdurfft die ich gesien 

an uch!" 
[i6S>'] Also das hie geoffenet ist 

Und auch die sache benüglich ist 
Von sacke und stabe zu dragen, 
Dar umb saltu dich nit under- 
nemen 
5430 Die zu hindern die sie hant 
Und sij dragent war sij gant: 
Sij hant urlaub umb die sache 
die da ist, 
Bis das yeclicher kommen ist 
An sins weges ein ende 
5435 Und wo sine biedefarte wende.' 
'Was ist dis', sprach der swere 
gebur, 
'Wollent ir mir hude piffen für? 
Und wollent ir is halden vor 

eine mere, 
Das ewangilie, als obe is gelogen 
were ? 
5440 Ir sagent is sij wiedertaen 

Das Got geordent hatte und ge- 

taen; 
Were das nu also, 
So solde is auch vor alle sin 
also; 
[168"] Von dem buche were ordenunge 

abe, 
5445 So solde is ußgetaen sin und ge- 
kratzet abe.' 
'Nit also', sprach Glich Versten- 
teniße, 'is ist recht 



Das man der vergangen zijt ge- 

dencke recht, 
Wie man hait getaen, wie man 
hait gesait, 
War umb das was und waz dar 
an lag, 
5450 War umb das verändert wart 
Und war umb des andern ge- 
dacht wart; 
Und dar umb so ist nit verkert 
Das ewangelie odir gefelschet, 
Sonder is ist den wol verstendi- 
gen 
5455 Lieplicher und wol gefelliger. 
So nie blumen in der wiesen ist, 
So das pletze desta lieplicher ist, 
Und so ir gestalt fremder ist, 
So man sij zu sehen me be- 

gerende ist.' 
[169'-] Da rngette der gebure zu hant 
5461 Uff sinre groben und krommen 

hant. 
'Was ist dis', er da sprach, 
'Wolt ir mich zu eime kinde 
machen 
Odir wollet ir mich vertzaubern? 
5465 Was ich sage, das wollet ir ver- 
andern : 
Falscheit nennent ir gutheit, 
Und Schönheit nennent ir 

falscheit. 
Das von dem konige verboden 

was, 
So sagent ir is were geboden das, 
5470 Das ewangelie zu verkeren 
Myt verkerten worten und zu 

falschen sere; 
Ir sint nit dann eine segerynne 
Der lute und verwenerynne. 



5436. Initiale schwarz mit roter Ausfüllung. 
5444. odeminge. 



5445. gekratzet auf Rasur. 
5467. vor falscheit gestr. fas. 



Disputation zwischen Rcclitem und Grobem Verständnis. 



123 



Lassent mich noch drij maent 
beliben, 
5475 So achte ich nit uwer dat odir 

dryben. 
In myme Vorsätze ich mich hal- 
den 
[169"] Wil und uch der uwern zumale 
nit gleuben.' — 
'Zum aller mynnesten saltu 
abedun 
Und nyderlegen dinen groben 

stab grüne; 
5480 Dan du weist wol das Gots 

Gnade geboden hait 
Und solichs auch bescheiden 

hait!' — 
'Gots Gnaden, was mag ir das 
Geschaden odir sij mügen das? 
Auch ist mir is not 
5485 Das ich mich dran sture in not, 
Wan ich des han zu dun; 
Und mich da mit zu beschirmen 

dun 
Und fochten desta mynre alles 

ubele 
Und achten de mynre alle lüde, 
5490 Und duncket mich daz mau mich 

viel desta me 
Föchte und myn erschrecke me; 
Dann wo ich yn niderlechte, 
Vor einen großen dor und 

coquart man mich achte.' 
[170>-] 1 0\ sprach Glich Verstentenisse, 
'du sagest nit wol: 
5495 Dir ist not das du dich anders 

bedencken solt. 
Gots Gnade gewynnet yn num- 
mer liep 



Der solichen stab zu dragen hait 

lieb, 
Er gefiele ir noch nye wol, 
Sij hasset yn me dan geiße das 
niesser hassen sol: 
5500 Also wo du yn nit niderlechtes, 
Mit wijßheit du dich nit wol be- 
dechtes.' 
'O', sprach der gebure, 'wie 
dorecht 
Sint ir so ir diese wort redet! 
Irrette sij der stab nit, 
5505 War umb mochte der ir misse- 

f allen icht?' 
'Ich sagen dir', sprach Gelich 

Verstenteniße da, 
'Dir gröblich von dem stabe da; 
Dan ich sehen wol daz kein 

ander spise begert 
Din grober hals noch heldet 
wert. 
5510 Hettes du einen frunt lieb 
[lrov] Dem einre dede widerdrieß 
Und dede yme arges viel, 
Das dich das nit irret viel, 
Wie wol das is dir nit wol ge- 
fiele! 
5515 Gods Gnade, die alle lüde lieb 

hait 
Und von yederman gerne ere 

hait, 
Und wann ir dar in geschiet 
missefal 
Odir man sij dar an hindern 

sal, 
Wie wol sij das nit vaste irret, 
5520 Und is ir doch myssefellet. 
Der stab ist figent der 



5495. anders aus an dis. 

5497. Der aus dem. 

5504. das zweite r in Irrette übergeschr. 



5507. von üb. gestr. mit. 

5510. lieb zugeschr. 

5511. widerdrieß üb. gestr. als ein vnfrunt. 



124 



Bechtes Verständnis hat Grobes Verständnis überwunden. 



Die sij zu frunden gerne hatte 



gehabt her 
Und noch haben wil. 
Were er nit, is qwemen zu ir 

viel 
5525 Der Juden und bekertent sich, 
Und alle ketzer bedechtent sich, 
Die ire irrongen liessent 
[17P-] Und sich dar nach besserten. 
Durch yn Nabel und Pharaon 
5530 Qwament zu schänden da von; 
Dan sij sich so hart dar an 

stürtent, 
Und yren dot sij da mit erwür- 
ben! 
Were er nit, so regnierte über 

alle 
Gekorsanrkeit und gebudde auch 

über alle: 
5535 Yeclicher dede was er solde, 

Und zu male nit ungehorsam sin 

wolde ; 
Were er nit, von dem groben 

synne 
Er demütigete sich und neigete 

sinen synne. 
Du selber der bist 
5540 Der Grob Verstenteniße genant 

ist : 
Stürtest du dich nit also hart an 

Gleubtest yme nit und liessest 

yn sin 
Und besserst dich einwenig baß, 



Das du yn niderlechtest, ich 

riede dir das, 
[171"] Und das du dich dar an numme 

hieldes 
5546 Und yn nit bij dir behieldes.' 
'Ach G-ot', sprach er, 'wie 

wenig achten ich 
Die worte die da sint solich! 
Ich wil uch nutscht underdennig 
sin 
5550 Und den stab auch nit lassen 

syn; 
Ich wil mich dar an halden und 
da mit leben, 
Wollent odir enwollent, daz 

wissent eben.' 

'Nu', sprach Glich Verstentenisse, 

'sehen ich wol 

Das ich numme mit dir reden sol, 

5555 Sonder ich sal dich laden 

An gerichte zu dem jüngsten 

dage : 
Ich laden dich dar aen lenger 

beiden. 
Komme dar, du salt nieman vor 
dich dar leiden!' 
[173'-] Da kerte Glich Verstenteniße 

sich umb zu mir 
5560 Bij mich und sprach da zu mir: 
'Gang', sprach sij, ' frischeclich, 
Du salt vor Grob Verstenteniße 

nit f orten dich! 
Nutschit rede, gib yme kein ant- 
wert! 



5522. g'ne u. gehabt übergeschr. 
ist biß gestr. 

5523. vor Vnd gestr. gehabt. 
5527. Die üb. gestr. vnd. 



Vor her 5560. Durch ein Meines Loch im Blatt in- 

folge von.Basur auf der Bückseite ist ac von 
sprach verloren gegangen. 



nach 5558 Bild (51) mit Unterschrift: gliche v'stentenisse hat vberwonden grobe 
v'stentenisse. Sie stehen beide vor dem Pilger, der die Bechte erhoben hat. 



Bechtes Verständnis geleitet den Pilger sicher vor Grobem Verständnis hinweg. 125 



Dann Salmon hait gelert 
5565 Das man ein wort nit antwerten 

sol 
Dem den man gesicht odir findet 

dorheit fol.' 
'Frauwe', sprach ich, 'dar nach 
Salmon auch viel anders sprach ; 
Dan er sprach : man sal yme 

antwert geben 
5570 Und yn siner schäme underwijsen 

eben.' 
'Sicher', sprach sij, 'du sagest 

waer, 
Aber du salt verstau und wissen 

zwar 
Das ich das wort verhalden hatte 
Yme zu antwerten wan is zijt 

hatte; 
5575 Davon han ich daz myne getaen, 
[173*] "Wie wol das ich myne arbeit 

han 
Verlorn; dan er sich dar an nit 

hat gekert 
Und auch zu male nit gebessert. 
Als balde in einen anebuß gienge 
5580 Eine weiche feder, die der wint 

ufffienge, 
Als myne worte inn ynn, 
Noch gebeut yme keinen synn 
Und brechtent auch keinen nutz; 
Er ist harter dann eine want 
5585 Und harter dan ein dyamant. 
Was er zum ersten in sich 

nynmiet, 
Umb keine sache man yme daz 

benymmet, 
Also das ich zu solichem gebure 

nit reden 



Enmag odir icht gewerben. 
5590 Gang enweg wieder sinen gefug 
Und laß yn gronrmen genug, 
Sinen zäum wegen und sinen 
kynne 
[iT^JUnd yn uff syme stabe vaste 

grynen ! ' 
'Frauwe', sprach ich, 'uch 

dancken ich 
5595 Das ir also haut gelernet mich; 
Aber ich sagen uch siecherlich, 
Das ich solde gaen frischeclich, 
Das darre ich vor dem gebure 

nit dun 
Wo ir mir nit wollent geleide 
dun. 
5600 Da bijden ich uch daz ir mit mir 

koment 
Und mit mir yn vorkomment; 
Dan ich auch mit uch zu reden 

han 
Und wil uch auch fragen dann 
Ettwas das mir not ist 
5605 Und zu mynre Sachen gehörig 

ist.' 
Da nam sij mich mit der haut 
aen beiden 
Mich vor dem gebure hin zu 

leyden 
Und wisete mich uff den .weg 
myn, 
[173"] Da von ich frölich muste sin. 
5610 Der gebure beleih da grommende 
An syme stabe und grynende; 
Von syme uffhalden achte ich 

nit: 
Des Gelich Verstenteniße faste 
lachte sijt. 



5564. Proverb. 26, 4jB. 
5577. hint. an Basur, die das 5560 Anm. er- 
wälvnte Loch im Blatt verursacht hat. nit fehlt. 



[5592.] Kustode unten auf Bl.172": vnd 
yn vir syme. 

5609. frolich üb. gestr. selig. 



12b Der Pilger fragt Hechtes Verständnis, weshalb ihm die Büstung zu schwer sei. 



Da ich gesag das ich also 

entgangen was 
5615 Und ferre vor yn gangen was, 
Da hub ich an G-lich Yerstente- 

niße zu fragen 
Da von ir mich vor hant hören 
sagen : 
'Frauwe', sprach ich, 'ich hin 
gewest und noch hin 
An grossen gedencken in dem 
synne myn 
5620 War umh ich die wappen nit 

gdragen mag, 
[i?4r] gjj gehalden odir gelyden mag, 
Und ich sehen eyne dierne 
Die sij dreget gerne 
Und lydet mit yrer list; 
5625 Das mir eine grosse schände ist, 
Wann ich anderthalb stargker 
Dan sij sin solde aen arges, 
Hette ich icht hertzen in mir. 
Dar umb bijden ich uch das ir 
5630 Mich bescheiden wollent das 
War umb nu geschee das; 
Dann das zu wissen ist myn 
begir.' 
Da antwerte Glich Yerstente- 
niße mir: 
'Was ist dis', sprach sij, 'da? 
5635 Hastu nit wol gesehen da 
Das huß G-ottes Gnaden? 
[m^D&s was wol beraden; 

Es ist nit lang das du is gesehe 



Und du auch viel mit ir gehe. 
5640 Wie bistu so dorecht gewest 
Das du sij nit haist gefraget des? 
Doch dar umb meynen ich nit 
Das eyniche sache ycht 
Dich dar an gehindert habe 
5645 Das du nit moges vernommen 

haben 
Daz du begerest zu wissen.' 
'Frauwe', sprach ich, 'ich dun 

uch zu wissen 
Das ich yrer rede viel han 

vergessen : 
Mir gedencket nicht so wol als 
das 
5650 Da sij sprach daz ich einwenig 

zu dicke was. 
Und obe ich mich mager mechte 
Odir mir hartikeit an lechte, 
Arg möchte man mich nennen, 
[I75r] Und auch konde ich nit wol 

gebrengen 
5655 Myne wappen noch nit gedragen 

so wol 
Als obe ich dicke und starck 

wesen sol. 
Soliche Sachen erferrent mich, 
Dan sij nit sint gewonlich. 
An Gots Gnade in warheit 
5660 Han ich des gefraget nyet; 
Dan ich sere forchte 
Das ich ir eynichen Agent 

machen mochte 



5620. War vmb übergeschr. das g (statt 



ge) vor dragen nachträgt zugefügt. 

5626. stargker aus so starg. 

5627. Vor sin ist ich schwarz gestr. 
aus arg'. 

5643. vor ycht schwarz gestr. dich. 



arges 



5646. zu Anf. gestr. das. 

5654. gebrenge zugeschr. 

5655. noch übergeschr. 

5656. wesen sol aus we'. 
5662. mache übergeschr. 

machte. 



mochte aus 



vor 5618 aufgeklebtes Bild (53) mit Nebenschrift rechts: der pilgerynne Eette zu 
geliehe v'stentenisse. 



Hechtes Verständnis schiebt das auf einen Feind, den er beständig mit sich führe. 127 



Odir das ich gheen ir missedette. 
So bijden ich uch das ir mich 

wollent lernen 
5665 Des und mich das verstaen dün 

gerne.' 
'Weist du', sprach sij, 'wer du 
bist, 
Obe du alleyne odir selbander 

sijst, 
Obe du niemans me habest dan 
dich allein 
Zu erneren und vermomparn 
gemein?' 
5670 Da sprach ich gar erferet zu ir: 
[175"] 'Frauwe, siecher is ist mir 
Das ich niemans dan mich zu 

hanthaben habe 
Und auch an nieman anders zu 

gedencken habe. 
Ich bin gelich alleyne, daz sehent 
ir wol; 
5675 War umb ir das fragent, weiß 

ich nit wol.' 
'Nu lerne', sprach sij, 'und 
verstaut 
Und höre flißlich zu zu hant; 
Dan anders ich dir sagen wil 
Und ander sache dich lernen 
viel. 
5680 Du solt wissen das du den 

spisest 
Der din grosser vigent ist; 
Von dir ist er alle dage gespiset, 
Gedrencket, geschuet und 

gecleidet. 
Es ist keine speise so adelich, 
5685 So kostbar noch so lustelich, 
Du wolles sij bereidt haben, 
Waz dich das gekostet habe. 



pro'-] Er wart gegeben zu dienen dir, 
Und sin knecht bist du worden 
schier. 
5690 Mit dem lickholtze wiltu yn 

schuwen 
Und mit den edeln kleidern yn 
vernuwen, 
Yn zieren mit kleynot, 
Mit tafeln und mit messern, 
Mit smalen gurtein beslagen 
5695 Und mit seckelen, mit bockein 

übertragen, 
Mit syden snüren allerleye, 
Rot, grüne und manicherleye ; 
Allewege sanfft spengeln 
Wilt du yn und legen 
5700 Alle nacht so gar weich 

Und yme gemache an dun aen 

leich. 
Einen dag wermtest du yme daz 

bat, 
Den andern ist yme die bade- 

stobe warm gemacht; 
Du strelest und bleichest yn, 
[176"] d u spendeist und streichelst yn; 
5706 Du suchest yme freude und 

verdrag, 
So du magst, nacht und dag. 
Als er ist, hastu yn getzogen 
Und bist mit yme bekümmert und 
betrogen 
5710 Me dan eine frauwe mit yrem 

kinde, 
Das sij seuget und zuhet lynde. 
Es ist lang daz du angehaben 

haist, 
Und sijther nie da von gelaßen 

haist : 
Spreche ich sehs und drißig jare, 



5666. Initiale schioarz mit roter Füllung. 

5667. selbander üb. gestr. zweifeldig. 



5702. hat (oder had ?) aus bedde (bette ?). 



128 



Von dem Feind, den der Pilger mit sich führt (der Leib). 



5715 Ich geleübe daz icli wenig iiiiß- 

spreche zware. 
Und wie wol du yme nach syme 

willen 
Gedienet haist mit so großer 

stillen 
Und yn also hien hast braicht, 
So saltu wissen das is ist gedacht 
5720 Das er dich verredt also und 

bedrüget 
Und dich zu übel brenget und 
züget. 
p77»-]Es ist der der dich dine wappen 
Nit dragen lesset odir lyden; 
Es ist der alletzijt wieder dich 
muß stryden: 
5725 Wann du wol wilt dun, 

So kanstu is vor yme nit gedtin.' 

'Frauwe', sprach ich, 
'Ich han sere verwondert mich 
Von dem das ir mir hant gesagt 
hie. 
5730 Und wiste ich nit das ir ye 
So große synne in uch hettent 
Oder so rechte große wißheit 
hettent, 
Ich wente is werent draume 
Odir is were ein ungelaube; 
5735 Aber ich weiß in uch gudes so 

viel 
Das ir nit liegent zu keinem ziel. 
Da bijdden ich uch das ir mir 
sagent hie 
Wer der böse verreder sie. 
[177"] "Wie ist sin forme, wie ist sin 

gestalt, 
5740 Wo wart er geborn, wie ist er 

genant ? 



Uff das ich yn erkennen möge 
Und yme leids genug an gedun 

möge. 
Dan obe ich yn lebende entlie- 

dette, 
So were ich nit genug gerochen 

da mitte.' 
5745 'Sicher', sprach sij, 'du sagest 

waer, 
Und dar zu saltu wissen zwar: 
Weres du nit, so were is nütschit 

mit yme 
Und were eine kleine Sache von 

yme. 
Nyemans yn ansehen möchte 
5750 Der yn erte odir sich mit yme 

kruden möchte; 
Dan is ist eine sache der Mikeit 
Und eine gestalt gemacht von 

unreynikeit, 
Ein gemechtze von zeher erden 
Und ein schuwesal der werden. 
5755 Durch sich mag is sich nit 

bewegen 
Noch gearbeiden odir sich ge- 
regen ; 
[17 s<-] Dann es ist unmechtig und ane 

crafft, 
Unreine, blint und wiedermacht. 
Es ist ein worin frech und 

wunderlich, 
5760 Der geborn wart in der worme 

ertlich ; 
Ein worm in yme selber 

wormende 
Und die wurme in yme spisende; 
Ein worm der an dem lesten 

wirt 



5719. is übergeschr. 
5721. vnd züget zugeschr. 
5724. muß übergeschr. 
5732. Oder üb, gestr. vnd nit. 



5751. fulikeit hint. gestr. selekeit (?). 
5753. zeher übergeschr. 
5757. Vor Es ist Dan a. B. zugeschr. 
5759. frech üb. gestr. I ... eh. 



Von den schlechten Eigenschaften des Leibes. 



129 



Der wurme spise und fule wirt; 
5765 Und wie wol er ist also gestalt 
Und von wesen manigfalt, 
So dustu yn doch bij dich 

kommen 
Und an dyme bette bij dir lygen 
Und suchest alles daz yme gut 

ist, 
5770 Als dir daz vor gesaget ist. 
Und sagen dir noch me waz is 

ist: 
So er gessen hait und folle ist, 
So dregestu yn sinen buch zu 

leren 
In die heymeliche kammern 
1178"] Odir auch uff das feit. 
5776 Dar umb han ich is vor ertzelt. 
Nu sich obe du yme must dinst- 

bar sin 
Größlich und undertenig sijn! 
Und von dem allen weiß er dir 

keinen dang, 
5780 Sonder erhebet sich me gheen dir 

aen v 
Und me ubeler er dir düt: 
Also ist er von bösem müt.' 
'Frauwe', sprach ich, 'war 

umb ir 
Nit sagent sinen nameh mir? 
5785 Dan furderlich wolde ich mich 

rechen 
Und yn gaen dot erstechen.' 
'O', sprach Eecht Verstentenisse 

da, 
'Den urlaub hastu nit also 
Yn zu doeden, aber du haist 

urlaub wol 



5790 Yn zu straffen und dar nach zu 

slahen wol, 
Yme liden und arbeit uff zu 
slahen 
[i79r] Und yn dicke dun fasten 

Und sich legen in busse rasten. 
Aen das kanstu mit yme nit 

überkommen 
5795 Zu keinre zijt aen dinen 

frommen ; 
Du kanst dich anders nit 

gerechen 
Odir auch von yme gebrechen. 
Als du das vor langer zijt 

gesehen haist, 
Obe du anders recht verstanden 
haist, 
5800 Busse ist syne meisterynne 
Und alleine sine kestigerynne : 
Es ist die die rechte straffonge 

nymmet 
Wann so die rechte zijt kommet; 
Und wann is recht und billich 
ist, 
5805 So straffet sij yn mit rechter 

list, 
Und sij straffet yn recht 
Mit yren rüden als einen guden 

knecht, 
Der sal sij sin nu vort me. 
[179"] Und das salt du begern me 
5810 Und auch baß wollen und 

werben; 
Dan sinen dot saltu nit werben, 
Dan er ist dir gegeben 
Das du yn salt zum leben 
Füren und auch brengen 



5767. doch übergeschr. 

5776. is übergeschr. 

5777. Nu sich obe üb. gestr. das. 

5782. bösem aus böser, müt hint. schwarz 
gestr. dait. 

Deutsche Texte des Mütelnlteia. XXV. 



5789. doeden aus dreden(?). 

5790. wol zugeschr. 

5795. aen = ane, 'an, zu'. 
5808. sij] Sinn u. Orig. verlangen er; so 
auch h. 

9 



130 



Der Leib ist jedoch nicht eins mit der Person, 



5815 Und yn zu gnaden drengen: 
Das ist der lip und daz fleisch 

din, 
Anders kann is nit genant sin.' 
'Fraivwe', sprach ich, 'waz 

sagent ir? 
Han ich gedreumet odir dreument 
ir? 
5820 Myn lip und myn fleisch nennent 

ir 
Anders dan mich, und doch 

sehent ir 
Das ich alleine hin bij uch 
Und ist niemans nie dan ir und 

ich. 
Ich weiß nit was is bedüte 
gelich, 
5825 Obe is bedrügenisse sij 
[ISO'-] Odir wie is da mit gestalt sie.' 
'Nein', sprach Glich Verstente- 

niße, 'nit also! 
Uß myme monde is nie kommen 

also 
Kein bedrug odir erdachte mere 
5830 Noch icht das ein draum were. 
Nu sage mir uff die truwe du 

Got schuldig bist' 
Werest du inn einer gewist 
Da du alletzijt wollust hettes, 
Wol zessen, weich bette und wiße 
ducher hettes j 
5835 Freude, rüwe und guden lust, 
Allen dinen willen nacht und dag 

umb sust, 
Wohles du auch da beliben 

wanen ? ' 
'Ja', sprach ich, 'siecher aen 

waen ! ' 
'Ja', sprach sij, 'waz hastu ge- 
sagt ? 



5840 So woldes du dine bidefarte ver- 
lassen 
Und dinen weg zumale under- 

wegen laßen?' 
'Fraixwe', sprach ich, 'des dede 
ich nit, 
[ISO*] Alletzijt ginge ich binden nach.' 
'In zijt?' sprach sij, 'unseliger! 
5845 Er ist in dieser werlt nit das er 
In zijt ytze mochte kommen, 
Wie balde er zu lauffen mochte 

* kommen. 

Is sij das du wol in zijt 
Nach dinre wollust und dinre 
guden zijt 
5850 Mochtes gelich dar gaen 

Durch nodigen und arbeit han, 
Frage ich dich obe du dich auch 
uff den weg 
Machen woldes zu gan enweg 
Als lange du soliche freude 
fondes 
5855 Und auch soliche wollust hettes?' 
'Ach frauwe', sprach ich, 'ach 

frauwe, 
Dar zu antwerten kan ich nit 
genauwe; 
Dan ich weiß wol daz ich belibe 

gerne 
Und daz ich auch enweg gienge 
gerne.' 
5860 'So hastu', sprach sij, 'zwifaldi- 

gen willen 
[2Si»']Und auch zwivaldige gedencke in 

dinen willen. 
Der eine wil gaen, der ander be- 
liben, 
Einre rügen, der ander arbeyden; 
Das einre wilt, daz wil der ander 
nit lyden, 



5824. Ich aus Is. 



Der Leib ist nicht eins mit der Person, d. h. mit \der Seele. 



131 



5865 Einre wieder den andern ist zu 

allen zijden.' 
'Frauwe', sprach ich, 'siecherlich, 

Als ir sagent, das fuelen ich.' 

'Dar umb', sprach sij, 'bistu nit 
;■■ f '\\ alleine, 

"'' --'' Aber du und din lip sint zwey 
■ .'. .. gemeyne; 

■''5870 Dan zwey wollen sint nit von 

einem man, 
Dan sij sint zwey, das weiß 

yederman.' 
'Frauwe', sprach ich, 'nu bijde 



Der beslossen lip, davon ich ge- 
redt han 

Und in viel stucken so ußge- 

scheiden von, 
5890 Du bist nach Gotte entworfen 

Und sin bilde und gemachet 

worden. ' 

Von nichte er dich machte und 
geschuff 

Yme gelich und zirckelt dich dar 
uff: . 

Kein edeler masse er dir geben 
mochte 



ich uch umb den synne 5895 Noch gestalt dir an gedrucken 



Das ir mir sagent wer ich 
bynne : 

Dwijle das ich myn lip nit byn, 
5875 So sagent mir wannen ich bin! 

Ich wurde nummer gerügig 

Wo das nit wiste ich.' 
[iSjz-J'Ha', sprach sij, 'was hastu ge- 

lert? 

Du kanst nit vil des du hast ge- 
lert,. 
5880 Als mich duncket: besser ist er- 
kennen sich 

Dan wesen grave, konnig odir 
keiser rieh 

Odir können alle kunste 

Noch haben der werlt gut und 
gunste. 

Aber dwijle du das nit gelernet 
haist, 
5885 Das zu fragen du dich recht be- 
dacht haist; 

Da von wil ich dir sagen kurtz 
genug 

Ettliche sache die ich versteen 
mit gefug: 



5895. dir üb. gestr. dar. 

5908. gylennille aus gilenuüle. 

5910. so schon sugeschr. 



mochte. 
ps^iEr machte dich lutter und schon 

gesehende, 
Lichter viel dan fogel fliegende, 
Undötlich und nummer zu sterben 
Und zu beliben aen ende zu 

nemen. 
5900 Wiltu dich wol besehen und er- 
kennen, 
Also das du nit ubels habes ge- 

taen, 
Dan dime adel nit geliehen mag 
Hymel, erde noch das mere, 
Fogel noch ander creature here, 
5905 Ußgenommen nature der engel 

schon. 
Got ist din vatter und du sin 

son: 
Nit wene das du siest son 
Thomas von Gylenville; 
Dan er gewah hie dochter noch 

son 
5910 Der were von solichem wesen so 

schon 
Odir von so edeler gebürt, 



5911. edeler gebürt verändert aus edelem 
wesen. 



9* 



132 



Vom Verhältnis simschen Leib und Seele. 



Noch nummer wij yme geborn 

wijrt. 
Dia lip, der diu Agent ist, 
[18S°] Der selbe dir von yme worden 

ist; 
5915 Von yme wart er dir da, 
Als Nature das ordent da. 
Es ist recht das der bäum drage 
Soliche frucht als Nature yme 

geben habe. 
Gelich als der dorne nit mag 
5920 Figen gedragen keinen dag, 

Also mag auch der irdenische lyp 
Nit gedragen in keiner zijt 
Keine frucht dan snoede und 

üppig, 
Unreyne und gebrechelich, 
5925 Fulende und stinckende ertrich. 
Aber solichs bistu nyet; 
Dan din kommen wesen hastu 

nyet 
Von eyme dötlichen mentschen; 

dan is ist kommen 
Und von Gotte dyme vatter her 
abe kommen. 
5980 Got gemachte nie mit siner 

handt 
In der werlt dan zweye men- 
tschen zu haut; 
[183 *■] Den zweien er befalh zu machen 
Die andern nach yrem geliehen 
zu machen; 
Aber der seien wissen 
5935 Hait er yme behalden mit rech- 
tem wissen. 
Er wolde daz sij alle wurden ge- 
macht von yme 
Und das niemans sich des krudte 
mit yme; 



Er gap dir den geist den du 

haist, 
Und hait dir in den lip getan 

daz du da inne hast. 
5940 Er det dich dar an da in zu 

wanen 
Ettliche stucke und dich zu be- 

weren 
Und zu wissen obe du dugent- 

lich 
Woldes sin und da bij ritterlich; 
Obe du den lyp woldes uber- 
wynden 
5945 Odir obe du dich liesses yme 

dinstlich finden. 
Strit mit yme zu aller zijt du 

haist 
Wo du yme nit gibst den über- 
last; 
Mit klapp erie sieht er dich 
nyder, 
[183"] Überwindet dich und fehet dich 

sieder. 
5950 Under yme helt er dich, wo du 

yme geleubes, 
Wo du yn mit ereilten nit er- 

deubes. 
Nummer mag er über dich macht 

gehan 
Wo du nit wilt willen dar zu 

han: 
Du bist Sampson, er ist Dalida; 
5955 Du haist die stereke da er keine 

enhait da. 
Er kan nit machen dan klaffen 
Und dich dinen Agenden schaffen ; 
Er sal dich wol bynden, obe du 

wilt, 
Und dir scheren din hare getzilt; 



5912 zwischengeschr. von statt wij h. 
5927. wesen übergeschr. 



5932. befalh üb. gestr. gerette. 



Vom Verhältnis zwischen Leib und Seele. 



13c 



5960 Und din heymelikeit, wan er die 

weiß, 
Verkondet er den ertzeten heiß: 
Das ist die fruntschafft die er zu 

dir hait, 
Und die truwe und gelaube die 

er hait. 
Nu luge obe du dich yme wolles 
ergeben 
5965 Und aen streiche slahen yme 

leben, 
[l8£r] Wiltn bedrogen werden 

Als Sampson und vor einen dore 
gehalden werden.' 
Ich sprach: 'frauwe, ich hören 
wonder, 
Ich slaffen odir dreumen be- 
sonder ! 
5970 Einen geist nennent ir mich, 
Und in mynen lip gestoßen bin 

ich. 
Wie sagent ir daz ich lutter ge- 
sehende was, 
Und gesehen wieder dis noch 

das? 
Und von myme libe, der wol ge- 
siebt hie, 
5975 Hant ir gesaget das er blint sie, 
Und viel ander große wonder zu 

hören, 
Die mir sint flöhe in den oren. 
Da wil ich uch bijden daz ir 

mich wisent 
Me lutterlicher und mich lerent; 
5980 Dan ich is nit wol gefordern 

kan 
Umb die große hinderonge die 
ich han.' 



[184°] Da hub Gelich Verstenteniße 

wieder an: 
'Nu höre', sprach sij, 'und ver- 
staut eben dran! 
Wanne die sonne verborgen ist 
5985 Under einen wölken und gestoßen 

ist 
Umb den mittag, das man sij nit 

gesiebt, 
Und man sij mag gesehen nicht, 
So frage ich dich in finer liebe 
Wo von man den dag kiese.' 
5990 'Er kommet', sprach ich, 'als be- 

duncket mich, 
Von der sonne, wie wol sij be- 
decket sich, 
Das sij ir licht dut durch gaen 
Durch die wölken und her nyder- 

gan.' 
'Wie', sprach Gelich Verstente- 
niße, 'mag das gesin 
5995 Daz man durch den wölken mag 
daz licht gesien?' 
'Also', sprechen ich, 'wann man 

das sieht 
Durch ein glas und daz ver- 
neinen 
Odir als man mag gesehen 
[185 >■] Und das füre durch eine lanterne 

spehen.' 
6000 'Sicher', hait Gelich Verstente- 
niße geantwert, 
'Das du gesaget haist, hastu das 
auch verstanden? 
Durch die sonne saltu verstaen 
Die sele die du magst in dime 

dötlichen lybe han. 
Der lip ist als ein wolcken 



5997. I. vernimt? so h; Orig.: apereoit. 
: [5998.] Kusioäe unten auf Bl. 184": das 
fibe din-ch eine lät'ne. 



5999. "Vnd a. B. zugeschr. 
6003. dotliche übergeschr. 



134 



Vom Verhältnis zwischen Leib und Seele. 



6005 (Mir eine lanterne, verrauchet 

donckel, 
Dar durch, wie is geschieht, 
Man den glast und licht gesicht. 
Die sele in dem libe ist breit; 
Ir licht sij dar durch spreydt 
6010 Und dut wenen die dorechte lüde 
Das das geluchte alle 
Von dem wölken falle 
Da mit die sele ist bedecket. 
Were aber der wölke davon ent- 
plecket, 
6015 So hette die sele so clar gesiebte 
[185"] Das sij von uffgange bis under- 
gange hette ir gesiebte; 
Sij gesehe und ei'kente nach ge- 

schichte 
Yren schepper und hette yn liep 
Und dede auch das yme were 
liep. 
6020 Die äugen des lybes nit äugen 

sint; 
Dan sij als andern Unstern sint, 
Dar durch die sele gibt 
Dem libe daz er hait das usser- 
liche licht. 
Dar umb du nit wenen salt 
6025 Das die sele der äugen bedorfEe 

balt, 
Der äugen odir der Unstern icht; 
Dan sij hait vor und hinden ir 

gesicht. 
Aen finstern lyplich 
Gesicht sij ir gut geistlich, 
6030 Und sij gesehe is ettwan baß 



Hette der lip der äugen nit umb 

das. 
Thobias was eine zijt blint 
[isßr] An dem libe und waz doch sint 

An der seien nit geblendet; 
6035 Dan an syme sone wart geendet 
Sine lere und wart er gewijset 
Wie er sich halden solte, under- 

wiset 
Und welichen weg er halden 

solte. 
Er hette is yn nit mögen ge- 

lernen 
6040 Hette er is von der seien nit ge- 
sehen. 
Die sele gesag und erkante 
Lutteiiich was er yme sagte und 

nante. 
So ich sagen daz du lutter solles 

sehen, 
Das wil ich noch bas beweren 

eben 
6045 Das du gesist und der lyp nit; 
Dann er innen und ussen ist 

blint. 
Er gesehe nummer nicht 
Sehe er nit durch din licht. 
Und als ich dir han gesagt von 

gesehen, 
[1S6»] Also sage ich dir auch von dime 

gehören 
6051 Und sust von allen dinen synnen, 
Beide ussen und innen; 
Dan is sint nit dan werggetzug, 
Dar durch er von dir zuget 



6016. hette ir gesichte zugeschr. u. dafür 
der folgende Vers gestr.: Der sonnen hette ir 
gesichte. 

6017. nach geschiehte zugeschr. 
6026. ieht auf Rasur. 

6032. Thohias üb. gestr. Thomas. 

6033, vor sint gestr. nit. 



6037. vnd'wiset sugeschr. 

6044. eben sugeschr. 

6045. Das aus dan. 
6047. vor gesehe gestr. s. 

6054. er war ursprüngl. geschr., wurde aber 
gestr. u. durch übergeschr. sij ersetzt. Dieses ist 
jedoch wieder getilgt u. das alte er danebengeschr. 



Vom Verhältnis zwischen Leib und Seele. 



135 



6055 Das er hait; dan er nit hört noch 
/ sieht, 

Is sij dan durch dich alleine, icht. 
Und ich sagen dir strack dar: 
Nemest du sin nit eben war 
Und yn nit hart hieldes, 
6060 Als einen huffen mistes du yn 

fieles, 
Und gerurte sich auch nit nie.' 
'Frauwe', sprach ich, 'nu 

fragen ich uch 
Und auch dar zu bijden uch: 
Wie sol ich das verstaen 
6065 Das die sele muß den lip dran, 
Die innen ist und er ussen? 
Mich duncket bas gedragen sin 
[1S7<-] Dag d as innewendig muß sin, 
Und duncket mich bas sin ein 
dreger 
6070 Das usseu ist, und ein helder; 
Dan der dreit der da heldet 
Und dreget das daz er inheldet.' 
'Nu verstaut', sprach sij, 'ein- 
wenig ! 
Din rock und din kleit 
6075 Heldet dich und bist du dynne. 
Du werest nit wol by synne 
Wo du sprechest das sij dich 

trügen 
Odir dich in eynigen weg hiel- 

den.' 
Ich sprach: 'frauwe, ist das 
also ? ' 
6080 'Ja zwaer', sprach sij do, 

'Ich sagens dir mit underscheit: 
Die sele dreget und ist gedragen. 
Sij dreit zum ersten, la dir 
sagen, 



Den lip und er sij durch zufalle, 
6085 Umb das sij yme zu male 
[187"] Ir dugent nit deilet und gibt. 
Hastu ye kein schiff gesien icht 
In eime wasser gesehen füren 

odir swymmen? 
Dar an saltu bijtzeichen nym- 
men 
6090 Obe sij aen dich möge missedun 
Wo du nit dar zu woldes dun. 
Als dut auch der in dem schiffe 

ist 
Und das fueret und auch von 

yme gefurt ist: 
Das schiff fuerte yn nit 
6095 Wo er das schiff fuerte nit. 

Dine sele ist also eine fuererynne 
Dins libes und eine regiererynne: 
Sij yn füret, sij yn dreget 
Und also fürende sich selber 
dreget. 
6100 Der lip dreit sij nach sinem 

willen, 
Und dar nach sij dar zu dut 

yren willen; 
Der lip sij nit mochte gedragen 
Wo sij den lip nit wolde dragen. 
[iss»']Und dar umb saltu dich mügeu 
6105 Den lip so rechte zu regieren 
Dwijle du inne yme bist, und 
salt füren 
Das du au einen guden staden 
Yn nach dem dode mögest be- 
gaden.' 
'Frauwe', sprach ich, 'sicher- 
lich 
6110 Ich geleube das uwer worte 

wisseclich 



6062. fragen üb. gestr. sage. 
6072. dz übergeschr. 



6080. vor spoh gestr. frauwe. 
6090. sij] l. er? (H.). 



136 



Hechtes Verständnis nimmt zur Probe dem Pilger seinen Leib. 



Nit notdurfftig werent 

Obe is uch umb mynen willen zu 

dun were 
Das ir mich von myme schiffe 

nement 
Und von dem libe mich dedent; 
6115 Das ir mich wisetent den ver- 
stalten, 
Den blynden und veralten, 
Der mir so viel üb eis hait ge- 

taen, 
So dicke ir sagent, und zu mani- 

chem mal, 
Und mag sich des noch nit eiian, 
6120 Uff das ich "möge befynden 

Das ir sagent, und das finden; 
[l88v] Nit a i S o das ich icht föchte, 
Das ir mir sagent, das nit viel 

dochte, 
Aber ich verstaen nit sicherlich 
6125 Uwer worte lutterlich. 

Woldent ir mich einwenig lernen, 
So wolde ich is verstaen gar 
gerne.' 
Da sprach Glich Verstenteniße 
zu dem mal: 
'Zware ich geleuben rechte wol 
6130 Das du mich wenig verstest; 

weistu war umb? 
Daz dut der lip der dar vor ist 

und dar vor macht 
Ein groß hindernisse dag und 

nacht. 
Anders kann er nit me gedun 
Dan alletzijt wieder dich dun. 



6135 Aber umb daz du des haist be- 

gert, 
Du salt des, obe ich mag, sin 
gewert : 
Ich wil dir yn nemen, obe ich 

kann, 
Aber du must auch mit arbeit 

han, 
Mit mir auch mitliden han; 
6140 Dan ich gar wenig da dede 
[2S9>']Wo ich von dir nit helffe hette. 
Doch mustu yn wiedernemen 
Und yn wieder bij dich nemen; 
Dan myne macht reichet nit so 
ferre 
6145 Das ich yn von dir gescheide 

ferre 
Odir möge keine lange zijt; 
Dannoch is yme harte lijt 
Eine wijle sich von dannen zu 
scheiden. 
Des höret dem dode zu zu leiden, 
6150 Der dicke kommet so man nit 

nach yme schicket, 
Und sich hart dar inn stricket. 
Nu nym da und ich hie 
Und verstant nit da noch hie!' 
[189"] Da lachte Gelich Verstenteniße 

handt an mich 
6155 Und in yre gewalt lachte ich 

mich : 
Sij zoch und ich stieß, 
Ich det so viel, sij also det auch 
(ich daz sij mich hieß) 
Das der ungeschaffen niderlag 



6111. Nit] l. Mir mit h ?; Orig.: Je oroy 
que voatre parlement Me seroit mont necessaire. 



6157. also übergeschr. vor auch gestr. 
vnd. dz sij mich hieß zugeschr. 



nach 6153 aufgeklebtes Bild (B3) mit Nebenschrift rechts: glich v'stentenisse nymet 
dem pilgery die sele vß dem libe. Der Pilger liegt auf dem Hucken, die Seele kommt in 
Gestalt eines Knäbleins aus seinem Stunde. 



Der Pilger befreit von seinem Leibe. 



137 



Von mir und ich sin entladen 

wart. 
6160 In den lufft hohe ich gefürt 

wart, 
Mich duchte wol ich füge 
Und das mich keine swere züge; 
Nach mynem willen über alle 

ich gienge 
Uff und nider, wo ich wolde, ge- 

rynge. 
6165 Mich duchte das in der werlde 

nüscht 
Vor mir verborgen odir verholen 

were ütscht; 
Ich was frohe grossenclich, 
Mich verdroß nit me dan das ich 
Muste herbergen und beliben; 
6170 Dan wenig oder nütschit ich sag 

Dan hinderonge an myme wege. 
[190<-] ich sag wol das is waer was, 
Alles das Gelich Verstenteniße 

mir gesagt hait: 
Ich sag mynen lip wol, der was 

mist, 
6175 Und daz man yn achte vor 

nüscht ; 
Ich sag wol das er alletzijt be- 
leih 
An einre stat so man yn nit 

dannen hub. 
Uff der erden er gestrecket lag 
Und das er wieder horte noch 

sag; 
6180 Sine geberde bewijset hait 

Das er keine krafft in yme hait. 
Ich gieng umb und umb yn sere 
Zu erfaren obe er entslaeffen 

were ; 
Den puls greiff ich yme: 
6185 Fahß, ädern odir puls an yme 



Noch ahtem eufant ich zu male 
nicht ; 

Ich gesag wol das er was nicht. 

Phy uff yn und uff sin wesen! 

Ich mochte numme bij yme 
wesen ! 
[190«] Da ich das alles hatte bedacht, 
6191 Gelich Verstenteniße mich an ge- 
lachet hait. 

'Hie ist', sprach sij, 'das systu 
wol, 

Din vigent: nu kenne yn wol! 

Es ist der der dich dine wappen 
6195 Nit dragen lesset odir lyden, 

Der mit klaffen dich nider slet 

Und dich überwinden get, 

Der dich hindert hohe zu stigen 

Zu dyme schepper und zu fliegen: 
6200 Ich han sin dir genug vor ge- 
saget, 

Da mit dir wol genügen mag. 

Du must wieder inn yn gaen, 

Wieder uffladen und yn by dir 
han 

Und in dragen in dinem wege, 
6205 In diner ferte über brücke und 

stege.' 

'Frauwe', sprach ich, 'myne 
meynonge 
[19P-] w as und auch myne begeronge 

Das ich mich wappette mit den 
wappen 

Und das ich also einwenig gienge 
stappen 
6210 Eine wijle zu versuchen 

Obe ich sij also mochte ge- 
ruchen; 

Dan mich duncket siecherlich 

Das sij ytze nüscht wigent ge- 
lich.' 



6185. vor Fahß gestr. an. 



6187. Ich aus Is. 



138 



Hechtes Verständnis gibt dem Pilger den Leib zurück. 



'Sicher', sprach sij, 'du sagest 
war. 
6215 Sij wigent wenig, daz wisse vor- 
war! 
Aber du salt auch wissen da Mj: 
Wo du also andedes sij, 
So hettestu kein verdienen noch 

Ion. 
Du salt sij andun, so du bij 

dich hast genommen 
6220 Und angetaen den blynden und 

stommen. 
Er sal sine bürde wol dragen, 
Dan er an dem guden wilt deil 

haben ; 
Dan du am lesten kein gut 

macht han 
[191«] Er wolle auch sin deile dar an 

han. 
6225 Nu hebe yn uff und nym yn 

wieder 
Und dan stelle dich zu wappen 
wider!' 
Da sij mir das hatte gesaget, 
Bälde ich mich han umb gewant 
Den lip wieder ufü zu heben da; 
6230 Alle die stercke die ich hatte da, 
Und das gut des ich mich er- 

frauwette ee, 
In eime blicke was alles ver- 
borgen als ee 
Vor mir und verholen 
Under dem drüben wölken, 
6235 Durch den nyemans gesehen wol 

kan. 



[19S>-] Den wölken den ich so sere ge- 
hasset hatte 
Vor und wenig geachtet hatte, 
Fing ich an wieder liep zu han. 
Zu bedrachten und zu gedencken 
dran 
6240 Das ich mich mit yme vereynete 
Und sinen willen dete. 
Aber da ich dar nach befant 
Das ich also würde bedrogen zu 

hant, 
Zu schrien und zu weynen 
6245 Hub ich an und zu sufftzen 
Und sprach: 'ha G-ot, waz sal 

ich dun, 
Welichem sol ich sinen willen 
dun?' 
Da sprach Gelich Verstente- 

niße: 'was ist dir? 
War umb hastu untrost bij mir? 
6250 Schrien höret den frauwen zu, 
Den mannen is nit gehört zu.' 
Da sprach ich: 'ich schrien dar 

umb : 
Dann itze in dieser stonde, 
[192"] Ee ich wieder uffgehube 
6255 Den armen lyp und uff mich ge- 

luede, 
Da was ich so gar starcke aen 

wenen 
Das ich so viel wolte dun als 
zwenen. 
Ich über die wölken flock 
Hoher dann reiger odir kranch 
ie geflog ; 



6232. als ee mgeschr. 



6258. flock zugeschr., davor f olch zu streichen 
vergessen. 



vor 6227 aufgeklebtes Bild (54) mit Nebenschrift rechts: glich v'stentenisse gibt dem 
pilgery die sele wieder in den lip. Der Pilger steht wieder auf seinen Stab gestützt vor 
Bechtem Verständnis. v. 



Im Anschluß daran weitere Belehrung über Leib und Seele. 



139 



6260 Ich sag und verstunt 

Und nit wiederwertikeit enfant. 
Nu ist das spiel also umbge- 

want 
Das ich mynen wiederwert fon- 

den han wider. 
Der lip drucket mich und slet 
mich nyder 
6265 Und helt mich under yme uber- 

wonden syder; 
Ich han nit krafft da mit ich 

yme wiederstan 
Möge odir wieder yn gedun; 
Myn wollen ich gantz verlorn 

han, 
Ich weiß nit war ichs han ge- 
taen; 
6270 .Mine sterekede ist nit me dan 

des ist 
[ms»'] Der lebende in die, erde begraben 

ist. 
Als ein äffe der gehefftet ist 
An ein ploch und gebonden ist, 
Der nit uffgestigen mag 
6275 Er falle dan balde wieder abe, 
Also ist mir der lip ein ploch 

swere 
Und eine zange, die da heldet 

sere. 
Er slet mich nider so ich wil 

fliegen, 
Und zuhet mich wieder so ich 
Wil stigen. 
6280 Dar umb wart mir, als mich 

duncket, gesagt, 
Das ich vor zijden in der schrifft 
gesehen han gehabt, 
Das der lip, der vergenglich ist, 
Sere Me und swere ist 



Die sele zu beladen und zu 
drucken, 
6285 Die yn in kestionge wilt drucken. 
Also bin ich unden gelacht, 
Also gehalden und zu dinste 
braicht; 
[193«] Dar umb is nit wonder ist aen 

spot 
Obe ich sprechen schriende: "ach 
Got!" 
6290 Dan ich bin gar untröstlich 
Und gar sere ungemiidich.' 
Da sprach Gelich Verstente- 

niße: 'nu magstu wol 
gesehen han 
Das ich dir nicht gelogen han 
Das der lip din wiederwert ist 
6295 An allem guden das dir zu 

dunde ist.' 
'Sicher', sprach ich, 'das ist also, 
Mit uwern gnaden han ichs ge- 
sehen do. 
Aber sagent mir noch ein wort: 
War umb ist er stareker dan ich 
wordt ? 
6300 Odir war umb ich nit also starg 

bin als er 
Odir ich mag werden: das ist nit 

gute mere.' 
'Me stareker', sprach sij, 'ist er 

nit, 
Aber du kaust yn überwinden nit 
In syme lande, als du in dem 
dynen 
[194?] Dedes, so du da weres; 
6306 Dan ieder ist stareker uff siner 

misten 
Und macht sich scharff uff dem 
sinen mit lysten. 



6263. wider zugeschr. 

6270. Eine; Orig.: ma force. 



6281. vgl. Sapient. 9, 15. 
6304. syme aus Syme. 



140 



Weitere Belehrung über Leib und Seele. 



Er ist hie in syme lande, 
Und uff sine miste hait er lange 
6310 Synen mist nu faste gelaicht; 
Dar umb ist er wieder dich viel 

starg, 
Me scharfer und hat nie großer 

arg. 
Aber fondes du yn anderswa, 
In dyme lande, viel starcker dan 
da 
6315 Weres, und konde dir nit wieder- 

staen 
Noch auch wieder dich gedun; 
Nyt das ich is dar umb sage 
Und dich da inne mit dorheit 

belade 
Das du yn nit solles matten 
6320 Odir auch zu male undertretten ; 

Dan wiltu, uff sine misten, 
[194«] Und das du in dem schachzabel 

icht wistes, 
So mochtestu zu yme sprechen 

schach und mat: 
So viel wieders er dir nit det. 
6325 Wenig zu essen, wenig zu 

drincken, 
Wenig rügen und sere in arbeit 
zu syncken, 
Straffongen und siege viel, 
Beden und ersufftzen spiel, 
Die zeichen der bussen, 
6330 Haldent yn zu recht dun müssen: 
Die dunt dich yn uberwynden, 
Er wolle odir enwolle, und yn 

mit grosseren bynden. 
Wann er dan also wirt ge- 
bücket 
Under dich und gedrücket, 
6335 Dan macht du dich wol wappen 



Mit den wappen. la mich dir 

recht sagen: 
Du kanst nit ander hinderonge 

'haben 
Als da von das er zu feysset ist, 
Zu viel redende und zu viel ge- 
spiset ist; 
[195 >■] Und das was das dir sagette 
6341 G-ots Gnade, da sij mit dir rede 

hatte.' 
'Frauwe', sprach ich, 'siecher- 
lich 
Yetze erste versteen das ich. 
Aber ich verstunt sin nit da 
6345 Als sij mit mir rette vom libe 

da. 
Ich waende das er und ich 
Eins weren sicherlich. 
Aber is ist nit also. 
Durch uch hau ich die warheit 
erfonden do: 
6350 Nach dem ich uch han gefraget, 
Dar nach hant ir mir auch ge- 
saget.' 
'Sicher', sprach sie, 'die war- 
heit 
Were dir gewest durch sij bereit, 
Hettes du is an sij begert; 
6355 Dan ich han is alles von ir ge- 

lert. 
Ich konde nutscht were sij nit, 
Und were auch an mir nit: 
[195 v] Was ich dir sagen, das ist durch 

sij. 
Obe ich sprechen daz din lip din 
vigent sij, 
6360 Das soltu her nach wol befinden: 
So du einen guden weg wilt gan 
und finden, 



6319. nit fehlt, steht aber in h. 



6332. Orig. : a graut honneur, h: mit 
großen eren. 



Der Pilger clanlct Rechtem Verständnis für seine Belehrung. 



141 



Das wirt er dir weren 

Und dich dun einen andern weg 

• keren. 
Und obe er dich ettwan lesset 

gan 
6365 Den weg den du salt und wilt 

gan, 
So sage ich dir das du yn trege 
Findest und in slefferigem wege. 
Er wilt lange rügen 
Und sich wenden mit fügen. 
6370 Zu essen wan du yn haist ge- 

satzt, 
Spade und ungerne er sich hait 

entsatzt. 
Alles wilt er dun gemechelich, 
Das er dich mache hinderlich. 
Sine zijt kan er wol bestellen, 
6375 Wann er dich wilt mit reden 

feilen, 
[196'-] Und so du dich nit hudes, 
Bedrogen du dich dan findes. 
Aber das ich dir raden getruwe- 

lich 
Das du dich uff dinre huden 

sicherlich 
6380 Haldes und dich uff yn nit fydest 
Noch uff sin wesen nit verlassest. 
Anders dustu yme sin wollen. 
Dar umb magstu wissen mit 

follen 
Das du yn sterckes wieder dich 
6385 Und yme lyhest flißeclich 
Den getzug da mit er dich 

krieget 
Und von dem rechten wege 

brenget. 
Als, obe du mich wol verstanden 

haist, 



Das du yn wol erkennen magst, 
6390 Du magst wol gesehen daz is 

der ist 
Der din dotlich figent ist, 
Der dich dine wappen nit lesset 

dragen 
Odir sij dich auch nit lesset 
lyden.' 
[196"] 'Frauwe', sprach ich, 'großen 

danck ! 
6395 Ich sehen wol das is also ist aen 

wanck. 
Minen lip hant ir wol under- 
scheiden 
Von mir und clerlich gescheiden 
Wie er mir allen dag wieder ist 
In allem guden das mir zu dunde 
ist; 
6400 Also das ich uch wol erkennen 
Wyse und das ich bedurff ge- 
wynnen 
Uwer allen dag, das ich wol 

wolde 
Das ir den weg auch soldet 
Mit mir zu der stat da ich hien 
sal; 
6405 Dan ich geleube das mir wol 
Manich hinderonge kommen 
werde, 
Die ich in myme wege finden 

werde, 
Durch böse wege, die ich noch 

nit han können finden. 
Dar umb werent ir bij mir, 
6410 So brechtent ir großen trost mir, 
Also das ich uch bijde umb 

mynen frommen 
[197 r] Das ir mit willen wollent mit 

mir kommen.' 



6369. Orig.: Et sur l'autre coste tourner. 
6407. n. ich gestr. io mit Ansatz zum li. 
werde sugeschr. 



[6411.] Kustode unten auf Bl. 196": Das 
ir mit willen wollet. 



142 Nachdem EecMes Verständnis sich verabschiedet, setzt der Pilger seinen Weg fort. 



'Gots Gnade ist', sprach sij, 'bij 

dir, 
Da mit saltu laßen genügen dir. 
6415 Du gewynnest nummer bij dem 

leben din 
Geselleschafft die dir so nutzelich 

möge sin; 
Nit das ich mich wolle entschul- 
digen 
Das ich mit dir nit wolle geen: 
Ich geen die wijle du is wilt 
hau; 
6420 Aber ich sagen dir daz du wirst 

han ettwan 
Thuschen uns zwein drube wöl- 
ken 
Odir ander fuchtikeit uff ge- 
wolken 
Odir aber nebel odir rauch, 
Dar umb ich dir verborgen bin 
auch. 
6425 Eine wijle kumerlick 

Du mych siest, die ander finster- 
lich, 
Ettwan wieder dis noch das, 
Du mich nit siehst ldein noch 

groß, 
Und auch ettwan bitterlich 
[m v] Sihstu mich und uffenclich. 
6431 Nach dem du den weg heldest, 
Dar nach du mich auch findest; 
Aber doch, bedarfft du myn, 
So wil ich nahe bij dir sin, 
6435 Und suche mich umb dich! 
Dan suchestu mich flißeclich, 
Du findest mich bereitlich. 



6414 gleich zivischengeschr. 
6418. geen. aits gaen. 



Nu gang alles vor dich, 
Is were dir anders hinderlich; 
6440 Nym guden weg und gleube nit 
Dem libe: er dut dir kein truwe 
nit!' 
Da danckete ich ir sere 
Der woledait die sij mir mere 
Hatte getaen und bewijset, 
6445 Und sij mich vort gaen wijset. 
Da fieng ich aber an zu gaen 
[198'-] Und wolde da kein beliben han: 
Dicke fant ich daz sij mir sagt, 
Und vernam waz sij mich glernet 
hait. 
6450 Ich lochte das ich sie nit sehe 

me 
Wo ich dar zu nit arbeitte me. 
Der wölke verhelete sij mir da, 
Das det der lip, den ich hatte da. 
Nu behude mich Got vor hinder- 
niße! 
6455 Dan ich kan wieder weg noch 

wise 
Da hien ich siecher möge gaen 
In die stat dar ich willen han. 
Ich dencke wol daz ich zu 

schaffen gewynne; 
Dan wan ich nrynen wiederwert 
finde, 
6460 Den den ich süße ertzogen han, 
So wil ich mich duncken laen 
Das er mir me wieder drieß solle 

dun 
Dan der den ich nie me gesehen 
han. 
[198"] Als ich alles also gieng 



6422. vffi gleich übergeschr. 
6452. sij fehlt. 



vor 6164 aufgeklebtes Bild (55) mit Nebenschrift rechts: Hie hat der pilgerm zwene 
wege vnd weiß nit welliche er sol gän. Links steht der Pilger. Hechts sind die Wege als 
zwei breite weiße Streifen auf grüner Fläche gemalt. 



An einem Scheideweg sitzt links eine Magd, rechts ein Altbüßer. 



143 



6465 Und in großen gedencken gieng, 
Einen weg sag ich der sich 
zweiete 
Und in zwene wege sich deylte: 
Nit das si verre von ein weren, 
Duchte mich, und nit zemale un- 
gelich werent, 
6470 Einre von dem andern; aber 

tuschen den zwein 
Sag ich eine wunderliche hecke, 
Die mich duchte sich gar ferre 

strecken. 
Da inne wuß aller hande viel, 
Holtz dorne, dar an dorne viel, 
6475 Gar dicke dar in gemenget 
[19.9'] Und hertlich dar tuschen ge- 

drenget. 
Der ein weg uff die rechte handt, 
Der ander gieng uff die lincke 

handt : 
Es schein gar nahe ein weg sin, 
6480 Were die hecke da tuschen nit 

gesin. 
f/ff die lincke hant waz ge- 
sessen 
Ulf einer Stegen eine jungfrauwe 

vermessen 
Von adel und hatte sich geleynet 

da 
Und eine handt under yren seß 
gelacht da 



6485 Und einen hentschoe in der 

andern handt, 
Da mit sij die zijt verwante; 
Umb yren finger sij den swang 
Und yn umb und umbe wante. 
[199"] An yrer geberde sag ich wol 
6490 Das sij was ydelkeit vol, 

Das ir wenig was umb spynnen 
Odir ander arbeit zu gewynnen. 
Uff die rechte handt sag ich 
sitzen 
Einen altbüsser und wieder- 
macher 
6495 Alder socken und alder kleyder, 
Die er wiedermachte leyder. 
Noch verwondert ich mich me 
Daz ich gesag da noch me: 
Das er hatte gemacht wieder, 
6500 Zerreiß er zu male wider. 

Das sach ich da auch : 
[200>-] Mich duchte wol is were ein 

gauch, 
Und das er in yme nit viel 

synnes bette. 
Ich achte sin nit, dar umb ich 

dorheit synne hette, 
6505 Als ich des dar nach wart gewar. 
Doch tradt ich bij yn dar 
Und rette yme zum ersten zu 
Und sprach: 'beber frunt, sage 



mir nu 



6474. das zweite dorne üb. gestr. k...ppe. 

6478. vor handt, das zugeschr. ist, ein ver- 
mischtes handt oder hant. 

6479. Es üb. gestr. Ein'. 
6481. Uvff. 



sich. 



6484. handt aus hant. yre seß üb. gestr. 
i. 

6485. handt wieder aus hant. 
6493. handt aus hant. 

6504. synne hette üb. gestr. was. 



vor 6481 aufgeklebtes Bild (56) mit Nebenschrift rechts: Hie ist die mussige maget. 
'Eine Frau auf einer Treppe, in der Rechten einen Sandschuh haltend etc. Darstellung genau 
nach Beschreibung. 

vor 6493 Bild (57) mit Nebenschrift rechts: der pilgeryn fraget vninüsse wellicher 
weg der beste sij zu gän. Situation wie auf Bild 55. Geschäftigkeit in Gestalt eines Schuh- 
und Klciderflickers hockt rechts unten in der Ecke. 



144 



Der Altbüßer (Geschäftigkeit) lädt den Pilger auf seine Seite ein. 



Welicher weg ist der beste? 



6510 Ich sehen zwene vor mynen 

äugen glesten: 
Ich bin nit nie hie her gangen: 
Wijse mich welichen ich solle 

verfangen!' • — 
'Wo wilt du gelich siecht hin 
gan?' 
Ich sprach: 'ich wil über mere 
gan 
6515 Grheen Jherusalein, in die stat, 
Da die magt einen bischoff ge- 

born hait.' — 
'Komme gelich zu mir her inn; 
Dan ich "uff dem rechten wege 

gesessen bin. 
[300"] Durch mich der weg der un- 

bekentlicheit 
6520 Anhebet und dar nach rechte 

geit. 
Es ist der weg da du mast hin 

gaen 
In die stat die du wilt han. 
Und die da liget über mere.' — 
'Ich wolde gerne wissen obe is 
war were 
6525 Das du mir nu haist gesagt; 
Dan diu werde mich underwiset 

hait 
Das du haist kleynen synne. 
Das macht dins werekes sehyn; 
Dan ich sehen das du ein alt- 
busser bist 
6530 Und das din hantwerck snoede 

ist; 



Und gesehen daz du dicke ent- 
machest 
Das du gemacht haist, und is 

widermachest : 
Das en ist nit gar großer synne, 
Du sagst mir dan sache war umb 
daz muße sin.' 
[30i>-] D a antwerte er mir mit liste: 
6536 'Abe myn hantwerck arme ist, 
Dar umb sal man mich nit schei- 
den 
Noch mynre dorheit melden. 
Es en ist nit iederman 
6540 Der gülden cronen smyeden kan, 
Odir das er möge golt wechseln. 
Einre hait eins und muß daz 

ander laßen; 
Weren sij alle von eins hant- 

wereks maßen, 
Gar übel sij sich erneren moch- 
ten 
6545 Und auch nit zemal wol endöchte. 
Und sagen dir wol: daz hant- 
werck daz arm ist, 
Bedarff man wol zu aller frist, 
Und ist dicke me daz man sin 

bedarff 
Dan daz rieh, daz groß ist odir 
scharff. 
6550 Das eine wirt mit dem andern 

uffgehalten, 
Gehanthabet, geregieret und be- 
halten. 
[30i»]Es enist keins das böse sij 
Wann getruwekeit da bij sij, 



6512. welicke über wo geschr., das zu 
streichen vergessen ist. n. ich gestr. hinn. 
v'fangen üb. gestr. gaen. 

6532. is wider übergeschr. 

6536. das e in arme zu einer Schleife 
heraufgesogen u. ein Meines e übergeschr. 

6538. I. myne? (B.). 



6541. golt aus gelt. 

6543. eins hantwereks maßen aus einem 
kantwereke. 

6545 zwischengeschr. 

6547. man übergeschr. 

6549. das zweite dz übergeschr. 



Der Pilger erJcundigt sich nach seinem Namen und seiner Herkunft. 145 



Is schadet nit, wie is sij, 
6555 Daz der man echt nit müssig sij. 
Es ist besser getruwe hantwerck 
Dan von des konniges hoffe 

müssig werek. 
Obe ich zerryßen und wieder- 
machen 
Und das dun umb rechte Sachen, 
6560 Das ich nit müssig sij, 

Ich meyne das ich dar umb nit 
zu scheiden sij; 
Dan hette ich ander sache zu 

dun, 
Da mit muste ich mich beküm- 
mern nun 
Und das nit wieder zerryssen 
6565 Das ich hette gemacht, oder daz 
wieder zu machen. 
Du sist wol daz ich nit hette 

anders zu machen 
Wo ich myn werck nit zerbreche 
Und das wieder mechte: 
l303'-]J)a, mit solte dir wol genügen, 
6570 Woldes du dich anders mit 

mjnre liebe vortrügen.' 
'Frunt', sprach ich, 'AVer bist 
du 
Und wo her kommen bist du? 
Wo ist 'dir der gedanck her 

kommen ? 
Du haist mir getaen nie keinen 
frommen 
6575 Noch magst gedun, als ich in 

myme gedancke han: 
Wie sohle ich dich lieb gehan? 
So solde man mich wol einen dor 
nennen 



Solde ich dich in liebe erkennen, 
Kente ich dich anders nit. 
6580 So sehen ich doch an dir anders 

nit 
Dan dorheit, unkunst und kein 

wißheit nit, 
Das du me achtest die die arbeit 

haut, 
Dan die müssig gent und gut 

leben hant; 
Der me achtet die arbeydenden 
6585 Dan die müssig genden. 
\303»] Ich weiß nit wer dich daz geleret 

habe 
Odir wer dich das dun sagen 

habe; 
Dan hette ich icht mit rügen, 
Were besser dann sere arbeyden 
zu unfügen; 
6590 Es ist besser sich müssig dragen 
Dan is sij hacken odir graben. 
Also lange du uff dem wieder- 

synne bist, 
So lange du auch vor einen dor 
gehalden bist.' 
'O', sprach er, 'lieber milder 
frunt, 
6595 Du kennest mich nit, als mich 

dunckt, 
Und kennest wenig Müssikeit 
Und ir große sorglicheit. 
Ich fragen dich nu, antwerte mir 

baß! 
Umb was sache odir war umb 
ist das 
6600 Das wiße isen das lutter gefeget 

ist, 



6555. acht. 

6563. nun eugeschr. 

6565. oder dz übergeschr. 

DeuLßclie Texte des Mittelalters. XXV. 



6570. myme. 

6582. das r in arbeit gleich übergeschr. 

6589. zu vnfiigen zugeschr. 

10 



146 



Schon ist der Pilger bereit, Geschäftigkeit zu folgen. 



Und lichter stahel der gefoltert 

ist, 
Verrostet nnd wirt hesselich 
[503''] Und sine sckonede nit beneidet 

gelich?' 
'Ist das also', lian ich yine ge- 
saget, 
6605 'Daz du mir dan haist vorgelacht, 
So han ich unrecht dich zu 

straffen me; 
Dan mit den worten haist du 

mich uberwonden ee.' 
'Sicher', sprach er, 'es ist also; 
Dan gelich als daz isen balde 
rostig wirt 
6610 Da mit man nit arbeit odir 

wirckt, 
Also dut der müssige man 
Der nutscht dut odir dun kan: 
Der ist balde verrostet in Sun- 
den 
Mit laster und bösen funden; 
6615 Aber wann er sich wilt be- 
kommern 
Mit arbeit und sich dar in üben 

ummer, 
Das hudet yn vor sunden 
Und vor manickem bösen roste 
und fünden, 
[503»] Das er desta mynre beflecket 

wirt 
6620 Und vaste mynre rostig wirt. 
Das ist yme eins fegens wert 
Und eynre fylen und des fylers 
wert.' 
'Ich bijden dich', sprach ich, 

'daz du mir sages 



Wo du diese wort geschoppet 

habes, 
6625 Dinen namen und wer du bist, 

auch; 
Dan mich sere wondert auch 
Des das du mir so wol geantwert 

haist; 
Dann ich waende fast 
Das du werest ein'dorheit man.'— 
6630 'Gots Gnade (dan ich nit han), 
Die du nit sihst, hat mit dir 

geredt 
Und hait mir das in myn ore 

geredt. 
Alles das ich mich beraden han 

und geredt. 
Du salt dir is nit lassen wonder 

sin; 
6635 Du salt wissen das ich der bin 
[S04<-] Der den luden hait brot geben, 
Aen den nit hette mögen lange 

leben 
Alle Adams gesiechte were lange 

hongers dot 
Und hette gelieden grosse not; 
6640 Noes arcke were auch nutschit. 
Ich bin der der da dut alletzijt 

utschit, 
Und dun die zijt verdrijben, 
Kurtz vergaen aen verdrieß 

lijden; 
Der dar umb alle mentsche ge- 

born ist 
6645 Umb den scharfen dot der von 
dem appel kommen ist. 
Ich bin mit myme rechten namen 

genant 



6601. gelutert üb. gestr. b 

6616. vmer zugeschr. 

6618. roste vnd übergeschr.; maTchen in 
malcheni zu ändern vergessen. 



6622. eynre aus eyne, 

6633. vor vnd gestr. g. 

6642. verdrijoen ans verdrießen. 



vnd übergeschr. 



Da mischt sich sein Leib ein und rät zur Magd auf der linken Seite zu gehen. 147 



Arbeit und Unmüssikeit bekant: 
Doch nenne mich welichs du wilt 
Under den zweien, is mir geliche 
gilt. 
6650 Durch mich gent die da wollent 

gaen 
Inn die stat da du von 
[204 «\ Zum ersten mit mir geredt haist. 
Nu duhe daz du in dyme synne 

haist! 
Gang durch mich odir anderswo 
hin; 
6655 Nu hude dich wol und nym den 

weg din 
Das du dich nit duhest vor einen 

dor halden, 
Umb das du möchtest den 

argesten weg behalden!' 
Da er mir also hatte gesagt 

wer er was, 
Der altbüsser, und wie sin name 
was, 
6660 Da dachte ich daz ich sinen weg 

wolde gaen 
Und den andern weg wolde laen. 
Aber zu stont hub an myn 

krommer lip 
Mit mir zu reden in stridt, 
Fieng an und sprach zu mir: 
6665 'Was gest du, dore, also ge- 

dencken dir? 
Gleubest du dem coquart und 

dore? 
Nit gleube yme, sonder gang en 
weg vore! 



Es ist nit dan ein umbdryber 
[505'-] Der lüde und umbleyder. 
6670 Gang und rede mit der magt 
Die eine handt under dem sesse 

hait, 
Und frage sij den weg zu gaen, 
Als du diesen haist getaen! 
Villicht gibt sij dir solichen 
bescheit 
6675 Das du des weges zur rechten 

handt bedarfft nit, 
Sonder gest den zu der lyncken.' 
'O', sprach ich, 'ich laß mir 

dich nit wincken; 
Ich kennen dich wol, ich wil is 

nit dun; 
Dan solde ich nach dinem willen 
dun, 
6680 Balde gienge ich einen bösen 

weg.' 
'Sage ich dir dan waer', sprach 

er, 
'Gleubest du dan mir, waz ist dan 

der mere?' 
'Ja', sprach ich, 'so geleube ich 

dir.' 
Er sprach: 'der weg naher mir 
6685 Ist nit ferre von dem andern da; 
[305"] Es ist als eins nit dan daz die 

hecke 
Da tuschen ist ein dorenhecke. 
Hecke ist nit eine mure zynne- 

lette, 
Thorn odir bürg dar in zu be- 

sliessen mitte; 



6651. du liier übergeschr. u. zu Beginn des 
folgenden Verses gestr. 

6655 übergeschr. üb. gestr. Vers: Nym dinen 
weg vnd hude wol dich. 

6657. behalden] be übergeschr. 

6666. vor coquart gestr. C . . . . (?). 

6667. vore zugeschr. 



6671. handt aus hant. sesse üb. gestr. 
iE. 
6675. handt aus hant. 

6686. nach hecke gestr. da. 

6687. ein übergeschr. 
6689. mitte zugeschr. 

10* 



148 Nut eine Kecke trenne die beiden Wege. Der Pilger tritt darauf an die Magd heran. 



6690 Es ist keine hecke, man mag da 

durch slieffen 
An ettlichen enden odir sie uff 

ryssen, 
Odir zum mynnesten man möge 

da durch gaen. 
Als obe du nit recht gangen 

weres 
Odir von dime rechten wege 

kommen weres, 
6695 Bälde genug mochtes du durch 

die hecke kommen 
Und uff den andern weg wieder 

kommen 
Aen alle wieder sprechen. 
Dar unib, wiltu myne rede 

versten, 
So mag is dich nit sere gekrüden 
6700 Das du gest mit der hübschen 

reden, 
Die da sitzet uff dem huffen 
steyne ; 
Dann sij ist alleyne.' 
[306 '■] 'Wol an', sprach ich, 'wir wollen 

dar gaen! 
Ich sehen wol das ich nit frieden 
mochte han 
6705 Wo ich nit etlicher maßen 

gleubte dir; 
Dar umb gang vor, so geen ich 
mit dir!' 
Da quam ich zu der maget bas 
Die an dem ende des andern 

weges saß: 



6691. vff ryssen aus schwarz jresir.vffgetaen. 
6700. vor du gestr. g. reden vor mit 
gestr. u. a. Schi, zugeschr. 

6706. gang vor übergeschr. 



Ich sagete ir mynen grüß mit 
mut. 
6710 Sij sprach: 'Got grüße dich, frunt 

gut!' 
'Jungfrauwe', sprach ich, 'bij 

myme eide, 
Ir brechtent mich wol von leyde 
Woltent ir mich den weg wysen, 
Obe ir den wissent in eynicher 
wijsen.' — • 
6715 An dem wege kanstu nit gefeien 

Wilt du dich an mir nit helen 
[306 »] Und wilt durch mich hyen gaen; 
Dan ich die porten innehan 
Und bin eine portenerynue 
6720 An manichem hübschen wege und 

huderynne. 
Ich füren die lüde in den grünen 

walt, 
Beyde jungen und auch alt, 
Nüsse brechen und vyoletten 
Und auch zu wilen die ketten. 
6725 Ich füren sij an lustliche stadt, 
Da man frolich ist und freude 

hait; 
Da dun ich sij hören singen 

lieder, 
Spröche, gedichte und gewyder 
Und dar zu manichen süßen don 
6730 Von harppen und ander seiten- 

spil schon, 
Von orgeln und anderm gedöne, 
Davon die rede wurde zu lang 

und zu schöne, 



6708. saß üb. schioarz gestr. was. 

6709. mit mut mgeschr. 
6727. singen übergeschr. 



vor 6707 Bild (58) mit Nebenschrift rechts: Da Rette der pilgery zu Mussikeit. 
neben dem Bilde lviij. 



links 



Die Magd (Müßigkeit) berichtet verlockend von ihrem Wege. 



149 



[507'-] Der is alles wolde ertzelen, 

So solde man dar an nicht ver- 
helen. 
6735 Da dun ich sij arbeit hören, 
Gauckelspiele bij andern doren; 
Da sehen sij das bredespiel 
Und auch schachzabel spiel, 
Die kegel und den nunden stein 
6740 Mit wurffein und ander spiel 

gemein 
Und viel ander trufferien. 
Wiltu dar gan daz zu gesiehen, 
Durch mich mustu dar gan. 
Nu luge obe du wolles dar gan: 
6745 Den rait mustu bij dir han.' 

'Ha', sprach ich, 'ach amich! 
Ich han rait, aber mich gelanget 

nit 
Zu beraden daz wieder den ist 
Der mich zu kriegen bereit ist: 
[307"] Er ist ein vorsprecher worden. 
6751 Ich bin wol bedrogen worden 
Zu der zijt da ich mit yme eins 

wart 
Yme gnlte zu geben zu der selben 

fart, 
Mich da mide zu kriegen 
6755 Und auch baß zu bedriegen; 
Dan allen dag wilt er die gulte 

han, 
Gestern, hude, und lat mich nit 

dar von, 
Und wann ichs yme geben, so 

verbürget er die. 
Ich weiß nit obe mir recht von 
yme geschie 



6760 Odir abe ich werde gerochen hie.' 
'War umb', sprach sij, 'sagest 
du das? 
Du bist verdoret, und sehen doch 

nit das 
Er dir nit habe geben guden rait 
Das er dich zu mir gefüret hait.' 
6765 'Sicher', sprach ich, 'das wolde 

ich wol, 
Aber ein crutze ich machen sol; 
[30S<-] Dan is were das erste mal 
Das er mir ye geriede wol.' 
'Nu sage mir', sprach sie, 'wie 
6770 Hait er dir geraden? und lug nit 

hie! 
Mit was Worten hait er dich 
Zu mir her dun kommen gelich? 
So wil ich dir auch sagen hie 
Obe der rat gut und gewerlich 
sie.' — 
6775 'Er hait mir gesaget ich mochte 

nit 
Lengen minen weg und auch 
irren nit 
Sere, gienge ich zu uch reden, 
So mochte ich balde wiedertreden 
Und wieder kommen uff mynen 
weg 
6780 Aen wiederrede und dan gan en- 

weg. 
Soliche worte hant mich zu uch 

braicht, 
Got gebe das is wol sij gerächt!' 
'Nu', sprach sij, 'magst du wol 
gesien 
[308"] Das er dich nit wil bedriegen. 



6735. arbeit] Orig.: labours M, balours 
sonst. 

6745 korr. aus Dan dinen Rait du bij dir 
must han. du vor bij bei der Korrektur zu 
streichen vergessen. 

6746. Ha klein üb. großem, einen Absatz 



bezeichnendem R, das nicht getilgt ist, während 
die übrigen Buchstaben des anschließendenWortes 
(Raidt) gestr. sind. 

6748. den üb. gestr. mich. 

6749. Der üb. gestr. vnd. 

6761. Initiale schwarz mit roter Füllung. 



150 



Mäßigkeit berichtet von ihrem Wege. 



6785 Umb dich wilt er lyden hau, 
Dich zu erneren und uffrecht zu 

lian. 
Wann so er redt yon durch geen 
Durch die hecke,, mit dir zu 

geen, 
So magstu sehen daz er suchet 

nit 
6790 Sinen lust und auch sinen wollust 

nit, 
Sonder ist eyniche arbeit da, 
Die wirt er alleine liden und du 

nit alda. 
Er wirt da mit berüret 
Mit den dornen und bebludet. 
6795 Gleube yme des sicherlich! 

Du kanst dar an verlieren nicht. 
Komme durch mich: is ist ein 

weg din! 
Du bist nit der erste pilgerin 
Der zu andern zijden da her 

gangen ist: 
6800 Der weg alzumal wol getreden 

ist!' 
[209 t] 'Frauwe', sprach ich, 'sit das 

ir wollent 
Das ich durch uch ghee, und daz 

also lobent, 
So sagent mir die gelegenheit 
Von uch und wie uwer name 

steit! 
6805 Dasselbe ich gerne wissen wolde 
Ee ich uwern weg gaen solde.' 
'Hie von', sprach sij, 'mochte 

dir nit 
Groß ungemach gescheen nit; 
Dan durch mich sint viel ge- 
gangen 



6810 Die dar nach zu fragen nit hatten 
gros verlangen; 
Ich gefiele yn auch so wol 
Das sij mich nit frageten war 

dis noch daz sol. 
Aber doch dwijle du wilt wissen 
Das, so saltu vorware wissen 
6815 Das ich der hoffart eine bin, 
Die zu zijden hait gestalt hien 
Frauwe Trägheit, die du her 

nach 
Sehen wirst, und auch wirt dir 
zu ir gach. 
[ß09"]lre dochter bin ich und genant 
6820 Müssikeit die weiche bekant. 
Ich han lieber myn hentschoe an 

zu dun, 
Mich zu strelen und hübsch an 

zu dun, 
Mich in eyme Spiegel zu besehen 
Dan daz ich ander arbeit wolle 
plegen. 
6825 Mir dreument firetage und 

sondage, 
Das ich desta mynre swerde 

drage, 
Erdachte sacheri und meren zu 

sagen 
Und die lüde zu wenen das ich 
war sagen 
So ich ertzelen lugen und meren, 
6830 Bucher lesen und sagen erdachte 

meren. 
Ich bin dins lybes frundynne: 
Du slaeffes odir waches mit 
synne, 
Ich huden yn, daz er kein arbeit 
habe 



[6800.] Kustode unten auf Bl. 208": Frauwe 
spch ich sijt das. 

6808. vor Groß gestr. kein. 



6818. wirt dir zu ir gach üb. gestr. fynden. 
6S28. vor In de schwarz gestr. z. 



Der Pilger betritt den Weg der Müßiglceit. 



151 



Und zu kratzen an den henden 
habe. 
6835 Ich gebe yme dicke scheppel von 

grünem krude 
[510»'] Und dun yn gesehen zu siner 

hude, 
Obe sij hübsch und wol gestalt 

sie 
Und wol gecleydet und geschuwet 

sie. 
Ettwan dun ich yme suren 
wahssen an den henden, 
6840 Das er die muß graben und 

wenden, 
Sie zu stechen und uß zu graben, 
Zu arbeyden und keinen samen 
zu dragen. 
Nu siech was du dun wollest, 
Was du gedenckst, was rads du 
liest! 
6845 Wiltu dich durch mich leyden, 
So sage is aen langer beyden! 
Hebe dich uff und gang uff den 

weg 
Und stoß dine kleyder an dinen 
gurtel recht!' 
Da sie mir daz gesagte, zu 

stunt sprach ich: 
6850 'Die wijle myn lip uch ist frunt- 

lich, 
Hettent ir yn dan getruwelich 
lieb icht, 
So soldent ir yn bedriegen nit; 
Q3i0»] Dann ir wissent, were er den 

rechten weg geflogen, 
Das er sere were bedrogen; 
6855 Dann durch die hecke snelleclich 



Müste er gaen scherffeclich. 
Mit syme kosten machte ich 

solich loch 
Das ich mynen weg wiederfunde 

doch: 
Ich clagette wenig obe er ge- 
dornet 
6860 Were odir sere gestechet.' 

'Gang', sprach sij, 'und rede nit 

me! 
Er selber hait erwelet ee 
Den weg; er kan mich nit ge- 

schelden 
Noch von feischer liebe gemeiden.' 
6865 Da gienge ich durch Müssikeit 
Und in yren weg ich mich bereit; 
Des andern weges achte ich nit 
Und vergaß des altzumale. 
Den andern in dorheit nam ich 

zu wale, 
6870 Is mag kume sin er sie mir der 

argeste. 
[2W]lch bin geirret, daz weiß ich nit 

faste, 
Ich wil is balde genug ersehen. 
Nu gebe Got das ich also möge 

geen 
Und die bösen wege also schuwen 
6875 Das ich bynnen kurtzer zijt, 

Ee ich des boesen weges zu ende 

komme nit, 
Uff den andern weg kommen 

möge 
Und durch die hecke gaen möge! 
Da ich nu gieng also 
6880 Und die hecke ließ uff der sijtten 

do, 



6851. lieb ioht hint. gestr. ist. 



vor 6879 Bild (59) mit Nebenschrift rechts: gottes gnade vnd der pilgeryn vnd die 
hecke thuschen yne zweyen. Units neben dem Bilde lix. 



152 



Plötzlich ertönt von der andern Seite warnend die Stimme von Gottes Gnade. 



Eine stynrme horte ich uff die 

ander sijtte, 
Die zu mir rieff sijt. 
Sij sprach: 'cockart, was dust du, 
[5ii»]"War gestu, war wilt du? 
6885 "War umb haist du gelaubt des 

rades 
Der glytterssen lugenerynne 
Müssikeit, der klapperyune? 
Den rat den sij dir geben dut, 
Brenget dich zu armüt; 
6890 Sij füret dich glich in den dot, 
Wie wol der weg dich hat bracht 

in not. 
In kurtzer .irist hat sij dich be- 

drogen 
Und von der dugent getzogen; 
Sant Bernhart sprach sij nit an, 
6895 Da er sij erkante und gieng sij 

an. 
Sij ist me hinderlich den pilgerin 
Dan der hare möge den Mnckeln 

sin. 
Ich gleube wol du solles is balde 

erfaren 
Und sij wol erkennen daz du 

bist verfarn, 
6900 Wo du nit balde geest her über 
[.213 r ] Und laß den weg der da get da 

über.' 
Da wart ich zu male sere 
erfert 
Und bin altznmale zu dode er- 
schrecket; 
Dann der da rette, gesag ich nit, 
6905 Und wer das were, wiste ich nit. 



Doch so antwerte ich 
Und sprach: 'bescheide mich! 
Was odir wer sint yr 
Die odir das da redet zu mir? 
6910 Ich werde recht nummer frohe 
Wiste ich nit wer nu were do.' 
Das da hatte geredt, daz ant- 
werte mir lüde sere: 
'Du soldes wol wissen' wer ich 

were; 
Dan ich han dir viel gudes ge- 
taen, 
6915 Wohles du is icht behalden han. 
Ich bin die die dich fürte in myn 

huß, 
Und drug dir myn kleynot her uß 
[213"] Und ließ is dich sehen und det 
dir ein deil bekant: 
Gots Gnade bin ich genant.' 
6920 Da ich is horte, da sprach ich 

zu ir: 
'Zarte frauwe, sijt daz daz sint 

Ich dancken uch; daz sal ich dun, 
Sijt das ir zu mir haut reden 

dun. 
Ich han lange guden willen gehat 
6925 Mit uch zu reden von diesem 

phat, 
Uch zu fragen waz da mechte 

hie 
Die hecke die da ist gewahssen 

hie; 
Und bijden uch das ir mich des 

underwijsent 
Der warheit und mich wijsent, 



6883. was dust aus war gest. 

6884. hier War gestu ans was dustu da. 
6888. Z. Der? 

6894 vgl. Bernardiis, De consideratione 3, 13 
(Migne, Patr. lat. CLXXXII, col 756). 



6899. Hinter sij ist dar vor also schwarz 
gestr. u. dafür a. Schi dz du bist v'farn zu- 
gefügt. 

6901. h: laßest 

6912. lüde übergesclir. 



Aufklärung über die Hecke. Jenseits derselben erscheint Hechtes Verständnis. 



153 



6930 Und dar nach na myme vermögen 
Durch zu gaen dun ich myn 
mögen. 
Hait inyn lip da zu lyden, 
Ich gedencken des wol zu ver- 

myden : 
Er ist dar in myn rat gewesen, 
[313 '■] e s krudet mich nyt obe ynie 

davon liden werde.' 
6936 'Sicher', sprach sij, 'ee solde ich 
Durchgaen, were gehertzet ich; 
Dann so du vorter wirst gaen, 
So must du die hecke ie dicker 
han.' 
6940 'Frauwe', sprach ich, 'des bin ich 

froe, 
Desta me wirt er gestochen also, 
Der lip, der mich hat wollen 
verraden 
Und mir hait uff diese sijte zu 
gaen geraden.' 
'Nu verstaut', sprach Gots 

Gnade, 'waz is ist, 
6945 Die hecke die da tuschen ist 
Tuschen den zweien wegen: daz 

die hecke zu gehören sol 
Der frauwen die du gesehe wol 
Den slegel dragen und die rüden 
Und den besem dragen tuschen 
den zenen. 
6950 Busse ist sij genant sere 

In hiemel, erde und in dem mere. 
[313 f] Sij hat die hecke geheiget da 
Umb den willen daz die den weg 
da 



Uff der sijtten gent, daz sij da 
her über nit kommen 
6955 Sij haben dan vor davon arbeit 

genommen. 
Sij hait sij auch dar umb geheget 

da 
Das sij neme besem und rüden da 
Und auch style in ire slegel zu 

machen, 
So dicke ir das not dut zu yren 
sacken ; 
6960 Dan sij hait des an viel enden 

zu dun, 
Umb die sunder bösen willen zu 

laßen dun. 
Die hecke an diesem ende 
Ist nit faste dicke, da wende, 
Das rade ich, balde her durch zu 
gende ; 
6965 Dan du magst balde finden 
Ettliche sache die dich mochte 

hindern 
Und dich nit lesset durch gaen: 
Das sal dich nit gar fremde han.' 
[3W] Da fienge ich an zu gesehen 
6970 Her und dar und zu gedencken, 
Zu wissen obe ich gesehen mochte 
Ein loch, dar durch ich gaen 
mochte. 
Aber in dem gesehen uff jhene 

sijtte sach ich 
Eecht Verstenteniße, das won- 
derte mich; 
6975 Ich kante sij wol an yrem an- 

gesichte und wijse. 



6933. Orig.: je m'en pense bien a souffrir; 
h: ich gedencken michz wol zu verdragen. 

6936 f. h hat, dem Orig- entsprechend: e 
soltestu . . . werestu icht geh. 



vor 6969 Büä (60) mit Nebenschri.fi 
weller. links neben dem Bilde lx. 



6952. geheiget üb. gestr. gesatzt. 

6953. dz übergeschr. 



rechts : 



Da Rette glich v'stentenisse zu dem 



154 Von Bechtem Verständnis angetrieben sucht der Pilger ein Loch in der Hecke. 



Ich sprach: 'owe, frauwe die 

wyse, 
Hant ir mich uff dieser sijtte 

gelaßen ? 
Dann ich waende daz ir zu aller 

maßen 
Bij mir uff myme fuße sin soldent 
6980 Und mich in keyner zijt laßen 

woldent.' 
[214 V ] Sij sprach: 'is stet an mir nit an 

min blieben, 
Du haist mich zu erste genryedeii. 
Weres du uff dieser sijtte her 

kommen, 
So hettest"du mich doch bij dir 

runden. 
6985 Nit wene das ich wolle gaen 
Den weg da von ich schaden 

Iran! 
Ich wil mich uff dem guden wege 

halden, 
Da die guden pilgerin hien gent 

wallen. 
Komme dar und geleube Gots 

Gnaden; 
6990 Dann sij hait dir gar wol ge- 
raden 
Das aller beste, und byst ein 

dore 
Wo du volgest den weg uff die 

sijte vor.' 
Da sij mir daz hatte gesagt, 
Fing ich an zu gedencken me 

dan ich vor hatte gedacht 



6995 Und gesehen wo die mj/nste dicke 
Were und das kleyneste gesticke 
An der hecken und daz mynneste 
stechen ; 
[315<-] Dann mich durte daz sich zur- 

brechen 
Solde der lyp me dann ich: 
7000 Das erbarmete me dann is sohle, 

mich. 
Nu wolle mich Got behüden 
Durch sine große glitten; 
Dann ich bin boesem marcket 

nahe. 
So lange der fogel sich mag regen 
7005 Her und dar und sich bewegen, 
So kommet is gar dicke 
Das er inn einen stricke 
Swerlich gefangen ist, 
Der yme in sinen weg gelacht 
ist, 
7010 Odir von eyme andern fogel ge- 

dodet. 
Er ist ein dore daz er so er 

mag, nit enubet; 
Dann wann er wilt, so mag er 

dun nit, 
Da von yme dicke leyde beschiel 
[215"] Nu wil ich uch sagen wie is 

mir gieng, 
7015 Davon is mir größlich mysse- 

gieng. 
Als ich also in gedencken was 
Und in der hecken suchte loch, 
daz mir baß, 



6979. sin soldent hint. gestr. werent. 

6980. vor laßen gestr. nit. 

6981. an min blieben üb. gestr. in solich 
massen (?). 



6982. gemyeden üb. gestr. gelaßen. 
7011. dz er hint dore übergeschr. u. hint. 
mag gestr. vbet üb. gestr. dut. 
7013 zugeschr. 



unter 7013 Bild (61) mit Nebenschrift rechts: dracbeit beldet den weller. links neben 
dem Bilde figu'e lxi. In der Rechten schwingt ein altes Weib (Trägheit) ein Beil, mit der Linken 
hält sie den Pilger an einem um sein rechtes Bein geschlungenen Seile fest. 



Dabei verstrickt er sich in Seile, die ein altes Weib (Trägheit) auf den Weg gelegt. 155 



In myme wege seile und stricke 

lag, 
Die ich wol fulete und nit gesag 
7020 Das ich dar inne verstricket was 
Snelle und mit den fußen ge- 
hemmet was; 
Das mich wonderte sere 
Und erschrecke mich am hertzen 

mere. 
Zu Gelich Verstenteniße zu reden 
ließ ich sin, 
7025 Und da bynnen waz Gots Gnade 
mir uß dem synne. 
Nach der hecken gedacht ich nit 
Zu suchen sluff odir loche nit; 
Genug zu dun und zu gedencken 
Hatte ich wie ich solde lencken 
7030 Die knoden von den seylen 

Und die rechte zu deylen 
[5iß'']Und zu entstricken 

Und sij uff knuppen zum glichen; 
Danne ich konde sij nit zer- 
brechen 
7035 Und wiste mich nit wie rechen; 
Dann ich nit als starg als 

Sampson was. 
Ein altwip, daz hesselich und 

ungestalt waz, 
Kromp und ungeschaffen, 
Sag ich, die wolde klaff en, 
7040 Und ich hatte ir vor nit gesehen: 
Die quam mir nachgeen 
Und sag sie die seyle han 



Mit einre handt begriffen han. 
Da ich mich wante und sij 
ersach, 
7045 Mee dan vor ich erschrag; 
Dann ich sag sie gar sere ver- 

stalt 
Und von wustikeit gar ungestalt, 
Unnedig, swartz, snode und gele, 
Der sij hette gesien dantzen 
snelle. 
[5i6»]Eine metziger axs sie einig, 
7051 Da mit man die swine dot slug; 
Dar zu drug sie bewonden 
Ein fardel seyle zu hauff ge- 
bunden: 
An' yrem halse drug sie die. 
7055 Da ich sie also sach hie 
Und nam war yrer geberde, 
Da waende ich nit anders dan 

sij were 
Eine otterfengerynne 
Odir aber eine wolffefengerynne. 
7060 Solich fardel han ich an den 

wolfffengern gesien, 
Die des konniges waren odir ir 

mochten syn, 
Und auch bij den otterfengern : 
Die drugen solich fardel gern. 
'Was ist dis', sprach ich, 'du 
stinckendes altwip, 
7065 Das du mir also nachgest uff 

mynen lyp? 
Wer bistu odir mit was rechte 



7018. lag aus lagen. 

7019. wol Mete üb. gestr. nit gesag u. nit 
gesag üb. gestr. Mete wol. 

7023. I. ersebreokte ? 

7025. wz vor gots übergeschr. u. n. gnade 
gestr. 

7033. Nach uff ist zu schwarz gestr. zum 
glieben sugeschr. 

7049 in der vorliegenden Verbindung ganz 



unglücklich und höchstens zu erklären: Unfledig 
etc. erscheinend einem, der sie hätte tanzen sehen. 
Orig. (7062/63): Laide ebose fust en sale 

Qui li veist venir dancier. 
h: ... gel, sye quam dort ber springen vnd 
dantze". 

7051. dot übergeschr. 

7064. Initiale seluoarz mit roter Füllung. 



156 



\ßl7r\ 



7070 



Alles Wehren gegen Trägheit hilft dem Pilger nichts. 



7075 



7080 



7085 
[317 ^ 



7090 



Hinderst du lue mich armen 

knechte ? 
Ir soldent nit also kommen 
Aen reden odir uch kustens an- 
genommen. 
Is sckinet wol das ir nie kommen 

sint 
Von guden enden odir ußgangen 

sint. 
Fluch hynnen und laß mich, 
Duhe abe dinen strick umb mich 
Und von mynen fußen abe! 
Dan ich nit blafuß odir falcke 
Byn und auch keyneu han 
Odir auch keynen sperwer dran 
Noch ander fogel ziere, 
Das fogelern zu gehöre 
Mich also mit stricken zu bynden.' 
Das aldewip begonde antwert 

fynden: 
'So mir myn heubt', sprach sij do, 
'Du kommest nit von hynnen 

also; 
Übel bist du her kommen, übel 

muß es dir ergaen. 
Stinckende altwip hastu mich 

genant : 
Alt bin ich, du haist mich aber 

myssenant 
Dar an das du stinckende haist 

gesprochen; 
Ich stincken nit und laß is nit 

ungerochen. 
Ich bin an viel hübschen enden 

gewest 
In winter und sommers glest, 
Gelegen in des keysers kammer, 



Des konniges und ander herren 

samment, 
Geslaffen in vorhengen der 

bischöffen, 
Epten, prelaten und in geist- 
lichen höfen, 
7095 Das ich nie me stinckende wart 
Noch in keinre zijt also genant 

wart. 
Wo kommet is dir her, wie ge- 
dorste du 
Also reden daz du nu 
In myme stricke gefangen bist, 
7100 Gehindert und dar inne ver- 
stricket bist? 
Ich meynen das du sere scharff 

werest 
Und gar boßlich mit mir retdest, 
Werest du nit gefallen. 
[£:Z8>'] Und dar umb, die wijle ich dich 

halden, 
7105 Ich geleube ich solle mich wol 

an dir rechen 
Und dich noch also zerbrechen 
Und dich noch brengen an die 

stat 
Das ich dich dun gleuben an 

mynen got.' 
'Alt wip', sprach ich, 'wer sint 

ir, 
7110 Die das hertze so sere hait zu 

mir? 
Ir sollent uwern namen sagen, 
Dwijle ir mir also wolleut 

drauwen ! ' 
'Sicher', sprach sij, 'ich wil is 

wol, 



7069. Hinter hustens ist hau su ergänzen. 

7075. Nach falcke (verändert in falcke) 
ist des Heims wegen habe mgeschr., das jedoch 
nicht gehalten werden kann. 



7094. in übergeschr. 

7098. daz aus da. 

7106 sioischengeschr. 

7107, Vnd üb. gestr. ich wil. 



Trägheit erMärt, wer sie ist und wozu sie dient. 



157 



Das ich dir nit verfielen sol 
7115 Myn name, wer ich bin und war 
zu ich dienen welle. 
Frauwe bin ich des metzelers uß 

der helle, 
Die yme bringet mit seylen fyne, 
Als obe is alles werent swyne, 
Die pilgerin die ich hindern mag 
7120 Und sij mit den fußen binden 

mag. 
Ich han ir zu zijden viel dar 

bracht, 
Aen die ich noch wol dar 

brengen mag, 
[318 v] Under den du must der erste sin, 
Wo du mir nit entgest uß den 

banden myn. 
7125 Und dar umb bin ich kommen 

dich zu binden, 
Dich heimlich an zu kommen und 

zu finden; 
Ick were wol anders kommen 
Hette ich nit vernommen 
Das ich myn arbeit solde ver- 
lorn han; 
7130 Dan du wolde uff die ander sijte 

gaen. 
Ich bin das aide wip 
Das bij den kinden in yrem bette 

lygt 

Und sij dut uff die ander sijtte 

wenden 
Und sij nit leßet gerne uffsten 

odir sich wenden. 
7135 Ich bin geborn sie zu wigen, 
Das sij slaffen und swigen; 
Die yne yre äugen zu dut, 
Das sij nit sehen das lichte gut. 



Ich bin die die ane hacken 
7140 In dem garten dut disteln uß- 

racken, 
[219 r] Qwecken und nesseln erkeben 
Und al unkrut aen samen sehen. 
Dicke und viel is mir gescheen 

ist: 
Das balde zu dun bereit gewest 
ist, 
7145 Bis uff den andern dag ich das 

vertzog, 
Da mide ich das bedrog 
Und det is dar nach zu male nit. 
Der zukünftigen zijt beiden ich 

gerne sijt, 
Dar umb durch mich dicke ge- 
scheen ist 
7150 Das manig gut werck versumet 

worden ist. 
Ich heißen Drakeit, die suchtige, 
Die hynckende und krempige, 
Die lame und die müde, 
Die versmeltzen, die erfrorne 
küde, 
7155 Und wiltu mich anders nennen, 
So magstu Trurikeit wol er- 
kennen; 
Dann waz ich sehen, daz ver- 

drußet mich. 
Als der mulenstein der ydel get, 
dun ich, 
[-9-29°] Der nit zu malen hat und von. 
yme gibt staub und Diele; 
7160 Also zurbrechen ich mich viel 

und snel: 
Durch verdrieß ich is alles bre- 
chen, 
Da mit ich mich sere rechen. 



7136. swigen üb. gestr. nit schrien. 
7138. in lichte das e a. Schi, zugeschr. 



7142. alvnkrut. 

7152. Vor krempige ist die gestr. 



158 



Von der Ausrüstung der Trägheit mit Beil und Seilen. 



Mir gefeilet nutschit wol 
Is sij dan nach mynera willen 
gemacht wo]. 
7165 Und irnib das mich also verdrußet 

das, 
So dragen ich diese myne axs. 
Verdroß von gudem heißet sie: 
Sij ist swere als ein groß blie, 
Sij kloppet und ersiecht die lüde. 
7170 Es ist die axs eigenclich 

Da mit ich zu zijden gewerlich 
Helyam under dem weckolder 
slug dot 
Und ick yn braicht in dodes not : 
Were der n'it gewest der hoch 

gehangen wart ; 
7175 Durch den er zweie male er- 
wecket wart) 
Umb die macht die er hatte sere' 
[330 >•] Er mir also nit entgangen were* 
' Mit der axs slahen ich dot 
Die gelerten in der kircken und 
brengen sij in not; 
7180 Also besweret und gebliet ma- 
chen ich sij, 
Solde man sie verkeuffen als blij, 
So mochte man sie mit gewichte 

verkeuffen. 
Ir einre wigette so viel als ander 

drij ; 
Ich sparen keynen, wer der sij, 
7185 Ich slahen sij dot, wann ich sij 
also finden hie. 
Diese stricke und die seyle hie, 
Da mit du gebonden bist hie, 
Sint gemacht also gar starck: 
Zuhes du sere, sij halden hart, 



gestr. 



7164. vor gemacht angefangenes w schwär* 



7172. vor slug gestr. dot. 
7185. hie eugeschr. 



7190 Wann sie enbrechent nit balde; 
Dann sij sint uu gar veraldet. 
Es sint nit seyle von Lichtem 

dal, 
Sonder sij sint gemacht zu Swar- 
tzen dal; 
[ssoo] gjj g j n t geiich swartz und' ge- 

swertzet 
7195 Und uß mynem buche geertzet. 
Wiltu wissen wie sij heißent alle: 
Die eine versumeniß man nennen 

sal, 
Die ander verlessikeit genant, 
Die dritte lassikeit ist bekant. 
7200 Sie sint weiche und lichts geferte, 
Fluckig und gestanden herte; 
Also hau ich sij gemacht wol zu 

verstricken 
Und gar wol zu verwicken 
Und dun die lüde zu hindern 
7205 Und ir kleit doch nit zerryssen. 
Sage ich waer, so weistu is wol; 
Dann durch sij zwo ich dich 

halden sal. 
Die ich an nryme halse hau 
Und also dar an gebonden dra- 
gen, 
7210 Des ich uff dis male wil geswigen 
[331'-] Und die zum andern male dir wil 

lyhen; 
, Da inne du dich in tzijt fynden 
salt 
Verstricket und auch wol fuelen 

salt. 
Nit me ich dir sagen wil, 
7215 Umb daz ich mich dar zu stellen 
und stercken wil 



7193. swartzen dal üb. gestr. halde smal. 
[7210.] Kustoäe unten auf Bl.330": vnd 
die zum and'n. hier n. vnd schwarz gestr. dir. 
7212. in tzijt übergeschr. 



Trägheit schlägt den Pilger mit dem Beile nieder. 



159 



Dich da myde zu seylen 

Und zu hindern aen feylen. 

Das seyle vertzwifelonge ist ge- 
nant: 

Das ist das da Judas an gehan- 
gen wart, 
7220 Da er den konnig Jhesus ver- 

raden hatte. 

Es ist das seil des henckers von 
der hellen, 

Das da mit er sleuffet und 

hencket ,• 

An sinen galgen die er also er- 
kennet. 

Ich dragen is affter lande; 
7225 Dan is der hencker mir befolhen 
hat mit schände, 

Uff das, obe ich einen dore fynde, 

Das ich yme daz umb den hals 
bynde, 

Das ich yn füre und sleuffe 
[55i"]TJnd yme eine böse woche an 

streuffe. 
7230 Nu siech abe dich an ein gut 

ende 

Dich gefurt haut des dodes 
wynde 

Und obe dir wol gedienet halt 

Müssikeit, die dir gesaget hait 

Das sie myn dochter sij! 
7235 Hie zu sij dich hait dun kom- 
men: 

Du must hie sterben, wo ich nit 
stirbe.' 
Da das altwip also hatte ge- 
redt 

Von yrem hantwercke und ge- 
prediget, 



Mit großem versmahen sprach ich 
wieder : 
7240 'Kostig altwip, mich duncket 

sieder 
Das uwer bekenteniße nicht wert 

sij. 
Laßent mich gen, dan ir haut 

mich gehindert hie 
Und bin von uch gehindert wor- 
den 1' 
Da hait sij die axs her vor ge- 
tzogen, 
7245 Uff die achsel sij mich slug 

So sere das sie mich nider slug. 
[333>-] Hette ich myn pantzer gehabt, 
Das were mir uff die zijt wol be- 
haget; 
Dann der streiche der mir wart, 
7250 Was dotlich, hette ich nit gehabt 
Da selbs in myme hudt 
Der schonen salbeyen gut, 
Die der konig hatte gemacht: 
Das ist die salbe geystliche, 
7255 Die nit machet den mentschen 

dotlich. 
Der hatte mir in mynen sacke 

getaen 
Gots Gnade, da ich sij genommen 

hau; 
Sij wyste wol das ich jr be- 

dorf/en würde, 

[333"] Dar umb hatte sij mir sie uffge- 

laden zu bürde. 

7260 'O we', sprach ich, da ich mich 

sach 
Also in großem ungemach, 
'Gnade', sprach ich, 'konnig Jhe- 
sus! 



7258. yn bedorfften. 



oben auf Bl.333'- Bild (63) mit Nebensclirift rechts: dracheit wilt den weller doden. 
Ihiks neben dem Bilde lxij. Trägheit schlägt den Pilger mit dem Beil auf die Schlüter. ■ 



160 An seinem Stab richtet sich der Pilger auf, aber Trägheit läßt ihn nicht entkommen. 



Das alt wip kait mich, dot gesla- 

gen sus 
Und mich ermordet mit der axs. 
7265 Han ich nieman hij uch nahe, 
So han ich kein beliben nahe. 
Helffent mir und komment zu 
helffe mir 
Und werffent mich uß diesem 

leide viel!' 
Als ich mich also clagette 
7270 Und mich beclagende also nider- 

lachte, 
Da lachte das altwip ir bürden 
nyeder 
[233'-] Und wolde," daz mir nit wol ge- 
fiele sieder, 
Die seyle dem hencker uff dun, 
Mir die rnnb den hals zu dun. 
7275 'Wenes du', sprach sij, 'mir ent- 
wichen 
Mit dyme clagen odir mit dyme 

schryen ? 
Des henckers seyle wil ich dir 

wynden 
Umb den hals und is wol byn- 

den; 
Dar nach werden ich sleufferynne 
7280 Din und auch henckerynne, 
Und die daet sal wol loben 
Der hencker und yme wol hofen.' 
Da ich horte solich drauwe 
worte 
Und sag die botschafft und borte, 
7285 An mynen stab ich da gedachte 



Und mir daz böse hertze wieder- 
brachte. 
Mit beyden henden ich den greiff 

und hielt 
Und behalff mich da mit so viel 
[223«] Das ich wieder uff qwam 
7290 Und mich uffrachte und uff die 

fuße qwam. 
Zu der hecken wolde ich fliehen, 
Aber das altwip mir nach zu 

ziehen 
Was nit drege noch entslaffen; 
Sij qwam mir nach mit irer axs 
7295 Und hielt mich in dem stricke 

baß, 
Davon ich noch nit gelediget 
was. 
'Beide, beide!' hait sij da ge- 
sprochen, 
'Du kommest nit also enweg, ich 
sij dan gerochen! 
Is hilffet dich nit also enweg 
stessen : 
7300 Du must die hecke vergessen; 
[224'-]Zii myner axs und mynen seilen 
Mustu dich zu male lan verey- 

nen.' 
Also sij mich wiedertzoch 
Mit der axs und jagete mich 
doch 
7305 Mit den stricken, die ich nach 

mir zoch 
Und auch einßdeils an mir 
drug. 



7283. hint drauwe Basur (n getilgt?). 
7284 borte = bürde. 



7299. stessen] vgl. Glossar. 



vor 7269 Bild (63) mit Nebenschrift rechts: Hie liget der weller den dracbeit bait 
geslagen. Gottes Gnade steht neben ihm. links neben dem Bilde lxiij. 

nach 7294 Bild (64) mit Nebenschrift rechts: Der weller fluget vnd dracbeit die jaget 
yne. Units neben dem Bilde lxiiij. 



Da erscheinen noch zwei andere alte Weiber, das eine auf dem Bücken des andern. 161 



Ich was großlich trurig, gar 

grosseclich, 
Ich föchte dar zu gar sere mich 
Das sij mit des falschen Judas 
seyle 
7310 Mich nit brechte zu großem un- 

heyle 
Und mir das umb mynen hals nit 

lechte 
Und mich in kommer brechte. 
Doch umb das ich mit alle 
Ir gantz wolde wol gefallen, 
7315 Das seyle sij da lachte 

Uff yren hals und sich bedachte 
Und erließe mich des; 
Die ander sij bij sich stieß 
\224o} Und ließ yr ein deile auch hen- 

cken 
7320 Und nebent ir sleuffen und sen- 

cken 
Und sprach, wie wenig ich mich 
zuche zu der hecken, 
So wolde sie die seyle wieder- 
strecken. 
Das det sij auch als sij is sagete, 
Und hielt das sij mir zu gesaget 
hatte : 
7325 Alle male so ich geen wolde 
Zu der hecken und mich dar 

keren solde, 
Mit drauwen erschreckete sij 

mich 
Und wegete die axs über mich; 
Die seyle sij nam und zoch mich 
7330 Von der hecken vaste her abe. 



Als ich also gieng mich strecken 
Und mich fernete von der hecken, 
Als mich das altwip det gan 
Wo sij mich dan hien wolde han, 
7335 Uff eime halse eins hesselichen . 

dales, 
[225 r] Der dieff, ungeschaffen und vin- 
sterniße vol was, 
Zweie ander aldewibe hesselich 
Sag ich, die warent wonderlich. 
Die qwamen gelich her zu mir: 
7340 Eine drug die ander uff dem 

halse gheen mir, 
Und die die da gedragen was, 
So große, so dicke und geswollen 

was 
Das ire groeße was Übermasse; 
Dan sij von nature nit also was, 
7345 Als ire gestalt bewijsete das. 
Uff yrem halse drug sij einen 

stab, 
An yrer stirne sij ein spitz hörne 
hadt, 
[225«] Da mit sij sich wol scharff 

macht. 
In irer haut hatte sij ein ander 
hörn 
7350 Und in yrem sacke einen blaß- 

balg vorn, 
Und was auch bewonden 
Und in einem wißem mantel ge- 

wonden. 
Sij hatte an zwene sporn 
Mit langen kregen vil gespitzet 
vorn. 



7331. Also. 



vor 7339 Bild (65) mit Nebenschrift rechts: Hoffart, scbarffekeit, vppige ere, Eiimonge, 
vngeborsamkeit, widerstellonge, v'steynonge, glissenerie vnd klapperie. ein altes Weib auf 
dem Rücken eines andern. Ersteres hat in der Beeilten einen Stab, in der LinJcen ein Hörn 
(sonstige Einzelheiten der Beschreibung außer den Sporen nicht dargestellt). Die Trägerin hält 
ihm einen Spiegel vor. links neben dem Bilde lxv. 



Deutsche Texte clee Mittelalters. XXV. 



11 



162 Erschreckt ruft der Pilger Gottes Gnade an, die ihn jedoch an die leiden Weiber verweist. 



7355 Es scheine wol daz sij meiste- 

rynne was 
"über die die sij dragen was; 
Sij det die ganwar sij wolde; 
Eynen großen Spiegel sij ir hal- 

den sohle, 
Da inne sij sich besach, 
7360 Yre gestalt und angesicM sij 

sach. 
Da ich die zweie aide wiber 

also gesach, 
'Was ist dis, Gnade Got?' ich 

selber sprach, 
'In diesem lande ist nit dan aide 

wybe 
Hie nnd da an mynie lybe! 
[,?.2(5<-]Ich weiß nit obe ich sij in der 

frauwen lant, 
7366 Da die franwen dan die erbe- 
schafft hant. 
Werde ich durch sij gedodet, 
Were mir besser daz man mich 

dot geborn hette; 
So were ich doch viel leydiger 
me 
7370 Dan were ich in dotlichem kriege 

erslagen ee!' 
Da qwam eine stymme zu mir, 
Die was von Gots Gnade, also 
was mir; 
Die sprach da zu mir uberludt: 
'Missetrosten ist dir nit nutze 
hüte. 
7375 Mit den alden wyben must du 

strit han 
Odir must dich ungestrieden 

fahen laen. 
Du bist yn in yre lant gegangen; 
Is kommet keinre drin er wirt 
angangen 
Von yn und gecrieget uß, 
7380 Er sij zu pherde odir zu fuß. 



Umb zwo odir drij nit erschrick: 
[326"] Du findest her nach andern ge- 
nug, 
Die dich werdent hart halden. 
Und sagen dir wol: wiltu dich 

nit bas gehalden 
7385 Odir das du nit bist gewapent 

odir anders angetan, 
Sy werdent is grob mit dir an- 
fallen, 
So wol du dich nit gehuden 
magst.' 
Da sprach ich: 'ich bijden uch 
hie 
Das ir' mir sagent wer sint die 
7390 Die ich sehen gelich kommen her, 
Die mich hant erschrecket so 

sere ! ' 
Sij sprach: 'wanne du sij nahe 

sijst, 
Sy werdent dich wol fragen wer 

du bist. 
Als die die dich frieret 
7395 Mit den seylen und umbfueret, 
Dir hait gesaget wer sij ist, 
Also werdent sij auch dun ge- 
wist 
Und sagent is dir aen liegen 
[3.27 <■] Wer sij sint, und aen driegen 
7400 Und wer sij dar zu geordent hait 
Odir wer is yn geboden hait.' 

Als ich also horchte 
Der stymme, die ich über mir 

horte, 
Die aide die das hörn hatte 
7405 Und uff der andern zu ryden 

hatte, 
Kam zu mir gelich stechende, 
Uff der andern sporn slahende. 
Ir hörn sij nam und bließ da 
Und sprach zu mir: 'beide myn 
da! 



Zuerst gibt sich das auf dem andern reitende Weib (Hoffart) zu erkennen. 163 



7410 Du bist übel her kommen, sicher 

balde 
Odir mit eyme slage bistu dot 

balde!' 
'Wer sint ir?', sprach ich zu ir, 
'Wem sal ich also sichern? daz 

sagent mir! 
Wiste ich uwern namen nit, 
7415 So engesicherte ich uch nummer 

nit.' 
[227«] 'ich wil dichs lernen', sprach sij, 
'Wisse das ich bin die 
Die da genant ist 
Die aldeste under den alden ist. 
7420 Es ist keine so alt als ich bin: 
Ich rume mich des und leucke 

nit sin. 
Ee die werlet gemacht wurde 
Und ee der hymmel vollenbracht 

wurde, 
In dem nyste hiemels wart ich 

gehecket, 
7425 Entphangen und erqwicket 
Und dar zu auch geborn 
Und von vielen ußerkorn. 
Ein fogel, was Lucifer genant, 
Der mich da heckete al zu hant. 
7430 Da wart so böse heckonge nye 
Von keime fogel gehecket hie; 
Dann so balde ich ingesloßen 

wart 
[,3,98 »■] Und das ich das vernam und ge- 

sag, 
Myn fader bließ so gar hart 
7435 Mit diesem blaßbalge, den ich bij 

mir han, 
Das er yn von dem hohen nyste 

her abe 
Det fallen in der hellen grabe. 
Er was vor ein wißer fogel, 



Schon luchtende und edel; 
7440 Er luchte schöner und gut 
Dann die sonne zu hohem mit- 
tage dut. 
Er ist aber ytze worden swartz, 
Unfledig smackende me dan beche 

odir hartz, 
Viel hesselicher dann der dot, 
7445 Dar umb bringet er viel yn not. 
Er ist ein fischer uff dem mere, 
Der fogel und diere fenger. 
Her nach wirdestu is wol ge- 
sehen, 
Wan du wirdest uff dem mere-, , 
gen. 
[328"] Nu sage ich dir, da ich yn also 

hatte 
7451 Uß dem nyste geworffen und 

verstoßen hatte, 
Mit yme viel ich her abe 
Und beleih auch nit me in des 

hymmels habe. 
Ich qwam uff das ertrick, 
7455 Das da was gemachet nuwelich; 
Da sach ich, das gefiele mir nit 

wol, 
Ein werg da mit man stygen sol 
Hohe wider zu dem nyste, 
Davon ich gefallen was mit liste 
7460 Und davon ich mynen vatter 

hatte dun burtzen 
Und in abgrunt der hellen stür- 

tzen. 
Da ich sach daz er nit zurnete 
über mich, 
Uff stunt dar nach gedachte ich 
Obe ich yn mochte aen beyden 
7465 Den mentschen auch also verley- 

den, 
Und das ich yn mochte gehindern 



7431. keime aus keinre. 



11* 



164 



Hoffart berichtet von ihren Taten und ihrem Wesen. 



[559'] Das er nit mochte stigen odir 

klynirnen. 
Als ich gedachte, also det ich: 
Ich qwam zu yme, mynen blaß- 
balg nam ich, 
7470 Ich bliese yme in synen gedanck 
Und machte yme sinen buche 

groß und lanck, 
Das yn duchte das, 
Mochte er geessen der frucht die 
yme verhoden was ; 
So -wüste er dan hose und gut, 
7475 Als G-ot sin oberster dut, 

Und were auch aller konste vol. 
Da mit bedrog ich yn wol; 
Dar umb wart er gedriebeu uß 
Dem paradise und gestoßen druß; 
7480 Sin vorteil er alda hait verlorn 
Uff zu stigen zu dem niste ent- 

born. 
Da ich die zwoe dorheit hatte 

gedan, 
In der zijt da ich die milch zende 
hatte 
[229 »] Und noch die jugent an mir 

hatte, 
7485 Gedacht ich das ich noch wolde 

dun 
Böses genug, der ich viel getaen 

han 
Und dun allen dag und noch dun 

wil. 
Ich machen und driben die krie- 
ge aen ziel 
Und dun die herren uff erden 
7490 Under sich uneyns werden; 
Zweyedracht'und versmehonge, 
Einre dem andern widersagonge, 



Und sich an zu kommen mit 

bösem willen 
Uberludt und uberstyllen, 
7495 Des bin ich frauwe und anfue- 

rerynne, 
Heubtfrauwe und meisterynne 
Von allen anslegen und ryden 

allen, 
Da man sieht uffen b anner unge- 

falden, 
Da da sint helme und hüben, 
7500 Helme gedecke und geruderten 

kleider nuwe, 
[,930»'] Mit golde beslagen und mit 

Silber 
Und mit ander zierde viel. 
Nuwerongen machent sich durch 

mich ; 
Ich machen ir nie dan der konnig 
rieh. 
7505 Ich machen kogeln mit sijden be- 
stochen 
Und einßdeils mit golde gebro- 
chen, 
Hüde, kufen und große rantzen, 
Krentze, dünne sleiger mit langen 

swentzen 
Und auch uffgesetzet mit großen 
locken; 
7510 Enge rocke, die die sijtten drü- 
cken, 
Armen mit hangenden läppen 
Und zyppen an großen kappen 
Und an einie wißen underrocke 
rode ermel 
Und am halse brüsten wiß als ein 
hermel; 
7515 Kleider kürtze und ettwan lang, 



7479. das stoß in gestoßen auf Basitr 
(ursprüngl. gedriebeu). 



7504. vor loh rotes I. 



Hoffart berichtet von ihren Taten und ihrem Wesen. 



165 



Lederhosen kleine und enge mit 

bedräng 
Odir so groß daz man dry macht 
dar uß; 
330"] Smale gürtel lang biß uff den fuß, 
Da mit sich der hinckende zieret, 
7520 Der schele, der hoberechte, der 

ungef ormieret : 
Solichs mache ich umb daz ich 

wil 
Das mich ieclicher besehe vyel 
Und das ich vor iederman habe 

den pris 
Und das mir nyemans sij gelich; 
7525 Dan mit myme gelich odir ge- 
sellen 
Mag ich mich keyne zijt gehel- 

len, 
Und mir sohle balde myn hertze 

brechen 
Das ein ander sich mir sohle ge- 
lich rechen. 
Was ich sagen, das wil ich hant- 
haben, 
7530 Is sij gut odir böse, nit laßen 

abe; 
Und wolde auch noede wieder- 
sprechen 
Solichs ich dan böses zu unrecht 

rette. 
Ich wil nyemans der mich 

straeffe, 
[231'-] Keinen meister der mich zu un- 
derwijsen schaffen 
7535 Odir der mich wolle leren 
Odir underwijsen mere; 
Dann als das gryndige diere 
Hasset die scherre schiere 
Und das grynte heubt den strel, 



7540 Also hasse ich lere snel 

Odir auch radt und underwi- 

songe. 
Eins andern synn ich vor nicht 

achten don; 
Mich duncket das der myn besser 

sij 
Und das ich nie wisse dan ander 

drij, 
7545 Und das nienians me wol duhe 

dan ich: 
Das bedüncket alles mich. 
Ist iemaus der mynner weiß dan 

ich, 
Den selben balde versmahen ich; 
Ich sprechen zu stunt daz is 

nicht sij 
7550 Odir aber das er ein esel sij. 
[231*] Höre ich einen der mich lobet 

icht, 
So dun ich als obe ichs horte 

nicht, 
Odir ich sprechen zu yme: "du 

spottes myn, 
Also sal nit zu yme gesaget sin; 
7555 Ich weiß das ich nit also gut 

bin 
Als ir dann ytze von mir sagende 

syn: 
Mynen gebresten weiß ich wol 

und sehen, 
Ich kann nicht, das mag ich 

jenen." 
Und weistu war umb ich sagen 

das 
7560 Und war umb ich mich also de- 
mütige baß? 
Nit weiie das ich is dar umb 

sage 



7532. I. Swelichs? 



7554. Statt yme erwartet man mir oder 
iemen; h: clu soltest nit also sagen. 



166 



Hoffart berichtet von ihren Taten und ihrem Wesen. 



Das man mir antwerte und 

■widersage : 
"Ir sagent waer, ir konnent 

nicht; 
Dami ir ucli selber wol kennent 
villicht." 
7565 Und spreche man also zu mir, 
Yon kommer breche das hertze 

mir; 
Von dem swerte das ich gesmie- 
det hette, 
[232 <■] Bälde ich den dot genommen 

hette. 
Ich sage is dar umb das be- 
stediget 
7570 Werde myn lop und desta me 

gesaget 
Und daz man spreche: "frauwe, 

mit uwerm laube, 
Ich enhan des keynen glaube; 
Is ist keinre'noch keine die da 

konde 
Gedun als ir gedun kondent. 
7575 Uwer synn ist sunderlich zu 

loben und zu prisen 
Und gelichet gar wol den wijsen: 
Das sage ich uch aen allen spot 
Und aen sehymp, so mir Got." 
Und wann ich hören soliche 
loberie 
7580 Und soliche rümen klapperie, 
Von freuden mir daz hertze 

springet 
Und sich frauwet und nach freu- 
den ringet, 



Und werden da mit groß und 

b reit, 
Und ist myn wandel gar aen leit. 
75S5 Ich muß desta wyder stat hau, 
[232«] Großem sessel und breyder 

bancke han, 
Alleine sytzen als eine furstynne, 
Vorgaen als eine hertzogynne, 
Mit viel luden sin umbfangen 
7590 Von ferrem, daz mich sij n it be 

drangen ; 
Dann ich gar balde zornig würde 
Wo ich von yemans gedrucket 

würde. 
Und bin gruwelich als der leo- 

part, 
Und über ort ist myn gesichte 
starg. 
7595 Mit undergesichte besehen ich die 

lüde, 
Und mit scharffikeit streck ich 

den hals gheen die lüde; 
Die augebraen hebe ich uff und 

das kynne 
Und machen da mit ein radt als 
die lererynne. 
Mit den achsseln gaen ich wagen 
7600 Und mit dem halse gan auch 

ragen ; 
Alle myn gelieder dun ich sich 

regen 
Und alle myne ädern sich be- 
wegen. 
[333'-] In mir ist nit me dan wint und 

rauch; 



7598. Die Stelle ist schon in den meisten 
Hss. des Orig. (darmter auch M) verderbt, 
welche lesen: en faisant roe de lion statt^ roe 
de paon, wie 3 Hss. richtig haben. Als Über- 
setzung von lion hätte man erwarten sollen 
lewynne, womit aber eben auch nichts anzu- 



fangen ist. Was mag sich der Übersetzer bei 
lererynne gedacht haben? Ob das ein Schreib- 
fehler für lewynne ist? h überträgt frei: jdJä 
were ich eyn konig vnder den lewen. 

[7602.] Kustode unten auf El. 232": In 
mir ist me dan wint (wint Jcorr. aus rauch). 



Hoffart gibt Auskunft über ihr Hörn vor der Stirn und ihre Ausrüstung. 



167 



Da bin ich als eine uffgeblasen 
blase auch, 
7605 Die nit dann gesmag in ir hait, 
So man sie brichet odir uffge- 

bonden hait. 
Durch myne bleonge und groeße 
Kann ich nit gesehen myne fuße; 
Ungefelle werde ich nit geware 
noch befinden nit 
7610 Eynigen gebrechen der an mir 

sij icht. 
Ander lüde gebrechen sehen ich 

wol, 
Aber irs gudes ich nit sehen sol; 
Und dar umb ich bin spötterynne 
Ander lüde und gylerynne; 
7615 Keine soliche man nit fynden 

konde, 
Die künde soliche spottige funde. 
Von' alder ich gekronet bin 
Und geheißen eine konnygynue. 
Aber da Ysayas mich gesach, 
[533»] Bälde er mir die. kröne brach: 
7621 Er was leydig das ich sie drug 
Und das man mich konnigynne 

nante dar zu. 
Ich heißen Hoffart, die ge- 
schickte, 
Ein wonderlich dier gehornete, 
7625 Die die lüde zn stoßen ich ge- 
nommen han 
Ein hörn und mitten in myner 

stirne stan. 
Es ist ein hörn, ist scharffikeit 



Genant und bitterkeit; 
Ein hörn von eyme einhorn, 
7680 Das ist so scharff als is mag sin 

geborn. 
Myn hörn ist scharffer dan der 

nege bor 
Des zymmermans odir ein ander 

hörn ; 
In der weit ist keine so scharffe 

spitze, 
Sij sie gehertet odir geslyffen 

spitze, 
7635 Die des mentschen hertz mochte 

durchgaen 
Odir da durch kommen aen 

wiederstaen, 
[234>-] Hulffe dis hörne nit dar zu 

Und das is inechte den weg dar 

zu. 
Ich machen den weg an der 

spitzen, 
7640 An den swerten und den senssen 
Und an allem anderm gesmyede 
Die gemacht sint die lüde zu 

doden mide. 
Ich stoßen zur rechten und zur 

lyncken 
Und schuwen nit gyr noch fyn- 

cken, 
7645 Noch schuler odir paffen, 

Und laßen das dar zu klaffen. 
Ich stoßen da mit scherffeclich 
Me dan ein wilder faer frechec- 

lich. 



7604. Vor auch ist ist gestr. 

7605. gesmag üb. gestr., aber besserem 
gestang (Orig.: punaise, h: wüst gesmag). 
in aus inn. 

7606. das \> in uffgebonden auf Easur. 
7609. zu Anf. noch gestr. 

7619. Isaias 28, 1. 
7625. ich übergeschr. 



7626. vnd übergeschr. 

7631. Myn hörn üb. gestr. Es. 

7633. schärfte übergeschr. 

7634. spitze zugeschr. 

7642. vor mide gleich schwarz gestr. da. 
7648. wilder faer frecheclich üb. gestr. groß 
dier wildeclich. 



168 



Vom Blasebalg der Hoffart (Eitelkeit). 



Und wissent das: die da sint 
7650 Und nach vermögen von yren 

sunden gereyniget sint, 
Die stoßen ich faste harter 
Undjda mit auch viel scharffer. 
Mit mir drage ich blaßbalg, 
[234»] Sporn, hörn und auch stab balt 
7655 Und han einen mantel an, 

Das man mich hübsch sal sehen 

an. 
Myn blaßbalg üppige ere ist ge- 
nant, 
Er ist gemacht das holen da mit 
werden entbrant. 
Die dore*die geswertzet sint 
7660 Von mynen sünden und ver- 
blichen sint, 
Dun wenen das sij lüchtende 

sient 
Und vor andern die besten sient. 
Hette blaßbalg in siner smytten 

gehabt 
Nabugodonosor, der da hait ge- 
sagt 
[335'-] Das er Babilonie gestiftet hette 

gehabt 
7666 Mit siner stercke und Schönheit, 
Die foncken die er uß dreyp, 



Bewijsetent wol und scharff 
Das er inn yme hatte hart 
7670 Der kolen eine große klatte, 
Die da waren gemacht mit 

werg getzuge. 
Als der wynt wirffet abe mit ge- 

büge 
Die frucht von bäumen und slet 

sij abe, 
Also dut der wint von diesem 
blaßbalge : 
7675 Alle dugent sieht er abe balde. 
Er bleset alles nyeder waz er 

triffet, 
Kein güds vor yme nit belifet; 
Er slet die hohen fogel uß yren 
nysten abe 
Und nymmet yn ire spise abe; 
7680 Er dut sij verlieren durch yre 

dörheit 
[335"] Den ufEhalt yres lebens und lebe- 

licheit. 
Hastu nie by dinen dagen 
Von dem raben hören sagen 
Der hatte in sinem monde einen 
kese, 
76S5 Zu dem der fuhß sprach mit dem 

geblese : 



7650. Vnd übergeschr. 

7654. balt zugeschr. 

7656. sal übergeschr. 

7658. werden übergeschr. 

7663 ff. Im Orig., dem h folgt, lautet die 
Stelle: Ce souflet en sa forge avoit 

Nabugodonosor qiii disoit etc. 
Unser Übersetzer hat aus diesem Hauptsatz, 
indem er Ce als Se tos oder verstand, einen 
Vordersatz gemacht, zu dem nur v. 7667 /f. (Die 
foncken etc.) den Hauptsatz bilden Mnnen. 

7664 ff. vgl. Dan. 4, 27. 



7665. gestiftet üb. gestr. erliaben. gehabt 
zugeschr. 

7667. dreyp hint. gastr. warff. 

7669. hart zugeschr. 

7670. klatte = glete 'Glätte, Glanz'? 
Orig.: avivement. 

7672. mit g-ebüge zugeschr. 
7674. blaß übergeschr. 
7678. vß yre nyste übergeschr. 
7681. licheit üb. gestr. zucht. 
7685. dem vor geblese übergeschr. 



nach 7658 Bild (66) mit Nebenschrift rechts: vppige Ere. ein Blasebalg. 



Vom Blasebalg der Hoffart. 



169 



"0 rabe, das dich Got hüde, 
Ich bijt dich, sienge mir ein liet 
durch dine güde! 
Dan mir sere zu gehören liebt 

schon 
Den rechten süßen don 
7690 Von dürre glissenden kelen, 

Der besser ist dan seytengedone 

sonder helen. 

Ich hören sij lieber dan den done 

Von orgeln odir psalterien; 

Versage mirs nit, des bijden ich 

dich; 

7695 Dann dar umb bin her kommen 

ich." 
Da der rabe vernam solichen 
wint 
[äb'G'']Und solich hart blasen befynt, 
Den kese moechte er nit me ge- 

halden. 
Sonder er ließ yn balde fallen 
7700 Und fieng an zu singen aen 

beyden, 
Als der das hertze hait vol 

freyden; 
Dann er waende das der fohs 
In ernst hette gesaget das. 
Neyn, yme was umb das singen 
nit; 
7705 Dann umb den kese rette er 

sijt. 
Er nam yn und yn enweg drüg, 
Also bedrog er den raben clug. 

Durch dis exemple luteiiich 
Magstu wol verstaen clerlich 
7710 Das der wint von dem blaßbalge 



Der den gefiderten gemacht ist 

balde, 
Besser ist geswiegen lange 
Dann das sij also mit bedränge 
[236"] Müsten das yre niderlegen. 
7715 Das ist so viel gesprochen: wann 

ich gesehen 
An yemans dogent odir die 
spehen, 
Das er die inn yme habe 
Odir das er ettlich gelucke habe, 
Uff das ich umb eynen ziehe 
7720 Und yn wol bedriege, 

Und das ich yme nemen sinen 

nunten stein, 
So blase ich yn mit dem winde 

gemein 
Und blasen uff das er hait, 
Das er das verluret und nider- 
lait. 
7725 Den wint von dem balge konden 

nit leschen 
Kein mülle, polver odir eschen 
Und soldent sin auch nit er- 
beyden; 
Dann yn geschee von yme gar 

leyde. 
Das ist der dötliche mentsche, 

davon gesagt ist, 
7730 Der da esche und rauch ist 
[337'-] Und mulle. wann daz geblasen 

ist, 
Mit kleinen winde nider ge- 
worfen ist, 
Balde gestalt in zurteylonge 
Mder gelacht in veiiieronge. 



7687. durch dine güde zugeschr. 

7688. schon zugeschr. 

7690. Nach kelen ist schon gestr. 

7691. sonder helen zugeschr. 
7696. rabe übergeschr. 



7704. Neyn übergeschr. 

7705. zu Auf. er'enwolde gestr. vmb u. 
rette er sijt übergeschr., letzteres üb. gestr. nit. 

7707. clug üb. gestr. mit fug. 
7721. nunten übergeschr. 



170 



Vom Blasebalg der Hoffart. 



7785 Der balg dut erschreyen 
Trompen, piffen, schalnieyen, 
Das sint die die lere sint in yn 
Des guden und keinen synne 

liant in yn. 
Den blase ich solichen wynt inn, 
7740 Dem der sine sele fyn 

Wil dem duf el zu - gaste machen. 
Noch wil ich dir sagen von me 

Sachen : 
Welicher der licht in sinem 

busem hait, 
Ich yme daz ußblasen mit diesem 

balg. 
7745 Iß sij körn "odir sprie 

Odir icht das wert odir nit wert 

sie, 
Ich bewijsens zu blasen das körn: 
[237"] ist is sprie, die hebe ich entborn, 
Aber were es körn, das dede is 

nit 
7750 Umb mynen balg noch umb daz 

blasen nit. 
Durch den balg kan ich wol 

ziehen wint 
In mich und den behalden sint; 
Dann wann mir yemans get 

blasen 
In die oren odir in die nasen 
7755 Und mich bit winde beweget, 
Daz man sprychet ich sij hübsch 

gereget, 



Odir das ich hübsch kleider 

habe, 
Das ich edel sij und groß macht 

habe, 
Wijse, züchtig odir ersamme, 
7760 Gut odir ein weydelich namme, 
Den wint neme ich in mich 
Und gebe yme stat in mynem 

buche: 
Ich werde davon dicke, als du 

gesichst. 
Ich han dis me gesagt so verre, 
daz du is wijstes. 
[&?£'■] Der wint dut mich ein radt 

machen 
7766 Als der pawe in sinen Sachen; 
Er dut mich uff erheben 
Mynen zagel und erheben, 
Uff das man möge sehen 
7770 Myne schände und schäme 

spehen, 
Und das ich mit der sache 
Den mit gesehenden henden und 
augent blint mache. 
Die mynen swantz vor nit hant 

gesehen, 
Ich geleuben bas und iren 

Worten swerlich 
7775 Dann den mynen, davon ich 

sichtenclich 
Mich sehen mit dem winde ge- 
blehet ; 



7745. vor sij, das übergeschr., gestr. Iß, ver- 
bessert aus Ist, hinter sij gestr. is. Eins der 
beiden Pronomina mußte stellen bleiben. 

7750. nit üb. gestr. my. 

7756. sprychet aus sprechet, gereget aus 
geoeget (?). 

7760. ein über-, näme sugeschr. 

7764. dz übergeschr. 

7770. spehen gugesehr. 

7772. vnd u. blint übergeschr. 



7772 ff. Ich vermag in die Stelle "keinen 
Sinn su bringen. Das völlig mißverstandene 
Orig. (7775—78) lautet: 

Ans non voians • c • iex Argus 
Qui sont en ma queue espandus 
Miex croi et a lern- jugement 
Qu'aus miens dont me voi clerement. 
h: Also ermiwe ich hunderfelge sach die an 
inynen zagel gehangen sint. Ich gleiben baz 
an ire vrteile dan an die myne ... 



Vom großen Hörn der Hoffart (Ruhmredigkeit). 



171 



Und wurde ich davon nit also 

geleret, 
Bälde so würde ich spalden 
Odir aen spalden zu dem dode 
fallen. 
[238"] Und dar umb an dem blasen- 
den ende 
7781 Han ich ein sonder hörn behende, 
Da durch ich den wint den ich 

im übe hau, 
Ußdribe und laßen ußgaen. 
Das hörn sal heißen rümonge 
7785 Odir aber des buchs ein leronge. 
Es ist das dar durch ich erferren 
Alle diere die in dem lande 
weren; 
Da mit ich sij dun uffheben wil 
Ire heubt, so ichs hart blasen 
wil. 
7790 Ich blase da mit manichen uff- 

fang 
[239r] Und han doch in felde odir 

boesche nit gefang; 
Dann ich rümen mich dicke des 
Des ich nit han dis noch ges, 
Und sagen ich habe dun durch- 
gaen 
7795 Den ich in myme synne nie ge- 
sehen noch gekaut han. 
Ich sprechen mit großem ge- 
brechte 
Das ich sij von großem gesiechte, 
Von hoher und edeler gebürt, 
Von hohen husern und habe viel 
gudes gefurt; 
7800 Und das ich wol könne machen 

dis und das, 



Und das der konnig mich er- 
kenne bas, 

Und viel me andern blasens, 

Das nit anders ist dan lügen 
lösens ; 

Und die dore wenent is sij also, 
7805 Die nit verstent odir wissent wie 

noch wo. 

Ich blase auch mit wann ich ge- 
fangen han 
[239«] Odir etwas nach mynem willen 

getan han, 

Das der arbeit wert möge sin; 

Umb das ich des geeret wolle 
sin, 
7810 Nummer wolde ich das verhelen 

Und des nit verswigen umb 
sterben. 

Als das nun das da hat gelacht, 

Yederman han ichs balde ge- 
sagt: 

"Gack gack gack gack gack!" 

han ich gejehen, 
7815 "Hant ir gehört und hant ir ge- 
sehen 

Wie ich han gesagt, wie ich han 
getaeu? 

Was sagent ir, han ich wol ge- 
taen ? 

Duncket uch das ich eigenclich 

Habe getaen und subtüenclich ? 
7820 Wenent ir das ein ander do 

Der odir die hetten ettwas getan 
also?" 

Wann ich einwenig studieren wil 
[,&«)>•] Und nach einre Sachen gedencken 

viel, 



7787. dem übergeschr. ongues en pense. kant üb. gestr. dacht. 

7795. Den aus der; Orig.: Ce <pe n'o 7820. I. a. si do ? 



vor 7780 Bild (67) mit Nebenschrift rechts: Eiunonge. ein großes Hörn, links neben 
dem Bilde lxvij. 



172 



Vom großen Korn der Hoff'art. 



So föchte ich nit daz is yemans 

konde 
7825 Dann ich odir baß gemachen 

konde. 
Von diesem hörn get achtem 

gros; 
Dan is wirt gehlasen von eyme 

buche, ist gros. 
Truriger ist der is bleset unge- 

storet, 
Dan der der is nit hait gehöret; 
7830 Doch nit nach allem blasen 
Wolde ich also geen losen; 
Dann ein solich cokart, 
Der von klaffen ist verhart, 
Wolde das man yn alletzijt hörte 

reden 
7835 Und das keinre me solde dar zu 

reden ; 
Dann er wolde alletzijt daz man 

sine dedinge 
Von yme horte und entflenge. 
Er gelichet dem honde der nit 

me kan 
[340"] Dann von yme einen andern 

bellen an. 
7840 Ein solich cokart und blesere, 
Der mit syme wynde sich rfimet 

sere, 
Sprichet das er wol könne und 

verstee 
Was die lüde mögen gesagen ee. 
Er brichet yn ire wort abe 
7845 Und verachtet is alles vor dorheit 

habe; 
Er antwert allen aen fragen 
Und dut sin urteyl bagen. 



Er arguiert alleine und beslüßet 
Und solichs yn dicke verdrußet, 
7850 Der da spreche : " das duche ist 
der farwe nit", 
So were er balde bereit zum strit, 
Zu scheiden und zu grommen 
Als ein weder das wil kommen; 
Balde dede er das ertrich bieben 
[Ml'-] Und vor dem donre erschuden. 
7856 Der mentsche kann wol schänden 

scheiden 
Und die vaste gemeren, 
Loben dugent, büssen und gude 

dait, 
Wie wol er is wenig in syme 
libe hait. 
7860 Er hait nutschit dan blasonge 

und wynt 
Und das die lüde yme zu zu 

lugen stent. 
Das hörn machet boesen jager. 
Dann da von kommet seiden gut 

f enger : 
Mit syme blasen verjaget er sij 
alle 
7865 Und dut als die atzel balde, 
Die alle vögele beschriet 
Und lesset keinen by ir nysten 
Und dribet sij ußer irer gewysten 
Und machet daz sij die fogel 
hassen : 
7870 Das kan sij mit yrem gecksen 

geschaffen. 
[Ml"] Also get jederman von yme und 

fluget 
Wann er höret von dem gecksen 
daz geruchte; 



7838 f. lauten im Orig.:^ Le cucu semble 
qui ohanter Ne set fors de li et gangler. M 
liest statt cucu: cuen; durch dieses cuen(=chien) 
■ist unsere sinnlose Übersetzung veranlaßt. 



7848. das t in arguiert auf Rasur. 

7864. er aus es. 

7872. in geckse das s nachträgt, eingefügt. 



Von den Sporen der Hoffart (Ungehorsam und WidersetslichTceit). 



17E 



Keinre wilt sich by yn nisten Ich sage dir wie sy beide genant 

odir setzen sint: 

Umb sin klaffen und sin gecktzen. 7895 Die eine heyßet ungehorsamkeit, 

7875 Das hörn ist nit Eolans hörn, Die ander wiederstellikeit. 

Das er bliese als er solde sin ge- [343"] Di e erste det Adam an 

storben; Da er die verboden frucht essen 

Es ist nit von ochssen hörn ge- began; 

macht Er mochte sij angeruren nit 

Und ist lang das es wart nuwe 7900 Wolde er hindersich gaen nit; 



gemacht : 

Es wart gemacht da ich wart 
geborn, 
7880 Und wart mir zu hantgifft ge- 

korn. 

So lange ich leben, laße ich es 
nit 

Und laßen is zu blasen nit; 

Durch es mag man mich alletzijt 
erkennen, 

Obe man wilt, und auch wol ge- 
nennen. 
[343 r ] Von den sporn ich dir sagen, 



Er mochte auch nit hindersich 

gan 
Er enhette dann vor den sporn 

an. 
Der weg was nit sere gegangen; 
Dann Eva hatte den gangen 
7905 Und nach yre er auch gienge, 
Davon sij und er vaste böses ent- 

fiengen. 
Übels davon geschag und noch 

geschiet. 
Der sporn sij des beschiet 
Und machte sij des sere, küne 



7886 Durch die bin ich erkant wan ich 7910 Und brachte sij zu dem dode 



sij dragen. 
Sij bewijsent das ich hübsche 

zelder 
Manich male und dicke riden 

ger; 
Dan ich wolde ungern zu fuße 

gaen, 
7890 Wo ich nit alletzijt phert bij 

mir han. 
Hinden uff zu werffen und kommer 

zu machen 
Und myn phert hindersich gan 

machen, 
Myne ferssen des faste frihe sint. 



schöne. 
In boeser stunde wart er edel- 

man, 
Das er umb essen det die sporn 

an; 
Und in böser stunde wart yme 
zelder, 
[343 >•] D a umb sinen willen det die 

sporn an er; 
7915 Dan were der zelder nit gewest, 
Der von siner rechten haut ist 

gebildet gewest, 
So hette er den sporn nit an ge- 
tan 



7878. er. 



7912. det die üb. gestr. hatte. 



vor 7885 Bild (68) mit Nebenschrift rechts: vngehorsamkeit vnd widerstellonge. ein 
großer Sporn, links neben dem Bilde lxvirj. 



174 



Vom Stab der Hoffart (Hartnäckigkeit). 



Und liette sich auch des essens 
erlan. 

Den andern sporn det an konnig 
Pharaon 
7920 Zu zijden da der oberste konnig 

schon 

Mit siner macht und mit siner 
handt 

Wolde füren daz folk uß syme 
landt 

Und is furen durch das rode mer. 

Da wolde konnig Pharaon sere 
7925 Wieder einen der starcker waz 

dan er, 

Wolde er"dryben mit sporn sere. 

Da er das also anefleng, 

Yme daz zu großem leide er- 
gieng: 

Zu leste er so sere hinden uff- 
sprang 
7930 Und wolde dem konnige dun 

wiederstant 
[243"] Das er in dem roden mere beleih. 

Manicher wenet den andern an- 
kommen 

Der sich mit syme streiche dut 
ersiommen. 

Man sprichet er sij nit faste 

wijse odir starg 
7935 Der sich stellet wieder eine 

spitze hart; 

Wer yme aber sal zu kommen, 

Aen hoffart mag yme nit sin be- 
nommen, 



Uff sinen sporn er sich fydet, 
Das er zu leste das leben dar 
umb gibet. 
7940 Nu wil ich dir me sagen von 

dem stabe 
Den ich vor einen pilgerin stab 

habe. 
Ich sturen mich dran und halde 
mich 
law] Wann yemans wil wiedertriben 

mich 
Und mich yemans wilt feilen 
7945 Mit synen predigen und Worten 

hellen, 
So beschirmen ich und beschude 

mich mit 
Wann yemans mynen willen nit 
Dun wilt odir ist wieder mich 
Odir wieder gelich wilt ankom- 
men mich 
7950 Und mir myne bürden wil nemen. 
Ich verbieden da mit schände und 

sunden : 
Es enhait keinre so nuwe noch 

so alden 
Der sich uberwonden möge geben 

balde 
So ich yme wil helffen eben. 
7955 Es ist der stab den da hatte in 

siner hant 
G-rob Verstenteniße, der gebüre, 

als du sehe zuhant, 
Da Becht Verstenteniße mit ym 
rette. 



7921. hanclt aus haut. 

7922. dz folk übergeschr. landt aus lant. 
7933. erftrömen. 

7936. h hat statt Wer besseres Waz. 
7951. verbieden] Orig.: J'en deffent vices 



et pechiez. Unser Übersetzer hat das deffent 
mißverstanden; h richtig: jeh beschirmen. 

7953. balde zugeschr. 

7957. Da recht aneinander geschr., aber 
durch Längsstrich getrennt. 



stock. 



vor 7940 Bild (69) mit Nebenschrift rechts: verhertonge. in einer Hand ein Knoten- 
links neben dem Bilde hrix. 



Vom weißen Mantel der Hoffart (Gleißnerei). 



175 



Verhertonge er sich genant hette, 
[244"] Als dir das vor ertzelet ist. 
7960 Es ist der dar an Saul sich stu- 

rete sere, 
Dar um yn Samuel straffete sere 
Von der nähme die er brachte 
Von Amalech und behalden hatte. 
Es ist ein stab vor den kuwe 
hierten, 
7965 Den man nit kan biegen als 

gerten; 
Dann er ist hart und geestiget, 
Gewonden und gefestiget. 
In dem walde zu Egipten yn fant 
Myn fader, der mir yn brachte 
zu hant; 
7970 In böser stunde wart er funden 
Der hie mit wirt befunden. 
Ich slage und striche mit begir 
Der buren hertzen zu herten 

zwir ; 
Ich dun mich hassen von der 

mentschen kint 
7975 Die von gudem verstenteniße sint. 
[M5<-] Ich dun fliehen und driben uß 
Gotes Gnade an allen enden uß, 
Umb zu legen und an hencken 
den strick 



Von Trakeit, bas uff zu halclen 

mit 
7980 Die die ich mag nach mynem 

willen. 
Nu sich obe du nach dinem 

willen 
Nun solles schrien fast, 
Dwijle du mich also nü fonden- 

haist ! 
Nu wil ich dich balde wijsen 
7985 Das spiele nach myner wysen, 
Da mide ich nu spielen kann. 
Aber ee ich dir me sagen dan 

ich gesagt han, 
Wil ich dir sagen von myme 

kleide, 
Davon manichem geschiet gar 

leyde. 
[.345»] Dieser mantel, da mit ich ge- 

cleydet bin, 
7991 Als du gesiehst, und getzieret 

fyn, 
Es ist lange zijt das er mir ge- 
macht wart 
Da mit zu decken myn missedat 

hart 
Und myn gebrechen da mit zu 

becleiden 



7971. h im Anschluß an das Orig.: dem 
der mit geslagen wirt. 

[7975.] Kustode unten auf El. 244": ich 
dun fliehe vnd. 

Nach 7977 sind (absichtlich?) 5 Verse des 
Orig. übergangen, so daß die Verbindung nun- 
mehr etwas gewaltsam wird, h übersetzt die 
fehlenden Verse: vnd verstriecken die wieder 
kern wollen zu der hecken der büßen, vf daz 
sie geyrren mögen. Ich geben in me gnugunge 



der sunden vf daz ich sie verstrieek vnd in 
an dun möge die strieg drackeit, die do kan 
wol ufhalden die die mynen willen dunt. 

7979. Von gestr. u. vnd übergeschr., aber 
ersteres ist beizubehalten. 

7980. mag fehlt; oder ist wil im Anschluß 
an das Orig. vorzuziehen trotz des nachfolgen- 
den willen ? Orig. : Ceus qtie je vueil a mon 
plaisir. 

7983. nü auf Basur. 



vor 7990 Bild (70) mit Nebenschrift rechts: glissenerige. ein Mantel wie er im Text 
beschrieben, links neben dem Bilde lxx. 



176 



Vom weißen Mantel der Hoffart. 



7995 Und myn undait zu verbergen. 
Als der sne der wiß ist, 
Und machet rissen hübsch ein 

rauchloch daz innen swartz ist, 
Odir als geineltze erluchtet ein 

grabe 
Ussen und innen ist vol stincken- 
der habe, 
8000 Also kleidet dieser niantel mich 
[246'-] Tj n d bedudet das ich sij suberlich 
Und das ich sij eine gude sache. 
Were ich aber uß dem dache 
Und das ich entdecket und byn- 
nen besehen were, 
8005 Von niemahs ich geeret were. 
Hastu ye keinen gauckeler ge- 

sien, 
Der mit dem hütgin dribet daz 

spiel sin, 
Das er hait uff die erde gesatzt 

nieder, 
Und dut die lüde verstaen wyder 
8010 Das ettwas dar under sij 

Und ist zum dicken male nicht 

dar bij? 
Also macht du wol verstaen 
Wie ich diesen mantel an han 
Und ussen bin getzieret wol. 
8015 Und der mich bynnen besehe wol, 
Er spreche: "blase her inne! hie 
ist nicht." 
[M6«] Ein fogel hait solich geschieht: 
Der selbe ist ein struße genant; 
Der gibt die bedutonge zu hant 
8020 Von dem mantel den ich han, 

und von mir. 



Flügel und federn hait er umb 
sich viel 
Und mag doch nit fliegen an ein 

ziel 
Und kann auch zu berge ge- 
fliehen nit. 
Eynre der yn erkente nit, 
8025 Mochte wenen das er solde 

fliegen. 
Als die lüde wenent mit driegen 
Das ich ein fogel sij 
Der oben her abe kommen sie, 
Und das ich geistliche sache sij, 
S030 Und das ich zu hymmel solle 

fliehen, 
Und belibe doch uff der erden 

mit driegen, 
Und da han. ich mynen lust. 
Ich mag nit fliehen und kan nit 
fliegen umb sust, 
[347'-] Mantel und flugel han ich umb 

sust. 
8035 Grlissenerie han ich diesen mantel 
Vor zijden lange genanten: 
Er ist gerudert mit fükßhuden 
Die lenge und breite geen den 

luden 
Und ist ussen geweben und ge- 
schaffen 
S040 Uß wisser wollen von schaffen. 
Ich drage yn dicke in daz mu- 

nistere 
Und dun yn an wann ich G-ot 

wil bij den sere, 
Und slagen yn umb wann ich 
förten 



7996. der sne der üb. gestr. die rnis die 
vssen. 

7997. machet etc. bis ScM. üb. gestr. bynnen 
g . . . und fule ist. 

8003. is. 



8004. bymie üb. gestr. wol. 

8030. Vnd das aneinander geschr., aber 
durch Längsstrich getrennt. 

8040. wisser übergeschr. von üb. gestr 
wissen. 



Vom weißen Mantel der Hoffart. 



177 



Das ich von yemands werde ge- 
störten 
8045 Odir Verstössen von myme stade 

und wirdikeit, 
Da mit ich eine wijle bin gewest 

bereit. 
Ich dun als der fuhs det 
Der sich dot an den weg geleget 

het, 
Umb daz der karren umb ge- 
worfen wurde 
[347»] Und daz yme der beringe auch 

würde. 
8051 Durch den mantel bin ich dicke 

gewest 
In großem Stade und hohen eren 

gewest, 
Als eine effynne hohe gestiegen 
Und als eyne gödynne angesehen. 
8055 Effynne ich bin und äffen sij 

sint 
Die mit dem mantel an getan 

sint: 
Dann er dut dun und wiederdun 
Anderwercke dann er kann ge- 

dun; 
Also ist er nit dann ein dant 
8060 Der die lüde dut kaffen zu hant. 
Der glißener äffe was, 
Der sich ussen angetan hatte 
umb das 
Das er sehyene gut sin, 
Und det daz uff den widersynne 
8065 Daz er gerecht und wol fastende 

were, 
[348'-] Zwirnent fastende in der wochen, 
Als er sagette, und das er nit 
were 



Als der uffenbare sundere, 
Der Got bewijsete sine clage. 
8070 Der äffe der sich zu zijden, hatte 

gemacht 
Ein schumecher, yn betzeichent 

hait; 
Dann er undernam sich des hant- 
wereks so viel 
Das er yme selber die kele 
Abesneyt; dar umb ist dorheit 

daz man sich annymmet 
8075 Sache die man nit gelert hait und 
yme nit entzymmet. 
Der mantel ist nit alleine myn 
Odir mir allein gemacht; dan er 
ist auch gesin 
Der andern alden wibe alle: 
Sij entlehent yn zu ringe umb 
alle, 
8080 Das sij sien desta schöner ge- 
tzieret. 
Drakeit sich da mit stellet uff 
hubscheit, 
[54S»]TJnd ich stellen mich da mit zu 

demütikeit. 
Der ander yecliche auch also 
Bedecket ire snödikeit also. 
8085 So sij me da mit gecleidet und 

gedecket ist, 
So sij stareker und mynner ge- 
brucket ist. 
Bälde genug wil ich yn dir dun 

an 
Und dir den dun versuchen an; 
Und dar nach, obe ich die müsse 
han, 
8090 So wil ich mit dir mynen willen 

han.' 



8060. kaffen aus koffen (?). 
8075. yme übergeschr. 



8080. das k in schöner gleich übergeschr. 
8087. dir übergeschr. 



Deutsche Texte des Mittelalters. XXV. 



12 



178 Auf Befragen nennt auch die Trägerin der Hoffart ihren Namen (Schmeichelei). 



Da Hoffart mir hatte ertzalt 
also 
Von yrem wesen, doch waz mir 

noch so 
Das ich gerne hette gewist 
[319 <■] Wer die ander were gewest 
8095 Die sij drug und hielt. 

'Altwip', sprach ich, 'wer sint ir, 
Daz ir dragent Hoffart her zu 

mir 
Und haldent sij uff uch, so böses 

diere, 
Daz ist gesessen uff uwerm heubt 
schiere ? 
8100 Ich meyne das ir nit zumale gut 

sient 
Odir das ir nit zu male nutscht 
wert sient, 
Das ir sij also uff uch dragent.' 

Da antwerte mir sij: 
'Die wijle du wissen wilt wer 
ich sij, 
8105 Ich wil dirs sagen aen beyden 

frij. 
Das du sagest wol wann du 

sprichest also 
Daz aen mich klaffen nit en- 

gelde, daz ist also: 
Ich bin die dorheit aide, die iec- 
lichem saget 
Daz schoneste daz er dan gerne 
höret ; 
8110 Die understet zu behalden 
[M9 »] Die hern mit feder lesen balde: 
Ich lesen sij yn abe, das sij nit 
haut. 



Ich loben sij so sie recht odir 

unrecht hant, 
Yn zu dienen mit wol gefallen: 
8115 Ich sagen nit das yn möge ubel- 

gefallen, 
Dann ich han wol gelernet lie- 
gen. 
Zu den doren sprechen ich daz 

sij wijse sien, 
Den gesonden das sij sient siech, 
Den tregen sij sien snel genug, 
8120 Und den scharffen sij sien milde 

gnug. 
Unglich platz kann ich wol ge- 

strecken 
Und mit hüben grintheubt decken 
Und kann auch mit smere wol 

smeren 
Das böse radt das da karret 
sere, 
8125 Das is dar nach noch ludet me 
Und das is boeser ist dann ee. 
[350'-] in der fürsten hoffen bin ich wol 

kommen 
Zu allerztijt und wol entphangen 
mit wilkommen: 
Es enist kein spieleresse odir 
spielman 
8130 Der me freude machen kann 
Dan ich; aber is sint alles döre 
Die mir wollen zu gehören; 
Dan ich bedriegen sij mit myner 

piffen. 
Ich kann als die Serene in dem 
mere slyffen, 
8135 Die mit yrem süßen syngen 



8105. frij zugeschr. 

8107. Orig.: Bien diz, quant diz, sans moi 
flater, Que rien ne vail. 



8121. strecken üb. gestr. schicken. 

8124. sere zugeschr. 

8128. mit wilkomen zugeschr. 



8091 Platz für ein Bild. Die Nebenschrift rechts ist schon atigebracht: hoffart. 



Weshalb Schmeichelei Hoffart einen Spiegel (Beifall) vorhält. 



179 



Die lüde wol kann bij sich 

bringen. 
Die mynen gesanck wollent 
hören, 
Die dun ich dicke verdören, 
Das sie erdrincken und in arbeit 
kommen. 
8140 Myn name ist Smeichelongen, 
Nifftel bin ich Yerrederigen, 
Die edelste dochter der Fal- 
scherien, 
[250"] Die spiserynne der Boßheit 

Und stifften manich leyt. 
8145 Alle die aide wijbe die du ge- 

siest 
Odir die du dann vor gesehen 

liest, 
Von mynen brüsten sint sij ge- 

seuget, 
Ertzogen unde gespiset; 
Wie wol das ich ir aller amme 
bin, 
8150 Durch myne boßheit ich doch bin 
Der Hoffart sunderliche spise- 
rynne 
Und auch yre uffhelderynne. 
Ich dragen sij und halden, 
Als du gesiest, und sij behalden. 
8155 Were ich nit, sij viel balde: 
Das sij nit kann zu fuße gan, 
Dar umb so muß ich sij dran.' 
'Nu sagent mir', sprach ich, 
'war zu 
[35l>-] Dienet der spiegel den ich sehen 

nu?' 
8160 'Hastu nie gehört', sprach sij, 

'sagen 
Von dem einhorne und sitne 
jagen, 



Wie das es in eyme Spiegel ver- 

lüret 
Alle sine wildekeyt, die es hait 

geleret, 
Und wie stille das es stat 
8165 So is sin heubt da inne gesehen 

hait?' — 
'Ich han wol davon hören sagen.' 
Sij sprach: 'Hoffart wil ich yme 
gelich sagen; 
Ich wil das mit rechte dun: 
Dann solde sij sich nit dicke 

spiegeln dun, 
8170 Sie stieß yeclichen al umb 
Und dede nutschit umb keyne 

liebe. 
Dann wann sie sich wol hait be- 

siehen 
Und ir angesicht wol besehen, 
So wirt sij viel gutig angesehen 
8175 Und wirt milder gheen dem 
[351"] Der den spiegel heldet eben. 
Der spiegel ist zu hellonge 
Zu dem daz man saget, aen 

mishellonge ; 
Dann wann der hoffertige icht 
saget, 
8180 So wilt er daz man spreche: "ir 
hant wol gesaget, 
Ir sagent waer, es ist also, 
Ich bin gut spiegel, besehent uch 

do!" 
Aber sehe es den spiegel nit, 
Sine wildikeit ließ es nit; 
8185 Balde hette sij daz gehörnte 

heubt uffgehaben in zorn 
Und balde gestossen als das eyn- 

horn. 
Und umb das ich des über sie 



8163. es aus er. 
übergeschr. 



das zweite e in geleret 



12* 



180 Plötzlich kommt ein altes Weib gekrochen, mit zwei andern auf dem Bücken. 



Und auch nit gestoßen sie, 
So drage ich den Spiegel und 

allez das eiieuben 

8190. Das ich dann hören odir gesehen. 

Ich bin zuhaW der hohen worte: 

Zu jederman durch myn dorhete 

[353r] Antwerte ich und sagen waz ich 

hören sagen, 
Wie wol das is solle helfen odir 
schaden.' 
8195 Da mich also mit reden hielt 
Smeichelonge und mich die rede 

befielt, 
Ein ander altwip dar zu qwam, 
Davon ich großen schrecken am 
hertzen nam. 
Zwo gleven hatte sij angeslahen 
S200 In yren zweien äugen also ge- 

dragen. 
Uff der erden gieng sij mit fieren, 
Als der slange sich get zieren; 
Sij so mager und drocken was 
[553"] Das fleisch noch blut an ir nit 

was. 
8205 Alle ire geleiche und auch ir 

fahs 
Schienent bloß sin als ein glas. 
Uff yr und yrem rucke sassen 
Zweie ander aldewip, die usser- 

massen 
Auch so fochtsam wareut, 
8210 Zu viel hesselich und erschreck- 
lich gebaren. 
Die eine hatte sich verstalt 
Mit eyme antlitz, was gemalt, 
Und sich dar hinder verborgen, 



Das. man ire gestalt und formen 
8215 Nit mochte gesehen. 

Einen spitzen stab hatte sij in 

der rechten haut, 
Und eine büsse in der lyncken 

hant 
Hieldt sij bij ir, 
Aber den spitzen stab verbarg 

sij hinder ir. 
[253 *■] Die ander aide hielt in irer haut 
8221 Einen spieß, der wol was zu hant 
Mit lüde oren gefudert durch, 
Die da mit waren gestochen 

durch. 
Das eine ende hielt sij gheen mir, 
8225 Daz ander tuschen iren zenden 

hielt sij is 
Und da bij ein rot bein bludig: 
Als ein nagender hont qwam sij 

bij mich. 
Das isen an der gleven waz 

sinckelecht 
Mit eyme krappen da tuschen 
recht ; 
8230 Daz was gemacht die pilgerin zu 

durchstechen 

Und mit dem krappen wieder bij 

sich rechen. 

Die aide machte sich da mit gar 

breit : 
Groß lyden muße ir werden 
bereit ! 
Da ich die aldewibe wol hatte 
gesehen 
8235 Und ire gestalt und wandel be- 
sehen, 



8191. halt Hs. (auch h). 



8228. sinckelecht] das I zu Anfang hier 
völlig einem f gleichend. 



vor 8195 Bild (71) mit Nebenschrift rechts: v'g'ormcmge, v'rederige, abebiechonge 
Tnd zonge. vor dem Pilger drei alte Weiber: eins am Boden liegend, auf seinem Bücken zwei 
andere, alle Einzelheiten der Beschreibung im Bilde nicht wiedergegeben; von den beiden 
Lanzen in den Augen des ersten Weibes z. B. ist nichts zu sehen. 

1 l' 



Das Weib, das die andern trägt, nennt zuerst seinen Namen (Neid). 



181 



[253»] Ich gedachte das ich wissen 

wolde, 

Obe ich mochte, wie ich yec- 

lichen nennen solde. 

'Altwip', sprach ich zu der 
ersten, 

Die die ander drug mit lesten, 
8240 'Sagent mir war zu ir solleut, 

Und uwern namen, obe ir 

wollent ! 

Groß leyt und gros schrecken ir 
mir dunt, 

Yr und die ander aldewibe zu 
aller stont.' 

Da antwerte sij mir und sprach: 
8245 'Hastu nu so groß ungemach, 

Das ist nit wonder; dann gar 
balde 

Wil ich dich zu dem dode schal- 
den. 

Ich bin Haß und Nidt, die zu 
hellet 

Hoffart, zu der sich gesellet 
8250 Der Sathanas, des dochter ich 

bin. 

In der werlde ist kein bürg noch 
stat so flu 

Da inne ich nit gedodet habe 
[254'-] Maniche frauwe, man und knabe. 

Ich bin das dier daz da hait ge- 
dodet 
8255 Zu zijden Joseph, davon sprach 

Jacob 

Das wilde dier hette yn ver- 
slonden : 

Er sagte waer, es wart erfun- 
den. 

Ich bin das aller wildeste dier, 



Des sich niemans mag frauwen 
schier 
8260 Noch keinen phenning dar umb 

geben. 
Von großer bitterkeit ich leben: 
Ich wurde nummerme frolich 
Solde süße spise essen ich. 
Anderlude magerheit spiset mich, 
8265 Anderlude zorn erfrauwet mich, 
Eins andern leit locket mich, 
Eins andern swerde seuget mich: 
Hette ich solicher spise genüg, 
So were ich balde groß und 

feisset gnüg. 
[254"] Aber umb daz mir solichs nit 

werden mag 
8271 Und mir nach myme willen nit 

gedigen mag, 
Dar umb bin ich mager und also 

verdorret, 
Also bleiche und ungeferwet. 
Eins andern glucke dodet mich, 
8275 Machet mich mager und ver- 
bleichet mich; 
Ander lüde gut myn blut isset 
Und als ein egel das uß suhet. 
Ich gleube wol, were ich in dem 

paradise, 
Das ich von leide stürbe nach 

myner wise. 
8280 Das gut das da ist, döte mich. 
Dann ich suß nit gesterben mag; 
Wann der dot mir gelobet hait 
Und mir auch da mit versprochen 

hait 
Das ich nit ersterben kann odir 
mag, 
8285 Und daz ich nit vergaen vor 



8237. yecliche; l. yecliche? 

8255. Gen. 37, 33. 

8267. swerde aus swerge. 



8270. in dem großen verschnörkelten A von 
Aber ein Meines rotes a. 
8280. da üb. gestr. hie. 



182 Aus den Augen des Neids ragen zwei Lanzen hervor (Zorn und Schadenfreude). 



Die werlet sij dann vergangen 
vor; 
[355 r] Und dannoch glenbe ich nit 

Das ich solle verlieren das leben 

icht. 
Der dot hait mir das geredt; 
8290 Dann er sich durch mich in die 

weiit det. 
Durch mich ist er dar kommen 

und ingangen 
Und regniert durch mich, und 

noch lange 
Wirt er regnieren also. 
Ich bin die hübsche slengynne, 
8295 Die aller boßheit ist nachberynne, 
Die hasset alle lüde die wol 

dunt, 
Und yn nach myme vermögen 

kein gut dun. 
Es ist nicht das ich lieb möge 
' han, 



Da er David wolde han geslan, 
8310 Umb das er die harppe hatte ge- 
slan; 

Grossen nit und zorn er hatte 
umb das 

Das er nit vor David me geeret 
was. 

Mit der andern wart dem kon- 
nige Jhesus 

In sine sijtte gestochen und uf£- 
getan : 
8315 Yme det weeher an allen waen 

Der spot den die Juden hattent, 
me 

Dann die gleve yme dede wee 

Die Longinus yme in die sijtte 
stieß, 

Davon er Mut und wasser ließ. 
8320 Die gleven sint verwurtzelt 

Dieff in myn hertze und ge- 
stricket ; 



In hiemel, in erde noch in meres 1^6'-] Aber durch myn äugen hant sij 



bann. 
8300 Ich dun Götlicher Liebe großes 

leyt, 
Ich kriegen den heiligen geist. 
Mit den zweien gleven die du 

siehst 
Und uß mynen äugen ghen ge- 

sihst, 
Yeclichen kriege ich mit macht: 
[255 »] Die ein zorn, die ander f reude 

bracht 
8306 Und ist auch also genant, 
Freude von ander lüde wider- 

wertikeit bekant. 
Mit der ersten sterekete sich 
Saul 



yren ußgang, 

Ich schine ein diere mit hörnen 
lang, 

Und mich dun vergifft ußwerffen 
8325 Durch myne äugen zu vergiff- 

tigen 

Myne nachbur mit myme ange- 
sehen 

Und auch yme nit zu lassen, 

An zehenden odir in felde deil 
zu lassen. 

Myn äugen sint äugen von basi- 
liscus, 
8330 Die dödent wen sie aneblickent 

sus, 

Odir die nahe bij mir wanent, 



8300. götlicher übergeschr. 

8301. vor den gestr. wider. 



8330. sus zugeschr. 

8331. wanent aus wonent. 



Die vordere der beiden Heilerinnen (Yerräterei) trägt ein gemattes Antlitz. 



183 



Die sint dot so balde ich sij be- 

schawen 
Odir so balde ich sij angesehen. 
Desglichen und ander dun ich 

viel genüge, 
8335 Als myn döchter dir sagen sollen 

mit fuge, 
"Wiltu sij dar nach fragen; 
Sij mogents dir bas gesagen, 
Die ryden uff myme rucken; 
[256"] Dann ich bin die sich muß 

bücken, 
8340 Und von yn keine rüge han: 
Die sagent dir wol davon. 
Wann du sij wirst forschen und 

fragen 
Wer sij sint, und auch gehören 
Was sij dir sagent, magstu wol 
wissen 
8345 Wer ich dann sie, mit gantzem 

wissen. 
Ich sagen dir aen allen vertzog: 
Du mast sij gerne fragen aen 
gebot' — 
'Wer bist du, die erste, die da 
sitzet vor 
Uff Nydt, die so scharff vor 
8350 Hie zu mir hait geredt, 

Das du diu gestalt und gesiebte 
Also haist verdecket mit dem ge- 
malten angesichte, 



Die da dreget buhsse und salbeye 
Und messer getzogen verborgen 
allerleye ? 
8355 Von dir mag ich nit gudes ge- 

dencken 
[357'-] Wiltu mir nit anders mit worten 

sencken.' 
Da antwerte sij mir mit synn: 
'Wiste yederman wer ich bin, 
Keinre kerne nit bij mich 
8360 Noch zu mir geliebete sich. 
Ich bin eine ußrichterynne 
Und auch eine follenbrengerynne 
Des willen myner mutter Nidt; 
Dan dar umb sij enkan jeder- 
man nyt 
8365 Genodigen als sij gerne wolde 

dann, 
Sij hait mich zu zijden in die 

schule getan 
Und bat mich das ich wolde leren 

mit wyllen 
Falsch eit und üppiger boßheit 

vyele, 
Da durch ich yre böse begirde 

und lößheit ußrechte 
8370 Und daz auch also follenbrechte 
Daz ich mich nit werte sere. 
Nu sage ich dir daz in eine . 

schule gieng ich ee, 
Und da inne fant ich 



8332. beschawenen Hs., aus bewanen, indem 
soha übergeschr. und a in e verwandelt wurde, 
während an zu streichen gewesen wäre. 

8335. Als üb. gestr. dz. döchter aus 
do echter. 

8348. Initiale schwarz m. roter Füllung. 

8353. das h in bühsse übergeschr. 

[8355.] Kustode unten auf Bl. 356": wiltu 
mir nit and's. 

8361. a. B. links ein Doppelstrich (=). 

8364. Vor jedermä ist nit gestr. u. dahinter 
nyt zugefügt. 



8365. das a in dann aus anderm Buch- 
staben leorr. 

8366. getan hinter zijden zu streichen ver- 
gessen u. a. Schi, zugeschr. 

8368. das r in üppiger übergeschr. vyele 
zugeschr. 

8369. Da u. ich zugefügt. vßrechte zu- 
geschr. 

8370 f. zugeschr. u. dafür gestr. : Entschul- 
digette ich mich nit sere. 
8372. ee zugeschr. 



184 



Vom gemalten Antlitz der Verräterei. 



Mynen vader, der da inne nieister 
was sicherlich 
[357 v] Und auch myne swester lernte 

ußmessen 
8376 Wie mentschen fleische röe zu 

essen, 
Als du mich dann gesihst an 

diesem beine essen. 
Da er mich sach, er sprach: 

"dochter, komme her! 
Ich sehen wol din beger: 
8380 Das du gerne ettwas von mir 

hettes 
Und von mir gerne lertes 
Ettwas, das du die lüde be- 
drieges: 
Ich wil des din lerer sin 
Und des auch zu male frohe sin." 
8385 Da sloß myn vader uff eine kiste 
Und nam da uß, da er wiste, 
Diese buhsse und dis gemalte 
angesicht 
Und gab mir auch zu hantgifft 
Dies messer, das ich verborgen 
drage 
8390 Und verholen bij mir habe. 
"Dochter", sprach er, "wer da 

wilt bedriegen 
[258 r] Fogel aen liegen, 

Der sal die boppen nit in die 

erbeiß setzen 
Odir auch in den hanff garten 
setzen ; 
8395 Dann wo sij schuwesal da inne 

gesehent, 



Bälde aen beyden sij dannen 
fliegen! 
Dar umb, min dochter, rade ich 

dir: 
Wiltu jemans ankommen mit 

begir, 
So daug is nit das du ghen yme 
icht 
8400 Schuwesal maches mit dime 

hesselichen angesicht, 
Die alle gesicht machet verker- 

lich, 
Ungestalt, finster und hesselich; 
Dann du verlurest dar an 
Die arbeit die du lechtest dran. 
8405 Aber sich geburt, liebe dochter 

werde, 

Das du habest subtile geberde 

Und du yme gut glicheniß 

dühest 

Und hübsche geberde under 

äugen vor fugest 
[55S»]Und duhest als der scorpion, 
8410 Der mit smeichelonge dut schon 
Zum ersten gut glichniß und 

-guden müt 
Und stiebet mit dem swantze da 
hynden daz blüt. 
Als er stichet da hinden, 
Da wirt sich truwe fynden, 
8415 Und umb das du das auch also 

moges dün 
Aen feien und auch konnes 
gedün, 
Messer, buhsse und salbe 



8374. sicherlich zugeschr. 

8375. vßrnessen hint. gestr. das. 

8376. Wie üb. gestr. vnd. röe. I. fl. si roe ? 

8377. mich übergeschr. 
8405. werde zugeschr. 
8410. schon gugeschr. 



8411. gut üb. gestr. schon. 

8412. dz blüt gugeschr. 

8413 givischengeschr.; v. 8413 f. fehlen im 
Orig. und in h. 

8415. also übergeschr. 

8417. das h in buhsse wieder übergeschr. 



Offen führt sie eine Salbenbüchse bei sich, verborgen aber ein Messer. 



185 



Und gemalte antlitz ich dir gebe 
balde. 

Das ist getzug der dar zu ge- 
höret, 
8420 Da durch ettwie viel sint ver- 

döret. 

Joab, da er Amasam dot slug, 

Und Abuer behalff sich da myde 
genüg; 

Judas was nit zu male dar one 

Da er verkauf te den konnig 

Jhesus schone; 
8425 Triphon und auch ander viel 

Hant nit gefeiet des zu haben 
viel. 
[359''] ich rade dir is, dochter, zu dra- 

gen, 

Dinre mutter da mit zu brengen 
staden, 

Yre zu helffen zu follenbrengen 
8430 Das sij alleine nit kan follen- 
brengen. 

Mit der salbe saltu salben die 

Die du mit dem messer wilt 

slahen hie, 

Und mit dem felschen gemalten 
gesichte 

Saltu decken din angesychte. 
8435 Das ist so viel zu mereken: 

Dine gedencke saltu mit falscheit 
decken 

Und salt dich ussen lassen ge- 
sien 



Anders dann du innen moges ge- 

sin. 
Dann soltu mit reden fin 
8440 Silierende und auch weich sin: 
Es ist die salbe da mit sint 
Die konnige und prelaten dicke 

gesalbet sint. 
Es ist kein herre odir greffe me 
[359»] Er wolle da mit sin gesalbet me: 
8445 Sij wollent alletzijt das man yn 

solle sagen 
Sachen davon sij keynen verdrieß 

haben. 
Also, dochter, frischelich 
Saltu sij salben redelich 
Mit der süßen salben, so du sij 
magst han, 
8450 Und nach dem smeren saltu sij 

slaen 
Also das sij des keine büsse 

mögen han!" 
Nu sage ich dir: Da er mir 

also hatte gesagt, 
Myn vatter uß der schulen tradt. 
Uff myne müder bin ich da ge- 
sessen, 
8455 Als du gesihst, in dieser massen. 
Ich bin meisterynne, duncket 

mich wol; 
Was ich gelernet han, das kan 

ich wol: 
Ich kan myn gemalte gesune wol 
verstellen 



8422. da gleich übergeschr. 

8423. one aus ane. 

8424. schone üb. gestr. vane. 

8426. an des (undeutl.) Jcorr. 

8427. vor dragen angefangenes s schwarz 
gestr. 

8438. du aus dm(?). 

8452. Vor Da, dessen D als Abschniits- 
initiale gestaltet ist, wurde a. B. zugefügt Nu 



sage ich dir. Von dem nicht ausgezeichneten N 
ist infolge zu starlcen Eeschneidens der größte 
Teil verloren gegangen. er üb. gestr. sij. 

hint. gesagt gestr. spch sij geringe. 

8453 übergeschr. als Ersatz für den gestr. 
Vers: Da ich vJ3 der schulen gienge (dem Orig. 
folgend, von h übernommen). 

8454. da übergeschr. 



186 



Von dem betrügerischen Wirken der Verräterei. 



Und mich zu allen bösen Sachen 
wol gesteilen 
8460 Mit der büssen und der salben 
[seor] Und lachen mit den zenen hal- 
ber. 
Ich kann wol bissen aen bellen 
Und myn gestalt einfeltig stellen, 
Uff eine sijtte krauwen und 
smeren 
8465 Und die ander stechen und 

. slahen sere. 
Ich bin der slange der sich 
heldet 
Under dem krude und nit meldet 
Bis das yemans bij mich kommen 

ist 
Und nyder gelacht odir gesessen 
ist, 
8470 Das ich yn dann döde in kurtzer 

frist. 
Sehen ich mich ussen getzieret 

icht, 
Mich zu sehen kennen ich mich 

nicht. 
Man kennet die lüde nit an dem 

kleide 
Noch den wine an in dem becher 
in zu leiden. 
8475 Maniche wyde ist dicke wol ge- 

laubet 
Und auch gar wol gecleidet 
Die doch bynnen zu male hole ist 
[360"] Odir bynnen vol würme ist. 
Ich bin eine wurmessige wide, 



8459. mich übergeschr. 

8462. bellen üb. gestr. erschrecken. 

8463. stellen üb. gestr. entblecken. 
8465. die üb. gestr. mit der. 
8469. gesessen üb. gestr. gestossen. 

8471 f. Das mißverstandene Orig. (8453/4) 
lautet: Se dehors paree me vois, 

Pour ce, voir, pas ne me connois. 



8480 Ein bret gar balde gespalden in 

zyde. 
Er ist verlorn der sich an mich 

sturet, 
Und wie wol das sich niemans 

an mich sture, 
So kan mir doch niemans ent- 

gaen 
Noch keinre vor mir hüde han. 
8485 Stercke von luden odir viel lüde 
Noch yre synne prisen odir 

achten ich nit 
So viel als umb ein stuppe ge- 
schieht. 
Wann ich myn gemalte antlitz 

vor han 
Und han ein falsch lachen ge- 
taen, 
8490 So sint sij alle verdorben und 

bedrogen 
Und alle an myne gnade ge- 
bogen. 
Ich bin Verrederige, die da hait 

getaen 
Dicke und vil manichen bösen 

zog getan han. 
Ich hau des nünden steins nie 
getzielt 
[26V] Noch des schachzabels nie ge- 
spielt, 
8496 Ich neme dannoch mit myner 

konst 
Welichen stein zu dem ich hatte 
gonst. 



h richtig: Ahe du mich gesiest Ynd obe ge- 
zieret, so kennestu doch myn nit. 

8474. in vor zu übergeschr. 

8475. wyde aus wide. 

8482. wie üb. schwarz gestr. sij. 
8484. vor aus von. 

8486. ich schwarz gestr. u. sij übergeschr., 
jedoch ersteres wieder einzusetzen (so auch 7t). 



Schon will sie den Pilger niederschlagen, als sich ihre Schwester (Ehrabschneidung) einmischt. 187 



Es enist kein räch odir konig 

hyr, 
Wann ich wil, ich ziehen yn zu 
mir. 
8500 Und umb das dins lebens lange 
hat verdroßen mich, 
So hait myn müder Nydt be- 
scheiden mich, 
Und ist lang daz sij mich badt 
Und nrjr hait geboden und gesait 
Das ich dich zu mir ziehe ane 
not, 
8505 Das ich dich zu ir brenge dot, 
Also das ich ytze über dich 

schrien mort. 
Das sage ich dir als über sant 

Niclas, 
Der die schuler wieder det uff- 

stan umb das: 
Du kanst mir uß myner hänt nit 
entgan, 
8510 Das ich dir wol gesagen kan.' 
Da sij im also nahe bij mich 
kam 
Und wolde mich dot han geslaen, 
[361 »] Die ander die bij yr saß, 

Lachte sij an und sprach das: 
8515 'Swester, nit sient also ylende! 
Ich bide dich, lyde das er lebe 
So lange biß er mynen namen 

weiß : 
So wollen wir yuie beide machen 

heiß. 
Von leyde und zorn ich stürbe 



8520 Das er von dir allein verdürbe 
Und das ich yme nit als leide " 

dede als du.' — 
'Ich sagen dir, ich wil wol bei- 
den nu; 
Dann ich bij den dich ernstlich 
Das du sere wolles zauwen dich. 
8525 Ich wil das wir die ere haben 
Und yme viel unere balde getaen 
haben.' 
Da was die paltenerynne fro- 
lich, 
Die groß liden bestee kurtzlich, 
Und lachte mich an spottende 
8530 Und an dem beyne also nagende. 
[263 >•] 'Wie bistu so gedorstig', sij 

sprach, 
'Das du einen stab hast her 
bracht ? 
Stebe siecht und kromp hassen 

ich 
Und die an dem ende sint 

spitzich; 
8535 Ich han sij nit lieb die sij dra- 

gen; 
Aber wann is mir eben ist, 
So spotten ich ir binden mit 

lj'sten 
Und bissen sij, wie wol myn 
swester 
Yn vor zu gut glicheniße dut, 
8540 Das wiedermachen ich in mynem 

mut. 
Und umb das du haist einen stab, 



8500. lange hat übergeschr. v'droßen aus 
v'drußet. mich hint. schwarz gestr. dich. 

8501 f. zugeschr. statt des gestr. Verses: Es 
ist lang das myn müder nit. 

8503. Vnd zugeschr. 

8504. not hint. gestr. bait. 

8505. zu übergeschr. 

8508 bezieht sich auf die bekannte Legende 



von der Auferweckung dreier von einem gott- 
losen Wirt getöteten und den Gästen als Speise 
vorgesetzten Knaben durch den hl. Nikolaus. 

8526. Vnd u. balde zugeschr. 

8534. das ich in spitzich zugeschr. 

8536. ist vor eben schwarz gestr. u. dahinter 
zugeschr. 

8537. lysten aus listen. 



188 



Ehrabschneidung droht den Pilger bei lebendigem Leibe zu verzehren. 



Wie wol er nit kromme ende 

hab, 
Und auch urab daz Nidt, myn 

müder, 
Dich nye lieb gewan noch dynen 

vader, 
8545 So mustu mir yn hie lassen. 
Du bist übel her kommen in 

dieser maßen: 
Ich wil dich zu hant lebende 

essen. 
[565»] Bis uff das bein wil ich dich 

veressen 
Und dir die hüt vom rucke abe 

ziehen. 
8550 Du gesehe alle dine tage nye 
Under den fleisch bencken keinen 

hont 
Der so gerne esse rohe fleische 

zestont 
Also ich dun; der mont mir blu- 

dig ist 
Als dem wolffe in manicher frist 
8555 Der schaeffe in der stygen er- 
würget hait 
Und sinen gum da mit gesmeret 

hait. 
Des raben gesiechte ich bin 
Der in der hellen hait daz nist 

sin. 
Mir liebet schelmen zu essen: 
8560 So sij nie smackent, so ich sij 

lieber essen. 
Ich geesse nummer guden montfol 



Da ich die bösen mochte haben 

wol; 
Und hette ich viel eppel zu 
hüdden, 
Der enwolde ich nummer ver- 
suchen 
[363'-] Ee ich eine fulekeit 
8566 Dar an gesehe odir unreynikeit. 
Aber wann ich fulekeit dar an 

gesehe, 
So bisse ich von stunt dar inn 

ghee; 
Bälde wolde ich das versuchen 
8570 Das zu kuwen und zu riechen. 
Es ist myne spise, es ist myn 

leben 
Gelich als Nydt, myner mutter, 
eben.' 
Da sij mir das ertzalte also, 
Wie wol ich was gar unfrohe, 
8575 Einwenig begonde ich under- 

lachen. 
'Altwip, ir werent gut', han ich 
gesprochen, 
'Myn eppel zu erlesen und zu 

huden. 
Woldent ir uch des gehüden 
Das ir mich byssent nit, 
8580 Der fulen wil ich uch geben 

genug eyne zijt 
Und der unreynen auch uwern 
gefug. 
[263'] Und hant ir der da mit nit 

gnüg, 



8544. Dich u. noch zugeschr. 

8548. bein zugeschr. 

8549. vom rucke üb. gestr. alle. 

8552. rohe üb. gestr. das. zestont üb. 
gestr. rohe. 

8555. Der üb. gestr. Die (?). 

8560. ich übergeschr. 

8561. eines der beiden ersten e in geesse 
übergeschr. 



8562. die üb. gestr. den. 

8575. vor begonde schwarz gestr. sij. ich 
übergeschr. 

8576. han übergeschr. gesprochen aus sprach. 

8577. am 4. Buchstaben in erlesen leorr. 
8580. eyne zijt zugeschr. 

8582. der übergeschr. nit genug vor da 
mit gestr. u. dahinter nit girag zugefügt. 



Ehrabschneidung erzählt von ihren Werken. 



189 



So weiß ich wol wo viel un- 

reynes lit, 

Dez ich geben eyne zijt. 
8585 Ich wil uch wol dez ee finden 

genüg 

Ee ir mich also begrynent mit 
ungefug.' 

Zu stunt sij yre worte wider be- 
griffen hait 

Und also zu mir gesaget hait: 

'Ich darif nit zu male ferre gaen 
8590 Wil ich unreynikeit genüg han. 

In mynem monde han ich den 
getzug 

Da mit ist gemacht der smyde 
getzug; 

Und were in der werlde kein, 

Tuschen mynen zenden machte 
ich ein, 
8595 Als myn vader mich das geleret 

hait 

Und myn suster das auch be- 
griffen hait.' 

'Ich geleube wol', sprach ich, 
'hettestu 

Materie da von du 

Mochtes gemachen icht, 
[sei*-] Du hettes balde genug gesmyedt; 
8601 Aber aen materie kann niemans 

smyeden, 

Wie wol das er wol könne 

smyeden. 

Ein smyedt aen isen und stahel 



Kann nit gemachen axs odir 
hahel.' 
8605 'Materie', sprach sij, 'finde ich 

genüg; 
Dann alles gut daz du finden 

macht mit füg, 
Ich wol in böses gekeren kan 
Und mit falscheit underscheiden 

kan. 
Ich kann wol wyne zu wasser 
machen 
8610 Und driackel zu vergifft machen; 
Ich kann die guden appel ver- 
derben 
Und biderbe lüde sere balde ver- 

meren, 
Und dar nach als rohe fleisch 
Ich sij verslynden und essen 
heiß.' 
8615 'Wie heissest du?' sprach ich 

zu ir. — 
'Abesnydongen, das sage ich dir; 
[26£»] ich bin die abesnydet und abe- 

bisset 
Den luden ere und gut und sich 

flißet 
Sij zu verdrucken und zu ver- 
derben, 
8620 Das sij dünne und zu nichte 

werden, 
Das ich myne mütter da mit 

möge spisen, 
Die faste siech ist in yrer wijsen. 



8584 zwischengeschr. hint. ich 2 oder 
3 Worte gestr., deren letztes uch gelautet zu 
haben scheint und dann besser stehen geblieben 
wäre. 

8585. uch unter gestr. uch, über welches 
zunächst ein nachher wieder getilgtes dir dez 
gesehrieben war. dez hint. wol übergeschr. 

85S6. ir üb. d. Z. hint. gestr. das, das zu- 
erst üb. getilgtes ir gesehr. war. 

8594. machte üb. gestr. mache. 



8606. du üb. gestr. ich. macht mit füg 
üb. gestr. mag. 

8607. kan üb. gestr. mag. 

8608. kan zugeschr. 

8609. machen üb. gestr. leyden. zwischen 
8609 u. 8610 gestr. : Vnd win zu wasser machen. 

8612. balde übergeschr. 

8615. Initiale schioarz mit roter Füllung. 

8619. das zweite zu übergeschr. 



190 



Ihre spitze Zunge dient Ehrabschneidung als Spieß. 



Ich bin yre spyserynne 
Und yre meister kockynne. 
8625 Ich dienen yr mit gefuderten 

oren, 



'Wann ich ein ore also durch 

stochen han 

Mit myner gleven und geheftet 
han 



Die da steckent und henckent an 8645 Und is nach mynem willen ge- 



myner gleven vorn 
Durch myne gleve mit dem 

spitzen isen 
Gelich in eins kleinen spisses 

wisen. 
Myne zonge ich myne gleve 

heiße, 
8630 Umb das sij snydt scharf won- 

den heiß: 
Sij stiche^ und slet me scherfec- 

lich 
Dann keine gleve odir snyde 

sicherlich 
Odir kein phile mit wieder- 
hacken, 
[365'-] Wie hart er vom bogen werde 

geschossen. 
8635 Es sint die oren der die da ho- 

rent 
Das ich sagen, das sij gehören! 
Alle die da gerne horent 
Myn sagen, yre oren sij dar 

kerent 
In myne gleve myner mutter zu 

dienen, 
8640 Die sij sehent so sere siech . 

ligen.' 
'War umb hait er krapen?', 

sprach ich. 
Sij antwerte mir und beschiede 

mich: 



fasset han, 
So belibe ich hangen dran 
Und slahen mynen krappen dar 

an. 
Ich stelen lieber eime sinen glit- 
ten name 
Dann kein diep ie keinen schätz 

genamme.' 
8650 Da sprach ich: 'so bistu eine 

diebynne ? 
[S65v] Dann ein gut wort ist besser 

dan goldes mynne 
Odir dann richtom möge gesyn.' 
'Sicher', sprach sij, 'du sagst 

waer recht, 
Aber Salmon hait dich das gelert 
8655 Das du mir haist myne worte 

verkert : 
Ich bin eine diebynne ertzuget 
Und von allen guden Worten 

zuget. 
Kein schöner ding in diesem 

laude 
Kann ich nit gestelen aen 

schände ; 
8660 Dann ich keine keronge davon 

dun : 
Dann ich keronge node dun 

wolde 
Umb schände die ich davon 

haben solde. 



8629 f. rechts a. B. in der Schrift der Korrek- gleven Me gespitzet siehest, daz sint die oren . . . 



turen zonge. 

Nach 8634 fehlen 4 Verse des Orig. (8609 
— 12), die in h Übersetzung gefunden haben: 
so moget sie nyt so groß, noch so sorclich 
wonden gemachen. Die oren die du in dießer 



8653. du sagst waer recht üb. gestr. ia 
mag war sin. 

8657. zuget] entwiset h; im Orig. ent- 
spricht nichts. 

8661. keronge üb. gestr. sij. 



Die beiden Schwestern fallen vereint über den Pilger her. 



191 



8670 



Auch wann Hof art des gewar 
würde, 

Nummer sij myn frunt würde.' 
8665 'Was dustu', sprach ich zu ir, 

'Wanne du das ore das hat ge- 
höret zu dir, 

Also haist gekrappet 
[266 >•] Tj n d. sinen guden namen becloppet 

Und ettlichen biderben man da 
mit beraubet haist?' 

'Sicher', sprach sij da, 'du ge- 
höret haist, 

Da han ich dir davon gesagt die 
mere 

Und das in vergilt verkert sere 

Und auch da mit gespiset gar 
sere 

Myn müder.' da sprach ich: 

'Zwaer is duncket mich 

Das ich in diesem jare nit habe 
gesien 

Böser diere dann du macht gesin.' 

'Sicher', sprach sij, 'ich gleube 
dir wol. 

Ich bin böser dan die helle sin 
sol; 
8680 Dan den mage die helle gescha- 

den nit 

Die in yrem beslosse sint nit 

Odir die da sint eins heiligen 
lebens. 

Dann were sant Johans in der 
helle eben, 

So geschee yme doch kein leyt: 
8685 Durch sine große heilikeyt 



8675 



[366»] Schede gebe yme der heilige 

geist. 

Aber ich sagen dir das ich die 
ußwesenden 

Als wol irren als die geenwerti- 
gen. 

Es krudet mich nit mere 
8690 Myne gleve zu werften über mere 

Als uff eine myle odir zwoe. 

Ich sagen dir auch da bij genode: 

Ich schedigen die eins heiligen 
lebens sint, 

Als wol als die des nit ensint. 
8695 Were sant Johans noch uff erden, 

Noch muste yme myn gleve wer- 
den. 

In dem hymmel auch, obe ich 
wolde, 

Ich yn auch wol treffen solde. 

Zu andern malen han ich me 
versucht 
8700 Ertliche andern und die auch da 

gesucht, 

Geslagen und uoch slagen wil, 

Und nit langer ich beyden wil 

Dich zu slahen und zu fallen 
dun.' 
[367 r\ Da antwerte Verederye yr: 
8705 'Swester, beide, so wollen wir 

Is mit ein ander dun! 

Slag yn uff eine sijtte, so wil ich 
yn smeren 

Uud yn uff die ander sijtte sla- 
gen sere: 

Also mag er uns nit engaen 



8666. Wäne üb. gestr. Das. zu über- 
geschr. 

8687. Das vor ußwesenden eingesetzte die 
war schon übergeschr., wurde aber, nachdem 
am 3. u. 3. Buchstaben leorr. war (dy . . . ?), 
wieder durchstrichen. 



8692. genode aus genoe. 

8700. ynd übergeschr. 
gestr. sint. 

8708. nach yn gestr. dun. 
slagen auf Basur. 



gesucht hint. 
das lag in 



192 



Zuerst gelte es ihn vom 'Pferd' zu werfen, auf dem er sitze. 



8710 Er inüße dan einen guden artzet 

han.' 
'Es ist mir lieb', sprach sij, 
'Aber ich bijden dich daz vor 

geschie 
Das wir yn von syme sadel 

stürtzen 
Und das wir yme den weg 
kurtzen, 
8715 Das er nit nie könne geryden 
Und solichen hoenmut gemyden.' 

Da ich die worte hatte gehört, 
Da wart ich . gedencken und er- 
schrecket vort; 
Dann ich" waende nit das ich 
hette 
8720 Ein phert, und dar an nit ge- 
dacht hette. 
[367"] 'Wie', sprach ich zu Yerrederi- 

gen, 
'Han ich ein phert? Abebrecke- 

rige, 
War unib hait sij das gesagt? 
Weistu is, so wolles mir daz 
sagen ! ' 
8725 Sij sprach: 'Eecht Verstenteniße 
hait mich gelert 
Und sagete mir, da ich mit ir 

redt, 
Das der zu pherde gestiegen sij 
Dem ein gut wort gegeben sij. 
Das phert sal vier fuße han, 
8730 Als ieclicher das in wissen mag 

han; 



Dann hette is nit me dann eynen, 
Zwene odir drye, 
So müste is vast hincken da bij. 
Des were keinre wol geeret 
8735 Der were uff daz phert gesessen 

recht. 
[368'-] Der eine fuß an dem pherde ist 
Daz an eyme mentschen nit böses 

ist, 
Do an er vermeronge füle. 
Der ander ist der gelegenheit 
8740 Das er nit sij in verbüntlicheit. 
Der dritte ist das er elich ge- 
born sij, 
Der vierte das er nit rasende sij 
Odir ungeberikeit habe da bij 
Odir gehabt habe bij syme leben: 
8745 Das sint die viere fuße eben 

Den die getzügniße sollent geben. 

Und umb das du bist uff gesessen 

[56S»]XJff das phert und haist vergessen 

Mit myner suster vor zu reden, 
8750 So hait sij dich abe geworffen 

zur erden, 
Und ich sal yr helffer werden.' 
Da rieff sij yrer swester balde 
wieder 
Und sprach: 'swester, sage mir 

sieder, 
An welicheni ende sollen wir yn 
zu erste angriffen?' 
8755 Sij sprach: 'kaust du das liet 

begriffen 
Das Israhel von D&n sang: 



8710. gude übergeschr. 
8735. Du. 

8741. hint. elich ein wegradiertes, jedoch 
noch schwach durchschimmerndes sij. 



8756 /f. vgl. Genesis 49,17.^ 

8756. Statt Dan, das der Übers, nicht ver- 
standen hat (vgl. auch das Dann statt Dan im 
folg. Vers), liest die Hs. (auch h): Adam! 



vor 8736 Bild (72) mit Nebenschrift rechts: gude wort, ledikeit, Elicheit, gesimtheit 
[verschrieben: gesniytheit]. über dem Bilde in der Schrift der Korrekturen: Eyn gut wort / 
ledickeit / Elicheit / gesüntheit. ein weißes Pferd. 



An den Angriffen der Schwestern beteiligt sich auch ihre Mutter Neid. 



193 



Da« werde eine slange in dem 

wege ? 
Ich bin Sorastes, die gehornete, 
Und Dan, der slange gedrehete, 
8760 Der nyt get den rechten weg 
Und bisset die lüde hinderwert. 
Gelich heymlich wil ich gan 
Und wil hynden bissen an 
Die hörn des pherdes daz er hait, 
8765 Also meyne ich daz er felegetrat: 
[,369>-]Das ist zu wissen das er an dem 

ende 
Myn zu male nit war neme. 
Ich wil yu bissen heymelich 
Und yn machen hyndeiiich; 
8770 Dan ließ ich yn myn gewar wer- 
den 
Und das ich yn uffenberlich 

bissen solde, 
So mochte is mir gar balde 
Mit synem beslagen fuße eins 

geben 
Uuder myn äugen und mich 

treffen eben. 
8775 Die hörne sint unfüeleber 

Und werdent nit balde gewar sere 
Das myne zeue sij binden bissen, 
Bis das er sich wirt binden 

niderlaßen, 
Das er sich nit möge wider uff- 
geheben, 



8780 Und das das phert wirt Mucken 

eben.' 
Da antwerte Verrederye: 
'Wol an balde, machen wir uns 
balde hyn bye! 
[269"] is gefeilet mir wol daz du also 
haist uß gelacht 
Jacobs sage und das geglosieret.' 
8785 Da warff Abebrechonge uff mich 
Yre gleve und verwonte mich 
Und lieff da vorter zu mir 
Mit uffenem monde, als hette sij 

Sjame gantz verlorn. 
8790 Und myn phert greiff sij mit 

dem hörn 
Und sparete mich nit mit 

syncken, 
Und mit yren zenden machte sij 
myn phert hincken. 
Mit den zenden sij mich auch 

greiff und bewisete wol 
Das sij der slangen gesiechte sin 
sal, 
8795 Und warff mich her abe: das det 

mir we. 
[270 ■»•] Aber dar umb enwiste ich nit: 
Gelich zu mir kam gegangen 

Nydt, 
Mit yren zweien gleven stach sij 
mich, 



8757. Dann. 

8765. fallegetrat Hs.; in h bloßes falle. 
[8765.] Kustode unten auf Bl. 268"! Dz 

ist zu wissen dz. 

8766. zwei hint. dem zweiten das üb. d. Z. 
gugeschr. Worte, deren erstes vielleicht er gelautet 
hat, wieder durchstrichen; man erwartet is (so h) 



wie auch 8765, aber entsprechend dem yn in den 
folgenden Versen (dazwischen freilich 8772: is) 
mußte er eingesetzt 'werden. 

8781. das letzte e in verrederye auf Basur. 

8782. hyn übergeschr. hint. bye gestr. yn. 
8788. yr hier gugeschr. u. eu Auf. des folg. 

Verses yre gestr. 



nach 8796 Bild (73) mit Neben- bzw. Unterschrift: Da wart der weller geslagen von 
nyde, von v'hertonge , von v'rederien, von abehrechonge vnd von den and'n dufelynne. Der 
Pilger ist unter den Angriffen der Frauen zusammengebrochen. 

Deutsche Texte des Mittelalters. XXV. ^3 



194 Der Pilger hält seinen Stab hoch, sieht plötzlich aber noch ein neues Weib. 



Und in mynen lip slug sij mich. 
8800 Verrederige sümete nit sich; 
Dann als lange als ir swester 

mich beyß 
Und mir an den sijtten nagette 

heiß, 
Ire salbe sij hielt 
Und uff eyne sijtte mich salbete 
da mit; 
8805 In die ander sytte sij mir stieß 

ir messer 
Und auch da bij yren süechel. 
Das aide wip auch mit dem 

großen stabe, 
Sie ließen von mir nit abe; 
Mit yrem getzuge qwamen sij 
bij mich 
8810 Und sprachen ich solde geben 

gefangen mich: 
'Du sist wol das du nit mast 
entgaen ! ' 
Da hüben sij mich an zu stoßen 
und zu slaen 
[270»] Und dadent mir lydens genug an. 
Da ich sach daz ich also be- 
kümmert was 
8815 Und so gar ungetrost was, 
Da ließ ich nit abe zu fragen. 
Ich hette wol mögen schrien und 

sagen! 
Trahekeit hatte ziel sich zu 
pynigen 
Und auch mich zu hindern; 
8820 Dann ich was in allen weg ge- 
hindert 



Und mochte mich in keynen 

wege geregen. 
Doch ich mynen stab hielt 
Uff rieht und was mir entfallen 

nit 
Und hatte dar an groß hoffen 
8825 Das ich noch da mit sohle ent- 

loffen, 
Mochte ich wieder uffkommen 
sin. 
[371'-] Als ich in solichem wesen was 
Und her und dar umb mich ge- 

sach, 
Von eyme reche ich kommen 
sach 
8830 Ein ander altwip hub an zu 

lauffen. 
'Haldent yn wol, haldent yn 

wol!', 
Sprach sij zu den andern, 'ich 

auch kommen sal. 
Sehent das er uch nit entrynne 
Mit symbe stabe, den er zu 

nemen begynne!' 
8835 Das aide wip was sere verstellet, 
Mit spitzen priemen umbheldet, 
Euch umb und umb als eyn ygel. 
Sij hatte umb gehangen ein 

sensse dar bie, 
[371"] Uni yn yren henden zwene 

wacken wys 
8840 Hatte sij, als mich duchte, mit 

flyß. 

Das füre uß yrem gesiebte 
sprang ; 



8802. mir üb. gesti: mich. 

8804. da übergeschr. 

8810. spracheich durch Längsstrich getrennt. 



8834. zu neme begynne üb. gestr. nymet. 

8837. Euch übergeschr. 

8838. vmb üb. gestr. an. 



vor 8827 Bild (74) mit Nebenschrift rechts: Nit Berure mich, zorn, v'smehonge, driegen 
vnd doitslag vnd haß. altes Weib mit Sense, 3 großen Feuersteinen imd Säge (nach Be- 
schreibung). 



Das Weib (Zorn) ist ausgerüstet mit Sense, Feuersteinen und Säge. 195 



Das sij unsinnig were, waz myn 

gedang. 
In yrem monde hatte sij eine 

sege : 
Ich wiste nit was sij da mit 
dede, 
8845 Ich hette sij dann vor gefraget. 
'Altwip', sprach ich, da sij 
mir nahet, 
'War umb hastu solich geberde? 
Odir war umb dreystu solich ge- 
werde ? 
Wie ist din name? nit lug mir! 
8850 Ich wolte is gerne wissen von 

dir; 
Wie wol ich genug zu lyden hau, 
So saltu mir is doch san.' 
Da slug sij die wacken zu sam- 

men, 
Das sij det die flammen 
8855 Mir under myn äugen slagen. 
'Sicher', sprach sij, 'ich sal dich 
balde dun verstau 
[373'-] Was hantwereks ich wol machen 

kan, 
Und dir mynen namen nit ver- 
swigen : 
Ich bin die aide ygelynne, 
8860 Die übel gestrelete ketzerynne 
Und auch die übel gelikette nü, 
Die dochter des ygels herü, 
Der sich umb dugent machet 

ruwe. 
Mit synen spitzen er mich ge- 

wapent hait, 



8865 Umb daz man vor mir föchte 

hait 
Und auch umb daz, obe yemans 

qweme nahe bij mich, 
Das er in die spitzen steche sich. 
Eache ich suchen und wil sij han 
Von allen den die ich wissen 
kan; 
8870 Die mir icht haut getaen odir 

wieder mich 
Geredt haut, an den reche ich 

mich, 
Odir die ir handt gheen mir hant 

uff gehaben, 
Den sal ich is nit verdragen. 
[373^] ich bin stechende und hessyg, 
8875 Unlydig und unverdregelich, 
Viel scharffer dann hagedorne, 
Spitzer und krommer dan krossel- 

dorne. 
Der sinen garten wol besließen 

wolde 
Mit hecken die subtile sin solde, 
8880 Der dede mich dar; dan keine 

hecke 
Nit konde gedun das ich dete. 
Ich heißen "Nit rure mich!"; 
Dan balde han verkeret ich 
Eine siechte sage in eynen 

krommen worin, 
8885 Das dun ich umb ein klein ocke- 

saldorn, 
Und dun eynen sprang, 
Wan ich gestochen bin genug 
Von dem des frunt ich vor was. 



8854. vor det gestr. mir. 

8859. ygelynne zugeschr. hint. gestr. ketzerige. 

8860. ketzerynne zugeschr. 

8861. nii zugeschr. 
8863. \mb üb. gestr. un. 
8884. vor sage gestr. s . . . (?). 



8885. Ich habe durch eingefügtes dun eine 
Heilung der Stelle versucht) dem Orig. würde 
man am nächsten leommen durch Sireichen von 
Das ich (Qui ai tantost Carmen en ve Mue 
a petite achoison). 



13* 



196 



Von den leiden Feuersteinen des Zorns (Verschmähung und Anfechtung). 



Ich machen iiß den luden Men 
has 
8890 Zu schönem mitdage und nit ge- 
sehende 
[373 >■] Und die blinden zu dieren, 
Das sij vertzagen schiere. 
Ich dienen mit essig und versaiß 
Und auch mit grünem krnde 
naß; 
8895 Ich geben des den coleriken 
Lieber dan den fleckmatiken. 
Ich machen mit den mentschen 

in dem flrmamente 
Als viel wonders als in der 
werlte ; 
Ich dun uffstaen die wynde 
8900 Und machen donner fynden 
Und uffstan allerleye lyden 
Und an gutem verstenteniße 
zwifeln. 
Ich heißen Zorn, die verkerte, 
Die kredynne, die vergifftigete, 
8905 Die begryenen müder von den 

honden, 
In der keine sußikeit ist fonden, 
Viel scharffer dan alle distelen, 
Sicherer dan blafuß in synie 
nyste. 
[873 <>] ich bin ramnus, der berg uß dem 
daz füre springet, 
8910 Wie wenig das yemans mich an 

springet : 
Es mag so wenig wider mich 

wynt regen, 
So muß ich hitze odir rauch 
geben, 



Ußstoßen myne stacheln und 
slagen 
Und die flamme dun ußslahen. 
8915 Hette ich grünen holtzes genug, 
Bälde wolde ich machen füres 

genüg. 
Der eine wacke versmehonge ist 

genant, 
Der ander krieg auch bekant: 
Daz sint die zwene wacken da 
mitte 
8920 Sich die dorheiten dicke bekom- 

mernt mit. 
Es sint die die die zwo frauwen 
hattent bij yn 
Die qwamen zu konnig Salmon 

und frageten yn, 
Das er yn wolde urteyl geben 
Weliche solde han das kint mit 
dem leben. 
8925 Mit den wacken ich zu zijden 

gesmiedet han 
[574'-] Die sege die ich in mynem 

monde han. 
Da was der hammer den man 

nennet krieg, 
Und versmehonge dew anebuß 

lieg. 

Ungedolt waz das isen, ir geselle, 

8930 Das da geholet wart in der helle. 

So man is me slet, so is niynner 

dünne wirt; 

So man is me hitzet, so is harter 

wirt. 
Zu zijden machte ich is zenen 

subtilenclich, 



8889. has zugeschr. 

8902. an übergeschr. 

8908 gänglich abweichend vom Orig. (Et 
plus sure que ahsintiuin), aber von h über- 
nommen. 



8909. zu ranmus vgl. Judices 9, 1AJ15. 
d' berg übergeschr. 

8928. den war ursprünglich richtig geschr., 
wurde aber {ohne EücJcsicht auf das lieg) in 
der verwandelt. 

8933. zenen üb. gestr. 'weich. 



Von der Säge des Zorns (Haß). 



197 



Nu höre und verstaut wie det 

ich! 
8935 Frauwe Gerechtikeit, die fyle- 

rynne 
Mit der dugende krafft und smye- 

dynne, 
Hat eine, fyle, die ist genant 
StrafEonge und vielen wol be- 
kant. 
Das ist die fyle die ussen fylet 
8940 Sunde und zu den wurtzeln 

ylet; 
Sij mag nit lyden rost odir un- 

reynikeit 
Sij wolle es durchfylen, daz is 

schone sij bereit. 
[274«] Und umb das sij mich zu zijden 

filen wolde 
Und mich zu male daunen dun 

wolde, 
8945 Mit myme roste det ich ir großen 

widerstant 
Und mit dem bösen isen davon 

ich vor sagt. 
Da sij mich waende von dannen 

fylen, 
Da machte sij viel zende an dem 

bösen isen, 
Davon han ich die sege gemacht, 

als du sist. 
8950 Die zende sint groß als dem 

honde der da bisset. 
Die sege hasse ist genant, 
Da mit wart geteilet und zer- 

trant 
Die eynionge der bruderlicheit 



Und die verbindouge der ver- 

eynikeit. 
8955 Tuschen Jacob und Esau 
Hastu die figure gesehen nü. 
Ich sneidt sij und machte sij un- 

eins 
Und schickte sij beide ferre von 

ein. 
Also hau' ich ettwie vielen me 

getaen, 
[S7B>-] Davon zu lange were viel zu 

san. 
8961 Mit den zenden drage ich die 

sege, 
Uff das, obe ich myn patter 

noster sage, 

Das is da mit werde versnieden 

Und das ich von Got dem vatter 

werde verschieden. 

8965 Dann wann ich bijde daz er sich 

erbarme 
über mich und auch vergebe mir 

armen 
Myne missedat, als ich vergeben, 
Und ich des nicht vergeben, 
So weiß ich daz ich bij den wie- 
der mich 
8970 Und daz zu mir die sege keren 

ich. 
An der sege han ich gar lutzel 
Eren, lobes odir nutzes; 
Dann der sij heldet und ir 

meister ist 
Über den der dar under ist, 
8975 Das ist der da unden ist in der 

gruben 



8936. Mit der dugende üb. gestr. mit yrer. 

8937. Mit einre fylen Ils., ohne Verbum im 
Satze! Das 'wieder mißverstandene Original 
hat A une lime = hat eine Feile, h: yerstant 
wie frauwe gericht . . . hatte eyn fyle. 



8945. Mit myme roste üb. gestr. vnd ich ir. 
ich ir hint. det übergeschr. 

8946. Vnd zugeschr. 



198 Von der Sense des Zorns (Totschlag). Gedächtnis bietet dem Pilger die Rüstung an. 



Da wemet Sathanas mit sinen 
büben. 
[375"] ich dencken du is versuchen 

solles, 
Also das du der segen rneister 

beliben moges, 
Und dar nach so wil ich dich 
gürten 
8980 Mit der senssen die ich umb han. 
Es ist die die ich den mordern 

umb gurten, 
So ich sij machen zu mynen 
rittern. 
Barabas hatte sij zu zijden umb 

gegirrt, 
Da er gefangen wart und in den 
kerker gefurt. 
8985 Dödonge ist ir recht name 

Odir dotslag, daz ist gar untzame. 
Es ist die die da hauwet und 
snidet uß 
Das leben und den geist zu dem 

libe uß, 
Die da mit sich smertent 
8990 Zu zijden die richter, da sij die 
heiligen dotent. 
Ein wildes dier und nit mentsche 
Ist der der da dreit soliche sensse. 
Die sensse macht yn wylde 
[376'-] Und dut yn nähme suchen an 

manichem gefilde. 
8995 Soliche diere sorglich sint 

Den die in dem lande wandeln 
sint. 



Der konnig sölde dar nach jagen 
viel schiere 
Dan nach hirtzen, swynen odir 

wilden dieren. 
Und umb das du bist ein pil- 
gerin, 
9000 So han ich mich gemacht in den 

weg diu. 
Ich wil dir die sensse umb gür- 
ten 
Odir aber dir din leben vaste 
kürtzen.' 
Als ich also in dem wesen was 
Und nit anders dann des dodes 
beidende waz, 
9005 Gedeckteniße sag ich nahe bij 

mir, 
[376«] Die sprach: 'nu sage mir, 

War umb dustu die wappen nit 

an? 
Du kanst dich nit entschuldigen 

da van; 
Dan ich bin alles nahe bij dir, 
9010 Und sij würden dir alletzijt wol 

von mir. 
Sij sint bereidt wan du sij wilt 
han gehabt, 
Als G-ots Gnade dir dan vor hait 

gesagt. 
Gesiech, sij sint dine die, 
Und besiech das du nit hie 
9015 Din bette wolles machen lange; 
Dan du machtest dir selber 
schände 



8980. vmb üb. gestr. vor. 

8984. er aus ich. 

8989. smertent] l snüertent ? (B.). 



9016. Die letzten Buchstaben von schände 
sind durch das erwähnte Loch im Watte ver- 
loren gegangen. 



vor 9003 Bild (75) mit Nebenschrift rechts: dracheit, gedecktem^ vnd der pilgerin. 
Gedächtnis mit der Büstung geht voran, hinter ihr der Pilger, den Trägheit am Seile festhält. 
Am Oberkörper der letzteren scheint so stark radiert zu sein, daß schließlich ein großes Loch 
im Blatte entstanden ist. 



Aber Trägheit läßt ihn die Büstung ausschlagen. 



199 



Wo du langer woldes beyden 
Und dich nit da mit kleyden. 
Es ist dir schände daz du so 

lange hast gebeyt 
9020 Und haist da mit keinen nutz 

bejeyt. 
Hettestu sij lange angetan ge- 

hat, 
So werest du nit kommen in der 
aide wibe phat 
[377 r ] Odir in yre hant worden ge- 
lieb ert 
Und werest auch von yn nit 

worden gehindert, 
9025 Nydergeslagen und uberwonden, 
Und weres vor dich gangen zu 
aller stonden.' 
Da ich gesag daz mich also 

straffen wart 
Myne magt und mich bekallete 

hart, 
Da wart ich leidig und am her- 
tzen gar swere 
9030 Und gedachte: wo du also ligest 

mere ? 
Ich greif! da an mynen stab, 
Und also erfert ich mich uffracht 
Fuleclich; dan ich waz kräng 
Und hatte gelegen lang. 
9035 Ich wolde die wappen myn 
Han angetan, mochte is gewest 

■sin. 
Und ich konde is nit getun vor 

unmüßen ; 
Dann Drackheit begonde sich 

vor mich fußen 
Und sprach mir zu mit drauwen, 



[377«] Kerne ich bij die wappen, sij 

wolde mich hauwen 
9041 Mit yrer axs und mich da mit 

slan. 
Ich föchte sij und ließ da van 
Und ungewapent als vor beleih, 
Muede, bekommert: daz was mir 
leit. 
9045 Nu wolle mich Got vort me 

beiluden ; 
Dan ich han kein vermögen und 
mag gar übel. 
Ich han nicht dar uff ich mich 
fyden mag 
Dan ich stürete mich an mynen 

stab. 
Myn sack bringet mir wenig 
staden 
9050 Mit dem brode daz ich dar in uff 

mich laden: 
Zu myme bedorffe darre ich is 

nit an rüren, 
Als ich uff diese sijtte der 

hecken bin verirret und müde. 
Wo ich des also esse, 
Gots Gnade des nit vergesse 
9055 Und wolde is nit han vor gut: 
Bij dem guden brode han ich 

hongerigen müt. 
[378>-]lch han.Müssikeit gelaubt, sij 

hat mich bedrogen 
Am ersten, wann sij hait mir ge- 
logen ; 
Durch sij bin ich verdorben, 
9060 Durch sij bin ich geliebert wor- 
den 
Den alden dyebynnen 



9027. das n von straffen auf Basur. 

9048. ich aus mynen. stürete mich gleich 
üb. d. Z. eingesetzt für gestr. stak dar. mynen 
u. stak auf Basur. 



9052. Als ich a. B. zugeschr. u. hint. hin 
gestr. ich. 



200 Der Pilger beschließt den 2. Teil seiner Erzählung. Dann folgen neue Abenteuer. 



Und der pilgeria spiherynnen ; 
In yren banden muß ich sterben, 
Wo ich von Gots Gnaden nit 

gelöset werden. 
9065 Als ich also gieng diechten 
In myme gedancke und siechten 
In niynie zäume kauwen, 
Einen dal vol verhauwen 
Waldes ich sag und ein gefilde 
9070 Erschrockrick, ungestalt und 

wilde 
Vor mir, da muste ich durch 

gaen, 
Wolde ich anders vorbaß gan. 
Des ich gar sere erschrack an; 
[37S»] Dann in dem walde mag man 

balde verlorn hau 
9075 Sinen weg; dann viel irrongen da 

inne sint 
Den pilgeryn die da inne allein 

wandeln sint. 
Diebe, morder, wilde diere 
Siut da inne behalden schiere 
Und viel sachen die verstellet 
sint 
9080 Und dicke da inne fonden worden 

sint. 
Soliche sache als ich da fant, 



Da ich durch gieng, sage ich uch 

zu hant. 
Aber ee ich uch davon sage me, 
Und das uch nit verdriessen 



9085 So wil ich uch geben ein rede- 

lich ziel, 
Da bynnen muß ich gedencken 

viel. 
Morne, gefeilet is uch wol, so 

kommet wider, 
So werdent ir hören wider 
Das ander deile und sient ge- 
fristet. 
[279 >•] Dann wil ich uch sagen waz mir 

gebristet, 
9091 Kommers und jainers genug. 
Ich meyne es solle uch beduren 

genug, 
Und yeclichs neme sins selbs 

war; 
Dann an eins andern ungefal 
9095 Ein ieclichs sinen Spiegel haben 

sal. 
Hie mit hait das zweite buch ein 

ende: 
Got uns sine gnade sende! 



Hie vahet an daz dritte buch. 



[279«] Nu horent, myn lieben lüde, 
Myn abentüren und was sij be- 
dude : 
9100 Ich bin nit wol kommen und 

übel unib geleit 
In dem verhauwen dale davon 

ich han geseit. 



>3. ich üb. gestr. ist. 

54. gots vor gnade übergeschr. n. da- 

lestr. 



906L .._ ..„. „„„„. 
9064. gots vor gnade 
hinter gestr 



Also ich abe gieng in den dieffen 

dal 
Und abesteig in einen großen fal, 
Ein altwip von einre andern ge- 
stalt 
9105 Und ein ander wandel usser- 

maßen alt, 

9066. siechten = hd. stiftende. 



Hinabgestiegen in ein tiefes Tal stößt der Pilger gleich wieder auf ein altes Weib. 201 



Die ich vor nit hatte gesehen, 
Sach ich, die sich hatte gelacht 
in mynen wegen. 
[280<-] y erstalt was sij wunderlich, 
Und da mit duchte auch mich 
9110 Das ich sehe sicherlich 
Das sij mir hatte gerächt 
Als yrem wiltfange mit macht 
Und das sij mich anlauffen wolde. 
Kein mentsche solich dier nye 

gesehen solde: 
9115 Ich sag kein so wildes diere nye 
In keynen Sachen dort noch hie, 
Noch in dem propheten Daniel 
Odir auch inn Ezechiel, 
Noch in dem buche der heyme- 
licheit, 
9120 Das man nennet Apocalipsen ge- 

meit, 
Sag ich nye hesselicher dier, 
Hinckende, gedreget, und den 

hob er schier 
Hatte sij und drug an. 
Ein alt wammesch hatte sij an, 
[580«] Einen sag gehangen an yren 

hals, 
9126 Und schein wol was sij da mit 

det, als 
Sij lerte yn nit, sonder stieß 

alles dar in. 
Dar zu half yre gar sere 
Yre zonge, die sij mere 



9130 Und me dan halp hatte her uß 

getzogen; 
Da mit stieß sij yn aen bogen. 
Aber sij was ußsetzig und ge- 

breet 
Und auch da mit gar vermeret. 
Sehs hende hatte sij und mit 

zwene stumppen, 
9135 An zweien henden griffen klaen 

und krappen, 
Der was eine an yr hinden, 
Als obe man sij solde bynden. 
In der ander eynen hende 
Hatte sij eine fyle, als obe sij 

zende 
9140 Da mit fylen und machen solde, 
[5Si'-]Und eine wage, da mit sij wi- 

gette 
Des hiemels zierckel und die 

sonne wigete 
Sij zu kauffe zu stellen. 
In einer hant sij eine schussel 

drug 
9145 Und einen sacke zu brode dar zu. 
In der funfften hatte sij einen 

krapen 
Und uff dem heubte einen 

boppen, 
Der sij det yre äugen nider 

slaen 
Und det sij vor sich sehen zu 

gaen. 



9130. Vnd a. B. zugeschr. 

9134. mit übergeschr.; ist und zu streichen? 
stumppen aus stappen (?). 

9135. vnd übergeschr. 



9138. hende vor eyne schwarz gestr. u. 
dahinter zugeschr. 

[9140.] Kustodc unten auf Bl. 2SO«: vnd 
eine wage. 

9148. Det. 



nach 9107 Bild (76) mit Unterschrift: gridikeit, Bafip, dieberige, wucher, dorheide 
geherde, glissenerige, driegerie, fremede gedechtenisse, v'sweronge, eigenschafffc des phennyges. 
linlcs neben dem Bilde flgu'e ohne Zahl. Altes Weib mit 6 Händen etc. (nach Beschreibung) 
vor dem Pilger. 



202 Bas Weib (Habgier) fordert den Pilger auf, seines Gottes Mahomet Mann zu werden. 



9150 Die sehste haut hatte sij ge- 

stossen 
Under yre lincke Mifle, da sij 

ane hanck; 
Ettwann sij die uffdranck 
Und hub sij bis an yre zonge 
Und rürte sij da mit nit lange. 
9155 Da ich das aide wip so hesse- 

lich gesag 
Und das ich bij sij den dag 
Müste dnrchgaen, da erschrack 
ich faste; 
[£8i»]Dan ich was algereide müde sere 

und fast 
Verdrieß- zu haben, als ich han 
gesagt. 
9160 'Ha G-ot!' sprach ich, 'was ich 

nu dun mag? 
Ich bin dot wo das hesselige dier 
Mich hindert in diesem dale 
schier. 
Is hait so viel hende, ich fochten 

sere, 
Ergriffet is mich, das ych yme 
nit enghee. 
9165 Rait mir, lieber Herre Jhesus, 
Odir ich bin verlorn alsus!' 

In dem stade sag ich 
Zu mir her kommen daz alde- 

wip; 
Mich zu anfertigen sprach sij zu 
mir : 
9170 'So mir Mahommet, geleube mir, 
Ich han din lange gebeidet hie. 
Nu niust du mirs halden alhie, 
Odir aber du must hie sterben 
Und bij mir alhie verderben. 
[.28,3''] Lege nider sack und stab 



9176 Und duhe dinen glauben ab 

Und wird Mahommet, myns gots, 

man! 
Er ist der durch den ich bin ge- 
lobet, 
Wijse genant, ußerwelt und ge- 
eret ; 
9180 Es ist der aen den nyemans icht 
Uff erden ist geachtet nicht. 
Durch yn wirt geeret 
Manich groß dore und wirt wijse 

genant, 
Wie wol er ein dore ist bekant. 
9185 Du must yme undertenig wesen 

und sin, 
Yme zu dienen saltu bereit sin; 
Dar nach wil ich dich snelleclich 
Dun sterben und snödenclich.' 
Da das aide wip die worte 

also anfieng, 
9190 Zu lachen gelangete mich zemal 

nit. 
Aber ich wolde gerne gewist han 
Yren namen mit waer san. 
[5S5«]'Altwip', sprach ich, 'sage mir 

nu 
Dinen namen und wer bist du, 
9195 War zu dienestu auch, 

Von welichem gesiechte, von 

welicher gebürt 
Du bist und war umb her gefurt, 
Von welichem lande und war zu, 

aen spot, 
Wer da ist din appegot, 
9200 Dem du wilt das ich diene, 

Der mir we dühe und übel lone! 
Es ist nit billich das ich mar- 
moset, 



9158. algereide aus aldereide. vor sere 9190. zemal vor nit übergeschr., dahinter 

gestr. v. viel gestr. 

9187. snelleclich hint. gestr. seh . . . lieh. 9198. das y in Von aus w. 



Von einer Erhöhung zeigt es ihm eine Kirche und daneben ein Schachspiel. 



203 



Der daub ist und kein äuge het, 
Ich yme diene odir huldeschaff 
duhe : 
9205 Myn gesiechte ist zu edel dar zu. 
Und obe is also ist daz ich yme 
dienen muß 
Umb föchte daz ich hie sterben 

muß, 
So sage ich dir das ich doch wil 

wissen 
Vor waer wer er ist, 
[283 <■] Als ich auch wil wissen wer du 

bist, die aide. 
9211 Nu sage uff und antwerte mir 

wol balde!' 
Da antwerte daz aide wip mir: 
'Sijt das du wissen wilt von mir 
Wer ich sij, balde genug wil ich 
dirs sagen; 
9215 Ich wil aber vor mit dir bejagen 
Und dich mynre ducke under- 

wijsen 
Und myn spiel da bij wijsen, 
Uff das du mir desta bas ge- 

leubes. 
Komme mir nach, da du mich 
siehes, 
9220 Und schrie sere: "ach i jo!" 

Du wirst nu fast gehören schrien 

also 
Und ein ende großes lydens vol 
Mit sehnenden ingeworffen Wor- 
ten 
Und mit klegelichen Worten. 
9225 Es mag keinre gesehen, er schrie 

balde: 



"Ach, owe der grossen gewalde!'" 
[8S3"] Da det sij mich uff einen gra- 
ben stigen, 
Das aide wip, und umb mich ge- 

sien. 
In eyme siechten ein hübsch 

monster viel 
9230 Was gebüwet bij ein schachzabel 

spiel. 
Da waren klein und groß, 
Under den sach ich die roch, 
Die ritter und den konnig, 
Die driebent großen ungefug. 
9235 Ir ieclicher hatte gegurtet sin 

swert, 
Das duchte mich zu male ver- 
liert; 
Dann ich hatte zu andern zyden 

ee 
In dem schachzabel gespielet me 
[384<-] Und hatte nie me gesien 
9240 Die also gestalt mochten sien. 
Ire geberde was gar wilde; 
Dann sij giengen zu des monsters 

büde 
Und woldent das niderwerffen. 
Der konnig gieng zu dem ersten 
9245 Und wolde daz fullemint under- 

graben 
Mit eins bischoffs stabe; 
Dar uß machte er ein hauwe 

und spade. 
Das spitz ende was die spade 
Und das kromme ende die 
hauwe. 
9250 'Was ist dis?' sprach ich, 'owe!' 



9223. ingeworffen Worten Übers, von inter- 
jeetion. 

9229. Orig.: En tme plaine. 



9231. I. Hein stein u. gr. ? (S.). 
9236. hinter mich schwarz gestr. nit. 



vor 9231 Bild (77) mit Nebenschrift rechts: Die ldrche bij dem schachzahelspiele. linJcs 
eine sweüürmige Kirche, rechts ein Schachbrett. 



204 Auf Geheiß der Habgier untergraben die Schachfiguren das Fundament der Kirche. 



Da ich das also gesach, 
Zu ir ich da sprach: 
'Was sehen ich? ich hin sere er- 

f eret : 
Ist dis draimi odir also vermeret, 
9255 Odir sint is driegerien? 
[5Si»]ist das das gesehen 

Davon du mir hast gesagt? 
Ja siehe]-, es ist davon ich hau 

gesait : 
Es ist ach und we hit eynander, 
9260 Die zwene infeile hij einander, 
Da inne nit ist dan übel ge- 
fallen.' 
Das aldewip sprach zu mir da: 
'Sicherlich, es ist das ich dir han 

gesagt. 
Siech da den konnig von dem 

schachzabel 
9265 Und sine räch und ritter aber; 
Die hant alle yre gesatzete stat 
In dem spiele, wo ieclicher hin 

gat 
Und war ieclicher geordenieret 

ist. 
Ieclicher hette genug mit siner 
gulte da er heym ist, 
9270 Were ich nit, aen vorter zu 

suchen 
Ander gut; aber ich mag is nit 

gelyden 
Daz sij genug haben aen vorter 
griffen. 
[385'-] Dar umb ich sij zu dem munster 

schicken, 



Das bij yrem schachzabel ist er- 

qwicket, 
9275 Da inne faste zu fuedern, 
Zu nemen, zu stelen an yren 

güdern. 
Dem konnige, der die monster 

stiften sal, 

Sij beschirmen und regieren sal, 

Han ich geben getzug eren vol, 

9280 Das er da mit gebur arbeit dun 

sol, 
Das ist eins bischoffes stab, 
Das er dar uß hauwe und spade 
gemachet hab. 
Bischoffs stab ist erelich, 
Aber dem konnige ist streffelich 
9285 Zu graben mit dem hauwel 
Und dem fondement zu under- 

graben sere 
Die sine altern gestifftet hant 
Und ander edel hern mit ge- 

buwet hant. 
G-ebure er wirt wann er machet 

hauwel 
[285«] Und auch da mit get hauwen 
9291 Von dem stabe der da kromp 

wirt, 
Da mit die heilige kireke uffge- 

halden wirt. 
Gebur ist auch worden der ge- 

hornete, 
Das er sinen stab, der also ge- 

krommete 
9295 Und da mit sine kirche gehant- 
habet ist 



9258. h läßt hiermit das alte Weib schon 
antworten (Ja sicher, sprach sye, is ist da 
von ...), wie man bei dem ich han gesait auch 
erwartet. Aber dann passen v. 9262 /f'. (so auch 
in h) doch nicht mehrt Orig. (9197/8): 
Ce est, a certes, voirement 
(O'est) heu et ve conjoinetement. 



Vielleicht empfiehlt es sich, 9258 ich han in du 
hast zu ändern. Oder Teönnte der Tilger mit 
diesen Worten auf sein owe! (9250) zunick- 
weisen? 

9266. das tz in gesatzete üb. gestr. g(?). 

9286. I. den? 



Der König voran, ihm nach die Türme und Bauern. 



205 



Und von des wegen er faste ge- 

eret ist, 
Dem gibt der eine schuppe dar 
uß macht 
Und hauwe, das er da mit ent- 

macht 
Sine kirche und hat geworffen 
nider, 
9300 Umb das sij stet bij dem schach- 
zabel syder. 
Der eine ist gebure und der 

ander noch me, 
Aber ich sage nit welicher sij 

me. 
Der konnig helt hauwel und 

schuppe und grebet, 
Da mit die heilige kirche ist 
verderbet; 
9305 Und gibt yme der gehornete den 

getzug dar zu, 
Wann er yme sinen zehenden 

gibt odir verlihet dar zu; 
[286 *■] Sine krücke und sinen stab er 

yme verlihet. 
So er yme die kirche übergäbet. 
Davon hait zu zyden gesagt me 
9310 Jheremias, und er sere schree; 
Wan er gesach daz man unreyni- 

keit 
Bij die kirche drug odir leyt, 
Odir das man dar nach grübe 
Das die kirche verlor yre gäbe, 
9315 Ire zehenden und yren behulff, 
Odir daz ir nit wart zu recht 

gehulff, 
Da sprach er sich mit verwun- 
dern 
In yme und auch swerlich cla- 
gende 



Wie is queme daz jungfrauwe 
und magt, 
9320 Das die ist worden zinßhafftig: 
"Were ist gewest also gedorstig 
Der also hait getaen dis?" 
Becht als obe er sagen wolde 
Das schrien dar zu gehöret wol. 
[SSßv] Nu schrie sere und mache groß 

leit! 
9326 Als ich dir dan vor han geseit, 
Die kirche ist alle undergraben; 
Is bristet wenig sij sie zumal 

undergraben. 
Sij zu stören leget yeclicher 
handt zu, 
9330 Die roch und vennen auch dar 

zu, 
Der gantze schachzabel dem 

konnige folget nach; 
Aber was sij dunt, daz dunt sij 

durch mich auch. 
Ich heißen sij dun daz sij dunde 

sint; 
Dann sij lange myne Schüler ge- 
west sint. 
9335 Scharffikeit hait wieder roch 

noch konnige 
Sij sien mir dann alle under- 

tenige. 
Sij studieren alle in myner 

konst 
Spade und frfte durch mynen 

gonst. 
Wiltu mir des nit wol geleuben, 
9340 Jheremias bewijset is in sinen 

sehs deylen.' 
Sere erferet sprach ich zu yr: 
'Unlidig machest du mich so du 
nit sagest mir 



9310. Lament. Jerem. 1, 1. 
9332. auch zugeschr. 



9334. das le in schuler auf Basur. 
9340. Proph. Jerem. 6, 13. 



206 



Habgier gibt nähere Aufklärung über ihre Natur. 



[■SS?''] Wer du sijst; dan ich dich nit 

sehen in solicher acht 
Das du habest eyniche grosse 
macht. 
9345 Du bist arnielich gecleydet 
Und nit wol bereydet, 
"Widermachte, gedreget und hobe- 
recht, 
Wider naturen willen geborn 

und verkeret, 
Als ich gleuben und vor han ge- 
dacht. 
9350 Wie mastu das nu han gesagt? 
Wie mochte ich herschafft und 
macht han 
über konnig und grefen, ich 

were dann 
Und müste yre frauwe sin, 
Die selben die nu geborn sin 
9355 Von der nature und edelich ge- 
born ? 
Dar uinb han ich sij usser- 
korn.' — 
'Und ich wil dir sagen daz ich 
bin die 
Die das gelucke eindeil hait 

hie, 
Und ich fugen den luden glucke 
zu 
9360 Wann ich wil, und machen mich 

dar zu 
[5S7»]Wol gef ellig wann ich is dun 

wil, 
Lieblich und zu willen viel; 
Wann ich bin liep gehabt und is 
mir gefellet wol, 



Me dann ich heissen, ist getaen 

wol. 
9365 Ich glucken graffen und her- 

tzogen, 
Konnigen, fürsten und frouwen; 
Ir en ist keins aen allen spot, 
Sij müssen alle dun myn gebot. 
Ich bin Besaehis dochter 
9370 A-pemen, bij der 

Sich hait gesetzet der konnig 

Der da lachete nit 

Ich lachte ime dann vor, 

Und trurig ist wann ich yme nit 

gen vor, 
9375 Und der auch da bij lydet wol 
Das ich yme sine kröne 
Abe duhe und er mir sij gebe 

schone. 
Also findest du das beschrieben 
In dem zweyten buche Esdre 

eben. 
[S88>-] Der konnig hatte zu zyden eine 

frundynne, 
9381 Die lange zijt bij yme inne 
Und in siner geselleschafft was, 
Und das sij yme so sere lieb was 
Das er ir gab allen sinen schätz, 
9385 Zu deyleu den armen Mildern 

bas 
Und auch den geistlichen lüden. 
Frywillig was sij genant 
Und was vor zijden wol bekant; 
Die die der konnig sere lieb 

hatte, 
9390 Und sij sine ere warb, wo sij 

mochte; 



9351 ff. Man erwartet Wie mochtest du . . . 
du weres . . . raüstes . . . hast du sij ; so auch h. 

9364. Orig.: Plus tost ce que Cominande 
est fait. 

9369. besathis. 

9370. Apemen n. Orig.; vnd pemens Hs., 



permens h. 

9379. vielmehr III. Esär. 4, 39—31. 

9381. inne sugeschr. 

9385. bas mgeschr. 

9390. ere noch einmal übergeschr. üb. un- 
deutliches ere. 



Sie erzalüt, wie sie Könige und Fürsten beglücM. 



207 



Des Schatzes des konniges gab 
sij so viel 
Das dem konnige davon wart 

eren viel; 
Und erwarb ere und pris da mit 
Und was doch sin schätz de 

kleiner nit, 
9395 Sonder er was vil me 
Und wart ye grosser ee. 
Als das körn das da geseget ist, 
[5SS"]Me nutzes bringet dan das uff 

dem spicher ist, 
Also ist das gut daz gegeben 
wirt, 
9400 Viel besser dann das beslossen 

wirt. 
Nu sage ich dir, da ich die 
also gesag, 
Das der konnig von ir also ge- 
eret wart, 
Ich bedachte mich wie is zu dun 

dochte 
Daz ich yme solichs in allen weg 
abetziehen mochte: 
9405 Ich det yme also als ich ge- 
dachte. 
In des konniges kammer ich 

mich machte; 
Ich det so viel mit myner konst 

fyn 
Das der portener mich ließ dar 

in. 
Bij des konniges bette gieng ich, 
9410 Sine frundynne bij yme fant ich. 
Ich stale yme den undertzug, 
Uß der kammer ich den drug, 
Mit eyme slussel ich sij in ge- 

fengniß lachte, 



Da sij noch ist und beliben muß 
in achte. 
9415 Dar nach gieng ich in des 

konnigs bette 
[5S9>] Und lachte mich in die kammer 

herte. 
Ich wonde ich solde sine frun- 
dynne sin, 
Mich duchte nit daz is mochte 

sin. 
Ich verdorte yn und bedrog 
9420 Und was sine schatzhelderynne 

genog. 
Ich huden yme allen sinen 
schätz, 
Alle sin silber und sinen golt 

satz. 
Er wenet ich duhe yme ere, 
Ich dun yme aber groß unere; 
9425 Das dun ich yme so lange ich 

leben, 
Bis das er mich dut sine frun- 
dynne werden. 
Keine vermereter frundynne 

mochte er nit han, 
Und kerte er alles sin gut dar 
an. 
Wiltu wissen myne gebürt, 
9430 Wannen ich bin, und mynen 

namen kurtz, 
Du salt wissen das ich geborn 

bin 
In dem hellischen bruche und 

dar uß kommen bin. 
[SS9»]Der Sathanas hat mich da ge- 
born 
Und von dannen biß her ußer- 
korn 



9399. das z in daz verschnörkelt, aus 
andern Buchstaben korr. 

9411. h: joli stale ym syn f rundin. 



9417. Man erwartet Er wonde (wände) ; so 
auch h. 

9429. Initiale schwarz m. roter Ausfüllung. 



208 



Bei ihren Ausführungen nennt Habgier jetzt auch ihren Namen. 



9435 In die weiiet, da ich bin ge- 

tzogen: 
Da komme icli her uß geflogen. 
Ettliche nennent mich Begyre- 

■keit, 
Etliche andern mich nennent 

Gridikeit. 
Begyrikeit hin ich genant 
9440 Umb das ich eins andern gnds 

begern zu hant. 
Gridikeit heisse ich auch 
Umb das ich myn gut zu ge- 

nauwe hüden auch. 
Nenne mich also, obe du wilt, 
Und sal dich nit wondern viel 
9445 Das du mich sijhst also zurryssen, 
Übel gecleidet und verbfissen! 
Du salt "wissen daz ich mit dem 
myme mir 
Nummer kein gut dun selber mir, 
Umb daz mich des duret so sere. 
[290 >■] Ich hau kleider genug an zu dun 

mere, 
9451 Aber ich ließe sij ee verfulen 
Und die wurme essen mit yren 

mulen 
Das ich odir ein ander da mit 

werde erfrauwet. 
Ich kette guder frunde genug 
9455 Mochte ich gedeylen mit gefug 
Das myne, das mir zu nychte 

dienet. 
Da mit geliche ich dem honde 

der da grinet 
Und der uff eyner mysten liget: 
Wann yn yemans an rüret, . 
9460 So bildet er yn an mit schrien, 
Wie wol er nit isset an bryen. 
Ich hau hende genug zu nemen, 



Aber ich enhan keyne zu geben. 
Die hende die gabent, sint ge- 

hauwen abe, 
9465 Und von yren stumpen getaen 

abe; 
Du sijhst das ich nit dan die 

stunipe han. 
Er ist ein dore der mir gäbe 

fordert an. 
[290 "] Ich suchen nit me dan zu huffen 

phennige, 
Es ist myn hantwerck und myn 
ampt enwenig. 
9470 Sehs hende han ich zu krapeln 
In sehs wege und mit zu 

stechein, 
Umb die in mynen sack zu 
stossen, 
Mynen sack zu füllen und mich 

zu laden, 
Uff das, obe Ich falle nyder, 
9475 Das ich nit möge uffgestaen 

wyder. 
So ich me han, so ich me han 

wil; 
Nit zu erfüllen ist myn wille; 
Myn gedencke und myn be- 
gerden 
Mogent nit erfüllet werden. 
9480 Ich bin der grosse goffer von 

dem mer, 
Der is in nymmet alles und nit 

wirffet wider, 

Der alles innymmet und ver- 

slyndet 

Und nit widergibt odir ußget. 

Ich laden und besweren mich 

9485 Mit dem metal der so sere wiget, 

glich; 



9464. hint. sint gestr. ab (begonnenes abe). 



9481. das r in Der üb. unterpunMiertem s. 
in übergeschr. 



Habgier hat seclis Hände. Von der ersten Hand (Raub). 



209 



[291'-] X) as i s t von golde ein ploch, das 

ich 
Daune hencken an mich, 
Das man mir ruffe bij das rechte. 
Ich glichen dem äffen der das 
ploch füret 
9490 Und das tynset und hüdet: 
Also hüden ich myn ploch; 
Aber is hudet mich viel baß 

noch, 
Das ich nit hohe uffstige und 

ghee, 
Und zuget mich nyder und wiget 
me. 
9495 An Judas, der dinen konnig ver- 

riedt, 
Ich yme zu zijden daz ploch ane- 

hieng ; 
In sine budel und in sine secke 
Lachte ich so viel der ploecke 
Das er von hohe her abe nider 
viel: 
9500 Schemelich det ich yn umb fallen 
Und in die dieffen helle fallen. 
Nu wil ich dir sagen von 

mynen henden, 
Da mit ich den metal zu samen 
brengen 
[59i»]Und erkr atzen, als ich dir han 

gesait. 
9505 Böser hende nie kein man ge- 
sehen hait, 
Als ich meyne, noch könne fyn- 

den: 
Das saltu zu hant balde genug 

befinden. 
Die erste, die gewappent ist, 



Griffen clae sij genant ist, 
9510 Baub, der sich edel machet 
Und sprichet in sinen sachen 
Er muße sine weyde suchen 
Und nemen wo er is findet, aen 

rüchen, 
Es sij yme alles wiltfang; 
9515 Dar umb gheet er manichen 

ganck 
In die boesche und anderswo 

hien 
Zu berauben die arme pilgerin 
Und sij dot slaen uff den wegen. 
"Ich han", spricht sij, "nagel die 

sint kromp; 
9520 Ich bin edel, dar umb mir nit 

sont 
Nyemans versagen daz ich wil 

han. 
[292>-] Der das nit endede, 

Zu stunt ich der name neme, 
Wo ich die fonde und bij mochte 

sin. 
9525 Wer dar umb zürnet, es ist alles 

myn." 
Also bringet sij sich hin und 

füret 
Und dut viel ubels unverduret. 
Es ist die hant des hocks, die da 

zucket 
Die hunckeln und sij begriffet 

und plucket. 
9530 Sij nymmet karrich und phert 
Und allen andern wert, 
Alle proveancen die die lüde 

hant gemacht 
Vor sich zu brachen, und geacht. 



9495. An üb. gestr. von {?). 
9512. weyde üb. gestr. wytde (?). 
9520. Zu sont vgl. Weinhold 2 §411. 

.Deutsche Texte des Mittelalters. IXXV, 



9521. vor dz gestr. ich. 

9528. die hant eingefügt n. Orig. u. h. 

9529. vnd plucket mgeschr. 

U 



210 



Von der zweiten Hand der Habgier (Diebstahl). 



Obe ein arman iclit behalden 
hait, 
9535 Es sij ochsse, swin odir waz er 

hait, 
Das nynrmet sij und achtet nit 
Das der arme mentsch sinen 

rock vergit 
Und vor sine lebetzucht ver- 
keiltet, 
Odir wie sich daz vort verteuflet: 
9540 Da fraget sij alles nit nach me, 
[292«] Das nit dann ire wille follenghee. 
Mit der handt ich snyden und 
büssen, 
Und mit dem snyden ich griffen 
zu müssen; 
Mit dem scheren und dem be- 
snyden 
9545 Schinden ichs alles und laßen nit 

erkyden. 
Ich dun als der froesche dut; 
Dann wan er fuelet daz er in 

sinen mont dut, 
Und so lange er einen weichen 

morsel dar an hat, 
Als an einer fliegen er süget, 
9550 In sich nymmet und plucket. 
Die hant ist eine schynderynne 
Der armen und pluckerynne. 
Sij suchet daz haer uff der hüde, 
Das sij desta me neme und füre 
myde ; 
9555 Und wann sij also sint geschynt, 
Die armen lüde, und verderbet 

sint 
Und yn das hertze ist ußgesogen, 



Das yre zu male geuommen und 
abe getzogen, 
[293r] Der da waente zu leben fynden, 
9560 Den mochte man wol achten zu 

den kynden, 
Und det sich vor eynen dore 
halden. 
Also meyne ich dich auch zu 

halden 
Und von dir myne ußgeben 

machen, 
Din weich fleisch und blut uß- 
sugen ; 
9565 Dann mustu leben nach myner 

fugen. 
Aber ee von den andern funff 

henden 
Sage ich dir, als ich dir vor ge- 
sagt han, behende. 
Die ander handt, die ich dra- 
gen binden 
An dem rucke und nit gerne 

laßen befynden, 
9570 Das ist die hant da mit ich 

heymelich 
Golt und silber ziehen an mich, 
Da mit ich ander lüde gut 

ziehen zu mir, 
Verborgen mit uffelicher begir. 
Es ist die handt die den hals 
strecken 
9575 Dut und oren abe recken. 
[293"] Snydebudel ist sij genant sere 
Und diebstal die vermerete sere. 
Es ist die hant dar zu ich nit 

darff heischen 



9553. uff] Orig.: souz. 
9558. Das yre übergesclir. 
[9558.] Kustode unten auf Bl. 292 v 
da waente zu. ' 



der 



9560. Den üb. gestr. die. 
übergesclir. 

9567. vor übergesclir. 

9568. handt aus hant. 



den liint. zu 



Von der zweiten Hand der Habgier. 



211 



Einen hentschue, sij da mit zu 
kleiden, 
9580 Die sich nit lat sehen dan mit 

der nacht 
Und so der maen nit schynet in 
der nacht. 
Kromme nagel hait sij, als die 

ander hait; 
Dann sij krapet auch, so sij yre 

zijt hait, 
So viel odir me als die ander 
dut; 
9585 Dan- sij so viel fordeils da mit 

dut 
Das yr zu ziehen nit kommet zu 
bekentenisse so viel 
Als der andern, davon kommet 
leides viel. 
Es sint nu viel der krepper 
Umb den konnig und der nemer 
9590 Und auch zücker; wurden sij be- 

kant, 
Sij würden absolviert vom 

konnige zu hant. 

Die lüde dunt yn gedencken nach 

anderm gude, 

Umb daz er des sinen nit mag 

gemessen mit fuge. 

[294>-] Die handt ist eine loch nrache- 

rynne 
9595 Der hüser und entdeckerynne, 
Der kisten eine brecherynne 
Und der gülden eine nagerynne, 
Eyne widerstellerynne der 

falschen sigel 
Und der selben eine graberynne 
da bij 
9600 Und des geldes myssereicherynne 
Und porteneryune, slegerynne. 



Diese hant die doden beraubet 
Und flüstern und düren beslossen 

heldet, 
Bis das sij hait erkratzet 
9605 Das sij wolde, und in gesacket. 
Sij ist ußdregerynne 
Des uberigen und ußgeberynne; 
Ich sage dir das ich da mit an 

mich ziehen 
Das aller beste und das erkrapen, 

aen liegen. 
9610 Der hende halp sint nit ußge- 

sondert 
[294"] Die mit der nacht hant geplün- 
dert ; 
Falsche forster, die mit zu 

hellent 
Zu solicher dait und sich ge- 

sellent ; 
Falsche knechte und lüde die un- 

getruwelich 
9615 Dienent und die da arbeitent 

feischlich ; 
Muller die uberfullent yre maß 
Und nement das aen und erlaß; 
Falsche snider und ander lüde 

me, 
Die von ander lüde gut nement 

ee 
9620 Und nement das so follenclich 
Als obe is were ir eigen gelich: 
Die handt selbs mochte sij 

hencken, 
Aber sij wollent sich nit dar 

nach bedencken. 
Zum lesten aen alle wencken 
9625 So dun ich sij doch selber 

hencken, 
Als ich ettwie manichen man 



9598. Eyne aus Eine. 



9622. handt aus hant. 



14* 



212 



Von der dritten Hand der Habgier (Wucher). 



Und viel andern gehangen han.' 
[S9S>-] 'Wie', sprach ich, 'bist du eine 

henckerynne?' 
'Ja ich, sicher!', sprach die du- 
belynne. 
9630 "Trahekeif, sprach ich, 'hat mir 

gesagt 
Das sij eine sij, das mir nit wol 
behagt.' — 
'Sij ist eine vor waer sicherlich, 
Das rüret die sele alleine; aber 

ich 
Bin eine über sele und lip.' — 
9635 'Nu sage^mir uff dinen lip: 
Wer Meng den körper Judas, 
Du oder sij? nit verhele mir 
das!' — 
'Ich sagen dir bij Got 
Das wir alle beide aen spot 
9640 Tme daz seil gemein andadent 

und yn iiengent 
Und yn mit gemeyner handt 

Mengen! 
Aber hette die handt geholfen 

Mt, 
Trahekeit hette yn mögen nit 
Nummer me uffgetzogen han; 
9645 Dan der lip zu sere wigete dran, 
[595»] Und das gehört ir nit zu; 

Und dar umb zu aller erste nu 
Det myn handt das er wart ge- 
hangen. 
Dar umb laß dich nit dar nach 
verlangen 
9650 Und hüde dich vor solicher 

handt! 
Dann sij die Mnderste hude inne- 
hant ; 



Sij fahet die lüde subtilen dich, 
Und dar nach wann sij wilt, 

hencket sij die glich. 
Von der handt die die fyle 
heldt, 
9655 Wil ich dir sagen; dann is mir 

gefeit : 
Es ist die handt da mit ich 
hufein, 
übereinander legen und sammeln 
Das ein ander erarbeidet hait 
Und mit syme sweiße gekaufft 
hait. 
9660 Sij ist gemacht wider nature 

sere ; 
Dann zu allen zijden dut sij nit 

mere 
Dann daz sij kupper und isen 

verbirget sere 
Ander armelude zu bedriegen. 
[396'-] Anderhende dunt is abenemen, 
9665 Mit anruren sij das benemen; 
Aber die handt dut is zu nemen 
Und wilt sich des zu mal nit 
Schemen, 
Is sij Naturen lieb odir leyt. 
Mit beheudikeit und zauberige 

sij das deit, 
9670 Und mit konst sij das verwan- 
deln deit 
Und machet dar uß phennige 

viel. 
Da mit dut sij was sij wil, 
Und machet ein grosses nies; 
Sij machet auch uß drien sehs. 
9675 Sij leget haffern uff den spicher 
Und beidet bis das er wirdet 
düre; 



9628. Initiale schwäre mit roter Füllung. 
9641. 42. handt aus haut. 
9654. 56. handt aus hant. 



9662. dz üiergeschr. 
9666. handt aus hant. 



Von der dritten Hand der Habgier. 



213 



So verkeuffet sij den zweyfaltig 
Und nymmet betzalonge dryfaltig. 
Sij heldet eine fyle da mit zu 
fylen 
9680 Ander gut und das zu stören; 
Wenig und wenig sij das rüret 
Und alles yetzu sere naget 
[296"] Wann sij also wieder und vor 

get. 
Es ist nutschit das vor ir belibet; 
9685 Dann sij is mit der rede zu ir 

zuhet. 
Wucher ist sij genant; 
Zu ir ist der weg genge und be- 

kant 
Von dem der sij also übet; 
Dann wer sij sine zijt in den 
alder übet, 
9690 So ist is sine gewonheit. 

Were is nit so groß von gewon- 

heide, 
Yederrnan hette sin die leyde. 
Aber sij ist so gar gewoMich 

genant 
Das sij dem gemeynen mann ist 
bekant : 
9695 Es ist kein scholtheiße noch 

meiger 
Der dar wieder rede sere.' 
'Sage mir', sprach ich, 'von der 
wagen 
Da mit du so wigest mit bagen 
Des hiemels kreiß und die sonne; 
9700 Dan is ist eine sache die mich 

wondert ! ' 
[397*-] 'Lere', sprach sij, 'und verstaut 

wol mit, 
Ich wil dir zu male liegen nit! 



Gotts Gnade hat zu zijden gesagt 
Umb den zierckel und dar an 

gelacht 
9705 Die sonne zu Iuchten iederman 

fin 
Und der werlde gemein zu sin. 
Sij wolde daz yederrnan sij ge- 
mein hette 
Und das ir nyemans bresten . 

hette. 
Nu sage ich dir das mir daz 

missefiel 
9710 Umb mynen nutz, des ich dar an 

nit hatte viel; 
Dann ich sehen wol, hette ich nit 
Zu etlichen malen die zijt 
In myner handt und nach myner 

gewalt 
Und mich dar nach nit recht 

gestalt, 
9715 So mochte ich gar wemg ylen 
Und mit myner ijlea fylen. 
Dar umb machte ich mich dar 

bij eigenclich 
Bij den zierckel und erwarp 

gelich 
[397"] Den zierckel und sonne, daz sij 

weren myn 
9720 Und das ich da were eine wige- 

rynn 
Und durch mynen ubermut ver- 

keufferynne. 
Ich verkeuffen sij mit dagen und 

mit wochen, 
Mit viertzehen dagen und vier- 

wochen, 
Mit maenden und mit gantzen 

jaren; 



9696. rede üb. gestr. sij. 
9703. gesagt = gesaohet. 



9713. handt aus hant. 



214 



Von der dritten Hand der Habgier. 



9725 Das pliont geben ich vor xx $ 
. zware, 
Den maent unib ix Schillinge 

odir zehen 
Und die woche umb iii Schillinge 
odir zwene. 
Dar nach das ieclicher wilt 
nenien, 
Dar nach ich is auch wigen und 
geben.' 
9730 'Nu sage mir', sprach ich, 
'Als ich dich fragen, des bijden 

ich dich, 
Von dem holtzmanne der mir 

verkaufte 
Zu einer zijt holtz in sinem 

boesch und sagete: 
"Das holtz ist din, gibestu mir 
daz gelt bare, 
9735 Umb xxx Schillinge; wiltu aber 
betzalen zu jare, 
So saltu is umb viertzig Schil- 
linge hau", 
[598'*] Das ich dar an möge wissen han 
Obe der zierckel das wigete und 
also verkeuffte.' 
'Davon', sprach sij, 'wil ich dir 
die leuffte, 
9740 Als ich davon me han gehört, 

san: 
Vor zijden die holtzlude ver- 
kauft hant 
Vre holtz über fuß und sprachent 

da: 
"Wollent ir myn holtz han, 
So viel sollet ir mir ietz geben 
davan ; 
9745 Wollent ir aber beyden zu be- 
tzalen bis jaer, 



So muß ichs dürer geben zwaer; 
Dan dis jare wüsse myn holtz 

me 
Und nmste dan auch gelden me." 
Hait er dir das holtz also ver- 
kaufet, 
9750 So düncket mich das er die zijt - 
nit gewiget hait. 
Aber was das holtz abe und ge- 
worfen nyder, 
Gekürtzet und gehauwen syder, 
So hait er dir die zijt gewigen. 
Von der Sachen die sich nit mag 
gemeren 
[598 •>] Noch groesser odir besser werden, 
9756 Wann sij na der langen zijt ver- 
kauft ist, 
Dan der zierckel sere gewiget 

ist. 
, Aber wann eine sache von ir 

selbs 
Sich mag bessern und sich 

bessert alles, 
9760 So meynen und gleuben ich 
Daz die besseronge sij gewiget 

alleine gelich.' — 
'Die holtzlude verkeufent nit me 
Das holtz das is uf dem stocke 

stee, 
Es muß vor langer zijt da lygen 
9765 Das sij das verkeuffen und wigen, 
Und machent is doch faste dure 
So sij nit betzalt werdent bare 

hure.' 
Vort antwerte sij mir und 

sprach : 
'Ich muß dir sagen was mir lach 
9770 Uf dem hertzen, is gelde odir 

nit gelde: 



9725. •xx- deiiiers Orig. I. zvjare? vgl 
9735 (JB.). 



9757. ziereke. 



Von der vierten Hand der Habgier (Bettelei). 



215 



Wo die holtzlude das holtz vor 

nit hiewent 
Odir das vor nit verkeufftent 
[299 >■] Ee die keufer selbs zu yn 

qwement, 
Sere lange sij beyden mustent 
9775 Ee sij yr holtz verkeuffen moch- 
ten! 
Die kaufflude, wann sij sekent 
Das die holtzer nit gehauwen 

werent, 
So sprechen sij: "is wirt uns zu 

lang, 
Wir gen vort unsern gang!" 
9780 Dar umb und umb ir beider nutz 
Meyne ich is sij geordent alsus 
Das man das holtz vor und ee 

abe sal hauwen 
Dann is die kaufflude sohlen be- 

schauwen, 
Und sij is deden recht stellen, 
9785 Recht behauwen odir feilen. 
Is was eine gude ordenonge 
Und eine große furderonge 
Die buweholtz haben woltent 
Odir berreholtz bedurffen soltent. 
9790 Dar umb sollent die nit verlieren 
[299 »] Die die andern da mit wollen 

eren. 
Obe sij is deden vor andern 
hauwen, 
Holtz das wol grosser were wor- 
den, 



Ich gleuben wol, verkeufften sij 
das im jare, 
9795 Das sij dar an nit übel deden 

zware, 
Doch also das er nit gedencke 

da bij 
Eynichen bedrog odir driegerie; 
Dan da mit so verkeuffte er 
Den zierckel und wigete den. 
9800 Und villichte etliche da mit 

umbgant, 
Aber sij das verdecket dont, 
Umb das is gewonlich ist 
• Und das die gewonheit beweret 

ist. 
Nu verstaut und lege is uß aen 
nöse, 
9805 Als du wilt, den text und glose! 
Von der ander handt mit der 
schusseln 
Wil ich dich ander mer lassen 

versten : 
Diese handt ist genant lichte 
dorheit 
[300 <■] Odir auch rechte fulheit. 
9810 Ettliche sij nenneut wynnebrot, 
Wie wol sij baß gewönne ir 

brot, 
Und die die doch heisset durch 

G-ot 
Und wilt an keynen enden be- 
tzalen 
Was sij vertzert und dut holen, 



9789. berrekoltz üb. gestr. buweholtz (?). 
I bernekoltz P (B.). 

9794. Nach dem Orig. gehört im jare viel- 
mehr zu dem Belativsatg V. 9793 : Lenr bois qui 
mont fast amende dedens I an. 

9806. 08. handt aus hant. 

Nach 9811 sind 4 Verse des Orig. (9729 
— 32) wohl mit Absicht übergangen, die in h 



übersetzt sind. Sie lauten dort einschließlich 
der 2 vorhergehenden Zeilen: Etlich nennet sie 
winebrot vnd eyn deyle üSbroit. Is ist die die 
snel antworten, vnd die sich duncket alß abe 
sie nust gewynne niocht in iren sack, vnd 
die die doch heißet vmb gotez willen vnd wil 
an keynen enden bezallen . . . 
9812. heisset = heischet. 



216 



Von der vierten Sand der Habgier. 



9815 Und achtet nit wieder zu ver- 
meiden 
Das gut das ir dan wirt gegeben. 
Mit der schusseln sij das heischet 
Und ir leben da mit schemelich 
verwüstet, 
Wie wol sij das wol besserte 
9820 Und sich mit yren henden ar- 

bette. 
Es ist die die sich büsset 
Und die sich also verkluttert: 
Sij kann nicht machen dan 

placken 
Und paltenerie von alten secken 
9825 Und die zu phingesten dragen 
Und sich bij den hecken kratzen 

und nagen. 
[300v] Si j Hlret mic]l uff die inerte 

wegen 
Da hin die pilgerin zu gan plegen, 
Da grosse hern hien sollen vor 

rijden, 
9830 Das sij yre almuse gheen mir nit 

vermyden. 
Uff das sij me bedure myn 
Dan yn ir gut möge lieb gesin, 
Und das sij mir desta lieber- 
geben, 
Sij stellet mich uff ein viel 

armer leben 
9835 Und viel krancker dann ich bin, 
Odir viel armer dann ich könne 

gesin. 
Und da mit wil ich dir sagen me 
Daz sij mich mit konst verstellet 

me 
Henden und fußen vertzogen 
9840 Und macht daz ich gan gebogen 
Mit eyme stabe gar vaste domp 



Und sprechen: "aen we, wie bin 
ich so kramp!" 
Und das ich dicke wurde ge- 
sediget, 
Und wo mir dann nit wurde ge- 
geben, 
[30ir] Das ich dan fluche heymlich odir 

uberlute 
9846 Den odir dem die mir nit gebent 

hüte. 
Die hant entlehent dicke 
Als die edel lüde dunt dicke 
So sij ire hentschoe ußziehent 
9850 Und die geistlichen bij sich 

ziehent ; 
So sij wollen da mit fulheit dri- 

ben, 
So streckent sij yre hende den 

geistlichen dar 
Und gebent yn doch nit viel 

gaben zwar, 
Dan sij heischent yn und spre- 
chent : 
9855 "Wilkomme, lieber herre, wo ist 
daz ir mir brengent? 
Brengent ir mir einen hudt? 
Brengent ir nit myme fogel ein 
hübe gut? 
Ich muß ein langflssel dar zu 

han; 
Einen undergurtel sollet ir mir 
geben, 
9860 Der kommet mir zu eyme hals 

baut eben! 
Uwer kese muß ich auch ein deil 

han, 
Und des wil ich uch nit eiian, 
[301 »J Und ir haut auch ein aide wisse 

kappe, 



9832. Dan Hühner, Das Hs. 
9842. I. auwe? Orig.: ha las (B.). 



9858. hint. ein gestr. ha. 



Von der fünften Hand der Habgier (Simonie). 



217 



Dar nach muß ich auch ge- 

dencken und snappen; 
9865 Ich muß davon einen underrock 

machen 
Myner kammermagt, die wirt 

sin lachen. 
Lyhent mir einen dag einen 
dreger! 
Ich muß auch haben ein phert 
Mir zu ryden einen dag odir 
zwene. 
9870 Einen karrich sollent ir mir 

auch lyhen, 
Da mit ich myn holtz duhe 

füren bij myn huß, 
Uff das is nit belibe den winter 

uß. 
Auch muß ich myne fehle dun 

sehen 
Odir myne wiesen dun mehen. 
9875 Zu mynen felden sollet ir mir 

lyhen 
Zwene gude pluge odir dryge, 
Das ich sij möge dun eren! 
Ich wil sij uch dun wiederkeren 
Bynnen viertzehen dagen odir 

vier wochen, 
9880 Da bynnen ist das körn be- 

rochen." 
[302r] Also behelffent sij sich mit 

myner handt 
Und gelebent von eyme andern 

zu hant 

Das yre also da mit zu ersparen, 

Ire seien da mit zuvergessen und 

nit bewaren, 

9885 Und hant doch suß genug follec- 

lich 



Und gedenckent da bij nutschit 

gelich 
Das die armenlude die den 

clostern zu gehorent, 
Nit anders haben dann is yn zu 

gehöret. 
So du wol hast gesehen, obe du 
wilt, 
9890 Wann yn das sij heischen, nit 

enwirt, 
Dann nement sij is nit vor gut; 
Dan sij hant is vor gar groß 

ungut 
Und hassent dar umb die in dem 

huse. 
Nu besiech obe sij mich nit lieb 
haben 
9895 Die ich die schussel also dun 

dragen : 
Es ist eine nuwe wijse erdacht 
Das die edeln in solicher wijse 
und acht 
Yre brot und vorteil also suchen 
[302 v] Und des adels nit me enrüchen, 
9900 Und ist so underdennig worden 
Mir aldem wibe, die grae ist von 
sorgen.' 
'Von der handt', sprach ich, 

'mit dem krapen 
Saltu mir gar einwenig sagen, 
(Dan mir von dieser wol ge- 
nüget,) 
9905 Wie is sich doch mit dieser 

füget.' 
Da antwerte sij mir und sprach: 
'Ich sagen dir als ich sach: 
Die handt mit dem krapen ge- 
fischet wart 



hint. So gestr. nemet. 
9894. nit übergeschr. 



9895. Die üb. gestr. den. 
9902. 08. handt ans hant. 



218 



Von der fünften Hand der Habgier. 



Zu zijden in der keltischen art. 
9910 SymonMagus und Esy 
Die hant mir bracht sy 
Her und schencketen mir die; 
Aber den krapen gab ir Symont 

hie 
Von sinre ersten figuren: 
9915 Sins namen wilt yn nit duren, 
Er machte sij des heubt- 

menn«/nne. 
[303»'] Als ein krape ist sij gesynnet, 
Du weist wol: ■!■ ist sij genant; 
Si ist kromp als ein krappe be- 

kant. 
9920 Die knicke und das ■£■ 

Bewisent das ich bin eptisse. 
Aber is ist von einer swartzen 

eptigen, 
Da nyemans gut leben mag ge- 

dyhen. 
Under der krucken ist der Sy- 
mont; 
9925 Dar umb wisse das die handt 
Gar recht ist symonie genant. 
Es ist eine handt die innfüret 
Und auch treffelich berüret 
In das huß Jhesu Crist 
9930 Und mit falschen zappen manich 
loch dar in bricht, 
Schecher und diebe dar inn zu 

gaen 
Da durch und die duren besloßen 

laen; 
Und wann sij die dar in hait 

gefurt 
Und sij mit myme krappen hat 

berurt, 



[303»] Da mit krappet sij yre gedaet. 
9936 Pastore und hierten das sint die 
Die da mit durchgant und dunt 
so viel hie 
Das man sij solde billicher 

heissen wolffe 
Dan man sij scheffer odir pastore 
nennen solde. 
9940 Mit yren krappen sij mit gewalt 

ufi leckent 
Gots Gnade und sij an den kra- 
pen steckent 
Und brengent sij uß der konnig- 

licheit 
Des thrones umb gäbe der welt- 

licheit. 
Eine stonde sint sij des keuffer, 
9945 Die ander sint sij des wider ver- 

keuffer ; 
Und umb gelt sij dicke die ver- 

phendent 
Gheen den die yn das gelt dar 

umb verendent. 
Gots Gnade ist des gar zornig; 
Dann sij beduncket daz man sij 
gar wenig 
9950 Achte, wann sij also versatzt ist 
Vor also wenig und gegeben ist. 
Dar an hait sij kein genügen 
[30ir] N^h keinen guden willen dar zu 

mit fugen 
Das die die solich heiiicheit von 
ir hant, 
9955 Das sij ire soliche smacheit an- 
getan hant. 
Die handt mit dem krapen ist 
solich 



9910. vgl IV. Beg.5, 30 —27. Esy = Giezi. 

9916. heubtmeneryne Hs., entweder ver- 
schrieben statt heubtmennynne oder statt heubt- 
meisterymie (heipte meisterin 7s). 



9925. 27. handt aus hant. 
9940. hint. uß gestr. s. 



Was Habgier mit den Händen erworben, wirft sie in d. Saale, den sie am Halse trägt. 219 



Das man kume findet yren ge- 
lich. 
. Eine wile sij keuffet, 
Die ander wijle sij das ver- 
keuffet, 
9960 Und wann sij keuffet, hat sij 

einen name, 
Und wann sij verkeuffet, einen 

andern name. 
Aber wen das verdrüsset, 
Sjnnonie sij alle beide beslüsset. 
Sich hant der handt auch nicht 
9965 Gebruchet in keinen weg icht 
Die die sij messen dunt lesen, 
Die gelt dar umb geloben und 

geben. 
Die phaffen sint auch dar in nit 
ußgenommen 
Die das gelt dar umb hant ge- 
nommen; 
9970 Dann sij gelichent dem falschen 

Judas, 
[301°] Der Jhesus umb gelt verkeuffen 

was. 
Da mit sage ich dir noch me 
Das sij arger sint dan Judas ee: 
Dan da er sach das er nit wol 
hatte getan, 
9975 Die phenuige wolde er wider- 
geben hau; 
Aber sij dedent nummer me also. 
Keine underwisonge der gerechti- 

keit 
Noch keine predige so wol uß- 
geleit 



Mochte sij des underwijsen nye 
9980 Noch konde sij zu dem ende 

brengen hie 
Das sij das gelt wolden geben 

wider. 
Wiltu wissen sache war umb 

syder, 
So sage ich dir das vorwaer 
Das der sacke den ich an myme 
halse zwaer 
9985 Habe, ist eine so subtile porte; 
Dann was dar in geworffen wirt 

von ort, 
Das mag nit wider dar uß kom- 
men 
Odir dar uß werden genommen. 
[305>-] Wann er gemacht ist 
9990 Als ein sack zu fischen: 
Er hait einen ingang 
Und hait keinen ußgang. 
Und dar umb ich dar in werfen 
Alles das ich dan kan erwerben, 
9995 Myne hende und alle die sy hant 
Odir die umb mich entlehen gant. 
Dar umb uß dem sacke kann nut- 
schit kommen, 
Es muß ee da inne fulen, zu 
frommen.' 
Da sij also hatte geredt und 
gesagt 
10000 Von der handt die so große sma- 
cheit hait 
Getaen Gotte, als mich beduncket, 
Bat ich sij und sprach nach myme 
geduncke 



9962. wen ans wer. 
9964 f. Das Orig. (9869 f.) hat: 
De tel main pas exent ne sont 
Ceus qiü les messes ohanter fönt. 
Unser Übers, hat offenbar das exent miss- 
verstanden, u. h ist ihm gefolgt. 



9988. Kustode unten auf Bl. 304": Er ist 
gemacht als [!]. 

9993. ich üb. schwarz gestr. muß man. 
10001. als üb: schwarz gestr. das. 



220 



Von der sechsten Sand der Habgier (Betrug). 



Das sij mir auch von der handt 
hette gesagt 

Die sij hatte uff yre lame hüffe 
gelaicht. 
10005 Sie sprach: 'die ander handt 

Die ist driegerie genant, 
[305 »1 Hazart und auch bedrüg, 

Des kann sij in allen Sachen ge- 
nüg. 

Sij ist driegerie genant vor, 
10010 Die sich nu in allen Sachen zuhet 

vor 

Die da sint eynfeltig und aen 
boßheit 

Odir zu k"euf£en sint uit gemeyt, 

Von falschem gewichte, von fal- 
scher maße 

Odir falsche wagen bruchent baß, 
10015 Und dar nach das er keuffet odir 

verkeuffet, 

Yeclichs zweyfaltig wider ver- 
leuffet. 

Zu der grossen eleu er wilt ge- 
messen hau 

So er sinen kauff hait getaen, 

Und so sij wider verkauft hait, 
10020 Die kleine ele sij her vor gesucht 

hait. 

G-elich also dut sij auch 

Mit der wage und dem gewichte 
auch 

Das sij dar inne leget und dut. 
[306»-] Sij wehsselt is alles in dem mut 
10025 Nach dem sij uffsleget und uym- 

met abe. 



Ich meyue daz sij nie recht ge- 

wihet habe. 
Soliche Sachen dut Got ver- 

smahen, 
In der vorrede Salmons saltu dar 

nach fragen. 
Die handt ist eine streckerynne 
10030 Der vorhenge und eine mache- 

rynne : 
Sij machet den düchern vorhenge 

flu, 
Uff das die farwe habe hübschen 

schyn 
Und die lüde me hubscher sin 
Beduncke dan sij doch an ir 

selber ist. 
10035 Und sagen dir wol daz sij zu ma- 

nicher frist 
Phennewerde dut schinen hub- 
scher sin 
Dan sij doch ummer mögen gesin, 
Und dar nach, wann is also ge- 

kaufft ist 
Und man is in der lufft besieht, 

is ander ist, 
10040 So hait er ander duche daz der 

farwe ist 
Und bij viel nahe so gut nit ist 
[306«] Als das er vor besehen hette 

Und villicht auch gekaufft hette. 
Die handt dut viel ubels hie, 
10045 Sij dut auch bereiden hie 

Ettwan die pherde die böse sint, 
Das man wenet daz sij gut sint, 
Den die sij wollen keuffen. 



10003. 05. handt aus haut. 

10015. Von hier an wechselt iviederholt er 
und sij, indem bald an driegerie, bald an he- 
drug gedacht ist. 

10016. Orig.: De chascim use douhleinent. 
10019. hint. so gestr. Wörtchen ü. d. Z. 
10026. gewütet = gewiget. 



10028. Proverb. 20, 10. 

10033. die üb. gestr. den. luden in lude 
zu ändern vergessen. 

10039. and' aus and's, dahinter schwarz 
gestr. geferwet. 

10044. handt aus hant. 



Von der sechsten Hand der Habgier. 



221 



Zum andern male dut sij mit 

grossen leuffen 
10050 Erdacht und falscheit umb im 

lande dragen 
Und dut den einfeltigen viel 

Sachen sagen, 
Das yn ir gelt boßlich werde. 
Die ander wijle nymmet sij in 

der kirchen 
Ein alt bilde und dreit daz vor 
ander kirchen 
10055 Und macht dem locher in sin 

heubt, 
Da mit sij die weit erdeubet 
Und dut die phaffen gewynnen, 
Und dut in die locher die sij ge- 
macht hait, 
[30V] Oley, win odir wasser odir ander 

rait. 
10060 Wann das dan da durch dringet 
Und ussen umb rynnet, 
Das sal dann sweiß sin 
Der das bilde switzet fin; 
Und da mit solde daz bilde 

zeichen dün. 
10065 Und umb das dem bilde werde 

der nun, 
So gheen ich zu den narren die 

dan bliut, 
Hinckende, lame odir suß siech 

sint, 
Und sagen yn wie daz bilde 

zeichen duhe, 
Und bringen sij alle balde dar zu 
10070 Das sij kommen vor das bilde 

aen spot 
Und sprechent zu yme: "ach Q-ot, 



Du liebes bilde, hilf mir; 
Dan ich getruwen wol dir!" 
Des andern morgens stent sij uff 
snelle 
10075 Und sprechent dan balde: "ge- 
selle, 
Ich bin wol kurtze genesen!" 
[307"] Und mit solichem wesen 
Dun ich die lude versteen 
Da sien etliche zeichen gescheen. 
10080 Das ist nit wonder das sij dan 

sint genesen; 
Dann sij sint nit siech gewesen 
Und hant nit dan eyn we gehabt, 
Das hant sij den luden aber nit 

gesagt. 
Und sagent dan daz is wonder- 
zeichen sij, 
10085 Das habe das bilde getaen, und 

da bij 
So gewynnet aber der priestere 
Und schetzet da mit die lude 
sere. 
Viel ander boßheit hat getan 
die handt 
Und dut und wirt allen dag baß 
bekant, 
10090 Aber davon wil ich dir ytze nit 

sagen me; 
Dan ich hau dir noch anders zu 

sagen ee.' 

'Zum mynnesten', sprach ich zu ir, 

'Ertzelest und sagest du mir, 

Obe du wilt, war umb du hast 

die handt 

[308 >•] Tjff diner hüffe, die da hincket 

zu hant, 



10050. vor dragen gestr. 1. 
10063. I Den? 
10082. eyn üb. gestr. myn. 
keyne we noch sucht gehapt. 



h: si haut 



10088. hat getan 'üb. gestr. dunt. 

10089. dut vnd übergeschr. 



222 



Von der Zunge der Habgier (Meineid) und von ihrem Munde (Lüge). 



10096 Und war umb daz sij so dicke 

kommet her vor 
Und rüret dine ußsetzige zonge 

entbor.' 
Da antworte sij mir und spracli: 
'Die zonge die mir dut ungemach, 
10100 Versweronge ist sij genant 

Und an viel enden wol erkant; 
Und myn mont heißet erdachte 

sache 
Da mit ich viel leydes mache. 
Wann die zwoe Sachen bedrugniß 
sint 
10105 Und sij nydt dienstbar sint; 
So kommet sij gerne zu yn, 
, Wann sij auch von eyme ge- 
stechte sin. 
Durch sij ist liegen bekafft: 
Durch liegen ist gemacht 
10110 Und auch myde erdacht 

Versweronge und auch uffgeracht; 
Dann versweronge mag nit gesin 
[30S*] Dede vorclenckonge sij nit sin. 

Dann erdencken und versweronge 
10115 Mögen nit sin aen bedriegonge. 
Is sint drie Sachen die eins sint, 
Wie wol sij alle unrecht sint. 
Dis ist die sache dar umb ich die 

handt 
Uff die huffe legen altzu haut 
10120 Und uffheben die zonge zu ruren 
Und sij also dicke an zu beruren.' 
'Nu sage mir', sprach ich, 'wie 
Nennest du dine zonge hie 
Versweronge und dinen mont 

lugerynne ? ' 



10125 'Ich bin', sprach sij, 'worden inne 
In dem wege myn, 
Da ich dan her kommen bin, 
Warheit und G-erechtikeit 
Die waren alle beyde bereit 
10130 Ir brot zu heischen im lande 
[309>-] Und zu suchen aen schaende, 
Und warent auch da bij arme 

genug; 
Dan sij hattent keinen frunt zu 
yrem gefug 
Noch auch noch nit hant, 
10135 Duncket mich und ist mir bekant. 
Da ich sij sach, da wolde ich 

neben abe gan, 
Umb das ich an yn nit mochte 

hau. 
Zu leste ließ ich yren weg 
Und stalte mich zu fliegen en- 
weg: 
10140 Uberfelt ich flog und ylt, 
Keinen weg ich behielt, 
An einen hüffen stieß ich mich, 
Viel nider und lemete mich. 
Noch bin ich nit genesen, 
10145 Besorgen daz ich bij myme leben 
nit gesont wese: 
Ich bin lame, gedreget und 

hinckende, 
Den krommen dans muß ich sin 
winckende. 
Myne zonge und myn küff 
[309"] Yren nanien haut sij also uff 
10150 Das ich sij lugenerye heyssen, 
Da mit ich sij faste beyssen; 
Doch sij mir notdurfft sin 



10104. Orig. : A ces ij oi Tricherie f amiliere 
est et amie. 

10105. nydt] h: nit; l. mir? Hübner. 

10114. hint. Dann übergeschr., aber wieder 
schivars gestr. in. erdencken aus vordencken. 

10115. Mögen aus mag. 



10118. ich üb. gestr. dz. handt aus hant. 

10119. die aus der. legen aus liget. 
vor altzu gestr. vnd sich. 

10120. Vnd a. B. mgeschr. 
10148. zonge üb. gestr. 1 



Von der Zunge und dem, Munde der Habgier. 



223 



Zu dem das ich zu dun bin. 
Ich mynen sack desta balder 
folle han 
10155 Und wirt mir viel ee genügsam; 
Dann gienge ich siecht und strag, 
So würde mir nit so viel in 

mynen sack: 
Etlicher kommet bij mich der 

von mir gienge 
Und in mynen weg zumal nit 
gienge. 
10160 Nu sage ich dir das ich also 

hinckende, 
Also lyegende und stinckende 
Bynnen so große hitze nit enhan, 
So große bronst noch wernrede 

nit han 
Noch so große begirde odir willen 
ee: 
10165 Ich begern dannoch noch viel me 

Zu haben dann ich noch han; 
[3io>-] Dar umb muß ich her uß ziehen 

myn zonge 
Gelich als wann da ist sere heiß 
eime honde. 
In des konniges hoff ich dann 
gan, 
10170 Wann ich die gesetze gehört han, 
Und sprechen ich wolle vor- 

sprecherynne 
Werden und eine dedegerynne. 
Da dun ich dan einen eydt 
Das ich keinem mentschen umb 
lieb odir leit 
10175 Anders dann mit dem rechten 
Gut urteil wolle sprechen. 
Aber wann ich wil, so bin ich 
also subtil 



Das ich hyncken wann ich wil; 
Durch erdenckonge und lugenheit, 
10180 Is sij recht odir unrecht, lieb 

odir leit, 
Mag ich nit laßen, ich muß myn 
zonge ußziehen 
So mir gelt werden sal und ich 

daz sehen. 
Und ich sagen dir waer 
Das ich dan eben dun zwaer 
[310«] Als die wage die ire zonge 

hencket 
10186 Uff eine sijtte und sich lencket 
Da sich die s wer de hin zuhet 
Und dar nach die wage wiget. 
Ich hencken da hien myn zonge 
10190 Da dan ist die meiste wynnonge. 
Da ziehen ich sij lieber hien 
Da ich allermeiste geldes gesien. 
Es ist mir dicke gescheen 
Das ich ettliche zu mir han 

kommen gesehen 
10195 Mich bidende das ich yn helffen 

solde 
In yren Sachen und das beweren 

wolde 
Das sij recht hettent, und daz 

ich das solde sweren 
Und ir sache frilich da mit er- 

weren. 
Weist du was ych yme da det? 
10200 Sist sicher das ich also vor het: 
Wann so ich gelt odir muntze 

gesag, 
Die ich mochte dun in mynen 
sack, 
[3W] Yie] desta ee ich da sweren be- 

gan 



Stäbe. 



101 S7. vor swerde gestr. s u. anderer Buch- 



224 



Von der Zunge der Habgier und von ihrem Buckel (Besitz). 



Das sij in yren Sachen recht 

solden han, 
10205 Dar umb sij da dedingen soltent 
Und das sij hart halden woltent, 
Uinb daz sie die sache lange ver- 

tzuhent 
Und nit mit so wenig von mir 

kommen mochtent. 
Das recht det ich balde verwan- 
deln sich, 
10210 Zu unrechte machte ich das ge- 

lich, 
Und wiste wol sicherlichen das 
Das is altzumal anders was. 
Soliche niässe zu sagen, 
Zuverkeren und abe zu sagen 
10215 Das unrecht zu rechte 

Und das recht zu unrechte, 
Her bij zu ziehen umb dragher 
In mynen sack anderlude gelt 

her, 
Bewijsent war umb myn zonge 
10220 Ist genant versweronge. 
[3iii] Ich sagen dir das sij so loche- 
recht 
Ist von sweren und sagen un- 
recht 
Und von begirde des namen 
Das sij so grossen willen hait zu 
samein 
10225 Anderlude gut mit falschen 

klafferigen 
Und mit ungetruwen verswe- 

rongen dabije. 
Ich han so viel gelogen hude 
und morn 



Und auch dar zu falsch gesworn 
Und falsch geklaffet uff dieser 
erden 
10230 Das ich nummer me glaubt 

werden. 
Wo geschrieben recht und gesetze 
sich wendent, 
Gar wol man mich dar an er- 
kennet ; 
Dann es ist eine soliche zonge 
Daz Nature sich dar umb nit 

zürnet lange 
10235 Obe ein man odir frauwe zu yme 

zuhet 
Isen odir ander ertz zu hant, 
Als obe er zuhe mit eyner handt. 
[3i2>']Dar an du wol gesehen macht 
Das is Nature nit zu gehöret 
hait 
10240 Und das ich nit bin von yrem 

gesiechte 
Noch von yrem gemechtze rechte; 
Und du wirst is noch bas ge- 
sehen 
Wann du von myme hob er hast 

hören jenen.' — 
'Myne meynonge wil ich davon 
sagen 
10245 Der mir das wolde nach sagen, 
Und das du dar nach vergessest 
nit Mahommet, 
Davon du dan vor haist geredt!' 
'Min hober', hait sij geantwert 
da, 
'Ist der durch den hoberet sint 
da 



10217. 1. und dragen her? Orig.: pour atraire 
et pour faire aport a raon Sachet autri argent. 

10229. vor vff gestr. 1. 

10234. nit streichen? Orig.: Nature se cou- 
rouceroit. 



10237. handt aus hant. 
10249. hoheret fehlt Hs., n. Orig. eingefügt 
mit h. 




Noch vom Buckel der Habgier. 



225 



10250 



[313 v] 
10256 



10260 



10265 



10270 



[313'-] 



Die sich sollen schicken und 
stellen 

Nach ordenonge und rechter regel 
leben sollen. 

Es ist eine ubermessige sache 

Die alle ding hoberet machet 

Und hindert alles das da ist 
recht, 

Odir machet kromp das dan ist 
siecht. 

Du salt wissen das is die ist 

Die da machet das der riebe 
glich ist 

Dem kammeltier das nit mag 
durch gan 

Mit syme hob er durch kleine 

düre an stan; 

Wann er in die weit ist nacket 
kommen 

Durch die dure die enge ist ver- 
nommen. 

Solde er wieder dar durch keren 

Und er hait sinen hober vor ge- 
nieret, 

So mag er wol wissen das, 

Ist der inganck nit grosser dan 
er vor was, 

Das er nit wol mag da durch 
gan 

Er habe dan sinen hober vor 
abegetan. 

Ein mentsche der da get in 

geistlicheit 

Mit Worten odir ergebenheit 

Durch eine dure die enge ist, 

Macht er yme dar nach hober in 
der frist 

Wieder an sich zu ziehen daz er 
vor hat gelaßen, 



Odir dar uff er vertziegen hat, 

nit zu laßen, 
Durch des paradises düre, 
10275 Die da enge ist, als du hast ge- 
sehen vur, 
Kann er nit kommen umb den 

dot 
So lange er den hober bij yme 

hait. 
Dieser hob er ist eigentschafft, 
Die armut, yre ertzetynne, 
10280 So sere fochtet das sij yr nit dar 

beyden, 
Uff das sij die nit wolle scheiden 
Und sij zurspalden odir zur- 

teylen : 
Es ist nit eine sache zuverhelen. 
Dann als eini heubt das grint 

ist, 
10285 Mit eyme guden strele nit sanfft 

ist, 
Also hait eigentschafft nit sorge 
Das armut sij solle versorgen: 
Sij hasset sij, als dun ich auch. 
[313"] Dann als lange ich hoberet bin 

auch, 
10290 Die die da hoberet sint 

Und in diesem closter beslossen 

sint, 
Sint alle myne neffen und myn 

mage 
Und me dan andern ich yn myne 

frunde sage. 
Bij yrer regeln sint sij hoberecht; 
10295 Neben dem rechten wege sij gent 
Kromp und achtent zu male nit 
Uff keynen yren wyser 
Odir auch yren straffer. 
Her nach du is wol sehen wirst, 



10280. das s in sere auf Basur. 

Deutschs Texte des Mittelalters. XXV. 



10289. hoheret aus hoherecht, ebenso im 
folg. Vers. 

15 



226 Der Gott der Haigier ist das Geld; su dem soll sich auch der Pilger beTceTiren. 



10300 So du auch niyner hobereter 

eiuer weist. 
Das sal gescheen, obe ich kan, 

balde; 
Aber ich wil dir vor sagen ein 

wort balde 
Wer myn herre und myn got ist: 
Ich wenen das er auch der diu 
ist 
10305 Odir wirt; nu hude dichs wol! 
[3Ur] Dann is nu also sin sol. 

Min herre und myn aptgot 
Das ist der phennig aen spot, 
Der von silber odir gokle ist, 
10310 Da inne» geslagen und gestalt ist 
Die figure des hern vom lande. 
Der ist ein got gemacht mit 
bände; 
Er wil dicke in umliefen be- 

slossen sin 
Und auch dicke wider dar ufie 
sin; 
10315 Er wil dicke nidergelacht sin 
Und auch dicke wider uffgehaben 

sin. 
Er wilt ligen in den kisten 
Und in schrinen, in den gewisten 
Und ettwie dicke sin verborgen 
10320 Und begraben sin mit sorgen. 
Er ist der got der da blendet die 
Die yre äugen zu yme kerent 
hie. 
[314"] Er dut auch die dore 

Yre äugen zu der erden keren, 
10325 Der die lüde hoffereckt machet 
Als ich bin, und noch me ver- 
achtet ; 
Der da hait verstellet mich 



Und mich vermeret, als du ge- 

sihst. 
Er hait mich auch gemacht heß- 
lich und ungestalt, 
10330 Doch so han ich mich so >gar zu 

yme getzalt 

Und daz er myn lieber herre ist 

und gefeilet mir wol, 

Das ich yn uff erden als got ane- 

beden sol. 
Es ist nutscht das ich machen 

möge zwar, 
Ich duhe is daz ich yn bij mich 
ziehen möge vorwar 
10335 Und innleyden in sin huß. 

Zu zyden han ich gebraden uß 

Einen uff den kolen 

Umb das er mir niynen phennig 

det holen 
Und das er mir den hatte ge- 
nommen. 
10340 Von siner liebe waz ich na von 
niynen synnen kommen; 
[313'-] Ich han yn so lieb daz ich dar 
umb dorheit bin 
Und das ich umb yn verlieren 

den rock myn. 
Durch yn zu manichem unrede- 
licben spiel 
Ich dicke gaen und dun des 
viel, 
10345 Zu wurffel spiel und dem nunden- 

steyne, 
Davon gan ich dicke nacket 
keyrne 
Und auch uff der gassen bloß 
Als ein obletter des lauffen dan 
ist groß. 



10309. golde ans gold. 

10313. in malleten übergeschr. 

10314. wider dar vße üb. gestr. frolioh. 



10331. vnd übergeschr. 

10334. yn übergeschr. 

10347. vor gassen schwarz gestr. graße. 



Erscheinen meeier anderer Weiber. Das erste (Leckerei) droht den Pilger 



su würgen. 



227 



Und umb das ich yn also lieb 
han, 
10350 So wil ich das yme von dir sij 
aueb also getan 
Und das du also duhest und yme 

dienest 
Und yme undertennig siest. 
Nu besiech was du dun wollest! 
Dan du vort yot mir keinen frie- 
den haben sollest. 
10355 Bede yn an yetzont 

Und ergib dich yme zu male zu 
haut!' 
Als mich also sere bedräng 
Gridikeit und mich faste twang 
[315"] Yren falschen apgot an zu beden, 
10360 Hinder mir horte ich her treden 
Und ruffen mit Inder stymmen 
Und in eyme grossen grymmen: 
'Hare, gespiele! ist das der man 
Den ich da gesehen han, 
10365 Mit dem G-riclikeit rede hehlet 
Und ym doch nit dut noch yn 

feilet? 
Gen wir dar und kommen yn an 
Und dun yme schaden genug an! 
Gridikeit, du haist yn zu lange 
gesparet, 
10370 Des wirstu vor dorheit ge- 
achtet.' — 
'Siecher, du sagest waer, gespiele, 
Nu machen wir is nit zu lang 
viele, 



Das er uns nit möge entgaen! 
Uff dem pletze wollen wir yn dot 
han.' 
10375 Da ich die reden also gehörte, 
[316'-] Yi e i me a ann vor sij mich er- 

f orte : 
Ich were gerne enweg geflogen 
Hette ich nit gefocht das sij mir 
weren nach getzogen. 
Einwenig uff eine sijtte ich 

mich kerte, 
10380 Und neben mir sag ich kommen 

herte 
Ein groß altwip mit einre großen 

nasen 
Und grossen äugen da her wagen. 
Die äugen waren gar ungestalt; 
Einen grossen sack, der was alt 
10385 Und an dem bodem gelöchert 

und gerissen, 
Und den hatte sij mit den zenden 

gebissen 
Und gierig mit dem her umb 
mich 
[316"] Und det als obe sij mich wolde 

würgen glich, 
Und streckette gheen mir yre 
hende 
10390 Und swur da gar behende 

Bij sant Joergen und bij yrem 

halse 
Sij wolde mich hencken mit 

myme halse. 



10363. Hare] Orig.: Harem. 

10365 f. swischengeschr., statt der gestr. Verse: 
Vnd du yn mit reden heldest 
Gridikeit duhe yme mvtsekit. 



10367. körnen aus körnet. 
10376. erforte aus erfert. 
10390. vor da schwarz gestr. mir. 



vor 10379 Bild (78) mit Nebenschrift rechts: leckerige ein böse stryffel. über dem 
Bilde in der Schrift der Korrekturen: vnkuseneit, willen, gewaldige dait, kurtüm, befleckonge, 
Eebreckonge, gluttenie, ein böse stucke. (Vgl. das folg. Bild.) altes Weib mit einem Saclc im 
Munde, der einem roten Trichter ähnlich sieht, vor dem Pilger. 

15* 



228 



Bas zweite Weib (UnTceuschheit) stößt dem Pilger einen Speer ins Äuge. 



Ein ander gesag icli kommen 
nach mir 
Die mich "det ziedern me dan 
zwir. 
10395 Ein gemacht antlitz gemalt 
Von einer frauwen wol gestalt, 
In der lyncken handt fürte sij 

das 
Und vor sich halden sij is was. 
Ein groß swin sij auch reit 
[3i7>-] Und was auch hübsch genug be- 
reit, 
10401 Aber ir cleydt was gar betreynet 
Mit qwade und gehönet: 
Dar umb -eij yre gesiebte und ge- 
stalt 
Under yre kogel sij das verbarg 
balt. 
10405 Ein strale hatte sij, da mit sij 

mich stach 
Viel ee dann ich zu ir sprach. 
Durch das äuge er ingieng, an 

daz hertze er mir kam: 

Groß ungemach ich davon nam • 

Das ich mynen heim da nit en- 

hatte 

10410 Und mich über den äugen nit ge- 

wappeni hatte. 
Dar nach slug sij mir an die 

hende, 
Da hatte ich nryner hentschue 

wol bedorfft aen ende, 



Das ich sij hette angetaen 
Und. auch bij mir behalden solt 
hau; 
10415 Aber es ist waer das die lüde 

sagent 
[317"] Das der dor f ortet nit me dan 

wan man yn jaget. 
Da ich gesag das ich also ver- 
wundet was 
Und das ich noch nit gescheiden 

was 
Von der ersten, wie wol sij mir 
nit gut glicheniß det, 
10420 Dwijle ich mynen krag nit en- 

hette, 
Das sij mich mit dem halse ge- 
griffen hette, 
Ich wiste nit was gedencken odir 

dim : 
Mir mochte ruffen keine helffe 

dun 
Noch auch schrien dar zu. 
10425 'Unseliger', sprach ich, 'was 

dustu nu? 
Mir ist gar boßlich erlongen 
Das ich ie bin her kommen; 
Mir were besser das ich zum 

ersten 
Glaubt hette dem altbusser dan 
am lesten. 
10430 Nu hastu Gelich Verstenteniße 

ertzurnet sere, 



[10399.] Kustoäe unten auf El. 316 v. vnd 
wz auch hubsoh. 

10404. balt sugeschr. 

10410. mich u. ge in gewappen übergeschr.; 
letzteres in gewappent zu ändern vergessen. 



10417. in verwundet ein r vor dem t durch 
Unterpimhtieren getilgt. 



vor 10393 Bild (79) mit Nebenschrift rechts: vnkuscheit, willen, geweldikeit, ander 
vnkusekeit und Eebrechonge. über dem Bilde in der Schrift der KorreHuren: vnkuscheit, wille, 
geweldige dait, hurtum, befleckonge etc. (Vgl. das vorige Bild.) Altes Weib auf einem Schweine, 
in der Linlcen einen Jcünstlichen FrauenJcopf, in der Beeilten einen Speer, will den Pilger angreifen. 



Trotzdem unterläßt es dieser nicht, noch den Namen der Weiber zu erfragen. 229 



Gots Gnade ist enweg gangen 

ferre 
Und bist brestenlialb diner hent- 
schue an dinen henden 
[318'-] Sere verwondt, das mögen sij nit 

gewenden, 
Das du nit magst dinen stab ge- 
dragen. 
10435 Zum mynnesten sohlest du fragen 
Wer dann werent die 
Die dir dis getann hant hie! — 
Altwip', sprach ich, 'die den heß- 
lichen sack 
Dreit der keinen bodem hait 
10440 Und den du dreist mit den 

zenden, 
Sage mir dinen namen aen 

wenden, 
Obe du mich also aen streich 

fahen 
Und also wolles dot slahen!' 
Da antwerte mir sij: 
10445 'Weistu was da sint Epicury? 
Du salt wissen das ich bin yr 

müder, 
Wer doch nu sie yr vader.' 
'Wer sint', sprach ich, 'die Epi- 

curye?' — 
'Das ist ein gesiechte lüde die 
[318"] Von eime löcherten sack machent 

yren got, 
10451 Die inn allen zijden yre gedencke 

hant 
Den zu füllen und zu leren 
wieder. 
Einen gantzen dag in einer 

küchen sieder 
% Wolde er wol sitzen beliben ja, 



10455 Das er ein klein spißgin mochte 

braden da, 
Das er machte ettwas charbonnee 
Odir ettwas anders, daz er briet 

eyn eye. 
Keinen andern lust hant sij nit 
Wann essen und drincken zu 
aller zijt; 
10460 Vor wollust sij das schetzent 
Und vor zijtverdrib sij es 

nennent.' 
'Wie heissest du?' sprach ich da 

bij. 
'Leckerie', sprach sij, 'ich die 
In mynen lochereten sack stoßen 
so viel 
10465 Das is da inne wirt smacken viel; 
[5ifl'']lch sacken ettwan so viel dar 

inn 
Das zwene armanne odir dry 
Wol fulletent yre secke da bij. 
Wustes du recht den satz 
10470 Und wie ich durch daz jaer dun 

den gajtz, 
Castrimargie du mich nentest 
Und mich eigenclich erkentest.' 
'Was ist', sprach ich, 'castri- 
margie ? ' 
'Das ist', sprach sij, 'räucherige 
10475 Der guden morsel underdruckonge 
Die von diesen guden kuchen 
kommen. 
Die guden morsel ich verdrucken 
und erdrencken, 
Das ir niemans möge gedencken 
Wann ich sij in mynen sack hau 
gestecket 
10480 Und recht wol dar inn gesecket. 



10445. epicury aus epitury, ebenso 10448 
epicurye aus epiturye. 

10453. vor küchen gestr. b , . . 



10457. er briet eyn 
. gen were (?). 



eye üb. gestr. yme 



230 



Lecherei, die Mutter der Epikuräer, gibt Auskunft über ihr Aussehen: 



Und sagen dir daz ich. ettwan so 
viel dar in hau 
Odir auch dar in lian getaen 
[319"] Das ich. ir eindeil muste werffen 

uß 
Und auch stossen wieder uß. 
10485 Ich machen nach mir eine sleiffe 
Als der snecke, obe is were 
seyffe.' 
' Fi ! ii ! ', sprach ich, ' stinclcendes 

altwip, 
Sage mir davon me nit! 
Es ist eine sache erschrocklich 
10490 Und dar zu auch straiMick.' 
'Sicher', sprach sij, 'du sagest 

waer, 
Aber wann du wilt wissen vor- 

war, 
So ist is billich das ich dir is 

sage. 
Obe man mir Leckerie sage 
10495 Und wann ich zu viel essen odir 

lecken, 
Das kann ich nit gar wol ver- 
decken. 
Ich bin die wulpynne uß dem ge- 

struede, 
Die alletzijt in den zenen wüdet; 
[350»-] Das dut mich den kybel regen 
10500 Und den mont uffdim iwA wegen. 
Ich bin gyene, die is alles ver- 

slindet, 
Die yre nase in die kucken 

drynget 
Durch die Unstern da inne zu 
smacken 



Und zu suchen und zu locken, 
10505 Als der hont nach dem wiltbrat 

dut, 
Welichs da sie die spise gut. 
Myn nase ist lang; ich stoßen sij 
an alle ende, 
Zu smacken ist sij gar behende, 
Zu wissen ob ich finden möge 
10510 Ettwas das in mynen sack zu 
stossen döge.' 
'Sage mir', sprach ich, 'fulles 
du dich icht 
Mit lichter spise, die nit viel en- 

gilt, 
Obe du von bonen odir brode 

groß 
Hast ie gemacht dinen buch 
gros ? ' 
10515 'Wisse', sprach sij, 'in warheit 
[320"] Das ich eben han gewonheit 

Groß brot odir wiß in zu sacken 
Als viel guder spisen zu lecken; 
Eben als wol die grobekeit 
10520 Als die gude spise mich lecken 

deit. 
Aber die lange nase myn 
Wart mir von dem vader myn, 
Das ick da mit solde fischen, 
Zu smacken zu der leckerien uff- 
tischen.' — 
10525 'Was dinges ist daz smacken?' — 
'Das ist', sprach sij, 'da durch 

alles das gen 
Muß das ich slynden, 
Dar bij ich myne lust finden. 
Das ist myns sacks ingang 



10487. stinckendes gleich übergeschr. über 
ein , teilweise auf Rasur stehendes undeutliches 
stinckendes. 

10491. sij aus ich. 

10504. I lecken? (Eübner). 



10517. ob Groß verschr. statt Grop (h) ? 
vgl. v. 10519. Orig.: gros. 

10518. guder übergeschr. 
10524. ufftischen mgesclvr. 



über ihre lange Nase, ihre großen Augen und den SaeJc, den sie im Munde trägt. 231 



10530 Der das dut mit rüren und in 

getwang; 
Und sagen dir daz er nit drier 
finger lang ist, 
[321'-] Wann er recht gemessen ist. 
Ich wolde wol das er langer 

were 
Und das er als eins krannichs 
hals were, 
10535 Und wolde wol daz er durch- 
gangen were 
Alletzijt mit gudeu morsein die 
feisset weren, 
Und mit guten stucken wol ge- 

sweisset, 
Sij sien doch wie man sie 

heisset; 
Ich fragen nit dar nach mit waz 
arbeit er geladen were, 
10540 Der locherete sack, das er folle 

were. 
Aber sij sint me begüiich, myn 

gesmack, 
Ich und der ander wollen me in 

den sack 
Dan die begirde altzumale; 
So viel als der slont mach ge- 

smacken zumal, 
10545 Das wollent die äugen yme geben 

altzumal. 
Die äugen viel unmesselicher sint 
Dan der sacke und die lange 
nase sint: 



An keinen sacken haut sij ge- 
nügen 
\32l"] So lange icht in den sack mag 

mit fügen. 
10550 Es ist eine sache die da kurtzet 
Mir myn leben durch myn dor- 

keit; 
Es enist kein böser verreders 

messer 
Dan das uberentzige morsel.' 
'War umb', sprach ich, 'dustu 
in 
10555. Das morsel das so böse mag 

gesin ? ' 
'Ich dragen', sprach sij, 'in 

mynem nionde 
Eine so dotliche wonde, 
Wann sij ein gnt morsel rftret 
Und ein anders dar nach nit 

balde Met, 
10560 So dut sij als ir nit wol sij. 
Eins nach dem andern wilt kau 

sij 
Als der slont aen uffhoren; 
Sij fraget nit na myme nutze, obe 
sij yn vertoeren, 
Nit vorter dann an yren lust' 
[332 •■] 'Nu sage mir', sprach ich, 

'umb sust: 
10566 Wie ist nu genant 

Die rüre davon du hast gesagt?' 
'Das ist', sprach sij, 'als ein saß- t 
schussel, 



10532. er üb. gestr. du yn. ist hint. 
schwarz gestr. hettest. 

10541 f. hint. myn gestr. sack. Der Sinn 
ist nicht Mar. h: Aber sie sint me begirlicli 
in myne gesmag (10542 f. fehlend), auch nicht 
verständlich. Das Orig. (10397/'.) hat: 

Mes iex sont g'rans, ardant inon gout, 

L'un et l'autre venlent de tout. 



Die scheinbar Mes eux gelesenen, jedenfalls so 
übersetzten Worte Mes iex haben die Verderbnis 
der Stelle veranlaßt. Die Übersetzung hätte 
lauten müssen: 

Mine äugen sint groß, begirlicli myn gesmack, 
Ein und der ander . . . 

10568. als übergeschr. saßschussel hint. 
gestr. Salzfaß; Orig. : sauciere. 



232 



Vom Wirken und Wandel der Lecherei. 



Als ein nuwer böde der liait das 
drussel 
10570 Und hat balde gesaget und er- 

tzelet 
Was das liertze hat uß erweit. 
Böse striffel und böse nach- 

berynne 
Also nennent sij yre nach- 

berynne, 
Uinb das sij gerne übel sprichet; 
10575 Böse wort sij balde richtet 

Wan so sie die gude morsel hait 

angerurt 
Und der guden wyne sij auch 

hait versucht.' — 
'So get sij gegolten 
Wan sij ander wyn versuchen 
sollen ? ' 
10580 'Wer ist sij dan?' sprach sij da, 
[355»]'Yren wollust nymmet sij da; 
Durch sij bin ich ubermessig be- 

kant, 
Dar uinb bin ich locherechte ge- 
nant. 
Sij bringet mich zu uneren 
10585 Und benymmet mir gut und eren: 
Sij hait mir den bendel geben 
Den du in myme sacke sijst 

eben. 
Die wyne laße ich abe in fassen 
Und nemen der zu viel usser- 
massen 
10590 Das ich han weder synne noch 

verstenteniße, 
Und das ich myns lustes nit en- 
weiße 



Und mich nit kan gelegen an 

myn bette.' — 
'So bistu, als mich das beduckt 

hette, 
Eine sache die keine regieronge 
10595 An ir hait, keine maße odir 

leronge ? ' 
'Es ist waer', sprach sij, 'wüstes 
du recht 
[383 >■] Mynen wandet und geberde 

recht ; 
Dan so ich myne wine gefasset 

han 
Und myne wyne versuchet han, 
10600 So wolde ich zu stunt gedihen 
An Got und sante Marien 
Und wolde yn übel sprechen 
Und myn boßheit an yn rechen. 
Und qweme Verstenteniße zu mir, 
10605 Ich spreche balde: "fing hien 

von mir!" 
Qweme Gerichte odir Gerechti- 

keit 
Noch Wißheit odir Warheit, 
Sij werent alle verstoeßen 
Und versmahet mit yren genoßen. 
lutiio Nuchterkeit und Messikeit 
Die hettent da nit dan großes 

leit: 
Ich wurde ir verspotten 
Und dede sij ußdriben bij Gotte. 
[333 v] Und so mir der win ist kommen 

in die hörne, 
10615 So bin ich scharff als das ein- 

horne. 
Dann wil ich yeclichen stoßen, 



10569. Als u. drüssel zugeschr. 

10570. Vnd hat äugeschr. 
10577. auch übergeschr. 
10585. mir üb. gestr. mich von. 



eine. 10586. bendel aus bender. 

10591. Statt lustes hat h nach Orig. (meson) 
"besseres huß. 

10596. recht hint. gestr. recht (?). 



Von den zwei Bäuchen der LecJcerei (Trunkenheit und Essgier). 



233 



Den einen scheiden, den andern 

mit Worten bossen; 
Dem andern aufwerten ich slym- 

meclich, 
Dem dritten auch gar grobeclich 
10620 Mit viel windes als der zwene 

buche hait.' 
'Wie', sprach ich, 'hastu zwene 

buche?' 
'Ja', sprach sij, 'der eine ist 

drunckenheit genant 
Und der ander essesack bekant, 
Der allewege zu essen ist bereit 
10625 Und zu fasten gar ungemeit. 
Der erste so er gedruncken hait 
Und der ander das vernommen 

hait, 
So sprichet er er wolle auch 
essen ; 
[354'-] Und wann der zu erst gessen 

hait, 
10630 So sprichet der ander: "mir ist 
drinckens not!" 
Und sagt balde: "ich wil is ver- 

bieden, 
Dann is mag mit eyme male nit 

gesieden ; 
Es gilt auch zweie odir drue, 
Ich laße is nit da bij uff myn 
truwe." 
10635 Also wollent sij dem als nachgan 
Das sij anhebent aen ende han. 
Ieclicher wilt das hinderste 
nemen, 
Also mußen sij es zu ye dem 

male wider anheben: 
Als lange win in dem kruge ist, 
10640 So hait er keine rüge in der 

frist 



Und dut mich auch reden mit 

frauwe Venus, 
Die neme ich dann zu mir alsus 
Das sij desta gerner zu mir 
kommet 
Und dann nit so gern von mir 
' kommet. 
[33-i »] Da ich hin gan, da get sij mit 

mir ; 
10646 Dan sij gedencket das sij balde 

bij yr 
Den sij mit dem halse hait. 
Ich meynen das is dich angait, 
Dwijle du her kommen bist 
10650 Und du mir der aller nehste bist.' 
Da nam sij mich mit dem 
halse 
Mit beyden henden und sprach 

also : 
'Sijt das du keinen krag haist, 
So wisse das du mich fast 
10655 Scharffer und wunderlicher fin- 
dest 
Ee du dich von mir entrindest.' 
'Ach Got!', sprach ich, 'owe, 

owe! 
Laß mich zu der reden ee 
Die ich sehen hinder dir gan. 
10660 Sij hait mich mit yrem phyle 

gerurt an: 
[335<-] Ich bin übel dran und verlorn 
Wo ich nit weiß wannen sij ist 

geborn.' 
Da sprach sij: 'das stet an dir. 
Ich wil wol das sij is sage dir. 
10665 Aber du kommest nit also von 

hynnen. 
Ich wil diu vor wol siecher sin, 
Die wijle ich dich ytze gesien an 



10617. bossen üb. gestr. straffen. 

10666. vor vor wol übergeschr. u. dahinter 



10667. gesien übergeschr. 



gestr. 



234 



Auf Befragen des Pilgers gibt sich auch dnJceuschheit zu erkennen. 



Und dich also nahe Mj mir han.' 
Alda ich da die fragette 
10G70 Die mich also geslagen hatte, 

Und sprach zu ir: 'wer histu nu? 
Dorlich ridest affter lande du 
Uff eyme swine, als mich be- 

duncket, 
Und haist dich nötlich bewonden 
10675 Und under dine kogel gebonden.' 
'Sicher', hait sij mir geantwert 

da, 
'Ich bin die die nu dut da 
[335"] Dine undertan wanen in den 

brachen 
Als froesche und sich da inne 

versluchen. 
10680 Da ist inne mauich stat wonder- 

lich 
Yon reden und von gesiebte ge- 

lich 
Und von yren geb erden auch. 
Ich bin Venus, davon du vor hast 

gehört auch 
Reden mit frauwe Leckeryen, 
10685 Die dich an dyme halse leret 

meisteryen. 
Uß der werlet sij lange gestossen 

hait 
Kuscheit und die verdrieben hait. 
Dye engel der swester sij was, 
Die sint mir dar umb alle gehas 
10690 Und gewonnen mich sijther nie 

lieb; 
Yre nasen stoppent sij so sij 

mich sient, 



Das sij doch vor eyme stincken- 
den 
[3S6>-] Schelmen nummer endeden 

Were dar in nit schänden viel. 
10695 Über alle ich Kuscheit verdriben 

wil 
Aen uffhoren sommer und winter. 
Hette sij sich nit lange in geist- 
lichen 
Verborgen, ich hette ir getan 
groß leit, 
Ich hette sij geslagen dot; 
10700 Aber ich finden die bürg so starg 

vor not 
Das ich ir da nicht kan getun: 
Sij dut vor mir die düre zu dun 
Und gucket alles uff die düre 
Als obe sij spreche: "unselige, 

belibe da füre!" 
10705 Und kommet sij mit her uß, 

Dar umb kan ich ir nit gescha- 
den dar uß.' 
'Was haut dir getan', sprach 
ich, 'die zwo 
Den du wenig gudes gannest 

also ? ' 
'Kuscheit', sprach sij, 'die wolde 
' nye 
[386"] G-eligen inn der kammer odir uff 

dem bette 
10711 Da ich dann lag und gerne 

glegen hette. 
Ich bin ir allewege gehaß gewest 
Und auch da bij unwillig gewest 
Und han sij gar versmahet, 



10668. Vnd dich übergeschr. 
10678. Dine] h: ir. brachen'. 
10680. stat übergeschr. 
10705. I. nit? (Hübner); Orig.: se n'ist 
hors de l'uis. 

10707. Initiale schwarz m. roter Füllung. 



10712—16. Unser Übersetzer, zu ■ dem h 
stimmt, hat das Orig. (10562/66) nicht ver- 
standen: 

Onq(ues) ne fu que ne li fusse 

Hainense (et), abhominable, 

Pour (ma) pueiir intolerable. 



UnTceuschheit gibt sich zu erkennen. 



235 



10715 Umb den geroch ich bij mir han 

gehabt, 
Den ich kume gelassen mag. 
Kuscheit hasset mich auch nacht 

und dag, 
Und wann sij mich sieht, balde 

spricht sij: "fy!" 
Dar umb mag ich yr nit gesin by. 
10720 Ich wolde lieber mynen mantel 

lassen 
Dann ich keine zijt sohle bij yr 

slaeffen : 
Lieber wil ich mich ergeben in 
die eptige 
Dann das ich inn ire geselleschaft 

sie.' 
'Wie', sprach ich, 'mag das waer 
gesin 
10725 Das die monniche die wiß, grae 
odir swartz syn, 
Haben Kuscheit entphangen, 
[3,37»'] Und das sij mit yn sij ingangen ?' 
'Ja', sprach sij, 'sicherlich, 
Aber is missefellet mir gröblich. 
10730 Da ist sij slefferynne 

Und machet die bette als kam- 
merynne.' 
'So hait sij', sprach ich, 'ein 
ampt ? ' 
'Du haist waer', sprach sij, 'sij 
ist getzamt, 
Da hassen ich sij me und dun ir 
zu leide viel, 
10735 Me scharffer ich wieder sij sin 

wil.' 
'War umb', sprach ich, 'hastu 
mich geslaen?' 



'Wie', sprach sij, 'wenest du 

dann, 
Dij wijle ich so nahe bin bij dir, 
Das du nit sollest fuelen von mir? 
10740 So mir myn heubt, daz schon ge- 

strelet ist, 
Das doch von dir noch nit alles 

versuchet ist! 
Wann so ich ye bin yemans an- 
kommen, 
So bin ich so balde nit von yme 

kommen.' 
'Bistu', sprach ich, 'so wol ge- 

strelet 
[337"] Als du sagest, und auch bereydet? 
10746 Werestu also, des ich dann 

gleuben wol, 
So verbergestu dich vor mir nit 

so wob' 
'Nu verstant einwenig', sprach 

sij, 
'Es ist wol waer, were ich hübsch 

da bij, 
10750 So stoppete ich mich dann nit 

also. 
Dar umb wie wol ich gestrelet 

bin also 
Und mich einwenig zuchteklichen 

stellen, 
Das ich dar umb solle hübsch ge- 
heischen sin: 
Ich bin ein heßlich altwip, 

glittechtig, 
10755 Wüste, stynckende und slymech- 

tig, 
Me unreyner dann ich dürffe 

sagen. 



10715. I. ger. den ich? 
10719. yr u. by zugeschr. u. hint. nit: bij 
ir schwarz gestr. 

10736. Initiale schwarz m. roter Füllung. 



10741. doch üb. gestr. ia. 
10753. ich nach Orig., is Hs. 
10756. vor ich Buchstabe ausradiert. 



236 Vom Schwein, auf dem Unlceuschheit reitet, u. vom gemalten Antlitz, das sie sich vorhält. 



Und steet yetze nit zu sagen, 
Ich stoppen mich, das man mich 

nit gesiehe; 
Wie wol ich doch ertlicher maßen 

hübsch sie, 
10760 So achte ich nit obe man mich 

nit sehe 
An enden da man nit wol gesehe. 
[33S'-] ich gaen kromme wege und 

winckel 
Und suchen gedencken mit 

syncken. 
Ich gesehen nit einen schich zu 

mittem dage 
10765 Und han arbeit genug die ich 

drage; 
Ich stellen mich dicke inn nrysse- 

falle, 
Das myr myn wille einwenig ge- 
falle. 
Wustes du recht wie manig mal 
Und was wege ich dicke gaen sal, 
10770 Ich gleube wol is sohle sere 

wondern dich, 
Und das ich selber nit sohle 

achten mich. 
Ich ryden ein böses phert, 
Und wo der weg ist gar unwert 
Und da er aller böseste ist 
10775 Odir da allermeiste unreynikeit 

ist, 
Da leget is sich nider von na- 

turen, 
Und ich kann yme das nit ver- 

turen. 
Das phert ist myn wille, der mich 

dreit 



[338»] Und auch alletzijt da bij ist be- 
reit 
10780 Als ein swin sich zu legen nyder 
Da das qwat ist, und sich nit rey- 
nigen wider. 
Es ist gestalt als ein swin stat 
Das das male uff der erden hait. 
Da es liget, da leget es mich 
hien, 
10785 Und me in unsuber stede dan die 

reine sien. 
Durch es bin ich also gesolichet 
Und in dem qwade entreynet. 
Durch es bin ich also uffenclich, 
Noch unsuberer bin ich heyme- 
lich. 
10790 Dar umb drage ich ein gemalt 

gesiebte, 
Das ich. da mit decke myn heß- 
lich geschichte. 
Das gemalete gesiebt heißet 

spotterie ; 
Wanne ich werden alt da bie 
Und das ich bin entferwet 
10795 Odir auch werden gerontzelet, 
[339>-] Güssen ich mich machen da mit 

wieder nature 
Und verstellen da mit myne 

figure. 
So machen ich mir eine heyme- 

liche kammer 
Yor alle die den weg hien gant, 
10800 Einen rechten myst an eyme 

eckehuse, 
Das ieclicher wer da kommet, 

nach siner. wijse 
Mache sine unreynikeit.' 



10757. Orig.: Potir ce qu'il n'est pas a dire. 
10768. Orig.: Et qiüer mucailles et comes. 
10786. is. 
10791. geschickte hint. gestr. gesiebte. 



[10795.] Kustode unten auf Bl. 338«: 
glissen ioli mich da. 

10796. mache eugeschr. 

10800. das i in Einen in das E hineingeschr. 



Nachdem TJnTceuschheii geendet, fallen die Weiber vereint über den Pilger her. 237 



'Fy, fy!' sprach ich, 'du bist mir 

eiieit, 
Dine geberde und auch dich: 
10805 Nu erkennen und gesehen ich. 
Wer mit dir sal reden, 
Das ist nit me dann ein ver- 
meren.' 
'Sicher', hait sij geantwert da, 
'Hettestu gesehen da 
10810 Den getzug den ich dran 

Und under myme rocke verborgen 

han, 
Were ich nit verirret sere, 
Du achtest mich mynner dan 

gestern mere 
[339"] Und bettest desta mynner rede 

mit mir.' 
10815 'Zeuge mir die', sprach ich zu fr, 
'Und wie sij heißen t, sage mir!' 
'Das eine', sprach sij, 'heißet ge- 

weldikeit, 
Das ander der unkuscheit mit 

sime gesiechte deit, 
Das dritte der jungfrauwen ent- 
blumonge, 
10820 Das vierde mit eins andern wibe 

umb gan; 
Von den andern das ist nit zu 

sagen, 
Dar umb laß dir da mit genügen. 



Nu verstant sij recht, obe du 

AVÜt, 

Und wisse das sij sorglichen sint! 
10825 Du salt sie yetz nit gesehen; 
Dan ich sij uffelich nit laßen 

sehen 
Und sij nit wijsen umb ire ge- 
stalt 
Wiedermachet und heßlich ver- 

stalt ; 
Und doch konnent da mit treffen 
wol 
10S30 Ettliche wann sij müsse dar zu 

haben sal. 
[330>-] Ich slahen dich mit wo du nit 

fliehest 
Und balder dan Tigris enweg 

geest ; 
Aber die wile dich Leckerie be- 

heldet, 
Din fliehen enfochte ich nit. 
10835 Von mir saltu das han, 

Odir du must das leben hie lan 
Und salt fürbaß nnmme gaen.' 
Da stach mich das aide wip 
Mit eyme strale an daz hertze, 
daz ich fiele uff mynen lip. 
10840 Leckerye halff ir gar sere dar zu, 
Mit dem halse sij mich nidertzog; 
Gridikeit und die andern alle 



10807. nit übergeschr. 
10829 f. Man erwartet . . . kann ich da mit 
. . . wann ich inuse hahen sal. Das Orig. 
(10677/8) hat auch richtig: 

Et toutevoies hien ferir 
En sai aueuns, quant ai laisir. 
h liest: vd doch so könnet etlich wol da mit 
slage so sie mäßig sint. 



. 10830. habe sal aus hant. 

10831. mit aus nit. 

10832. trigris fälscht Hs. Tigris nach 
Orig., h hat den Vergleich m. dem pfeilschnell 
dahinfließenden Tigris offenbar nicht verstanden 
u. deshalb den Vers fortgelassen. 

10839. strale üb. gestr. pbile. 



vor 10838 Bild (80) mit Nebenschrift rechts: Wie leckerie, trakeit vnd verkertonge 
(üb. gestr. yersteynonge) den pilgerin anköment. über dem Bild in der Schrift der Korrchturen, 
aber rot durchstrichen wie glutenie (rot verbessert in leckerie) trakeit vnd v'steynonge den 
pillgeryn anköment. der Pilger zwischen den 3 Frauen am Boden liegend. 



238 



Seines States beraubt bricht der Pilger in Klaffen aus. 



Bewijsetent nit daz sij siech 

weren alle: 
Ye eine nach der andern mich 
slug 
[330"] Mit yren wappen, die sij dann 

drug. 
10846 Da wart mir myn stab genom- 
men, 
Aber myn sack wart mir nit 

entnommen. 
An dem versynnen gedachte ich 

wol, 
Obe sij mich zu dode betten ge- 
slagen zumal. 
10850 Da ich »also bekommert was, 
Nidergefallen, gewondet und ge- 

slagen in daz gras 
Und ich mynen stab hatte ver- 
lorn, 
Da mit ich plag uff zu stan ent- 

born, 
Nie kein man wart, als ich 
wenen, 
10855 So gar erstöret, das ist aen feien. 
'Ach', sprach ich, 'was dustü? 
Unseliger, truriger, war gestu 

nu ? 
Nu bistu kommen an das ende 

din! 
War umb wurde du ye pilgerin? 
10860 War umb hastu ie keinen stab 

genommen 
Und bist des in diesem lande 

abekommen ? 
Is were dir besser du werest un- 
geborn 



[33P-] Odir aber du werest dot geborn. 
Wer sal dir ummerme gehelffen, 
10865 Dir geraden odir dich besien? 
Du haist durch din dorheit ver- 
lorn 
Gots Gnade, dine gude frundynne 
uß erkor n! 
Ach Busse, Busse! 
War umb hait ye myn unmüße 
10870 So großen widerstant getaen 
Durch die dorn hecke zu gaen? 
Yetz werest du mir süße und 
lieplich, 
Hette ich so verre von dir nit 

gemachet mich 
Und das ich dir nit were so 
ferre 
10875 Odir du mir auch so fronide 

were. 
Dine rüden und dine leren, 
Din stechen und din dorne 
Werent mir yetzo ein salben 
Zu myme Unfälle allenthalben. 
10880 Ach wappen der ritterschaffte, 
[331«] Ich solde uch schone machen mit 

meisterschafft 
Als lange ich solde geleben, 
Mohte ich langer geleben! 
Mit uch was ich eins gecleidet 
10885 Und gar lieplich wol bereidet. 
Aber ach, ich unseliger hatte uch 

nit lange 
An getan und muste uch mit 
bedränge 
Gar kurtz ußdun und nider 
legen! 



10848. Orig.: A recouyrer bien (i) pensoient; 
h, durch unsere Übers, beeinflußt: Mich dez zu 
erholn gedachte ich wol. 

10873. Hette ich aus hettestu. dir aus 

mir. mich üb. gestr. dich. 



10874. werre. 
10878. yetzo aus yetze. 
punktiertem Schluß -e. 



eine mit unter- 



Auf einmal hört er jedoch aus einer Wollte die rettende Stimme von Gottes Gnade. 239 



Davon ist mir sijt viel ubels ge- 
schegen, 
10890 Und yetzont aen üb erdrag 
So bin ich uff den dot geslag. 
Ach sacramente der heiligen 
kirchen ! 
Ich föchte das ich uwer nit viel 
me enrieche; 
Ich föchte daz ich uch umb suß 
entphangen habe, 
10895 Die wijle ich nu verlorn habe 
Mynen stab, durch den ich mich 

uffracht 
Wann daz ich dan nider gefallen 

was. 
Ach Jherusalem, die stat 
[333r] D ar um ] 3 man uüch uffgewecket 

hait 
10900 Zu dir zu gan, wie sol gheen dir 

ich 
Entschuldigen und verantwerten 

mich? 
Ich hatte dir geredt, da is mir 

wol gieng 
Und da ich mynen weg aneüeng, 
Das ich wolde gan zu dir, da ich 

dich sach 
10905 In dem schonen Spiegel vor mym 

ungemach. 
Nu bin ich von den alden wiben 

uffgehalden, 
Nu bin ich geslagen und zur- 

spalden. 
In einre bösen stunde ich ver- 
irret bin, 



Ich fochten das ich dich nummer- 
me solle gesien. 
10910 Als ich mich also klagete 
Und myne vertust ertzalete, 
[332"] Da sag ich vor mir einen wölken 
Nit hohe uff zu den wölken; 
Von dem mittendage er quam. 
10915 Davon ich eine stymme vernam, 
Die hinderte sich über mir 
Und beleib eine wijle bij mir. 
Aber ich nit sere dar uff enachte 
Umb die smertzen die ich hatte. 
10920 Ich was dot wol halber 

Und hatte wenig lebens in dem 

andern halben. 
Nu verstaut, das uch Got wolle 

behüden, 
Wie ungerne Gots Gnade sich 

scheidet von lüden 
Den sij andermale geholffen hait, 
10925 Wann is yn missegangen hait, 
Und wie gerne sij yn auch hilffet 
Wann not sij dan begriffet! 
Uß dem wölken her abe qwam 
Eine stymme, von der ich ver- 
nam, 
[333 '•] Di e sprach zu mir also : 
10931 'Wol uff, unseliger zage, und 

syst fro! 
Du haist zu viel lange gelegen, 
Du haist nit gewere, aber dir ist 

helffe not; 
Du bist ein böser ritter als dot! 
10935 Ich hau dir dinen stab ■wider- 
bracht 



10889. gesckegen üb. gestr. begegent. 
10905. my. 



10909. solle übergeschr. 



vor 10910 Bild (81) mit Nebenschrift rechts: Wie gods gnade den pilgerin tröstet als 
er in dot sunde gefallen wz. Eine Hand reicht aus einer Wollte dem am Boden liegenden 
Pilger seinen Stab iswüclc. 



240 Gottes Gnade reicht dem Pilg 



Dich wider uff zu heben toü der 

undait. 
Verstaut mich: ich reichen dir 

Ich stellen dir yn wider und 

geben dir yn. 
Noch wil ich nit dinen dot, 
10940 Wie wol du unrecht gheen mir 

hast ; 
Aber ich wil das du dich be- 

kerest, 

Das du dich besserst und lebest.' 

Da ich die worte also verstunt, 

Da det ich myn äugen einwenig 

"uff und gesach zu stunt 

10945 Eyne handt die da inne beslossen 

hatte 
Mynen stab und sij mir den 
brachte. 
Ich meynete is were die selbe 

handt 
In der ich mynen stab zu erste 
fant: 
[333*] Es was auch die selbe. 
10950 Da sprach ich zu mir selber: 
'A Got, soliche gude uuwe mere 
Han ich mnb dich nit verdienet 

mer! 
Von dir ich nit wartende gewest 

bin 
Das du also soltest gedencken 
myn. 
10955 Yetze were ich zum dode kom- 
men 



<er seinen Stab eurücTc, worauf er gerührt danTet. 

Weres du mir nit zu helffe kom- 
men. 
Sijt das du mir mynen stab 

wider gib est 
Und mir den durch dine mildi- 

keit reichest 
Und inn mynem smertzen 

sterckest mich 
10960 Und von dem dode zielest mich, 
Ha milde frauwe, Gots Genade, 
Ere und danck ich dir sage! 
Ich sehen wol das ich dir noch 

lieb bin, 
Sijt du nit zumale hast vergessen 
myn. 
10965 In großer not bist du bij mir ge- 
sessen 
Und mir zu helffen bereidt ge- 
wesen 
Wo is nit belibet an mir. 
[334'-] ich weiß nit wo is herkommet '. 

dir 
Anders dan von dinre gutekeit; 
10970 Dan du haist an mir nit fonden 

dan lait. 
Ich han dyme rade wollen folgen 

nye, 
Dar mnb muste mir billich ubels 

folgen ye. 
Mit zu gelachten henden bijden 
ich gnade 
Und mit schrien ich myne scholt 
sage. 
10975 Frauwe. ich wil mich besseren, 



v'sttmt hint. band. 



10942. dich besserst üb. gestr. lebest und 
lebest über dich besserst. 

10943. ich üb. gestr. sij. 
gestr. gesprach. 

10944. gesach zu stut üb. gestr. gesach. 

10945. Eyne handt übergeschr. imie üb. 
d. Z. hint. gestr. ich, das üb. getilgtes inne 
geschr. war. 



10946. sij übergeschr. 

10947. selbe üb. gestr. erste. handt aus 



10954. vor myn Ansäte zu einem s (1). 
10957. -gibest aus -gebest. 



Gottes Gnade verweist den Pilger an Maria, den Karfunkel seines Stabes. 



241 



Bij myner seien ich dir das 

gereden, 
Hilff mir nit dan zu diesem male 
Und hude mich daz ich nit 

widerfalle zu dale! 
Hebe mich uff und richte mich! 
10980 Dann belibe ich lange also, daz 

besweret mich. 
Ich fliehen zu der hecken gelich 
Dann von dir helffe han ich. 
Wile du, mich dar fürest, 
Wann du mir von hynnen ge- 
hilffest.' 
10985 Da antwerte Gots Gnade uff das 

ziel: 
'Ich wil dir sagen ein hübsches 
spiel : 
[33i»] Wohle die die da ist eine al- 

muserynne 
Mich zu geben und eine ußgebe- 

rynne, 
So viel dun gegen myme vatter, 
10990 Der ir son ist, und sij sin mutter, 
Das er dich mir wolde wider- 
geben, 
Noch soldes du nit verderben, 
Noch qwemest du wol wider 
Zu Bussen, obe du woldes sieder. 
10995 Ich fürte dich dar froelich 

Und neme dir din lyden gelich.' 
'Wer ist', sprach ich, 'die frauwe 
Die dich uß zu geben ist ein 
frauwe ? 
Sij ist eine große frauwe, sijt 

daz sij ist ußgeberynne 
11000 Von dir und almuserynne.' 

'Sicher', sprach sij, 'du sagest 

waer, 
Und dar umb mnstu han zwar 
Zum ersten frieden gheen ir 



Und das du sij bidest gnaden dir. 
11005 Ich helffen dir, obe sij wilt; 
[335>-] Zu dinen noden kommen ich dir 

zu hulff; 
Dan ich han den willen noch, 
Als ich dir das hau bewijset 

doch. 
Wer die frauwe ist, weistu das 
nit, 
11010 Große schände und gebrechen is 

an dir ist: 
Ändermale hait sij dich ußge- 

haben 
Uß boßen wegen und auch uffge- 

haben. 
Sij ist der karfonckel und der 

knob 
Den da hait diu hubscher stab. 
11015 Ich han dir von ir gesaiget 

andermal ; 
Ein dor bistu, hastu is vergessen 

zu mal!' 
'Frauwe', sprach ich, 'ich en- 
wiste nit 
Und enhüte mich auch dar vor 

nit 
Das ir rettent von der; 
11020 Dann ich waende ir rettent von 

einre ander, 
Die mir unbekentlich were, 
Die ich nie gesehen hette mere. 
Aber die wijle is ist myn kar- 
fonckel, 
[335"] So wil ich gerne mynen mont 

uffdim 
11025 Und wil sij mit gudem hertzen 

bieden 
Und sprechen "ave, Maria!" mit 

sieden. 
Aber woldent ir mich wysen 



10983. Wile aus wiltu. 

Deutsche Texte des Mittelalters. XXV. 



16 



242 Gottes Gnade reicht dem Pilger eine Schrift mit Gebeten zu Maria (Ä. B. G). 



Und mich leren die wyse 
Wie ich sij bijden solde 
11030 Und auch erwerben ire hulde, 
So wolde ich is sere gerne dun.' 
Da uß dem wölken sij mir gab 
Eine schlifft und zu mir sprach: 
'Siech wie du sij bijden salt 
11035 In dieser und aller diner not; 
Wann is dir gut ist, als is 

yetzont lijt, 
Und du uß den alden wiben hen- 

den bist. 
Nu liese is balde uffenclich 
Und bijde sij andechteclich 
11040 Und ir geloben mit gudem 'her- 

tzeu diu 
Das du wolles ein gut pilgerin 

syn, 
Und das du nit da hin geyst 
[336'-] Da du böse wege zu finden 

weyst.' 
Nu sage ich uch daz ich uffdet 
11045 Die schrillt und uß den falden 

det 
Und is rechte wol besach 
Und da mit myn gebet sprach 
In gantzer maße und wyse 
Als die schrifft mich da wisete, 
11050 Als ich verstunt von ir 

Und Gots Gnade sagete mir. 
Die wijse der schlifft sollent ir 

hören, 
Wollent ir uwer -a-b-c- nit ver- 

doren ; 
Lichtlich ir is wissen mogent 
11055 Zu sagen wan ir wollent: 



[336»] 'An dich, der werlde Zuflucht, 
Erliche maget, ist myne flucht: 
Sere gar erschrocken ich was, 
Nu kann ich nit gedun bas; 
11060 An dich ich mich halde und 

sture. 
Hebe mich uff! ich bin gefallen 

sere, 
Mich hait myn widerwert uber- 

wonden. 
Die wijle ich dich nu han fonden, 
Sal ich mich wol zu dir ziehen, 
11065 Ee mir me leides beschiehe. 
Des ringens ist mir nit not- 
durfftig 
Wo du mir nit güttig 
Wilt zu helffe kommen, 
Als ich dan bin niderkommen. 
11070 Bin ich durch dich gester cket, 
Das han ich wol gemereket. 
Myn hertze was mir entwichen, 
Dar umb bin ich zu dir gewichen; 
Dan du bist des heiles ein porte. 
11075 Obe ich mich an dem orte 
[337''] Übel han bewijset 

Und in dotliche sunde gewiset 
Und bin geirret in krommen 
wegen, 
Hoffen wil mich erwegen 
11080 Und auch wiederstereken, 
Die wijle ich zu dir mereken 
Und dir myne sele brengen. 
Behalde sij: dan sij ist döt; 
In ir ist alles gut gedoet! 
11085 Crieg machent sij wider mich, 
Myne schände und scheine glich, 



11086. scheine glich durch Längsstrich getrennt 



nach 11055 Bild (88) mit Nebenschrift rechts: wie der weller bidet vnser liebe frauwe 
andechteclich. über dem Bilde in der Schrift der Korrekturen, aber rot durchstrichen: wie der 
pilgeryn bidet die süsse magt marie. Maria, mit dem Jesuskinde auf einem Throne, streckt dem 
vor ihr knieenden Pilger die Hand entgegen. 



Des Pilgers Marien- A. B. C. 



243 



Das ich vor dich nit getar 

kommen 
Durch mynen großen unfrommen. 
Verstenteniße der vertzwivelonge 
11090 Sij wider mich hanthaben dont; 
Umb das ich das wil wenden, 
So wil ich sij vor dich brengen 
Yn widerstant zu dun. 
[3370] Das wil ich dar zu dunde; 
11095 Dann is dar zu gehöret, 

Und vor dich altzumale gehöret 
Gnade und erbarmonge. 
Du bist frauwe der barmhertzi- 
keit, 
Durch die diu son so gerne deit, 
11100 Und wilt auch daz du alletzijt 
Mit sinen luden vereyniget sijst. 
Durch dich kam uns friede und 

eynonge, 
Das was umb rechte verstöronge 
Der zweydracht sie abe zu dun; 
11105 Dar umb ich mich zu dir dun 
Und mich mit dir vereynigen 
Myn unreynikeit zu reinygen. 
Eine keiserynne, der werlde 
Ion, 
Die bistu so rechte schon. 
llllO Ich han hoffen gehabt zu dir, 
Das habest du zu dancke von 
mir, 
[33S>'] Und haist mich zu gnade ent- 

phangen 
Und haist mich auch gar lange 
Mit dem gude gespiset 
11115 Das von hymmel kam, und ge- 
wiset 
Myne sele, die da was dot. 
Owe, wann is kommet an die not 



Da das große gerichte wirt be- 
sessen, 
Bistu dann da nit gesessen 
11120 Vor mich, so werde ich übel an- 
gesehen ; 
Dann wirt man mir keins guden 
jehen. 
Fliehende ich wider kommen zu 
dime getzelde 
Mich zu verbergen vor dem ge- 
rn elde 
Das mich in der werlet hat be- 
rurt. 
11125 Umb myn sunde wolles nit sin 
von dannen gefurt! 
Mich zu hudeu wolles haben flijß! 
Zu myner not du bereidt sijst! 
Bin ich lange ein dier geweste, 
So wil ich beliben bij dir feste, 
[338"] D as ich diner gnade werde gewar. 
11131 Nu bijdde ich dich aber zwar 
Das du mich mit dynre mildikeit 
wolles dun an; 
Dann ich kein ander gulte noch 
kleider han. 
Gegrußet sistu, mutter und 
maget, 
11135 Die da nyemans hait versaget 
Und auch nie bitter wurde 
In hymmel, mere noch uff erde! 
Durch dine mildikeit bereide mich 
Und nit lyde daz diu vader mich 
11140 Von yme wolle hien Verstössen 
Und mich zu den boesen ge- 
noessen ! 
Wann ich üppig vor jm stan, 
Durch mich allein kann ich nit 
entgan : 



11096. altzumale gehöret durch Längsstrich Hill, habest aus hast. dancke aus 

getrennt. daneken. 

11099. deit = tete, 11142. yn Hs., ym mit h. 

16* 



244 



Des Pilgers Marien -A. B. G. 



Wo du nit mit bij mich, staen, 
11145 So mag ich nummer freude gelian. 
Himelsche konnig'ynne, 
Alle nryne synne 
Sint zu dir geneiget sere; 
[339 '■] Dann myn Got und myn herre 
11150 Wolde durch sine wolgefellicheit 
Und durch sine mildikeit 
Hie mentsche werden, 
Das er sich uff diser erden 
Mit uns verbinden wolde. 
11155 Mit yme wuhß in siner kintheit 
Gnade aen alles leyt; 
Dar umb ich hoffen zu yme hau 
Das er mir sij nit solle versan: 
Ich solle ir noch einwenig ge- 
messen 
11160 Und mich in sine gnade sließen. 
Ich finden nit in keynen weg 
Da ich myn behelteniße so wol 

finden möge 
Als ich nach Gotte an dir dun. 
Wann ich hie usserwege dun, 
11165 Das ich balde zu wege komme, 
Dine gnade mir zu helfe kommet. 
Die sal mir geleide dun 
[339"] Und mir machen myne süne 

Mit dem konnige, dem sone din, 
11170 Das ich möge in syme hoffe sin 
Und das ich komme in den 

rechten weg 
Und nit berure den smalen steg. 

Kalender sind eiiuchtet 
Und ander bücher durchreichtet, 
11175 Wann du sij mit dime namen er- 

luchtes ; 
Und vor missefal du sij zeiches 
Und die nu uff wege sint 
Zu dir umb ir artzetie zu finde. 



Zu mir wolles du geneiget sin; 
11180 Dan ich wil wider uff den weg 

din. 
Hilff das ich werde geartzet fyn! 
Nit lyde das der soen din 
Uß der scheiden duhe das swert 
Sins gütlichen gerichtes wert, 
11185 Das is werde an mir verkorn 
[340'-] Das ich dar durch werde verlorn! 
Laß nit versmahen dich 
Myn gebet, das ich 
Nu zu dir dun: 
11190 Ich kan mich nit von dir gedun; 
Ich weiß mich nit zu wem anders 

dun 
Dann mich zu dir zu ziehen 
Und auch dinen son nit zu fliehen, 
Der auch von dir ist kommen. 
11195 Dar umb bin ich zu dir kommen 
Das du yn nit laßest schießen 

schärften schoß, 
Wie wol ich bekenne daz myn 

sunde ist groß, 
Dar umb man mich wol mochte 
verstoßen. 
Aber wiltu, so bin ich der bloiß: 
11200 Durch dich wirt balde wider- 

getzogen 
Die krangheit die so nider ist 
gebogen. 
Moyses gesach in einre figure 
Das du Jhesum, dinen son, ent- 
finge dure: 
[340"] Einen boesch gesach er wider 

nature 
11205 Der da gar hübsch entbrante 
Und doch zu male nit verbrante. 
Das bistti, dar an bin ich nit be- 
drogen. 



11144. bij üb. schwarz gestr. vor. 
11191. nit h, fehlt Ms. 



11205. ent in entbrante zugeschr. 



Des Pilgers Marien- A.B. 0. 



245 



Got ist das füre das bij dir wart 

getzogeu , 
Und du der boesch der gleubigen 
11210 Yren braut zu messigen. 

Mit dem gesien, jungfrauwe fyn, 
Laß mich von dir entphangen sin 
Und duhe mir uß das cleit 
Der sere großen unreynikeit! 
11215 Nu laß mich gemessen, fur- 

stynne dieser weit, 
Das dir ist keine gelich getzelt 
Und das keine zweite ist; 
Dann du is alles alleine bist! 
Von dir kommet und in dir ist 
und sint 
11220 Alles das gut das wir hau und in 

uns sint: 
Wir han keinen andern zuzoch, 
Dar umb du alle mentschen zu 
dir hoch 
[34i»-]Haist getzogen in dine gewalt, 
Dar uff sich der mentsche alleyn 
fiden muß und sal. 
11225 Is kann auch kein mentsche ge- 

schriben alle, 
Gesagen odir auch beduden 
Noch auch gemalen mit keiner 

list 
Wie grondeloß dine glitte ist. 
O Hecht der nit sehenden 
11230 Und geware rüge der viel 

müden, 
Alles guden schatzhelderynne, 
Alle lüde wartent uff dich 
Die den rechten glauben hant 
sicherlich 



Und die zu dir haut gantzen 

glauben. 

11235 Du bist nie keime bitter gewest, 

als ich gleuben; 

Dann du nente dich kammeriere, 

Da zu dir qwam der große riese 

schiere. 

Nu bistu Godes cantzelerynne 

Und der gnaden almoserynne 

11240 Und allen luden begirde 

[341 "] Und ein wol gefallen zierde. 

Porte der gnaden, ich han 

willen zu fragen 
Und zu wissen aen bagen 
Was Got qwam suechen 
11245 Das er sich wolte in dich sließen. 
Er wart in dir als worin in der 

erden : 
Ich meynen nit das is were von 
krieges wegen 
Odir mich hie niden zu begraben 
in der erden. 
Frauwe, fülestu mich nu irren, 
11250 Mit wappen dar man mich nit 

' beslaen, 
Sonder allein yn zu ruffen an, 
Wann er umb mich kommen ist 
sich zu begraben. 
Wilt er is nit vor übel haben, 
Sine hulde mag ich noch wol 
haben. 
11255 Qwam er uff dise erde in der 

achte, 
Da ich mich dar na bedachte 
Das ich dich und yn ertzurnet 
hatte 



11217. Tor keine ist nit u. vor ist: bist 
schwarz gestr. 

[11222.] Kustode unten auf Bl. 340": haist 
getzogen in. 

11225. alle zugeschr. 

11246. das zweite in üb. schwarz gestr. vö. 



11255 zwischengeschr. , um ein Q als An- 
fangsbuchstaben des Liedes zu haben. 

11256. Da Mnt. gestr. Da in. ausgezeich- 
netem D. na bedachte Jcorr. aus nach durch 
bedacht hatte. 



246 



Des Pilgers Marien- A. B. G. 



Und daz myn leben waz zu böse 

gekörten 
Und das große sunde mich störten 
11260 Und das is gestern böse was und 

böser hude, 
[342>-]<z u s t 0I1 t ru ff m i r w i c ier lüde! 
Frauwe, maget werde, so ich zu 

dir fliehen, 
So wolles mich zu dir ziehen. 
War sal ich anders dann in myn 
gewist fliehen? 
11265 So keyn gut sich wil zu mir 

nigen 
Und bin böse ee ich ringe, 
So ist mir der verdrieß vaste 

umberynge. 
Eechte und wol straffe mich, 
Mütter und maget! dan ich be- 
sorgen mich 
11270 Das ich nit durffe erbeiden 
Myns vaders straeffen aen ar- 

beyden; 
Dan sin straffen so hart griffet, 
Und nicht vor yme ungestraffet 

belibet 
Wann er wilt strafEonge dun. 
11275 Das machet mich sere fochten 

dun, 
Dan ich hau übel gelebet 
Und han myn leben gebosert. 
Zu dir sal das gerichte staen: 
So ich dine gnade ruffen an, 
[343"] Dann salt du die salbe han. 
11281 Sist mir guedig, mutter und 

maget, 
Myne swerde sij dir geclaget! 



Aen dich mag niemans icht han, 
Aen dich diu soen nit geben kan; 
11285 Dann er hat dich gemacht 

meisterynne über al. 
Wann du wilt, so vergibet er 

alle: 
Durch dich ist das gerichte be- 
stalt; 
Dann du haist alle gewalt, 
Du bist dar ane meygerynne. 
11290 Es enist keine furstynne 
Noch auch keine konigynne 
Durch die er sin recht me hin 

stelle. 
Behude uns vor der helle; 
Dann du bist dieser weit 

regier erynne 
11295 Und des hiemels ordeniererynne. 
Tempel heiliger, da Jhesus inne 
wonete, 
Dem die heymelich sint die da 

erbent, 
Wann ich nu enterbet bin, 
[343'-] Dar umb ich her zu dir kommen 

bin, 
11300 Das du mich erbest mit dir 
Durch die gnade die dir 
Din eingeborn son hat getaen! 
Obe ich mich wol beflecket hau 
Mit den dornen der boßheit, 
11305 Das ruwet mich sere in warheit: 
Dar zu hait mich die sele er- 
wecket, 
Die noch einßdeils da mit ist be- 
flecket. 
Uff dich han ich sere gebuwen: 



11258. gekörten üb. gestr. ge . . . ten. 

11261. raff = raff ich. 

11262. so übergesehr. 

11265 7corr. aus So ich das gut zu viel wil 
fliehen. 



11267. vaste übergesehr. 

11270. das s in Das gestr. u. ein n über- 
gesehr., nachher aber dieses n wieder getilgt. 

11279. ich üb. gestr. man. Buffen aus 
Büffet. 



Des Pilgers Marien -A. B. C. 



247 



Laß mich diner grossen truwen 
11310 Geniessen, frauwe von hoher art! 
Nit laß daz sloß und den torn 

hart 
Des paradises vor mir beslossen 

sin, 
Sonder laß mich dar uff und dar 

in! 
Nit kere dich von mir hien! 
11315 Dann in noeden bist du myn 

schryn. 
Hilff mir, nit wolles lange sin 
[343^] Odir setze mir einen dag da hien 
Da dine gnade gibt grossen 
sehyn ! 
Xpc, din son, der her abe 

kommen ist 
11320 Uff erde und an daz cruce ge- 
hangen ist 
Und durch mich sine sijtte uff- 

gedaen hat 
Und sine große krafft übergeben 

hat 
Und vor mich sinen geist hat uff- 

geben 
An dem cruce hangende und sin 
leben 
11325 Auch dar an hait gestrecket, 
Durch mich sin blut hait er- 
wecket : 
Das- han ich alles wol verstanden 
Das er sichs umb myn heil hat 

underwonden. 
Wann ich yn nu ertzurnet han 
11330 Und yme sins lidens nit ge- 

dancket han, 



G-nade ich dich bijden, ob ich 

kann : 
Ere und lop ich yme gesaget han. 

Ysaack betzeichente das, 
Der uff sinen dot nit achte bas 
11335 Synem vatter gehorsam zu sin: 

Als ein lamp lies er is sin, 
[3U>-] Albeydende leit er den dot sin. 
O erliche maget und mutter, 
Duhe durch dinen son den guten, 
11340 Obe ich verlorn han myner seien 

hüte 

Und in myme harten hertzen nit 

han die wele, 

So schaffe daz dine gnade mir er- 

sehynen welle 

Follenclich! dann sij ist all eine 

dyne; 
Dan er hat sij dir geben nach 

dem willen din. 
11345 Zacharias und dieser myn 

draum 
Haut mich erwecket und geladen 

samme 
Das ich von dir gnade erbeiden 

solle. 
Uffenclicher born ich dich nennen 

solle, 
Alle sündige mentschen 
11350 Dar uß schone zu weschen: 

Das ist eine letze gut zu wissen. 
Und du is wilt in dime milden 

hertzen wissen, 
So kann ich doch nit wol ge- 
wissen 
Obe myne scholt desta kleiner sy 



11321. hat üb. gestr. ist. 11340. 

11322. Vor übergeben ist hait gestr. u. da- 11342. 
hinter hat zugeschr. mgeschr. 

11324. sin leben üb. gestr. gestrecket. 11345. 

11325 zwiscliengeschr. excite. 

11331. ob ich übergesehr. 



myne ans myne. hüte mgeschr. 
ersehyne aus ersehyne. welle 

Orig.: Zacharie de mon somme me 



248 Nach dem Gebet richtet sich der Pilger an seinem zurückerhaltenen Stabe auf. 



11355 Von den die den appel haut 

gessen hy. 
[3M»] Verstaut dar zu mich zu weschen, 
Mich zu hüden und zu schirmen, 
Daz mich daz gerichte nit wolle 
verderben ! 
Hette ich ethicorum daz buch 
gelesen, 
11360 Behalden und auch überlesen 

Und das ich dar nach nit arbeite, 
So were ich zu male verleite 
Als der der zu male gefallen ist 
In ein garn und dar nach in sin 
netze. 
11365 Maget, myue sele rufet zu letze 
Und spricht: "owe"; sij ist 
muede, 
Dann sij dich zu bijden sich ver- 

müdet 
Und dut nit so viel als ir geburt 
Umb das ich dich und yn han 
ertzurt. 
11370 Es ist klein daz ich geen dir 

suchen; 
Dann ich muß dich zu bijden ge- 

rüchen : 
Hüff das is nit umb sust geschie 
Und daz ich nit umb sufi dich an 

schrie ! 
Ich globen dir besseronge 
[345'-] Und der auch aen lugen ubonge 
11376 Und setzen dir des zu phande 
Myne sele vor alle schände 
Und bijden dich uff daz leste, 
Wann is kommet an myn lestes, 
11380 Das du mir wolles feien nichte 



Und siest vor mich an dem ge- 
richte, 
Uff das ich erblich 
Besitze das leben ewenclich. 
Amen. ' 
Da ich also mit synne 
11385 Myn gebet hatte getan zu der 

ußgeberynne 
Der gnaden, huff ich myn handt 

uff hoch 
Und mynen stab ich zu mir zoch. 
Gnade, als ich uch vor hau 
ertzalt, 
Gab mir yn von yrer guten ge- 
walt. 
11390 Do ich yn hatte, zu Gnaden 

sprach ich do: 
'Yetzet duncket mich, frauwe, 

also, 
Wann ir mir also helffen wollent, 
[345"] Das ich balde wider uff stan solle 

Und bin gar bälde erneret 
11395 Wann ir mich mit uwer salbe 

smeret. 
Ich weiß das myn karfonckel 
Erluchtet hait das donckel 
Da inne ich bin gewesen. 
Die ledickeit uch ist gegeben 
11400 Zu helffen den ir wollent eben, 
Wie wol das ich dotwont bin. 
Entschuldiget mogent ir nit wol 

sin: 
Ir sient eine ußgeberynne 
Und dar zu eine almuserynne. 
11405 Sy wilt das yn allen gedeilet 

werde 



11355. hy eugeschr. 

11359. dz buch übergeschr. 

11361. vor nach, gestr. n. 

11379. lestes wohl aus bestes, 1 auf Basur. 

11386. hädt aus hätt(?). 



11398. ich bin aus ir sint. 

11399. Die aus Das. 

11401. ich — hin üb. gestr. sij — sint. 

11402. vor entschuldiget (aus entschuldigen) 
gestr. uch. wol sin sugeschr. 



Ben alten Weibern entkommen, soll er jetzt ein Bad im Wasser eines Felsens nehmen. 249 



Und zu almuse gegeben werde, 
Und das uwer niemans bresten 

habe 
Und uwern guden willen habe, 
Also das er von uch helffe habe; 
11410 Das stet nit an yme, dann an 

uch. 
[346 r] Helffent mir! sij hüff et mir auch: 
Ich sturen mich daran und han 
mich dar uff gefleden auch.' 
Also reichete Gots Gnade mir 
eine handt da 
Und sprach zu mir also: 
11415 'Die wijle du so groß getruwen 

hast zu mir, 
So wil ich auch helffen dir: 
Reich her den finger und griff 
dinen stab 
Und stant uff, du dich dar an 

hab! 
Nu hüde dich, nit drag mich! 
11420 Umb suß du den finger reichest 

bij mich 
Wo uff zu staen dir nit hulffe 

ich.' 
Da reichete ich ir den finger myn 
Und erwuschete auch den stab 

myn. 
Ich arbeyte und so sere behalff 
mich 
11425 Das von den alden wiben qwam 

ich. 



Sy waren uberwonden und er- 
feret da: 
Yecliche gienge in ire heymwise 

da. 
Aber ich sag sij dar nach aber 
me 
[346^] Und daden mir dannoch kommers 

me. 
11430 Ja, und spreche ich allen dag, 
Ich wene daz ich dar an nit 

liegen mag. 
Da wijsete mich Gots Gnade 
einen felß groß 
An einem ende, das was hoch. 
Ein äuge uff dem felse, daz was 
auch gros, 
11435 Dar uß viel wassers flos 

In eine bilden die dar understunt: 
Das entfieng alles daz dar in kam 
zu stuut. 
'Sihestu', sprach sij, 'die 
bilden?' 
'Ja', sprach ich. — 'Da inne saltu 
baden 
11440 Und da inne saltu heylen 

Dine wonden, dich weschen und 
bereyden.' 
[347'-] 'Nu sagent mir', sprach ich zu ir, 
'Wannen kommet daz wasser dar, 
bijden ich uch sere. 
Das äuge das ich gesien, erferet 
mich gar sere 



11411. Helffent mir sij hilffet üb. gestr. Sij 
wil mir helffen helffent. 

11412. auch sugeschr. 

11413. handt aus hant. 
11417. stab aus stabe. 



11418. hab aus habe. 

11427. heymwise = heimwist. 

11433. An üb. gestr. vnd. eine aus wo- 
hinter ende gestr. da bij. 

11434. dz u. auch übergeschr. 



vor 11438 Bild (83) mit Neoenschrift rechts: wie gods gnade wiset den weller zu 
baden in dem wasser des felßes. Aus einem Becken, in welches ein großes Äuge Wasser ergießt, 
schlagen Flammen empor. Fels nicht dargestellt. 



250 



Der Pilger glaubt nicht genug Wasser (Tränen der Reue) m haben. 



11445 Und das wasser das dar uß gel' 

'Nu verstaut', sprach sij, 'ein- 

wenichet 

Und halt din ore her bij mich 

Und verstant eben waz sagen 

ich! 
Der felß den du gesihst da, 
11450 Der ist das hertze des der da 
Ist bestalt recht als der dyne, 
Der do hat gelaßen den guden 
weg syn, 
Den weg des heiles, und ist gar 

verhertet 
Als der felß und unverwartet 
11455 Und uß siner irronge ist wider- 
kommen. 
Nu sage ich dir: wann ich han 

abe genommen 
Und yn ettwie lange in sunden 

verlaßen, 
Ettwann beduret mich sin 
Und daz ich zu yme keren daz 
äuge myn, 
11460 Das ich yn dun sich bekeren und 

wenden, 
[347»] Das er sich und sine dat wil er- 
kennen. 
Und wann er wol hait besehen 
Sine hertikeit und hat sime 

hertzen verjehen, 
Bälde fahet er an zu schrien, 
11465 Zu truren und wasser zu sijgen. 



11451. bestalt übergeschr. der aus du. 
dyne mgeschr. 

11452. den gude weg syn eugeschr. statt 
gestr. nu. 

11455. ist] l. nit? B. 

11456. Nach wann steht wan ich han abe 
üb. gestr. du hast gelaßen. genöme mgeschr. 

11457. yn ettwie üb. gestr. is so. 

11458. vor sin gestr. n. 

11459. Mißverständnis; Orig. (11264/66): 



Ein born wurde gerne da 
Das zu weichen, mochte er is 

follenbringen da. 
Aber umb das er des nit enkann 
Und uff das sij nit wil verlorn 

han 
11470 Yre arbeit, so hait sij dar under 

gesatzt 
Die buden, die hait sij da mide 

genatzt. 
Sij wil nit daz verlorn werden 
Die trehen gespreidet uff der 

erden. 
Sij sint gut zu machen das badt 
11475 Dem der solichen gebresten hait. 
Es ist der zweite dauff, 
Da mit Busse dut iren lauff 
Und da mit sij wol gemachen kan 
Yre lauge und da mit buchen 

kan. 
[348'-] Da inne wart gebadet und ge- 

hitzet 
11481 Die Magdalene zu zijden und ent- 

hitzet. 
Sant Petter badete sich auch dar 

inne 
Und det das mit großem synne, 
Und die Maria Egipcian 
11485 Und viel andern da ich nit sagen 

van. 
Zu Bussen, hettestu gewollet, 
Du gesaget hettes obe du wolles. 



. . . son eul devers li 

Li fais oonvertir et tourner 

Pour soi, quel s'est fait, regarder. 

11460. sieb hinter dun übergeschr. u. hint. 
vnd gestr. 

11468. er üb. gestr. sij. 

11486/'. Orig. (11289/90): 
A Penitance, se vousis, 
L'ouis dire, quant la veis; 
h: Zu büßen wolst gan sagen wan du sie gesiest. 



Gottes Gnade schlägt mit einer Hute noch mehr aus dem Felsen (Hers des Sünders). 251 



Und dar umb, wiltu gesont sin 
Und auch da bynnen gewesenen 
An, 
11490 So mustu han diese reynionge.' 
'Frauwe', sprach ich, 'ich wolde 
daz uwer meynonge 
Were mich biß dar zu füren, 
So wolde ich gerne dar zu sturen: 
Aen uch dede ich nuschit da.' 
11495 Sij sprach: 'is gefeilet mir wol 

also ; 
Gang vor! du findest mich da, 
Du kanst nit so balde gewesen 
da.' 
Nu sage ich uch: ich gieng dar 
alda 
[348«] Fuß vor fuß und fant sij doch da, 
11500 Aber sij was under dem wölken 

gehelet 
Als vor und auch verdecket. 
Da ich dar qwam, die buden ge- 
sag ich bas 
Und gesach das sij nit halber 
folle was. 
'Frauwe', sprach ich, 'ich han 
nit genug 
11505 Wassers daz ich mich mit gudem 

gefug 
Dar inne möge geweschen; 
Es ist auch zu wenig dar inne 
zu baden.' 
Da senckete Gottes Gnade baß 

nider 
Eine rüde die sij hatte bij ir. 
11510 Ich ewweiß nit wo sij die hette 

genommen 



Odir 'wannen sij ir were kommen; 

Ich hatte sij bij ir nit me ge- 
sehen, 

Dar umb muste is mich wonder 
nemen. 

Ich gedachte is were die rüde 
Moysi, 
11515 Da mit er in der wustenij 

Die steine slug, daz sij wasser 
gabent, 

Da durch die kinder von Israhel 
iren durst begabent; 
[349 >•] Und is was sij auch gewerlich, 

Als ich das gesach clerlich. 
11520 Mit der rüden sij da slug 

Den felß und gab wassers gnug; 

In das bütgin das da under stunt, 

Dar in lieff das glich zu stunt. 

Doch nam is sinen umbganck, 
11525 Das is durch daz äuge davon ich 
sagte, ußdranck. 

'Nu hast du', sprach sij, 'wassers 
din gefug, 

Obe du wilt, dich zu weschen 
genug. 

Gang dar in und wesch dich da 
inne; 

Dann ich han dir is bereidt mit 
synne, 
11530 Ich han dir is lewelecht ge- 
machet. 

Sitze dar inne bis an dine 
backen, 

So wirt dir daz weschen gut!' 

Dar in gieng ich zu stunt in dem 
im.it 



11489. da übergeschr. vor geweseben 

schvjarB gestr. sin. 

11491. uwer üb. gestr. myn. 

11492. hint. füren gestr. lau. 

11493. zu sturen Ersatz für schwarz gestr. 
gan. 



11500. dem aus den. 

11502. hint. Da ein Buchstabe ausradiert. 
icb vor gesag gestr. u. dahinter übergeschr. 
11510. enweiß nit n. Orig. m. h statt weiß. 



252 



Indessen der Pilger verbleibt nicht lange genug im stärkenden Bade. 



Und wüsche mich, und badete ge- 
nug. 
11535 Is nette mich über alle ge- 
weschen schon 
Mochte ich is anders genug ge- 
lieden hau; 
[349<>] Aber ich gienge balde dar ran, 
Wan ich was solichs badens nit 

gewan ; 
Ich gleich nit dem Davidt, 
11540 Der da sprach daz er alle nacht 

zijt 
Yme uß sinen trehen machte ein 

bat, 
Und die in sin bette gespreidet 
hat. 
Da ich also yon dem bade uß- 
gangen was, 
Gots G-nade sprach: 'wenest du 
das 
11545 Das du also balde genesen siest? 
Nein zwar, nit gleube daz du so 
balde siest! 
Soltestu dich nu hau gelacht 
In dorne odir nesseln nacket be- 
dacht, 
Das du doch wol verdienet haist 
gehat, 
[350»'] Wie hettestu das erlieden gehabt, 
11551 Das du einwenig wassers geliden 

nit 
Magst, da an dine gesontheit lyt, 
Dar an du dich erfrauwen moch- 
test 
Und du auch zu lyden nit en- 
dochtes 



11555 Der hecke die du hast vor ge- 
sehen ; 

Das wil ich dir wol jehen 

Das du sij nie dorneter findest 

Und auch me krudelicher be- 
findest, 

Unglich als du zum ersten hast 
getan, 
11560 Daz du dich nit magst einwenig 

gelieden han 

Zu baden, als ich dir hatte ge- 
tzielt! 

Nu gang und duhe als du wilt! 

Ich wil besehen wie starck du 
siest 

Mit dem remenant den du noch 
vor dir liest, 
11565 Als du vor bist gewest. 

Ein gut ritter, wan der verwun- 
det ist 

Und yn der geschichte wol ent- 
brant ist, 
[350"] So ist er viel starckers müdes 

Und me ritterlichen hüdens. 
11570 Dustu nu auch also, 

So wil ich des auch wesen frohe 

Und dir desta lieber helfen. 

Dar unib so wolles dich bekelffen; 

Aber doch uff dis male nit me 
11575 Sihst du mich; dan ich enweg gee. 

Ich wil gesehen was du wolles 
dun 

Und welichen weg du nu wolles 
gan.' 
Da ich horte daz sij also sagte 
zu mir 



11568. das zweite r in starckers übergeschr. 11575. Unt. mich schwäre gestr. u. unter- 

pimktiertes mime. 



vor 11538 Bild (84) mit Nebenschrift rechts: Wie sich der weller Badet. Der Pilger 
sitzt im Becken, hält aber in der Beeilten Pilgerstab und Saclc. 



Gottes Gnade scheidet von ilmi: Er geht neuen Gefahren entgegen (4. Teil der Erzählung). 253 



Und das sij auch also det den 
willen ir, 
11580 Trurig ich wart und halp ver- 
lorn nu. 
'Ach Got!' sprach ich, 'was 

dustu nu? 
Ach jo, unseliger, a jo! 
Ach aber, du truriger, war saltu 

gen? 
War saltu so du nit weist wo 
hien? 
11585 Wo sal ich mynen weg nemen? 
[35i>-] ich nieynen nit das ye kein pil- 
gerin 
So sere geirrete als ich verirret 

bin. 
Ach lieber Jierre Got. hilff mir! 
Du bist der oberste knop mir 
11590 An iirynie stabe; ich rufE dich an 
Und bijden uch daz ich in uch 

gesehen möge an 
Wo myn weg ist und wie ich 

hin möge gan. 

Heiliger karfonckel luchtende, 

Davon myn stab also wol luchtet, 

11595 Erluchte mich: war sal ich gan? 

Du bist der knop dar an ich viel 

han 



Sicherheit und gut getruwen, 
Und han von mynen kintdagen 

uff dich gebuwen. 
An dich halden ich mich und 
sturen : 
11600 Hilffest du mir nit, so bin ich 

verlorn.' 
Als ich mich also klagette 
Und sij bat und mich erclagete, 
Ich bedachte mich uff weliche 
sijtte 
[351»] ich kette gelassen die hecke wijt. 
11605 Mit snellen gedachte ich zu gan, 
Wie wol ich doch wenig odir 

nust wiste wo hien gan. 
Balde genug hub ich mich uff 
den weg, 
Aber mynen dagen ich nit endet; 
Dann ich fant vil hinderongen 
hie. 
11610 Und wollent ir hören wie, 
So komment wider uff ander 

dagen, 
So wil ich ein gedencken han 

und is uch dan sagen. 
Hie hat das dritte buche ein 

ende: 
Got alle ubels von uns wende! 



Hie vahet daz vierde buch an. 



[353<] Nu horent hie wie große 
11616 Ich in mynie wege, der mich 

duchte groß, 



Gar viel hinderongen fant, und 

nit me 
Sage ich uch daz mich berurte me; 



11580. hint. halp gestr. vmbe (?). vor halp 
ein zu streichendes ist. Orig. (11375): Dolent 
deving et esperdu; h: da wart ich trurig und 
verlaß eil. 

11591. an sugeschr. 



gestr. 



11592. möge vor gan übergeschr. u. dahinter 
r. 

11607. vor mich gestr. mich. 

11608. Orig.: Mes pas ma journee ne fia. 



über der Überschrift des 4. Buches Bleistiftumriß eines Bildes: links der Pilger, rechts 
das Meer, auf dem folgenden Bilde dieselbe Situation, die deshalb hier keine Ausführung 
gefunden hat. 



254 Er Kommt an ein stürmisches Heer, in dem Männer und Frauen umherschwimmen. 



Dann in bergen und in dalen 
11620 Sach ich viel die mir missef allen 
Waren, Sachen von manicher- 

hande gestalt. 
Sij waren wunderlich und grulich 

verstarb, 
Davon numnier ende wurde 
Wann ich is uch ertzalen wurde. 
11625 Und also mochte is mich ver- 

driessen 
Und auch die ich is hören liesse. 
Nu sage ich uch, als ich also 

gieng 
Einen weg den ich angefieng, 
Vor mir fant ich ein mere, 
11630 Da ich viel hatte zu sehen sere. 
[355»] Vol ungewidders was is sere 
Von großen hinten und gewyndet 

sere. 
Manne und frauwen da inne 
warent, 
Die alle angetan da inne swam- 
ment. 
11635 Die eine hatten die fuße wider- 

berg über sich, 
Nit me von yn gesach ich; 
Die andern waren gelich unrecht, 
Die in den kleidern swommen 

recht. 
Auch warent ettliche me da 
11640 Der einßdeils hatten flugel da, 

Und scheyn daz sij sohlen fliegen 
[353 >•] Wo das mere sij nit wolde be- 

driegen. 



Ettliche sach ich in dem mere 
Mit den fußen gebonden sere 
11645 Mit langen krudern, die da inne 

waren 
Und yn faste schaden daden. 
Ettliche sach ich mit verbünden 

äugen 
Und andern die sich nit viel 
frauwen 
Und waren auch verstalt wunder- 
lich, 
11650 Des nu einßdeils geswigen ich. 
Da ich soliche Sachen gesach, 
Gröblich ich aber erschrocken 

was. 
'Herre G-ot', sprach ich, 'was ist 

dis? 
Nie me bau ich solichs gewist: 
11655 Soliche mere in myme lande nit 

sint 
Noch soliche fische, als mich 
duncket. 
Nu sehen ich wol daz ich nit 

fürbaß kan gan; 
Dann ich muß wider umb gaen 
Odir aber muß beliben hie 
[353"] Und uwer gnaden beiden hie. 
11661 Laße ich mich dar in, so bin ich 

erdroncken ; 
Grkeen ich uff eine sijtte, so bin 

ich geirret sere 
Wo ich nit yemands finde 
An dem ich icbt gudes ent- 
finde. 



11630. sere hint. schwarz geslr. mere. 
11633. n. Mäne ein Buchstabe (n) wegradiert. 
11641. scheyn dz üb. gestr. beduchte. 
[11641.] Kustode unten auf Bl. 352«: wo 
das mere sij. 



11643. in dem mere üb. gestr. gehindert 
11651. vor sache gestr. verlorn. 



vor 11631 Bild (85) mit Überschrift: Wie der weller vff das mere körnet, das Meer 
in der rechten unteren Ecke als grüne Fläche dargestellt, darin 3 schwimmende Menschen, nur 
in schwachen Umrissen angedeutet. [S. das Faksimile am Schlüsse des Bandes.] 



Entsetzt sieht er auch ein schivarzes Ungeheuer (Teufel) mit einem Netz darin. 255 



11665 Ich weiß nit, herre G-ot, was ich 

duhe 
Wo dine Gnade mir nit helffe 

duhet.' 
Doch bedachte ich mich 
In mir selbs und gedachte ich, 
Wo ich bliebe da, 
11670 Daz ich nit mochte gewynnen da. 
Des umbkerens ich sicher was, 
Wie wol is noch mynner myn 

gewynne was. 
'Uff den staden wil ich gan, 
Zu besehen obe ich mochte fon- 
den han 
11675 Schiff odir auch nachen, 

Da mit ich mich mochte über 
gemachen 
Und aen leit mochte überkom- 
men.' 
[354'-] uff ,j en we g lachte ich mich mit 

frommen 
Und gieng neben dem mere dar 
11680 Uff dem staden her und dar 

Und gieng doch nit ferre weges. 
Was sach ich, liebe lüde? wollet 

uch segen! 
Ein hesselich dier: alle die is 

betten 
Gesehen und beschauwet recht, 
11685 Sij wurden nummer me sicher, 
Wan is zu sagen nit endochte. 
Umb das myn sele is fochtet 
So sij an is gedencket, nach der 

gestalt. 



Das dier waz so hesselich und 
ungestalt 
11690 Das ich von dem sagen er- 
schrecken sere 
Wo ich viel davon rette mere. 
Ich hau bestalt daz is her nach 

gemalet werde 
Und auch eigenclich getzeichent 

werde, 
Uff das, wer wilt, daz der is ge- 
sehe; 
11695 Dan ich is anders nit wol uß- 

gerichten möge. 
Doch so ml ich uch davon 
sagen: 
Ich sach is in dem mere gan 

fische fahen. 
[354"] Sine angelen hatte es geworden 

dar hin, 
Das schydt hielt es in den hen- 
den sin. 
11700 Ein hörn hatte es an syme halse 
Und ein gebunt stricke umb sime 

halse ; 
Und flyehende netze hatte es ge- 
rächt 
Tuschen das mere under die wöl- 
ken gelacht. 
Da es mich gesach kommen, 
11705 Da fieng is an und bliese zu 

frommen, 
Und mit ungestummekeit 
Hub is an zu richten sin geleidt 
Und sine stricke in mynen weg, 



11686 zwischengeschr. 

11687. hint. Vmb gestr. mich ich is sage 
das. daz einzufügen, sonst wäre Umb in 

Dann zu ändern. 

11692. is üb. schwarz gestr. sij. 



11696. wil Hs., vil im Anschluß an das 
Original und h. 

11701. stricke üb. gestr. s . . . e. 
11703. Tusche üb. gestr. vff. 
11708. Vnd üb. gestr. In. 



vor 11704 Bild (86) mit Nebenschrift rechts: Wie der dnfel fischet in dem mere. der 
Teufel als schwarzes gehörntes Ungeheuer mit gelben Flügeln. Er steht mit einem Netz im Meere, 
das wieder als grüne Fläche dargestellt ist. 



256 Auf ein Signal des Teufels tritt dem Pilger ein scJieles altes Weib (Ketzerei) entgegen. 



Uff das ich yine nit entliefe en- 
weg. 
11710 Da ich. sack soliclie gereitschafft, 
Do wart icli mit schrecken sere 
behafft; 
[355'-] Dann ich sach wol, gienge ich 

do hien, 
Daz ich behalden wurde von 

yine. 
'Lieher Got', sprach ich, 'waz 

sal ich anefan? 
11715 Ich finden hosen weg, war sal 

ich gan? 
Von diesem pletze ich nummer 

kommen kann 
Wo ich von uwer Gnaden nit 
helffe han.' 
In dem wesen also 
Sag ich die ander sijtte kommen 
do 
11720 Ein altwip, das wolde lauffen. 
Eine welle holtzes zu verkaufen 
Sij uff yreni halse drug 
Und gieng hindersich halde 
genug 
Twergs und sach mich an hinder 
sich; 
11725 Dann sij was schele, duchte mich. 
[355"] 'Her', sprach sij, da sij nahe 

bij mir was, 
'Sicher balde!' 'wer bist du das?' 
Sprach ich, 'wem sal ich sichern 

nu?' 
Sij sprach: 'ich bin uff gudem 
wege nu 



11730 Zu halden und zu kommern sint 
Alle die zu pherde odir zu fuße 

sint. 
Ich heißen Ketzerige die schele, 
Und so balde ich hören daz hörn 

helle 
Das myn vatter dan bleset, 
11785 So komme ich, myn wille das nit 

lesset, 
Uff zu halden und zu hindern die 

pilgerin 
Und yn zu nemen die secke sin. 
Secke hassen ich vor alle sachen, 
Des muß ich dich wise machen; 
11740 Den dinen wil ich dir nemen, 
Obe ich kann, und den zerrissen 

eben. 
An den schellen sehen ich schlifft 
Die nach myme gesiebte nit 

recht geschrieben ist.' 
[356 >■] 'Swig', sprach ich, 'verfluchtes 

altwip ! 
11745 Die schrifft ist recht geschrieben 

uff mynen lip, 
Aber du sijhst sij nit recht an. 
Mit schelen äugen sihestu sij 

ubertwerg an, 
Das gesiebte mag nit sin ge- 
recht.' 
'Das schadt nit', sprach sij, 'ich 
wil siecht, 
11750 Nach dem ich mit den äugen 

sehen, 
Die schlifft corrigieren und 
straffen 



11724. mich an übergesclir. 

11726. sij nahe bij mir üb. geslr. ich ge- 
fangen. 

11744. ich üb. gestr. is. 



11747. sij u. an gugeschr. 

11749. siecht gugeschr. 

11750. n. sehen zu streichendes wil. 



nach 11725 Bücl (S7) mit Nebenschrift rechts: Ketzerie feilet den weller an. Ein altes 
Weib mit einem Bund Holg auf der linken Schlüter redet m dem Pilger. 



Ketzerei loirä Dom Pilger vertrieben. 



257 



Odir sij zerrijßen laßen. 

Als du sijhst daz ich hinder mich 

gan 
Und mir die ferssen vor sich 

stan, 
11755 Und das ich den andern nit 

nachgan, 
Also gesehen ich auch nit 
Als die andern zu der schlifft. 
Ich werden des noch gebrant, 

gleube ich, 
Und in ein füre gelacht sicher- 
lich. 
11760 Dar umb drage ich hie mit mir 
Ein gebunt holtzes, daz gehört 

zu mir: 
Es ist bereidt an daz füre dar 
an zu legen.' — 
[356"] 'Bistu die, sage mir aen liegen, 
Die die templer verhornen det?' 
11765 'Ja zwaer', sprach sij, 'ich bin 

die, 
Und salt wissen daz ich bin auch 

die 
Die die dedinge erhub wider 

Augustin 
Zu der zijt da er was ein pilge- 

rin ; 
Aber ich mochte yme nie abgetun 
11770 Sinen sacke odir den von yme 

getun. 
Mit mynen großen schänden 
Schiede ich von yme dannen: 
Is was dorheit daz ich yn an- 

qwam.' 
'War umb', sprach ich, 'koni- 

mestu mich an nu?' 



11775 'Wie', sprach sij, 'wenest du 
Das du so stark sies als er?' 
'Nein zwar', sprach ich, 'aber 

ich sage dir mer: 
Die wile ein man dich hat uber- 

wonden, 
So saltu nit me so swerlich kom- 
men 
11780 Wieder ander manne.' 

'Ha', sprach sij, 'sij hant nit 

alle glich namen 
[357 ''•] Und sint auch nit alle glich 

starg. 
Ich han sijt ettlichen fonden der 
sich verbarg, 
Den ich über yren willen han 
genommen 
11785 Tre secke und bin sij überkom- 
men : 
Also wil ich auch mit dir dun. 
Wol an, aen beiden gib mir her 

balde 
Den sack und duhe yn von dir 

abe!' — 
'Sichei', des endun ich nit!' 
11790 Da greif: sij mich an mit nydt: 
Ich was so dorechte daz ich mich 

föchte 
Das sij mir mynen sack nemen 

möchte 
Odir das sij mir den zerrysse 
Und mir ettwas dar uß nemen 
ließe. 
11795 Doch ich erbaldete genug; 
Mit myme stabe ich sij slug 
Und det sij den pletze rumen 
Da sij dann was zu mir kommen. 



11762. dar an übergesclir. 

11783. nach ettliche einBuchstabe wegradiert. 



11793. den aus die.. 



nach 11798 Bild (SS) mit Nebenschrift rechts : Gods gnade Eedet zu dem weller. links 
neben dem Bilde figne'. 

Deutsche Texte des Mittelalters. XXV, 17 



258 



Gottes Gnade erscheint und geht mit dem Pilger am Meere entlang. 



[357-] Da sach ich Gots Gnade kom- 
men, 
11800 Die rieff zu mir zu frommen. 
Sij sprach das wol getan hette 

ich 
Das ich also beschudt hette mich, 
Und das sij mich dar umb wisen 

wolde 
Mynen weg und mit mir gan 
wolde. 
11805 'Frauwe', sprach ich, 'ich 

dancken uch 
Das ir so halde uch 
Her hant zu mir gefüget. 
Daz liait mir wol genüget 
Daz ir sint komen her 
11810 Und das ir mir hant versprochen 

mer 
Und mich hie hant getröstet; 
Dann myn sache alle uff Verlust 

stet. 
Ich were verdorben in dieser 
stunden 
Hette ich uch hie nit fonden; 
11815 Und werent ir langer ußgewest, 
So were ich gar verlorn gewest. 
Das wilde diere da 
Det mich gar vertzagen da, 
[35S<-] Und daz wilde mere auch da bij 
11820 Hatten mich erferet daz ich nit 
weiß wie mir sij. 
Noch weiß ich nit was es ist, 
Wo ir mir nit sagent waz es ist. 
Nu bijdde ich uch daz ir mich 

lerent 
Und in diesen Sachen wisent.' 



11825 'Man mag', sprach sij, 'alle 

gande reden 
Odir aber mit reden sere gan 
werden. 
Geen wir, so wil ich dich wisen 
Kurtzlich die Sachen und dir die 
sagen.' 
Nu wil ich uch sagen: als wir 
gingen 
11830 Und nebent den stricken hien 

gingen 
Die das wilde dier hatte gerächt 
Und vor myne fuße hatte ge- 
lacht, 
Wir giengen dar bij hien 
Und einßdeils dar über hien; 
11835 Es dornte nit einwenig grommen 
Umb das Gnade waz dar kom- 
men. 
Langes daz mere uff der sijtten 

her 
Gieng Gots Gnade zu mir reden 
her. 
[35S»] 'Das mer', sprach sij, 'das du 

gesijhst, 
11840 Das ist die weit, die nummer ist 
Aen große anfechten 
Durch üppige ere die da inne 
wegeten; 
Daz ist der blaßbalg den Hoffart 
gedragen hait, 
Als du mit den äugen dan ge- 
sehen haist. 
11845 Durch dis mere wonderlich 
Swymment und gent viel lüde 
imglich. 



11803. sij übergesclir. 
11808 zivischengeschr. 
11809. vor Dz gestr. vnd. 
11822. nit übergesclir. 
11825. Man üb. gestr. wo. 



hint. mag 



schwäre gestr. man. alle übergesclir. 



11829. sagen n. Orig. m. h eingefügt. 
11839. Das mer aus D... (F). 
11842. wegeten, Trat, .sitwaejen; Orig. : qui 
y vente. 



Dabei belehrt sie ihn über das Meer und die verschiedenartigen Menschen darin. 259 



Die eine hant die fuße oben, 
Das sint die die sich hant über- 
laden 
Mit dem sacke der Gridikeit zu 
dragen. 
11850 Das ist nit gefuglich in dem 

mere zu waden; 
Dann sine große swere 
Drucket yme daz heubt under 
das mere 
Und dut yne undergan, 
Also das er nit kann in dem 
mere gan 
11855 Odir auch dar zu nit geswymmen 
Noch auch übersieh zu klymmen. 
[359»'] Soliche lüde achten ich als ver- 
lorn 
Bis das sij das alles wider hant 

verkorn 
Und auch wieder nider geworffen, 
11860 Daz sij der swerde numme sor- 
gen dorffen. 
Die andern die strack da inne 

gant, 
Der auch einßdeils flugel hant, 
Wisse das das sint lüde 
Die in der werlet hüde 
11865 Nit me suchent dan yren uffent- 

halt alleine 
Und vort ein gut getruwen hant 
zu Gotte alleine! 
Die sint in dem mere also; 
Dan sij konnent liplich nit an- 
ders dan also 
Geleben; aber das geistliche leben 
11870 Suechent sij in der weit nit, daz 

yn were eben; 



Dann sij wissent wo is yn mag 

werden. 
Dar umb gent und swymment sij 
glich uff erden 
Und machent yn flugel von 

dugenden, 
Da mit hoch in oberlandt zu flie- 
gende. 
11875 Die lüde gliche ich einem vogel: 
[359 »J Wann der über mere fliegen sol 
Und mit fliegen ist überladen, 
So , nimmet er sich an zu swym- 
men und zu baden, 
Und in dem swymmen hebet er 
uff sine flugel 
11880 Und machet dar uß einen segel, 
Daz er sich nach dem winde 

möge halden 
Und nit zu gronde könne ge- 
fallen, 
Uff das er nit möge gefliegen, 
Als er vor det, und sich bedrie- 
gen. 
, 11885 Also dunt die davon ich mit dir 

reden; 
Dann sij von notdurfft in der 

werlde sint, 
Und yre willen doch anderswo 
sint. 
Von den die mit den fußen ge- 
bunden sint 
Und mit dem krude bewonden 
sint, 
11890 Wisse das is weltliche lüde sint, 
Die gar uff die weit verflissen sint 
Und ire gedencke dar uff ge- 

slagen hant 



11861. gant aus gent. 
11864. hüde hint. gestr. alleiue. 
11875. h nennt den Vogel nach dem Orig. 
ortegometra. 



11876. über mere durch Längsstrich getrennt. 
11883. Orig.: a fln que repuist voler comme 
devant dessus la mer. 



17* 



260 Gottes Gnade über die MenscTicn im Meer und den ihnen nachstellenden Teufel. 



Sich ,zu fugen zu uppikeit 
Und uppeclicher weltlicheit. 
[360'-] Sij AYollent lieber unnutze zu 

schaffen han 
11896 Dan jonge ldnde die zu den bru- 

den sollen gan; 
Und durch solichs werden sij 

bewonden 
Und mit henden und fußen ge- 
bunden ; 
Ich weiß nit wie sij mögen 

swymmen, 
11900 Sij hant zu schaffen genug daz 

sij gan können. 
Von den den die äugen ver- 
bünden sint, 
Und steent als die die da ge- 
blendet sint, 
Wisse das das sint dorette lüde, 
Die nit gleubent dann an die ge- 
tzierte lüde 
11905 Und an das das sij gesehent 

ussen. 
Sij wollent sich aber nyt müssen 
Zu besehen wie die weit inneir 

sij 
Und wie unreyne daz sij sie da 

bij, 
Und kennent nit das da inne ist, 
11910 Und stoppent sich doch mit liste 
Als die dorynn die da eine. 

hubscheit hait, 
Davon zu zijden geredt hait 
[360»] Salmon und sprach sij were 

üppig, 
In der episteln von der Magda- 
lenen er nit swigt. 



11915 Mit der uppikeit sint sij gebun- 
den, 
Die du da gesihst, und verbünden: 
Sij hant äugen da mit sij nit ge- 
sehent 
Vor uppikeit die sij dar vor 
hegent ; 
.Von glucke und gesontheit 
11920 Und auch von grosser uppikeit 
Yn yre äugen gar geblendet sint. 
Sij sint in noeden, das sihestu 

wol, 
Von yn ich dir nit me sagen sol. 
Aber wütu von dem wilden dier 
11925 Icht hören daz da get fischen 

schier, 
Davon wil ich dir ettwas sagen 
Aen liegen, wiltu dar zu getagen. 
Das dier heißet Sathan, des sijs 

gewiß ; 
Der dut allen sinen fiyß 
11930 Alle die in dem mere sint, zu 

haben 
Mit fischen und mit krappen. 
[361'-] Sin schit das ist sine versuchonge 

an, 
Da mit er versuchet frauwe und 

man; 
Welichs dar an gehellet, 
11935 Zu hant es in die angel feilet, 
Und zuget die balde zu yme 
Und dreget sij dann auch mit 

yme. 
Aber umb das er sij nit alle mag 

han 
Odir sij nach sinem willen ge- 
fallen, 



11900. gan vor könen übergeschr. u. da- 
hinter gestr. 

11911. Als a. B. sugeschr, 
11920 swischengeschr, 



11932. an zugeschr. 

11939. gefahan Es., aus gehan verbessert; 
dabei das a in e zu verändern vergessen. 



Gottes Gnade über die Nachstellungen des Teufels. 



261 



11940 Das ist das er sij mit angeln nit 

alle fahen kan 
Und sij mit kleinem versuchen 

nit alle bedriegen kan, 
Als er wilt, fahet er sij nit alle, 
Dar umb hait er gelernet balde 
Die stricke machen und spynnen 
11945 Und auch die netze die da 

swymmen, 
Zu machen und dar zu die garn 
Mit flugein die die sijtten be- 
warn, 
Und vor die flugel swebende 

garn. 
Von den die du gesihst flugel 
han 
11950 Und ein gut wol gef ellig leben 

han, 
[361"] Der fogeler ist er worden. 

Umb yren willen hat er sin garn 

getzogen 
Uff das mere, daz sij mit yren 

flugein nit slagen 
Und sich da mit nit von yme 
jagen. 
11955 Von den die er dencket daz sij 

ußswommen 
Odir auch sust mögen ußkommen, 
Ist er worden ein jager, 
Und die stricke hait gestalt er 
Und auch seile in iren weg. 
11960 Da kommet keinre druß er wil 

yn hindern, 
Is sij an fußen odir an henden. 
Du sehe keine spynne nye 
Die so nianich weppe ye 
Gemachte zu fahen fliegen 
11965 Odir mochte so groß arbeit an- 
gelegen 



Als das diere sich dar hin muget 
Wie es den menschen bedruget. 
Zu allen zijden es versuchonge 
dichtet, 
[368 >•] Allen dag machet es stricke und 

die vernychtet; 
11970 Allen dag richtet es sine garn, 
Sine netze und wilt die nit 
sparn. 
Aber sicher, der wise were 
Und auch da bij starck were, 
Uff alle sine stricke achte er nit; 
11975 Dan is ist anders dan spynne- 

weppe nit: 
Die sint balde zurbrochen und 
zurryssen 
So eine große fliege dar wider 

fluget mit flyssen. 
Davon sant Jheronimus 
Dar uff sprichet alsus: 
11980 "Einre wolle dan, so wirt nieman 

uberwonden 
Mit sinen stricken noch dar in 
bewonden ; 
Dann sij sint kranck, er und sine 

stricke." 
Aber dar umb sage ich is nit. 
Du salt dich gar dicke 
11985 Vor yme huden flisseclich 
Und auch da bij wisseclich. 
Dan zu bedriegen hat er dusent 
konste 
[362»] Und me dan hondert dusent der 
du nit gesehen kanst. 
Es nymmet gerne ander ge- 
machte angesicht, 
11990 Da mit es dich bedruge felßlich, 
Das is schinet ein engel sin 
Des lichtes und gebe schin 



11969. es fehlt 



11978. Hieromjmus, Comment. in epist. ad 
Ephes. 2, 4 (Migne, Patr. M. XXVI, col. 512). 



262 Während der Belehrung bemerkt der Pilger eine Jungfrau mit Flügeln an den Füßen. 



Und das is nit suche übel zu dun. 
Gedencke wie es eins hait gedan, 
11995 Und wie is hait bedrogen 

Einen heremiten, bij den is sich 

getzogen 
Hatte, und yme auch erschein 
Mit eime an gesiebte und guden 

glichen, 
Als obe er were ein engel von 

hynielrichen ! 
12000 "Der dufel", sprach er, "ist gar 

subtil ; 
Besiech daz du dich nit ver- 
lassest zu viel 
Und daz" du nit werdest begriffen 
Von yme! er kommet morne zu 
dir suchen 
Und daz er diu vader sij, wirt 
er glichen. 
12005 Ich radgn dir balde und schier 
Daz du yn zum ersten slahes 
schier." 
[363'-] D es andern morgens sin vatter 

qwam zu yme, 
Davon es missegieng yme: 
Sin soen yn gesag, der yn slug 
12010 Bis uff den dot und uff die erde 

yn slug. 
Subtilenclich Sathan yn bedrog, 
Und er sich des zu spade under- 

tzog. 
Vor yme dich hude, wiltu mir 
gleuben, 
Vor sinen netzen mit gebonden 
scheuben! 
12015 Es ist der von dem sant Petter 

saget, 



Der sich flißet dag und nacht 
Daz er dich möge fahen und ver- 

slynden, 
Obe du dich wolles zu yme bin- 
den. 
In viel wege und wijsen 
12020 Hait er manich schaff vom leben 

gewijsen, 
Und auch viel lemmer 
v Hait er gescheiden von der 

memmen 
Und sij auch erwürget 
Und in sinen buche verslurget. 
[363"] ich wene, wistestu is, is gefiele 

dir nit wol; 
12026 Dann ich sehen das dich itzo 

verdrießen sol. 
Nu hude dich vor yme, ich ver- 

dragen mich 
Kurtz, daz ich nit zu müde 

mache dich!' 
Als also zu mir rette 
12030 Gods Gnade und sich zu mir ge- 

kert hette, 
Vor mir ich da gesach 
Eine dierne, die dorheit genug . 

was. 
Als mich beduchte, 
Druch sij einen hüte 
12035 Und hatte an yren fußen 

Federn als die kuesche duben 

haben müßen. 
Zu ire wolde ich reden und 
sprach : 
1 Jungfrauwe, is duncket mich 
[364'-] Das ir uch dorlich stellent glich: 
12040 Ich weiß nit war zu ir dienent 



11996. vor heremiten gestr. he. 
12015. I. Petr. 5, 8. 



12036. kuesche übergeschr. 



vor 12038 Bild (89) mit Nebensclirift rechts: Jugent die Redt zu dem weller. eine 
Frau (Jugend) mit einem halb grünen und halb roten Flügel an jedem Fuße vor dem Pilger. 



Die Jungfrau (Jugend) gibt Auskunft über ihr Wirken. 



263 



Odir wie ir so jung sin schinent.' 
Sij sprach: 'wistes du wol 
War zu ich dienen und mynen 

wander verfol, 
Du rettest wieder clis noch das, 
12045 Sonder du fochtest mich bas.' — 
'Wie sint ir so gar weselich? 
Mich duncket wol gelich, 
Obe ir feile sin mochtet, 
Daz uch kein man ubergelden 
mochte 
12050 Odir auch zu viel lieb ge- 
haben.' — 
'Du en misseredest nit viel dar 

an, 
Der myn wol were gewan; 
Aber es ist zu male hart zu dun 
Luden die nit sint von hübschem 
dun. 
12055 Ich heißen Jugent, die lichte, 
Die geilerynne, die leuffersse, 
Der sprincke und die sprengersse, 
[364"] Die alle leit achtet nit einen 

hentschue. 
Ich gan, ich kommen, ich fliegen 
nu, 
12060 Ich tryppeln und dantzen und 

dun is alle; 
Ich gan und lauften, is falle wie 

is falle, 
Ich lauffen und ringen 
Und mit glichen fußen springen 
Über die graben und stossen den 
stein 
12065 Und sprechen kein male nein. 
Ich gan über innren und hecken 
Und lassen mich nutschit er- 
schrecken, 



Wil ich myner nachbur eppel 

han, 
über die zune in den garten zu 
gan, 
12070 Und stigen uff einen appelbauin 
Gar balde und lichteclich ane 

draum. 
Nit umb suß bin ich gefidert: 
Myn fuße dragent mich balde 

dar ich hau begert; 
Sij haut flugel, das sihstu mit 

den äugen wol. 
12075 Zu zijden waz einer genant 

Azael, 
Der was subtile und snelle, 
[365>-] Der hait sij zu zijden gefurt mit 

yme, 
Aber es wart wol zu sure an 

yme. 
Zu viel lichtikeit ist ettwan nit 
gut; 
12080 Dann sij an dem leben schaden 

dut. 
Es ist viel besser ein wiser mitt 
■ sweren fußen 
Dan viere dore mit fliegenden 

fußen. 
Dar umb vor zijden die heilige 

kierche 
Hat geordent daz man nit solle 
suchen 
12085 Lichte lüde die sij regieren 

sollen : 
Fuße von blye die mechelich gan 

sollen. 
So lange als ich gefydert bin, 
So lebe ich nach dem willen 
myn; 



12043. verfol = verfolge. 

12046. weselich] Orig.: gente, h: eyßlich. 

12076. vor snelle gestr. seile (?). 



[12076.] Kustode unten auf Bl. 364": der 
hat sij zu zijden. 

12081. nitt Hs., dahinter Tintenfleck. 



264 



Jugend gibt dem Pilger ihre Absicht hunä, ihn über das Meer zu tragen. 



Den muß ich auch erfüllen 
12090 Und einen ballen han zu spielen. 
Ander kracken darff ich nit; 
Drüge ich eine, daz dede myn 

dorheit, 
Myne fuße niochtent nit gelaßen 
Zu flettigen noch ire fliegen 
laßen. 
12095 Noch bin ich nit erfüllet 
[365"] Mit spielen mit der zollen 
Und han auch nit den follen 
Zu spielen mit den kegeln 
Odir auch mit den enckeln 
12100 Noch zu spielen mit dem nunden- 

steine, 
Lieder zu hören und seiten spiele 

deine 
Und zu suchen mynen wollust. 
Es ist noch alles umb sust; 
Dann wie viel mich leret myn 
vatter 
12105 Odir waz mir sagen mag myn 

mutter, 
Keinen gedanck han ich dar 

nach; 
Dan zu spielen ist mir gach 
Und myn wollust zu bestellen.' 
'Dienent ir', sprach ich, 'iergent 
zu?' — 
12110 'Du wirst is balde gesehen nu; 
Dann yetze wil ich dich uffladen 
Und dich durch daz mere dra- 
gen.' — 



'Wollet ir mich dragen? hant ir 

gesagt,' 
Also sprach ich, 'ir kleine magt? 
[3G6>-] ir wollent mich lichte dragen, 
12116 "Wann ir redent von mir zu tra- 
gen.' 
'Drage ich dich nit', sprach sie, 
'Bälde so findestu hie 
Die dir nymmet die sele uß dem 
libe, 
12120 Daz du nit magst lebende be- 

liben.' 
'Ha', sprach ich, 'was dinges ist 
der dot?' — 
'Das wirdestu dan gewar mit not 
Wan so du Alter hast gesehen 

kommen 
Und das sij zu dir ist kommen.' 
12125 'He', sprach ich, 'wo ist sij, 

Alter, 
Wo wanet sij odir waz ist der 
uier?' — 
'So is zijt ist, so wirdestu is 

gewar, 
Aber es ist noch lange dar. 
Her die handt! ich wil fliegen 
12130 Und dich durch daz mere dragen 

und ziehen. 
Da wirdestu gesehen me wonders, 
Wo du nit ze sere sleffest an- 
ders.' 
[366"] Da aen langer beiden sij mich 

nam 



12115 f. h: wolt ir mych dragen, so wolt 
ir nit kleyn arbet han, dwile ir mich redent 
zu dragen. 

12121. Die Frage des Pilgers, was der Tod 
toäre, ist hier unmotiviert, da unser Ubers. die 
Jugend dieses Wort nicht hat gebrauchen lassen, 



wie das im Orig. und auch in h (statt 12120: 
Der selbe ist gnant der dot) der Fall ist. 

12129. handt aus hant. 

12130. durch dz üb. gestr. über. 
12132. ze sere übergeschr. 



vor 12133 Bild (90) mit Überschrift: Wie Jugent den weller dreit. 



Jugend fliegt mit dem Pilger über das Meer. 



265 



Mit der handt, bis uff iren hals 
mich heben began 
12135 Und fieng da an zu fliegen 
Und über das mere zu stigen. 
Ich was auch nit zu male sicher 
Von den grossen lünden, die ich 

sach her, 
Und umb daz sij mich dar under 
diinckete, 
12140 Als dicke sij das gut dunckete. 
In große schrecken bracht sij 

mich dicke 
Durch yre dorhete geberde, die 

sij det dicke. 
Cirtain, Caribdin und Sallany, 
Bitallassum und Cirenany 
12145 Und ander ungefelle in dem mer 
Det sij mich fülen und lyden 
sere. 
[367 '»•] Und wissent ir nit was da ist 

Cirtes nu, 
Caribdis und die ander dru, 
Ich sagen is uch kurtz; 
12150 Dann ir wollent an ander ende 

kurtz. 
Sciertes eigen wille ist, 
Der also sant gehüffelt ist 
Und machet einen berg in dem 

mer. 
So man wenet dar über faren 
her, 
12155 So muß man beliben halden. 
Sehe ich frauwe odir man 
Der an sich selbs zu viel Melde 



Und sinen willen zu viel be- 

hielde 
Und die hüffelte by yme 
12160 Und nit als ein ander dede, ich 
spreche zu yme 
Er were sant und sabel, 
Der sich zu viel huffeit zesamen, 
Der do machet hoberet des meres 

gront 
Und alle wege die man faren 
solt. 
12165 Daz ist Sciertes die sorgliche; 
Hudte uch dar vor, sij ist föcht- 
liche ! 
[367"] Caribdis is die wißheit 

In der werlde und die beschidi- 

keit 
Von weltlichen werffongen 
12170 Und von yren bekommerougen. 
Soliche Sachen gant allen dag 

umbe, 
Allen dag kerent und wendent 

sij sich umbe 
Und komment alles wider an 

yren anefang 
Und belibent keine zijt in eyme 
stände. 
12175 Dasselbe eine bewegonge ront ist, 
Die selbe an dem ende als am 

anfange ist; 
Keine hinderonge sij hat noch 

ende 
Als daz mulenrat, daz sich wen- 
det 



12134. handt aus hant. . 

12140. an dunckete ein t am Seid, gestr. 

12143. cirtain Hs., wohl verlesen für Cirtam, 
Ciroayn h; Orig.: Cirtem; gemeint sind die Syrten, 
Syrtes. sallany Hs., sallayn h, offenbar wieder 
durch unsere Form beeinflußt; Orig.: Scillam. 

12144. cirenany IIs., Cirena myn h; Orig.: 
Syrenam. 



12154. vor So gestr. wann. 
12159. Der Plural die ist 100hl veranlaßt 
durch den Plur. ses youloirs im Orig. 

12162. vor huffeit gestr. zu samen u. da- 
hinter zesamen zugefügt; ein über das gestr. zu 
samen geschriebenes Tnd wieder zu streichen. 

12163. hoberet aus hoberecht. 



266 



Jugend macht den Pilger mit den Fähdichkeiten des Meeres bekannt. 



So lange als yme daz wasser 
kommet. 
12180 Obe ucli von Salmon gedencket, 
Wie er also gecirculet hait 
Und wie er alles versuchet hait 
Und wie er alle sache geachtet 
hait 
[368'-] D as j s a ii es uppikeit s ^ e 
12185 Und anefechten und liden da bie, 
Daz schetzete er alles vor uppi- 

keit 
Und achtet is auch vor kein leit, 
Als ir daz in syme exempel, obe 

ir wollet, 
Wol niercken und verstaen 
moget; 
12190 Dann er alle sine bekommeronge 
Und auch sine übonge 
Alles in einen Caribdis besloß 
Und dar inn bewant, der ist nit 
groß. 
Scilla und Bitallassum 
12195 Sint auch zwene böse nam. 

Scilla ist genant widerwertikeit, 
Bitallasus glucsammekeit. 
Daz sint sacken und getzug 
Da mit umb gan dut 
12200 Gluck sin radt und schiben 
Und uff und abe driben. 
Bitallassus dut is uffgaen, 
[36Sv] Scilla dut is zumale abegan. 
Ir haut is gesehen an den 

wenden, 



12205 Ir wissent is wol, da mit ich 

swigen senden. 
Widerwertikeit dut alles Stillen; 
Dann wann yeniands da durch 

sal gan, 
Der wirt gestossen und bewydert 
Und in floß des meres genydert. 
12210 Hondes zende grynent yn an 
Murmelende wan sij yn gesehen 

an. 
Es ist ein ungefal daz sere 

fochtent 
Viel lüde und sich nit gerne dar 

in stossent. 
Aber doch ist die ander nit desta 
mynner zu fochten 
12215 Die sij recht an gesehen mochten 
Das sij ist haldende und arg- 
willig, 
Hinderende und vollechig, 
. Das ist von richtom, weltlycheit, 
Eren, sterckede und üppiger 
schone: 
12220 Daz ist wonder daz sij schone 
[369''] Mögen beliben die da durch 

gant. 
Syrena ist weltliche wollust 
genant, 
Die durch yren wollust gant 
Und durch yren felschen gesang 
dut 
12225 Das die schifflude zu ir ziehent 
Und den guden weg fliehent. 



12180. JEcclesiastes 1, 14. 

12181. ge in gecircnlet übergeschr. 
12184. ist. 

12194. Enfcilla Hs. und h. Das nicht ver- 
standene Orig. (11937/8) hat: 
En Scilla et Bitalasso 
Vous di aussi qu'a mauyes no. 
12204. hinter is fälschlich nit Hs., h nach 
Orig.: iß gemalet gesehen. 



12206. alles Sc] iß allez Itillen [?] h, com 
Scilla Orig.; alles = als. 

12222. in Hs. und h kein Absatz. 

12223. gant sinnstörend nugeschr. B. schlägt 
vor: 

Die durch yren wollust ganc 
Und durch yren felschen gesang 
Dut das die schifflude zu ir ziehent. 



Plötzlich kommt links auf den Mcereswellen ein altes Weib geritten. 



267 



Daz ist ein myssefal dar mich 

fürte 
Dicke Jugent und mich dar 
druge. 
Ich gleube daz sij die misfelle 
lieb hette 
12230 Odir daz sij mich zum dode lieb 

hette. 
Nu sage ich uch, da sij mich 
also hatte gedragen 
Lange, uff die lincke sytte ich 

gesage 
Eine altwip, das da reidt 
Uff den hinten des meres breidt 
[369"] Und hatte umb sich gegurt 
12236 Als eine nachtfare eine große 

hudt. 
Inn einre hant sij eine zange 

drug, 
In der ander einen hamer, waz 

gros genug, 
Da mit sij mir von ferren sere 
drauwete 
12240 Und sprach daz ich abestunde 

und mich sere zauwete: 
Ich solde nit me also gedragen 

sin. 
'Du must leren swymmen fln, 
Als die ander dunt, in dem mer!' 
Da wolde ich wissen war zu sij 
dienen were, 
12245 Und dar zu iren namen 

Und wer sij were aen schämen. 
'Sage mir', sprach ich, 'war zu 
dienest du? 
Wie ist din name und wer bist 

du? 
War umb drauwest du mir? 



12250 Ich hau doch nutschit ubels ge- 
tan gheen dir, 
Daz weiß ich nu gar wol!' 
Sy sprach: 'ich dir aufwerten 

sal: 
Ich wil dir sagen daz myne hudt, 
[,!J7'0'']Myne zange und myn hamer gut 
12255 Bewisent genug myn hantwerck; 
Dan is ist getzug zu smyde- 
werck. 
Mir bristet nit dann ein anebuß; 
Hastu einen, ich dich wilkom 

heißen muß; 
Dann so du einen hast, so wil 

ich smyeden 
12260 Dine kröne und wol bereyden, 
Und hastu keinen, so bistu ubel- 

kommen, 
Das saltu wissen und balde han 
vernommen. 
Myne streiche slahe ich nit ver- 
gebens, 
Uff den anebuß odir uff dich lan 
fallen eben.' 
12265 Da zu hant gedachte ich 
An das edel wammesch glich 
Daz G-ots Gnade in yrem huse 

hatte 
Und sij mir zu einer zijt gegeben 

hatte, 
Dar an binden waz ein anebuß: 
12270 Das brachte mir da kleine büß. 
Es waz zu spade, ich hatte zu 

lange gebeidt; 
Dann ich is nit an hatte vor ein 
cleit. 
[370°] Er hait zu lange gebeit zu 

wappen sich, 



vor 12231 Bild (91) mit Nebenschrift rechts: Anfechtonge, durechtonge, bedräng, Schäme 
und schände, auf den Meereswellen sitzend ein altes Weib mit großer Kopfumhüllung und Zange 
und Hammer in den Händen. 



268 



Das Weib (Anfechtung) gibt sicli zu erkennen. 



Wann er ist kommen in den 

torner glich. 
12275 Bälde genug sij mich das wisete, 
Aber des uberigen sij mich vor 

underwijsete. 
'Ich bin', sprach sij, 'die golt- 

smydinne 
Von dem hymmel hoe und die 

smydynne 
Die macht und snrydt in diesem 

lande 
12280 Die krönen vom paradise aen 

schande. 
Den metale da mit ich arbeiden 

wil, 
Ich slahen und smyeden wan ich 
yn bewereii wil; 
In einen bornenden ofen ich yn 

dun 
Zu besehen waz dar an wolle 

abegaen. 
12285 Eine stont nemen ich yn mit der 

zangen 
Und machen yn breit und yn 

lengen, 
Und die ander stont machen ich 

yn wyder 
Und smieden yn uff einen huffen 

wider 
Mit dem hammer da mit ich 

slahen. 
12290 Den guden metale ich bessern 

mit slahen 
Und den bösen machen ich böser. 
[37 i r ] Anfechten nennet man mich sere, 
. In allen schritten bewert sere. 



Myn harn er heißet durechtonge, 
12295 Da mit ich viel lüde driben umb 
Und slahen sij mide, wan mir 
eben ist, 
Als große streiche daz yme nit 

eben ist. 
Wann er nit anehat 
Daz wammesch daz Gedechteniße 
gedragen hat, 
12300 So ist er verlorn und zerstöret. 
Job nette des vor zijden wol be- 

dorfft 
Und alle die die in dem kalender 

stent, 
Und viel andern die nit da inne 

Stent; 
Dann ir viel sint, und der 

kalender zu klein ist. 
12305 Hettent sij den anebuß und daz 
wammesch nit gehat 
Und hetten is nit wol an getaen 

gehabt, 
So hetten sij nit mögen gelyden 
Die große streiche da mit ich sij 
det smyden 
Und slahen aen underlaß. 
12310 Myn zangen sint yn auch gehaß 
[371"] Und sint geheißen bedräng, 
Da mit ich drucken und dun 
betwang, 
Den angest und auch die not, 
Davon sint dicke gestorben dot 
12315 Und auch viel hertzen bedrubet 

worden 

Und auch so hart gedrucket 

worden 



12274. glich hint. gestr. Eich. 

12283. ofen üb. gestr. offen. 

12286. das zweite yn übergeschr. lengen aus 
langen. 

12297. Als a. B. zugeschr. 



12301. A Job Ms. u. h! ob A als Interjektion 
zu halten? abermals das Orig. (12033) nicht 
verstanden: 

A Job jadis out grant mestier 
Et a touz ceus . , . 

12302. ~Vn zugeschr. 



Anfeclitung erklärt ihre Ausrüstung mit Hammer, Zange usw. 



269 



Das sij dicke hait beducht 
Das sij inn einen kelter weren 
gedrucket, 
Davon man dicke gesehen hait 
12320 Das das wasser uffgedrongen hait 
Und von trehenen ein großer floß, 
Die von den bedränge sint uß- 
geschoß. 
Die hudt davon ich machen 

myn furduch, 
Heißen ich schäme und schande 
genug. 
12325 Dan wann ich yemans genegelt 

hau 
Und viel gesmyedt und wol ge- 

hemmert hau, 
Is sij zu rechte odir zu unrecht, 
Das er sal gedoet werden siecht, 
[372 >•] Is sij doch an beden 
12330 Gerichten odir auch an rechten, 
Geistlich odir werntlich: 
Zu handt so machen ich 
Das yme das an siner hudt 
Wirdet faste zu sure uberludt; 
12335 Dann an der samenonge und an 

. siner hüdt, 
Die ein fremde fürdüch dwt, 
Kennet man den ich durechten 
Und über den ich dun rechten. 
Man sieht wol an siner gestalt 
12340 Daz er wirt gejaget mit myner 

gewalt; 
Schande und schäme er des hait 
Das ich yn solich gar dein 
achten. 
Ein furduch ich das trachten 
Yn vorter zu smieden 



12345 Und in nierer leit zu brengeu 

myde. 
. So der man nie schäme hait, 
So merer anfechten yme nachgait. 
[375»]Hastu soliche hudt, daz wil ich 

erfarn 
Und myn furduche da mit be- 
warn, 
12350 Und dar nach wil ich me fri- 

licher 
Uff dich slahen und hertlicher. 
Bistu also, so komme: entwer du 
must brechen 
Odir must gar helle luden und 

krachen. 
An dem leren dinge ist nit dan 
grommen 
12355 Wan man mit harten dingen dar 
uff sal kommen; 
Ich weiß is wol, ich han is ge- 
bracht, 
Is wart mir befolhen, lange han 
ichs versucht. 
Adonay hat mir is befolhen, 
Da er mich smydynne macht 
verholen 
12360 Vom hymmel' — 'Laß mich sehen 
obe du war sagest! 
Wo ist diu brieff und die macht 
die du haist? 
Wann ich sij nit han und ge- 
sehen nicht, 
So wil ich dir nit gleuben icht; 
Wo du sij nit lysest und ich sij 
nit sehen, 
12365 So wil ich dir keiner warheit 

jehen.' 



12329. hint. beden gleich schwarz gestr. ij. 

12330. an übergeschr. 
12332. bandt aus bant. 

12336. dimt Hs. , ist h ; Orig. : Qui est un 
forain devantel. 



12352. Sinn? wohl wieder das Orig. (12077) 
missverstanden: Se tu es vuit [vint gelesen?], 
tu briseras. h richtig: bistu bole. 

12354. An aus am. de übergeschr. 



270 



[373 •■ 



Anfechtung legt dem Pilger zwei ihr verliehene Machtbriefe vor. 



I Bälde sij da inn yren busem 

stieß 
Yre liant und dar uß ließ 
Iren brieff und sprach zu mir: 
'Wut dis nit genügen dir, 
12370 Von einie andern meister ich ein 

ander lian, 
Die ich dich dar nach auch wil 

sehen lan.' — 
'Den selben wil ich auch han!' 
Sij gab sij mir, ich sij gesehen 

han: 
Sij alle beyde ich da las. 
12375 Davon die erste also geschriben 

was: 
'Adonay, des gerichtes konnig, 
Des macht sich nit entmynret, 
Der große keiser der naturen, 
Des riebe allewege sollen weren 
und duren, 
[373*\ Q-mß zu Anfechtungen, 
123S1 Solich gebot wir ir dun zu ge- 
bongen! 
Von nuwem verstanden wir han 
Das die stieffmutter der Dugent 

solle han, 
Glucksammekeit, geslagen ire 
hant 
12385 In unser weltlich lant, 

Das da ist unser konnigrich, 
Dar han wir unser soldener rieh, 
Yn gelacht die kogel 
Vor das gesiebte oben 
12390 Und hait yn ire wappen ge- 
nommen, 



Bockeier und swert auch ent- 
nommen 
Und wilt sij fixeren aen beyden, 
Mit dem getzug der freuden 

hencken leyden, 
Und noch me das sij geleret habe 
12395 Die bestellonge die von langer 

zijt her abe 
Wir und unser gnade hatten in 

gelacht 
Und in viel ende unser lande 

bracht. 
Wir hatten wenig' guder slosse, 
[374'-] wir hetten ettwas faste dar in 

gestossen 
12400 Viel guder faße, dar vor wir 

hatten gesatzt 
Uß dem paradise grossen schätz. 
Das was der süße ingoß 
Unser gnaden und der infloß 
Unser rede: daz ist edeles 

Schatzes viel 
12405 Dann silber, golt odir gesteines 

viel. 
Und umb daz du auch unser 

sache sijst 
Und auch unser dienerynne bist, 
So gebieden wir dir und befelhen 
Das du wolles durch alle huser 
eben 
12410 Und das du Glucksammekeit also 
suches und lindes 
Und sij also straffes und byndes 
Das sij wider uns nit me sagen 
Odir wider uns icht bejagen 



12376. konig- vor des gestr. u. a. Schi, zu- 
geschr. 

12379. were vnd übergeschr. 



12384. vor geslagen zu streichendes habe. 
12404. I edelers? (K). 



vor 12376 Bild (92) mit Nebenschrift rechts: Anfechtonge gibt dem weller yre macht 
(vor macht gestr. erleubniße) biieffe zu lesen. Bas Weib überreicht dem Pilger ein langes Blatt 
Papier, ein zweites hält sie noch in der Hand. 



Der erste Machlbrief ist von Adonai, der zweite von Sathan. 



271 



Odir auch widerstant dun solle. 
12415 Wir entbieden dir dar nach also 
Und gebieden dir daz alle die 
die also 
Yre kogeln hant verkert 
[374«] Und sich zu Glucksamekeit hant 

gekert 
Und sich hant mit yr verbünden 
12420 Und ire äugen da mit gebonden, 
Das du sij stosses so scherfflich 
Das sij bedenckent und besynnen 

sich, 

Das sij yre äugen wollent also 

entbynden 

Das sij mögen den hymmel finden 

12425 Und yn auch mögen angesehen. 

Wolden sij, sie weren gebonden 

nit, 
So wurden sij auch gestossen nit. 
Dar nach wann yn sint zerrissen 
Yre wappen und verslyssen, 
12430 Das du sij yn dan wider smydes 

und inaches 
Und sij balde wider an dun 
duhes, 
Dar umb han wir dich gemacht 

smydynne 
Des paradises und goltsmidynne. 
Dar nach entbieden wir dir auch 
vor alle 
12435 Daz du wolles zu dir nemen 

balde 
Alle ergetzen, luste und spiel 
[37a >■] Und alle freude und weltlich 

spiel 
Nemen und halden in diner hant, 
Und das du von dem pletze nit 
kommes zuhant 
12440 Du habest is dann alles uff- 

gelesen. 



Wir wollent nit daz mit solichem 

wesen 
Unser soldener gehangen werden. 
Und wo wir des innen werden, 
Wir geben dir auch folle macht 
12445 Daz du siest gar wol bedacht 
Und gest besehen 
Obe unser fasse eben 
Vol sien und obe icht da iune 

sie. 
Wann du dar an klopp es, so 

hellen sij; 
12450 Sint sij nit vol, so gehör estu 

murmeln: 
Daz ist ein zeichen dar an du sij 
solt erkennen. 
Das zu dun geben wir dir 
Gantze macht und gebieden dir 
Das alle die dir undertenig sint 
12455 Aen Widerrede und dir gehorsam 

sint, 
Sij sient groß odir kleyn, 
[375"] Das du bij yn siest gemein. 

Dis geschag uff den dag und in 

dem jare 
Da Adam ein ende nam vorware.' 
12460 Den andern machtbrieff ir horent; 
Die ist nit solich, als ir werdent 
hören: 
'Der ammiral von dem mere, 
Sathan, 
Figent des geslechtes Adam, 
Konnig und herre der boßheit 
12465 Und durechter der gerechtikeit, 
Gruß zu Anefechtonge, 
Soliche als wir ir gebieden 

können! 
Wir hant von nuwem verstanden, 
Das uns nit wol gefellet in 

unsern landen, 



12422. vor sij gleich schwarz gestr. bij. 



272 



Anfechtung gibt Auskunft über tlire beiden Macfdbriefe. 



12470 Das die knechte Adonay 
Haben nu nnderstanden hy 
Das sij in der stat dannen wir 

gefallen sin, 
Da selbes wollent entphangen sin, 
Und bat ieclieber genommen 

einen stab 
12475 Und einen sack, als man uns 

sagt, 
Und sagent daz sij den weg 

anefan 
[376 r] Al s e i ü pilgerin zu gan. 

Umb die selbe sacbe wir dir ent- 

bieden 
Und dir "auch da mit gebieden 
12480 Daz du dar gest und dich sere 

zauwest, 
Faste slahes (und nit endrauwest) 
Alle die du dar sijst stigen. 
Was du des yren kanst finden, 
Da mit duhe nit mynner dan du 

Job dede, 

12485 Dem du sin zijtlicb gut neme! 

Nym yn sack und auch stabe, 

Das er bis an longe und ?eber 

nit habe! 
Dine zangen stoß yn in den lib, 
Also das du yn ziehes uß dem 

libe 
12490 Ire hertze und ingeweide, 
Als du Judas dede zu leyde, 
Und daz sij sich hencken vor 

freude! 
Des geben wir dir gantze macht. 
Dis geschach in der zijt und uff 

den dag 



12495 Da in dem paradise gab den stig 
Dem schecher der Juden konnig 
frig.' 
[376»] Da ich die machtbrieffe hatte 

gesehen 
Flißelich und auch hatte gelesen, 
Ich neide sij und gab sij ir 
wider. 
12500 'Daz dich G-ot hude', sprach ich, 

'sage mir mer, 
Wiltu der beider gebrachen 
Odir welichs wiltu brachen? 
Sij treffent nit beide zu eyme 

ende, 
Als vergifft und dryackel be- 
hende.' 
12505 Sij sprach: 'wann ich dich slahen 
Und uff dich hemmern, 
Dann so wirstu wissen, obe du 

wilt, 
Welicher der ich gebrachen wil; 
Dann wo du ein wort ludes odir 
spriches 
12510 Dann das du G-ot siner gnaden 

bijdes, 
Dann magstu wissen vorwar 
Das ich dir dienen zwaer 
Mit der dugent des ersten 

brieffes; 
Aber verwandelstu dinen sieden 
12515 G-ot und sine heiligen zu ver- 

myden 
[377 r] Und dinen sack zu legen nyder 
Und dinen stab zu stellen nyder, 
Als da det Theophilus, 
Dann magstu wissen dis 



12487. beber Hs.; Orig.: 

Et jusqu'au foie et au pouimon 
En cors leur bonte les tenailles. 

12492. freude] leyde h; Orig.: et qu'il se 
pendent a son las.. 



12494. den übergeschr. 
12508. I. Weliehes? 

[12515.] Kustode unten auf Bl. 376°: vnd 
dine sack zu. 



Dann versetst sie dem Pilger einen Schlag, daß er ins Meer fä 



273 



12520 Das ich is dun durch den fient, 
Also daz is nit me dann an dir 

stet 
Weliches ich ee solle gebrachen. 
Dan nach dem ich ersuchen 
In des mentschen hertzen und 

befinden, 
12525 Dar nach arbeiden ich inn yme. 
Glich als die heiße sonne 
Drucket die dieffe wege und 

machet sij schone 
Und weichet unslit odir wahß, 
Also mag ich von mir sagen das 
12530 Daz, dar nach die materie ist 

gestalt, 
Dar nach wil ich dienen balt: 
In manicherleye weg ich ar- 

beyden. 
Nu wil ich nit langer beyden; 
Nu hude dich, ich mag nit langer 

verhalden 
[377»] Dich zu slagen und das gar 

balde!' 
12536 Bälde do sij daz hatte gesaget, 

sij qwam 
Glich zu mir und hart sij mich 

nam; 
Glubde sij mir hielt und slug 

mich 
Das in das mere fiele ich. 
12540 Jugent ließ mich fallen da, 

Machte sich enweg und noch da. 
Aen beiden were ich erdroncken, 
Hette myn stab mir nit geholffen; 
Dann ich Melde mich hart an yn 



12545 Umb das ich nit konde swynmiew 

da in; 
Und hette ich is wol geleret ge- 
habt, 
So was ich doch zu sere uber- 
lacht. 
[378 r] Ich sach viel die da wol swom- 

ment 
Und ire hende verre von yn 

strecketent 
12550 Des yren zu geben willeclich 
Den armen, so es was notlich, 
Und viele ander die regetent 
Yre fuße und gerne giengent 
Durch Busse die ferren wege 
12555 Und auch die langen bideferte. 
Das ist die wise zu swymmen 
Das ich gesag in der weit, und 

klymmen. 
Aber also swam ich nit; 
Dann allein ich mich hielt 
12560 An mynen stab, der swam oben 
Und fiel nit zu gronde, daz ich 
loben. 
Nu sage ich uch: als ich also 
swam, 
Gieng mich hemmerende an 
Und slug mich die smydynne 
12565 Und druckete mich hart mit yren 

zangen inne. 
Das ich waente lange 
[37S"J ich were in eine presse gelacht. 
So was mir myn hertze bedacht 
Mit jamer daz ich nahe hatte 
gelassen 



12521. daii gleich übergeschr. 

12522. das erste e in ee auf Rasur. 



12545. swyme. 
12565. inne mgeschr. 



vor 12536 Bild (93) mit Überschrift: Wie anefeclitonge heldet de weller in dem mer. 
Nur der Kopf und eine Hand des Pilgers ragen aus dem in blauen imd weißen Wellenlinien 
dargestellten Meere hervor. 

Deutsche Texte des Mittelalters. XXV. -jg 



274 



An seinen Stab geMammert, fleht der Pilger Gott um Beistand an. 



12570 Und mynen stab in dem mere 

swynmien lassen 
Wo er kette wollen hyn gan. 
Da ich mich in solicher not ge- 
sach stan, 
Do hat ich Got gnade und 

sprach : 
'Gnade', sprach ich, 'milder 

schopper, ach! 
12575 In myme liden und in myme 

smertzen 
Abestendig sijs mir nit von 

hertzen! 
Obe in niyner jugent myn leben 

ich 
Hette verslissen mit dorheit 

glich, 
Milder schopper, daz ist mir leit 
12580 Und rtvwet mich, als is billich 

sol und geit! 
Dan da ich Jugent gesach vor 
mir stan 
Und dine Gnade auch da bij 

wolde han, 
Die mich auch dicke fürte frij, 
Die ließ ich und det mich 

dragen sij 
12585 Von der dorette durch das mere 

wagen. 
[379 '■] p a hait sij mich gedragen; nu 

bin ich gefallen, 
Nu ist is mir vorwaer zu male 
missefallen. 
Lihent ir mir nit eine Zuflucht, 
Als ir in der zijt der sintflucht 



12590 Durch uwer gnade daden Noe, 
So sihstu, milder Got, daz mir 

ist we. 
Mache mir von dir ein verbergen, 
Eine sache dar in ich mich ver- 
bergen, 
Mich zu verfielen da inne 
12595 Vor dinre smydynne, 

Und mich möge da inne be- 
baktem 
Und wiltu is nit dun mit dir 

selber, 
So wolles is zum mynnesten 
lassen, 
Milder Got, dun dine Gnade mit 
Hiassen, 
12600 Daz die möge bij mir sin 
Als sij ettwan plag zu sin.' 

Alß ich also nryne bede det, 
Die smydynne balde zu mir redt 
Und sprach, sijt daz ich nit hette 
12605 Nider gelacht mynen stab und 

gebeden hette 
[379»] Gode sinre gnaden, so wollte sij 

fueren mich 
Zu Gods Gnade und geleiden 

frilich. 
'Ich bin', sprach sij, 'glich 
Als der wyndt, der sich 
12610 Wendet mit dem blade: 

Wan daz gefallen ist von dem 

bäume abe 
Und daz is mit dem wynde be- 
griffen ist 
Und ettwan wilt stigen übersieh 



12570. Vnd a. B. zugeschr. 

12571. vor Wo gestr. gan. 

12572. stau zugeschr. 

12576. von hertzen zugeschr. 

12577. vor in gestr. ich. 

12578. glich zugeschr. 
12580. vnd geit zugeschr. 



12582. wolde han zugeschr. 

12589. ir üb. gestr. du. 

12590. uwer üb. gestr. dine. dade aus dede. 
noel trotz des Reims Es. (mit der Metzer Hs. 
des Orig.); h richtig noe. 

12599. mit niassen zugeschr. 

12602. in der 3s. und h Icein Absatz. 



Jetzt ist Anfechtung bereit, ihn zu Gottes Gnade zurückzuführen. 



275 



Und kommet dar nach daz is 
niderfellet 
12615 Und daz is yme also missefellet, 

So ist is not ane beyden 

Daz man yme helffe vor ver- 
leiden, 

Daz is werde widerwant, 

An gut ende und stat gewant, 
12620 Das is nit zu male verderbe 

Und doch ettwas guds erwerbe. 

Ich bin die die das hantwerck 
gerne deit 

Wann ick da bij bin und not 
deit: 

Ick straffen die zu viel verlassen 
sint, 
12625 Und slaken die die zu dicke sint. 
[3S0>-] Die verirreten zu wege wisen ick, 

Und ick wurde nummer frolick 

Ee das ick nit mockte finden 

Abesatz da ick sij verbürge inne. 
12630 Die eine driben ick an sine be- 

duronge, 

Die ander vor sine konniglick 

begnadonge ; 

Die ander ick aen beiden 

Zu sine»- Gnade selbs geleiden, 

Und ick fueren sij dar gerne 
12635 Odir aber an den obersten steine; 

Die ander ick füren mit zuge- 

lackten kenden 

Bij ettlichen sinen heiligen zu 
wenden. 

Da hyen ir ieclicher sich ver- 
bergen wilt, 



Dar selbs ich yn auch fueren wil, 
12640 Und umb das Gots Gnade der 

stamme ist 
Der doch alletzijt zu finden be- 
reit ist, 
In dinen noeden ich dich dar 

fueren: 
Nit achte obe dir zu swere sij 

daz fueren!' 
Alse Anefechten also 
12645 Mir ertzalte ir rede do, 
[380"] Do sag ich daz ich nahe was 
Bij dem staden da myn synne 
hin was. 
Gots Gnade sach ich da sij saß, 
Und daz sij nit beweget was. 
12650 'Her', sprach sij, da ich nahe 

was, 
'Wo bistu gewest, wannen 

komestu so naß? 
Ich waende ich hette dich ver- 
lorn, 
Da ich dich nit me sach hie 

vorn. 
Du haist mich gelassen gar dör- 
lich: 
12655 Ich weiß nit wie du hast dorren 

dich 
Wieder zu mir gekeren. 
Sage mir, das dich Got ere, 
War umb hastu gelassen mich? 
Und auch da bij: wer halt dich 
[38ir] Wider gefurt her bij mich?' 
12661 Da ich sach daz sij also 

straffete mich, 



12616. vor ane gestr. dz. 
12625. dicke üb. gestr. feiste. 



12633. fine übergesehr. 

12660. vor Tbij schwarz gestr. bij. 



vor 12648 Bild (94) mit Nebenschrift rechts: wie gods gnade dem weller hilffiet vß 
dem mere. Barstellung ähnlich der des vorigen Bildes, das Meer hier grün; die aus dem Meere 
hervorragende Hand des Pilgers Gottes Gnade entgegengestreckt. 

18* 



276 



Gnade hält dem Pilger seine Torheit vor, daß er sie verlassen habe. 



Bälde ich sprach: 'frauwe, be- 
gnade mich! 
Sicher, ich bin mich von uch ge- 
scheiden notlich 
Und bin von uch kommen dor- 
lich! 
12665 Ich han is dure sijther kaufft, 
Aber mich hat wider her zu uch 

bracht 
Die große smydynne getzelt: 
Sehent wie sij mich hie noch helt, 
Und aen mynen willen sij mit 

mir kommet! 
12670 Dribent sij enweg, dan is mir 

eben kommet; 
Des bijden ich uch daz ir das 

duhent mir, 
Das ich entragen werde von ir! 
Mir genüget wol daz sij mir hat 

getan 
Die wijle sij mich hat wider zu 
uch dun gan; 
12675 Noch han ich viel gedenckens 
Das ir von mir uch laßent 

sencken.' 
In dem als ich myne bede also 
det, 
Die goltsmydynne sich naher det 
[381 "] Und drug yren getzug mit ir: 
12680 Das was nit zumale leit mir; 
Aber viel müder me sij mich 
ließ da 
Dan ich in langer zijt waz ge- 
wesen da. 
Da sagete Gods G-nade mir: 
'Nu sihstu wol wie is ist glegen 
dir 



12685 Und wie übel das da lit 

Ein mau der da wilt wissen zu 

wit. 
Als die geiße die da sere kratzet, 
Hastu dich mit allen Sachen wol 

ergatzet, 
Das du nit rüge haist gehabt 
12690 Du sijs dann uff und abe gejaget, 
Und mich hast gelaßen in diner 

sintflucht, 
Wie ich doch bin dine Zuflucht. 
Unseliger, truriger, war flugest 

du, 
War giengest odir was dedest du 
12695 Were ich nit din schirme, 

So man dir wolde verdrieß dun? 
Unseliger, was woldes du dun 
[382r]j) a dich unwilligete yetzont 

Anfechten? hette sij mich nit zu 
stont 
12700 Hie fonden in dieser gegen, 
Sij hette dich gefurt in eine 

ander gegen 
Zu bösem staden und dich dar 

bracht, 
Das were: zu dem fischer bracht 
Von dem sij yre machtbrieffe 
hait. 
12705 Es ist nit lang das du yn gesehe 

rechten 
Sine angeln und den luden die 

richten, 
Das er sij da mit wolde fahen. 
Doch wiltu dich nit vergahen 
Und wilt dich halden 
12710 Und dich bij mir behalden 
Und auch kommen mit mir, 



12675. Orig. : Encor ai je graut baerie Que 
vous ne nie deffailliez mie. 

12679. Orig. : L'orfavresse ae traist arriere ; 
7t: da drat die goltsmiydin hinder sich. 



12694. was üb. einer gestr. längeren Buch- 
stabenreihe. 

12698. Die Hs., Da h; Orig.: Quant. 



Li ihrer Güte verspricht sie, ihn nunmehr auf einem leimen Wege ans Ziel zu bringen. 277 



Noch wil ich nit feien dir 
Und dir noch me fruntlich sin 
Und dich kurtz brengen da hyn 
12715 Zu der hecken da du hyn wilt. 
Und obe du dinen weg kurtzen 
wilt 
[383»] Zu gan inn die hübsche stat 
Dar zu man dich zu gan er- 
wecket hait, 
Noch wolde ich dich wol fixeren 
12720 Und nit bij die lange hecke 

füren. 
Aber nit dar umb da sin muß 
G-lichenisse von Busse: 
Busse hat an viel enden 
Yre rüden und hamer laßen 
finden ; 
12725 Noch me gedechteclicher 

Saltu dich halden und redelicher. 
In dem wege der beredongen 
Halt dich; dann sij hat dar ge- 
lacht 
Yren getzug und den weg enge 
gemacht 
12730 Und viel kurtzer me zu gan 
Zu der stat dar du wilt gan, 
Also daz du mir davon antwerten 

salt; 
Dan du mynen willen hast gehört 
balt.' 
Da ich soliche worte hatte ge- 
hört, 
12735 Von freuden ich erfüllet wart. 



[383 »•] Mir gefiel gar wol die abe- 

brechonge 
Von dem wege und die kurtze- 

nonge, 
Und gefiel mir auch nit übel 
Das sij mir rette zu helffen wider. 
12740 'Frauwe', sprach ich, 'der 

kurtze weg 
Der ist den pilgerin gut und ge- 
recht. 
Erquicket ich bin und vernüget; 
Der kurtze weg zu gan mir wol 

genüget, 
Und ich wil yn gerne gan. 
12745 Fuerent mich dar und wollet 

mich yn sehen lan! 
Nutschit ich dar an erschrocken 

bin 
Wo ich finden glichen sin 
Von der hecken der Bussen myn.' 
In dieser maße ein schiff vaste 
groß 
12750 Und wunderlich sach ich, daz uff 

dem mere floß 
[383»] Gar nahe bij dem staden, 

Bereidt und über zu faren ge- 
laden. 
Es was mit reiffen gebunden, 
Umb und umb wol bewonden; 
12755 Aber etliche reiffe waren ent- 
löset 
Umb das das gebende was ver- 
böset 



12721 f.. Orig.: 

Mais non pour quant equipollenee 
Y aroit bien de Penitanoe. 
12733. hast vor gehört übergeschr. u. da- 
hinter gestr. üb. dem gestr. hast: balt. 



12750. dz übergeschr. 

12752. geladen vor über gestr. u. a. Schi, 
sugeschr. 



vor 12749 Bild {95) mit Nebenschrift rechts: geistlicheit. rechts über dieser roten 
Nebenschrift in Schwärs geistlicheit vorgeschrieben. Schiff mit viertürmigem Palast darin. 



^78 Gnade zeigt dem Pilger ein wunderbares Schiff mit Türmen, Mrlcern wid Zinnen. 



Sie ist die Führerin des Schiffes (Geistliches Leben), sein Mast das Krens Jesu Christi, 279 



Von gebrechen der bantwyden. 
Ertliche zn male ferre von eyn 

warent geryden. 
. Der ronip des schiffes was nit da 
starcker, 
12760 Das was der reiffe scholt nit 

vorter 
Dann das sij nit bewonden 

warent. 
In dem schiffe viel huser waren 
Und auch viel wonungen, 
Die waren edel von ordenongen 
12765 Und glichen wol konniges 

hüsern. 
Is waren" turne da enbynnen, 
Ercker und auch zynnen, 
Und dar über was uff gerächt 
Der mastbaüm des schiffes und 

dar an gemacht 
[384 >■] Und ghangen ein grosses duch, 
12771 Das was schon gestrecket genug, 
Das da ist ein segel genant; 
Bereit zu faren hette is guden 

wynt gehat 

Odir hette keine irronge gehabt. 

12775 'G-esihstu', sprach Gots Gnade, 

'dorte 
Das schiff nahe bij dem borte?' 
'Ja', sprach ich, 'so mir Got, 
Aber ich bin erferet aen spot; 
Dann ich nie keins han gesehen 
me!' 
12780 'Nu wirstu', sprach sij, 'me 
Erschrecken wann du dar in 

kommest; 
Und wann du da inne bist, 



So wirstu sehen hübsche Sachen, 
Darstu dich anders mit mir dar 
in machen.' 
12785 'Nu sagent mir', sprach ich zu ir, 
'Wie heißet das schiff und wer 
Is fueret; so wil ich dar in gan 
Und mich uberfueren lau.' 
'Das schiff', sprach sij, 'mit 
namen 
[384 »] Ist genant geistlicheit aen 

schämen. 
12791 Es ist gebonden und widerbonden 
Mit gesetzen der geistlicheit be- 
wonden, 
Die man sal halden gantz und 

recht : 
So ist die geistlicheit siecht. 
12795 So lange is also gebonden ist, 
So mag is nit vergan odir feien 

in keiner frist. 
Von bynden ist sij genant, 
Uff das inn ir gebonden wirt zu 

hant 
Die sele die gestoret und zer- 
brochen ist, 
12800 Des der dar inne gestossen ist. 
Werent die guden reiffe und 

winde 
Die zu zijden hant gemacht da 

inne 
Die guden brüder und geistlichen, 
Und weren behalden worden im 
glichen 
12805 Und zu rechte wol gebonden, 
So gefellete nummer in keiner 
stunden 



12757. bant üb. gestr. sl... 

12758. ferre von eyn üb. gestr. weich, ge- 
ryden gugeschr.; h: gerißen. 

12759. da] l. desta? vgl. 12830; h: desto. 

12778. vor bin schwarz gestr. s. 

12779. ge in gesehen gleich übergeschr. 



12796. ia üb. gestr. sij. 

12797. Von üb. gestr. w . . . Der Vers ist 
in der Übersetzung ohne Sinn. Im Orig. heißt 
das Schiff Religion und unsere Stelle: De relier 
(eile) est nonmiee. 

12798. wirt üb. gestr. ist. 



Das schiff umb ubels daz dar in 

qwenie. 
Aber ettwie viel achtent sij so 
kleine 
[3S5'-]Die kleine byntwiden die sij 

binden alleine; 

12810 Dar umb das schiff in sorgen ist. 

Dann is eine uffenliche sache ist 

Das die reiffe dienent niergent zu 

Wann die bant sij nit haldent 

zu. 
Die bant nennen ich die kleine 
gebot, 
12815 Die die grossen haldent aen spot. 
Dar umb ich sprechen: wer sij 

bricht, 
Zu hart zuhet odir sij zerrysset, 
Das schiff des zu male nit ge- 

nysset 
Und wirt vor den großen wynden 
nit wol behudt 
12820 Wann is nit ist gebonden genug 
Von etlichen lichten geboden, 
Die sint als klein bant kno den. 
Wolde Got, myn vatter, 
Daz die geistlicheit solich were 
12825 Als sij an dem anefange was, 
Da sij zu erste gebonden was! 
Aber der bender ist keiner me; 
Dan sij hant yren getzug ver- 
lorn ee. 
[385"] Die kleine bandt gebrochen sint, 
12830 Die großen reiffe nit desta 

starcker sint, 
Und dar umb ist daz schiff sorg- 
licher 
Und auch viel me fochtlicher. 
Nit das ich is scheiden wolle, 



Klein achten odir entbynden 
wolle; 
12835 Dann is ist noch guds gebendes 

genug 
Und wann sij wolden, guder 

bender genug 
An den die sin dan bedorffent 
Und sij mit nuwen banden be- 

worffent. 
Ich bin des schiffes meisterynne 
12840 Zu regieren und fuererynne, 

Und der mast der dar uff ist ge- 
rächt 
Und das dar an ist gemacht, 
Helffent mir das wol fueren 
So der gude wynt dar zu wilt 
sturen. 
12845 Der mast ist das crutze Jhesu 

Cristi 
Und der wynt der heilige geist, 
Der, als spricht der Gulden Mont, 
Mag das schiff gefueren alle 
stont. 
[386'-] Wiltu kurtz zu Jherusalem gan, 
12850 So mustu balde dar in gann 

Und dich legen in der bürge eine, 
Der zweier die du sijst alleine, 
Odir in eine ander die dir gefalle 
Und dir her nach nit myssefalle. 
12855 Sij sint alle werhafft und starg 
Zu behalden sele und lyb aen 

arg. 
Kein vigent kann yn nicht gedun 
Mit syme werffen odir schiessen 

gedun, 
Es were dann daz man yme uff 
dede 
12860 Die bürg und uffgebe. 



12814. das 1 in kleine übergeschr. 

12833. wolle aus wolde (?). 

12847. Chrysostomus , Romil. II In in- 



scriptionem actorum (Migne, Patr. graec. LIjII, 
col. 78). 

12852. Das Orig. (12542) nennt die beiden 
- Burgen: Ou de Clugni ou de Cysteaus. 



280 Beim Eintritt in eine der Burgen tritt dem Pilger der Pförtner (Gottesfurcht) entgegen. 



Nu geen dar wir, 
Daz raden ich sicher dir. 
Es ist "besser dann zu swymmen; 
Dann sij sint sorgen innen 
12865 Die da nmssent swymmen, 
Sij können kume dar uß ent- 
rynnen.' 
Da fürte Gods Gnade mich 
Inn das schiff und wisete mich 
[386<>] Die hübschen bürge davon ich 

han geredt, 
12870 Und sprach das ich nach mynem 

willen dete 
Und gienge war ich gaen wolde, 
Und das man mich dar in laßen 

solde. 
Als sij das sagete, eine ich er- 

welte, 
Und dar in zu gan ich mich 
stalte. 
12875 Den portener fant ich an dem 

ingange 
Und duchte mich das er drug 

lange 
Ein grosses sweres blye. 
'Portener', sprach ich, 'laß mich 
in dar bij ! 
In diese bürg wil ich gan. 
12880 Gots Gnade hait mich geheischen 

her in lan, 
Die mich auch her hait braicht; 
Her in zu kommen ich auch han 
gedacht.' 
[387>-] 'Frundt', sprach er, 'wiste ich 
Das es dem konnige lieb were, 
in ließ ich dich 
12885 Und ließ dich gerne her in gan: 
Nu weiß ichs nit, dar umb ichs 
lan.' 



'Ist dann da inne', sprach ich, 

'der konnig?' 
'Ja', sprach er, 'sicherlich, 
Ich were anders nit hie 
12890 Und hielde mich auch an der 

düre nit hie 
Wiste ich nit das der konnig da 

inne were.' 
'Das ist', sprach ich, 'gude 

mere!' — 
'Es ist ein zeichen wan ich an 

der dure bin, 
Das der konnig des paradises 

muß hie inne sin.' 
12895 'Wie', sprach ich, 'bistu ge- 
nant?' — 
'Gottes Föchte bin ich genant 
Und bin auch ein anefang 
Und ein gront der wißheit bekant 
Und stossen und ziehen uß die 
sunde hie, 
12900 Das sij in dieser bürg nit ge- 

herbert sie, 
Und ich lassen sij nit her in 
kommen, 
[387"] Das sij wonunge hie inne nemen. 
Komment sij her in, daz über 

mynen willen ist, 
Heymelich und hubschlich. 
12905 Myn groß kolbe und myn blie 
Sint Gottes vergebonge genant 

da bij 
Und erschreckonge der hellen pin, 
Dar vor sich alle sollen fochtende 

sin. 
Ich bluwen, slagen und kastigen 
12910 Die lüde, daz sij desta besser sien 
Und das sij nit dun dorlich. 
Und were diser kolbe nit, 



nach 12882 Bild (96) mit Unterschrift: gottes föchte Redet zu dem weller. Der vor 
dem Palaste stehende Pförtner geigt dem Pilger ein großes Stück Blei. 



Gnade mahnt, den Schlag des Pförtners mit seinem Kolben nicht zu fürchten. 



281 



Yeclicher achte sich selber nicht.' 
'Wie', sprach ich, 'wiltu mich 
da mit slahen?' 
12915 'Ja', sprach er, 'anders magstu 

nit 
Und ensalt auch her in kommen 

nit 
In diese bürg noch dar in gan.' 
Da sach ich Gots Gnade an, 
Und ich sprach also zu ir: 
12920 'Allerliebste frauwe, is gef eilet 

nit mir, 
[388 <•] Als mich duncket, der ingang, 
Als ir mir haut gesagt, wirt mir 

zu lang 
Und ist mir nit uffgetaen.' 
Da sprach sij: 'ist dir vergeßen 
das ich dir gesagt han 
12925 Das du sollest finden ein gliche- . 

nisse 
Von der hecken der Bussen ge- 
wisse? 
Des porteners streich ist nit zum 

dode, 
Er sieht dich nit zu dode, 
Du moges is noch wol geliden 
12930 Anderleit: so salt nit widerstan 
Umb sin blye dar inn zu gaen. 
Er sal vor wol liden einen hals 

streich 
Bitter der wilt gan in den kreiß; 
Er hait auch nit Schreckens 
wirdikeit 
12935 Wer nit hait gelieden leit.' 

'Ist das also?' sprach ich zu ir. 



'Ja', sprach sij und antwerte 
mir. — 
'So wil ich gerne dar inn gen 
Also das ich nit vor solle gen. 
[388^] Nu gant vor, so gan ich nach 
12941 So balde ich ummer mag!' 

Da gieng sij inn und ich ir 
nach. 
Aber der portener bereidt was 

da: 
Er vergaß nit zu slahen mich. 
12945 Solichen streich er mir gab das 
er erschreck ete mich; 
Er hette mich uff die erde ge- 

slagen 
Hette ich mynen stab nit ge- 

dragen. 
Die ritter entphaent nit alle 
Soliche halß streiche mit schalle 
12950 Die da swerte hant und fueren; 
Dann sij dorsten sich nit beruren. 
Es were große freude und nutze 
Das yeclichem also eyner wurde 
zu nutze. 
[389'-] Nu sage ich uch: da ich also 
vorgangen was 
12955 Vor den portener, von dem ich 

han gesagt das, 
In der bürg sag ich viel wonders, 
Die mir wol glichen zu wonder. 
Da warent closter und slaffhuser, 
Munster, reventer und cappittel 
huser ; 
12960 Da sag ich eine herberge 
Uff eine sijtte und spitalige. 



12934. Schreckens] Orig.: oimoiir; ivolüver- 12953. eyner vor wurde iibergeschr. u. da- 

wechselt mit orrour (B.). hinter einer gestr. 

12951 unlclar; im Orig. nichts Ent- [12953.] Kustode unten auf Bl. 388": Nu 

sprechendes. sage ich uch da ich. 

vor 12942 Bild (97) mit Überschrift rechts oben: gottes föchte vnd gottes gnade Eedent 
zu dem weller. Barstellung nach Überschrift. 



282 In der Burg gelangt der Pilger zuerst in eine Herberge, dann in ein Kloster u. ein Münster. 



In die herberge gieng ich zu 

erste 
Mich zu rügen und zu reste. 
Da gesach ich Gütliche Liebe, 

die da dienete 
12965 Den pilgerin und sij herberegete: 
An die porte sij dicke gieng 
Und die lüde gar wol entfleug 
Und begonde sij herberge wijsen 
Und sij auch zu spisen. 
12970 Ich han auch nie von ir gesagt: 

Es ist die die da hait 
[389^] Die schritt von dem frieden und 

sij hielt 
Da Moyses 'den luden daz brot 

deilte. 
Ich gieng vorter in das kloster 
12975 Und auch in das munster; 
Da fant ich eine geselleschaft 

gar suberlich 
Von frauwen, doch wiste nit ich 
Wie sij alle waren genant 
(Dan ich sij nit alle erkant), 
12980 Dann alleine von der 

Umb die mir was allermeiste 

mer, 
Davon ich mich verwunderte mer; 
Nach den namen fragete ich Gots 
Gnade me. 
Zwoe sag ich, die giengen die 
stegen uff 



12985 Des slaffhuses und giengent mit 

ein ander uff. 
[390<-] Die eine hatte ein wammesch an, 
Die ander sag ich einen stab 

dran. 
Die mit dem wammesch was 
nacket 
Nit dan das sij das wammesch 
an het. 
12990 Die ander gewappent was 

An den henden und bedecket was 
Mit zweien hentschuen an getan. 
Einen wißen kydel hatte sij an, 
Da mit getzieret und wol getaen. 
12995 Zwoe andern sag ich zu 

sammen reden 
Und zu dem cappittel huse 

treden. 
Die eine drug seyle und gebende, 
Die ander drug tuschen yren 
zenden 
[390»] Eine fyle, die was scharff: 
13000 Mit einre tartschen sij gewappent 

was. 
Eine ander die da gieng, sach 
ich, 
Durch das closter, also duchte 

mich. 
Veraldete spise sij drug 
Uff eyme pergament das sij drug; 
13005 Ir folgete eine wisse dube nach 



12984. das erste e in stegen auf Rasur. 
12993. wißen aus willen. 



13001. sach ich vor die schwarz gestr. u. 
a. Schi, zugeschr. 



vor 12984 Bild (98) mit Überschrift rechts oben: Armut vnd reynikeit. Zwei Frauen 
steigen zu einem als Kapelle dargestellten Schlafhaus auf. das Gewand der zweiten Frau nicht 
iveiß, sondern dunkelrot. 

vor 12995 Bild (99) mit Nebenschrift rechts: vndertenikeit vnd straffonge. eine Frau 
mit dickem Seil und eine mit Schild. Feile im Munde der zweiten nicht wiedergegeben. 

vor 13001 Bild (100) mit Nebenschrift rechts: vberwindonge. Frau mit einem großen, 
zur Erde herabhängenden Pergamentstreifen, links oben eine Taube. 



Eine ganze Anzahl Frauen sieht er drinnen schalten. 



283 



In der rafft und fluckete ir nach. 
Eine ander gesag ich gan dar 
Glich zu dem raventar, 
[39i'-]Die hatte einen krag 
13010 Umb yren hals, als ich das ge- 
sach. 
Eine ander ich in dem monster 
fant, 
Die drug eins boden buhsse zu 

haut 
Und hatte flugel, waren ge- 
strecket 
Uff zu den wölken gerecket, 
13015 Als obe sij dar uff wolde fliegen: 
Das sach ich alles, aen driegen. 
Ein lang bore sij auch drug 
In yrer handt und hielt daz 

hoch genüg. 
Mit der ander handt dienete sij 
13020 Doden die ich sach da bij, 
Und schein auch aen wenen 
Das sij von dem dienst wieder 

zu leben qwemen. 
[391"] Eine ander noch da inne was, 
Die hat in irer handt ein hörn 
aen haß 
13025 Und machete da inne ein groß 

gedöne, 
Psalterien und orgeln schöne; 



Ich waende es were eine spiele- 

rynne 
Und der lüde spaciererynne. 
Da ich diese Sachen wol hatte 
gesehen, 
13030 Beweget wart ich wol zu fregen 
An Gots Gnade war zu sij 

dieneten, . 
Die frauwen, und wer sij werent. 
'Frauwe myn', sprach ich, 
'Nu underwisent mich: 
13035 Wer sint die frauwen und war zu 
[393'-] Dienent sij?' sprach ich nu, 
'Dann von yn wondert mich.' 
Da sprach sij: 'ich wil vor dich 
Laßen sehen mit den äugen 
13040 Wie man dienet in dem revental, 
Das du das mögest sagen über 

al.' 
'Nu gan wir!' sprach ich zu yr. 
In das slaffhuß giengen wir; 
Da sach ich die mit dem stabe, 
13045 Die machete die bette zu rechter 

habe 
Und lachte wiße ducher dar uff. 
Yre gespiele mit dem wammesch 
gieng auch dar uff 
Und sij sang ein solich liet: 
[392«] 'ich wil singen und sal is dun: 



13017. langböre durch Längsstrich getrennt. 

13018. handt aus hant. 



13024. handt aus hant. 
13026. schone zugeschr. 



vor 13007 Bild (101) mit Nebenschrift links: abebiechonge. Frau vor einem Remter; 
dieses wieder als Kapelle dargestellt. 

vor 13011 Bild (103) mit Nebenschrift rechts: gebedt. links geflügelte Frau mit einem 
großen Bohrer in der linken Hand; rechts 3 Tote (nackte Menschen). 

vor 13023 Bild (103) mit Nebenschrift rechts: Idelkeit. 
Hörn am Munde, links eine große Orgel. 

vor 13049 Bild (10i) mit Nebenschrift rechts: armut. Reinlichkeit richtet ein Bett her, 
Armut steht dabei und singt ein Lied. 



rechts eine Frau mit einem 



2o4 Gnade gibt über die Frauen Auskunft. Es sind da: Gehorsam u. Zürechtiueisung ; 



13050 Nutschit ich mit mir dragen dun, 
An dem kleinen dmiin ich nit 

behalden bin, 
Wann ich zu male nacket bin.' 
In dem revental dar nach ich 
gesach, 
Davon mich verwunderte bas, 
13055 Viel doden die begraben waren 
Und gabent den lebenden zessen 
mit gebaren 
Und dienetent yn mildeclich 
Uff yren knyen andechteclich. 
Und die frauwe mit dem krage 
13060 Was meisterynne in dem reven- 
tal zu dem dage; 
Die da ahssent, sij besach 
Und erfullete yn yren gebrech. 
[393 '■] 'Nu sage ich dir', sprach Gots 

Gnade, 
'Von den edeln frauwen von 

diesem rade 
13065 Und davon das du hest gesehen. 
Die du haist sehen dragen 
Die seile und die bände zu 
binden, 
Die ist die meisterynne von 
hynnen. 
Nach mir ist sij die pryelynne, 
13070 Die frieret die closter frauwen 

nach yrem synne 
Gebonden mit henden und mit 

fußen 
Und macht daz sij mit uffen 

duren gefangen sin mäßen. 
Von dem namen sij dir bekant: 
Sij ist Gehorsammekeit genant. 



13075 Yre seile und gebende 

Die sint manicherhande gebot 
behende, 
Die da byndent eygen willen, 
Das er nit mag han sinen willen. 
Her nach wirstu is wol ent- 
fynden, 
13080 So man dich dar in wirt bynden. 
[393"] Die frauwe die da dreit die 

fyie, 

Ist genant Straffonge by der 
wyle; 

Es ist die frauwe die den orden 
hüdet 

Und yn vor viel ubels beiludet. 
13085 Die fyle die sij inn yrem monde 

hait, 

Ist straffonge und reynyonge, da 
mit sij hait 

Gestraffet und gefylet sere. 

Sij achtet nit daz sij fylet und 
schüret sere, 

Das sij is alles zu rechte duhe 
13090 Und das nyemans bij ir mysse- 

duhe. 

Mit der tartschen die du ge- 
lassen haist 

Und die du Gedechteniße be- 

folhen haist, 

Da mit sij sich hait gedecket. 

Yren namen han ich dir genant; 
13095 Der den aber zu nennen ist umb 

nit gewant. 
Die die das wammesch hait 

Und die das liet gesongen hait, 

Ist Gewillige Armut genant, 



13066. du übergeschr. 



13095. Der = Dir? 



vor 13053 Bild (105) ohne Nebenschrift. 2 Tote bedienen eine Tafel; rechts steht Ent- 
haltsamkeit (vgl. Bild vor 13007) als Meisterin daneben. 



Freiwillige Armut und Keuschheit; 



285 



Die von yrme eigen willen ge- 
laßen hait 
[394'-] Alles das gut das sij hait 
13101 In der werlede gehabt 

Und was sij da inne haben 
mochte, 
Und hait sich zumal davon uß- 

getan. 
Dar umb sistu sij nacket gan, 
13105 Hette ich ir nit angetaen 

Das wammesch das du durch dine 

lassekeit 
Gebe zu dragen Gedechteniße aen 

leit. 
Du weist wie man sij nennen 

sal: 
Du hast sij gehört singen wol; 
13110 Dann sij hait nutschit umb sich 
Das sij hinderte vort zu gan 
In die Stadt da du wilt hien gan. 
Du must dich wol zu ir myeden 
Und sij mit zu gelachten henden 
bij den 
13115 Das sij dich getrosten möge, 
Uff das du also gesingen moges. 
Von yrer gespiele ich dir auch 
sagen, 
Die du gesihst den stab dragen, 
[394"] Die die bette machet; 
13120 Da rade ich dir aen lachen 
Das du zu ir dine liebe wolles 

dragen 
So lange du gelebes, bij dinen 

dagen, 
Das sij dir alle nacht din bette 

mache, 
Und bij dir soltu ir eine stat 
machen. 
13125 Sij wirdet gerne ligen bij dir 



Wann du des begerst von yr: 
Sij liget dicke bij den andern 
Und rüget dicke selb ander. 
Es ist gut zu haben solich slaff- 
meisterynne, 
13130 Soliche magt und solich kame- 

rynne. 
Kerne Unkuscheit uff daz slaff- 

huß, 
Mit yrem stabe driebe sij die 

dar uß, 
Und in dem bette da sij sich 

hette hin getzelt, 
Ließ sij die nit lygen umb kein 
gelt. 
13135 Und weistu war umb das das 

ist? 
Die sache war umb also gelegen 
ist: 
\395>'} Dan Unkuscheit sij vor langer 

zijt gedrieben hat 
Und uß der weite sij verdrieben 

hait, 
Als ich dir das me han gesagt 
zu zyden: 
13140 Dar umb muß sij die auch wider- 

dryben 
Und das sij ir desgelichen wider 

dühe, 
Da mit dir wol genüge. 
Die frauwe genant ist 
Frauwe Wihsse, die wol ge- 
weschen ist; 
13145 Es ist die die uff niemans achtet 
Er sij dan wyß aen wüst, wol 

rein gemachet; 
Und wiltu sij anders nennen, 
Kuscheit magstu du sij nennen, 
Burgvoydynne von diser bürg. 



13113. Orig.: Bien faiit que de li t'acointes. 
myeden] lieben h, nyeden (= nieten) (H.). 



13122. vor lange ein anderes lange gestr. 



286 



Unterricht, gefolgt von einer weißen Taube (Hl. Geist); 



13150 Es ist kein arcker noch zynne 

so gut, 
Sij sint von yre alle wol beliut 
Das pMl noch schoß nit komme 

dar inn. 
Nit umb suß ist sij gewappent 

da in 
Mit den hentschuen die sij ane 
hait: 
[395"] Der gewappenten hant gehöret 

wol zu 
13156 Das sij sie an der düre da man 

stürmet zu. 
Von den hentschuen weistu wol 
den name: 
In myme huse ich dich das ge- 
lernet hau. 
Du were ein dore daz du sij uß- 
dede ; 
13160 Sij können dir nit wol werden 

so du sij gerne hedes. 
Die frauwe die du hast ge- 
sehen gan 
Durch das closter und die spise 

dran 
Uff dem permente, das ist die 

spiserynne 
Und die andregerynne 
13165 Hie in dem huse und ansetzerynne. 
Sij gibt der seien zu essen 
Und spiset sij, daz sij des 

hongers möge vergessen; 
Sij erfüllet das hertze und nit 
den buch 
Mit yrer guder süßen spisen ge- 
nuch. 



[396 < 



13175 



13170 Sij ist geheissen die Letze 
Und studieret die gesetze 
Und dar zu auch die heilige 
schrifft, 
Die uff permente geschrieben 

und beslossen ist, 
Umb das sij nit in dem wege 

lige zu myste. 
Sij mag nit so wol noch so 

schone beslossen sin 
. Als in den schonen perchemyn. 
Zu ir rade ich dir dich zu ge- 
sellen; 
Dann durch sij magst du dich 
gehellen 
Zu den andern und auch zu yn 
gesellen 
13180 Und sij balde lernen erkennen. 
Und die gnade des heiligen 

geistes mit flyße 
Folget ir nach in einer wjssen 

duben wyse; 
Die wirt dir sagen und ver- 
kouden 
Was man dut in dem lande daz 
du wirst fynden. 
ij ist des ein bode und kau 

davon reden 
Mit den die sij sieht dar nach 

lesen und werben 
Und die yre erqwickongen 
Von den Letzen hant genommen. 
Nu wil ich dir sagen aber me 
Von den die du hast gesehen ee, 
Und das du sehe in dem reven- 
tal: 



13185 



13190 
[397»] 



13182. wyssea aus wißen. 

13185. vor reden schwarz gestr. zu. 

13188. den] l. der? Orig.: par la main de 
Lecon, h: Ton de hende der letzen. 

13189. vor der Zeile am Band Paragraphen- 
Zeichen. 



[13190.] £1 396" und 397 >• leergelassen 
(überschlagen), aber oben auf 396" in der 
Schrift der Korrekturen: hie getestet nicht 
dan such an dem andn' blade her nach bij 
solichein zeichen »Js . dieses Zeichen oben auf 
El. 397». 



Enthaltsamkeit und Gebet. Gebet ist die Botin der Toten. 



287 



Die frauwe die den krag hatte 

zemal, 
Die auch frauwe über das reven- 

tal ist 
Und Abebrechonge genant ist, 
13195 Wan du wilt zu yr reden 
Und bij sij wilt treden. 
Yre krag ist nuchterkeit, 
So wisse, obe ich des vergessen 

hette. 
So wil ich dir von den doden 

sagen 
13200 Die den lebenden zu essen 

dragen 
Und yn dienent andechteclich: 
Das sint aen liegen die selige 

lüde 
Die von dieser weit gescheideu 

sint als lüde 
Die des yren so viel gegeben hant 
13205 Dem lebenden das sij davon zu 

leben hant 
Grenuglich und werden davon 

gespiset. 
Er were sicher wol domme 
Der des doden gut hette ge- 
nommen 
Und sij keinen dienst von yme 

betten 
[398'-] Und er genug von dem yren 

hette 
13211 Und aen das yre honger hette; 
Der sal yn dienen und sij eren 
Als obe sij gheenwertig weren, 
Vor sij zu bijdden und yn zu 

dancken. 
13215 Dar umb sint sij uff die knye 

gesoncken 
Als obe sij sprechent: "bijdent 

vor uns! 



Wir hau uch geben das unse; 

Zum mynnesten deilent uns 

Uwer gebet mit uns!" 
13220 Nu sage ich dir, daz ist wol 

getaen. 

Hie inne magst du wol gesehen 
han: 

Die frauwe die indem münster ist, 

Die dreit eins boden buhße an ir 
gewist, 

Das ist die frauwe die yn dienet 
13225 Dar nach das ieclicher gheen mir 

verdienet. 

Sij hait ein bor, das hastu ge- 
sehen : 

Den hymmel sij da mit löchert 
zu besehen 

Das sij da mit her abe rynnen 
dut 
[39S»] Und vom hymmel kommen alles 

gut, 
13230 Davon yn wirt gegeben 

Yn allen das ewige leben. 

Das bor ist myt sime namen ge- 
nant 

Hitzige ubonge vielen bekant, 

Die durch ire langes üben dut 
13235 Den hymel bis an das oberste 

durch boren dut; 

Und also wirt yn zu essen ge- 
geben 

Und wirt yn zweifeldig wider 
geben. 

Heller odir phennig hant sij nit 
gegeben, 

Er wirt yn zweifeldig wider- 
geben; 
13240 Dan yn wirt das leben da von 

Dar an sij nummer keinen 

bresten han. 



13208. das s in des auf Basur. 



288 Gebet soll auch der Pilger vor sich her senden. Endlich ist noch da Frau Gottesdienst. 



Als obe die lebenden yn hant 
gedienet, 
Als wirt yn von den doden 

wieder gedient. 
Yre bodynne yn bereitlicli 
13245 Dienet und gutenclich; 

Von dem dode.dut sij sie wider 

uffstaen 
Unib das große gut daz sij yn 

hant getaen, 
[399''] Und brichet yn des fegefurs abe, 

Das sij desta myner pyne habe. 
13250 WiTtu wissen der frauwen name? 
Sij heißet Gebedt aen schäme, 
Und in andern weg ist sij be- 

kant 
Und ist auch wol Bede genant. 
Sij hayt flugel balde zu fliegen 
13255 Und balde zu hymel zu stigen, 
Daz sij yre botschafft balde duhe 
Von nientschlych könne spade 
und früe. 
Sij ist vor war sine bodynne 
Und, wann is zijt ist, sine 

schaffenerynne. 
13260 Bereitlich sij vor den konnig geit 
Und in guden truwen ire bot- 
schafft deit, 
Was ir dann befolhen ist. 
An yr kein gebreste ist, 
Durch sij niemans icht gebrist 
13265 Das nit me sine heischonge sij 

Und mit andacht besigelt sij. 
[399 v] G-h een i r ich reden daz du zu ir 

geest 
Und sij vor dir gan schickest 
In die stadt da du wilt hien gan; 



13270 Da wirt sij dir ein ende wol be- 

reidt hau 
Und gefügliche husonge, 
Da du salt han dine wonunge. 
Es ist nit billich das din 

kommen 
Vor nit werde da vernommen; 
13275 Es gesatzete nie keiner fuß dar 

inn 
Er hette dann vor geschicket da 

hyn. 
Von dem schecher die gewonheit 

qwani 
Der bij Jhesu gehangen den dot 

nam. 
Bede schickete er vor dar, 
13280 Kurtz dar nach qwam er dar, 
Da wart yme wol und allen dag 

bas: 
Dir als yme ist not das. 
Die frauwe die du hast ge- 
sehen spielen 
Uff den Seiten spielen 
13285 Und gesehen das hörn dragen, 
[400'-] Di e i s t der wechter der sal uff- 

jagen 
Und die auch dut erwecken 
Den konnig, so er wilt slaffen 

aen schrecken, 
Durch ire hörnen und spielen. 
13290 So er lange ligt, so dut sij yn 

ufiilen ; 
Zu latine ist sij Latria genant 
Und zu dutsche Gods Dinst ge- 

want. 
Yre hörn ist die anruffonge 
Das ir Got zu helffe komme, 



13243. gedient ans gedaen. 
13251. das zweite e in gebedt übergesehr. 
üb. ein aus o verbessertes e. 
13257. Von] l. Vor mit li? 



13265. nit me da s. h. h. 
13270. Orig.: Bien te sara lieu aprester. 
13284. hint. spielen gestr. viele. 
13288. vor Den schivarg gestr. s. 



Als Gottes Gnade geendet, tritt Gehorsam an den Pilger heran. 



289 



13295 Das nennet man: "deus in adiu- 

torium ! " 
Yecliche zijt aen lange beyden 
Also hebet sij an zu bescheiden, 
Und dar nach sij sich zu iren 

orgeln dut 
Und den süßen done davon gen 

dut 
13300 Und das salterium sij auch 

nymmet 
Und die gedone zu samen 

bringet; 
Dan so ist groß süße gesang 
Von dem süßen psalmen clang. 
Also sint die instrumente genant 
[400"] Und mit yren namen wol erkant; 
13306 Es sint die spiele wol gefeilig 
Dem konnige, myme vatter al- 

mechtig. 
Er hait sere lieb soliche orgele- 

rynne, 
Solich gedone und die spiele- 

rynne, 
13310 Und wann is yme so wol ge- 

fellet, 
So hait er mit yr bestellet 
Das sij ist sine oberste spiele- 

rynne 
Und sine sunderliche dienerynne. 
Soliche sache gehöret wol dem 

konnige zu 
13315 Zu syme luste, wann er wilt nu.' 
Als zu mir rette da 
Gots Gnade, vor mich sach ich 

da 
Die die das gebende hatte 
Und glich her zu mir tratte. 



13320 'Nu her!' sprach sij, 'wer bist 

du? 
Wen suchestu im kloster? war 
gest du? 
Es muß sin das du mir is sagest. 
Ich weiß nit obe du uns verspiet 
habest.' 
[40V] 'Frauwe', sprach ich, 'nit ver- 

spihen 
13325 Wil ich uch, dan ich han willen 

zu gen 
In die Stadt zu Jherusalem. 
Dar umb hait mich her gefurt 
Gots Gnade und mir den weg 

gekürt. ' 
'Hait sij dir', sprach sij, 'nit ge- 
saget 
13330 Das man harte bette hie inne 

hait, 
Harten gang und hart leben, 
Wie wol du is nit gesihst eben?' 
'Ja', sprach ich, 'aber ich wolde 

wol 
Gerne dun das ir lieb were, 

mochte ich wol.' — 
13335 'Es ist nutschit du duhest is wol 
Wo du nit bist trahekeit vol: 
Es ligt alles an gudem willen. 
Hastu den gut, des werde ich 

innen 
Und wil das yetzont versuchen: 
13340 Wolher, laß mich das besuchen! 
Gib her dine hende, gib her dine 

fuße! 
Als einem falcken ich dir die 

binden müße.' 
[40V] Da ich die rede hatte gehört, 



13323. verspiet aus verspiese. 

[13323.] Kustode unten auf Bl. 400": frauwe 
spf ch ich. 

13324. vor nit ein schwarz gestr. ich, das 

Deutsche Texte des Mittelalters. XXV, 



hinter Wil im folg. Vers einzufügen vergessen 
wurde. 

13336. vor vol schwarz gestr. zu. 



19 



290 



Gehorsam bindet dem Tilger Füße, Hände und Zunge. 



Gar sere wart ich verstört; 
13345 Dan ich nit gewane was 

Das ich geseilet odir gebonden 

was; 
Ich dorste nit fliegen vor Gots 

Gnaden, 
Die mir dar hatte geraden. 
'Wol an', sprach ich, 'was ir 

wollent, 
13350 Das dunt nu wie ir dun sollent; 
Dan ich mich dar inn ergehen 

han: 
Ich sal dar wider nit han getan. 
Gots Gnade hat mich underwiset 

mit synne 
Das ich an diesem ende solle 

finden 
13355 Das widergewichte und glichenisse 
Von der hecken der Bussen ge- 
wisse.' 
Da bant sij yre seyle uff 
Und bant mir die fuße zu hauff, 
Das ich waende ich were in 

ringe gelacht 
13360 Und in zugende stricke gemacht. 
[403'-] Von dem bände da mit sij 

mich gebonden hatte, 
Das eine ende sij auch in der 

hende hatte 
Und sprach zu mir, wanne ich 

wolde gan 
Einen weg, so müste ich einen 

andern gan, 
13365 Als ich des dar nach dicke wart 

geware. 



Aber ich achte des nit viel 
zware ; 
Ich wil is lieber ein ander male 

sagen 
Dann is hie in myme namen ge- 
schriben dragen. 
Dar nach bant sij mir die hende 
13370 Und sagete mir da gar behende 
Das is zu male nit endochte 
Alles das werck das ich machen 

mochte, 
Und were alles bruchette ',■ 

[402« \ Und auch nit zu male gerechte 
13375 Ich dede is dann durch sij. 

Die zonge det mich her ußdun sij 
Und lachte mir auch ein bant 

dar an 
Und sprach ich solde nit reden 

an 
Ich rette dann durch sij, 
13380 Und sagede mir auch da bij : 
'Dis ende ist geheissen hie 
Stillonge und benedicite; 
Die alleine entbynden ich hie 
Und erleuben dir die. 
13385 Aber von Gots Gnaden sage ich 

nit 
Noch von yren frauwen die du 

hast gesehen sijt, 
Noch von den andern die du 

wirst gesehen, 
Das du nit zu yn reden salt 
Wann du yne icht heißen salt.' 
[403 r] Da mir also hatte gesagt die 

pryolynne, 



13364. vor gan gestr. lan. 



13373. bruchette] Orig.: brehams; ist ge- 
meint bruchikt 'brüchig'? 



vor 13361 Bild (106) mit Nebenschrift rechts: gekorsamekeit die byndet de weller 
sine fusse (vor weller gestr. pi). 

nach 13390 Bild (107) mit Nebenschrift rechts: Sieohdagen vnd alter, zwei alte Weiber, 
die eine mit einem Bett auf dem Kopfe, die andere mit 2 Krücken auf der Schulter. 



Dann nahen dem Füger sivci Botinnen des Todes (Krankheit und Alter). 



291 



13391 Mich gelacht und gebonden na 

yrem synne, 
Eine lange zijt ich da inne was 
Und mynre sunden nit zumale 

vergas; 
Dann sij mich ruweten sere. 
13395 Aber dar nach eine lange zijt 

mere 
Sach ich zweie aide wiber, 
Der wondert ich mich ser. 
Die eine zwo knicken uff yrem 
halse drug 
Und hatte blyen fuße swere 
genug, 
13400 Und eine buhße hynden 
Drug sij als eine bodynnen. 
Die ander auch eine bodynne 

was 
Und drug uff yrem houbte ein 

bette, und sij was 
Gestalt als obe sij wolte ringen; 
13405 Das duchte mich vor allen 

dingen. 
Miteinander qwamen sij zu mir 
Und sprachen: 'der Dot schickt 
uns zu dir 
Das wir dir verkünden sollen 
[403«] Das er aen beyden zu dir 

kommen wolle, 
13410 Und hait uns gesagt und be- 
scheiden 
Das wir uns von dir nit scheiden 
Bis das wir dich haben geslagen, 
Geqwetschet und nidergeslagen. 
Er wilt dich finden bekümmert 
und mat, 
13415 Das er dir spreche schach und 

mat.' 
'Wer sint ir?', sprach ich balde, 



'Ich kennen nit uch zwoe aide. 
Noch auch den Dot kennen ich 

nit. 
Sijt das der Dot uwer meister 

ist, 
13420 So wil ich wissen wer er ist, 
Und wil auch wissen dar zu 
Obe ir yme beide gehorent zu. 
Nu sagent is mir, obe ir wollent, 
Und uwern namen, war zu ir 

dienent ! ' 
13425 Da sprachen sie zu mir eben: 
'Es hilffet dich nit widerstreben 
Wieder uns odir wieder yn 
[404'-] Odir wider den willen sin; 

Dann is ist keinre der so starg 

möge sin, 
13430 Wann wir kommen zu yme hien 

in, 
Wir slahen yn an allen stucken 

nider. 
Der Dot hait die macht wider 
In der weit über mentschlich 

leben, 
Und fochteilt yn konnige und 

f irrsten eben 
13435 Me dann armenlude und die 

kleinen. 
Eiche und grossen, alle gemeyne, 
Er machet is mit yn allen 

siecht; 
Er schonet niemans, sij sint yme 

alle gerecht, 
Und er kommet dicke an manich 

ende 
13440 Ee dann er dar gesende, 

Also das er dir hait vorteil getan 
Das er uns hait vor her zu dir 

dun gan. 



13408. sollen aus wollen (?). 

13416. Initiale schwarz mit roter Füllung. 



13436. das erste e in gemeyne gleich über- 
geschr. 

19* 



292 



Kranlcheü trägt ein Bett auf dem Kopf. 



Das ist eine sicher underwisonge, 
Die zu dir kommet mit ilonge. 
13445 Wir sint syne bodynnen 

Und sunderliclie leufferynnen ; 
[404"\ Unser iecliche sal dir sagen 
Yren namen.' Da fing an zu 

sagen 
Die das bette uff dem keubte 
drug 
13450 Und scheine eine rengerynne 

klug: 
'Ich heißen', sprach sij, 'Siech- 

dagen, 
Und wo ich finden G-esunde Dage, 
So fahe ich an mit yn zu ringen, 
Sij zu undertreden und zu über- 
winden. 
13455 Eine stonde werffent sij mich 

nyeder, 
Die ander werffe ich sij nider 

wyder, 
Aber wenig solden mich nider- 
legen 
Dede artzetie ir nit stüre under- 

wegen, 
Artzetie die schemeliche, 
13460 Die ich verjagen gliche 

Dicke wann ich sij finden an der 

düre 
Da ich sal gan hien füre 
Und myne botschafft dun. 
Also muß sij sich wenden, 
13465 Und das sij belibe an den ussern 

enden. 
[403'-] Und dar umb yren buhßen zu 

leide 
Und yren plastern drocken und 
nas beyde 



Und auch yren gedrencken 
Ettwann ich mich bij sij 

insencken 
13470 Zu den mich hat geschicket der 

Dot. 
Ich slahen sij nyder und werfen 

yn in not, 
Sin fleisch er isset und sin blut 

er süget, 
Also das er nit hat krafft odir 

macht; 
Und clan hau ich yn in das bette 
gelacht 
13475 Das ich uff mynie heubte dragen, 
Uff das yn funde bereidt 
Der Dot, der yme daz leben abe- 

sneydt. 
Das er nit viel habe zu dun, 
Dar umb muß ich das dun.' 
13480 'Du bist nit', sprach ich, 'eine 

bodynne 
Die da solle wol entphangen sin 
mit synne!' 
'Ich bin zwaer', sprach sie, 
'Und wisse vorwar das ich bin 

die 
Die dut gedencken an Bussen 
[405"] Wann so man yr wilt vergessen, 
13486 Die die verirreten lüde widerkert 
Und sij die rechte wege leret. 
Zu zijden der der Nature hat 
gemacht, 
Hait gesehen das ein deil sin nit 
haut geacht 
13490 Und hatten sin vergessen und 

fochten yn nit; 
Der l-ieff mir und sprach zu mir 
in der zijt: 



13460. Orig.: Qiü potir moi enckacier fu nee. 
13466. vor vmb gestr. viel. 
13471. vor vnd gesir. w. 



13472. ü. ich isse . . . ich suge mit h? 
13488. Zu zijden] Orig.: Jadis, 



Da hinein will sie den Pilger zwingen. 



293 



"Gang in myn weltlich landt 
Und ringe mit den zu haut, 
Dar zu so werffe sij nider 
13495 Die du findest aller starckest an 

glider ! 
Wenig sij mir biedent umb daz 

sij gant 
Und auch gesontheit hant, 
Umb daz sij hant vergessen 

myn. 
Dar umb saltu straffende by yn 

sin, 
13500 Und binde sij in yre bette so 

hart 
Daz sij nit mögen uff der fart 
Bälde wider uffgesten 
Odir sich nach yrem willen ge- 

wenden, 
[406'-] Das sij von essen verlieren den 

gesmag 
13505 Und vom drincken haben keinen 

gerog! 
Dar uff ich dir das sage; 
Dan ich wil daz sij alle dage 
Mich gnade bijdent und sich 

bessern 
Und ire sele zu behalden nit 

vergessent, 
13510 Und das der Dot sij in solichem 

wesen finde 
Daz ieclicher wieder yn sprechen 

mit synne: 
'"Dot, einen halm föchte ich dich 

nit! 
Zu myme schopper myn hertze 

ist gericht 
Und auch alle myne gedencke! 
13515 Slag wann du wilt, und dich 

sencke ; 
Dann myne sele ist gereydt 



Und von der erden zu gan be- 
reidt! 
Busse, die wescherynne, 
Hait sij so viel in yrem buche 
dun syn 
13520 Das sij gereyniget ist und schon 

geweschen 
Mit der laugen von yren 

eschen!'"" 
Nu sage ich dir, da sij also 
[406«] Hatte gesagt, undertenig do 

Wart ich ir und was gar unfro. 
13525 Myne kleider ich in mynen 

gurtel stieß 
Und gieng durch das lant mit 

flyß 
Und hau da inne so viel getaen 
Das ich manichen uberwonden 

hau 
Mit der slagen und viel nider- 
geslagen 
13530 Und auch uff dem bette viel dun 

ligen. 
Und dir dun ich nit mynner: du 
must ligen; 
Bereidt dich, ich wil mit dir 

ringen 
Und dich uff das bette 

dringen!' — 
'Die ander sal sagen vor 
13535 Wer sij ist, als sij hat geredt 

vor!' 
'Das wil ich wol', antwerte sij 

da. 
'Ich bin die', sprach die ander 

da, 
'Die du nit waente gesiehen 
Da dich Jugent drug mit fliegen 
13540 Und du spreche: "sij ist ferre 

und kommet nit balde, 



13503. sinem Es., yrem h. 



294 Zuvor aber spricht auch Alter, mit zwei Krücken auf der Schulter, eum Pilger. 



Dar unib saltu nit gan so balde; 

[407'-] sij hait fuße von blye und mag 

nit gan, 
Ich lian zijt genug spielen zu 

gan ! " 
Nu sage ich dir das gewerlich: 

13545 Blyen fuße hau ich sicherlich 
Und geen auch gar gemechelich; 
Aber ferre ye wenig und wenig 
G-eet man wol in der zijt, 
Es ist lange wol gesaget. 

13550 Hau ich wol nit sere gejaget 
Und bin mechelich kommen, 
So bin ich dir nachkommen 
Und brengen dir nnwe mere 
Das der Dot zu dir kommet 
schiere ; 

13555 Du kanst keinen boden han 
Der dir warer möge gesaen. 
Myne gespiele ettwan luget 
Umb sache die sij bedruget 
Und wider sij muß dun, 

13560 Die sij auch nit lesset dun 

[407-o] Yre botschafft; aber mischt ge- 
hindern kann 
Mich, ich muß die warheit san. 
Alter heiße ich, die verfochten, 
Die grae hudt, die geflochten, 

13565 Der da ist das heubet grae 
Und auch dicke kale gar nae; 
Die an der man sal rat suchen, 
Yre ere erbieden und sij da mit 

suchen; 
Dan ich han gesehen die ver- 
gangen zijt 

13570 Und mich viel guds und böses 

genyedt. 



Das sint von den konsten die 

glosen 
Und war umb das man muß den 
Sachen losen; 
Es wirt keiner wissenthafft 
Wanne der es nit gesehen odir 
versucht hait. 
13575 Doch so ist is dicke geschiet, 

Und das sal man verswigen nyet 
Das, wie wol ich genug gesehen 

han 
Odir das ich hondert jare han, 
[408 >•] Und werden in der kinde ringe 

gestalt 
13580 Und vor ein ander kint getzalt 
Und doren wieder hinder mich 
Und han keinen synne da mit 
rade ich. 
Das ist war umb daz zu zijden 

mir verfluchet hait 
Ysayas, da er mich gesehen 
hait.' 
13585 'Von den kracken', sprach ich, 

'sage mir 
Und gang dan balde hynnen von 

mir, 
Die wijle du dine botschafft 

haist getaen: 
Din hie wesen mir nit wol ge- 
fallen kan!' 
'Is gefalle odir gefalle dir nit', 
13590 Sprach sij, 'is get also nit: 

Ee wirt der Dot kommen zu dir 
Ee dan ich scheiden von dir. 
Ich wil dich yetzont slahen, 
Das du nit salt viel me freude 
haben. 



13561. mischt üb. gestr. nit. 

13569. hau übergeschr. 

13574. "Wane üb. gestr. von dem(?). 



13583. dz übergeschr. 

13584. Isaias 65,20. 



Beide Frauen fallen über den Pilger her und verkünden das Nahen des Todes. &Ji> 



13595 



[408»] 
13600 



13605 



13610 



13615 



[409' 



Kromp und unmechtig ich dich 

machen 
Mit den streichen die ich dir 

geben aen lachen. 
Doch so viel Vorteils soltu han 
Von mir, wiltu is vor gut han: 
Die zwoe krucken die ich dragen, 
Die soltu von mir haben, 
Das du dich dar an solles halden 
Und doch dinen stab auch be- 

halden, 
Und wil dir den dar umb nit 

nemen; 
Dan is ist gut bij dem geist- 
lichen stabe 
Das man den weltlichen da bij 

habe. 
Myne krucken sint liplich 
Und den lip zu halden beqweme- 

lich; 
Dar umb det ich sij machen 
Und nam sij bij mich umb die 

Sachen. 
Wer uff eine sytte gehalden ist 
Und uff die ander syte geslagen 

ist, 
Der feilet nit so lichteclich 
Und missef eilet yme nit so unglich. 
Also nym sij nu, obe du wilt, 
Du darffest ir beider zu hant 

villicht! 
Myne streiche sint gros zu lyden, 
Balde wirst du is gewar mit 

lyden.' 



13605. weltlichen üb. gestr. liplichen. 
13618. zu übergeschr. 



'Nu her!' sprach sij zu yr ge- 
spiele, 
'Es ist zijt das wir yme duhen 
leides viele. 
13620 Binge mit yme und wirff yn 

nider 
Und lege yn in din bette nyder! 
Und uff die ander sijtte ich dir 
wil helffen 
Und yme nach myme vermögen 
zu schaden helffen.' 
Da mit einander sij mich 
nament 
13625 Und balde niderfallen mich da- 

dent, 
Und mit dem halse sij mich 
griffen 
Als obe sij mich wolden er- 

stricken. 
Schrien und raffen muste ich 

wol: 
Keinre ander freuden waz ich vol. 
13630 In das bette zu leste sij mich 

lachten, 
[409»] Sij bonden mich und zu mir 

sprachen : 
'Bereide dich, der Dot kommet! 
Vertzucket er dich, uns das nit 

wonder nymmet; 
Wir han dich wol underracht 
13635 Und underwisen dich noch dag 

und nacht.' 
In solichem wesen ich ge- 
halden was, 



13623. zu übergeschr. 



vor 13618 Bild {108) mit Nebenschrift rechts: Siechdage vnd alter koment den weller 
an. der Pilger im Bette, sein Stab auf der Decke. Die beiden Frauen stehen vor dem Bette; 
die eine hält den Pilger am Kopfe fest. . 

vor 13636 Bild (109) mit Nebenschrift rechts: barmhertzikeit, bedurenisse vnd nebe 
die trostent den weller. eine tröstende Frau mit halb entblößtem Busen am Bette des Pilgers. 



296 



Doch dem Pilger kommt noch eine Trösterin (Barmherzigkeit). 



Und uff dem bette ich also ge- 
legen was, 
Da sach ich kommen eine frauwe 
Die mich det sere erfrauwen. 
13640 Ir gesichte was gar einfeldeclich 
Und einen willen milde und wol 

gefellig 
Und hatte eine brüst her uß 

getan 
Und durch yren busem ußgelan; 
[410'-] Und als sij wölde nach hauwe 

gan, 
13645 Ein seyle sach ich sij in der 

handt dran. 
Zu mir sij qwam und det ir 

seyle uff 
Und sprach zu mir: 'nu stant 

uff, 
Komme, komme in das sieche 

huß; 
Dan du ligest nit wol in diesem 

huse ! ' 
13650 Da sprach ich zu ir: 'zarte 

frauwe, 
Ich sweren uch und globen uch 

uff myn truwe 
Das ich mit uch wil gerne gaen;- 
Aber dar umb das ich nit kann 

gesan 
Wer ir sint, so bijden ich uch 
13655 Das ir mir das sagent von uch.' 
'Das wil ich dir sagen', sprach 

sij; 
'Wisse vorwar e das ich bin die 
Die nach dem gegeben urteile 
Inn allen gerichten sal ent- 

phangen sin, 
13660 Sal mir anders nit unrecht ge- 

schien ! 



Da zu zijden hatte gerichte ge- 

taen 
Der oberste konnig und urteil 
gelan 
[410»] Über alle mentschlich könne 
Und zum dode geachtet umb ir 
uberwonne, 
13665 Da det ich yn sine handt abedun 
Umb das ich is möchte beliben 

dun ; 
Ich det machen einen bogen aen 

snure 
In dem hymel, das sin zorn ver- 

fure, 
Zu zeichen der vereynionge. 
13670 Die snure ich behielt, sin ist der 

bogen : 
Keinen schützen han ich nie ge- 
sellen mögen 
Der in solicher maßen könne 

schiessen, 
Wilt er des schiessens nit ge- 
messen 
Und wolde er is nit zu yme 
ziehen. 
13675 Von der snure sage ich bas 
Da mit gesnuret was 
Der böge den ich entreyset han: 
Da mit ich wol schiessen kan 
Und neinen. uß die unseligen 
13680 Von unselikeit, wann ich sij da 

inne finden. 
[iiiq Dar umb dut sich Glich Ver- 

stenteniße dar zu 
Das sij sich Barmhertzikeit 

glichen duhe, 
Das ist von der unseligen seyle 
Sij zu ziehen von dem unreynen 
deyle 



13665. handt aus haut. 



13681 f. Orig. : Et pour oe s'acorde Saison, 
Que Misericorde aie non. 



Mit einer ihrer Brüste, die sie herausgezogen, säugt sie alle, die ihrer bedürfen. 297 



13685 Des unreynen pades 
Mit viel guden rades. 
Myne mutter Götliche Liebe, die 

seylerynne, 
Was des seiles eine spennerynne; 
So balde als das gebrochen wirt, 
13690 Zu hymmel gestigen kan nyeman 

nit.' — 
'War umb hant ir her uß ge- 

tzogen 
Uwer brüste? ist sij gesogen 
Odir ist noch milch da inne, 
Das ir mich seugen wollet mit 

synne ? ' 
13695 'Ja', sprach sij, 'is ist dir not 
Und wirt dir noch noder me 
Dan daz du habest Silbers odir 

goldes me. 
Beduronge ist myn name, 
Des ich mich zu male nit 

schäme. 
[4W] Mir ist auch wol aen spot 
13701 Das ich die armen seugen in 

yrer not. 
Ich seugen da mit die hongerigen 
Und ist nit gegeben den 
Die zu zijden viel hant misse- 

taen. 
13705 Aristotules sprichet das milch 
Nit anders sij dan verwandeltem 

blut glich, 
Das verändert ist und worden 

wyß 
Durch rechte verdaugonge mit 

flyß 



Von natürlicher hitze, 
13710 Das sij nit beheldet der roete 

keine spitze. 
Weistu nit was das bedüdet, 
Du salt wissen das ein man der 
sich viel bekrüdet 
Und alle wege vol zornes ist, 
Das sin blut nit recht rot ist. 
13715 Dasselbe wurde nummer wyß 
Wann Liebe das nit hüte mit 

flyß 
Und verwandelte sij daz sij wiß 

ist. 
Milch wirt wyß wann sij ge- 
soden ist 
[413 ?] Und die roete dar uß getzogen 

ist, 
13720 Und der dan schone milch hait, 
Der vertzijget allez daz man 

yme missedan hait. 
So stent yme soliche brüste wol 
Und kommet yme auch eben wol. 
Min vatter, der an das crutze 

wart gelacht, 
13725 Was solicher brüst nit ane be- 
dacht ; 
Es was yme nit not daz er uns 

sin brüst det 
Zeugen, dar umb er sij durch- 
stechen det 
Und uff spalden die sijtte sin 
Der usserwelten mentscheit sin. 
13730 Me kein müder so viel gedet 
Odir amme ir kint geseugete. 
Da erscheinen sine brüste wol, 



13687. götliche übergeschr. 

13691. Initiale schwarz mit roter Füllung. 

13697. dz übergeschr. 

13705. Aristoteles, De animalium genera- 
tione 4, S. 

13706. blut gleich übergeschr. üb. gestr. 
milch. 



13714. Orig.: N'a point en soi que rouge sanc. 

13727. vor er schivarz gestr. ließ u. a. Schi. 
det zugeschr. 

13731. erster u. letzter Buchstabe von affle 
Jcorr. aus andern Lettern. das Schluß -e in 
geseugete zugeschr. 



298 



Barmherzigkeit führt den Pilger in das Siechenhaus. 



Zu eyme ieclichen cristen er 

sprach so: 
"Wer wilt geseuget sin, der 

komme her bij uns! 
13735 In mir ist des zornes kein Mut 

me; 
Liebe hait is verwandelt und ge- 
sotten 
In wyße milch aen spotten, 
[413"] Zu dem gemeynen nutze bracht. 
Nie keins soliche milch gesogen 
hait 
13740 Noch auch soliche brüst geseuget 

hait!" 
Nu sage ich dir das ich also 
seugen 
Alle die ich weiß das sij sich 

lyden, 
Und also glich ich myme vader 
Und folgen nach Gütlicher Liebe, 
mynre mutter. 
13745 Auch saltu da mit wissen 

Daz an allen enden wo ich kann 

wissen 
Odir auch gesehen an 



Einen armen der hunger mag 

han, 
Bälde geben ich yme brot. 
13750 Zu drincken und zu essen ich 

yme auch geben 
Dar nach ichs han am staden 

eben. 
Sehen ich yemans der trurig ist, 
Yemands nacket odir der zer- 
rissen ist, 
Ich kleiden und trösten yn, 
13755 Und zu gedult stellen ich yn. 
Die pilgerin neme ich in myn 
huß 



[HS'-] "Wann sij mich mit yr gefurt 

hette. 
Die aide wiber fuß vor fuß 
Qwament her noch, dar was mir 
swere genüg, 
13760 Und was des nit frölich 

Und konde daz nit gebessern ich; 
Dann die macht was nit myn 
Und konde da nit besser gesyn. 



13744. gotliche 5 übergeschr. 
13752. vor trurig gestr. d. 
13756. vor neme gestr. m (?). 



[13756.] Kustode unten auf El. 413": vnd 
ist yemads in. 

vor 13757 von späterer Sand großes Kreuz. 
13761. dz üb. gestr. es. 



Nach 13756 fehlt 1 Blatt, etwa 30 Verse. Die Partie lautet in h: 
[8. 330] . . . dye Mlgerin neme ich in myne huß, vnd ist ymant der gefange ist, den 
begern ich zu sehen zu mynsten eynß in dem mande. Die dot sint, laßen ich nit vnbegraben; 
die durch alter ader siechtage zu hette lygent, den dienen ich mit demutikeit, vnd dar vmb 
hat mich gottez gnade hie gemacht eyne meisterin der siechen. Ich diene den großen vnd 
den cleyne vnd machen in dig ir bet, vnd wez iglichem gebrist dez ich ym gebeßern mag, 
dez laßen ich in keyne mangel han. Wiltu mit kome, so byn ich bereit dir zu dyene!' Da 
sprach ich: 'Ich han guden "willen dar zu, aber ich weiß nit wie ich dem dun solle. Dieß 
bodden häklet mich so hart daz ich mit uch nit gegan kan. Dedent ir sie von mir, so hettet 
ir mir sere wol getan!' Abe da sprach sie: 'dez kan ich nit gedü, aber ich wil dich in 
myn er snore mit mir füre, ab ich mag, in daß siech huß. Die bodynne koment auch dar vnd 
laßent dich nit; ich dencken wol der dot werde vor kome E du frieden von in gewynnest.' 
Da baut sie ir seile an daz betht vnd fürt mich mit ir . . . 



Kaum ist er dort, da springt ein Weib (Tod) mit Sense und Sarg auf sein Bett. 



299 



Da ich in dem siechhuse was 
eben 
13765 Und eine wile da inne hatte ge- 
legen, 
In eyme spronge snelleclich 
Uff myme bette gesag ich 
Ein altwip das dar uff gestigen 

was 
Und zu mynen fußen saß, 
13770 Des ich gar sere erschrack 
[413"] Und ziederte das ich nit enmag 
Zu ir gereden odir sij icht ge- 

fragen. 
Eine sensse sij uff dem halse 

drug als in der wagen, 
Und eine lade von holtze sij 
drug 
13775 Und was mir nahe genug. 

Einen fuß hatte sij mir gestalt 
Uff myne brüst und sich zu 

drucken gestalt. 
'Ho, ho!' sprach Gots Gnade do, 
Die was nit ferre von dannen da, 
13780 'Beyde einwenig, wil ich yme 

sagen 
Zweye wort die ich yme han zu 

sagen!' 
'Nu sagent balde', sprach sij, 
'Bälde verdrußet mich hie: 
Balde wil ich ußrichten; 
13785 Dan ich muß mich anderswo 

hien richten, 
Da ich dan han hien zu gan!' 



Da kam Gots Gnade bij mich 

gan 
Und sprach zu mir gutlich: 
[4W-] 'Nu wol an, nu gesehen ich 
13790 Das du bist an dem engen pade 

harte 
Mit dynre bidefarte. 
Auch hie ist der Dot, der 

kommen ist 
Uud des irdenischen guds ein 

ende ist, 
Ein ende und einußgang. 
13795 Er wilt dir din leben abehauwen 

zu hant 
Und is alles niderlegen 
Und dinen lip dann geben 
Den stinckenden wurmen zu 

essen eben. 
Das ist eine sache gemeyne 
13800 Yeclichem und ieclicher gemeyne: 
Der mentsche in dieser weit ist 

gegeben 
Dem dode als gras in der wiesen 

eben 
Der senssen wann is hauwe ist, 
Das hude grüne und morne dürre 

ist. 
13805 Nu bistu grüne gewest lange 

tzijt 
Und hast gehabt regen und 

windes zijt, 
Aber yetzont muß man dich 

mehen 



13788 f. unten auf Bl. 413" u. oben auf 
Bl. 414 r von späterer Sand ein blasses Winkel- 
zeichen, wohl zum Zeichen, daß sie sich an- 
einander anschließen. 



13789. vor wol wieder von der späteren 
Sand ein verblaßtes Wort übergeschr. (d . . . ?). 

13790. pade übergeschr. 

13794. vor dem zweiten ein gestr. d. 



vor 13764 Bild (110) mit Nebenschrift rechts: der doit komet den weller gar er- 
schreckelich an. auf dem Fußende des Bettes ein altes Weib mit einer Sense auf der rechten 
Schulter und einer gelben Solzlade (Sarg) in der linken Sand. 



300 Nochmals redet Gottes Gnade dem Pilger zu. Schon schwingt der Tod seine Sense. 



[4W] Und in zweye stucke dich dryben 

mit gehen. 
Die dure ist enge, sele und lip 
13810 Magent da durch, miteinander nit. 
Die sele muß zu erste durch gan 
Und dar nach wirt der lip gan; 
Das geschiet aber so balde nit: 
Das fleische muß ee verfulet sin 
13815 Und nivwe widergeborne sin 
In der gemeynen samenonge. 
Nu dencke nach dinre bereidonge 
Abe du recht gestalt siest 
Und recht bereidt siest! 
13820 Belibet es an dir nit, so wirstu 

balde gesien 
Die stat da du wilt gan hien; 
Du bist an dem ingange der 

düre 
Die du lange in dem Spiegel hast 
gesehen füre. 
Bistu ußgetaen und nacket, 
13825 Balde man dich da inne ent- 

phaet, 
Wann du sij hast gesehen vor. 
[415<-] Doch so viel sage ich dir bevor 
Das du mynen vader wolles 

gnaden bijdden 
Und auch Bussen geloben da 
myde, 
13830 Habest du ir nit genug gedaen, 
So wolles du is noch gerne dun 
In dem fegefure da du must 
ingan.' 
Nu sage ich uch, hette ich ge- 
mocht 
Eeden, so hette is wol gedocht 
13835 Das ich sij viel gefraget hette 



Das ich nit wiste und föchte 

doch. 
Es ist dorheit ab estigen in der 

not: 
So man wenet das ferre sij der 

dot, 
Er beidet an der kleinen dür; 
13840 Ich warts gewar begriffen für. 
Der Dot ließ sine sensse lauffen 
Und det mir ' die sele vom libe 

lauffen : 
Also duchte mich da ich draü- 

mete. 
Aber als ich was und mich 

wante 
[415"] In solicher pine und arbeidt, 
13846 Da horte ich das gereidt, 

Die zijtklocke von dem convente, 
Die zu metten lute senffte, 
Als das gewonheit was. 
13850 Da ich sij horte und erwachet 

was, 
Und über alle sweissig ich mich 

fant, 
Und umb mynen draum waz ich 

gedencklich 
Und zu male sere erschrocklich. 
Doch ich uff stunt 
13855 Und ging zu metten zu stunt; 
Aber so bekommert und müde 

ich was 
Das ich nicht mochte gedun daz 

gut was. 
Min hertze hatte ich so gar ge- 
lacht 
An das das ich gedreumet hatte 
in der nacht: 



13808. mit gehen zugeschr. 
13837. Orig. : Folie est d'atendre au besoing. 
vor 13841 wieder von der späteren Hand 
ein Hand-Zeichen als Nota bene. 



13842. in sele ein zweites 1 durch unter- 
gesetzten Punkt getilgt. 

13859. in der nacht zugeschr. ' 



Da crwaclit der Dichter aus seinem Traum. Schlußwort. 



301 



13860 Mich duchte und duncket mich 

noch 
Das die biedefarte ist also doch 
Des dötlichen mentschen in 

diesem lande. 



Der ist dicke in solicher not 

schäme und schände, 



13860. duchte üb. gestr. duncket u. duncket 
üb. gestr. duchte. 



nach 13863. Der fehlende Schluß lautet in h: 

[S 333] . . . dig in solicher not ist, vnd dar vmb han ich daz beschrihen inne maßen 
ich daz gedremet han; doch hau ich iß nit allez dar gesatzt, da die sehrift worde zu langk. 

Ist der dräme nit recht gedremet, so biede ich daz er zu recht gekongieret vnd 
gestraft werde vo den die baß dreme könne vnd baß gemache mögen, dochjo vü sage 
ich nie: were icht da erdacht daz zu dreme geachtet were vnd sich nit ym drame gemacht 
hette wil ich nit allez zu dreme verkünde noch in keyne weg hantfesten. Doch ich hette 
wol gewolt vnd wolde noch daz sich al bügerin durch den dräme den ich doch gesehen han, 
wol rechte vnd hüte vor irren vnd bösen wege. Mffl spricht: der strafft sich silberhell vnd 
wol der sich hie durch eyne andern straffte. Vor stoßen vnd irrunge sal eyn vnder wysunge 
sin daz iglicher soliche weg neme daz er zu eyme gude ende kome. Daz ende ist die ver- 
dienüge vnd der recht lone von der freyden dez paradiseß. Die gebe got allen menschen, sie 
sin lebendig ader dot! amen. 

Hie hat menschlich biede fart eyn ende. 
Got wolle vnß syn gnade sende! amen. 



jtfnhang. 



Probe der zweiten poetischen detitschen Übertragung 

(V. 1—264). 

(Handschrift des Historischen Archivs der Stadt Göln C j^-.J 



[*'"] Ich hain gelesen in der ge- 
schnellt 
Dat der hilge prophete spricht 
De genant is Daniel, 
In syme tzwelfften capittel, 
5 De gene de zo der gerechticheit 
In deser werelde ellendicheit 
Vil lüde onderrichten können, , 
Dat in Got des wilt gönnen 
Dat sij den sterren werden ge- 
lijch 
10 In dem ewigen hemelrijch. 
Dar imib, off icht yermochte 
Ind myn verstentenisse dar zo 

dochte, 
Woulde ich in duytzschen gerne 
beschryven 
Beyde den mannen en den 
wyven, 
15 Den armen ind onch den rijchen, 
In der werelde alle gelijehen, 
Beyde den jongen ind den alden, 
Wie sij sich soelen halden 
Ind we sij soelen streven 



20 Na dem ewelichen leven. 

Eyn loevelich lerer hait ge- 
macht 
Eyn welsch boech van groisser 

acht 
Dat den wech der wairheit leert. 
Och, were myn syn nu so er- 
cleert 
25 Dat ich volkomolichen moechte 
Dat gewenden, dat id doechte 
In duytzscher sprachen zo ver- 

staen, 
De arbeit woulde ich gerne an- 
gaen. 
[>] Ye doch, we vil da an gebricht, 
30 Na dem dat men gemeynlich 

spricht, 
So we dat deit alle sijn ver- 
moegen, 
Da mit sal men sich laissen ge- 

noegen. 
So han ich up de Götz genade, 
Der ich bedarff vroe ind spade, 
35 Mich underwonden zo beduden 



Einleitung. 



303 



Dat welsch den ungeleerden luden 
In duytzschen, as ich vor hain 

gesacht, 
Van dem da an dat liget de 

macht, 
Ind wenich is des hynden bleven: 
40 Derjyn. is sere hie ynne be- 

schreven. 
Wer nu dar nae wilt hoeren, 
Der sal op doen synne ind oeren 
Ind syne gedencke dar na saissen 
Zo volgen up de rechte straissen, 
45 As uns dit boieh her nae be- 

scheidt. 
In welschen id sus an geit: 
A ceulx de ceste region 
Qui point n'y ont de mansion, 
Ainsois y sont, comme dit saint 

Pol, 
50 Biches, povres, sage ou fol etc. 
Allen mynschen in der zijt 
De sint in alle der werelde wijt, 
Dae neyman en hait geyne bli- 

vende stat, 
As sent Pauwels gesprochen hait, 
55 Sij sijn rijch, arm, wijs of doren, 
In wat kunne staet sij syn ge- 
boren, 
[>'] Konynge off ouch konygynnen, 
Pilgeryme off pilgerynnen, 
Wil ich eyns droems gesiebte 
60 Offenbaren ind berichten, 

Dat mir in slaiffe is vur komen. 
AI wachende hain ich wale ver- 

nomen, 



Gesien, gelesen ind wale ver- 
standen 
Eyn schoen boech, dat in wel- 
schen landen 
65 Dat welsch der rosen is genant. 
Ich meyne vurware ind byns be- 
haut 
Dat mich dat dar zo hait ge- 
bracht 
Den droem zo droemen in der 

nacht 
Den ich her na sal ertzellen. 
70 Dar umb wille sich mallich 

stellen 
Na her bij ind hoeren zoe, 
Id sij spade of id sij vroe: 
Neyman en trecke den achter 

harnen, 
Want id geit uch an alle samen, 
75 De groissen mit den cleynen. 
Ich hoffen ind meynen, 
Yederman soele dar an verstaen 
Wat weges dat hei soele an 

vaen, 
Wilchen hei schuwen soele ind 
laissen. 
80 Der Sachen is noet ussermaissen 
Allen den de doent bedevart 
In deser werelde swaere ind hart. 
Nu hoert her na: ich sal be- 
gynnen 
Na dem ich beste kan besynnen. 
[>] Soe duckte mich in dem 

droeme myn 
86 We dat ich were eyn pylgerym 



53. nach dem a in neyniä Rasur. 
67. dat vor dar übergesclir. 

84. hinter d. Vers von der späteren Hand 
die Zahl 84. 

85. am Bande von der späteren Hand: 
Initium romnij. Unten auf dem Blatt beginnt 
dann die bis El. 5 V reichende lateinische In- 



haltsangabe: Videbar in vilione Peregrins profi- 
eifeens ad ciuit. Jerusalem — item a longe in 
speeulo oand. nie videre, cuia plateae aureae 
et argenteae. Fundamenta alt'a, construota ex 
viuis lapidibg — oiuitas ampla et magna, cir- 
eundata muro praealto usw. 



304 Beschreibung des himmlischen Jerusalems, das der Dichier im Traum gesehen. 



Ind hedde den weck bestaen 
In de stat van Jherusaleni zo 

gaen. 
Oucli duchte mich so we dat ich 
90 In eyme groissen Spiegel on- 

nieislich 
An schauwede de selve stat 
Van verren, ind mich duchte dat 
Na allen mynen synnen 
Dat aldae en bynnen 
95 De straissen, wege ind genge, 
Sij weren lanck, kurt, breit off 

enge, 
Van goulde ind van silver sijn 
gemacht. 
Dat fondament dat was gelacht 
Sere hoge ind dat steynwerck 
gemeyne 
100 Allit van levendigen steyne. 
De stat was weidelich ind grois: 
Eyne hoge mure sij umbslois. 
Da waren wonyngen ind huser 

vil: 
Man dreyff aldae manich vreu- 
wedenspil. 
105 Da was lust aen moyenisse 
Ind alle walevart sunder droef- 

nisse; 
Dae hadde siecht mallich sunder 

krencken 
So wat hei wonsehen mocht of 
erdencken. 
Mer sere misquam mir dat 
110 Dat yederman in de schone stat 
Nyet mochte komen zo dem in- 
gange, 
Want de behoit was harde 

strenge. 
Cherubin nam der portzen war 
[3»'] Mit eyme vuyrigen swerde bar, 
115 Wale gesliffen, dat zo beiden 

sijden 



Scharp was ind nauwe konde 
snyden, 
Harde gerynge, van snelre kere. 
Hie hadde behalden ouch de lere 
Da mit sich zo erweren, 
120 Dat yme nyeman mochte deren 
Mit machte off ouch mit liste, 
We vil kunste dat hei wiste, 
Mit bucler off mit swerde, 
Vur yme zo komen synre verde, 
125 Dar in he en bleve dae doit 
Off gewunt mit groisser noit. 
Der vurste ouch selver van der 

stede, 
Ee dan he den inganck dede, 
Bleiff doet na der mynschlicheit, 
130 De he an sich hadde geleyt; 
Syn bloit dat leyss he dae ge- 

duldich 
Zo tolle aen was hey geynen 

schuldich. 
Des gelijchs haent ouch gedaen 
Syne rittere ind kempen na ge- 
gaen : 
135 Alle haint sij synen kelck gekort 
Ind haint yre bloit dar umb ge- 
stört. 
Boven der portzen an der 

tzynnen 
Sach ich dat wympel der rechter 

mynnen 
Hangen geverwet van roden 
bloede; 
140 Doe dachte ich in mynen moede 
Dat hart were dar in zo komen 
Ich en hedde anderen inganck 
vernomen. 
[3 V ] Ouch en wart ich nyet gewar 
Dat yeman den wech queme 
aldar ; 
145 Mallich sich des weder wach 
As balde hei Cherubin gesach. 



Bescfireibung des himmlischen Jerusalems, das der Dichter im Traum gesehen. o05 



Dar umb mach he dat vlain- 

mende sweert 
Wale hyn leigen vurwert. 
Mer as balde ich in dat hoge 
150 Gesach ind upsloech myn oege, 
Do schauwede ich wunderlich ge- 

bere, 
Da van ich wart erveret sere. 
Sent Augustijn sach ich up der 

tzynnen 
Sitzen, ind nae mynen synnen 
155 Duchte mich dat hei were 
Eyn behendich voegelere. 
Mit yme waren ouch aldae ge- 
sessen, 
Des nyet en steit zo vergessen, - 
Anderre lerere ind meistere vil, 
160 Die yme zo dem vederspil 
Der voegele hulpen manicher- 

wijse, 
Yn zo geven dranck ind spijse 
Mit yren guden wercken ind 

worden, 
As sij geleert hadde yre orden; 
165 Ind durch soissicheit der lerungen 
De sij usslachten mit yren 

tzungen, 
Wurden vil lüde in voegele ge- 

want 
Ind vloegen upwert altzo hant. 
Ich sach vur waere na rechten 

schynen 
170 Vil Carmeliten, Preitger ind 

Augustynen, 
Ind ouch de brodere mit den 

corden, 
Andere clerckschaff ind geistlich 

orden, 



y ,- 'J Benedictine, Bernarditen ind Ee- 

guliere, 
Ind volckes vil van manicher 

maniere, 
175 Bedelere ind willige armen, 
De alle mit henden ind mit 

armen 
Griffen na vederen ind na 

plumen, 
Soe wa sij da an mochten komen; 
Dae van sij in vloegele machten 
180 Ind vloegen up mit groisser 

achten 
Boven Cherubin tzer stat wert in 
Ind vorten yn des vil de myn. 
Mer do ich tzer anderre sijden 

sach, 
Hoeret wat aldae geschach: 
185 Da was volck van groisser kunst, 
De yren vrunden tzoynten gunst 
Ind brachten sij in de stat mit 

listen, 
Der sij vil ind genoich wisten. 
Zem yrsten male wart ich gewar 
190 Sent Benedictus, de mit synre 

schar 
An de mure hadde gericht 
Eyne groisse leider, dar in ge- 
schieht 
Waren de tzwelff grede der oit- 

modicheit, 
Dar mit in groisser vlijssicheit 
195 Upwert zo der stat in dummen 
De synen orden an hadden ge- 

nomen, 
Moenche ,wijs, swartz ind grae, 
Sunder yemans hynder aldae. 
Dar na sach ich sent Franciscus, 



150. vpsloeoh Jeorr. aus op loeoh. 
159. das zweite re in lerere später über- 
geschrieben. 

Deutsche Teste des Mittelalters. XXV. 



183. rotes Paragraphenzeichen vor der Zeile. 



20 



306 Beschreibung des himmlischen Jerusalems, das der Dichter im Traum gesehen. 



200 Van dem ich sprechen mach 

alsus 
Dat he mit wercken ind mit 
worden 
Truwelichen yurderde synen 
orden; 
[4 V ] Want, also mich gantz bedoecht, 
Hadde hey eyn seel stijff ge- 
knocht 
205 Mit knoden ind an de mure ge- 

stalt, 
Da an op dummen junck ind alt 
De intfangen hadden syn habijt: 
Sij wurden alles hynders quijt, 
Ja, de sich stijff an de knoden 
hielten, 
210 Want si de stat da mit be- 
hielten. 
Vil anderre ich ouch up der 

muren sach, 
Da van ich gentzlichen neit en 

mach 
Uch de namen gekunden, 
Ind mit wat listen ind vunden 
215 Mallich den synen halp dar 

bynnen 
Zo komen oever de hoge tzynnen, 
Want ich neit vorder en künde 

gesien 
Van al dem dat da mochte ge- 
schien ; 
Dan an de sij de de vur mir was, 
220 Da van ich sagen mach de bas, 
Eyn doerlijn enge was gesät 
In die mure van der stat, 
Dat der furste dan äff dede 
hoeden 
In rechticheide overmitz den 
guden. 



225 Sente Peter, dem hei den slussel 

gaff 
Ind yme beval de meisterschaff, 
Wale mochte hey yme des be- 

truwen, 
Want hei neyman dar durch lies 

duwen 
Dan alleyne die armen, 
230 Der sich G-ot wilt erbarmen; 
Want id as onmoegelich were, 
As gesprochen hait Got unse 
here, 
[° r ] Dat der rijche queme zo hemel 
As durch eynre nailde ouge eyn 
kerne! 
235 Ind umb gedrengs wille der 

enger doer 
Dede sich mallich uys dar voer. 
Dar durch en mochte ouch nye- 
man gaen 
He en hedde weder an gedaen 
Cleydinge des konynges van dae 
bynnen, 
240 Da mit he ongeletzt mocht 

wynnen 
Den inganck zo allen tzijden. 
Ind mich dede ouch sere ver- 
bilden 
Dat gemeyne vurdel dat ich da 

sach, 
Da ich ouch van sprechen mach: 
245 So wer sich des vermoede 
Dat hei willich armoede 
Mit guden hertzen an sich nam, 
Dat de wale dar bynnen quam, 
Sich dae en buyssen zo ont- 
kleiden, 
250 Dat aide gewant van yme zo 

scheiden, 



221. rotes Paragraphenzeichen vor der Zeile. 242. mich korr. aus noch(?) 



Beschreibung des himmlischen Jerusalems, das der Dichter im Traum gesehen. 



307 



Umb da en bynnen an zo doen 

Nuwe cleydinge wijs ind schoen. 

De sache sal mallich wale be- 
hagen, 

Want neyman en mach sich be- 
clagen ; 
255 We rijche hei sij op deser erden, 

He en möge wale lichtlich arm 
werden; 

Off he des willentlich begert, 



So mach he ouch wale sijn ge- 
wert 

Zo komen in de schone stat, 
260 Da man wirt van vreuweden sat. 

Id is guyt vasten eyne kirrte 
stunde 
[5 V ] Umb zo ontfangen mit vollen 

munde 

De spijse ind dranck aldae bereit 

Van gütlicher vursichticheit. 



20* 



Namenverzeichnis. 



Aaron 367. 1482. 

Abymelech 4127." 

Abner 8422. 

Adain 6638. 7897. 12459. 12463. 

Adonay 12358. 12376. 12470. 

Amalech 7963. 

Amasa 8421. 

Ambrosius 642. 

Apenien (nach Orig.) , Be- 
sachis cloobter Apemen (be- 
sachis docbter und peniens 
fälschl. Hs., pennens h) 9370. 

Aristotyles , Aristotules 1617. 
2794. Bild 28. 2866. 2976. 
3177. 4620. 13705. 

Athenis Aide. 3063. 

Augustin 11767. 

Azael 12075. 

Babilcmie Aide. 7665. 

Barabas 8983. 

Benedictus, sant 4187. 4234. 
4256. 

Bernhart, sant 4134. 6894. 

Besaobis 9369; vgl. Apemen. 

Bitallasus, Bitallassus : Cirtes, 
Caribdis, Scilla, Cirena und 
B. als ungefelle in dem 
mer aufgezählt 12144. 12194. 
12197. 12202. 

Chaalis, Chalis, Zisterzienser- 
abtei im Dep. Oise 1. 4060. 

C[b]aribdisl2143.12148. 12167. 
12192. 



Cherubin Bild 3. 31. 295. 299. 

895. 1086. 1088. 1140. 1167. 
C[h]ristus 11319; vgl. Jbesu 

Crist. 
Cirena 12144; vgl. Bitallasus. 
Cirtes, Soiertes 12143 (Aide. 

oirtain Hs. statt cirtam). 

12147. 12151. 12165; vgl. 

Bitallasus. 
Cis 4608. 

Dalida, Baiila 5954. 

Dan 8756 (fälschl. Adam Hs.). 

8757. 8759. 
Daniel 9117. 
David, Davidt 4126. 4471. 

4598. 4614. 4617. 4622. 

8309. 8312. 11539. 

Egipten 7968. 

Epicury, Epicurye 10445.10448. 

Esau 2634. 2637. 8955. 

Esdra 9379. 

Esy, Giern 9910. 

Etike, Werk des Aristoteles 

4621; etbioorum daz buoch 

11359. 
Eva 1904. 
Ezeobiel 373. 9118. 

German, sant 5184. 
Gylenvüle, Thomas von, Vater 

unsers Dichters 5908. 
Golyas: Aide. Golyam 4639. 
Got, God passim. 



Grecken 3063. 

Gulden Mont, Chrysostomus 
12847. 

Jacob 2634. 2636. 2644. 8255. 

8784. 8955. 
Jacob, sant, Wallfahrt zu ihm 

4591. 
Jheremias 9310. 9340. 
Jheroninms 11978. 
Jherusalem Bild 2. 5. Bild 

3. 278. 324. 6515. 10898. 

12849. 13326. 
Jhesu, Jbesus 2292. 2460. 

2480. 3780. 5357. 7220. 7262. 

8313.8424.9165.9971.11203. 

11296. 12845. 13278. 
Jhesu (Jbesus) Crist (Cristus) 

839. 1062. 2324. Parenthese 

nach 3274. 3283. 3578. 3926. 

9920. 
Joab 8421. 
Job 12301. 12484. 
Joergen, sant 10391. 
Johans, sant 8683. 8695. 
Joseph, Sohn Jakobs 8255. 
Joste, sant, Wallfahrt zu ihm 

4591. 
Ysaack 2635. 11333. 
Ysayas 1643. 7619. 
Israhel 530. 8756. 11517. 
Judas 7219. 7309. 8423. 9495. 

9636. 9970. 9973. 12491. 

Lichtendal, On'0.:Clervaus7192. 



Namenverzeichnis. 



309 



Longinus 8318. 
Lucifer 7428. 

Magdalene, Maria Magdalena 

1934. 11481. 11914. 
Mabommet 9170. 9177. 10246. 
Maria, Marie, Jungfrau 2324. 

Parenthese nach 3286. 3602. 

10601. 11026. 
Maria Egipcian, die hl. Büßerin 

11484. 
Mercurius 1412. 
Mertin, sant 2269. 
Moyses 367. 422. 530. 665. 

671. 688. 693. 701. 713. 818. 

882. 884. 1169. 1175. 1303. 

1344.1482.1864.1875.2214. 

2466. 2611. 3196. 4877. 4884. 

Bild 43. 11202. 11514. 12973. 

Nabel 5529. 

Nabugodonosor 7664. 

Neemia 2078. 

Niclas, sant 8507. 

Noe (verschr. Noel Es.) 12590. 



Ogir, der Däne 4163. 
Olivier, Rolands Waffen- 
gefährte 4164. 

Paulus 3361. 3425. 4019. 
Peter, Petter, Apostel 1926. 

11482. 12015. 
Pharaon 661. 5529. 7919. 7924. 
Poncius Pilatus Parenthese 

nach 3286. 

Eolan, Roland 4164. 7875. 
Kommer, die 3426. 
Kupprecht, sant 5194. 

Salrnon 4366. 5564. 5568. 8654. 

8922. 10028. 12180. 
Sampson 5954. 5967. 7036. 
Samuel 7961. 
Sathau, Sathanas 8250. 8976. 

9433. 11928. 12011. 12462. 
Saul 4608. 4616. 4638. 7960. 



Sciertes s. Cirtes. 
Scilla 12143. 12194. 12196. 
12206. 



Serene, Sirene 8134. 

Symon, sant 5189. 

Symon, Symont, Magus 9910. 

9913. 9924. 
Sorastes, Gerastes 8758. 
Swartzendal, Orig.: Nervaus 

7193. 

Theophilus, der durch die 
Legende bekannte Bistums- 
verweser zu Adana in Ki- 
likien 12518. 

T[h]obias 6032. 

Thommas, sant, der Erzbischof 
von Ganterbury 632. 

Tigris (versehr. trigris Hs.) 
10832. 

Triphon 8425. 

Venus 1411. 10683. 

Wilhelm, sant, Abt zu Chaalis 
f 1209 4061. 



Wortverzeichnis. 



& interj.: amioh = ä mich 

6746. 
abbet (apt) m. 4060. 7094. 
abbeteie (eptie, eptige) f. 1. 

9922. 10722: 
abe m. Verben] *-dröuwen 
durch Drohen abzwingen 
3536; -houwen 13795; -kö- 
rnen in. gen. etwas verlieren 
10861; * -kratzen 5445; 
* -stelen refl. sich heimlich 
wegbegeben 3915; -tuon: 
miasetät durch, buoze a. 
2413; den stab a. 5478. 
abebrecben n. das Verkleinern, 

Verläumden 2286. 
*Abebrecherie personif. 8722. 
abebrecbunge f. Enthaltsam- 
keit 2191 ; a. von dem wege 
Verkürzung des Weges 12736 ; 
personif. Vorenthaltung des 
Gebührenden Bild 71. 8785. 
Bild 73 ; Enthaltsamkeit 101. 
13194. 
abeläz m. 3304. Parenthese 

nach 3305. 
abescheiden n. Trennung (ziu. 

Eheleuten) 686. 
Abesnidnnge personif. 8616. 
abestendec adj. : a. sis mir 
nit von berzen 12576. 



abgot (appegot, aptgot) m. 

9199. 10307. 10359. 
abgrunt m. 7461. 
absolvieren vb. 9591. 
achtem s. ätem. 
aoolite (accolite) m. (am Altar) 

Bild 15. 
af ter praep. : after lande 7224. 

10672. 
ahsel f. 840. 842. 4674. 7245. 

7599. 
ahten vb. m. AM. ä. Sache, 
etioas besorgen 3965. 9533; 
geahtet sin ze 4925. 
algereite adv. : ieb was a. 

müede 9158. 
allerdinge adv. 4986. 
*almiToaerinne (almoserynne, 
almuserynne) f. 2468. 10987. 
11000. 11239. 11404. 
altbüezer m. 6494. 6529. 6659. 

10429. 
alter (alder) m. 2785. 
Alter personif. 12123. 12125. 

Bild 107 u. 108. 
altern pl. 9287. 
amich s. ä. 
aniiral m.: der a. von dem. 

mere 12462. 
anbringen n. das Ansuchen, 
Verlangen 2930. 



anderthalp adv. : a. starker 

5626. 
anderunge f. 1439. 2802. 5350. 
ane m. Verben] *-gesnochen 
zumuten 4680; -grinen 5073; 
-lachen 2867 ; -slahen : einen 
wec a. einen Weg beginnen 
4949; *-strönfen: daz ich 
•im eine bcese wocke ane 
streufe 7229. 
*anehangen n. 1250. 
anevehte f. 11841. 
anevebten n. 12185. 12347; 
personif. 12292. 12644. 12699. 
anevehtunge f. 3760; personif. 
3870. Bild 91—93. 12380. 
12466. 
*anheben n:. daz a. der schüeler 
das von den Schülern schon 
Gelernte 4816. 
*anruofunge f. 13293. 
*ansetzerinne f. Kellnerin 

13165. 
*antregerinne f. Küchen- 
meisterin 13164. 
anvertigen vb. angreifen 9169. 
*anvüerinne f. 7495. 
apfel m. : a. der ougen 3083. 
apfelboum m. 136. 4540. 12070. 
Arbeit personif. 6647. 
arc n. 6312. 



x ) Beigefügte französische Bedeutungen mit dem Beisatz (0) geben die Fassung der 
üriginalvorlage, deutsche mit der Chiffre (h) die der Hamburger Prosaübersetzung wieder. 
Mit einem * bezeichnete Wörter sind bei Lexer nicht belegt. 



Wortverzeichnis. 



311 



arcwän m. 5118. 
arewillec adj. 12216. 
argeronge s. ergerunge. 
arguieren vb. 1725. 1815. 1845. 

2892. 3182. 7848; vgl. ge- 

argmeren. 
argument n. 744. 1618. 2811. 

2901. 3094. 
arke f. Arche (Noahs) 6640. 
armliute m. plwr. 9663. 9887. 

13435. 
armman m. 10467. 
Ammot personif. Bild 98 u.101 ; 

Gewillige A. 13098. 
art f.: in der hellischen a. 

9909. 
arzätinne (artzetynne, ertze- 

tynne) f. 213. 10279. 
ast m.\ gesterket in dem irren 

aste 503. 
atem (achtem, ahtem) m. 6186. 

7826. 
atzel f. Elster 7865. 
äventiure f. 9099. 

badestube f. 5703. 

bagen vb.: er tuot sin urteil 

b. 7847. 
balc m. (statt bläsbalc, vgl. d.) 

7725. 7735. 7744. 7750. 7751. 
balle m. 12090. 
ban m.\ in meres ban 8299. 
bände f. Dienerschar 1236. 
*bantknode in. Bandknoten 

12822. 
*bantwide, bintwide f. Band 

aus Flechtreisern 12757. 

12809. 
barmherzekeit f. 11098; per- 
sonif. Bild 109. 13682. 
basiliscus m. 8329. 
*bazzen vb. nützen, passen: 

ein loch, daz mir bazz 

(:was) 7017. 
*bebluoten vb. blutig machen 

6794. 
bech n. Pech 7443. 
beckerinne f. 2718. 
bediutunge f. 605. 1150. 2047. 

8019. 



bedranc in. 7516. 7713. 10887. 
Bild 91. 12311. 12322. 

bedrangen vb. 7590. 

bedunken vb. 10034. 

*bedurf m.: daz ich iuwer 
b. gewinne 6401. 

*bediirfelich adj. nötig 3206. 

begaten vb.: diu wappen wären 
ime nit begatet 4607; er- 
reichen, treffen 4727. 4775. 
6108. 

begeben vb.: den durstb. 11517. - 

begerunge f. 702. 3203. 4904. 
6207. 

*Begirekeit, Begirikeit per- 
sonif. 9437. 9439. 

*begnadunge f. 12631. . 

begrifen vb.: einen tiure b. 
und scheiden 1546. 

begriffenlicheit f. Geräumig- 
keit 3027. 3142. 

begrifunge f. tactus 4092. 
. *begrinen vb. anknurren 5072. 
8586; diu begrinende muo- 
ter von den hunden 8905. 

behaltnisse f. Gewahrsam, 
Sicherheit 2986. 11162. 

*behaltsac m. Verioahrsack 
2674. 

beheben vb.: boesen willen b. 
1856. 

beheften vb. 3613; ir tuot mir 
manschaft von dem daz ir 
von mir hat behaft, de 
quanque de moy vous tenez 
(0) 1570. 

behelf (behulff ) in. Behelf (der 
Kirche) 9315. 

behouwen vb. 3827. 9785. 

beingewant n. 4691. 

*beinharnasch (-harnesch) n. 
3713. 3884. 

bejagen vb.: der dierne helfe 
nit kan b. me danne . . . 
4794; grozer torheit b.5051; 
ich wil aber vor mit dir b. 
9215. 

bekallen vb.: sie bekallete 
mich hart, me reprenoit 
(0) 9028. 



bekentlich adj. 232. 
*beklopfen vb.: den guoten 

namen b. 8668. 
bekomen vb.: dar durch ist 

dir din guotez bekomen 

2871. 
bekumberunge (-kommeronge) 

f. Beschäftigung 12170. 

12190. 
belieben n. Belieben (?) : ez stet 

an mir nit an min b. 6981. 
bendelm. entonneur(O) 10586. 
benedlgen vb. 598. 
*benüegelich adj. genügend 

5427. 
bequaemelich adj. 86. 301. 

384. 3342. 4120. 4339. 4641. 

5086. 5347. 13607. 
berät in.: b. halten 1762. 
berc m. : die einen hatten die 

füeze wider berc über sich 

11635. 
berechen vb.: daz körn wart 

vor zerbrochen 6 ez in 

die binde (ob verschr. st. 

winde ?) würde berochen, 

que aus balestes tust baillie 

(0), e ez in die winde wart 

getan (7t) 2714; daz körn 

ist berochen 9880. 
beredunge f. 12727. 
bereitliche adv. = bereitec- 

liche 6437. 
bereitunge f. Vorbereitung 

13817. 
beschidekeit f. Erfahrenheit 

12168. 
besehüten vb. 2958. 3486. 3696. 

3698. 4203. 7946. 
besetzen vb.: da daz groze 

gerillte wirt besezzen 11118. 
besigelen vb. 1181. 1197. 1198. 

1340. 
beslagen adj. 3650. 3663. 3664. 

3667. 3687. 4525. 8773; mit 

smalen gürtein b. 5694. 
besliezen vb.: ez besliuzet 

iuch, il vous forsclot (0) 

1584. 
besliezunge f. 779. 



312 

besloz m. 745. 759. 797. 2827. 

4285. 4335. 8681. 
bespraejen vb. bespritzen, part. 

bespreet 2661. 3493; be- 

sprewet 3515 ; besproffen 

(: bedroffen) 3533. 
bespreiten vb.: daz swert be- 

spreit bewisen mit gewserer 

liebe, enflambe (0), glißende 

(7j) 1108. 
bestaetigunge (bestedionge) f. 

1737. 
bestellunge f. 12395. 
besuocken vb. versuchen, ver- 
leiten 2005. 
Bete (Bede) personif. 13253. 
betevärt (bidefart, biedefart) 

f. 2187. 5029. 5360. 5435. 

5840. 13791. 13861. 
betrahtunge f. 2010. 
betretenen vb. : ir kleit was 

betreinet mit qwäde 10401. 
*betriefen vb., pari betroffen 

betropft 3532. 
betriegunge f. 10115. 
betrogenliohe adv. 3001. 
betroufen vb. 3514. 
betrügende f. 2961. 2992. 2998. 

3137. 5825. 10104. 
betüren n. Bedauern 515. 
*Betürenisse (Bednrenisse) 

personif. Bild 109. 
*beturunge (beduronge) f. Be- 
dauern, Erbarmen 12630; 

personif. 13698. 
bevalten vb. umstricken 8196. 
bevelhunge f. 5092. 5171. 
bevleckunge /. Selbstbefleckimg 

Bild 78 u. 79. 
bewegen vb. neu beleben 2236. 
bewerfen vb.: die sie mit 

niuwen banden bewürfen 

12838. 
bewiseliebe (bewysentliob) 
adv. representativement (O) 
3116. 
bewisunge f. 1151. 
*bewitem vb., pari bewidert 
(: genidert), tempeste (O) 
12208. 



Wortverzeichnis. 

bezalunge f. satisf 'actio 45; 
solutio 9678. 

*bezeicklicheit f.: näcb b., 
imaginaument (0) , secun- 
dnm ymaginaoionem (70 
3131. 

biben (bieben) vb. 7854. 

bidefart, biedefart s. betevärt. 

biderman m. 640. 5087. 

bibte f. 2126 ; personif. Bild 24. 

bihter m. 2108. 
■bihtunge f. 1129. 2147. 

binde vgl. berecben. 

bintwide s. bantwide. 

bisobof m. : in die stat da diu 
maget einen b. geborn bat 
6516. 

bizeichenm. 3120. 4187. 4476. 
4601. 6089. 

bisejunge (bleonge) f. 7607. 

blassere (blesere) m. 7840. 

bMsbalo m. 7350. 7435. 7469. 
7653. 7657. 7663. 7674. 7710. 
11843; vgl. bale. 

blase f. 7604. 

bläsunge f. 7860. 

blävuoz m. eine Falkenart 
7075. 8908. 

bleichen vb. 5704. 

blie m.: in eime blicke in 
einem Augenblick 6232. 

bliuwen vb.: mit dem swerte 
sniden oder blauwen (: hau- 
wen) 1296. 

block (plocb) n. 6273. 6276. 
9486. 9489. 9491. 9496. 9498. 

blupttropfe (bludstroppe) m. 
3457. 

bogen vb. : da mit stiez sie in 
ane b. 9131. 

boppe s. bupf. 

*bor (bore, bore) n. Bohrer 
13017. 13226. 13232. 

borne s. burne. 

borte s. bürde. 

borten vb. : gebortet, rive, ri- 
vees = gut gerändert, ver- 
nietet (0) 3937. 3939. (Viel- 
leicht hat Übers, an rive = 
Ufer, Bord gedacht). 



bossern vb. : icb bän min leben 

gebessert 11277. 
boucelere s. buckelaere. 
bozen (bossen) vb. 490. 586. 
610; mit worteu b. schelten 

10617. 
*brecherinne f. : der kisten 

eine b. 9596. 
brennholz (berreholtz, ob ver- 

schr. st. berneboltz ?) n. 

9789. 
brestenbalp adv. 10432. 
brestbaft adj. 4996. 
bretspil n. 6737. 
briute f.: ze den briuten des \" 

fürsten Sochzeitsfeier 1488. 
*brosemen vb. zu Brosamen 
, machen 2705. 
*brotsac m. Bild 29. 
*bruckenmacber m. 566. 
brünröt adj. 3496. 
bruocb m. Sumpf 10678; in 

dem helliseben bruocbe 9432. 
bruocheht adj. unfruchtbar 

13373. 
*bi'uoderlic]ieit f. 8953. 
brüst f. Brustteil am Kleide: 

am halse brüsten wiz als 

ein hermel 7514. ' 
*bache m. Lauge 1947. 13519. 
buchen vb. mit Lauge waschen 

1948. 1954. 11479. 
buckel vgl. seckel. 
buckelaere (bockeler, bouce- 
lere) m. Schild 36. 4394. 

12391. 
büezen vb.: diu sich büezet 

sich ausflickt (vgl. z. B. alt- 

büezer) 9821. 
buocbstabe (bustabe) m. 2394. 
Buoze m. personif.: B. hat 

gesaget sin ambet 2255; f. 

von 1905 an passim. 
bupf (boppe) m.puppa : boppen-\/ 

in die erbeiz setzen 8393; ' 

üf dem houbte einen boppen, 

un Mahommet (0), aptgot 

(70 9147. 
*burcvogetinne (burgvogdyn- 

ne) f. 13149. 



Wortverzeichnis. 



313 



bürde f.: ich sach die botschaft 
und borte (: worte) , apres- 
tement (0), bereitschafft (70 
7284. 

burne m. 924. 935. 

burzen vb. niederstürzen 7460. 

Mite (bude) f. Bütte 11436. 
11438. 11471. 11502. 

bütechin n. 4795. 4837. 11522. 

*biiwe m. Bau 1215. 

*büwekolz n. 9788. 

dedegerinne s. tagedingerinne. 
dedinge s. tagedinge. 
dedingen s. tagedingen. 
diamant m. 5585. 
diemüetecheit f. 138. 552. Bild 

37. 8082. 
diemüetecliche (demütenclicb) 

adv. 1842. 5025. 
diemüetigen vb- 4297. 5538. 

7560. 
dienestbaerekeit f. 1774. 
dienestmaget f. 1453. 
dinsen (tynsen) vb. reissen, 

schleppen 9490. 
diuberie f. Bild 76. 
diubinne f. 8650. 8656. 
diupstale f. 2499. 
dintenvö.: schaden diuten 3430. 
diutsch adj.: guot diutsch 

1772. 
donerstac m.: der grüene d. 

2234. 
dorn m. : die dornen der bos- 

heit 11304. 
dorneht adj.: me dorneter 

11557. 
*dornhecke f. 6687. 10871. 
drsejen vb.: ein gebare unge- 

stalt, gedrsejet, entortilliei 

(0 [3s. M]), verkerte ge- 

dreet (70 5009; gedraejet 

tier 9122. 
drat (droit) m. 3937. 
clrate (dracht) adv. sc7wieH1169. 
drescher m. 2695. 
driakel m. Theriak 8610. 12504. 
drivaltecheit f. 3437. 3443. 
droit s. drät. 



drüzzel n. : ein niuwer böte der 
hat daz d. , une volante 
messagiere (0) 10569. 

durcbsehten (durechten) vb. 
verfolgen 12337. 

durchsehter (durechter) m. 
12465. 

durchsebtunge (durechtonge) 
f. Bild 91. 12294. 

durchliuhten vb.: ander büecher 
sint durchliuhtet 11174. 

durchvart f. 292. 

durstec adj. 2538. 

dusch s. tisch. 

ebrechunge f. Bild 78 u. 79. 

*eckehüs n. 10800. 

edelman m. 7911; plur. edel- 

liute 9848. 
effinne f. Äffin 8053. 8055. 
egel m. 8277. 
eierschal f. 2741. 
Eigenwille personif. 13077. 
eingeborn pari. adj. : diu e. 

sun 11302. 
einhorn n. 7629. 8161. 8186. 

10615. 
einvalteclich (einfeldeclich) 

adj. 13640. 
einvaltecliche adv. 3387. 
einwenichet s. wenicheit. 
einwenig s. enwec. 
eischen (heißen) vb.: eischet 

ime sine gestalt rechnet ihm 

anklagend seine Gestalt an 

1650; fordern 9812. 
ele f. Elle 10017. 10020. 
element n. 1417. 
eliche adv. 8741. 
elicheit f. Eheschliessung 

Bild 72. 
eilende n. Not u. Trübsal 

2330. 
enbinden vb.: daz herze e. 

i714. 
enblecken (entplecken) vb. ent- 

blössen 1300. 6014. 
*endeckerinne f.: ein e. der 

hiuser 9595. 
engen vb. : daz alle taste ge- 



enget und gebezzert sint, 
restraint (0) 2405. 

enkel in. Knöchel: spilen mit 
den enkeln 12099. 

enkleiden vb. 2269. 

*entblüenmnge f. : der junc- 
vrouwen e., defioratio 10819. 

*entbitzen -vb. : gehitzet und 
enthitzet 11481. 

entliden vb. der Glieder be- 
rauben 3506. 5743. 

entlihenvö. 5153. 8079. 9847. 

entmachen vb. Gemachtes wie- 
der vernichten 6531. 

*entminren vb. refl. sich ver- 
mindern 12377. 

entraten vb.: dar an e. 2846. 

entreinen vb. besudeln 10787. 

*entreisen vb : der böge den ich 
enteiset hän, descorde (0), 
dessen Schnur ich gelöst 
habe 13677. 

entrinden vb.: e du dich von 
mir entrindest (: findest) sich 
los schälen 10656. 

entschuldigen vb. 4544. 

entsetzen vb. refl. sich vom 
Sitze erheben, part. entsatzt 
6371. 

entsigelen vb. 1267. 1326. 

entvinden vb. 3179. 11664. 

entwichen vb. 11072. 

entwinden vb.: die slüzzel e. 
1268. 

enwec adv. : enweg (einweg 
wohl aus ein wenig_Hs.) 2968; 
einwenig (verschr. für en- 
weg ?) 5390. 

*episteler m. Bild 15. 

epistole f. 11914. 

eppetisse (eptisse) f. 9921. 

erarbeiten vb. 9658. 

erbalden vb. sich erkühnen 
11795. 

erbarmunge f. 11097. 

erbeiten vb.: und solten sin 
ouch nit e. 7727. 

erbeiz f. 8393. 

*erbermnisse f. Erbarmung 
2993. 



314 

X *erdäht m. od. f. ? Trug : e. 
und valscheit umbe im lande 
tragen, faua saintnaires et 
faintis (0) 10050. 

♦erdenkunge (erdenckonge) f. 
Trug, Täuschung 10179. 

*ergebenheit f. profession(ö), 
Klostergelübde 10269. 

ergerunge (argeronge) f. Ver- 
schlechterung 4359. 

ergetzen n. : alliu ergetzen, 
lüste und spil 12436. 

erhcehen vb. 4280. 
v. • *erkiden vb. (von kide = 
Sproß): ich schinde allez 
und läze nit e. (: besniden), 
sans riens laissier (0) 
9545. 

*erkrapen vb. an sich ziehen 
9609. 

erkratzen vb. 9504. 9604. 

erlesen vb. : epfel e. und Mieten 
8577. 

erlingen vb. : mir ist gar hos- 
liche erlnngen 10426. 

ein vb. ackern, pflügen, part. 
gearen 2690. 

erquicken vb. 2020; dem mün- 
ster daz hi ir schächzahel 
ist erqwicket 9274. 

erquickunge f. 13187. 

erschinunge f. 1476. 

erschrecke in. Stupor 3901. 

erschreckelich (erschrocklich, 
erschröcklich) adj. 3277. 
8210. 9070. 10489. Bild 110. 
13853. 

erschreckunge f. 12907. 

erschrien vb. 7735. 

erschüten vb. mir.: von dem 
donre e. erschüttert werden 
7855. 

ersiufzen vb. 6328. 

ersteeren vb. 10855. 

*ersuockerinne /'. Untersucherin 
5091. 

ertöuhen vb. betäuben, ver- 
nichten 5951. 10056. 

ervindunge f. 5301. 

erwecken vb. 4; Christus hat 



Wortverzeichnis. 

durch mich sin hluot er- 
wecket 11326. 

erwischen (erwuschen) vb. 
11423. 

erwürgen vb. 4452. 12023.. 

erzen vb.: üz minem buche 
geerzet, de mon ventre 
dirivees (0) 7195; daz ich 
werde gearzet fin 11181. 

esse (es) n. die Eins auf dem 
Würfel 3588. 

etlich pron. adj. ; zuo etlichen 
Sachen daz predicament 
Übers, des aristotelischen ad 
aliquid 1210; uf etliche 
sache 1247. 

ewangeli n. 5327. 5439. 5453. 
5470. 

ewangelier (ewangilier) in. 
Bild 15 u. 18. 

ewe (ee) f. Ehe Bild 13. 

exempel n. 545. 1221. 4626. 
5261. 5295. 7708. 12188. 
^ *ezzesac (essesack) m. li goufres 
(0) 10623. 

gäch adj.: ouch wirt dir zuo 
ir g. 6818; ze spilen ist 
mir g. 12107. 

*gack gack gack interj. Buf 
des Huhns 7814. 
'*• *gearguieren vb. arguere 1703. 

1711. 
V geäz (gatz = geatz) m. : wistes 
du wie ich durch daz jär 
tuon den gatz (: satz), se tu 
savoies hien les gas (0) 
10470. 

*gebeinet part. : geschultert 
oder g. genuoc mit genügend 
starken Schultern u. Beinen 
ausgestattet 4536. 

*geherinne f. 2496. 

Gebet personif. Bild 102. 13251. 

*gebiuge n. ?: der wint wirf et 
abe mit g. (Hs. gebüge) die 
fruht von houmen mit Bau- 
gen 7672. 

*geblEese n.: der fuhs sprach 
mit dem g. 7685. 



*gebraehet (gebreet) part. adj. : 
üzsetzic und g. (: vermaeret), 
sursemee (0), mitGeschiuüren 
bedeclct 9132. 

gebrechen vb.: du kanst dich 
anders niht gerechen oder 
ouch von ime g. 5797. 

gebunge f.: ze gehunge tuon 
12381. 

gebunt n. 11701. 11761. 

gebüre m. (roher) Bauer von 
5008 an passim. 

gecksen s. gegzen. 

gedagen (getagen) vb. 11927. 

gedaehtecliehe adv. 3414. 

gedeehtnisse n. 3075. 3079 ; per- 
sonif. Bild 41. 4802. 4861. 
4870. Bild 42. 4952. Bildtö. 
9005. Bild 75. 13092. 13107. 

*gedenkec (gedenckig) adj. ge- 
dankenvoll, besorgt 4343. 
4743. 

gedenken vb.: als ir daz wol 
gedahte, comme bien Ten 
souvenoit (0) 254. 

gedenken n. 1207. 

*gedenkenheit f.: überwaenic 
in g. 980. 

*gedenklich adj. : umbe minen 
troum was ich g. 13852. 

*gedenkliche adv.: g. ich die 
ander meine, imaginaument 
(0) 3115. 

gedenkunge f. 5286. 

gedrenge n. : daz zuotragen 
machte mir groz g. 3804; 
diu wäfen bi ein in g. be- 
halten 4321. 

gedult f. Bild 33. 3773. 

*geehtlicheit f. : nach g., ima- 
ginaument (0) 3130. 

*geestiget£>arf. adj. ästig 7966. 

geezzen vb. 7473. 8561. 

gegeben vb. 2370. 

gegen (gehen) präp. 1847. 

gegenwertecliche adv. 1642. 
X' gegzen (gecksen, gecktzen) n. 
7870 (das Schreien der Elster 
so genannt). 7872. 7874. 

gehalt in. 674, 



Wortverzeichnis . 



315 



gehen s. gegen. 

geherzen vb. 885. 2580. 

gehörsamecheit f. 5534; per- 
sonif. 13074. Bild 106. 

gehüeten vb.: woltet ir iueh 
des gehüeten 8578. 

gehürnet part. adj.: der ge- 
hornete 573. 9293. 9305. 

*geilermrie f.: Jngent diu g\, 
giberresse (ö) = qui ainie ä 
courir, ä folätrer (Godefroy) 
12056. 

geirren vb. irre gehen 11587. 
11662. 

geisel (geischel) f. 2119. 

geistlichkeit f. 10268. Bild 95. 
12790. 12792. 12794. 12824. 

geiz (geiße) f. 5499. 

*gekröten (gekruden) vb. gre- 
ver (0), beschweren 6699. 

gelangen vb. : ez gelangete 
mich daz mir daz swert 
wiü'de 1158. 

gelegede (geleidt) n. 11707. 

gelegen s. tac. 

geleich n. Gelenk 8205. 

Gelich Verstantnisse personif. 
von 5245 an passim. 

gelichsener(glissener) m. 4275. 
8061. 

geliuhte n. 6011. 

gellen vb. : sie get gegollen, 
groumete (0) 10578. 

gelücken (glucken) vb., zu 
locken : verzoubern (h) 9365. 

gelücksamecheit f. 12197 ; per- 
sonif. 12384. 12410. 12418. 

gemselze (gemeltze) n. Ge- 
mälde 7998. £'■• '-■-I---li : ' 
x gemehte n. Arbeit, Verferti- 
gung 1796; dafür *ge- 
mechtze 5753. 10241. 

gemüese ? : groz und kleine 
bürden und gemuesse, fais- 
siaus (0), Bündel 1123. 

genshen vb. nahen 2221. 

*genotigeni>&. = nötigen 8365. 

genüegede f. Befriedigung 
4067. 

*genüegelicheit f. 3036. 



geniiegen (genuwen : niüwen) 
vb. 1825. 

genuht (gnochte) f. Genüge, 
Fülle 10. 

*genuochaft adj. : dem gebüre 
was da von nit wol g. 
5128. 

*genuoctuon (genug dun) n. 
Bild 24. 2207. 2208. 

Gerehtecheit personif. 8935. 
10128. 10606. 

gereite n. (die Stundenglocke 
des Klosters) 13846. 

gereitschaft f. 11710. 

Gerihte personif. 10606. 

gertelin n. 773. 

geruch m. 2088. 13505. 

geruochen vb. : ir weit mir diu 
wäfen g. 3705. 

geruowec (gerügig) adj. 5876. 

gesoheffede (geschopde) n. : 
daz buoch der g. = Genesis 
1228. 

geschehen vb. : part. geschiet 
(: nit) 1480. 3929. 13575. 

geschürt f.: dem bristet alliu 
g. alle Dinge 211 ; in der g. 
an Stelle von en tel ordure 
(0) 221; du qusemest balde 
ze besser geschiet (: not) 
4771; wan ein guot ritter 
in der geschürte wol en- 
brant ist 11567; nach ge- 
schürte (: gesihte) 6017; min 
hezzelich geschihte (: ge- 
sihte) 10791 ; bei den beiden 
letzten Beispielenkönnte man 
auch an geschickede denken. 

geschrenke n. : wannen daz 
kumet oder von welchem 
geschranke (: gedank), de 
quel part (0) 1555. 

geschultert s. gebemet. 

*geschuof m. : sinen geschuff 
und patron Gestalt, Bild 
2380. 

*gesehede f.: riechunge, ge- 
smac und gesehende (: ende) 
Gesicht 2630. 

gesehen n. Gesicht 2677; le 



ve = vue (0), das Sehen; 
der Anblick 9256. 

geseten (gesieden : verbieden) 
vb. sättigen 10632. 

*gesetigen vb. 3150. 

gesetze n.: daz alte g. das 
alte Testament 1352. 

gesichern vb. m. Bat. d. Pers. 
einem Untertänigkeit geloben 
7415; vgl. sichern. 

gesihene (gesien) n. an Stelle 
von monstre (0), diu ge- 
schürt (7i) 4782. 

gesingen vb. = singen 13116. 

gesiune (gesune) n. Gesicht 
8458. 

gesunden vb. verschlucken, 
essen 4455. 

gesmac in. (iibeler) Geruch: ein 
blase, diu nit danne g. in 
ir hat 7605. 

gesmelze n. 2887. 

gesmide n. metallene Waffen 
7641. 

gesticke n. das Stechen 6996. 

gestrecken vb. grade machen 
8121. 

*gestrüete (gestruede), Kollek- 
tivbüdung zu struot n. 10497. 

Gesunde tage personif '. 13452. 

*geteil n. : geteiles dar an 
hän 1395. 

getihte «.: wä ir groziu g. 
tuon wellent 743. 

getriuwecheit f. 6553. 

*getruesse ? : aller bände g., 
troussiaus (0), getroß (h) 
1122. 

*getrüwe in.: einen ganzen 
getrüwen hän 4765 ; ge- 
trüwen n. : ein guot g. 11866. 

*getzel (= getzsal, nach Ana- 
logie von labsal u. ä. ?) n. : 
min g. Ergötzung , Freude 
2338. 

gevuoelich adj. 1590. 

*gewaltecheit (geweldikeit) f. 
Vergewaltigung Bild 79. 
10817; (Bubrikator -Vor- 
schrift f. Bild 78 u. 79 da- 



316 

für gewaltige , geweitige 
tat.) 

gewan, gewanen s. gewon, 
gewonen. 

gewar adj. : g. werden m. Gen. 
8770. 

gewerben vb.: ilit g. aus- 
richten 5589. 

gewerde f. Wehr, Waffe 8848. 

gewern vb.: daz ich des was 
so wol gewert 3559. 

*gewider n. : sprüohe, getikte 
und g. Gegengesang 6728. 

gewillecliche adv. 4862. 

gewis adv. : gewist (: ist) mit 
unorganischem t 7397- 

*gewist f. Ort, in mannigfachen 
Beziehungen: in dise g. 
(: ist), en cest pa'is (0) J81; 
ir wonunge und g. (: ist) 
als Reimflickwort 2141 ; wse- 
rest du in einer g. (: bist) 
da du allezit wollust hettes 
5832; diu atzel tribet alle 
vögele uzer ir gewisten 
(: nisten) 7868; der phennic 
wil oft ligen in den gewisten 
(: Msten), angles (0) 10318; 
in min g. vlielien, refui (0) 
11264. 

gewiter n. 282. 

gewizzeclich adj. 4101. 

gewon (gewane) adj. 3842. 

gewonen vb. : wan du des ge- 
wanest 3843. 

giezen vb. : ez giuzet es gießt, 
regnet 4975. 
X *gilerinne f. escharnisseresse 
(0) Spötterin 7614. 

glave, gleve f. JLanze passim. 

glisenerie f. Bild 65 u. 70. 
8035. Bild 76. 
X *glittehtic adj. : ein hezzeliob 
altwip, g., baveuse (0), glit- 
ticht (70 10754. 
x *glitterisck f.: der glitteri- 
sohen (glytterssen) lügene- 
rinne 6886. 

glockeküs (kloghus) n. 260. 

glose f. 9805. 13571. 



Wortverzeichnis. 

glasieren vb. 8784. 
glucken s. gelücken. 
*gluttenie, glutenie f. unter 

den Arten der UnJceuschheit 

genannt Bild 78 u. 80. 
Gnade Gotes, auch Gnade 

allein, personif. von 222 an 

passim. 
goffer s. koffer. 
*goltsatz m.: icli Miete al 

sin silber und sinen g. 

(: schätz), satz als Reim- 
flickstück 9422. 
*goltsmidmne f. 12277. 12433. 

12678. 
Got: Gotes Gnade s. Gnade 

Gotes ; Gotes Vorhte (Föchte) 

personif. Bild 96. 12896. 

Bild 97; Gotes kint 364. 
gotesdienest m. 13292. 
goukelsere m. 8006. 
goukelspil n. 6736. 
*graberinne f. Graveurin 9599. 
grifenkla f. 9135. 9509. 
grindec adj. 7537. 
*grmthoubet(-lienbt) n. Grind- 

lcopf 8122. 
; Gritecheit personif. Geis, Bild 

76. 9438. 9441. 10358. 10365. 

10369. 10842. 11849. 
Grop Verstantnisse personif. 

von Bild 46 an passim. 
gropheit (grobekeit, grobkeit) 

f. 449. 452. 464; Grobheit 

der Speisen 10519. 
groKzecliche adv. 6167. 7015. 

7307. 
*grüenunge (grünonge) f. das 

Grünen 1429. 
„grunimenvö. 1641. 5128.5591. 

5610. 7852. 11835 ; subst. Inf. 

1816. 
*gubernieren vb. 5135. 
güetecheit f. 10969. 
*güetecliche (gutteclich) adv. 

1856. 
guom m. 8556. 
guotheit f. 3192. 5466. 
guottsetec (gutdedig) adj. 

1561. 



liabe f.: des hiniels h. 7453. 
hachel (hahel) f. 8604. 
hacken vb. 6591. 
haftec (hafftig) adj. beharrlich, 

stark 4711. 
*hagedürnin adj. : einen hage- 

dürninen stap 5010. 
halni m.: niht umbe einen 

halni snceder 5224. 
hals m.: üf eime halse eines 

tales einer fortlaufenden 

schmalen Anhöhe 7335. 
halsstreich m. 12932. 12949. 
*hamerstreich m. 3736. 
*hamerunge f. Hämmerung 

3857. 
hän vb.: Conj. Brät, beide 

(: scheide) 1275. 
hanefgarte (hanffgarten) m. 

8394. 
hantgift f. 7880. 8388. 
hantwerc n. 3072. 8857. 
*hare m. Hühnergeier, arre (h) 

6897. 
1 bare Anruf, harou (0), höre 

(h) 10363. 
hashart (hazart) m. 10007. 
haven (haffen) m. Topf 1647. 

1997. 
havener (haffener) m. Töpfer 

1648. 
Haz personif. 8248. 
hecken vb. ausbrüten 7424. 

7429. 7431. 
heckunge f. Brut 7430. 
heien (heigen) vb. 6952. 6956. 
heimelich adj. : diu heinieliche 

kamer Abtritt 5774. 10798. 
neimeliekeit f. 186. 2910; der 

lip verkündet din h. den 

erzten 5960; buocb der h. 

Apokalypse 9119. 
heimwist (heymwise) f. Wohn- 
site 11427. 
heischunge f. Forderung 3204. 

13265. 
heißen s. eiseben, 
heize adv.: er verkündet h. 

unser: brühwarm 5961. 
hellen n. 3390. 



Wortverzeichnis. 



317 



hellepine f. 12907. 
*helmgedecke (helnie-) m.7500. 
heln vb. : wilt du dich an mir 

nit h. 6716. 
hengel (henckel) m. 590. 
*henkerinne f. 7280. 9628. 
*heremit m. 11996. 
herinc m. : nit eines heringes 

wert 4379. 
herlicheit f. 1259. 9954. 
hermelin (hermel) n. 7514. 
hertecheit (hartikeit, hertikeit) 

f. 511. 4315. 4515. 5652. 11463. 
herü ? : diu tohter des igels 

b. {vom Dichter als Eigen- 
name genommen?), la Alle 

au hericon heru (0), des 

ruhen igels (7i) 8862. 
hezzec (hessyg) adj. 8874. 
hiewesen n. 13588. 
hinderklaffen n. 4000. 
*hinder stau vb. 2526; an 

hinderstan 22. 
hindertür f. 4009. 
*hindernnge f. 778. 3679. 4959. 

5030. 5981. 6171. 6337. 6406. 

11609. 11617. 12177. 
*binderwän m. Lüge 4968. 
hinderwert adv. 8761. 
historia f. 4606. 
hiufeln?;6. 9656.12152.12159. 

12162. 
hochmuot m. : Accus, hoenmut 

8716. 
kochvertecliche (hofferteclich) 

adv. 1521. 
*hock m. {wohl verwandt mit 

mlid. habich, mnd. havik, 

fries. havk) Hühnergeier 

9528. 
Hofart personif. 5*7 65. 7623. 

8091.8151.8167.8249.11843. 
hoffenlick (hoffelicb) adj. 3163. 
*holzdorn m. 6474. 
holzman m., plur. holzliute 

Holzhauer 9732. 9741. 9762. 

9771. 
hoenen vb.: ir kleit was be- 

treinet mit qwäde und ge- 

hoanet 10402. 



*hornvezzelsac m. Sack mit 

Riemen 3221. 
*houbetmenninne f. (heubt- 

mennerynne fälschlich Hs.) 

9916. 
houbetvrouwe (heubtfrauwe) f. 

7496. 
*houwel? Hacke 9285. 9303; 

er machet h., il fait houel 

(0) = mullon 9289. 
houwen vb. 5082. 9290. 
hoven vb.: diu tat sol dem 

henker wol h. (: loben), bien 

li plaire (0) 7282. 
hover (hober) m. Höcker, Buckel 

9122. 10243. 10248. 10263. 

10267. 10271. 10277. 10278. 
hovereht (hoberecht, hoberet, 

hofferecht) adj. 7520. 9347. 

10249. 10253. 10289. 10290. 

10294. 10300. 10325. 12163. 
hübe f.: hufen Mützen 7507; 

Sturmhaube 7499 ; Kopf- 
haube des Falken 9857. 
hübescheit f. 3316. 
hübeschliche adv.: heimliche 

und h., repostement et en 

recoi (0) 12904. 
hüeterinne f. 1906. 4821. 6720. 
*hüetekin (hütgin) n. Hütchen 

8007. 
hilf (huffe) f. 9151. 10004. 

10095. 10119. 10148. 
*huldeschaft f. : einem b. tuon, 

manschaft (7t) 9204. 
huoniclin (hunckel) n. 6897. 

9529. 
huortuom n. Bild 78 u. 79. 
huosten n.: ir soltet nit also 

komen an reden oder iu 

huostens angenomen 7069. 
huot m.: Miete, hufen, chapiaus 

hupes (0), Miete hoch (7i) 

7507. 
huote (hude) f. gardes (0) 

1291 ; under miner h. stiure 

2918. 
husunge f. 15. 3871. 13271. 
Mit/ 1 .: ein testameht von einer 

Mut von Pergament 1876. 



iegenote (ingenode) adv. im- 
merfort 2482. 
*igelinne f. Igelin 8859. 
iht (ich, lischt, ütscht) n. 1822. 

3355. 6166. 
ilentlichen (ylentlich) adv. 

1440. 4473. 
ilunge f. 13444. 
in m. Verben] -secken (sacken) 

9605. 10466. 10480. 10517; 

-werfen : mit sehnenden iu- 

geworfen Worten 9223. 
ingenode s. iegenote. 
ingeweide n. 12490. 
iuguz m. 12402. 
*innenzuo (innentzu) adv. 

1416. 
instrument n. 447. 1659. 1808. 

13304. 
invluz m. : meisterinne der 

elemente, der invlüzze und 

der winde 1418 ; der i. unser 

rede 12403. 
irreclich (irrelich) adj. 87. 
irrecliche adv. 501. 
Itelkeit personif. Bild 103. 
iule f. ich mache üz den liuten 

iulen haz [has zugeschr. 

{: was); ob adj. = gehaz 

feindselig ?] 8889. 
Jugent personif. Bild 89 u. 90. 

12055. 12228. 12586. 13539. 
jungheit f. 4644. 

Italender m. 11173. 12302. 
12304. 

kalt adj. : daz kalte Fieber 
4074. 

kamer, diu heimelicbe s. hei- 
melich. 

kamerserinne (kamerinne) f. 
3169. 10731. 13130. 

kameriere f. 11236. 

kamermaget f. 1566. 1955. 
2053. 9866. 

*kanzel£erinne f. 2219. 11238. 

kapitelhüs n. 12959. 12996. 

karren vb. knarren 8124. 

karte f. Stück Pergament 1877. 

*castriniargie f. {vom Original 



jtfnhang. 



Probe der zweiten poetischen detitschen Übertragung 

(V. 1—264). 

(Handschrift des Historischen Archivs der Stadt Göln C j^-.J 



[*'"] Ich hain gelesen in der ge- 
schnellt 
Dat der hilge prophete spricht 
De genant is Daniel, 
In syme tzwelfften capittel, 
5 De gene de zo der gerechticheit 
In deser werelde ellendicheit 
Vil lüde onderrichten können, , 
Dat in Got des wilt gönnen 
Dat sij den sterren werden ge- 
lijch 
10 In dem ewigen hemelrijch. 
Dar imib, off icht yermochte 
Ind myn verstentenisse dar zo 

dochte, 
Woulde ich in duytzschen gerne 
beschryven 
Beyde den mannen en den 
wyven, 
15 Den armen ind onch den rijchen, 
In der werelde alle gelijehen, 
Beyde den jongen ind den alden, 
Wie sij sich soelen halden 
Ind we sij soelen streven 



20 Na dem ewelichen leven. 

Eyn loevelich lerer hait ge- 
macht 
Eyn welsch boech van groisser 

acht 
Dat den wech der wairheit leert. 
Och, were myn syn nu so er- 
cleert 
25 Dat ich volkomolichen moechte 
Dat gewenden, dat id doechte 
In duytzscher sprachen zo ver- 

staen, 
De arbeit woulde ich gerne an- 
gaen. 
[>] Ye doch, we vil da an gebricht, 
30 Na dem dat men gemeynlich 

spricht, 
So we dat deit alle sijn ver- 
moegen, 
Da mit sal men sich laissen ge- 

noegen. 
So han ich up de Götz genade, 
Der ich bedarff vroe ind spade, 
35 Mich underwonden zo beduden 



Einleitung. 



303 



Dat welsch den ungeleerden luden 
In duytzschen, as ich vor hain 

gesacht, 
Van dem da an dat liget de 

macht, 
Ind wenich is des hynden bleven: 
40 Derjyn. is sere hie ynne be- 

schreven. 
Wer nu dar nae wilt hoeren, 
Der sal op doen synne ind oeren 
Ind syne gedencke dar na saissen 
Zo volgen up de rechte straissen, 
45 As uns dit boieh her nae be- 

scheidt. 
In welschen id sus an geit: 
A ceulx de ceste region 
Qui point n'y ont de mansion, 
Ainsois y sont, comme dit saint 

Pol, 
50 Biches, povres, sage ou fol etc. 
Allen mynschen in der zijt 
De sint in alle der werelde wijt, 
Dae neyman en hait geyne bli- 

vende stat, 
As sent Pauwels gesprochen hait, 
55 Sij sijn rijch, arm, wijs of doren, 
In wat kunne staet sij syn ge- 
boren, 
[>'] Konynge off ouch konygynnen, 
Pilgeryme off pilgerynnen, 
Wil ich eyns droems gesiebte 
60 Offenbaren ind berichten, 

Dat mir in slaiffe is vur komen. 
AI wachende hain ich wale ver- 

nomen, 



Gesien, gelesen ind wale ver- 
standen 
Eyn schoen boech, dat in wel- 
schen landen 
65 Dat welsch der rosen is genant. 
Ich meyne vurware ind byns be- 
haut 
Dat mich dat dar zo hait ge- 
bracht 
Den droem zo droemen in der 

nacht 
Den ich her na sal ertzellen. 
70 Dar umb wille sich mallich 

stellen 
Na her bij ind hoeren zoe, 
Id sij spade of id sij vroe: 
Neyman en trecke den achter 

harnen, 
Want id geit uch an alle samen, 
75 De groissen mit den cleynen. 
Ich hoffen ind meynen, 
Yederman soele dar an verstaen 
Wat weges dat hei soele an 

vaen, 
Wilchen hei schuwen soele ind 
laissen. 
80 Der Sachen is noet ussermaissen 
Allen den de doent bedevart 
In deser werelde swaere ind hart. 
Nu hoert her na: ich sal be- 
gynnen 
Na dem ich beste kan besynnen. 
[>] Soe duckte mich in dem 

droeme myn 
86 We dat ich were eyn pylgerym 



53. nach dem a in neyniä Rasur. 
67. dat vor dar übergesclir. 

84. hinter d. Vers von der späteren Hand 
die Zahl 84. 

85. am Bande von der späteren Hand: 
Initium romnij. Unten auf dem Blatt beginnt 
dann die bis El. 5 V reichende lateinische In- 



haltsangabe: Videbar in vilione Peregrins profi- 
eifeens ad ciuit. Jerusalem — item a longe in 
speeulo oand. nie videre, cuia plateae aureae 
et argenteae. Fundamenta alt'a, construota ex 
viuis lapidibg — oiuitas ampla et magna, cir- 
eundata muro praealto usw. 



318 

übernommen) 10471. 10473 
{mit Angabe der Bedeutung). 

kegel m. 6739. 12098. 

keiserinne f. als Epitheton 
Maria 11108. 

kelter m. 12318. 
' kenibeltier (kainmeltier) n. 
10258. 

kempfer (kempper) m. 599. 

keren vb.: part. gekörten 
(: stcerten) 11258. 

kerunge f.: k. tuon 8660. 
8661. 

*kestigaBrinne f. Peinigerin 
5801. 
-x keten f. : violeten und keten 
brechen Kettenblutnen 6724. 

Ketzerle personif. 11732. 
Bild 87. 

*ketzerinne f. 8860. 
i *ckarbonnee f. {vom Original 
übernommen) Bostbraten 
10456. 

*kibeleht (kyfeleckt) adj. zän- 
kisch 3832. 

kinttac m. : von minen kint- 
tagen 11598. 

Kiuscheit personif. 10687. 
10695. 10709. 10717. 10726. 
13148. 
i kivel (kybel) m. Kiefer, Kinn- 
backen 10499. 

klafferie (klafferige) f. Sclnuät- 
zerei, Verleumdung 10225; 
*(klapperie) 5948. Bild 65. 
7580. 

klafferinne (klapperynne) /'. 
Verleumderin 6887. 
i *klatte f.: der kolen ein 
gröziu k. (: hart), de charbon 
grant avivement (0) {ob 
glete = Glätte, Glanz?) 
7670. 

kleiden vb. : die slüzzel k. ein- 
wickeln 1178. 

kleidunge f. 1428. 

klogkus s. glookehüs. 

krostervrouwe f. 13070. 
- knuchel m. 3840. 

knüpfel m. : der vürhtet sin 



Wortverzeichnis 

nit nmbe ein k. dar an, ne 

la prise un bouton (0) 3911. 
coekart, cokart s. coquart. 
koffer (goffer) m. : k. von dem 

niere Schlund des Meeres 

9480. 
kogel f. Kapuze 7505. 10404. 

10675. 12388. 12417. 
*coleriken, die m. plur. 8895. 
♦coquart (coekart, cokart) m. 

Narr, Tropf 5161. 5493. 

6666. 6883. 7832. 7840. 
corrigieren vb. 11751. 
kosen vb. : einem leit k. 1649 ; 

reht und gesetze k. 2895. 
krage (krag) m., plur. krege, 

Salskragen , von 3713 an . 

passim; sporn mit langen 

kregen vil gespitzet vorn, 

esperons chauoies a bee de 

gai bien apointies (0) (bec 

heraldisch = Turnierkragen- 
gehänge, dem die damaligen 

Sporenspitzen glichen) 7354. 
krämerinne (kremerynne) f. 

2963. 
kranch m. Kranich 6259. 
krapfe (krape, krappe) m. 

Haken 8229. 8231. 8641. 

8647. 9135. 9146. 9902. 9908. 

9913. 9917. 9919. 9934. 9940. 

9941. 9956. 
♦krapfen (krapen) vb. haken 

8667. 9583. 9935. 11931. 
X krappein (krapeln) vb. 9470. 
creatüre f. 5904. 
kredynne s. krötinne. 
>(*krempig adj.: Trächeit diu 

krempige, enerampelie (0) 

7152. 
*krepfer (krepper) m. acro- 

cheteur (0) = qui saisit 

avec un croc 9588. 
*kristenkircke f. 3299. 
kriuze n. : ein k. machen als 

Segens- und Schutzzeichen 

6766. 
kriuzen vb. mit dem Zeichen 

des hl. Kreuzes bezeichnen 

321. 342. 



*krosseldorn m. : groisseillier y 
(0) Stachelbeerstrauch 8877. 

krotelich (krudelich) adj. be- t 
schwerlich 4052. 4431. 11558. 

kröten.(kruden) vb. belästigen 
4467. 4508; refl. m. Gen. 
sich um etioas bekümmern 
650. 1591. 5389. 5750. 5937; 
ez krötet mich nit obe . . . 
6935; m. Inf 8689. 

*krötinne (kredynne) f., krot- 
tynne {h) Kröte 8904. 

krudelich s. krotelich. 

fanden s. kröten. 

kruste f. 1459. 

*küniclicheit (konniglicheit) f. 
Königswürde 9942. 

*künstlicheit /'. 1086. 

*küntlicheit f. notio 2909. 

kuohirte (kuwe hiert) m. 7964. 

kürzen (kürten) vb., part. ge- 
kürt (: gefriert) 13328. 

kürzenunge /'. Verkürzung 
12737. 

küssen (küssen) n. Koprkissen 
3416. 

lancvezzel (langiissel) m. Band 

woran das vederspil ge- 
halten wird 9858. 
*la3rmige f. : des büches ein 

1. 7785. 
laterne(lanterne)/'. 5999. 6005. 
Latria [Zeit.] personif. 13291. 
lauwe s. krage, 
lsewelich (lewelecht) adj., le- 

welich {h) lauioarm 11530. 
lazheit (lassekeit, lassikeit) /'. 

7199. 13106. 
lebelicheit /'. Leben 7681. 
leben n.: lebens abesniden das 

Abschneiden desLebens 2712. 
lebende part. adj.: lebende 

Sünden, viez pechie (0) 

2172. 
lebendic adj. :. lebendige steine, 

vives pierres {0) 16. 
lebezuht f. 3357. 5373. 9538. 
leckerie f. 751. 4035. 10524; 

personif. Bild 78. 10463. 



10494. 10684. 10833. 10840. 
Bild 80; vrouwe L. 10684. 

Lecze (Letze) personif. 13170. 
13188. 

ledecheit f. Bild 72. 11399. 

leder n. (= luoder) : daz vuoter 
daz ist gemachet von eime 
totlichen luoder (: vuoder), 
d'une morte pel (0), von 
totlichen hiuten {h) 4269. 

lederhose f. 7516. 

ledigen s. leidigen. 

leich m. Betrug: an 1. 5701. 

leidigen (ledigen) vb. verletzen 
4661. 

lereknabe m. 2908. 2934. 2935. 
2946. 

leucken s. longen. 

lewelecht s. lsewelich. 
/ liehen vb.: diu alte igelinne, 
diu übel gelichete(gelikette), 
la mal herciee (0), geglättet, 
poliert 8861. 
V- *lickholz n. : mit dem lickholze 
wiltu in schuohen, au lig- 
nolet (0) = d'une maniere 
elegante, gracieuse {Gode- 
froy) 5690. 

Liebe, Gewäre Liebe personif. 
■■-.. von 2276 an passim; Göt- 
liche Liebe 8300. 13687. 
(K f 13744. 

lieplicheit f. 2277. 

lihen vb. : prät. lieg (: krieg) 
8928; keine rede dar zuo 
1. 1414. 

lihten vb. erleichtern, frei- 
machen {von Krankheit) 
2230. 

lihtunge f. 1924. 

*lingieren vb. alliguier (0) 
= alligare 1005. 

linie f. 2385. 2386. 

ritterlich s. lirteiiiche. 

liuterunge f. 975. 4344. 

*loberie f. 7579. 

lochereht adj. 10221. 10450. 
10464. 10540. 10583. 

löchern vb. 13227. 

*lochmachermne f. 9594. 



Wortverzeichnis. 

loesen vb.: lügen 1. Lügen 

loslassen 7803. 
*löuferinne (leuiferynne) /'. 

13446. 
*löuferische (leufferse) f. 12056. 
löuflc (leuffig) adj. : lieht 1. 

(vom Schwerte), tout versa- 

tille (0) 33. 
louft m., plur. löufte (leuifte) 

Vorgänge 9739. 
louge f. (lauwe, Vermengung 

mit löwe = Lohe ?) 1950. 

11479. 13521. 
lougen vb. läugnen : ich leucke 

7421. 
*loup (laup) m. Erlaubnis 4878. 
lunde (hmte) f. Welle 283. 

11632. 12138. 12234. 
luoder s. leder. 
lustlich adj. 5685. 6725. 
lüterliche (lutterlich) adv. 

2632. 3326. 5400. 6042. 6125. 

6429. 7708; ritterlich 1542. 

macherinne f. faiserresse (0) 

10030. 
magerheit f. 8264. 
mahtbrief m. 12460. 12497. 

12704. 
*mallete f. Seckel : der phennic 

wil dicke in malleten be- 

slozzen sin 10313. ■-■'•■'•■'■■'■- 
mamme (memme) f. mamma 

12022. ' t 

manschaft (manneschafft) /.: 

einem m. tuon 1569. 
market ~m.: ich bin boesem 

m. nähe 7003. 
*marmoset m. marmouset (O) 

= mahommet, idole en ge- 

neral {Godefroy) 9202. 
mäsen vb. beflecken 2535. 
mat m. s. schäch. 
maten vb. matt machen 6319. 
msezecheit (messikeit, messy- 

keit) f. temperantia 3986. 

3991. 4026. 4107; personif. 

10610. 
mechliche adv. = gemechliche 

12086. 13551. 



319 

meierinne (meygerynne) /'. 

5090. 11289. 
■"meisterte f.: diu dich an dime 

halse leret meisterten (: Lec- 

kerien), qui te maistrie (0), 

' diu dich meistert {h) 10685. 

*meisterköchinne f. oberste 

Köchin 8624. 
meistern vb. hindern 4451. 
meldec adj.: er ist vortme 

sacken m. , et en est droit 

relatis (0) 1330. 
merteil w. 4098. 
metal *m. {so auch h) 9485. 

9503. 12281. 12290. 
metzeler m.: der m. uz der 

helle 7116. 
*metzjerackes (metzigeraxs) f. 

7050. 
*milchzende m. plur. 7483. 
minne f. : bezzer danne goldes 

m. 8651. 
missegrifen vb. 428. 1401. 

1495. 3048. 
missehagen vb. 685. 
*nvissenennen vb. falsch nennen 

7086. 
*misserecherinne (myssereiche- 

rynne) f., mysserecherin {h) 

Falschrechnerin 9600. 
missesprechen vb. m. Dat. von 

einem übel sprechen 2287. 

5715. 
missetroesten vb. entmutigen 

3594; verzweifeln 7374. 
misse val m. 5517. 10766. 11176. 

12227. 12229. 
missevellic adj. 3343. 
missewahs m. 3751. 
mitehelfer in. 847. 
miteliden n. 515. 517. 
*mittelort m. : den einen Sehen- 
kel eines Winkelmaßes uf 

den m. gelich linien reht 

niderlegen 2384. 
morgen m. : ze m. ezzen 1344. 

1365. 1864. 
morsel m. 9548. 10475.10477. 

10536. 10553. 10555. 10558. 

10576. 



320 

mort m.: daz icL. über dich 

schrie m. 8506. 
*mucherie (rnücherige) f.: ni. 

der guoten morsel under- 

driickunge Verbergung (zu 

müchen == verbergen) 10474. 
*rnüedigen(rnüdigen) vb. müde 

machen 4660. 
Müezeckeit personif. 6596. 

Bild 58. 6820. 6865. 6887. 

7233. 9057. 
miige (möge) f. 1446. 
miilenrat n. 12178. 
*niulle, mülle n. Müll, Staub 

7726. 7731. 
münster (monster, munistere, 

munster, münstere) n. 2813. 

8041. 9229. 9242? 9273. 9277. 

12959. 12975. 13011. 13222. 
mimt m.\ der teilende in. 998. 
muntvol m. 8561. 
rnurnielunge f. 2286. 3999. 

Mabeger (negebor) m. Bohrer 
7631. 

nächbürinne f. 4006. 8295. 
10572. 10573. 

*nagerinne f. : der gülden ein 
n. 9597. 

naktmäl n. das letzte Abend- 
mahl 2232. 

haktvar f. Hexe 12236. 

narne (nähme) f. 7962. 8994. 

namen s. nemen. 

Natüre personif. von 1516 an 
passim. 

negebor s. nabeger. 

nemen vb. : begirde des namen 
(: samein) 10223. 

nemer m. 9589. 

nider m. Verben] -legen : misse- 
tät durch buoze n. 2412; 
-stigen: n. in die helle 2309. 

niderganc m. Untergang (der 
Sonne) 676. 

nieten vb. refl.: ich hän mich 
vil guotes und boeses ge- 
nyedt (: zijt), j'ai niaint bien 
et mal esprouve (0) 13570. 

nihtesniht (nuschit, mischt, 



Wortverzeichnis. 

nüscht, nust, nutsch, nut- 

schit, niitschit, nütscht) n. 

passim. 
Niht (be)rüere (-rure) mich 

personif. Bild 74. 8882. 
Nit personif. 8248. 8363. 8501. 

8543. 8572. Bild 73. 8797. 
nitinde stein, der: ein Brett- 
spiel (Mühlenspiel?) 6739. 

7721. 8494. 10345. 12100. 
niuwelingen ädv. 1527. 
niuwerunge f. 1505. 7503. 
nose m. : an n. Schaden (Beim- 

flickworte) 9804. 
notdürfticheit f. 385. 
noete (node, noede) adv. 7531. 

8661. 
nötigen vb. 5851. 
notstal m. 2814. 
nouweliche (nauwelich) adv. 

2237. 
*nüehterkeit (nuchterkeit) /. 

4024. 10610. 13197. 
*nüehterliche adv. 749. 

oberlant n. bildl. der Himmel 

3917. 11874. 
•, obletter m. oublaier (0), ob- 

leter (7t) Kuchenbäcker 2541. 

10348. 
* *oekesaldora?: umbe ein klein 

o., a petite achoison (0) 

(vielleicht stecM occasion 

darin) 8885. 
offenbserliche (uffenberlick) 

adv. 5401. 
official m. 316. 336. 388. 390. 

672. 692. 845. 866. 868. 914. 

1364. 1747. 1835. 
ohsenhorn n. 7877. 
*ordmiererinne (ordeniere- 

rynne) /'. 11295. 
orgel f. 6731. 7693. 13026. 

13298. 
*orgelserinne f. 1330S. 
ort m.n. Schenkel einesWinkel- 

maßes 2383; PunM, wo die 

Schenkel aneinanderstoßen 

2386. 2406; über o. ist min 

gesiht starc 7594. 



otervenger m. 7062. 
*otervengerinne f. 7058. 
*ougenbilde n. : bi iuwerme 

ougenbilde, sur l'eul (0), 

bi mwern ougen (7t) 1858. 
ovenserinne (obenerynne) f. 

Ofenlieizerin , Bäckermagd 

2717. 

palas m. : in dem heiligen p. 

826. 
*paltenerie f.: p. von alten 

secken 9824. 
*paltenerinne f. Landstreiche- 
rin 8527. 
panze f. 5263. 
panzer n. 3712. 3893. Bild 35. 

3910. 3924. 3931. 3943. 3954. 

3957. 4415. 4690. 7247. 
Parlament (parlement) n. 700. 
pas m. passage (0) 43. 272. 

1174; pas (0) 633. 
*pastor m. 9936. 9939. 
patrön in. : sinen geschuof und 

p. 2380; diu gestalt und p. 

2439; diu figüre und der p. 

2442. 
*pavrlen vb. pflastern: pari. 

gepafiiget, pavees (0), ge- 

paveert (7t) 12. 
pergamente (perchemyn, per- 

ment) n. 13004. 13163.13173. 

13176. 
pkäwe (pawe) m. Pfau 7766. 
phliht f.: in tödes p. 3877. 
*phlückerinne (pluckerynne) 

f. baconneresse (0) = celle 

qui ecorche 9552. 
phrieme (prymme) m. Pfrie- 
menkraut, Ginster 1433 ; 

Pfriem 8836. 
phuol m. : in phüelen 3678. 
^pilgerinstap m. 4693. 7941. 
; placke m. Lumpen, schlechte 

Kleider 9823. 
plänete m. 1387. 1630. 
plaz (pletz, pletze) n. 14. 758. 

762. 5457. 8121. 10374. 11716. 

11797. 12439. 
ploch s. bloch. 



plündern vb. 9611. 

'"portenserinne f. Pförtnerin 
2220. 6719; p. des geldes, 
poitevineresse (0) = celle 
qui contrefait la monnaie 
appelee poitevine (monnaie 
du Poiton) (Goäefroy) 9601. 

*predicament n. 1210. 1211. 

predie (predige) /. 535. 694. 
2211. 7945. 9978. 

predigunge (predionge) f. 1059. 

prelät m. 7094. 8442. 

priesterschaft /. Bild 16. 

priorinne (pryelynne, pryo- 
lynne) f. 13069. 13390. 

proyeance f. Vorrat: alle pro- 
yeancen die die liute haut 
gemachet, les pourveances 
(0), proviantz (7t) 9532. 

prüeveu (prüben : üben) vb. 
2881. 

*psalmenklanc m. 13303. 

psalterje f. Saiteninstrument 
7693. 13026 ; vgl. salterium. 

puls m. 6184. 6185. 

purrieren vb. = purgieren 
reinigen? bildl: was sie 
sagte, loar geordenieret, wol 
gestalt und gepürrieret, dis- 
cipline (0) 5067. 

quelle f. 928. 

quetschen vb. 399. 1911. 1926. 

1991. 1997. 2014. 2042. 2706. 

13413. 
*qwecke f. 7141. 

i-ach s. roch. 

*ranmus: r., der berc üz dem 
daz Tiur springet 8909. 

rat n.: daz r. da in der mäne 
ze ziten sinen louf hat 
1403. 1405. 

reche s. riebe. 

rechen vb. sagen: Got gebe 
daz ez wol si gerächt 
(: braht), que bien soie arive 
(0) 6782. 

recken vb. m.Dat. einem nach- 
stellen: daz sie mir hatte 



WortverseicJmi's. 

geraht als ir wiltfange mit 
mäht, qu'aviseement comme 
sa pvoie m'atendist 9111. 
regen vb.: ich si hübesch 
gereget (: beweget), que je 
sui belle (0) 7756. 
*regiererinne f. 6097. 11294. 
regierunge f. 10594. 
regnieren vb. 5533. 8292. 8293. 
reht bekenntnisse 2021. 2049. 

2138. 2139. 2418. 
Bebt Verstantnisse, auch Ge- 
lich Verst. (s.d.) oder Verst. 
allein, personif. von 434 an 
passim. 
reiger m. 6259. 
Eeinecheit personif. Bild 98. 
*remenant m. (vom Original 
übern.): mit dem r. den du 
noch vor dir hast 11564. 
rengerynne s. ringerinne. 
riebe (reche) m. : von eime r., 
de vers un testre (0) Berg- 
rücken, Hügel 8829. 
riehen vb.: daz ich iuwer (der 
sacramente) nit vil me en- 
riche, que pou ne vous prise 
(0) 10893. 
*riechunge f. Geruch 2630. 
rihtec adj.: sie waren daz ze 

haben nit r. 2357. 
rihter m.: ein hoher r. 1030. 
rihtlich adj.: der da r. reht 

hat über in 1328. 
rinc m.: erden rinc 258. 
ringerinne (rengerynne) f. 

13450. 

rit m. : houbetvrouwe von allen 

riten, chevauchees (0) 7497. 

roch (räch, so auch h) n. Turm 

im Schachspiel 8498. 9232. 

9265. 9330. 9335. 

rose f.: daz buoch von der r. 

760. 
rostec adj., bildl.: r. altwip 

7240. 
rosten vb.: daz das brot ge- 
roedet würde bräunen, braun 
backen (oder ist geroedet in 
gerondet zu ändern?) 2747. 



Döiitsolie Texte des Mittelaitors. XXV. 



321 

rouchloch n. 7997. 
rüemunge f. Bild 65. 7784. 

Bild 67. 
runzeln vb. 10795. 
ruore (rure) f. 10567. 

*sabelP: ez weere sant und s. 

Gries 12161. 
sache f.: an s. ohne Grund 

635. 
Sachen vb.: Gotes Gnade hat 
gesachet (gesagt) den zirkel, 
assist (0), gesatzet (h) ge- 
schaffen 9703. 
sacrament n. 689. 3300. 10892; 
daz heilige sacramente das 
Sakrament des Altars, Bild 
20. 
salbunge f. 514. 
salterium n. Saiteninstrument 

13300; vgl. psalterje. 
samenunge f. couenne (0) 
12335; assemblee (0) 13816. 
*sazschüzzel (saßschussel) f. 

sauciere (0) 10568. 
schäch m.: sprechen seh. und 

mat 6323. 13415. 
schachzabel n. 6322. 8495. 
9238. 9264. 9274. 9300. 9331; 
s.-spil 6738. 9230. Bild 77. 
Schäferin n. 803. 
schaffenerinne f. 4699. 13259. 
schalten vb.: ich wil dich ze 

dem töde seh. 8247. 
schanc m. : ze schanke 2348. 
schare f. 705. 719. 806. 812. 
scharpfecheit (scharffikeit) f. 
1790. Bild 65. 7596. 7627. 
9335. 
scharpfliche (sekerffeclieh) adv. 

1520. 6856. 8631. 
schate (schede) f.? bildl.: seh. 
geebe inie der heilige geist 
Schatten = Schutz 8686. 
*schatzhalterinne (-helderynne) 

f. 4822. 9420. 11231. 
schedegen vb. 8693. 
scheiden vb. in die Scheide 

stecken 1177. 1196. 
schel adj. 984. 

21 



322 



Wortverzeichnis. 



Wortverzeichnis. 



323 



schelle f. : schellen liuten 3429. 

schelnie m.: mir liebet Schel- 
men ze ezzen, charoinnes 
(0) Aas 8559. 10693. 

*schelteriscke (achelderße) f. 
Tadlerin 1562. 

schich s. stich. 

schie (scie) ? : leckerie, diu da 
hat zwifaltige scie, forae- 
nerie (0), hetroc (7t) 4036. 

*schinderiime f. 9551. 

schit (schydt, schit) n. Angel 
11699. 11932. 

schiuwesal n. 8100; ein seh. 
der werden, un espouentail 
a coulon (0) 5754; Vogel- 
scheuche 8395. 

schonunge /'. 4360. 

schoup m.\ netze mit gebunden 
schouben 12014. 

schribunge f. Schrift 3267. 

*schüelerinne (achulerynne) f. 
2883. 3170. 

schuoehmacher m. 8071. 

schuohen vb.: geschuet 5683; 
schuwen (: vernuwen) 5690; 
geschuwet 6838. 

sehnten vb.: daz swert seh. 
schwingen 4222. 

scorpion m. 8409. 

seekel m.: s., mit buckeln 
übertragen , bourse pinpe- 
lotee (0) 5695. 

segenen (contr. senen) vb., 
part. gesenet 3301. 

♦segerinne f. Angeberin 5472. 

*seilerinne f. 13687. 

seitengedeene n. 7691. 

seitenspü n. 6730. 12101. 13284. 

senken vb. : wiltu mir nit an- 
ders mit Worten senken, si 
autre chose ne me dis (0) 
(Oder ist sencken = scheu- 
chen ?) 8356; daz ir von 
mir iueh läzet senken nie- 
derringen, erweichen 12676. 

setigen (sedigen) vb. 2539. 2569. 
2751. 2769. 3024. 3031. 9843. 

sez in. Site: diu junevrouwe 
hatte eine hant under ir s. 



geiaht 6484; under dem 

sezze 6671. 
sezzel m. 7586. 
sichern vb. m. Dat. d. Pers. 

als Überwundener dem Sie- 
ger das Untertänigkeitsge- 
lübde leisten 7413. 11727. 

11728; vgl. gesichern. 
Siechtage personif. Bild 107. 

13451. Bild 108. 
siechten s. siuehten. 
sihen (sijgen) vb.: wazzer s. 

11465. 
sihtecliche (sichtenelich) adv. 

7775. 
sin(synne)ni. maniere (0) 2007. 
syncke s. zinke, 
siufze (sufftze) m. 281. 
siuhten nd. verb. seufzen: 

siechten (: diechten) wohl st. 

siechtende = hd. siuftende 

9066. 
siure (sure) f. Krätzmilbe 6839 ; 

vergoigne (0) 12334. 
slseferic adj. 6367. 
*sla3ferinne f. 10730. 
*släfmeistermne f. Vorsteherin 

des Schlafgemachs 13129. 
*slegerinne f.: s. des geldes 

Prägerin 9601. 
siebte n. Ebene (so auch h, 

neutr. des Adj. sieht) : in 

eime siebten 9229. 
sleife f. Spur : ich mache nach 

mir eine s. als der snecke 

10485. 
sleifen (sleuffen) vb. 7222. 

7228. 7320. 
*sleiferinne (sleufferynne) f. 

7279. 
*slenginne f. Schlange 8294. 
sleuffen s. sleifen. 
slifen vb. : ich kan als diu 

Sirene in dem mere s. 8134. 
*sliniektec (slymechtig) adj. 

schlammig 10755. 
*slimmecliche adv. verkehrt 

10618. 
sluf m. : s. oder loch in der 

Hecke 7027. 



smacken vb.: ein übel sinac- 
kende vaz 1962; unreine 
smackende 2536; ein übel 
smackender gebüre 5142 ; 
unvlaetliche smackende 7443. -1ülj(S' 

*smeichelerie f. 626. 

Smeichelunge personif. 8140. 
8196. 

smern vb.: du solt mit reden 
fin smerende und weich sin 
8440 ; diu sense da mit sich 
smertent die rihter 8989. 

smidewerc n. 12256. 

*smidinne f. 8936. 12359. 
12595. 12603. 

smidunge f. 3856. 

*sminkeleht (sniynckelieht) 
adj. : ein sminkelehte ruote, 
smyglicht (7t), cinglans (0) 
(von smicke = Geissei ?) 
1884. 

*snidebiutel (suydebudel) m. X 
coupe bourse (Ö) 9576. 

snoedecheit (snodikeit, snödi- 
keit) f. Ärmlichheit iiI* r7 'S- 
8084. 

snoedecliche adv. 9188. 

socke m. 6495. 

soligen (solichen) vb. be- 
schmutzen 10786. 

*sorclicheit f. Gefährlichkeit 
6597. 

spade f. Spaten 9247. 9248. 
9282. 

*spaziererinne f. : der liute s., - : 
de gent esbaterresse (0) = 
celle qui amuse les andres 
13028. 

spendein s. spinnein. 

spengeln vb. 5698. 

spicher m. 3752. 9398. 

*spilerinne (spielerynne) f. 
13027. 13309. 13312. 

*spilerische (spieleresse) f. 
Spielerin 8129. 

*spilstab m. billart (0) 5234. 

spinnein (spendein) vb. mit 
Spindeln versehen 5705. 

spinnerinne (spennerynne) f. 
13688. 



spinneweppe n. 11975. 

spiserinne f. 2271. 8143. 8151. 
8623. 13163. 
• « *spitalie (spitalige) f. ? Spital 
12961. 

*spizkin (spißgin) n. Brat- 
spießchen 10455. 

*spotterie f. 627. 10792. 

*spotterinne f. 7613. 

sprechenlicheit (spreeblicheit) 
f. Sprache 2668. 

spriebe s. spriu. 

*springerische (sprengersse) f. 
Springerin 12057. 
X *sprinke m. sauterelle (0), 
hupperin (7t) , Heuschrecke 
12057. 

spriu (spriebe) f. 2698. 7745. 
7748. 

Spruch m. : lieder , Sprüche, 
getihte 6728. 

Stachel m, 8913. 

State (stade) f. Hilfe 9049. 

stecken vb.: obe der wec ge- 
dürnet oder sere gesteebet 
(wohl 'mit Stacheln ver- 
sehen 1 ) waere 6860. 

stecken (steicken) vb. fest 
heften 4259. 

Stelen (stechein) vb., glenner 
(glanner) (0), stelen (K) 
9471. 

*sterkerinne f. 4757. 

*stessen vb. (?): enwec st. 
(: vergezzen), tresculer (re- 
culer) (0), enwec ilen (7j) 
7299. 

stich m. : ich gesehen nit einen 
st. (verschrieben: schich) 
10764. 
* *sti£liche (stifflich) adv. fest 
4305. 

stillunge f. 13382. 

stopfen vb. refl. : so stopfete ich 
mich dan nit also, que ne 
m'emhru[n]chasse niie (0) 
10750; sie stopf ent sich ver- 
stopfen sich Ohren und 
Augen 11910. 

steerer m. 5147. 5322. 



sterunge f. : st. der missetät 
2411. 

strafer m. 10298. 

*sträferinne f. 2154. 

strseüich (straffelich) adj. 
10490. 

Sträflinge personif. 13082. 

strecken vb. : Christus hat sin 
leben an dem kriuze ge- 
strecket 11325. 

*streckerinne f. : st. der vor- 
beuge Aufhängerin 10029. 

*streicheln vb. 5705. 

stric m. Verknüpfung (Christi 
mit den Menschen) 2480. 
/ striffel mn. ? clique (0) Bild 
78. 10572. 

studente m. 3067. 3071. 3082. 

studieren vb. 4131. 7822. 9337. 
13171. 

stüppe n. : so vil ahten als 
unibe ein st. geschiht 8487. 
t stürzen vb. : part. gestörten 
(: ich förten), nd. Form = 
gestürzet (mit starker Par- 
tizipialbüdung) 8044. 

subtilecheit f. 2742. 

subtilecliche adv. 2631. 2747. 
2774. 5262. 7819. 8933. 9652. 
12011 ; subtilenclicher 2764. 

*süechel m. apointon (0), Art 
von Dolch (das Wort im 
Volksmund, z. B. in West- 
falen, für den Pfriemen des 
Schusters gebraucht) 8806. 

sügen vb.:'ev suhet 8277. 

sühtec (suchtig) adj. : Tracheit, 
diu sühtege 7151. 

sweizen vb. : guotiu stücke wol 
gesweizet geröstet 10537. 

sweizigen vb. blutig machen 
2662. 

*swertgürtel m. 4310. 4320. 

*tabellion m. Notar 2443. 
tac m. : einen gelegen tac 

setzen, jour competent (0) 

5167. 
tagedinge (dedinge) f. : ze den 

tagedingen des gerilltes ge- 



richtliche Verhandlung 5168 ; 
die t. erbeben wider einen 
11767; Hede, Worte 7836. 

tagedingen, teidingen (dedin- 
gen) vb. gerichtlich verhan- 
deln 10205. 

*tagedingerinne (dedegerynne) 
f. Sachwalierin 10172. 

tarsche (targe, tartsebe) f. 
Schild 3965. 4356. 4357. 
4359. 4365. 4369. 4371. 4373. 
4377. 4382. 4385. 4388. 4426. 
4665. 13000. 13091. 

tau n. : daz zeichen tbau 361. 
376. 425. 

teic (deig) n. Brotteig 2759. 

teil n. : üf ein teiles (: heiles), 
Vermengung von üf ein teil 
und eines teiles 4017. 

*teilerinne f. 2495. 

tempelaere m. Tempelherr 
11764. 

testament-«. 1876. 2320. 2322. 
2328. 2445. 2447. 2455. 2465. 
2478. 

tihten (dichten, diechten) vb. 
sinnen, nachdenken 9065; 
sine wonunge t., struere 575. 

tynsen s. dinsen. 

tisch (dusch) m. 2214. 

tiure (düre) adv. 1545; vgl. 
begrifen. 

tiuvel (dufel)- Bild 86. 12000. 

tiuvelinne (dübelynne , dufe- 
lynne) f. Bild 73. 9629. 

tole (dole) f. : mistes t. Ab- 
zugsgraben für Unrat 2534. 

toreht (dorheit) adj. passim. 

teerlich (dörlich) adj. merk- 
würdig, eigenartig 771. 

Tot personif. 3898/3902; von 
12121 an passim. 

teetlich adj. 2428. 3178. 4272. 
6391. 7729; von eime teet- 
lichen luoder (vgl. d.) 4269. 

tetunge /'. 8985. 

touf m. : der heilige t. Bild 9. 
3305. 11476. 

Tracheit personif. 6817. Bild 
61. 7151. Bild 62, 63 u. 64. 

21* 



324 



Wortverzeichnis. 



8818. Bild 75. 9038. 9630. 

9643. Bild 80. 
tragen vb. : sich ze Sünden t. 

in Sünden einwilligen 2203. 
tregerinne f. Trägerin (der 

Waffen) 4870. 
triben vb. : mit den drin buock- 

staben hie vor getriben, 

que j'ai dit (0) 2394. 
triegerinne f. 2975. 4045. 
trippeln vb. 12060. 
truferie f. Zauberei 6741. 
trügerie (driegerie, drügerie) f. 

4494. 5208. 9255. 9797. 

10006. 10009. 
Trüreckeit personif. 7156. 
tücke f. das Tun, Gewohn- 
heit 9216. 
tilgen vb. : ez tone nit 8399. 
Tngent personif. 12383. 
tugentriche adv. vertuaunient 

(0), virtualiter (h) 3108. 
tunken vb.: sich dar under t. 

12139. 
tuon vb. : daz ich so vil arbeit 

Mn dun dun, das erste dun 

= tun = getün = getan 

4697; ähnlich 6587. 
tupfen (duppeu) n. Topf 1961. 

1989. 2008. 2016. 2034. 2040. 

2043. 

iibele stän vb.: übelstände 

Sachen 3156. 
über (über) präp. : über sant 

Nielas , trotz, ungeachtet 

8507. 
übereinzio (uberentzig) adj. 

10553. 
überkorneni;&.: ü. mit überein- 
kommen 5794. 
überleste f. Beschwerde 4442. 
überlegten vb.: din gedenken 

ist mit torheit überlast 

1208. 
überlüt adv. 3785. 4496. 7373. 

7494. 
übermüeteo adj. 473. 
überselietzvmge f. 618. 
übertretunge f. 2200. 



übertwerh adv. schräg 11747. 

übervüllen vb. : die übervüllent 
ir maz 9616. 

*überw£eneo (überwenig) adj. 
übermütig, anmassend in 
Gedanken 980. 

*überwsenunge (uberwenonge) 
f. Anmassung 5033. 5042. 

Überwindunge personif. Bild 
100. 

überwunne f. outrage (0), Aus- 
schweifung 13664. 

üf m.Verb.] -dringen: etewenne 
sie die (hant) üfdranc 9152; 
-geben: sinen geist üfgeben 
2306 ; *-welgen : viuhtecheit 
üf gewolken (: wölken), va- 
peur alevee (0[MJ) 6422. 

üfenthalt m. Unterhalt 11865. 

üferstentnisse f. : ü. aller toten 
3306 ; ü. des vleisches Paren- 
these nach 3309. 

üf gane m. Aufgang ( der Sonne) 
677. 6016. 

üfhalt m. Erhaltung 7681. 

üfhalterinne f. 8152. 

üfhap (uffhab) m. eig. Abhub, 
Überrest der Mahlzeit: ü. 
den knaben ze geben 2223; 
ü. vür vrouwen swanger 
2225; ü. Tür die siechen 
2227; ü. der da über bliben 
was an dem nahtmäle da, 
Got selbes az Altarsakra- 
ment 2231; 2216.2220.2237. 
2469. 2485. 2489. 2496. 2516. 
2524. 2527. 2531. 2544. 2563. 
2579. 2590. 2600. 3196. 4886. 
Bild 43. 

üfrehtecliche adv. 1615. 

üfTanc (ufffang) m. Fang, 
Jagdbeute 7790. 

umbe m. Verb.] -gürten 8981. 
8983; -hangen: die umbe 
hangenden stücke der Übel- 
tat 996; *-welben (wölben): 
die zirkel (der Planeten) ir 
umbewelbt 1389. 

umbehano m. Vorhang 3706. 

*nmbeleiter (umbleyder) m. : 



u. der liute einer der die 
Leute an der Nase herum- 
führt 6669. 

*unibeheldet part-. : mit spitzen 
phriemen n. (: Terstellet) 
(Ableitung von md. beide = 
Fessel?) 8836. 

*uniberinge adj. (?) : so ist mir 
der Terdriez Taste umbe- 
ringe (: ringe), min umb- 
geberin (h) 11267. (Ist an 
Zusammenhang mit urnbe- 
rinc = Umkreis zu denken, 
etwa so, daß aus dem Subst. 
gewaltsam ein Adj. = um- 
ringend gemacht wurde?). 

umbetriber (umbdryber) m. : 
u. der liute einer der die 
Leute zum Besten hat 6668. 

unbekentlich adj. 978. 11021. 

*unbekentlicheit f. ingnorence 
(0) 6519. 

uubeslagen part. adj., der 
Stab des Pilgers so genannt 
3344. 3648. 3665. 3671. 3675. 
3685. 

und conj. für uns pleonastisch 
4410. 5253. 5517. 5520. 7997. 
10331. 11177. 13579. 13851. 

underdrückunge /'. : der guoten 
morsel u. Beiseiteschaffung 
10475. 

*undergesihte n.: mit uuder- 
gesibte besehen schief, von 
der Seite 7595. 

undergürtel m. 9859. 

*underhap m.: mit soliohem 
underhabe, par tel condieion 
(0), underscheit (h) 3703. 

underlaehen vb. 5255. 8575. 

underlesen vb. auslesen 1977. 

*underlosunge f.: stiebe in 
aneTebtungen gebeut ime 
underlosehungen, recreation 
(0), lossunge (7t) 3761. 

undernemen vb.: du solt dich 
nit u. die ze bindern 5429. 

undememunge f. 617. 

underrihtunge f. 1152. 4705. 

underroe m. 7513. 9865. 



Wortverzeichnis. 



325 



underseheidecliohe adv. 1002. 

1137. 4276. 
underseheidenliche (-scheident- 

lich) adv. 2150. 
understän vb.: einen Terren 

wec u. unternehmen 2188. 
Undertsenecheit personif. 

Bild 99. 
underwisunge f. 4704. 7541. 

9977. 13443. 
underzuo m. 9411. 
*ungebsereeheit f. Ungeberde 

8743. 
*ungeformieret part. adj. un- 

gestalt 7520. 
ungehindert part. adj. 3677. 
Ungehörsamecheit personif. 

Bild 65. 7895. Bild 68. 
ungelückec (ruigluekig) adj. 

2519. 
ungemüetec adj. betrübt 6291. 
ungestüemecheit (ungestum- 

mekeit) f. 11706. 
ungetrost part. adj. 8815. 
ungeTerwet adj. 8273. 
ungewin m. 1273. 
Unkhischeit personif. Bild 78 

u. 79. 13131. 
unkunstf. Unwissenheit 6581. 
Unmüezeeheit personif. 6647. 
Unmuoze personif. Bild 57. 
unrät m. Unrat 5214. 
unredelich adj. unvernünftig 

3205. 4221. 10343. 
unsittlich adj. 4926. 
unstate m. (so auch h) : grözen 

unstaten 5031. 
'•'iinatrEeflick (-strefflieh) adj. 

saus mesproison (0) 4172. 
*unTerdüret part. : sie tuot vil 

übeles u., et jour et nnit 

(0) 9527. 
unTersehenliche adv. 1534. 
unversteutlieh adj. unverstän- 
dig 1543. 
unvertregeliob adj. 8875. 
un verwertet (unverwartet) 

part. adj. = unverletzt, von 

ivngeschwächter Festigkeit 

11454. 



*miTÜeleba3re adj. unempfind- 
lich 8775. 

unwar n. (oder unwsere f. ?) : 
an uiiwäre 2254. 

unwert adj.: wä der wee ist 
gar u. 10773. 

'•''unwilligen vb. tourmenter (0) 
12698. 

unwizzentlich adj. 977. 

unzseme ad/.=ungez£emeS986. 

üppige ere f. 7657. Bild 66. 

uscht, iitscht s. iht. 

üz m. Verb] *-kürnen: üzge- 
kürnet, esmaillie (0), gla- 
snret (h) 3265; *-lecken: 
mit ir krappen sie mit ge- 
walt üz leckent (:steckent) 
Gotes Gnade, esloohent (0) 
9940 ; -mezzeu8375 ; -recken : 
üzraeken (: backen) 7140 ; 
-rehten : ftzgeracht 1343 ; 
-scheiden 5889; -schüten: 
die nnreinecheit ü. 1974; 
-sin: die üzwesenden Ab- 
wesenden 8687. 

üzerlich adj. : daz üzerlicbe 
lieht 6023. 

üzern vb. refl.: sieh Ton dem 
guoten ü. 767 ; von der weit 
799. 

üzgäbe f. 9563. 

*üzgeberinne f. 2469. 9607. 
10988. 10999. 11385. 
"s^üzkürnunge f. Glasur 3266. 

*üzrieken n. das Ausziehen 
(des Wamses) 3837. 

üzribterinne f. 8361. 

üzrihtunge f. 426. 2046. 5139. 

*üzruofec (ußruffig) adj. escla- 
tans (0) 474. 

üzsetzecheit f. 990. 

üzsprechunge f. 1128. 

*üztregerinne f. 9606. 

vahswm.? nerf (0)6185. 8205. 

Tal m. : ich gienc abe in den 
tiefen tal und steie abe in 
einen grozen t., je descen- 
doie en oe Tal (parfont) et 
avaloie (0) 9103. 



VEele treten vb. 8765 (Hs. ivohl 

irrtümlich falletr.). 
valsoherie f. Betrug, Fälschung 

8142. 
valt m. : üz den fehlen legen, 

desploier (ö) 1125. 
var (faer) m. 7648. 
fardel n. 1133. 1135. rC- : ~i . 
vazzen (fassen) vb. in Fässer 

füllen 1059S. 
Telleo adj. hinfällig 5000. 
venekin (fenychin) n. Fähn- 
chen 53. 
*venger (fenger) m. 7863. 
venne s. Tinne. 
Teranderunge f. 1419. 5348. 
*Teräsen vb. 2536. 
Terbleichen vb. bleich machen 

8275. 
verbüezen vb., pari, ver- 

biissen (: zurryssen), ta- 

connee (0), geplaeket (h) 

geflickt 9446. 
verbuntlick adj. gebunden, 

unfrei 1820. 
*Terbuntlicbeit f. Dienslbar- 

keit 8740. 
Terdeebtecliche (Tordechtec- 

lich) adv. = Terdsehtliche 

4847. 
verdenknnge (vordenckonge) 

f. Trug, Täuschung 10113. 
verdienen n. 6218. 
Terdienunge f. 427. 
Terdöuwunge (Terdaugonge) f. 

13708. 
verdriezen n. 2596. 
verdrützic (verdrussig) adj. 

1444. 
*verdultigen vb. sich gedulden 

4285. 
*vereinecheit f. Einheit 8954. 
Tereinigunge f. 13669. 
*Tereinscbaft (Tereynischafft) 

f. : v. der heiligen 3302. 
verenden vb. : die in daz gelt 

verendent (: verphendent), 

geben (h) 9947. 
vergenelicb adj. 6282. 
vergezzunge f. 606. 



326 

vergiftigen vb. vergiften 8325. 

8904. 
vergriffen vb. sich vergreifen, 

einen Mißgriff tun 1548. 
Vergunnunge personif. Bild 

71. 
verhärten vb. verstockt werden 

(in Sünden) 1935. 1936. 
verhartunge (verhertonge) f. 

7958. Bild 69, 73 u. 80. 
verhouwen vb. verwunden 

3537. 
verhungern vb. 2279. 
verkerlich adj.: v., imgestalt 

8401. 
verklutern vb. refl. sieh ver- 
wirren, verschlingen 9822. 
verkouf erinne (verkeuffery nne) 

f. 9721. 
*verlsezecheit (verlessikeit) f. 

lasohete (0), verlaßenkeit 

(70 7198. 
verlesenen (verloschen) vb. : 

die sünde v. 1949. 
veiiiesunge (verlieronge) f. 

7734. 
verlusti«. : dar an hastu keinen 

v. genomen 2870. 
*vermserunge f. diffamation 

(0) 8738. 
*yermomparn- vb. (von munt- 

hor, momper) mainbournir 

(0) beschützen 5669. 
vermöge (vermöge) f. Ver- 
mögen, Fähigkeit 1756. 
vernüegen vb. befriedigen 3028. 

3032. 12742. 
Verraeterie personif. 8141. 

Bild 71. 8492. 8704. 8721. 

8781. 8800. Bild 73. 
verrosten vb. im eigentl. Sinn 

6602; Midi.: verrostet in 

Sünden 6613. 
*verrouchen vb. : ein lanterne, 

verrauchet dunkel 6005. 
*versaz (versaiß)P, saiß (h), 

verjus (0), Saft unreifer 

Trauben 8893. 
versehiden vb.: daz ich von 

Got dem vater werde ver- 



Wortverzeichnis. 

schiden , (des)sevree (0) 

8964. 
versiechen vb. 2280 ; versuchen 

4193. 
verslüohen vb. refl.: sich in 

bruochen v. , habiter (0) 

10679. 
*verslurken (-slurgen) vi. ver- 

schluchen 12024. 
versmahunge f. 982. 7491. 

Bild 74. 8917. 8928. 
verspehen vb. auskundschaften 

13323. 13324. 
verspiwen vb.: er wart ver- 

spfget 3479. 
verstalt pari. adj. 4786. 4809. 
*versteinecheit f. Verstocktheit 

1967. 
*versteinunge f. desgl. 5155. 

Bild 65 u. 80. 
verstoerunge f. 11103. 
versümnisse f. 7197. 
versuochen vb.: der epfel v. 

8564. 
verswerunge f. Bild 76. 10100. 

10111. 10112. 10114. 10124. 

10220. 10226. 
vertiuren vi.: ich kan ime 

daz nit v. 10777. 
verteeren vb. 1526; ir guot 

nemen und v. 616; weit ir 

iuwer abc nit v. 11053. 
vertrac (verdrag) m. deduit 

(0) Zeitvertreib 5706. 
vertragen vb.: ich hau in 

vertragen ze vil 1471; sich 

mit torheit v. 718; m. Bat. 

mit einem Nachsicht haben 

1540; einen verschonen 2031. 
*vertürmeln vb,, pari, ver- 

durmelt, estourdiz (0) 4443. 
vervachen vb. ablegen 3402. 
vervachen pari. : mit schimpfe 

vervachen (: underlachen) 

(= vervangen?), tout a la 

trufle tournant (0) 5256. 
vervähen, verfangen vb. : einen 

wec v. einschlagen 6512. 
vervlizen vb. : die üf die weit 

vervlizzen sint 11891. 



vervülen vb. 13814. 
vervürhten vb., pari, verfoch- 
tet: obe ir sit verteeret oder 

v. 1527; stark verfochten: 

alter diu v. 13563. 
verwandelunge f. 1369. 1377. 
verwenden vb.: die zit v. 

6486. 
*verwenerinne f.: ein ver- 

wenerinne der liute, en- 

veloperesse (0) 5473. 
verwicken vb. verwickeln 7203. 
verwiz m. 2851. 
verwundern vb.: ein verwun- 

dertiu sache 4808. 
♦verwurzeln vb.: die gleven 

sint verwurzelt tief in min 

herze 8320. 
verzoubern vb. 5464. 
verzwivelunge f. 7218. 11089. 
veste (feist : ist) adv. 549. 
vieärie m. 366. 422. 483. 527. 
*fiden vb. refl. sich verlassen 

auf 2645. 3255. 3572. 3634. 

3657. 4919. 6380. 7938. 9047. 

11224. 11412. 
*fldunge f. Vertrauen 4922. 
vige f. 5920. 
vihelin n. 805. 
vile f. 6622. 9139. 9654. 9679. 

9716. 12999. 13081. 13085. 
viler m. 6622. 

*vilerinne (fylerynne) f. 8935. 
vinden vb. int/r.: ich mache 

doner v. sich einfinden 8900. 
vinne (venne) m. Bauer (im 

Schachspiel) 9330. 
vinsterlich adj. 6426. 
*violette f. Veilchen2887. 6723. 
firmunge f. Bild 10. 
viuhtunge f. 1486. 
*fleckmatiken , die m. plur. 

8896. 
vliegen (Nebenform: fliehen) 

vb. 1448. 
vlöch m.: vlcehe in den ören 

5977. 
*fl6rette f. Blümchen 2886. 
flottichen (Heftigen) vb. flattern 

12094. 



t 



, vlückec (iiuekig) adj. flügge 

7201. 
*volbringerinne (follenbrenge- 

rynne) f. 8362. 
volle m.: ich hau nit den 

vollen ze spilen 12097. 
*voll eckig adj. bitumineus 

(0), follechtig (h) 12217. 
vollentliche adv. 1846. 2640. 

3373. 
volzuc (follentzog) m. 3551. 
vor- s. ver-, 
vorhanc m.: Trägheit hat ge- 

släfen in vorhengen der 

bischove 7093. 
vrecheclich adj. = vrechlich 

7648. 
vrechheit (frechikeit) f. 465. 

979. 2179. 
vrezzerie f. 4028. 
vrischecliche ado. = vrisch- 

liche 5561. 5597. 8447. 
vrumen (frommen) vb. 4552. 
vüelunge /'. 4093. 
vüererinne f. 6096. 12840. 
*vuhshüt f. Fuchspelz: ge- 

vuotert mit vühshiuten8037. 
vülecheit (fulekeit, fulikeit) 

f. 5751. 8565. 8567. 
*vulecliche (fuleclich) adv. 

träge 9033. 
fundament (fondement, fulle- 

mint) n. 13. 9245. 9286. 
fundieren vb. 251. 
vunt m. : mit laster und beesen 

vünden 6614. 6618; spottige 

vünde 7616. 
vuoter (fuder) n. Scheide (des 

Schwertes) 4230. 4241. 4256. 

4262. 4268. 4278. 4283. 4286. 

4295. 4301. 4347. 4353. 
vuoterni)&.: gevnotertiu klei- 

der 7500 ; der spiez was mit 

liute 6ren gevuotert durch 

8222 ; gevnotertiu ören 8625. 
vuoz m.: daz holz über v. 

verkoufen 9742. 
vuozen vb. refl.: sie begunde 

sich vür mich v. zu Füßen 

legen 9038. 



Wortverzeichnis. 

vürderliche (furderlich) adv. 

alsbald 5785. 
vürkomen vb. 5601. 
vürsihticheit f. Bild 37. 4365. 

4812. 
vürspreche m. Fürsprecher, 

Anwalt 1620. 5056. 
vürsprecher m. 6750. 
vürsprecherinne f. 10171. 
vürtuoch (furduch, fürduch, 

fürduch) m.paUarium 12323. 

12336. 12343. 12349. 

\( wacke m. Feldstein 8839. 8853. 
'' 8917. 8919. 8925. 

walhere (weller) m. Pilger 
passim. 

*wallesac m. Pilgertasche 93. 
3233. 

wallestap m. 83. 92. 149. 356. 

wallevart f. 293. 

wander m. = wandel: war zuo 
ich diene und minen wan- 
der vervolge 12043. 

wandern vb.z brot wart in 
vleisch gewandert (: ver- 
ändert) 2609. 

wannen vb.: daz körn w. 2696. 
2697. 

Wärheit personif. 10128. 
10607. 

was adj. : an den vlügeln der 
mülen was (: was) schneidend, 
scharf 2703. 

wec m. : underwegen lazen 
4950; uzer wege: bösheit 
diu tuot ü. w., felonnie (la) 
desvee (0) 754; fl. w. tuon 
11164. 
Xwecholter m. Wacholder 7172. 

wegen (wigen) vi.: einen üz 
der helle w. 2310. 

wegevertic adj. 4725. 

weidelich adj. 3253. 7760. 

wele f. : obe ich in mime 
harten herzen nit han die 
w. 11341. 

welle /'. : ein w. holzes Bündel 
11721. 

weller s. wallsere. 



327 

wenicheit f. : einwenichet eine 
Kleinigkeit 11446. 

weppe n. Gürtel (des Kleides) 
105; Riemen (der Pilger- 
tasche) 3261. 

werben vb. betreiben 5810; 
sinen tot soltu nit w. 5811. 

werbunge (werffonge) f.: von 
weltlichen Werbungen, se- 
culiere implication(O) 12169. 

weregeziue n. 6053. 7671. 

werffonge s. werbunge. 

werltlicheit f. 9943. 

wescherinne f. 1956. 1351S. 

wesen n. : diu konien(de) w., 
ta produetion (0) 5927. 

wesentliche (weselich, wesen- 
lich) adv. localiter (h) 3107. 
3113. 

wider n. : so vil widers er dir 
nit tsete, intrages (7t) 6324. 

*widerbizen«&. : widerbizende, 
remordant (0) 2025. 

* widergewihte n. Gegengewicht 
13355. 

widerhäke m. 8633. 

*widerkleiden vb. revestir (0) 
2270. 

widermacher m. : w. alter 
socken und alter kleider 
6494. 

*widermachet pari adj. wider- 
natürlich 4741. 5758. 9347. 
10828. 

widersagunge /'. : einer dem 
andern w., coniradieiio 7492. 

widersin m. entgegengesetzter 
Sinn 1096. 1530. 5343. 6592. 



widerspringen n. regiber (0) 
hinten ausschlagen 4175. 

Widerspruch m. 2506. 

*widerstalt part. adj. wider- 
wärtig 5009. 

widerstant m. 4200. 4831. 7930. 

*widerstellecheit f. Widersetz- 
lichkeit 7896. 

*widerstellerinne f.: w. der 
valschen sigel, contrefaiser- 
resse (0) 9598. 



Deutsche texte des Mittelalters XX V 



Tafel I 



328 

*Widerstellunge personif. 

Bild 65 u. 68. 
*widerverkoufer m. 9945. 
widerwenden vb. 5377. 
widerwert in. 6263. 6294. 6459. 

11062. 
widerwiseii vb. 2852. 3096. 
*wigerinne f. Wiegerin, Wä- 
gerin 9720. 
wikunge f. 600. 
wildeoheit f. S163. 8184. 
wiltYane in. fremde (gleichsam 

wie ein Wild eingefangene) 

Person 9112 ; Jagdbezirk 

9514. 
winde f.: reife und winde 

(des Schiffesl, bint winden 

(h) 12801. 
winden vb. : daz mer was ge- 
windet sere 11632. 
winkelinaz n. 2382. 2440. 
*winnebrot n. gaaignepains 

(0) 4122. 4130. 4133. 4145. 

4423. 4457. 9810. 
winnunge f. 10190. 
wint m. leere Prahlerei 4291. 
*wirdisoli (: frisch) adj. = wir- 

dic schön, herrlich 3523. 
wiseeliehe adv. = wisliche 

4050. 
wiser in. Führer 10297. 
Wislieit personif. 2730. 2754. 

2760. 2797. Bild 28. 2867. 

3035. 
wlzbrot n. 1670. 2649. 10607. 
Wize (Wihsse) personif. 13144. 
wizzecliohe adv. 2765. 4226. 
wizzenthaft adj. sciente (0) 

13573. 



Wortverzeichnis. 

*wolfvenger (wolfffenger) in. 

7060. 
*wolfyengerinne (wolffefenge- 

rynne) f. 7059. 
wolgevallen n. 355. 4428. 
wolge?ellickeit f. 11150. 
woltät (woledait) f. 6443. 
wüestecheit (wustikeit) f. Un- 

sauberkeit 7047. 
■wüestenie f. 11515. 
wülpinne f. Wölfin 10497. 
wunderunge f. 1370. 
wurmaezio (wurmessig) adj. 

wurmstichig 8479. 

zeln vb.: diu groze smidinne 

gezelt (: kelt) 12667. 
zerquetschen vb. 2035. 
zerteilnnge f. 7733. 
zil n. : Tracheit hatte z. sich 



ze pmigen 

zinihervrouwe f. 1735. 

zinke (syncke) m.: sie sparete 
mich nit mit zinken 8791; 
suochen gedenken mit zin- 
ken, quier mucailles et 
cornes (0), suochen yer- 
horgenheit (7t) 10763. 

*zinkeleht (sinckelecht) adj.: 
daz iaen an der gleven was 
z., bai'bele (0), mit Wider- 
hallen versehen 8228. 

zinneleht adj. zackig: ein 
nmre z. 6,688. 

zinshaftic adj. 9320. 

zipf in. : zipfen an grözen 
kappen Zipfel 7512. 

zirkel m. : die zirkel (der Pla- 
neten) balde oder gemache 



umbeweiben, les esperes (0) 

1388; des himels zirkel, 

zodiaque (0) 9142. 9704. 

9718. 9719. 9738. 9757. 9799. 
zirkeln (circulen) vb. nach dem 

Zirkelmaß verfertigen 5893 ; 

abzirkeln, abwiegen 12181. 
zit f. : in zite 8480. 
zitglocke f. SkmdenglocJce 

13847. 
zitvertrip m. 10461. 
zogen vb.: tou allen guoten 

Worten zuget (: erzinget), 

entwiset (7t) 8657. 
zogen s. zotigen, 
zolle f.: spilen mit der zollen 

ein Kinderspiel (vgl. Renner 

14864) 12096. 
Zorn personif. 8903. 
*zornisch adj. zornig 1100. 
zöugen (zeugen, zögen) vb. 

zeigen 4504." 13727. 
zouwen vb. refl. sich bereit 

machen, rüsten 8524. 
zücker m. Räuber 9590. 
zuo in. Verb.] -*hellen: die mit 

zuo hellent ze solicher tat 

9612; -ziehen 9586. 
*znohal (zuhall, verschr. [auch 

in li\: zuhält) m. Wieder- 
hall 8191. 
zuohellunge f. desgl. 8177. 
*zuohcerer (zughorer) in.. 5372. 
zuovluht f. 11056. 
zuozuc m. 11221. 
zweien vb. refl.: einen wec 

der sich zweiete 6466. 
zwivaltigen vb. 4121. 
zwivelunge f. 226. 



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Di'uck von Bhrhardt Kai'ras, G.m.b.H., Halle a. S. 








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Handschrift der Fürstlich Sayn-Wittgensteinschen Schloß- 
hihliothok zu Rerlehurcr. T.it. A. \'r 1292. Bl. l r . 



Deutsche Texte des Mittelalters XXV 



Tafel 11 



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Handschrift der Fürstlich Sayn-Wittgensteinschen Schloß- 
bibliothek zu Berleburg. Lit. A. Xr. 1292, Bl. 352'. 



Deutsche Texte des Mittelalters XXV 



Tafel III 



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Handschrift der Stadtbibliothek zu Hamburg. 



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